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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. Trotz einer langen Nacht im Hospital, die Dr. Daniel Norden mit der Behandlung einer Freundin verbracht hatte, saß er am nächsten Morgen pünktlich an seinem Schreibtisch im Sprechzimmer des Kreuzfahrtschiffes ›Carribean Pearl‹. Nachdem sich der Schiffsarzt Dr. Lars Forberg den Arm gebrochen hatte, hatte er seinen Kollegen gebeten, die Leitung der Ambulanz für die Dauer der Kreuzfahrt zu übernehmen. Obwohl der Plan der Familie Norden ein anderer gewesen war, hatte sich Daniel in Absprache mit seiner Frau dazu entschlossen, diese einmalige Chance zu nutzen. »Ob das wirklich so eine gute Idee gewesen ist?«, hatte er sich selbst aber inzwischen mehr als einmal gefragt. Als seine Assistentin Valerie den Kopf zur Tür hereinsteckte, schreckte Dr. Norden aus seinen Gedanken hoch. Ihre besorgte Miene zeugte davon, dass sie von der turbulenten Nacht gehört hatte. »Wie geht es Frau Forberg?«, erkundigte sie sich, während sie ihrem Chef Kaffee einschenkte. Daniel überlegte kurz, wie viel von der Wahrheit er preisgeben sollte. »Sie hat ein paar Prellungen und ein Schleudertrauma und wird ein paar Tage zur Beobachtung hier bleiben«, klärte er Valerie auf. An diesem Morgen war der Kaffee stark und aromatisch, eine Aufmerksamkeit, die er ihr mit einem Lächeln dankte. Er trank einen Schluck und hoffte, dass sie nicht nach Einzelheiten fragte. »Wie kann man nur so tollpatschig sein?«, zog Valerie zum Glück ihre eigenen Schlüsse. »Herr Dr.
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Trotz einer langen Nacht im Hospital, die Dr. Daniel Norden mit der Behandlung einer Freundin verbracht hatte, saß er am nächsten Morgen pünktlich an seinem Schreibtisch im Sprechzimmer des Kreuzfahrtschiffes ›Carribean Pearl‹.
Nachdem sich der Schiffsarzt Dr. Lars Forberg den Arm gebrochen hatte, hatte er seinen Kollegen gebeten, die Leitung der Ambulanz für die Dauer der Kreuzfahrt zu übernehmen. Obwohl der Plan der Familie Norden ein anderer gewesen war, hatte sich Daniel in Absprache mit seiner Frau dazu entschlossen, diese einmalige Chance zu nutzen.
»Ob das wirklich so eine gute Idee gewesen ist?«, hatte er sich selbst aber inzwischen mehr als einmal gefragt.
Als seine Assistentin Valerie den Kopf zur Tür hereinsteckte, schreckte Dr. Norden aus seinen Gedanken hoch. Ihre besorgte Miene zeugte davon, dass sie von der turbulenten Nacht gehört hatte.
»Wie geht es Frau Forberg?«, erkundigte sie sich, während sie ihrem Chef Kaffee einschenkte.
Daniel überlegte kurz, wie viel von der Wahrheit er preisgeben sollte.
»Sie hat ein paar Prellungen und ein Schleudertrauma und wird ein paar Tage zur Beobachtung hier bleiben«, klärte er Valerie auf. An diesem Morgen war der Kaffee stark und aromatisch, eine Aufmerksamkeit, die er ihr mit einem Lächeln dankte. Er trank einen Schluck und hoffte, dass sie nicht nach Einzelheiten fragte.
