29,99 €
Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Sport - Sportökonomie, Sportmanagement, Note: "-", Universität Bielefeld, Sprache: Deutsch, Abstract: Im Sport finden sich laut Boulevardpresse einige Höchstverdiener. Sie gehören heute zu den am besten bezahlten Unterhaltern. Die Einkommen von Eldrick „Tiger“ Woods, David Beckham oder Ronaldinho übertreffen das Jahreseinkommen der meisten Einkommensbezieher um das Tausendfache. So liegt der Median der Spielergehälter der New York Yankees (Major League Baseball) bei 5,5 Millionen USD und übersteigt somit das Gehalt des US-Präsidenten Barack Obama (400.000 USD) um das Vierzehnfache. Diesen Rieseneinkommen der Superstars stehen die Einkommen fast aller anderen Sportler gegenüber, die nur mühsam einen Durchschnittsverdienst erreichen. Da das Angebot an überdurchschnittlichen Sportlern geringer ist als an durchschnittlichen Sportlern, besitzen Stars die Verhandlungsmacht um höhere Einkommen. Des Weiteren werden die Starsportler aufgrund einer hohen, medienwirksamen Außenwirkung grundsätzlich höher entlohnt. In einigen Sportarten werden allerdings auch die Durchschnittsspieler im Millionenbereich vergütet. Basketball, Baseball, American Football, Eishockey in den USA oder Fußball in den meisten europäischen Ländern liegen im Zuschauer- und Medieninteresse weit vor anderen Sportarten. Dementsprechend fallen die Gehälter aufgrund der höheren Zuschauernachfrage und folglich steigenden Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte in diesen Sportarten wesentlich höher aus. Diese hohen Einkommen und die Einkommensdiskrepanzen innerhalb des Profisports führen zu der Diskussion, welche Faktoren die Höhe des Einkommens bestimmen. Ziel dieser Arbeit ist, die Entlohnung von Profisportlern anschaulich darzustellen. Dazu werden qualitative und quantitative Faktoren der Entlohnung analysiert. Basis dieser Abhandlung bilden theoretische Modelle und empirische Evidenzen im Mannschaftssport in Nordamerika und Europa.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2010
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Grundlagen
3. Theorie der Lohnbildung
3.1. Grenzproduktivitätstheorie
3.2. Kritische Würdigung
4. Determinanten der Gehaltsbestimmung
4.1. Restriktionen auf dem Arbeitsmarkt für Sportler
4.2. Star-Effekt
4.3. Diskriminierung
4.4. Preise für die Eintrittskarten
5. Empirische Evidenzen der Entlohnung im Profisport
5.1. Major League Baseball
5.2. National Basketball Association
5.3. Bundesliga
6. Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis
Internetquellenverzeichnis
Abb. Abbildung
AR Average Revenue
bzw. beziehungsweise
CBA Collective Bargaining Agreement
c.p. ceteris paribus
et al. und andere
etc. et cetera
EU Europäische Union
f. folgende (Randnummer, Seite)
ff. fortfolgende (Randnummer, Seite)
Hrsg. Herausgeber
Mio. Millionen
MLB Major League Baseball
MLS Major League Soccer
MP Marginal Product
MR Marginal Revenue
MRP Marginal Revenue Product
NBA National Basketball Association
NFL National Football Association
NHL National Hockey Association
S. Seite
USD US-Dollar
Vgl. Vergleiche
Im Sport finden sich laut Boulevardpresse einige Höchstverdiener. Sie gehören heute zu den am besten bezahlten Unterhaltern.[1] Die Einkommen von Eldrick „Tiger“ Woods, David Beckham oder Ronaldinho übertreffen das Jahreseinkommen der meisten Einkommensbezieher um das Tausendfache.[2] So liegt der Median der Spielergehälter der New York Yankees (Major League Baseball) bei 5,5 Millionen USD[3] und übersteigt somit das Gehalt des US-Präsidenten Barack Obama (400.000 USD)[4] um das Vierzehnfache. Diesen Rieseneinkommen der Superstars stehen die Einkommen fast aller anderen Sportler[5] gegenüber, die nur mühsam einen Durchschnittsverdienst erreichen.[6] Da das Angebot an überdurchschnittlichen Sportlern geringer ist als an durchschnittlichen Sportlern, besitzen Stars die Verhandlungsmacht um höhere Einkommen.[7] Des Weiteren werden die Starsportler aufgrund einer hohen, medienwirksamen Außenwirkung grundsätzlich höher entlohnt.[8]
In einigen Sportarten werden allerdings auch die Durchschnittsspieler[9] im Millionenbereich vergütet.[10] Basketball, Baseball, American Football, Eishockey in den USA oder Fußball in den meisten europäischen Ländern liegen im Zuschauer- und Medieninteresse weit vor anderen Sportarten.[11] Dementsprechend fallen die Gehälter aufgrund der höheren Zuschauernachfrage und folglich steigenden Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte in diesen Sportarten wesentlich höher aus.[12][13] Diese hohen Einkommen und die Einkommensdiskrepanzen innerhalb des Profisports führen zu der Diskussion, welche Faktoren die Höhe des Einkommens bestimmen.
