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Hans E. Gerr

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Beschreibung

Fachbuch aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Pädagogik - Schulpädagogik, , Sprache: Deutsch, Abstract: Nach einer begrifflichen Klärung referiert der Verfasser in dieser 2. Auflage Erklärungsmodelle für das Entstehen von Aggressionen und geht auf die Problematik der Gewaltdarstellungen in den Medien ein. In den weiteren Ausführungen setzt sich der Autor unter anderem mit Möglichkeiten des Umgangs mit Aggressionen in der Unterrichtspraxis auseinander (Förderung von Selbst- und Sozialkompetenzen in einer gruppenpädagogischen Arbeit, das Rollenspiel als Trainingsmöglichkeit für das Erlernen gewaltfreien Handelns etc.). Abschließend werden an Formen offener Unterrichtsarbeit (Erkundungslernen, Freiarbeit und Projekthandeln) Möglichkeiten einer Gewaltprävention aufgezeigt.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Hans E. Gerr

Erziehung zum gewaltfreien Handeln

2. Auflage 2015

„Gewalt ist eine Waffe der Schwachen.“

Mahatma Gandhi

Inhalt

Einleitung

1. Zum Begriff „Aggression“

2. Erklärungsmodelle für das Entstehen von Aggression

2.1 Triebtheoretische Erklärungsmodelle

2.1.1 Zum Problem eines “Auslebens” von Aggressionen

2.2 Frustrations-Aggressions-Hypothese

2.3.1 Lernen am Modell (Imitationslernen)

2.3.2 Lernen am Erfolg

3. Zum Problem von Gewaltdarstellungen in den Medien

3.1 Die Katharsisthese

3.2. Die Inhibitionsthese

3.3 Die Habitualisierungsthese

3.4 Die Stimulationsthese

3.5 Die Rationalisierungsthese

4. Zum Umgang mit Aggressionen in der Schule

4.1 Unterrichtsstil und Aggression

4.2 Das Problem der Strafe

4.3 Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz

4.3.1 Soziales Lernen in der Gruppe

4.3.2 Spiel und soziales Lernen

4.3.3 Zum Rollenspiel als Verhaltenstraining

4.4 Handeln nach demokratischen Werten im Schulleben

4.4.1 Demokratische Werte und Normen

4.4.2 Aspekte einer Anleitung zu wertorientiertem Handeln

5. Offene Lernsituationen und Aggressionsbewältigung

5.1 Kennzeichnung offenen Unterrichts

5.2 Aggressionsbewältigung und Erkundungslernen

5.3 Freiarbeit und Gewaltprävention

5.4 Förderung der Demokratiefähigkeit durch Projekthandeln

Zusammenfassung

Literatur

Glossar

Der Autor

Einleitung

Im zwischenmenschlichen Bereich kann „Gewalt“ als bewusstes und schädigendes Verhalten gegenüber Personen bezeichnet werden, wobei bei den Opfern der Gewalt Schäden (Verletzungen, Beeinträchtigungen etc.) in körperlicher, psychischer oder sozialer Hinsicht verursacht werden. Häufig ist mit der Gewaltanwendung auch beabsichtigt, den Willen des Opfers zu brechen.

In der gesellschaftlichen Realität existiert aber nicht nur die Gewalt von Menschen gegen Menschen, die man als „personale Gewalt“ bezeichnen kann; es besteht auch die sogenannte „strukturelle Gewalt“ (Galtung). Diese indirekt wirkende Gewalt wird auch als „soziale Ungerechtigkeit“ bezeichnet. Erst wenn sie beseitigt ist, kann man von einem „positiven Frieden“ sprechen (vgl. Galtung 1975, S. 33).

Ein solcher „positiver Frieden“ ist auch durch Not, Verelendung, Hunger, ökonomische Abhängigkeit, Unterdrückung von Minderheiten und Rassismus, aber auch durch die verantwortungslose Ausbeutung von Ressourcen oder durch die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen bedroht.

Die in unserer Gesellschaft vorhandene „personale Gewalt“ kann sehr unterschiedliche Formen haben. Sie reichen von verbalen Provokationen und Beleidigungen über Erpressungen bis hin zu körperlichen Attacken. Dabei fällt auf, dass die Verrohung bei der sprachlichen Auseinandersetzung und die Brutalität bei der körperlichen Gewaltanwendung zunehmen.

Auch wenn laut Pressemitteilung des Bundesministers des Inneren vom 4. Juni 2014 im Hinblick auf die Gewaltkriminalität ein positiver Trend zu verzeichnen ist (die Delikte sind bei Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr um 11,9 % zurückgegangen), so ist vor allem in Ballungszentren mit multikultureller Zusammensetzung der Bevölkerung das Gewaltpotenzial besonders hoch (vgl. Gratzer 1993, S. 88).

Gegenwärtig hat in der Gesellschaft die Gewalt, die von Rechtsradikalen, Hooligans oder fundamentalistischen Isalamisten (Salafisten) ausgeht, eine „neue Qualität“ (Heiko Maas) erreicht. Solche Gruppen können Jugendliche über die sozialen Netzwerke erreichen und negativen Einfluss ausüben, zumal sie fast alle im Besitz von Smartphones oder Tablets sind.

