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Diplomarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Didaktik - Informatik, Note: 1.0, Technische Universität Darmstadt (Institut für Informatik), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Technische Universität Darmstadt möchte ihr Angebot für die berufliche Weiterbildung neu strukturieren und intensivieren. In dieser Arbeit wird am Beispiel des Themenfelds "Software-Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht und welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken. Im Brennpunkt stehen dabei Einzelangebote, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen: Es besteht Bedarf an Weiterbildung auf anspruchsvollem Niveau, wie sie Hochschulen anbieten können. Wenn eine Universität in den professionellen Weiterbildungsmarkt einsteigen möchte, muss sie den dortigen Standards entsprechend über die Inhalte hinaus zusätzlichen Service für die Teilnehmer anbieten. Für ein berufsbegleitendes Angebot im größeren Stil (etwa einem komplette Studiengang) müsste sich der Fachbereich über einen erheblichen Zeitraum hinweg für einen beträchtlichen Zusatzaufwand verpflichten; in Anbetracht der bereits bestehenden hohen Belastung des Fachbereichs (durch die hohen Studierendenzahlen) muss ein solcher Zusatzaufwand kritisch abgewogen werden. In dieser Arbeit wird ein normaler Studiengang "Software Construction" entworfen, und beschrieben, wie er als Ausgangsbasis dienen kann, um gezielt einzelne Lehrveranstaltungen und Zertifikate für Software-Ingenieure auf die berufliche Weiterbildung zu übertragen.
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Veröffentlichungsjahr: 2005
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Danksagung
Ich möchte besonders meinen beiden Betreuern, Herrn Wolfgang Henhapl und Frau Beate Kriegler, danken, die diese Arbeit und mich von den ersten Ideen bis zum Ende begleitet haben; mit ihrer Unterstützung gelang es mir, einen Kurs durch das Spannungsfeld zwischen Informatik, Pädagogik und Hochschulpolitik zu finden. Ebenso danke ich Frau Elisabeth Sundermann und Frau Michaela Seliger aus der Hochschulverwaltung, die mir viel Zeit schenkten, um mich in die Geheimnisse der Hochschulgesetze und -politik einzuweihen. Schließlich gilt mein Dank meinen Eltern, Gerlinde Fritz, Matthias Dehmer und Lars Schuster, die diese Arbeit kritisch gegengelesen und geholfen haben, etliche Ecken und Kanten auszubügeln.
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Abstract
Die Technische Universität Darmstadt möchte ihr Angebot für die berufliche Weiterbildung neu strukturieren und intensivieren. In dieser Arbeit wird am Beispiel des Themenfelds "Software-Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht und welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken. Im Brennpunkt stehen dabei Einzelangebote, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen:
•Es besteht Bedarf an Weiterbildung auf anspruchsvollem Niveau, wie sie Hochschulen anbieten können.
•Wenn eine Universität in den professionellen Weiterbildungsmarkt einsteigen möchte, muss sie den dortigen Standards entsprechend über die Inhalte hinaus zusätzlichen Service für die Teilnehmer anbieten.
•Für ein berufsbegleitendes Angebot im größeren Stil (etwa einem komplette Studiengang) müsste sich der Fachbereich über einen erheblichen Zeitraum hinweg für einen beträchtlichen Zusatzaufwand verpflichten; in Anbetracht der bereits bestehenden hohen Belastung des Fachbereichs sollte davon vorerst Abstand genommen werden.
•Stattdessen wird in dieser Arbeit ein normaler Studiengang entworfen, und beschrieben, wie er als Ausgangsbasis dienen kann, um gezielt einzelne Lehrveranstaltungen und Zertifikate für Software-Ingenieure auf die berufliche Weiterbildung zu übertragen.
