Erpressung lohnt sich nicht (Das Stuntman-Team 4) - Alfred Wallon - E-Book

Erpressung lohnt sich nicht (Das Stuntman-Team 4) E-Book

Alfred Wallon

0,0
2,99 €

Beschreibung

Der Umfang dieses Buches entspricht 124 Taschenbuchseiten. Am Ende eines Drehtages feiern die beiden Stuntmen Lee Cannon und Paul Rowland mit ihren Kollegen ausgelassen in San Francisco. Dabei begegnet Cannon einer Rockergang, die es auf ihn und sein Motorrad abgesehen haben. Sie nennen sich Black Angels und suchen Streit. Zum Glück kommen Paul Rowland und die anderen Filmleute herbei, um Cannon zu helfen, und die Rocker suchen das Weite. Aber Billy Stone, ihr Anführer, kann diese Niederlage nicht so einfach hinnehmen, und deshalb beschließt er, Cannon einen Denkzettel zu verpassen. Unbemerkt stiehlt er Cannons Honda, aber das ist erst der Beginn einer Kette von dramatischen Ereignissen. Weder Billy Stone noch seine Kumpane ahnen, dass sie sich mit den Falschen angelegt haben. Denn Cannon und Rowland geben so schnell nicht auf ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI



Alfred Wallon

Erpressung lohnt sich nicht (Das Stuntman-Team 4)

Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

ERPRESSUNG LOHNT SICH NICHT

Das Stuntmen – Team

- Action, Spannung, Risiko -

Band 4

Ein Roman von Alfred Wallon

 

 

IMPRESSUM

© dieser Digitalausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

[email protected]

 

 

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

DAS STUNTMEN-TEAM -ACTION, SPANNUNG, RISIKO –

Band 4

Roman © by Alfred Wallon und Edition Bärenklau, 2015

Cover © by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2015

 

Der Umfang dieses Buches entspricht 124 Taschenbuchseiten.

 

 

Am Ende eines Drehtages feiern die beiden Stuntmen Lee Cannon und Paul Rowland mit ihren Kollegen ausgelassen in San Francisco. Dabei begegnet Cannon einer Rockergang, die es auf ihn und sein Motorrad abgesehen haben. Sie nennen sich Black Angels und suchen Streit. Zum Glück kommen Paul Rowland und die anderen Filmleute herbei, um Cannon zu helfen, und die Rocker suchen das Weite. Aber Billy Stone, ihr Anführer, kann diese Niederlage nicht so einfach hinnehmen, und deshalb beschließt er, Cannon einen Denkzettel zu verpassen. Unbemerkt stiehlt er Cannons Honda, aber das ist erst der Beginn einer Kette von dramatischen Ereignissen. Weder Billy Stone noch seine Kumpane ahnen, dass sie sich mit den Falschen angelegt haben. Denn Cannon und Rowland geben so schnell nicht auf ...

 

 

1

Der Mann am Steuer des blaumetallic schimmernden Trans Am wirkte nervös. Seine Hände umkrampften unruhig das mit Fell bespannte Lenkrad und waren feucht vom Schweiß. Während er die Regent Street entlangfuhr, warf er ab und zu einen kurzen Blick in den Rückspiegel, um sich zu vergewissern, dass ihm niemand folgte.

Ein eisiger Schreck durchfuhr ihn, als er plötzlich zweihundert Yards hinter sich einen grünen Porsche aus einer Seitenstraße herausschießen sah, der sich sofort an seine Fersen heftete. Noch war es nicht sicher, ob der Fahrer des Sportwagens hinter ihm her war, und der bärtige Fahrer des Trans Am trat deshalb das Gaspedal seines Wagens voll durch, um zu beschleunigen. Das Fahrzeug schoss mit quietschenden Pneus nach vorn, und der Motor heulte auf, als der Trans Am beschleunigte.

