Erlebnisorientierte Gästeführung - Isabella Adam - E-Book

Erlebnisorientierte Gästeführung E-Book

Isabella Adam

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Tourismus - Sonstiges, Note: 1,6, Hochschule Bremen, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Erlebnis hat in der heutigen Zeit einen bedeutenden Stellenwert. Die Sehnsucht nach der Erfüllung eigener Träume äußert sich in der Suche nach Erlebnissen. Sie ist in der Freizeit und im Tourismus besonders ausgeprägt. Es werden hohe Erwartungen an die Tourismusakteure gestellt. Erlebnisorientierung ist ein bestimmendender Faktor eines zeitgemäßen touristischen Marketings geworden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es für touristische Destinationen, über das touristische Basisangebot hinaus, entsprechende innovative Erlebnisangebote zu gestalten. Auch Gästeführungen können um den Erlebniswert bereichert werden. Mit Hilfe von erlebnisorientierten Gästeführungen kann sich die Destination einerseits auf innovative und attraktive Weise präsentieren, andererseits den Gästen Erlebnisse vermitteln. Da es keine Gebrauchsanweisung für Erlebnisse gibt, gilt es zu untersuchen, unter welchen Umständen Erlebnis-Gästeführungen erfolgreich sein können. Im Rahmen der Arbeit wird ein Kriterienkatalog ausgearbeitet, mit dessen Hilfe es Praktikern gelingen kann, gehaltvolle Erlebnis-Gästeführungen zu gestalten und hinsichtlich ihres Erlebnisaspektes zu bewerten. Die vorliegende Arbeit leistet somit einen Beitrag zur Optimierung des Freizeit- und Tourismusangebots.

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhaltsverzeichnis

 