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Verwendete Abkürzungen
ACM
BMBF
BSc
BTU
CASE
CAST
CMU
DIA
DV
ECTS
FB
FH
GI
GUI
HDA
HHG
HMWK
HPI
HRG
HRK
HTTC
I3L3
IEEE
IESE
IHK
IT
ITO
KI
KMK
LMU
MSc
NCNumerus Clausus
OO
QS
RMV
SE
SEUH
SWECC
SWEED
SWS
TU
TUDTechnische Universität Darmstadt
TUM
UML
ViSEK
XP
ZeVA
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Einleitung
"Lebenslanges Lernen" - das ist das Motto für die Wissensgesellschaft der Zukunft. Mit diesem Schlagwort wird deutlich gemacht, dass Qualifizierung nicht mit dem Studium abgeschlossen ist, sondern eine erfolgreiche Berufstätigkeit lebenslanges Lernen notwendig macht. Das Hochschulgesetz sieht vor, dass die Hochschulen auch in diesem Bereich gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, indem sie sich durch ein wissenschaftliches Weiterbildungsangebot an der lebenslangen Fortbildung beteiligen. Vor diesem Hintergrund möchte die Technische Universität Darmstadt ihr bereits bestehendes Angebot für die berufliche Weiterbildung besser organisieren und weiter ausbauen. Diese Arbeit soll am Beispiel des Themenfelds "Software-Engineering" die Perspektiven des Fachbereichs Informatik in der beruflichen Weiterbildung beleuchten; im Brennpunkt stehen dabei drei sich ergänzende Angebote: Einzelveranstaltungen, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge.
1.1. Zielsetzung dieser Arbeit
Diese Arbeit verfolgt zwei Ziele: Zum einen wird am Beispiel "Software-Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht, zum anderen wird untersucht, welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken.
Erstes Hauptziel: Ermitteln des Bedarfs
Um den Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung auf dem Gebiet "Software-Engineering" zu ermitteln, werden Interviews mit einer repräsentativen Auswahl von Firmen aus dem Rhein-Main-Gebiet geführt. Die Ergebnisse werden durch verschiedene andere Studien ergänzt. Ziel ist dabei, zum einen eine Liste von Themen zu erhalten, für die Weiterbildungsbedarf besteht, zum anderen Einblick in die organisatorischen Rahmenbe-
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dingungen (zum Beispiel Seminardauer, Kostenrahmen, Lehrformen) zu bekommen, innerhalb derer Weiterbildung in den Firmen stattfindet.
Zweites Hauptziel: Konzeption eines Aufbaustudiengangs
Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die gesetzlichen, pädagogischen und strukturellen Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich die berufsbegleitende Weiterbildung an der Hochschule bewegt, beleuchtet und den Bedürfnissen der Industrie gegenübergestellt. Auf der Grundlage dieser Gegenüberstellung wird anschließende ein Aufbaustudiengang für Software-Engineering entwickelt.
Wahl des Themenfelds "Software-Engineering"
Diese Arbeit konzentriert sich auf ein Themenfeld innerhalb der Informatik: Software-Engineering. Dabei handelt es sich um einen einerseits fest umgrenzten und überschaubaren, andererseits sehr vielfältigen Teilbereich der Informatik, der einen Großteil der praktischen und angewandten Informatik unter dem Gesichtspunkt der Software-Erstellung vereint.
1.2. Übersicht über die Arbeit
Diese Arbeit besteht aus drei Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Bedarf an Weiterbildung. Der zweite beleuchtet die universitären Rahmenbedingungen. Der dritte Teil schließlich entwickelt ein konkretes Lehrangebot.
Im anschließendenKapitel 2wird zunächst anhand einiger Argumenten aufgezeigt, welche Argumente es für eine universitäre Weiterbildung gibt. DasKapitel 3stellt die Ergebnisse der Interviews dar, die mit Firmen geführt wurden; die Interviews werden ergänzt und verglichen mit den Ergebnisse einer Reihe von anderen Studien. ImKapitel 4wird ein Blick auf die Konkurrenz im Weiterbildungssektor geworfen, da auf diese Weise Rückschlüsse über die gewünschten Unterrichtsthemen und -formen gewonnen werden können. ImKapitel 5werden die Ergebnisse der beiden vorangegangenen Kapitel noch einmal kurz zusammengefasst und ausgewertet.Kapitel 6beleuchtet die gesetzlichen, strukturellen und pädagogischen Rahmenbedingungen, innerhalb derer universitäre Weiterbildung angeboten werden kann. Im anschließendenKapitel 7werden die sich daraus ergebenden Perspektiven vorgestellt. Die nächsten zwei Kapitel entwerfen ein konkretes Angebot: Zunächst werden im
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Kapitel 8die für Software-Engineering wesentlichen Lehrinhalte identifiziert; im anschließendenKapitel 9wird ein kompletter Aufbaustudiengang für Software-Ingenieure entwickelt. Im abschließendenKapitel 10wird die konkrete Umsetzung der entwickelten Angebote umrissen.