»Wie kann man nur so tollpatschig sein?«, zog Valerie zum Glück ihre eigenen Schlüsse. »Herr Dr. Forberg hat schon öfter erzählt, dass seine Frau ständig stolpert und über Stühle und Teppichkanten fällt.« Ehrliches Bedauern stand in ihrem Gesicht. »Vielleicht sieht sie schlecht. Sie sollte mal zum Augenarzt gehen.«
Wäre der wahre Grund nicht so tragisch gewesen, hätte Daniel über diese Vermutung lächeln können. So aber blieb seine Miene ernst. »Ich werde es ihr ausrichten«, versprach er und beschloss, das Thema zu wechseln. »Wie geht es Jakob?«
Als er den Namen ihres Freundes erwähnte, schoss Valerie das Blut in die Wangen. »Er isst schon wieder wie ein Scheunendrescher. Wenn ich nicht selbst gesehen hätte, wie schlecht es ihm ging, würde ich es nicht glauben.«
Daniel zwang sich ein Lächeln auf die Lippen.
»Sehr schön. Grüßen Sie ihn von mir.« Er brachte die Tasse neben dem Computer in Sicherheit. »Was steht heute an?«
»Im Augenblick ist nur eine Frau im Wartezimmer. Sie ist erst in Puerto Plata mit ihrer Tochter zugestiegen und bittet um ein Gespräch mit Ihnen.«
»Dann immer herein in die gute Stube«, erwiderte Daniel Norden und machte eine großartige Geste, die Valerie zum Lachen brachte.
*
Nur ein paar Minuten später betrat Elvira Barnabas das Sprechzimmer.
»Bitte setzen Sie sich!«, forderte Daniel sie nach der Begrüßung auf. Er lehnte sich zurück und nutzte die günstige Gelegenheit, um sich ein erstes Bild zu machen. Obwohl sie sich offenbar Mühe gegeben hatte, lässig zu wirken, umgab sie eine Aura von Luxus. Zu kniekurzen, grauen Shorts trug sie ein schwarz-schimmerndes Shirt und silberne Flip-Flops. Das braune Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, und um ihren Hals hing eine silberne Tiffany-Kette mit einem auffälligen Anhänger. Darüber hinaus mit ebenmäßigen Zügen gesegnet, hätte sie eigentlich glücklich sein können. Trotzdem entging Daniel die Trauer nicht, die in ihren Augen stand. »Was kann ich für Sie tun?«, erkundigte er sich freundlich.
Elvira schlug die Beine übereinander und sah ihn an.
»Es geht nicht um mich, sondern um meine zwanzigjährige Tochter Stella«, redete sie nicht lange um den heißen Brei herum. »Bei ihr wurde kürzlich eine tödlich verlaufende Muskelkrankheit diagnostiziert.« An dieser Stelle bröckelte die mühsam aufrecht erhaltene Fassade, und Daniel bemerkte die Tränen, die in den Augen der Mutter schimmerten. Doch Elvira hatte sich schnell wieder im Griff. »Deshalb habe ich beschlossen, ihr die verbleibende Zeit so schön wie möglich zu machen.«
»Dieses Vorhaben ehrt Sie, und es tut mir sehr leid für Ihre Tochter.« Wie immer bei solchen Geschichten dankte Dr. Norden dem Schicksal, das ihm so etwas bisher erspart hatte. Das eigene Kind zu verlieren war das Schlimmste, was er sich vorstellen konnte.
Aber er wäre kein Profi gewesen, wenn er sich seinen Emotionen ausgeliefert hätte. »Aber wie kann ich Ihnen oder Ihrer Tochter helfen?«
Elvira antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm sie Dr. Norden ins Visier, als suchte sie in seinem Gesicht nach einem Zeichen dafür, dass sie ihm vertrauen konnte.
»Stella weiß nichts von der tödlichen Diagnose. Sie denkt, dass die Muskelschwäche von einer Sportverletzung herrührt und wieder vorbei geht.« Elvira schluckte. Es war ihr anzusehen, dass sie schwer an ihrem Geheimnis trug. »Sie braucht alle paar Tage eine Spritze, um die Schmerzen in Schach zu halten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Bescheid wissen.« Sie sah Dr. Norden durchdringend an. »Und dicht halten.«
Daniel lehnte sich zurück und musterte Elvira Barnabas. Auf der einen Seite verstand er die Beweggründe der Mutter. Auf der anderen Seite hatte die Tochter natürlich ein Recht darauf zu erfahren, was mit ihr geschah, was sie erwartete.