1. Einführung

1.1  Problemstellung und Zielsetzung

1.2  Aufbau und methodisches Vorgehen

1.3  Begriffsdefinitionen

1.3.1 Begriffsdefinition Erlebnis / Erleben

1.3.2 Begriffsdefinition Gästeführung / Gästeführer

2. Theoretische Grundlagen der Gästeführung

2.1 Geschichtlicher Hintergrund der Reiseleitertätigkeit

2.2 Bedeutung der Gästeführung

2.3 Didaktische Grundlagen

2.3.1 Die Gesamtkonzeption

2.3.2 Richtziele

2.3.3 Lernziele

2.4 Methodische Grundlagen

2.4.1 Direkte und indirekte Methoden

2.4.2 Methodische Prinzipien und Verfahren

2.5 Grundgedanken für eine erlebnisorientierte Wissensvermittlung

2.6 Zusammenfassung

3. Die Erlebnisorientierung vor dem soziologischen Hintergrund

3.1 Der gesellschaftliche Wandel - von der Askese zum Genuss

3.1.1 Die Erlebnisorientierung

3.1.2 Der Erlebniskonsum

3.1.3 Der Erlebnismarkt

3.2 Erlebnisorientierung in Freizeit und Tourismus

3.2.1 Der Tourismusmarkt im Wandel

3.2.2 Das Erlebnisangebot als notwendige Konsequenz

3.2.2.1 Erlebbare Attraktionen als Fundament des Erlebnisangebots

3.2.2.2 Inszenierung als Strategie für die Gestaltung touristischer Angebote

3.3 Kulturtourismus

3.3.1 Städtetourismus

3.3.2 Erlebniswelt Kultur

3.3.3 Erlebnisse als Medium für den kommunikativen Tourismus

3.4 Erlebnisorientierte Gästeführung

3.4.1 Zusammenfassung und Begründung erlebnisorientierter Gästeführungen

4. Die psychologische Dimension des Erlebnisses

4.1 Psychologische Grundlagen des Erlebnisses

4.1.1 Der Prozess des Erlebens

4.1.2 Reflexion

4.1.3 Emotionale Aspekte des Erlebens

4.2 Erlebnisbereiche im Urlaub

4.3 Das Flow-Erlebis

4.3.1 Das Flow Modell

4.3.2 Externe und interne Bedingungen für Flow

4.3.3 Auswirkungen und Potenziale von Flow

4.3.4 Erkenntnisse für die Erlebnis-Gästeführung

4.4 Zusammenfassung

5. Das Erlebnis vor dem pädagogischen Hintergrund

5.1 Die Erlebnispädagogik

5.1.1 Ziele der Erlebnispädagogik

5.1.2 Das erlebnispädagogische Setting

5.1.3 Transfer und Reflexion

5.1.4 City-Bound

5.1.5 Erkenntnisse für die Erlebnis-Gästeführung

5.2 Das erlebnisorientierte Lernen

5.2.1 Erlebnisorientiertes Lernen als Form des informellen Lernens

5.2.2 Erlebniswelten als erlebnisorientierte Lernorte

5.2.3 Emotionale Bildung als Vorraussetzung für erlebnisorientiertes Lernen

5.2.4 Ebenen des erlebnisorientierten Lernens

5.2.5 Pädagogik erlebnisorientierter Lernorte

5.2.6 Erkenntnisse für die Erlebnis-Gästeführung

5.3 Die Animation

5.3.1 Begriffsbestimmung

5.3.2 Ziel und Wirkung

5.3.3 Animationsbereiche

5.3.3.1 Bewegung

5.3.3.2 Geselligkeit

5.3.3.3 Kreatives Tun

5.3.3.4 Eindrücke, Entdecken und Erleben

5.3.3.5 Abenteuer

5.3.3.6 Ruhe und Besinnung

5.3.4 Erkenntnisse für die Erlebnis-Gästeführung

5.4 Beispiele und Ansätze erlebnisorientierter Gästeführungen

5.4.1 Das Konzept Stattreisen

5.4.2 Das Modell der Spurensuche

5.4.3 Historix-Tours

5.5 Zusammenfassung

6. Begriffsbestimmung der erlebnisorientierten Gästeführung

6.1  Inhaltliche Eingrenzung

6.2  Definition

7. Kriterien für die Gestaltung und Bewertung des Erlebnisaspektes

7.1 Didaktische Kriterien

7.1.1 Erlebnisvermittlung als didaktisches Ziel

7.1.2 Inszenierung

7.1.3 Thematisierung

7.1.4 Dynamisierung

7.1.5 Objektwahl zur Verstärkung des Erlebniswertes

7.1.6 Einhaltung eines roten Fadens

7.1.7 Motivbündelung

7.1.8 Der Gästeführer als Erlebnisgefährte

7.1.9 Geselligkeit

7.1.10 Aktivität

7.1.11 Kreativität

7.1.12 Abenteuer

7.1.13 Ruhe und Muße

7.2 Methodische Kriterien

7.2.1 Storytelling

7.2.2 Mythisierung

7.2.3 Dramaturgie

7.2.4 Exploratives Erleben

7.2.5 Lenkung der Wahrnehmung

7.2.6 Modell der Spurensuche

7.2.7 Förderung der Kommunikation

7.2.8 Ganzheitliches, innengeleitetes Verständnis

7.2.9 Induktives Verfahren

7.2.10 Exemplarisches Verfahren

7.2.11 Prinzip der Anschaulichkeit

7.2.12 Prinzip der Elementarisierung

7.2.13 Prinzip der Aktivierung

7.2.14 Zeitliche, inhaltliche und methodische Rhythmisierung

7.2.15 Einsatz von Quellen und Medien

7.3 Psychologische Kriterien

7.3.1 Raum für Emotionen bieten

7.3.2 Reflexion

7.3.3 Auslösen innengeleiteter Bedürfnisse

7.3.4 Exklusivität

7.3.5 Atmosphäre und Ambiente

7.3.6 Sinnesansprache

7.3.7 Flow

7.3.8 Selbsterleben in der Fremde

7.3.9 Das Bildungserlebnis

7.3.10 Das religiöse Erlebnis

7.4 Räumliche Kriterien

7.4.1 Wetter- und Lichtverhältnisse als dramaturgische Elemente

7.4.2 Authentizität

7.4.3 Vorhandene Atmosphäre nutzen

7.5 Herausstellung zentraler Kriterien

7.6 Zusammenfassung

8. Verbindung von Theorie und Praxis

8.1 Die Beobachtung

8.1.1 Gegenstand der Beobachtung

8.1.2 Methodik

8.1.3 Ergebnisse

8.1.4 Fazit

8.2 Das Experteninterview

8.2.1 Methodik

8.2.2 Der Experte

8.2.3 Die Auswertung

8.2.3.1 Zusammenfassendes Protokoll des Experteninterviews

8.2.4 Fazit

9. Resümee und Ausblick

10. Literaturverzeichnis

Anhang

 

1. Einführung

Das Erlebnis hat in der heutigen Zeit einen bedeutenden Stellenwert. Das Leben zu erleben ist zu einer kollektiven Maxime der Menschen in den westlichen Industrienationen geworden. Die Lebensbedingungen erlauben ein Streben nach persönlicher Selbstverwirklichung. Ein Leben, geprägt von Arbeit und tristem Alltag, erscheint nicht lebenswert. Anscheinend ist Lebensqualität abgängig vom Erlebnisreichtum.

