Erfüll mir meine Fantasien - Tanya Michaels - E-Book

Erfüll mir meine Fantasien E-Book

Tanya Michaels

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Beschreibung

Netzstrümpfe, Highheels, eine ultraheiße Korsage: Daniel bekommt einen trockenen Mund. Das ist doch Mia! Schon im College ging sie ihm unter die Haut. Damals war er viel zu schüchtern - jetzt muss er schnell handeln, wenn er die Kellnerin beim Junggesellenabschied verführen will …

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Erfüll mir meine Fantasien erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2017 by Tanya Michna Originaltitel: „Tempting the Best Man“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe TIFFANY EXTRA HOT & SEXYBand 73 - 2018 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg Übersetzung: Ulrike Pesold

Umschlagsmotive: GettyImages_pvstory

Veröffentlicht im ePub Format in 11/2019 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733728595

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

„Und, was gibt’s Neues bei dir?“

Zum dritten Mal innerhalb von fünfzehn Minuten hörte Daniel Keegan nun diese Frage. Er mochte keine Partys, auf denen er sich mit Fremden unterhalten musste, aber der heutige Abend zeigte, dass es genauso peinlich sein konnte, alte Bekannte auf den neuesten Stand zu bringen.

Daniel nippte an seinem Bier und zögerte. „Ähm …“ Sehr beredt für einen Doktor der Literaturwissenschaft. Er könnte erzählen, wie er vor ein paar Wochen seiner Freundin einen Antrag gemacht hatte. Er hatte es für romantisch gehalten, ihr den Antrag um Punkt Mitternacht an Silvester zu machen.

Es wäre noch romantischer gewesen, hätte Felicity Ja gesagt. Aber sie hatte panisch „Nein!“ gerufen und die große Party bei seinen Eltern schnell verlassen.

Oder er könnte erzählen, dass er möglicherweise eine Festanstellung an der Universität bekommen würde – auch wenn noch drei andere, sehr qualifizierte Kandidaten um den Job wetteiferten. Aber selbst wenn er die Festanstellung bekäme, wäre er immer noch der Versager der Keegan-Familie. Sein älterer Bruder wollte der nächste Gouverneur von Georgia werden.

Zum Glück wurde das Gespräch von den ersten Posaunenklängen eines klassischen Striptease-Songs unterbrochen. Die Männer drehten sich erwartungsvoll zur Bühne um. Daniel lehnte sich an eine Säule im hinteren Teil des Saals. Er wäre jetzt lieber in seiner Wohnung, wo er Arbeiten korrigieren könnte. Du bist der Trauzeuge. Die Teilnahme am Junggesellenabschied ist obligatorisch. Er hatte Glück gehabt, dass Eli ihn nicht gebeten hatte, den Abend zu planen.

Die heutige Party gehörte zu dem Deal mit der Event-Firma, die sich um Elis Hochzeit am nächsten Samstag kümmerte.

Eine üppige Rothaarige in einem strassbesetzten Netzbody schlenderte auf die Bühne, fragte, wo der glückliche Bräutigam sei, und machte Witze über die Flitterwochen. Der Scheinwerfer folgte ihr zum Ehrengast. Sie setzte sich auf Elis Schoß und sang einen improvisierten Song über den Tag, an dem er seinen Führerschein gemacht hatte. Der Text brachte ihr Gelächter und Applaus, aber die Gäste gerieten außer Rand und Band, als sie den nächsten Auftritt ankündigte – zwei Tänzerinnen mit großen Federfächern und aufreizendem Lächeln.

„Möchten Sie noch eins?“ Eine zierliche blonde Kellnerin, die nicht mehr trug als die Frauen auf der Bühne, deutete mit dem Kopf auf Daniels Bier.

„Nein danke.“ Sein erstes Bier war noch halb voll. Partylöwe.

„Müssen Sie noch fahren?“

„Nein, ich bin nur langweilig.“ Damit zog ihn Sean Clark, der Lehrstuhlinhaber für Kinesiologie, einmal wöchentlich auf.

„Das glaube ich nicht“, widersprach die Kellnerin. Sie lächelte ihn schelmisch an. „Sie sehen aus, als könnten Sie unter den richtigen Umständen sehr aufregend sein.“

„Vielleicht haben Sie recht“, stimmte er höflich zu. „Vielleicht überrasche ich mich selbst.“ Lügner. Seit seiner Geburt war ihm eingebläut worden, dass er auf seinen guten Namen und sein Image aufpassen musste. Er hatte seine wilde Seite so lange unterdrückt, vermutlich existierte sie überhaupt nicht mehr.