Wieder schaute der Mann in den Rückspiegel, wobei er den Porsche nicht aus den Augen ließ. Auch der andere Fahrer hatte seinem Wagen jetzt Zunder gegeben, ein sichtliches Zeichen dafür, dass er sich nicht abhängen lassen wollte. Jetzt war es sicher, dass sie hinter ihm her waren, aber sie durften ihn auf keinen Fall bekommen, denn das würde seinen Tod bedeuten.

Der Mann am Steuer des Trans Am benahm sich jetzt wie das reinste Nervenbündel. Gehetzt blickte er in den Rückspiegel und vergaß dabei vollkommen, auf den fließenden Verkehr zu achten. Noch während er damit beschäftigt war, den grünen Porsche zu beobachten, bekam der Trans Am einen unerwarteten Linksdrall, und der Mann lenkte den Wagen auf die andere Straßenseite.

Erst das zornige Hupen und das Aufblenden der Scheinwerfer eines entgegenkommenden Chevy rissen ihn wieder aus seinen Ängsten. Er blickte nach vorne und sah den Wagen, der geradewegs auf ihn zuschoss. In diesen Sekunden handelte er wieder vollkommen routiniert, so wie er es auch getan hatte, als er den schmutzigen Job für das Syndikat übernommen hatte. Nun wollten sie ihn zum Dank für seine Arbeit beseitigen!

Im letzten Augenblick riss er wieder das Steuer nach rechts, um den Zusammenprall zu vermeiden. Er hörte, wie der andere voll auf die Bremse trat und ins Schleudern geriet, konnte aber nicht weiter darauf achten, weil er in diesen Sekunden genug Mühe hatte, die Gewalt über sein eigenes Fahrzeug nicht zu verlieren. Der Trans Am schlingerte wild hin und her, aber der Bärtige gab nicht auf. Er riss am Lenkrad herum, bis der Wagen wieder in der Spur war. Dann trat er wieder voll durch, musste aber feststellen, dass dieser alte Kasten nicht mehr hergeben würde.

Der Porsche blieb ihm unerbittlich auf den Fersen, und durch das waghalsige Manöver seines Opfers hatte er sogar ein wenig auf holen können. Jetzt konnte der Mann im Trans Am sogar schon sehen, mit wie vielen er es zu tun hatte. Durch die Scheibe hindurch erkannte er die Umrisse zweier Gestalten, die im Porsche saßen, und einer von ihnen hielt etwas in der Hand. Kein Zweifel daran, dass es sich hier um eine Pistole handelte, mit der sie ihm das Licht ausblasen wollten!

Kalter Schweiß stand auf der Stirn des Bärtigen, und er überlegte verzweifelt, wie er seinen Verfolgern ein Schnippchen schlagen konnte.

Urplötzlich riss er das Steuer seines Wagens herum und lenkte ihn mit qualmenden und schrill quietschenden Reifen in eine enge Seitenstraße. Das Manöver war so gewagt, dass der Trans Am um Haaresbreite einer Hausmauer entging. Dann drückte er wieder voll auf die Tube und kümmerte sich auch nicht darum, dass er mit dem rechten Kotflügel eine Mülltonne streifte, die mit einem scheppernden Geräusch zu Boden fiel und ihr Inhalt sich über die schmale Gasse ergoss. Papier, alte Konserven und leere Flaschen.

Der Porsche behielt das Tempo bei. Der Beifahrer auf dem rechten Sitz schraubte unterdessen seelenruhig einen Schalldämpfer auf seine Waffe, während sein Partner achtlos über den Müll fuhr. Unterdessen hatte der Trans Am wieder das Ende der schmalen Straße erreicht. Mit einem Blick, der nur Bruchteile von Sekunden anhielt, vergewisserte er sich kurz, dass er freie Fahrt hatte. Dann schoss er mit viel zu hoher Geschwindigkeit aus der Seitenstraße hervor und fädelte sich wieder in den fließenden Verkehr ein, der auf der Regents Street in Richtung Hafen führte.