Die Sehnsucht nach der Erfüllung der Träume äußert sich in der Suche nach Erlebnissen. Sie ist in der Freizeit und im Tourismus besonders ausgeprägt. Es werden hohe Erwartungen an die Tourismusakteure gestellt. Aus diesem Grund muss auf der Angebotsseite eine Reaktion erfolgen. Erlebnisorientierung ist ein bestimmendender Faktor eines zeitgemäßen touristischen Marketings geworden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es für touristische Destinationen, über das touristische Basisangebot hinaus, entsprechende innovative Erlebnisangebote zu gestalten.

Auch Gästeführungen können um den Erlebniswert bereichert werden. Mit Hilfe von erlebnisorientierten Gästeführungen kann sich die Destination einerseits auf innovative und attraktive Weise präsentieren, andererseits den Gästen Erlebnisse vermitteln.

Im Rahmen der gesellschaftlichen Erlebnisorientierung wurde Kultur zu einem Erlebnisraum. Neben dem Bildungsaspekt wurde sie um den Unterhaltungsaspekt erweitert. Das Interesse an kulturtouristischen Angeboten verzeichnet einen Zuwachs. Erlebnisorientierte Gästeführungen haben die Möglichkeit darauf zu reagieren. Sie können auf intelligente und behutsame Weise Kultur erlebnisrational vermitteln. Dabei entstehen viele Vorteile für die Destination. Es entwickelt sich ein Wettbewerbsvorteil aufgrund eines Alleinstellungsmerkmals, ferner werden neue Zielgruppen angesprochen, und das Selbstbewusstsein der einheimischen Bevölkerung wird gestärkt.

Es sprechen weitere Gründe für die Notwendigkeit von Erlebnis-Gästeführungen. Neben der Befriedigung der individuellen Erlebnissuche scheinen Erlebnis-Gästeführungen, als Teil eines touristischen Angebots, einen Ausweg aus der Stagnationsphase einzuleiten. Überdies können Erlebnis-Gästeführungen einen kommunikativen Tourismus unterstützen und einen Beitrag zum informellen Lernen leisten.

Neben der individuellen Eigenverantwortlichkeit für Erlebnisse sollten deshalb Freizeit- und Tourismusmanager den Fokus darauf richten, wie die Bedürfnisse der Gäste befriedigt werden können. Angebote, die mit Erlebnissen werben, jedoch die Erwartungen nicht erfüllen, erzeugen enorme Enttäuschungen. Dies wirkt sich kontraproduktiv auf den Markt aus und kann zu einer Verschlechterung des Images und zu einem Rückgang des Gästeaufkommens führen.

Vor diesem Hintergrund ist die methodische und didaktische Planung und Gestaltung von Erlebnis-Gästeführungen von besonderer Bedeutung. Da es keine Gebrauchsanweisung für Erlebnisse gibt, gilt es zu untersuchen, unter welchen Umständen Erlebnis-Gästeführungen erfolgreich sein können.

Im Rahmen der Arbeit wird ein Kriterienkatalog ausgearbeitet, mit dessen Hilfe es Praktikern gelingen kann, methodisch und didaktisch gehaltvolle Erlebnis-Gästeführungen zu gestalten und hinsichtlich ihres Erlebnisaspektes zu bewerten. Die vorliegende Arbeit leistet somit einen Beitrag zur Optimierung des Freizeit- und Tourismusangebots.

Letztendlich soll verdeutlicht werden, dass Erlebnis-Gästeführungen, im Gegensatz zu künstlichen Erlebniswelten, Faszination in einer reellen Umwelt hervorrufen können. Meines Erachtens stellen die gegebenen Ressourcen und das kulturelle Erbe von touristischen Destinationen ein noch ungenutztes Erlebnispotenzial dar. Warum künstliche Welten schaffen, wenn mittels Didaktik und Methodik den Gästen die Augen geöffnet werden können? Eine touristische Destination kann auf entdeckende Art erkundet werden, ihre Geschichte und Alltagskultur bieten genügend Material für eine intelligente Verknüpfung von Kultur und Erlebnisorientierung.

