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Endenich ist ein uraltes Dorf bei Bonn, das erst seit 1904 zu Bonn gehört. Der Förderverein der Stadtteilbibliothek Endenich hat im April 2019 eine Ausstellung über Endenich organisiert, nachdem das Vereinsmitglied Hilde Dorten mit einer ganzen Kiste alter Endenich-Bilder ihres Vaters in der Bücherei erschien. Die Ausstellung "Endenicher Zeitreise – unser Ort verändert sich" wurde von vielen jungen und älteren Endenichern besucht, die aber auch rasch nach einem Katalog oder ähnlichem fragten. Während und nach der Ausstellung bekamen wir noch viele Bilder aus Privatalben; gleichzeitig konnten wir mit einigen älteren Bürgern aus Endenich ausführliche Interviews über ihr Leben in Endenich führen. So haben wir ganz viele Geschichten, Informationen und Bilder geschenkt bekommen. Aus all dem ist dieser Bild- und Informationsband über Endenich entstanden.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Wie ist dieses Buch entstanden?
Kurze Geschichte von Endenich
Endenich von oben
Die Endenicher Straße
Auf dem Hügel
Am Burggraben
Röckumstraße und Flodelingsweg
Magdalenen- und Malusiusstraße
Schulen
Die Harmonie
Erinnerungen von Frau Marion Agnetta, geb. Fassbender
Frongasse
Erinnerungen von Herrn Karl-Heinz Dorten
Brahmsstraße, Wiesenweg
Pferde- und Straßenbahnen
Alfred-Bucherer-Straße
Erinnerungen von Frau Anneliese Dubbelfeld
Endenicher Allee
Bomben über Endenich
Erinnerungen von Herrn Zündorf, Frau Winter und Frau Windmann
Verzeichnis der Abbildungen und Quellen bzw. Fotografen
Literaturverzeichnis
Dieses Buch resultiert aus den Vorarbeiten zu der Ausstellung „Endenicher Zeitreise“ in der Stadtteilbibliothek Bonn-Endenich, die im April 2019 gezeigt wurde. Im Dezember 2018 kam das Mitglied des Fördervereines der Stadtteilbibliothek, Frau Hildegard Dorten, mit einer ganzen Kiste von alten Endenich-Fotos in die Bücherei und zeigte diese Sammlung ihres Vaters. Wir danken der Familie Dorten sehr, dass sie die Bilder für die Ausstellung und für dieses Buch zur Verfügung gestellt hat.
Es wurde schnell klar, dass man diese schöne Sammlung am besten in einer Ausstellung präsentiert. In den nächsten Monaten haben wir, Edda Biesterfeld, Angelika Herder und Rolf Biniek, uns zusammengesetzt und versucht, die Bilder räumlich und zeitlich zuzuordnen. Sehr hilfreich war dabei das Buch „Endenich“ von Herbert Weffer (Weffer 1987). Wenn nicht audrücklich zitiert wird, sind die meisten Angaben dem Buch von Herrn Weffer entnommen. Wir haben auch an manche Haustür von älteren Endenicher Bürgern geklopft, die uns freundlich empfangen und viele Geschichten und Informationen beigetragen haben. Einige der Zeitzeugenberichte sind in diesem Buch wiedergegeben.
Angelika Herder als ehemalige Rektorin der Matthias-Claudius-Schule in Endenich hat die verwickelte Geschichte der Endenicher Schulen aufgearbeitet und dabei noch Fotos aus der Schulchronik heranziehen können.
Unterstützt von Gudrun Grieger sind wir dann durch Endenich gezogen und haben versucht, aktuelle Fotos zu den alten Bildern zu erstellen. Das war zum Teil schwierig, weil z.B. die Gebäude gar nicht mehr vorhanden sind oder großflächig überbaut wurden. Zum Teil konnte man physisch den Standpunkt des früheren Fotografen gar nicht mehr einnehmen, weil da jetzt neue Häuser stehen. Angelika Herder ist dafür sogar auf den Endenicher Kirchturm geklettert.
Im April 2019 konnten wir dann die Ausstellung präsentieren, die von alten und jungen Endenichern mit gleich viel Interesse besucht wurde.
Sehr schnell wurde der Ruf nach einem Ausstellungskatalog o.ä. laut. Man wollte die Bilder auch zu Hause einsehen können.
Daraus ist dieser Bildband entstanden, der hoffentlich den Lesern einen kleinen Einblick in den Stadtteil Bonn-Endenich und seine Entwicklung über die letzten 100 Jahre geben kann. Korrekturen und Ergänzungen sind sehr willkommen!
Im Laufe der Ausstellung wurden uns von vielen Endenichern weitere alte Bilder und Unterlagen zur Verfügung gestellt; die Herkunft der Bilder ist im Verzeichnis der Abbildungen angegeben. Das hat uns sehr gefreut und wir bedanken uns herzlich. Die Quellen der Abbildungen sind als Kürzel unter jedem Bild erkennbar, bei Bildern aus dem Stadtarchiv Bonn auch jeweils mit der Signatur. Mit der Signatur kann man sich im Stadtarchiv eigene Kopien der Bilder erstellen lassen. Bei Kopien und insbesondere bei Veröffentlichungen im Internet bitten wir darum, die Rechte der Bildinhaber zu berücksichtigen. Einzelne Besucher haben die Bilder der Ausstellung fotografiert und auf der persönlichen Facebook-Seite als die eigene Bildserie dargestellt. Wir empfinden dies als nicht richtig und unhöflich.
Die Einkünfte aus dem Verkauf dieses Buches gehen an den Förderverein der Stadtteilbibliothek Endenich.