Auch das war eine Lüge. Daniel wusste nur zu gut, dass tief in seinem Inneren eine rebellische Ader lauerte. Aber nachdem er sich so viele Jahre zusammengerissen hatte, würde er je seine Kontrolle wiedererlangen, wenn er sich gehen ließ?

„Ich sehe später wieder nach Ihnen“, versprach die Kellnerin. „Ich mag Überraschungen.“

Als sie zu den vollbesetzten Tischen weiter vorne ging, erschien Eli Wallace und schlug Daniel auf die Schulter. „Hast du mit der süßen Kellnerin geflirtet? Das nenne ich Fortschritt!“

„Es war nur eine nette Unterhaltung.“

„Zumindest kann ich bei dir darauf vertrauen, dass sie nicht zu freundlich wird.“ Eli hörte auf zu lächeln. „Mein idiotischer Cousin Terrence ist bei der Barkeeperin ein wenig … handgreiflich geworden … Kannst du bitte ein Auge auf ihn haben? Wenn er zu unangenehm wird, rufen wir ihm ein Taxi und schicken ihn nach Hause.“

„Ich passe auf ihn auf“, versprach Daniel.

„Danke. Wenn du mich entschuldigst, ich muss mich unters Volk mischen – und darf den Tänzerinnen nicht zu nahe kommen. Wenn sich noch jemand auf meinen Schoß setzt, wird Bex mich umbringen.“

Verglichen mit Elis knapp zwei Metern war Rebekah winzig, aber die Chirurgin war eine Kämpferin. „Ja, man legt sich lieber nicht mit einer Frau an, die täglich mit Skalpellen hantiert.“

Eli lachte, wurde dann aber schnell ernst. „Ich will sie nur glücklich machen.“

„Das wirst du. Ihr beide passt perfekt zusammen.“ Daniel zuckte beinahe zusammen, als er die unerwartete Ironie bemerkte. Eli hatte dasselbe zu ihm gesagt, als er sich darauf vorbereitet hatte, um Felicitys Hand anzuhalten.

Eli schaute ihn mitleidig an, aber Daniel winkte ab. „Geh. Du musst dich noch mit anderen Gästen unterhalten.“

Ein paar Minuten später blickte Daniel in Terrence’ Richtung, aber sein Blick blieb an der zweiten Kellnerin hängen. Sie hatte ihm den Rücken zugekehrt, und ihr glänzendes schwarzes Haar fiel glatt über ihre Schultern. Sie erinnerte ihn an eine Frau, an die er zehn Jahre lang nicht gedacht hatte. Mia Hayes. Auf dem College hatte sie ihr Haar so getragen, allerdings mit türkisfarbenen Strähnen. Er versuchte, nicht zu gaffen, und widerstand dem Drang, die Figur der Kellnerin mit Mias zu vergleichen. Es konnte nicht Mia sein. Die hatte Betriebswirtschaft studiert. Mit ihrer Intelligenz und Aggressivität hatte sie inzwischen vermutlich eine Firma übernommen. Es hatte ihn einfach nostalgisch gemacht, alte Bekannte wiederzusehen.

Dennoch erinnerte er sich verblüffend genau an Mia. Das Tattoo einer brennenden Feder in ihrem Nacken, ihre üppigen Kurven und ihr heiseres Lachen. Wie sehr sie ihn verachtet hatte. Daniel hatte einen schrecklichen ersten Eindruck gemacht, und sie hatte es ihm nicht verziehen.

Er ließ die Vergangenheit ruhen und sah erneut zu Elis Cousin, der nun in Richtung Toilette stolperte. Da er sich jetzt die Show ansehen konnte, wandte Daniel sich der Bühne zu. Aber es dauerte nicht lange, bis sein Blick auf der Suche nach der dunkelhaarigen Kellnerin wieder durch die Menge wanderte. Er hatte ihr Gesicht nicht genau sehen können, aber sogar in dem schlechten Licht konnte man erkennen, dass sie üppige Kurven hatte. Schwarze Shorts umschlossen einen runden Hintern, und obwohl sie vermutlich nur durchschnittlich groß war, erschienen ihre Beine in den Netzstrümpfen und den glitzernden High Heels endlos. Da er gerne die lilafarbene Korsage, die sie trug, von vorne gesehen hätte, dachte er darüber nach, zur Bar zu gehen, nur um ihr zu begegnen.

Sei kein schmieriger Blödmann. Lass die Frau ihre Arbeit machen.