1.1Problemstellung und Zielsetzung

Die in der Einleitung skizzierte gesellschaftliche Erlebnisorientierung schafft die Ausgangslage für die Notwendigkeit von Erlebnisangeboten in Freizeit und Tourismus. Die vorliegende Arbeit fokussiert nun die Umsetzung dieser Entwicklung konkret bezogen auf die Gästeführung.

Zwar widmet sich die Wissenschaft dem Thema Erlebnis, doch sind die Erkenntnisse noch längst nicht in die Praxis vorgedrungen. Für die Konzeption von erlebnisorientierten Gästeführungen existieren so gut wie keine praxisorientierten Erkenntnisse und Vorschläge. Hingegen kann von Praktikern nicht erwartet werden, dass sie sich wissenschaftlich mit dem Erlebnisbegriff auseinandersetzen.

Ein Angebot, das nur zu Werbezwecken mit dem Erlebnisbegriff etikettiert wird, wird von den heutigen erfahrenen und anspruchsvollen Touristen schnell enttarnt. In Anbetracht der negativen Folgen versprochener, jedoch nicht erfüllter Erlebniswünsche, ist ein durchdachtes Erlebniskonzept unverzichtbar. Auch das Fehlen an einer staatlich anerkannten Ausbildung zum Gästeführer in der Bundesrepublik stellt einen weiteren Nachteil für die erfolgreiche Umsetzung von Erlebnis-Gästeführungen dar. Gästeführer sind oft Autodidakten oder werden oft nur in kurzen Seminaren in ihren Aufgabenbereich eingewiesen. Unter diesen Umständen lässt sich vermuten, dass der Erlebnisaspekt zu kurz kommt.

Folglich besteht die Notwendigkeit einer interdisziplinären Untersuchung des Erlebnisbegriffs zugunsten einer strategischen Vermittlung von Erlebnissen. Dieser Mangel formuliert die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit. Es gilt, einen theoretischen Rahmen für dieses neue Feld der Erlebnis-Gästeführung zu bieten. Eine Auswahl an wissenschaftlichen Disziplinen muss erfolgen, um dem Gegenstand näher zu kommen.

Die vorliegende Arbeit untersucht den Erlebnisbegriff und widmet sich der Fragestellung inwiefern äußere Umstände erlebnisstrategisch gestaltet werden können. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil der Arbeit werden Kriterien abgeleitet. Sie stellen für Praktiker eine Hilfestellung dar, mit denen Gästeführungen im Hinblick auf die strategische Vermittlung von Erlebnissen gestaltet werden können.

Gleichzeitig soll der theoretische Teil der Arbeit auch eine Begründung für Erlebnis-Gästeführungen liefern. Es kristallisieren sich mehrere Gründe für einen strategischen Einsatz von Erlebnissen heraus. Zusätzlich sollen eine Beobachtung einer erlebnisorientierten Führung und ein Experteninterview eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis schaffen, und zu weiteren Erkenntnissen führen.

Die Diplomarbeit wendet sich hauptsächlich an Praktiker und verhilft letztendlich zu einer Umsetzung eines aktuellen und langfristigen Trends zugunsten einer innovativen Weiterentwicklung des touristischen Angebots. Für einen Erfolg auf dem Tourismus- und Freizeitmarkt ist diese Weiterentwicklung unumgänglich.

1.2Aufbau und methodisches Vorgehen

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in einen theoretischen (Kapitel 1 bis 5) und einen praktischen Teil (Kapitel 6 bis 8). Nachdem im 1. Kapitel die zentralen Begriffe definiert werden, zeigt das Kapitel 2 die theoretischen Grundlagen der Gästeführung auf. Neben der Darstellung der Bedeutung werden didaktische und methodische Grundlagen gelegt, die einerseits als Einstieg in die Thematik der Gästeführung dienen sollen, andererseits ein Basiswissen für die späteren Kriterien schaffen.

Kapitel 3, 4 und 5 bilden das Fundament für die Gewinnung von Erkenntnissen, aus denen die Kriterien abgeleitet werden. Da die Vermittlung von Erlebnissen ein genaues Verständnis erfordert, wird das Erlebnis aus drei Blickwinkeln betrachtet, dem soziologischen, psychologischen und pädagogischen.