Um eiligen Lesern das schnelle Sichten der Arbeit zu erleichtern, findet sich am Beginn jedes Abschnittes ein fett gedruckter Absatz, der den gesamten Abschnitt in aller Kürze zusammenfasst.
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Warum überhaupt
In diesem Kapitel werden die vier Hauptargumente vorgestellt, die für ein Engagement des Fachbereichs Informatik in der beruflichen Weiterbildung sprechen:•Gesetzlicher Auftrag,•Gesellschaftliche Verantwortung,•Finanzielle Anreize und•Industriekontakte.
Allerdings darf Weiterbildung am Fachbereich nicht auf Kosten der Forschung oder der grundständigen Lehre stattfinden. Deshalb werden im letzten Abschnitt dieses Kapitels Gegenargumente aufgezählt und es wird aufgezeigt, welche Forderungen sich daraus ergeben.
2.1. Gesetzlicher Auftrag
Der gesetzliche Auftrag zur Weiterbildung wird im bundesweiten und im hessischen Hochschulgesetz, sowie in Vereinbarungen zwischen dem Land Hessen und der Technischen Universität Darmstadt formuliert.
Im Paragraph §2, "Aufgaben", des bundesweit geltenden Hochschulrahmengesetz (HRG) wird neben der Forschung und Lehre auch ausdrücklich die Weiterbildung als Aufgabe der Hochschulen verankert1. Das Hessische Hochschulgesetz (HHG) nimmt diese Aufgabe auf und fordert im ersten Abschnitt des Paragraphen §21 "Weiterbildung":
Die Hochschulen sollen weiterbildende Studien zur wissenschaftlichen Vertiefung
und Ergänzung berufspraktischer Erfahrungen entwickeln und anbieten.2
1[HRG02], §2, Abschnitte (1) und (7)
2[HHG01], §21, Abschnitt (1)
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Diese Forderung schlägt sich auch nieder im Hochschulpakt zwischen dem Land Hessen und seinen Hochschulen; dort heißt es:
Die Aufgaben der Hochschulen reichen über die unmittelbaren Tätigkeiten in
Forschung und Lehre hinaus und umfassen auch [...] Angebote zum lebenslangen
Lernen und besondere Angebote akademischer Weiterbildung.3
Die Zielvereinbarung zwischen dem Land Hessen und der Technischen Universität Darmstadt, die am 28.Oktober 2002 verabschiedet wurde, enthält eine entsprechende Passage; dort ist im Abschnitt 3.4 "Wissens- und Technologietransfer" ausdrücklich von einem "Ausbau der wissenschaftlichen Weiterbildung" die Rede, "den die TU Darmstadt z.B. durch die Einrichtung einer Weiterbildungsinstitution (International Institute in LifeLong Learning -I3L3) auf ihren Kompetenzfeldern gezielt betreibt."4
Die Zielvereinbarung mit dem Land Hessen soll innerhalb der Hochschule wiederum auf detaillierte Zielvereinbarungen mit den einzelnen Fachbereichen heruntergebrochen werden; mit diesen Vereinbarungen ist in etwa zwei Jahren zu rechnen5. Es ist absehbar, dass Weiterbildung auch in diesen Abkommen mit den einzelnen Fachbereichen eine Rolle spielen wird.
2.2. Gesellschaftlicher Auftrag
Die Forderung, dass im Rahmen des "Lebenslangen Lernens" auch die Hochschulen durch ein wissenschaftliches Weiterbildungsangebot Verantwortung übernehmen sollen, wird von der Politik, Fachverbänden und den Hochschulen vertreten. In diesem Abschnitt wird ein Querschnitt dieser Forderungen vorgestellt.