Doch dann sah er, wie Terrence sich ihr auf unsicheren Füßen näherte. Daniel eilte in ihre Richtung, als Elis Cousin ihren Ellbogen packte. Alle anderen achteten auf die Bühne. Als Daniel näher kam, hörte er den Kerl lallen, wie kalt es ihr doch in ihrem Outfit sein musste, gefolgt von einem obszönen Vorschlag, wie er sie aufwärmen könnte.

„Wenn ich zwischen Ihnen und Frostbeulen wählen müsste“, erwiderte die Frau mit leiser, gefährlicher Stimme, „dann würde ich mich lieber zu Tode frieren. Und jetzt lassen Sie mich los, bevor ich Ihnen das Knie so fest in den Unterleib ramme, dass Ihr Zahnarzt Ihre nächste Prostatauntersuchung vornehmen kann.“

Verblüfft fragte Daniel: „Mia?“

2. KAPITEL

Unmöglich. Diese tiefe, volltönende Stimme strich Mias Rücken hinauf, und sie wirbelte herum. Sie blickte auf ein V-förmiges Stück Brust unter einem aufgeknöpften schwarzen Hemd, dann hob sie den Blick zu dem markanten Gesicht, das im Laufe des letzten Jahrzehnts noch faszinierender geworden war. Ihr stockte der Atem. „Daniel?“

„Freut mich, dass du dich erinnerst.“ Er lächelte sie an, dann wurde seine Miene ernst, als er an ihr vorbei zu Terrence sah, der ihren Arm losgelassen hatte. „Sie nehmen ein Taxi nach Hause. Sofort.“

„Was zum Teufel geht Sie das an?“ Streitlustig reckte der Kerl das Kinn. „Ich kenne Sie ja gar nicht. Und …“

Daniel trat einen Schritt vor. Seine silbergrauen Augen funkelten bedrohlich. „Wollen wir hinausgehen und uns besser kennenlernen?“

Entgegen ihrem Willen war sie beeindruckt. Mann, er hatte sich gemacht, seit sie zusammen studiert hatten. Sie war zwanzig gewesen, und er hatte ein paar sehr erotische Fantasien in ihr ausgelöst. Sie schluckte schwer und trat einen Schritt zurück, um ihre Fassung wiederzuerlangen.

Daniel sah sie auf eine Weise an, die sie erschauern ließ. Dann drehte er sich um und brachte den Idioten weg, entweder um ihm ein Taxi zu rufen oder ihn auf dem Parkplatz zu verprügeln. Mia war beides recht. Sie konnte auf sich selbst aufpassen, aber je länger sie über das Geschehene nachdachte, desto wütender wurde sie. Wenn eine der Bedienungen nicht in letzter Minute krank geworden wäre, wäre diese junge Frau jetzt hier belästigt worden. Hätte die Kellnerin sich verteidigt oder hätte sie das Grapschen ertragen, weil sie den Job brauchte? Mia wurde noch wütender.

Als Daniel zurückkehrte, ging sie zu ihm. „Hast du ihn verdroschen?“ Wunschdenken. Der brave Streber Daniel Keegan in einer Schlägerei? Niemals. Aber er hatte so wundervoll bedrohlich ausgesehen, als er den Kerl herausgefordert hatte.

„Natürlich nicht. Ich habe ihm ein Taxi gerufen. Obwohl …“ Er schürzte die Lippen, und seine Augen funkelten unerwartet schelmisch. „Während ich ihm ins Taxi geholfen habe, könnte er sich den Kopf gestoßen haben. Zwei Mal.“

Grinsend sah sie zu ihm auf, und als er das Lächeln erwiderte, flatterte ihr Puls. Seine Anziehungskraft war jetzt noch stärker als damals, als er einen Vortrag über soziale Motivation gehalten hatte und sie sich gefragt hatte, wie man ihn dazu bringen könnte, aus der Rolle zu fallen und etwas Unanständiges zu tun.

Als sie bemerkte, dass ihr Schweigen peinlich wurde, platzte sie heraus: „Ich kann kaum glauben, dass ich dich hier treffe.“

„Mir geht es auch so. Ich bin überrascht, dass du kellnerst. Obwohl ich vermute, du …“

Und schon wurde sie wieder wütend. Immer hatte er vorschnell geurteilt und war so arrogant zu glauben, er kenne sie. „Was vermutest du?“

„Na ja.“ Er wand sich nervös. „Du hattest gute Noten, aber dich mir im Geschäftsleben vorzustellen …“

War was? Lächerlich? Er glaubte nicht, dass sie es geschafft hatte. Wenn sie an all die Stunden dachte, die sie in den letzten Jahren dafür geopfert hatte, ihr Event-Business erfolgreich zu machen, war es mehr als ärgerlich, dass er es so beiläufig abtat.

