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Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Französische Philologie - Linguistik, Note: 1,0, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Romanistik ), Veranstaltung: Proseminar Neue Ideen – neue Wörter? Wortschatz und Sprachwandel, Sprache: Deutsch, Abstract: Sprache ist kein objektiv zu betrachtendes Faktum, sondern so individuell und subjektiv wie ihre Sprecher. Die euphemistische Redeweise ist Ausdruck dieser Subjektivität. Oft ohne dass wir uns darüber bewusst sind, durchzieht das sprachliche Gebilde des Euphemismus die gesamte zwischenmenschliche Kommunikation. Nach Nyrop (1903: 260) begleitet uns die euphemistische Sprache von der Geburt bis in den Tod. Neben zahlreichen konventionellen Euphemismen, die unsere Alltagssprache meist unterbewusst dominieren, sind auch viele andere Sachgebiete, vor allem der Bereich der Politik, von der euphemistischen Redeweise bestimmt. In der vorliegenden Arbeit sollen der Euphemismus und seine Gegenstrategie, der Dysphemismus, behandelt werden, sowie der Wortschatz des Französischen auf seine Subjektivität hin überprüft werden. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten sind dem Thema ‚Euphemismus’, oft in Zusammenhang mit dem Sprachtabu, gewidmet. Vor allem der angloamerikanischen Forschungstradition ist hier eine Vorreiterrolle zuzuschreiben, während die romanistische Forschung, besonders im französischen Raum, diesem Thema bisher vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt hat. Aufgrund dieses Mangels an Forschungsliteratur mussten die Beispiele für die französische Sprache selbst herausgesucht werden. Dabei wurde entweder von der eigenen Sprachkenntnis im Dialog mit Muttersprachlern Gebrauch gemacht oder anhand von Lexika überprüft, ob deutsche und englische Beispiele auch im französischen Wortschatz ihre Entsprechungen finden. Die Arbeit beginnt mit einem theoretischen Teil, in welchem zunächst der Euphemismusbegriff bestimmt werden soll. Zur möglichst präzisen Erfassung des umfangreichen Begriffs wurden drei Herangehensweisen gewählt: Zunächst wird er in Kapitel 2.1.1 aus der Perspektive der Rhetorik betrachtet, die den Euphemismus als Stilmittel schon in der Antike als wichtigen Bestandteil der Rede erfasst. Darauf folgt eine Untersuchung des Euphemismus aus soziolinguistischer Sicht, die gesellschaftlich-kulturelle sowie sozialpsychologische Aspekte hervorhebt. Dieser Betrachtung schließt sich die Interpretation des Euphemismus aus semantischer Sicht an, in der die Bedeutungsebene in den Vordergrund rückt und auch der Einfluss des Euphemismus auf den Bedeutungswandel erläutert wird. Als weitere Vorüberlegung soll der formale Aspekt der Euphemismen analysiert werden, indem in Kapitel 2.2 anhand von Beispielen typische Bildungsmuster aufgezeigt werden. [...]
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Veröffentlichungsjahr: 2010
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Sprache ist kein objektiv zu betrachtendes Faktum, sondern so individuell und subjektiv wie ihre Sprecher. Die euphemistische Redeweise ist Ausdruck dieser Subjektivität. Oft ohne dass wir uns darüber bewusst sind, durchzieht das sprachliche Gebilde des Euphemismus die gesamte zwischenmenschliche Kommunikation. Nach Nyrop (1903: 260) begleitet uns die euphemistische Sprache von der Geburt bis in den Tod. Neben zahlreichen konventionellen Euphemismen, die unsere Alltagssprache meist unterbewusst dominieren, sind auch viele andere Sachgebiete, vor allem der Bereich der Politik, von der euphemistischen Redeweise bestimmt.
In der vorliegenden Arbeit sollen der Euphemismus und seine Gegenstrategie, der Dysphemismus, behandelt werden, sowie der Wortschatz des Französischen auf seine Subjektivität hin überprüft werden.
Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten sind dem Thema ‚Euphemismus’, oft in Zusammenhang mit dem Sprachtabu, gewidmet. Vor allem der angloamerikanischen Forschungstradition ist hier eine Vorreiterrolle zuzuschreiben, während die romanistische Forschung, besonders im französischen Raum, diesem Thema bisher vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt hat. Aufgrund dieses Mangels an Forschungsliteratur mussten die Beispiele für die französische Sprache selbst herausgesucht werden. Dabei wurde entweder von der eigenen Sprachkenntnis im Dialog mit Muttersprachlern Gebrauch gemacht oder anhand von Lexika überprüft, ob deutsche und englische Beispiele auch im französischen Wortschatz ihre Entsprechungen finden.