Während der Porsche weiter aufholte und jetzt schon fast an seinem Heck klebte, gab es auf einmal ein trockenes Geräusch. Mit einem dumpfen Klirren schlug die Kugel in die Heckscheibe des Trans Am und verwandelte sie in ein milchiges undurchsichtiges Etwas. Der Bärtige zog unwillkürlich den Kopf ein. Jetzt wurde es allmählich brenzlig, und wenn nicht bald ein Wunder geschah, dann würde er sich schon bald sechs Fuß tief unter der Erde auf dem Frisco Cemetery wiederfinden - ein Gedanke, mit dem er sich wirklich nicht abfinden wollte!

Plötzlich kam ein Radfahrer aus einer Seitenstraße hervorgeschossen, der weder nach links noch nach rechts schaute. Es kam, wie es kommen musste. Die Geschwindigkeit des Trans Am war viel zu hoch, um einen Zusammenprall zu vermeiden. Der Bärtige stieg zwar voll in die Eisen, bei diesem Tempo jedoch behielt der Trans Am seine Spur bei.

Für einen kurzen Augenblick schaute er in die Augen des entsetzten Radfahrers, der mit einem Mal den Wagen auf sich zurasen sah. Seine Reaktion kam viel zu spät. Mit einem hässlichen Geräusch prallte der Trans Am gegen den Radfahrer und schleuderte ihn hoch. Während die Reifen das Fahrrad mit einem knirschenden Laut zermalmten, wurde der Fahrer auf die Motorhaube geschleudert, wo er für Sekunden haften blieb und dann wieder zurückgeworfen wurde. Wie von einer unsichtbaren Faust getroffen, flog der Radfahrer seitlich auf den harten Asphalt, wo er regungslos und blutüberströmt liegenblieb.

All das bekam der Fahrer des Trans Am jedoch nicht mehr mit. Infolge des plötzlichen Aufpralls hatte er auch Schwierigkeiten, den Wagen zu lenken. Der Sportwagen drehte sich um seine eigene Achse und schlug mit dem hinteren Kotflügel gegen eine Hauswand, was den Wagen noch mehr ins Schleudern brachte. Von dort wurde er zurückgestoßen und überschlug sich mehrmals, bis er mit total verbeulter Karosserie zum Liegen kam, während entgegenkommende Fahrzeuge hastig abbremsten, um nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Sekunden später puffte dann eine Stichflamme auf, der eine heftige Explosion folgte. Der Motor des Trans Am flog in die Luft und hüllte den Wagen in ein einziges Flammenmeer. Der grüne Porsche bremste noch rechtzeitig ab, als feststand, dass der Trans Am verunglücken würde. Einer der beiden Männer ließ die Pistole sinken. In seinem Gesicht zeigte sich ein teuflisches Grinsen …

2

„Aus!“, erklang die Stimme Sam Cardigans, und er hob die rechte Hand. Sofort schwenkte die Kamera vom brennenden Trans Am ab, und das war das Zeichen für das Einsatzteam. Fünf in gelbe Overalls gehüllte Männer rannten zu dem verunglückten Fahrzeug und besprühten es ganz mit Löschschaum.

Jetzt stellte sich heraus, dass der Fahrer des Trans Am überhaupt nicht tot war. Im Gegenteil. Er zwängte sich aus dem brennenden Wrack hervor und schlug mit beiden Händen nach den auf seiner Schutzkleidung auftretenden Funken. Auch er wurde von den Männern des Löschteams über und über besprüht, um ganz sicherzugehen:

„Mensch, Paul, du gerissener Hundesohn hast die Szene besser hingekriegt, als ich mir das vorgestellt habe!“, rief Regisseur Sam Cardigan zu dem Teufelsfahrer, der bis über beide Ohren grinste. Als er den falschen Bart abnahm, erkannte man sein männlich markantes Gesicht.