In einer Rede zum Thema "Zukunftsorientierte Bildung" wies die Bundesministerin für Bildung und Forschung Frau Bulmahn (SPD) auf die steigende Bedeutung des lebenslangen Lernen hin: "Neue und andere Qualifikationen sind gefragt: Fachkenntnisse verbunden mit sozialer Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz, die Fähigkeit zu selbständigem, lebenslangen Lernen und Medienkompetenz sind gefragter denn je."6In diesem Zusammenhang wird im Aktionsprogramm "Lebensbegleitendes Lernen für alle" des
3[HOP01], Seite 2
4[ZIE02], Abschnitt 3.4, Seite 15
5[SUN02]
6[BUL01a], Seite 3
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BMBF die Notwendigkeit einer ständigen Weiterbildung erklärt: "Für den Einzelnen ist ständige Weiterbildung zur Entwicklung und Förderung beruflicher Qualifikationen und Kompetenzen, [...] unverzichtbar geworden."7
Ruprecht Polenz, ehemaliger Generalsekretär der CDU, stellt in einer Rede unter dem Motto "Leitbilder zukunftsorientierter Hochschulpolitik" fest:
"Lebenslanges Lernen" - das ist das Motto für die Wissensgesellschaft der
Zukunft. Es ist zugleich eine große Aufgabe für die Bildungspolitik in unserem
Land, und es ist schließlich [...] für die Hochschulen [...] die Chance,
Weiterbildungspartner der Unternehmen zu werden.8
In einem Artikel anlässlich der Hochschul- und Berufsinformationstage in Darmstadt steht in der Hochschulzeitung TUD Intern:
Motto "Lebenslanges Lernen". Damit wird deutlich gemacht, dass Qualifizierung
nicht mit dem Studium [...] abgetan ist, sondern eine erfolgreiche Berufstätigkeit
lebenslanges Lernen [...] notwendig macht[...]. Folglich werden als Adressaten
neben [...] den Schülerinnen und Schülern [... auch] Berufstätige angesprochen.
Sie werden in Abendveranstaltungen mit Weiterbildungsmöglichkeiten in der
Hochschulregion Darmstadt bekannt gemacht.9
Prof. Glotz von der Universität St. Gallen schlägt vor: "Ergänzend zur Erstausbildung sollten die Universitäten lebenslanges Lernen organisieren - durchaus gegen Entgelt und auch maßgeschneidert für einzelne Unternehmen."10Der Fachbereich "Ausbildung und Beruf" der Gesellschaft für Informatik gab bereits 1995 eine Empfehlung zur Weiterbildung für Informatiker durch die Hochschulen:
Das Wachstum an Wissen und die zunehmende Verkürzung der Innovationszyklen
[...] insbesondere in der Informatik lässt zunehmend Bildung als wichtiges
Wirtschaftsgut erscheinen. Dies bedingt einen Bedarf an kontinuierlichen
Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen [...].Weiterbildungsmaßnahmen
müssen von Industrie und Wirtschaft und ihren Sozialpartnern sowie den Hoch-
schulen partnerschaftlich getragen werden. Zu den Aufgaben der Hochschulen
zählt es, Weiterbildung auf einem allgemeinen, herstellerunabhängigen und
wissenschaftlichen Niveau anzubieten. Dabei müssen sich die Angebote der
Hochschulen und der anderen Anbieter ergänzen.11
7[BUL01b], Seite 2
8[POL00]
9[TUD99]
10[GLO00]
11[GI95], Abschnitt 1, "Präambel"
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2.3. Weiterbildung als Einnahmequelle
Weiterbildung kann als Einnahmequelle genutzt werden. Die Einnahmen kommen den beteiligten Dozenten, dem Fachbereich und allen Studierenden zugute.
In einer Empfehlung der Gesellschaft für Informatik wird für die Weiterbildung an den Hochschulen gefordert:
Weiterbildung kann [...] eine Quelle eigener Einnahmen für die Fakultäten
darstellen. Es müssen Möglichkeiten für die Hochschulen geschaffen werden,
durch marktgerechte und kostenbezogene Gestaltung Kurseinnahmen zu
gewinnen und diese entsprechend der Drittmittelbewirtschaftung flexibel ein-
zusetzen. [... Es erscheint] durchaus gerechtfertigt und zweckmäßig, den
besonderen Zusatzaufwand solcher Weiterbildungsveranstaltungen, die z.T.
außerhalb regulärer Arbeitszeiten stattfinden, auch materiell zu entschädigen. Es
muss daher möglich sein, den beteiligten Hochschullehrern und Mitarbeitern
diesen Zusatzaufwand aus den Einnahmen zu vergüten [...].12
Im Hessischen Hochschulgesetz wird dieser Forderung im wesentlichen entsprochen, dort heißt es: "Für den Besuch weiterbildender Studien sind insgesamt kostendeckend Entgelte zu erheben", sowie: "Mitgliedern der Hochschule, die zusätzlich zu ihren dienstlichen Verpflichtungen Aufgaben in der Weiterbildung übernehmen, kann dies vergütet werden."13
Der Fachbereich kann von diesen Einnahmen in mehrerer Hinsicht profitieren:
•Dozenten:Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und in Einzelfällen auch studentische Hilfskräfte, die als Dozenten oder Betreuer an Veranstaltungen beteiligt sind, bekommen dafür ein Honorar.14
•Fachbereich:Ein Teil der Einnahmen wird an den Fachbereich fließen, der diese Gelder ähnlich wie Drittmittel flexibel einsetzen kann, zum Beispiel zum Einstellen von mehr Tutoren oder zum Kauf besserer Ausstattung.