Im Profisport werden die Einkommen nach dem neoklassischen Gesetz der Lohntheorie gebildet.[14] Die Sportler werden folglich nach ihrem Grenzerlösprodukt entlohnt.[15] Daher ist der Wert eines Spielers gleich dem Grenzerlös eines zusätzlichen Sieges multipliziert mit dem marginalen Beitrag dieses Spielers für den Sieg.[16] Das Grenzprodukt ist von Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Sportlers abhängig. Sportler mit einer höheren Begabung, erlernten
Fähigkeiten etc. leisten einen höheren Grenzbeitrag und werden höher entlohnt.[17] Der Grenzerlös spiegelt die Nachfrage der Zuschauer wider. Die Bereitwilligkeit der Fans, mehr für die Eintrittskarten zu bezahlen, kann genauso steigen wie die Bereitschaft der Sender, für die Übertragungsrechte hohe Summen auszugeben. Hohe Gehälter können damit durch das Interesse der Fans am Spiel oder an der Sportart erklärt werden.[18]
In der Praxis weichen die Spielergehälter aber von ihren Grenzerlösprodukten ab. Sie sind mit den Restriktionen auf dem Arbeitsmarkt wie Gehaltsobergrenzen oder Mobilitätsbeschränkungen, Informationsasymmetrien, vor- und nachvertraglichem Opportunismus, Einkommensverteilung zwischen den Vereinen sowie mit der Produktionsfunktion im Sport korreliert.[19] Ursachen der Gehaltsexplosion[20] in den letzten Jahrzehnten sind zum einen die gestiegenen Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte, Werbung und Merchandising[21] und zum anderen die gestiegene Verhandlungsmacht und Mobilität der Spieler, insbesondere im Mannschaftssport durch den Wegfall der Transferregelungen infolge des Urteils des Europäischen Gerichtshofes und die Aufhebung der Schutzklausel (Reserve Clause) in Major Leagues.[22]
Ziel dieser Arbeit ist, die Entlohnung von Profisportlern anschaulich darzustellen. Dazu werden qualitative und quantitative Faktoren der Entlohnung analysiert. Basis dieser Abhandlung bilden theoretische Modelle und empirische Evidenzen im Mannschaftssport in Nordamerika und Europa.
Die Ausarbeitung ist wie folgt strukturiert: Im Abschnitt 2 werden die relevanten begrifflichen Grundlagen erörtert. Im Mittelpunkt von Abschnitt 3 steht die kritische Darstellung der Grenzproduktivitätstheorie als Modell der Entlohnung. Besonderheiten des Arbeitsmarktes für Sportler, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Gehaltsbildung haben, und die Determinanten der Entlohnung im Profisport werden in Abschnitt 4 anschaulich dargestellt. Basierend auf einer Reihe empirischer Untersuchungen werden im Abschnitt 5 weitere sportartspezifische und teilweise -übergreifende Faktoren für die Gehaltsbestimmung der Profisportler und Entlohnungspraktiken für ausgewählte[23] Sportarten dargelegt. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse (Abschnitt 6).