„Dann kannst du mich ja gleich auf deinen Stuhl lassen, und du machst für mich den Stunt, Sam!“, antwortete der schwarzhaarige durchtrainierte Mann grinsend. „Aber ich möchte wetten, dass du viel zu feige dafür bist, oder?“

Dem bärbeißigen Cardigan blieb die Luft weg. Der dicke Regisseur, dessen Figur entfernt an ein Fass erinnerte und in dessen Haar bereits erste Silberfäden zu erkennen waren, holte tief Luft.

„Jetzt riskiere hier ja nicht so eine dicke Lippe, Mann!“, schimpfte er. „Du und Lee - ihr beide braucht euch überhaupt nichts auf euch einzubilden, verstanden? Stuntmen gibt es ja genug!“

„Ist aber schon ein wenig merkwürdig, dass du ausgerechnet uns beide für deine dämlichen Filme immer wieder engagierst, Mann“, erwiderte Paul Rowland. „Ganz zu schweigen davon, wer von uns beiden eine dicke Lippe riskiert. Schau doch mal dich an, dann hast du die Antwort ...“

Der Radfahrer, den der Trans Am so unglücklich zur Seite geschleudert hatte, erhob sich jetzt ebenfalls und klopfte sich den Staub von der Kleidung, während Kameraassistenten hin und her rannten und ein Trupp Techniker Kabel verlegte. Auch er war quicklebendig und grinste.

„Der gibt doch ums Verrecken nicht zu, dass wir seine besten Pferde im Stall sind, Paul“, sagte der Mann, dem blondes Haar wirr in die Stirn fiel. Sein Name war Lee Cannon, und zusammen mit Paul Rowland bildeten die beiden ein Stuntmen-Team, das in der Filmwelt sehr gefragt war.

„Ist ja gut“ brummte der dicke Regisseur und zerrte nervös an seinem Hemdkragen herum, „Trotzdem wäre es mir lieber, wenn ihr ein wenig kürzer tretet. Halbgötter seid ihr Burschen auch nicht“

„Wir sehen aber so aus!“, fuhr ihm der blonde Cannon ins Wort. „Nun sag ja nicht, dass das nicht stimmt. Komm, Paul, wir beide haben uns jetzt die Ruhepause redlich verdient. Sieh doch mal, unserem guten Sam Cardigan scheint’ s nicht gut zu gehen. Er hat einen Kopf wie eine Tomate und sieht aus, als wenn er gleich platzt. Bringen wir uns in Sicherheit, Partner!“

„Worauf du dich verlassen kannst“, fügte der schnauzbärtige Rowland hinzu. „Bis heute Abend, Sam. Am besten, du legst dich auch ein wenig hin. Dann bist du wenigstens nachher voll dabei. Jetzt wirkst du sehr krank. Nimm doch mal eine Tablette. Vielleicht hilft das ja. Guter Tipp von deinen Freunden ...“

Dann schlug er dem verdutzten Regisseur scherzhaft auf die Schultern und marschierte mit Lee davon. Sam Cardigan schüttelte im stillen den Kopf über Cannon und Rowland, diese beiden unverbesserlichen Kindsköpfe. Aber sie waren und blieben nun mal die besten Stuntmen in der Branche, und das wussten sie auch. Deshalb konnten sie sich schon ein paar flotte Sprüche erlauben, über die jeder Regisseur gerne hinwegsah, wenn er an die erstklassigen Action-Szenen dachte, die die beiden fabrizierten.

Der dicke Cardigan atmete auf und strich sich unwillkürlich mit der Rechten über die Haare. Wahrscheinlich hatten Cannon und Rowland wieder mal dafür gesorgt, dass er nach Ende dieses Films einige graue Haare mehr auf dem Schädel hatte. Aber was tat man nicht alles für einen guten Film.