»Stella ist erwachsen«, setzte er zu einer Erklärung an.
Darauf schien Elvira schon gewartet zu haben.
»Ich bin aber nicht hier, um mir eine Moralpredigt abzuholen«, schimpfte sie. »Glauben Sie mir! Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber was hat es für einen Sinn, einem Menschen die letzten Monate seines Lebens mit aller Gewalt zu vermiesen? Stella ist das Einzige, was ich noch habe. Wenn es eine Heilung gäbe, hätte ich längst Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Aber da ist nichts. Sie hat keine Chance. Deshalb soll sie die Zeit, die ihr noch bleibt, so unbeschwert wie möglich verbringen.« Erregt sprang Elvira vom Stuhl auf. Ihre Augen funkelten wie die einer wütenden Löwenmutter, als sie sich auf den Schreibtisch stützte und sich zu Daniel hinüber beugte. »Wenn Sie mir nicht helfen, gehen wir in Santo Domingo wieder von Bord. Es ist Ihre Entscheidung!« Zitternd wie Espenlaub stand sie vor dem Arzt.
Beide wussten um den Erpressungsversuch, auf den sich Dr. Norden im Normalfall niemals diskussionslos eingelassen hätte. In seiner Praxis hätte er vom Kollegen sämtliche Untersuchungsergebnisse angefordert und gemeinsam mit der Mutter entschieden, was das Beste für ihr Kind war. An Bord der ›Caribbean Pearl‹ aber hatte er diese Möglichkeit nicht. Er hatte keine andere Wahl, als Elvira Barnabas’ Willen zu respektieren, schon deshalb, weil sie nur an das Wohl ihres Kindes dachte.
*
»Das ist der Beweis!« Dr. Danny Norden saß am Schreibtisch seines Sprechzimmers und starrte auf das Blatt Papier, das er eben erst aus dem Umschlag gezogen hatte. Es handelte sich um die Analyse einer Blut- und einer Gewebeprobe, die die Behnisch-Klinik in seinem Auftrag an ein Speziallabor weitergegeben hatte. »Rebecca Salomon leidet tatsächlich an Morbus Fabry.« Diese Erkenntnis beschäftigte ihn so sehr, dass er nicht bemerkte, wie die langjährige Assistentin Wendy anklopfte und in Ermangelung einer Antwort schließlich eintrat.
»Du liebe Zeit, du bist ja ganz blass!« Den kritischen Blick auf den Junior gerichtet, trat sie vor seinen Schreibtisch und legte ihm ein Attest zur Unterschrift vor. »War eines von Tatjanas Schokocroissants schlecht?«, spielte sie auf die drei Gebäckstücke an, die Danny vor Beginn der Sprechstunde am Tresen stehend verschlungen hatte.
Staunend und mit einer Spur Neid hatte Wendy mit ihrer Freundin und Kollegin Janine dabei zugesehen, wie ein Croissant nach dem anderen im Mund ihres schlanken Chefs verschwunden war.
So nahm es nicht wunder, dass sich in ihre Stimme neben echter Sorge auch eine Spur Schadenfreude mischte.
Obwohl ihm die Kalorienbomben tatsächlich im Magen lagen, wollte Danny ihr diesen Triumph nicht gönnen.
»Tut mir leid, wenn ich Sie enttäuschen muss«, konterte er unwiderstehlich lächelnd. »Aber das Croissant, das so eine Wirkung bei mir hervorrufen könnte, muss erst noch gebacken werden.« Schwungvoll setzte er seine Unterschrift unter das Attest.
»Beneidenswert!« Mit einem kurzen Blick auf ihre rundliche Mitte gab sich Wendy geschlagen. »Was hat es dann mit deiner vornehmen Blässe auf sich?«
Der junge Arzt griff wieder zum Laborbefund und lehnte sich zurück.
»Erinnern Sie sich an Rebecca Salomon?«
Im Grunde genommen war diese Frage überflüssig. Danny wusste um das gute Gedächtnis seiner Assistentin.