Sport ist eine weltweit verbreitete Form körperlicher Aktivität und Übung. Seine uneinheitliche Erscheinung fluktuiert zwischen den Phänomenen Spiel, Kampf und Arbeit. Daraus resultieren die Unsicherheit in der Theoriebildung und die Vielzahl umstrittener Deutungen. Charakteristisch für die sportliche Praxis ist das Streben nach technischem Können, nach Leistung und Leistungsvergleich im geregelten Wettkampf. Der Sport konkretisiert sich in Form von Spitzensport, Leistungssport, Breitensport in zahlreichen, sich ständig vermehrenden Sportarten und Sportspielen.[24]
Der Begriff Spitzensport wird in der Regel synonym mit dem Terminus Hochleistungssport verwendet und definiert als „der auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene betriebene Wettkampfsport mit dem Ziel der absoluten Höchstleistung“.[25] Die Quantität und Intensität von Trainings- und Vorbereitungsmaßnahmen sind die auffälligsten Modalitäten dieser Sportform.[26]Hochleistungssport kann von Leistungssport durch quantitative, graduelle Unterschiede der Leistung abgegrenzt werden, wobei auf den fließenden Übergang zwischen diesen unterschiedlichen Niveaus hinzuweisen ist.[27] Der Leistungsgedanke ist im Breitensport nicht die zentrale Sinngebung. Er wird durch andere Bestrebungen wie Gesundheit, Gemeinschaft und Freude relativiert und ergänzt.[28]
Mit dem Begriff Spitzensport eng verbunden sind die Termini Amateur- und Profisport.[29] Im Amateursport bekommen die Sportler entweder kein Gehalt oder eines, das für den Lebensunterhalt zu niedrig ist.[30] Im Gegensatz zum Profi- wird Amateursport aus Liebhaberei ausgeübt.[31] Im Streben nach Höchstleistungen erwies sich der Amateurstatus aber zunehmend als unhaltbar.[32] Um international beachtenswerte Leistungen zu erzielen, war immer mehr Geld notwendig.[33] Es bedurfte besserer Trainingsbedingungen und der Betreuung durch einen Stab von Medizinern, Physiotherapeuten und Trainern.[34] Dies verursachte einen enormen Kostendruck[35] auf die Vereine, der sie zwang, sich nach und nach zu kommerzialisieren.[36]
Aber auch die Athleten waren in immer größerem Umfang gezwungen, ihr Leben dem Sport unterzuordnen und diesen professionell zu betreiben.36 [37] Spitzensport bestimmt zu einem wesentlichen Anteil den gesamten Tagesablauf des Athleten[38] und wird in vielen Fällen zu einem Arbeitsplatz auf Zeit, in immer größerer Abhängigkeit von Medien und Marketing.[39] Im Profisport wird ein Sportler für die Ausübung seiner Sportart entlohnt. Er übt also die Sportart berufsmäßig aus und erzielt finanzielle Zuwendungen beispielsweise durch feste Gehälter, Prämien, Preisgelder, Werbeverträge,[40] Mäzenatentum, Sponsoring,[41] Sporthilfe.[42] Solche Athleten werden folglich Berufssportler oder Profisportler genannt.[43] Profisport ist immer Hochleistungssport.[44]
Die Spitzensportler sind als zentrale Akteure anzusehen.[45] Zu den vorrangigen Zielen des Sportlers gehört das Überbieten eigener und fremder Leistungen im Wettkampf. Das macht eine extrem hohe körperliche Leistungsfähigkeit notwendig. Der Körper eines Sportlers ist demnach das zentrale leistungsbestimmende Merkmal.[46] Des Weiteren sind konditionelle, koordinative Fähigkeiten, technische Fertigkeiten, taktisches Verständnis und psychische Aspekte als Voraussetzungen für eine spitzensportliche Karriere zu nennen. [47] Für das Erbringen sportlicher Leistungen ist die Außenwelt theoretisch nicht notwendig. In der Praxis sind Publikum, Wirtschaft und Politik aber nicht mehr wegzudenken. Sie erfüllen essentielle Aufgaben der Partizipation und Finanzierung.[48]
Die ökonomischen Interessen[49] sind bei dem modernen Hochleistungssport unübersehbar geworden. Spitzensport ist als Teil eines globalen Kommunikationssystems und einer globalisierenden Wirtschaft von den Finanzströmen[50] abhängig.[51] So ist er ein weitgehend exakt steuerbares technologisches Unterfangen, durchaus vergleichbar mit der industriellen Erzeugung von Produkten.51 [52] Der professionelle Teamsport ist eine Industrie,[53] die aus den Unternehmen (Vereinen, Teams) besteht. Diese Industrie produziert ein Gut in Form von Unterhaltung, das andere Industrien nicht oder nur begrenzt substituieren können.[54] Die Teams beschäftigen knappe Ressourcen für die Produktion. Das sind vor allem Spieler, Trainer, administrative Mitarbeiter, Stadien, Equipment etc., die auch in anderen Branchen eingesetzt werden könnten.[55] Unterhaltung wird mit Hilfe der Teamspiele realisiert. Spiel ist dabei als Wettbewerb zwischen mindestens zwei Teams mit den im Voraus bestimmten Spielregeln und klar definierten Gütermaßstäben[56] definiert.[57] Für die Sportbranche charakteristische Positionswettbewerbe erfolgen typischerweise über die Ermittlung der relativen Spielstärke wie Tabellenplatz oder Zahl der Siege der beteiligten Teams innerhalb der Liga.[58]
