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Studienarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Politik - Region: Ferner Osten, Note: 2,0, Universität Potsdam, Sprache: Deutsch, Abstract: Ostasien wird heute oft mit dem Europa des balance of power im 19. Jh. verglichen. Es soll im Folgenden die These vertreten werden, daß ein solches balance of power als sicherheitspolitisches Ordnungsprinzip langfristig nicht ausreichend ist und vielleicht sogar große Gefahren birgt. Ausgehend von dieser These soll die Frage beantwortet werden, ob und inwiefern Möglichkeiten zu einer stärkeren Kollektivierung der Sicherheitsbemühungen in der Region bestehen. Es wird zu zeigen sein, auf welchen Grundlagen Institutionen kollektiver Sicherheit in Ostasien fußen könnten. Von besonderem Interesse wird dabei der Vergleich mit Europa sein. Hier konvergieren heute mehrere Institutionen und Systeme kollektiver Sicherheit. Zu nennen wären etwa die NATO und OSZE aber natürlich auch die EU. Außen vorgelassen wird die UNO, die ja keine speziell regionale Institution darstellt. Die genannten Organisationen sollen daraufhin untersucht werden, inwieweit sie einer möglichen Entwicklung in Ostasien als Vorbild dienen könnten. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, daß es neben den Parallelen zu Europa auch Unterschiede und Besonderheiten gibt. So ist die Rolle der USA in Ostasien eine andere als sie es in Europa war und ist. Dieser Unterschied und auch die Verpflichtungen und Möglichkeiten der USA als Akteur in Ostasiens Politik sollen thematisiert werden. Weiterhin gibt es in Asien ganz eigene Ansätze, die auch mit den spezifischen regionalen Konflikten in Zusammenhang stehen. Der Atomkonflikt um Nordkorea beispielsweise, ist der momentan größte Gefahrenherd der Region, gleichwohl aber auch durch die integrative Konstruktion der Sechsparteiengespräche eine Chance auf stärkere Kooperation und Verstrukturierung der Sicherheitsbemühungen der verschiedenen Akteure. Im Folgenden wird mit einer Arbeitsdefinition der Region gefolgt von einer anschließenden Beschreibung der Akteure, Phänomene und Konflikte begonnen werden. Darauf aufbauend soll der bereits erwähnte Vergleich mit Europa Gemeinsamkeiten und Unterschiede kontrastieren und ausloten, ob europäische Entwicklungen Anstoß und Beispiel für Ostasien sein können. Anschließend werden, um das Bild abzurunden, Alternativen im Sinne von regionsspezifischen Ansätzen diskutiert. Dabei wird schließlich nach den möglichen Impulsgebern einer Entwicklung gefragt, die dem chancenreichen Aufbruch vieler Staaten Ostasiens einen kollektiven sicherheits- und stabilitätsbildenden Rahmen geben würde.
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Gliederung:
1. Einleitung
2. Definition und Beschreibung der Region Ostasien
3. Vergleich – Europa als Vorbild?
3.1. Realismus und balance of power
3.2. Kooperation und kollektive Sicherheit
4. Alternativen
4.1. Regionale Besonderheiten und Ansätze in Ostasien
4.2. Mögliche Impulsgeber
5. Fazit
6. Verwendete Literatur
1. Einleitung
Ostasien wird heute oft mit dem Europa des balance of power im 19. Jh. verglichen. Es soll im Folgenden die These vertreten werden, dass ein solches balance of power als sicherheitspolitisches Ordnungsprinzip langfristig nicht ausreichend ist und vielleicht sogar große Gefahren birgt. Ausgehend von dieser These soll die Frage beantwortet werden, ob und inwiefern Möglichkeiten zu einer stärkeren Kollektivierung der Sicherheitsbemühungen in der Region bestehen. Es wird zu zeigen sein, auf welchen Grundlagen Institutionen kollektiver Sicherheit in Ostasien fußen könnten. Von besonderem Interesse wird dabei der Vergleich mit Europa sein. Hier scheint der Übergang vom balance of power – über die Barbarei zweier Weltkriege – in den letzten 60 Jahren gelungen zu sein. In Europa konvergieren heute mehrere Institutionen und Systeme kollektiver Sicherheit, die die verschiedenen Staaten untereinander, aber darüber hinaus auch über kontinentale Grenzen hinweg mit anderen Verbündeten verbinden. Zu nennen wären etwa die NATO und OSZE aber natürlich auch die EU. Außen vorgelassen wird die UNO, die ja keine speziell regionale Institution darstellt. Die genannten Organisationen sollen daraufhin untersucht werden, inwieweit sie einer möglichen Entwicklung in Ostasien als Vorbild dienen könnten.
Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass es neben den Parallelen zu Europa auch Unterschiede und Besonderheiten gibt. So ist die Rolle der USA in Ostasien eine andere als sie es in Europa war und ist. Dieser Unterschied und auch die Verpflichtungen und Möglichkeiten der USA als Akteur in Ostasiens Politik sollen thematisiert werden. Weiterhin gibt es in Asien ganz eigene Ansätze, die auch mit den spezifischen regionalen Konflikten in Zusammenhang stehen. Der Atomkonflikt um Nordkorea beispielsweise, ist der momentan größte Gefahrenherd der Region, gleichwohl aber auch durch die integrative Konstruktion der Sechsparteiengespräche eine Chance auf stärkere Kooperation und Verstrukturierung der Sicherheitsbemühungen der verschiedenen Akteure.
2. Definition und Beschreibung
Im Allgemeinen wird die Region Ostasien als eigener Kulturraum definiert, der zum einen vom zentralasiatischen Hochland und zum anderen vom pazifischen Ozean begrenzt wird.[1] Kulturell ist die Region stark durch chinesische Einflüsse geprägt.[2] Obwohl Ostasien rein geographisch definiert einige Länder nicht in ihrer Gänze umfaßt, werden im Folgenden aus Gründen der Praktikabilität im Sinne der Fragestellung unter dem Begriff Ostasien ausschließlich Japan, die Volksrepublik China inklusive Taiwan, die demokratische Volksrepublik Korea und die Republik Korea verstanden.
Die rein geographische Situation der Länder Ostasiens ist höchst unterschiedlich. Während Japan als Inselstaat ohne Landgrenzen entstanden ist, befinden sich die beiden koreanischen Bruderstaaten in Halbinsellage. China hingegen nimmt große Landmassen mit dementsprechend vielen Nachbarstaaten ein. Diese geographische Konstellation hat sich historisch bereits als folgenreich erwiesen: Während das zentralistische China das Außen stets und zum Teil zu Recht als Bedrohung wahrnehmen mußte – verwiesen sei hierbei etwa auf die Mongolenherrschaft, den Kolonialismus des 19. Jh. und die japanischen Aggressionen in den 30er Jahren des 20. Jh. - konnte Japan lange Zeit isolationistische Selbstgenügsamkeit üben, die, in zeitlicher Folge der Meji-Restauration und der Industrialisierung jedoch in - nicht zuletzt von eigener Ressourcenarmut getriebenen - Expansionismus umschlug. Korea sah sich historisch lange Zeit als Spielball oder Puffer der größeren Mächte und ist letztlich auch aufgrund seiner geographischen Lage bis heute nicht geeint.[3]
Derzeit bestimmen verschiedene latente und akute regionale Konflikte, aber auch Phänomene wie das enorme wirtschaftliche Wachstum Chinas das Bild der Region.