Zunächst wird in Kapitel 3 geklärt, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als Einflussfaktoren auf die Erlebnissuche der Menschen wirken. Darüber hinaus wird analysiert, was Erlebnisorientierung bedeutet und wie sie sich auf das heutige Leben auswirkt. Dabei wird deduktiv vorgegangen, beginnend mit der Erlebnisrationalität der Gesellschaft, des Marktes, des Tourismus und dem Teilsegment des Kulturtourismus. Schließlich werden die Erkenntnisse und gesellschaftliche Entwicklung hinsichtlich der Gästeführungen konkretisiert. Zusammengefasst liefert dieses Kapitel:

- erstens eine Betrachtung aus soziologischer Sicht, die ebenso als Einführung in das Thema der Erlebnisorientierung dient,

- zweitens Erkenntnisse, aus denen Kriterien für Erlebnis-Gästeführungen abgeleitet werden können und

- drittens einen Argumentationsstrang für eine vielschichtige Begründung für Erlebnis-Gästeführungen.

Während Kapitel 4 das Erlebnis als ein psychologisches Gebilde analysiert, wird im Kapitel 5 diskutiert, wie Erkenntnisse der Pädagogik zugunsten der Gestaltung von Gästeführungen genutzt werden können. Kapitel 6 liefert eine Definition der erlebnisorientierten Gästeführung, die sich auf die Erkenntnisse des Theorieteils stützt. In Kapitel 7 wird der Kriterienkatalog für die Planung und Gestaltung von Erlebnis-Gästeführungen präsentiert. Die Kriterien wurden aus den thematisierten Wissenschaften abgeleitet.

In Kapitel 8 erfolgt eine Verknüpfung der Theorie mit der Praxis. Dies ist notwendig, da der Gegen-stand der Arbeit, die Erlebnisvermittlung, praxisorientiert ist und nicht rein theoretisch angegangen werden sollte. Diesbezüglich erfolgt eine Beobachtung und Bewertung einer Erlebnis-Gästeführung, anhand eines Beobachtungsleitfadens, der aus den erstellten Kriterien abgeleitet wurde. Ein Experteninterview soll die Arbeit qualitativ bereichern. Erkenntnisse des theoretischen Teils sollen untermauert bzw. korrigiert werden. Es wird untersucht, ob die Kriterien Anwendung in der Praxis finden, ob neue hinzu kommen, und welches Bewusstsein hinter erlebnisorientierten Konzepten steht. Abschließend findet in Kapitel 9 ein Resümee und Ausblick statt. Es folgt eine zusammenfassende und kritische Betrachtung der Arbeit.

1.3Begriffsdefinitionen

Zu Beginn der Arbeit werden Definitionen der zentralen Begriffe angeführt. Damit soll das Verständnis für weitere Ausführungen erleichtert werden.

1.3.1 Begriffsdefinition Erlebnis / Erleben

Es werden Definitionen geboten, die Schwerpunkte sowohl auf der psychologischen als auch touristischen Ebene setzen und somit inhaltlich einen Bezug zur Gästeführung, als touristisches Angebot, herstellen. Eine gründliche Begriffsauseinandersetzung vor psychologischem Hintergrund erfolgt jedoch in Kapitel 4.

Erlebnis ist ein„Psycho-physisches Konstrukt, das einen Beitrag zur Lebensqualität darstellt und erst durch eigene Erfahrungen in der Umwelt entsteht. Erlebnisse sind Originalbegegnungen, Aktivitäten, Genüsse, die tiefer gehen als die gängigen Konsumerfahrungen. Sie entstehen durch Einmaligkeiten, Besonderheiten, zusätzliche Werte und die Einbettung in eine besondere Umgebung" (Schroeder 2002, S. 100).

Erleben bedeutet: „gefühlsbetontes und unmittelbares Ergriffenwerden anläßlich eines Ereignisses, der Begegnung mit Menschen, äußeren Gegebenheiten und Informationen. Das E. kann nur vom einzelnen selbst beobachtet und als solches beschrieben werden. Ein E. haben zu wollen, ist ein starkes Motiv für die Teilnahme an Freizeitangeboten und für die Teilnahme vieler Freizeittätigkeiten. Dieser Wunsch wird auch als Indikation für eine Veränderung des Freizeitverhaltens im Zusammenhang mit einer Wertverschiebung gesehen“ (Fink-Kümmerly & Frey 1986, S. 69).

Erlebnisurlaub: „Beim Erlebnisurlaub sucht der Urlauber seine Erholung weniger in der Entspannung als in der Auseinandersetzung mit ungewohnten körperlichen und geistigen Anforderungen in zumeist fremder Umgebung..." (Schroeder 2002, S. 100).