•Studierende:Ein Teil der Einnahmen wird in die Verbesserung der Ausstattung und Service-Infrastruktur fließen, da zahlende Kunden in der Regel einen höheren Standard erwarten. Momentan findet dadurch noch tendenziell eine Zweiklassen-
12[GI95],Abschnitt 7, "Konkrete Maßnahmen"
13[HHG00], §21, Abschnitt (3)
14Durch einen Vereinbarung der Weiterbildungsabteilung mit der Personalabteilung soll das Gehalt als
genehmigte Nebentätigkeit abgerechnet werden; es zählt folglich nicht als Teil des Lehrdeputats. Die Höhe des
Dozentengehalts basiert einerseits an der Kostenkalkulation der jeweiligen Veranstaltung, soll sich aber an den
marktüblichen Preisen orientieren.
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bildung statt15, aber langfristig wird sich diese Trennung hoffentlich nicht halten, so dass auch normale Studierende von dieser Verbesserung der Ausstattung profitieren können.
Bis Weiterbildung profitabel angeboten werden kann, muss allerdings eine erhebliche Anschubfinanzierung geleistet werden. Im Kapitel 6.5 wird näher auf die Kostenkalkulation eingegangen.
2.4. Industriekontakte und positive Rückkopplung
Weiterbildung eröffnet Industriekontakte; berufstätige Teilnehmer ermöglichen Dozenten und Studierenden eine neue, pragmatische Sichtweise auf die Lehrinhalte.
In der Empfehlung der Gesellschaft für Informatik zur Weiterbildung für Informatiker durch die Hochschulen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass "für die beteiligten Hochschullehrer [...] ein wesentlicher Anreiz bereits in dem ideellen Gewinn [liegt], der mit den weiterbildungsbezogenen Praxiskontakten verbunden ist." Weiter heißt es dort: "Durch Weiterbildungsmaßnahmen eröffnen sich den Hochschulen zusätzliche Wege für den Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in die Praxis. Dies wirkt auch auf die grundständige Erstausbildung positiv zurück, da die Umsetzbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse direkter verfolgt werden kann."16
Auch umgekehrt kann auch die Praxis Impulse in die Hochschule bringen. So wird von der Industrie gerade bei Absolventen einer Universität oft eine zu geringe Praxiserfahrung bemängelt17. Gemeint ist damit ein mangelndes Bewusstsein für die Pragmatismen in einer Firma, wie zum Beispiel der tägliche Papierkram, Auseinandersetzung mit Teamstrukturen sowie der Einsatz von Techniken, die nicht mehr die allerneuesten sind. Solche Pragmatismen des Berufslebens machen das Fachwissen, das an der Universität gelehrt wird, nicht weniger wertvoll18; aber sie erschweren es dem Studierenden an seinem späteren Arbeitsplatz, sein Wissen und Können effektiv einzusetzen. Es kann daher nicht schaden, schon frühzeitig einen
15Ein gutes Beispiel hierfür ist der bestens ausgestattete Weiterbildungs-Seminarraum der TUD, der "normalen"
Studierenden verschlossen ist.
16[GI95], Abschnitt 2, "Einleitung"
17Oft zu unrecht; denn was als "Mangel an Praxiserfahrung" beklagt wird, ist vielfach lediglich die Tatsache,
dass Absolventen nicht "ready-to-use" sind, so ein Mitarbeiter der CSC Plöntke Akademie.
18Siehe auch [GAR97]; in diesem Artikel "Agents of Change" wird beschrieben, wie Software-Ingenieure neue
Technologien und Veränderungen in Firmen hineintragen können; um diese Aufgabe erfüllen zu können, müssen
Ingenieure nicht nur über das nötige Fachwissen verfügen, sondern auch ein Verständnis für die Abläufe
innerhalb einer Firma entwickeln.