Um den Lesern die Orientierung etwas zu erleichtern, haben wir gelegentlich kleine Logos mit einer skizzierten Karte von Endenich aus 1960 eingeblendet. Auf der Skizze ist die Autobahn weggelassen worden. Im Wesentlichen führt der Weg in diesem Buch durch die Endenicher Straße, dann über den Flodelingsweg und die Magdalenenstraße zur Frongasse. Von dort geht der Weg weiter über die Alfred-Bucherer-Straße zur Endenicher Allee.
Abb. 1 Nachzeichnung Endenich 1960 (KB)
Endenich ist eines der sehr alten Vordörfer von Bonn. Die genaue Gründungszeit ist unbekannt, aber wie die meisten Dörfer der Umgebung mit der Endung -nich ist es am ehesten gallorömischen Ursprunges (Weffer 1987). Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt 804 im Codex traditionum des Bonner Cassius-Stiftes. In diesem Jahr übertrug ein Rungus aus Bonn dem Cassius-Stift die von ihm neben dem Münster errichtete Martinskirche und bei Antiniche (Endenich) zwei Morgen Ackerland (Levison 1932). Die Endenicher Kirche ist seit 1131 beurkundet, wahrscheinlich bestand aber schon seit karolingischer Zeit eine dem heiligen Lambert geweihte Kapelle oder Kirche. Die Stiftsherren des Cassiusstiftes legten 1156/58 fest, dass der Besitz der Kirche in Endenich untrennbar mit der Probstei verbunden sei und fortan der Probst einen festen Zins an die Stiftsherren zu zahlen habe. Damit sind die Rechts- und Eigentumsverhältnisse geklärt und das ist der Beginn der Probstherrschaft in Endenich (van Rey, 2019).
Seit der römischen Zeit führte ein alter Handelsweg durch Endenich, der ursprünglich von der Süd-West-Ecke des römischen Heereslagers in der Bonner Nordstadt über Euskirchen bis nach Trier zog. Wahrscheinlich lief diese Strasse parallel zur alten Wasserleitung aus der Eifel über die jetzige Heerstraße in der Nordstadt, folgte dann der Niddeggenstraße und später dem alten Steinweg (Gechter 2001). Es gibt aber auch Argumente für einen Verlauf entlang der jetzigen Endenicher Straße. Gekreuzt wurde diese uralte Straße durch die Verbindungen zu den Nachbardörfern Poppelsdorf und Dransdorf, der linksrheinischen Bergstraße.
Das Dorf Endenich war ein durch Landwirtschaft geprägtes Dorf, das von vier großen Höfen dominiert wurde: dem Propsthof in der Mitte der jetzigen Endenicher Straße, dem Fronhof in der Frongasse, dem Cöllenhof in der Pastoratsgasse/Ecke Magdalenenstraße und dem Kettenlehen an der heutigen Sebastianstraße. Dementsprechend war die Einwohnerzahl niedrig, für 1639 wird von 365 Einwohnern ausgegangen. Endenich war zwar ein eigenständiges Dorf, unterlag aber der „unblutigen“ Gerichtsbarkeit des Cassiusstiftes, da das Stift wesentliche Anteile am Endenicher Grund und Boden erworben hatte. Diese Aufgabe wurde von lokalen Schöffengerichten übernommen, die Verfahren sind in den Contracten-Protokollen festgehalten und zum Teil noch im Stadtarchiv einsehbar. Die „blutige“ Gerichtsbarkeit bei schweren Vergehen, deren Strafen Blutvergießen erforderte (Todesurteil, Verstümmelung, ...), unterstand aber dem Kurfürsten.
Erst 1904 wurde Endenich nach Bonn eingemeindet.
Abb. 2 Endenich im Mittelalter, Nachzeichnung nach Plan von 1811 (RB)
Mit der Industrialisierung stieg die Bevölkerungszahl von Endenich sprunghaft an, wobei die Zahlen schwierig zu werten sind, da die Gemeindegrenzen mehrfach geändert wurden.
Jahr
Einwohner
1639
365
1732
486
1833
1.015
1933
5.487
2019
12.522
Der steigende Wohnbedarf führte um 1900 zu einer enormen Bautätigkeit, wobei viele Häuser aus dieser Zeit in Endenich noch erhalten sind. Der zweite Bauschub erfolgte nach 1945 mit der Ausweisung von großen Neubaugebieten, z. B. parallel zur Straße Auf dem Hügel, am Messdorfer Feld.
Abb. 3 Flurkarte von Endenich, 1911 (SAB SN005_Cd-055)
Der Blick vom Kreuzberg auf Endenich zeigt Kloster Mariahilf und die Marterkapelle. Rechts sieht man die Kirche St. Maria Magdalena noch ohne den erst 1914 erbauten Kirchturm. 2019 ist das Kloster durch Bäume verdeckt und die dichte Bebauung des Gebietes ist gut erkennbar.
Abb. 4 Blick vom Kreuzberg, 1904 (SD)
Abb. 5 Blick vom Kreuzberg, 2019 (AH)
Abb. 6 Blick vom Kirchturm St. Maria Magdalena, 1938 (SD)
Abb. 7 Blick vom Kirchturm St. Maria Magdalena, 2019 (AH)
Auf dem Bild von 1938 ist die Endenicher Straße noch als Allee angelegt, im Vordergrund führt die Brahmsstraße noch als Feldweg entlang des Endenicher Baches zur Mückenburg des Herrn Baunscheidt. 2019 sind die Häuser Alfred-Bucherer-Str. 5-9 noch unverändert, die Autobahn ist gebaut und an Stelle von Feldern finden sich Wohngebiete. Übereinstimmend ist auf beiden Bildern das Industriegebiet deutlich zu erkennen.
Abb. 8 Luftbild von Endenich, 1960 (SAB, DA01_03277-110)