Die ersten beiden aufgeführten Definitionen heben die wesentlichen Merkmale des Erlebnisses hervor, den Charakter des Besonderen und die Emotionalität. Darüber hinaus wird deutlich, dass der Wunsch nach Erlebnissen eine Motivation zum aktiven Handeln impliziert. Letzte Definition verdeutlicht die Bedürfnisse eines Erlebnisurlaubers, die einen explorativen Charakter besitzen. Um in der Lage zu sein, diese innengeleiteten Ansprüche zu befriedigen, müssen sich demnach touristische Erlebnisangebote stark an der Nachfrage und den Bedürfnissen der Konsumenten orientieren.

1.3.2 Begriffsdefinition Gästeführung / Gästeführer

„Die Gästeführung ist ein geeignetes und unverzichtbares Mittel zur optimalen Präsentation des Fremdenverkehrsortes, seiner Teile oder auch einzelner Sehenswürdigkeiten. Sie bietet die Chance, zufällige Begegnungen, unzutreffende 'Blickwinkel' und Gewichtungen durch die Gäste zu vermeiden und hinsichtlich des 'Führungsgegenstandes' ein liebenswertes, vollständiges und klares (und natürlich auch wahres) Bild zu vermitteln. Gästeführungen dienen aber nicht nur der Information der Gäste, sondern sind ein wichtiger Bestandteil der Unterhaltung und der Animation“ (Deutsches Seminar für Fremdenverkehr 1993, S. 11).

„Gästeführer sind Fachkräfte in Fremdenverkehrsorten, die im Rahmen von Führungen den Ort, Teile des Ortes, die Umgebung oder auch Einzelheiten gewinnend, klar, präzise, fachkundig und freizeit-, bzw. urlaubsnah präsentieren, meist eine oder mehrere Fremdsprachen beherrschen, Führungsqualitäten, organisatorische Fähigkeiten und psychologische Kenntnisse (speziell zum Gruppenverhalten) besitzen und sich einer kontrollierten Gestik, Mimik und Sprache bedienen“ (Bartl, Schöpp und Wittpohl 1986, S. 13).

Obige Definitionen orientieren sich an der klassischen Gästeführung. Sie zielen vorwiegend auf eine Vermittlung eines vollständigen Bildes des Fremdenverkehrsortes ab, im Sinne eines Rundumschlags, sowie einer Informationsvermittlung, die zwar freizeitorientiert sein soll, jedoch die Erlebnisdimension nicht spezifisch benennt. Da es keine Literatur zur erlebnisorientierten Gästeführung gibt, und somit keine eigenständige Definition exsistiert, wird innerhalb dieser Arbeit eine Erstellung einer Definition der erlebnisorientierten Gästeführung angestrebt, die sich auf die thematisierten theoretischen Grundlagen stützt.

Die folgende Begriffsbestimmung wird herangezogen, um eine Abgrenzung zu verwandten Berufgruppen einzuleiten. „Neben dem Reiseleiter oder -begleiter begegnet der Tourist dem einheimischen Ortsführer, der für ein Objekt bzw. einen Ort zuständig ist. Während man früher ausschließlich den Begriff ‘Fremdenführer/in‘ benutzt hat, spricht man heute auch von ‘Gästeführern/innen‘. Als Gemeinsamkeit mit den Standortreiseleitern haben die Gästeführer (local guides) die Konzentration und Spezialisierung auf einen Ort; längere Reisetätigkeit entfällt im allgemeinen, dafür wird jedoch eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit (Zielgruppenorientierung) an unterschiedliche, stets wechselnde Gruppen erwartet" (Schmeer-Sturm 1993, S. 507).

An dieser Stelle findet eine Abgrenzung zwischen dem Gästeführer (bzw. Stadtführer, local guide oder Fremdenführer) und dem Beruf des Reiseleiters (bzw. Studien- und Bildungsreiseleiters) statt. Beide Gruppen umfassen den Aufgabenbereich der Wissensvermittlung. Die Reiseleitertätigkeit ist allerdings weiter gefasst, da sie sich auf die Begleitung einer Reisegruppe während der gesamten Reisedauer bezieht. Somit muss der Reiseleiter verstärkt Betreuungs- sowie Organisationsaufgaben übernehmen. Es muss jedoch erwähnt werden, dass der Gästeführer ebenso organisatorische sowie Aufgaben der Betreuung übernimmt, allerdings in engerem Maße und auf eine kürzere Dauer bezogen.