„Immer noch der alte Keegan“, fauchte sie. „Du ziehst immer noch voreilige Schlüsse. Wie schade. Für eine Sekunde habe ich darüber nachgedacht, wie viel Spaß wir haben könnten, wenn du dich geändert hättest.“

Welche Art von Spaß? Daniel blieb wie angewurzelt stehen, als Mia sich auf dem Absatz umdrehte und davonstapfte.

Mia Hayes war schon immer sexy gewesen, aber heute Abend – in diesem Outfit, mit den haselnussbraunen Augen, die abwechselnd drohend und verheißungsvoll funkelten – war sie unglaublich verführerisch. Als sie ihn angelächelt hatte, nachdem er erwähnt hatte, dass Terrence sich den Kopf gestoßen hatte, war Daniel von purer Lust ergriffen worden. Er würde gerne ein paar Schädel einschlagen, nur um dieses Lächeln noch mal zu sehen.

Doch ihrem letzten Blick nach zu urteilen, wollte sie wohl am liebsten seinen eingeschlagenen Schädel sehen. Er hatte nicht andeuten wollen, sie könne nichts Besseres sein als eine Bedienung … oder dass etwas daran falsch war, zu bedienen. Aber offensichtlich war er in ein Fettnäpfchen getreten.

Wieder einmal.

Als sie auf dem College gewesen waren, hatte sie an seine Tür geklopft und nach seinem Mitbewohner gesucht. Während sie gewartet hatte, hatte Mia erzählt, dass sie BWL als Hauptfach hatte. Aber wegen ihrer blauen Haarsträhnen und unkonventionellen Kleidung hatte er vermutet, dass sie einen Witz gemacht hatte. Sein Lachen hatte ihm keine Sympathiepunkte eingebracht.

Er versuchte zwei Mal auf Mia zuzugehen, um sich zu entschuldigen, aber sie wich ihm aus. Er wollte keine Szene machen, indem er sie in die Enge trieb, aber als er und die anderen in den Partybus stiegen, um zur nächsten Party zu fahren, bedauerte er, dass er keine Zeit gehabt hatte, um sich zu entschuldigen.

„Ich habe gesehen, wie du Terrence weggebracht hast“, sagte Eli leise. „Danke.“

Daniel nickte. „Dein Cousin hatte ein Problem, ein Nein zu akzeptieren, und die Kellnerin war dabei, ihn in Stücke zu reißen. Wir haben zusammen studiert. Mia Hayes.“

„Ist sie nicht fantastisch? Sie hat nicht nur dafür gesorgt, dass die ganze Hochzeit glatt abläuft, sie ist heute sogar eingesprungen, als eine der Bedienungen in letzter Minute abgesagt hat.“

„Was meinst du mit ‚glatt ablaufen‘?“

„Sie ist unsere Hochzeits-Planerin. Sie hat den ganzen heutigen Abend geplant und für Bex eine Schnitzeljagd für den Junggesellinnenabschied arrangiert.“ Er zog eine Visitenkarte aus seinem Geldbeutel und reichte sie Daniel.

Daniel starrte auf die Visitenkarte. Sie hatte ihre eigene Firma. Also keine Kellnerin. Obwohl es unter den gegebenen Umständen eine naheliegende Vermutung gewesen war, war ihm seine Reaktion jetzt peinlich. Wann würde er endlich lernen, dass Mia einfach nicht den Erwartungen entsprach? Andererseits hatte er jetzt die Telefonnummer ihres Büros.

Wenn man an ihre Vorgeschichte dachte, könnte jeder weitere Kontakt eine Katastrophe werden. Dennoch sah Daniel im Fenster, wie er grinste. Er wusste nicht, ob ein Gespräch mit ihr in einer Katastrophe enden würde. Aber er war ziemlich sicher, dass es nicht langweilig sein würde.