»Die Patientin, die nach so vielen Jahren neulich hier aufgetaucht ist und von deinem Vater behandelt werden wollte?«, enttäuschte Wendy ihn nicht.
Sofort erinnerte sie sich an die Patientin mit dem stumpfen, braunen Haar, das sie nachlässig zu einem Knoten zusammengebunden hatte. Obwohl ihre Gesichtszüge symmetrisch und die glanzlosen grauen Augen groß waren, hatte sie den Eindruck einer viel zu früh gealterten Frau gemacht.
»Genau die«, stimmte Danny zu. »Jetzt habe ich es schwarz auf weiß, woher ihre Herzrhythmusstörungen stammen. Welcher Feind für ihre vergrößerte Herzkammer verantwortlich ist.« Sein Blick kehrte zurück zu den Unterlagen in seiner Hand. »Frau Salomon leidet an einer seltenen Erbkrankheit mit Namen Morbus Fabry.«
Wendy legte den Kopf schief.
»Nicht, dass ich an deinen Fähigkeiten zweifle. Aber wie bist du plötzlich darauf gekommen? Sogar dein Vater ist vor vielen Jahren an der Diagnose gescheitert … ?«
»Das ist DER Beweis, dass Sie mich endlich ernst nehmen sollten.« Danny zwinkerte seiner Assistentin zu und Wendy lachte.
»Darüber denke ich nach, wenn du meine Frage beantwortet hast.«
»Sie sind wirklich eine harte Nuss«, beschwerte sich der Junior und seufzte theatralisch.
Wendy hatte ihn tatsächlich erwischt. An dieser Stelle musste er zähneknirschend gestehen, dass er nicht allein verantwortlich war für die erfolgreiche Diagnosestellung. Sein Vater Dr. Daniel Norden hatte einen erheblichen Teil zur Entdeckung der Krankheit beigetragen. Und das, obwohl er sich gerade auf einem Kreuzfahrtschiff mitten in der Karibik befand. »Als Rebecca vor 18 Jahren zu Dad in die Praxis gekommen ist, war sie schwanger und sehr verzweifelt. Sie wusste nicht, ob sie das Kind behalten oder abtreiben sollte«, setzte er zu einer Erklärung an.
»Was hat das bitte mit meiner Frage zu tun?«
»Immer mit der Ruhe. Das werden Sie gleich verstehen«, beschwichtigte Danny die ungeduldige Assistentin. »Natürlich hat er Frau Salomon dazu geraten, das Kind auszutragen und notfalls zur Adoption freizugeben.«
»Und? Wie hat sie sich entschieden?« In ihrer langen beruflichen Laufbahn in der Praxis Dr. Norden hatte Wendy schon so viel erlebt, dass sie nicht mehr leicht zu beeindrucken war. Doch diese Geschichte war dazu angetan, selbst sie zu fesseln. Das war ihrer Miene deutlich anzusehen.
Diese kleine Schwäche nutzte Danny aus und spannte sie noch ein wenig auf die Folter.
»Dad hat es nie erfahren, weil Rebecca Salomon eines Tages einfach verschwunden ist«, erwiderte er geheimnisvoll.
»Aber jetzt ist sie doch wieder hier«, sagte Wendy ihrem Juniorchef unbarmherzig auf den Kopf zu. »Und du wirst mir nicht erzählen wollen, dass sie dir nicht verraten hat, was damals passiert ist.«
Danny lachte.
»Sie sind wirklich eine harte Nuss!«, wiederholte er seine Feststellung. »Frau Salomon hat Dads Rat damals befolgt und das Kind anonym zur Adoption freigegeben, was sie übrigens heute bitter bereut. Aber es kommt noch besser.« Er hielt den Brief hoch und schwenkte ihn wie eine Fahne hin und her. Inzwischen hatte sich die Überraschung in Triumph verwandelt. »Die Tochter von Rebecca Salomon leidet auch an Morbus Fabry.«
Nun war auch Wendy blass geworden.