Die Arbeit beginnt mit einem theoretischen Teil, in welchem zunächst der Euphemismusbegriff bestimmt werden soll. Zur möglichst präzisen Erfassung des umfangreichen Begriffs wurden drei Herangehensweisen gewählt: Zunächst wird er in Kapitel 2.1.1 aus der Perspektive der Rhetorik betrachtet, die den Euphemismus als Stilmittel schon in der Antike als wichtigen Bestandteil der Rede erfasst. Darauf folgt eine Untersuchung des Euphemismus aus soziolinguistischer Sicht, die gesellschaftlich-kulturelle sowie sozialpsychologische Aspekte hervorhebt. Dieser Betrachtung schließt sich die Interpretation des Euphemismus aus semantischer Sicht an, in der die Bedeutungsebene in den Vordergrund rückt und auch der Einfluss des Euphemismus auf den Bedeutungswandel erläutert wird. Als weitere Vorüberlegung soll der formale Aspekt der Euphemismen analysiert werden, indem in Kapitel 2.2 anhand von Beispielen typische Bildungsmuster aufgezeigt werden. Daraufhin erfolgt eine inhaltliche Gruppierung der Euphemismen nach Themenbereichen. Das dritte
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Kapitel ist der Gegenstrategie des Euphemismus, dem verbalen Mittel zur Beschimpfung, Beleidigung oder Herabwürdigung - dem Dysphemismus - gewidmet. In der sich daran anschließenden Korpusanalyse soll die in den Kapiteln 1-3 erarbeitete Theorie auf ihre Aktualität in Bezug auf die Praxis geprüft werden. Das Korpus besteht aus 14 verschiedenen französischen Zeitungen mit unterschiedlichem Zielpublikum1und Sprachstil und einem Webblog (Kingde Breizh Blog, simplement breton et fier).Im Zeitraum vom 3.11.2007 bis zum 1.12.2007 wurden aus diesem Korpus 29 Euphemismen und 9 Dysphemismen herausgesucht und analysiert. Dafür wurde bewusst eine breitere Quellenlandschaft untersucht, um einerseits möglichst viele verschiedene Euphemismen und Dysphemismen zu finden und andererseits einen möglichst authentischen Eindruck in Bezug auf ihr Vorkommen in unterschiedlichen Themenbereichen zu bekommen. Besonders interessant erscheint dabei die Frage, welche Themengebiete maßgeblich von Euphemismen und Dysphemismen geprägt sind, und welche Funktion die Sprachgebilde jeweils erfüllen.
Abschließend soll überprüft werden, in wiefern die untersuchten Lexien2in der französischen Lexikographie Niederschlag finden und, wenn ja, wie sie dort markiert sind. Bei dieser Analyse werde ich mit demNouveau Petit Robert 2007arbeiten.
Die Analyse soll darüber Aufschluss geben, welche Rolle Euphemismen in der französischen Lexik spielen, welchen Einfluss sie auf die Sprache haben und ob dieses Phänomen in der lexikographischen Praxis auf angemessene Weise erfasst wird.
1Tageszeitungen: Le Monde (Mitte-links), Le Figaro (konservativ), Libération (linksliberal), L’Humanité (kommunistisch), France Soir, La Tribune (Wirtschaft); Internetzeitungen: France Info;
Nachrichtenmagazine: Le nouvel Observateur (sozialdemokratisch), L’Express (konservativ); Frauenzeitschriften: Marie Claire; Gratiszeitungen: L’essentiel, 20 minutes;
Wochenzeitungen: Le Canard enchaîné (satirischer/polemischer Stil))
2In Anbetracht des Korpus habe ich für diese Arbeit den Begriff „Lexie“ gewählt, da er auch die komplexeren Einheiten wie „pomme de terre“ eindeutig mit einschließt. Ich folge hier der lexikologischen Forschungstradition von Pottiers (nach Dupuy-Engelhardt, 2002: S. 248): „Une lexie peut contenir un seul lexème (chaise,à tâtons)ou plusieurs (battrela campagne).“