Die Wissensvermittlung ist demnach ein übergreifendes Element, das sowohl bei der Reiseleitung als auch bei der Gästeführertätigkeit einen zentralen Aufgabenbereich darstellt. Folglich beschränkte sich die Literaturrecherche für die vorliegende Arbeit keinesfalls nur auf die Gästeführung, sondern schließt Literatur zur Reiseleitung, sowie Studienreiseleitung, mit ein.

Aus o.g. Erläuterungen ist darauf hinzuweisen, dass die ausgearbeiteten Kriterien zur Umsetzung des Erlebnisaspektes bei Gästeführungen (Kap. 7) ebenfalls auf die Reiseleitung zutreffen, insofern eine Informationsvermittlung in Form von Führungen, Rundgängen, Besichtigungen und Erkundungen stattfindet.

2.Theoretische Grundlagen der Gästeführung

 

Dieses Kapitel eröffnet einen Einblick in die theoretischen Grundlagen der Gästeführung[1]. Hauptsächlich befasst sich die Theorie der Gästeführung mit der Methodik und Didaktik zur Informations- und Wissensvermittlung. Diesbezüglich dient die Ausführung dazu, um zu erfahren, welche Methoden aus dem dargestellten Spektrum, speziell für eine erlebnisorientierte Wissensvermittlung, in Frage kommen.

 

Weitere theoretische Gesichtspunkte der Gästeführung (z.B. praktische Durchführung, rechtliche Stellung) werden im Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht behandelt. Zum einen, da sie den Rahmen der Arbeit sprengen würden, zum anderen, weil der 'rote Faden' nicht eingehalten würde. Einleitend folgt der geschichtliche Hintergrund der Gästeführung und Reiseleitung.

 

2.1 Geschichtlicher Hintergrund der Reiseleitertätigkeit

 

Die folgende Zeittabelle nach Vogel (1993, S. 517 f) stellt eine Entwicklung der Reiseleitertätigkeit dar. Reiseleitung ist hier ein Überbegriff der Fremdenführung und schließt die Gästeführung ein. Im Laufe der Zeit fand eine Funktionsverschiebung und -veränderung der Reiseleitung statt, die eine inhaltliche Weiterentwicklung nach sich zog.

 

Freericks (1996, S. 351) ergänzt die Zeittabelle folgendermaßen:

 

 

Die Ergänzung nach Freericks (1996) zeigt eine Tendenz zu erlebnisorientierten Reiseformen speziell in Hinsicht der Kulturreise. Die organisatorischen Aufgaben der Reiseleitung/Gästeführung, wie Durchführung und Betreuung, werden um die Kenntnisse einer freizeitgemäßen und animativen Informationsvermittlung erweitert. Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich speziell mit dieser, um den Erlebnisaspekt, erweiterten Form der Gästeführung und zeigt Wege zur Umsetzung.

 

2.2 Bedeutung der Gästeführung

 

Bartl et al. (1986) räumen der Gästeführung einen hohen Stellenwert innerhalb eines touristischen Marketing-Konzeptes ein. Die Gästeführung ist ein entscheidendes Instrument für eine Präsentation einer touristischen Destination. „Wer keinen Einfluß auf die Präsentation des Ortes nimmt, darf sich über Negativa in der Präsentation, über Zufallsergebnisse oder auch mangelnde Abgrenzung zu anderen Fremdenverkehrsangeboten nicht wundern“ (Bartl et al. 1986, S. 12).

 

Es ergibt sich eine zweifache Bedeutung der Gästeführung. Zum einen bezieht sie sich auf den Gast, zum anderen auf den Fremdenverkehrsort. Der Gast profitiert zunächst davon, dass er den Fremdenverkehrsort und seine Charakteristika kennen lernt. Zusätzlich kann Gästeführung die Urlaubsqualität der Gäste steigern, wenn z.B. Möglichkeiten zur intensiven Auseinandersetzung mit der Destination geboten werden, die Führung zur abwechslungsreichen Freizeitgestaltung anregt, Kontakt zu anderen Gästen oder Einheimischen erleichtert, und schließlich zu einer Identifikation mit dem Urlaubsort verhilft (vgl. Bartl et al. 1986, Schmeer-Sturm 1993).