»Woher weißt du das?«
»Mum und Dad haben auf dem Kreuzfahrtschiff eine Familie kennengelernt. Herr und Frau Forberg haben eine Adoptivtochter, die unter eben dieser Krankheit leidet«, ließ der Junior endlich die Katze aus dem Sack. Er legte den Laborbefund auf den Schreibtisch und griff nach dem Telefonhörer. »Und genau das werde ich Dad jetzt erzählen«, verkündete er, während er die Handynummer seines Vaters eintippte.
»Vorher soll er sich aber bitte hinsetzen.« Für den Moment hatte Wendy genug Stoff, den sie mit ihrer Freundin und Kollegin Janine diskutieren konnte. »Nicht, dass er in Ohnmacht fällt und sich verletzt«, warnte sie noch, ehe sie sich diskret zurückzog.
Doch diese Worte hörte Danny schon nicht mehr. In diesem Augenblick hörte er die Stimme seines Vaters. Sie war ganz nah und kam doch vom anderen Ende der Welt.
*
Mit geschlossenen Augen lag Nele Forberg in ihrem Bett im Hospital des Kreuzfahrtschiffes ›Carribean Pearl‹ Erinnerungen von früher mischten sich mit verstörenden, neuen Bildern. Das Gesicht ihres Kollegen Gregor tauchte vor ihr auf und verwandelte sich unvermittelt in die verzerrte Fratze ihres Mannes, als er auf sie einschlug. Andere Szenen tauchten auf. In wahlloser Folge blitzten sie vor ihrem inneren Auge auf, während sie langsam aus den Tiefen an die Oberfläche ihres Bewusstseins zurückkehrte.
Noch wusste Nele nicht, dass sie nicht allein war.
In der vergangenen Nacht hatte das Ehepaar Norden die Freundin bewusstlos auf einem der Flure des Schiffes gefunden. Seither war Fee nicht mehr von ihrer Seite gewichen. Nachdem Daniel die Untersuchungen beendet und Entwarnung gegeben hatte, hatte seine Frau am Krankenbett ausgeharrt.
Trotz der Müdigkeit entging es Felicitas Nordens Aufmerksamkeit nicht, dass Nele unruhig wurde und schließlich versuchte, die Augen zu öffnen.
»Ganz ruhig, Süße. Alles ist gut«, versuchte sie, die Freundin zu beruhigen. Als sie die Hand auf ihren Arm legte, zuckte Nele zusammen, und sofort zog Fee die Hand zurück. Am liebsten hätte sie eine Schimpftirade losgelassen auf den Mann, der all das angerichtet hatte. Da sie Nele aber nicht überfordern wollte, hielt sich Felicitas zurück. »Keine Angst. Hier bist du in Sicherheit.«
Neles Lider flatterten. Endlich gelang es ihr, die Augen zu öffnen. Ihr Blick verweilte kurz bei Fee.
»Lars?«, presste sie durch die blassen Lippen.
»Heute Nacht hat er einmal versucht, hier hereinzukommen«, erwiderte die Ärztin. »Aber ich kann dir eines versprechen: Solange Dan diesem Hospital vorsteht, setzt er keinen Fuß über die Schwelle.« Fees forschender Blick ruhte auf Nele.
Doch die Miene ihrer Freundin ließ nicht erkennen, ob die Worte bei ihr angekommen waren.
»Mein Kopf … er tut so weh … ich habe Durst.«
Sofort stand Fee auf.
»Warte! Ich hol dir was zu trinken und gebe dir was gegen die Schmerzen.«
»Wo bin ich?« Neles Augen folgten der Freundin.
»Im Hospital auf dem Schiff.« Fee hantierte in einer Ecke des Krankenzimmers, ehe sie mit einem Glas Wasser und einer Tablette ans Bett zurückkehrte. Sie reichte Nele die Tablette und half ihr zu trinken. »Ich glaube, du brauchst Hilfe.«
Willig schluckte die Ernährungsberaterin das Medikament. Ihre Augen wurden rund vor Staunen.
»Hilfe?«
Felicitas konnte sich nur wundern.