In einigen Schulen reagiert man heute auf das Gewaltproblem mit der Einrichtung von Schlichterstellen. Die Aufabe einer Schlichtung von Konflikten, von Mobbing oder von Streitereien mit dem Ziel einer Vermeidung von Gewalt übernehmen dabei Schülerinnen und Schüler; sie kennen die Probleme häufig aus eigener Erfahrung.

In der vorliegenden Schrift sollen wesentliche Ursachen des Gewaltproblems in den öffentlichen Schulen in knapper Form dargestellt sowie mögliche Handlungsstrategien zum Umgang mit Aggressionen und auftretender Gewalt reflektiert werden.

Die Begriffe „Gewalt“ und „Aggression“ werden in dieser Schrift im gleichen Sinne verwendet. „Aggressives Verhalten“ kann man auch als „Gewaltanwendung“ interpretieren. Auf die in der Fachliteratur unterschiedlichen begrifflichen Auffassungen wird hier nicht eingegangen.

Eine Gewaltprävention lässt sich vor allem durch die Gestaltung eines Schullebens, das den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler entgegenkommt, erreichen. Der von Friedrich Fröbel (1782-1852) stammende Begriff „Schulleben“ impliziert die Verbindung von schulischem und außerschulischem Lernen. Ein mit Leben erfülltes schulisches Lernen ist pädagogisch orientiert und schließt Grundsätze wie die Berücksichtigung sozialer und emotionaler Bedürfnisse, das „Erfahrungslernen“ oder offene Lernformen ein.

Einige Textabschnitte folgender veröffentlichter Aufsätze des Verfassers wurden sinngemäß oder wörtlich aus folgenden Zeitschriftenaufsätzen übernommen:

Aggressives Verhalten als Erziehungsproblem – schon in der Grundschule? In: Lehrerjournal-Grundschulmagazin Nr. 4/1987. S. 4-7.Zur Bedeutung des spielerischen Lernens in der Wölflingsstufe. In: Scouting Nr. 1/1989-3/1989 (Artikelserie).Erziehung zur Gewaltfreiheit. In: Scouting Nr. 4/1990. S. 6-9.Soll man Aggressionen ausleben? In: Scouting Nr. 2/1991. S. 8-9.Bedeutung und Formen des Erkundungslernens. In: Scouting Nr. 4/1991. S. 8-10.Pfadfinden – eine Antwort auf die steigende Gewaltbereitschaft und die eingeschränkten sozialen Lernprozesse. In: Scouting Nr. 3/ 1999. S. 13-16.

1. Zum Begriff „Aggression“

Aggression ist kein einheitliches Phänomen. Aggressive Verhaltensweisen können hinsichtlich ihrer Verursachungsmomente und ihrer Äußerungsformen sehr verschiedenartig sein. In der Unterrichtsarbeit zeigen sich Aggressionen meist „als Verstöße gegen die Interaktionsregeln“ (Havers 1981, S. 16).

O. Graefe(1969, S. 29 f.) ordnet in seinem „Symptomenschema kindlicher Verhaltensstörungen“ aggressive Verhaltensweisen den „sozialen Störungen“ zu. Allerdings können sich Aggressionen nicht nur gegen Individuen (gegen die eigene Person oder gegen andere Personen), sondern auch gegen Sachen richten.

Häufig wird als wesentliches Merkmal aggressiven Verhaltens die „schädigende Wirkung“ genannt (Berkowitz 1971, Buss 1961, Ullmann 1974). E. Fürntratt (1974, S. 283) sieht auch die „Schwächung“ oder das „Versetzen in Angst“ als aggressive Verhaltensweisen an. Als weitere Merkmale einer aggressiven Handlung werden die „Absicht“ (Merz 1965) und die „Zielgerichtetheit“ (Fürntratt 1974, Selg 1977) genannt.

Von einigen Autoren wird der Begriff „Aggression“ weiter gefasst. A.Mitscherlich (1969, S. 12) bezieht jede Aktivität, die eine „innere Spannung aufzulösen sucht“, in seinen Aggressionsbegriff mit ein. Hacker (1972, S. 79) definiert beispielsweise Aggression als „jene dem Menschen innewohnende Disposition und Energie, die sich ursprünglich in Aktivität und später in den verschiedensten individuellen und kollektiven, sozial gelernten und sozial vermittelten Formen von Selbstbehauptung bis zur Grausamkeit ausdrückt.“

H.-P. Nolting(1979, S. 17) ordnet dem Begriff „Aggression“ nicht nur die „Verhaltensseite“ (z. B.: Beschimpfen, Schlagen), sondern auch die „emotionale Seite“ zu und spricht von „aggressiven Gefühlen“ (Ärger, Wut, Hass etc.).

Im Hinblick auf eine klare Charakterisierung aggressiver Verhaltensweisen bietet sich E. Fürntratts vereinfachende Definition von „Aggression“ an: „Unter 'aggressiven Verhaltensweisen' werden hier solche verstanden, die Individuen oder Sachen aktiv und zielgerichtet Schaden zufügen, sie schwächen oder in Angst versetzen“ (Fürntratt 1974, S. 283).