Seufzend wendete sich Cardigan ab und ging zurück zu seinem Stuhl, von dem er die ganze Szene dirigiert hatte. Er warf einen Blick auf seine Rolex. Kurz nach drei am Nachmittag. Das war die letzte Szene gewesen, und der Film war zu Ende.

3

Der Film hieß „Die Hölle von Chinatown“, und wenn man dem Drehbuch Glauben schenkte, dann war es einer der heißesten und interessantesten Streifen, die jemals produziert wurden. Die Story war ziemlich einfach gehalten und lebte eigentlich nur von den Action-Effekten, die in die Tat umgesetzt werden mussten, und deshalb hatte der Produzent Sam Cardigan beauftragt, das ganze Projekt durchzuführen. Der dicke Regisseur war ein alter Hase und ließ sich so leicht keinen Bären aufbinden, und er witterte die Chancen, hier einen ganz großen Knüller zu landen.

Da die Stunts das Ein und Alles eines interessanten Streifens waren, verstand es sich von selbst, dass er hier die Besten des Metiers herbeizitierte, und das waren nun einmal Paul Rowland und Lee Cannon. Seit mehr als drei Wochen hatten sie sich in einem gemütlichen Hotel direkt gleich beim Strand von San Francisco einquartiert, in dessen Nähe dann der Film gedreht wurde. Natürlich nur die brisanten Szenen, das war klar. Dialoge und sonstiges, was keine Mühe bereitete, wurde in den Warner Brothers-Studios dann nachgeholt - dazu brauchte man keine Stuntmen mehr.

Aber jetzt war auch dieser Teil des Filmes geschafft, und alle die, die daran beteiligt waren, hatten ein gutes Stück Arbeit geleistet. Alles hatte im richtigen Moment stimmen müssen: die richtige Beleuchtung, die Kamera musste die rasanten Stunts optimal einfangen und bis zum Ende mitverfolgen, und schließlich mussten die geplanten Tricks und Unfälle glaubwürdig aussehen, sonst würde es in den Kinos nicht genügend Zuschauer vom Stuhl reißen.

All dies ging Paul Rowland durch den Kopf, während sich das Filmteam am Strand von San Francisco aufhielt und das obligatorische Abschiedsfest feierte, zu dem der Produzent all diejenigen eingeladen hatte, die an dem Film beteiligt waren. Hauptdarsteller, Kameraleute, Techniker, Komparsen und Stuntmen saßen hier in einer fröhlichen Runde beisammen und sprachen über weitere Pläne.

Rowland beobachtete einige Kameraleute, die sich mehrere Sixpacks Coors-Bier unter den Nagel rissen und sich dann in die Büsche schlugen. Zwei Skriptgirls waren mit von der Partie, und Paul zweifelte keine Sekunde daran, dass dieser Trupp sich heute Nacht noch ganz gewaltig amüsieren würde.

Er selbst saß in der Nähe des Zeltes, in dem Getränke und Essen für das Team bereitgestellt worden war. Normalerweise hätte er am Gelage kräftig mitgehalten, aber heute war ihm nicht ganz danach. Ihm ging der Stunt von heute Mittag nicht ganz aus dem Kopf, wo er im brennenden Trans Am gesessen hatte, während die Flammen empor gezüngelt waren und dunkler Rauch sich auf seine Atemwege gelegt hatte. Da hätte nicht viel gefehlt, und er wäre da als Schmorbraten rausgekommen.

„Na, Rowland, was. ist denn mit dir los?“, riss ihn plötzlich eine Stimme hinter ihm aus seinen Gedanken. „Komm, nimm dir was zu trinken und hau einen auf den Putz, alter Junge. Der Film ist vorbei, und das ist doch Grund zum Feiern, oder?“

Der Stuntman mit dem schwarzen Schnurrbart drehte sich um und blickte in das grinsende Gesicht von Pete Turner, dem besten Kameramann des Teams, der alle seine Stunts brillant gefilmt hatte, und der sich jetzt etwas zu trinken geholt hatte.