„Wieso habe ich mich von Penelope Wainright beschwatzen lassen, eine Teegesellschaft zu geben?“, fragte Mia, die dankbar war, zurück im Büro zu sein. Sie hatte eine Stunde damit verbracht, fluchend im Nachmittagsverkehr zu stehen. „Von High Society verstehe ich nichts.“

Shannon Diaz, Empfangsdame und Ein-Frau-IT-Abteilung, schloss eine Schublade im Aktenschrank. „Du machst das, weil Penelope eine unserer besten Kundinnen ist. Und es ist eine Wohltätigkeitsaktion. Ganz zu schweigen davon, dass du sie insgeheim bewunderst.“

„Ha! Na gut, ich bewundere einige ihrer Eigenschaften“, gab Mia zu. Die Sechzigjährige konnte zum Beispiel keine dummen Menschen ertragen. „Aber sie ist eine Nervensäge – anstrengend, eigensinnig …“

Shannon warf ihr einen vielsagenden Blick zu.

Mia blickte finster drein. „Ist es klug, anzudeuten, dass ich eine eigensinnige Nervensäge bin, wenn dein Job in meinen Händen liegt?“

„Ohne mich wärst du verloren. Mein Job ist sicher. Übrigens hattest du Anrufe.“ Shannon wedelte mit einem Papier hin und her. „Wren hat über mögliche Orte für die Verlobungsparty ihrer Schwester nachgedacht, und ein Mann hat nach dem Mittagessen angerufen.“

Mia sah Shannon überrascht an. „Hat er gesagt, wer er ist?“

„Nein.“

Auch wenn es unlogisch war, Mia dachte sofort an Daniel Keegan. Es war ein Schock gewesen, ihn wiederzusehen. Es gab Millionen von Menschen in Atlanta, und sie und Daniel verkehrten nicht in den gleichen Kreisen. Er hatte so verdammt gut ausgesehen. Das war nicht überraschend – sein Aussehen hatte sie schon immer angetörnt –, aber sie war verblüfft gewesen, dass er noch attraktiver gewesen war als in ihrer Erinnerung. Einen kurzen, erregenden Moment lang hatte sie geglaubt, die Anziehung beruhe auf Gegenseitigkeit.

Aber auch wenn sie seiner Meinung nach umwerfend sexy in einer Korsage aussah, konnte sie sich nicht vorstellen, dass er Kontakt mit ihr aufnehmen wollte. Früher hatte er nicht viel mit ihr zu tun haben wollen.

Sein Problem. Sie verbannte alle Gedanken an Daniel und seine faszinierenden Augen und die definierten Unterarme, die sie von einem Blick auf die Muskeln unter seinen maßgeschneiderten Sachen träumen ließen.

„Also, was hat dieser mysteriöse Anrufer gesagt?“

„Er wollte dich sprechen und schien enttäuscht zu sein, dass du nicht im Büro warst. Anstatt eine Nachricht zu hinterlassen, hat er gefragt, wann du wiederkommst. Vielleicht ruft er noch mal an. Vielleicht hast du einen heimlichen Verehrer!“

„Ich fand heimliche Verehrer noch nie romantisch. Das hat etwas von Stalking. Ich mag Menschen, die ihre Karten auf den Tisch legen, auch wenn es schiefgeht. Manchmal muss man Risiken eingehen.“

„Ganz meine Meinung“, ertönte eine männliche Stimme hinter ihnen.

Daniel. Verblüfft, dass er hier war, wirbelte Mia herum. Sie schluckte. „Was machst du denn hier?“

„Ich gehe ein Risiko ein.“ Er grinste selbstironisch. „Ich dachte, ich könnte dich vielleicht zum Essen einladen, wenn du nach der Arbeit Zeit hast.“

Verlockend. In seiner abgetragenen Jeans und dem schwarzen Pulli sah er genauso gut aus wie am Freitagabend. Wo bleibt dein Stolz? Er hatte angedeutet, sie hätte keinen richtigen Beruf.

„Also, heute Abend …“ Sie seufzte. Lügen lag nicht in ihrer Natur. „Essen klingt …“, verwirrend, „… gut. Aber ich muss noch mindestens eine Stunde arbeiten.“

„Kein Problem.“ Er hielt eine Aktentasche hoch. „Ich habe auf dem Lageplan gesehen, dass es oben ein Café gibt. Ich trinke einen Kaffee und arbeite auch etwas.“ Er schrieb ihr seine Nummer auf, damit sie ihm einen SMS schicken konnte, wenn sie fertig war. Dann verschwand er und ließ sie verwundert zurück.

Sie versuchte, gleichgültig auszusehen, und ging in ihr Büro.

Aber sie konnte sich nicht auf die Arbeit konzentrieren. Sie wusste nicht, was schwieriger war: zu begreifen, dass Daniel sie einfach so zum Essen eingeladen hatte, oder zu versuchen, nicht vom Nachtisch zu fantasieren.