 

„Die vordergründigste Bedeutung der Gästeführung für den Fremdenverkehrsort ist sicherlich die Steigerung des Bekanntheitsgrades seiner Attraktionen und damit des Ortes selbst“ (Bartl et al. 1986, S. 16). Diese Wirkung impliziert u.a. eine Optimierung und Positionierung des Images, eine Korrektur von Vorurteilen, Ansprache neuer Gästeschichten, Gewinnung von Stammgästen sowie Erreichung einer höheren Kundenzufriedenheit. Die Vorteile resultieren vornehmlich aus dem direkten Kontakt zu den Kunden. Es können Mängel ausfindig gemacht und Anregungen zu Verbesserungen gewonnen werden. Der Kontakt ermöglicht darüber hinaus ein gruppenspezifisches Ansprechen der Gäste. Auf diese Weise kann speziellen Kundenwünschen und Bedürfnissen entsprochen werden (vgl. dies.).

 

Besondere Beachtung sollte dem Primacy-Effect geschenkt werden. Damit ist gemeint, dass die Gästeführung zu einem ersten positiven Eindruck des Fremdenverkehrsortes bei den Gästen führen kann. Der erste Eindruck spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Bildung eines Images (vgl. Bartl et al. 1986). In diesem Zusammenhang verdeutlicht Schmeer-Sturm (1993), dass der Gästeführer neben der Informationsvermittlung ein "Sympathieträger" (S. 507) ist.

 

Zusammenfassend spiegelt sich vor diesem Hintergrund einerseits die Bedeutung der Gästeführung in der Kundenbindung sowie der Image-Positionierung wider, andererseits zeigt sich ein Bildungsanspruch, der ein didaktisches Ziel verfolgt und den Horizont der Gäste zu erweitern versucht. Letzterem Thema widmen sich folgende Ausführungen.

 

2.3 Didaktische Grundlagen

 

Das übergeordnete Ziel der Gästeführung ist der Anspruch, ein geschlossenes Gesamtbild von der besichtigten Destination zu vermitteln. Eindrücke, die dabei bei den Teilnehmern entstehen, sollten strukturiert sein und in einem Zusammenhang zueinander stehen (vgl. Schmeer-Sturm 1996, S. 13).

 

Um diesem Anspruch zu genügen, bedarf es einer thematischen Gesamtkonzeption sowie einer didaktischen Planung. Die didaktische Planung enthält die Bestimmung sowie Auswahl und Anordnung der Bildungsinhalte. Die zentralen didaktischen Fragen der Gästeführung lauten: Welches übergreifende Thema wird gewählt? Welche Ziele werden verfolgt? Welche Auswahl von Besichtigungspunkten, bzw. Objekten ist dafür notwendig? Welche Wünsche und Motivationen haben die Teilnehmer? (vgl. Schmeer-Sturm 1996, S. 13) Die Antworten auf die oben genannten Fragen führen zu einer didaktischen Grundlage, auf die sich eine thematische Gesamtkonzeption einer Gästeführung stützt.

 

2.3.1 Die Gesamtkonzeption

 

Nach Schmeer-Sturm (1996) sollte sich die Gesamtkonzeption an den Führungsdenkmälern einer Destination orientieren. Günter (1991) hingegen rät dazu, sich an der Individualität und dem Charakter des Ortes zu orientieren. Abhängig von Basisaspekten der besichtigten Destination wird die thematische Gesamtkonzeption festgelegt. Basisaspekte sind zu verstehen als geographische, wirtschaftliche, politische, kulturelle und historische Merkmale, die der Destination Individualität und Profil verleihen (vgl. Günter 1991).

 

Grundlegend wird unterschieden zwischen Inhalten (Besichtigungsobjekte und -punkte) und Zielen (Thematik). Die ausgewählten Inhalte der Destination müssen einen beispielhaften Charakter für das Lernziel der Gästeführung besitzen. Sie müssen in eine Reihenfolge und einen zeitlichen Rahmen der Führung gebracht werden, um eine aufbauende Wissensvermittlung zu garantieren. Zusammenfassend betrachtet entsteht aus einer Fülle von einzelnen Inhalten eine zusammenhängende Gliederung (vgl. Günter 1991).

 

2.3.2 Richtziele

 

Schmeer-Sturm (1996, S. 18 f) nennt konkrete Richtziele, die zur Gesamtkonzeption einer Gästeführung führen. Sie definieren ein übergeordnetes Lernziel, aus dem sich ein Zusammenhang zwischen allen Besichtigungsobjekten ergibt. Folgende Richtziele können in Erwägung gezogen werden:

 

•  Historische, politisch-gesellschaftlich-soziale, wirtschaftliche, religiöse, geographische Grundstrukturen kennen lernen.