„Ach was!“, winkte Rowland ab und lächelte zurück. „Ich komm’ schon noch, Pete. Aber ich brauch’ auch mal ein paar ruhige Minuten für mich, verstehst du? Es war heute schließlich ein ganz schön anstrengender Tag, da muss man auch mal ein bisschen abschalten. Kannst du das verstehen?“

Turner zögerte einen Augenblick, doch dann nickte er. „Ich glaub’, ich weiß, was du meinst“, erwiderte er, riss sich eine Büchse Bier auf und nahm einen tiefen Schluck. „Du und Cannon, ihr habt heute den Löwenanteil geleistet und euer Leben in den letzten Tagen ein paarmal aufs Spiel gesetzt, so ist es doch. Wir anderen haben Grund zum Feiern, aber du erst recht. Mach dir nicht zu viele Gedanken, alter Junge, das strengt nur die grauen Zellen an. Also was ist jetzt, kommst du mit ’rüber zu den anderen oder willst du wirklich hier bleiben?“

Paul Rowland schüttelte den Kopf und erhob sich dann mit geschmeidiger Bewegung.

„Ich geh mit ’rüber, Pete“, antwortete er. „Du hast so was Unwiderstehliches an dir, da kann man einfach nicht nein sagen.“

Der Kameramann lachte.

„Genau das hat Doris, unser Skriptgirl, auch von dir behauptet, Paul“, gab er lachend zurück. „Wenn ich dich jetzt mit ’rüber zu den anderen schleppe, dann wird sie sich bestimmt darüber freuen und du wahrscheinlich auch. Mensch, Paul, du darfst das Girl nicht enttäuschen. Sie hält große Stücke auf dich.“

„Hoffentlich nicht zu große“, fügte Paul hinzu und ging mit dem Kameramann hinüber zum Sandstrand, wo die meisten des Teams ein kleines Camp aufgeschlagen hatten. Es war ein recht idyllisches Fleckchen. Die Wellen des Meeres waren noch nicht einmal hundert Yards weit weg, und in der Ferne schimmerte das Lichtermeer der Millionenstadt San Francisco, die die meisten von ihnen heute das letzte Mal sahen. Morgen würde sich das Team in alle Winde zerstreuen. Einige von ihnen trafen sich beim nächsten Film wieder, andere sahen sich erst nach Wochen oder gar Monaten wieder. Aber es waren Leute, die alle wie Pech und Schwefel zusammenhielten.

Die blonde Doris warf Rowland einen kessen Blick zu, und Paul grinste zurück. Im Grunde genommen war er besser dran, wenn er das Leben so nahm wie Lee. Sein Partner war mehr ein Typ, der das Leben mit allen Höhen und Tiefen akzeptierte und dabei sogar noch das Beste daraus machte.

„Hi, Paul“, begrüßte ihn das Girl lächelnd. „Wo hast du denn die ganze Zeit gesteckt? Wir haben schon alle auf dich und Lee gewartet und ...“

„Ist denn Cannon nicht hier?“, fragte Paul erstaunt. „Ich war die ganze Zeit allein, Doris. Eigentlich hab’ ich gedacht, dass er hier mit euch allen feiert.“

„Ich kann mir denken, wo der Bursche steckt!“, meldete sich jetzt Earl Quentin, ein Tontechniker, zu Wort. „Vor einer halben Stunde hab ich ihn zu seiner Teufelsmaschine marschieren sehen, und Holly Jenkins war bei ihm. Wahrscheinlich machen die beiden mal einen kurzen Ritt auf Lees Honda!“

Sein Grinsen war eindeutig. Für ihn und alle anderen stand fest, dass Lee sich mit der Cutterin abgesetzt hatte, um nicht nur auf der Honda zu reiten - das war typisch für Cannon, dachte Paul.