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Faith verbringt 16 Jahre ihre Kindheit in einer Kleinstadt in den USA. An einem einzigen Sommertag wird ihr komplettes Leben aus den Fugen geworfen und auf den Kopf gestellt. Gemeinsam mit ihren Freunden Shirley und Marcel, sowie ihrem Adoptivvater Chris Bane und dem Angeli Raven stellt sie sich dem Kampf gegen finstere Mächte. Jeder Kampf führt sie ihrer Bestimmung näher, der Offenbarung des Johannes Evangeliums, in welchem die Apokalypse beschrieben wird.
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Seitenzahl: 251
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Marc Dark
Faith - Chroniken einer Jägerin
Die Johannes Offenbarung
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8.1
Kapitel 8.2
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Epilog
Impressum neobooks
Freitag, 13. Februar 1987, Sieben Uhr morgens, Ortszeit. In Gelnhausen, einem kleinen Städtchen 45 Kilometer nordöstlich der Metropole Frankfurt am Main. Ein blonder, hochgewachsener, adrett gekleideter junger Mann verließ sein Einfamilienhaus in Richtung Carport, wo sein schwarzer Mercedes geparkt war. Eine hektische Stimme rief ihm hinterher: „Thomas! Thomas!“
Leicht verdattert blickte sich Thomas um. Es war seine Frau, die hinter ihm herrief.
„Was gibt es denn Liebling?“
„Du hast etwas vergessen!“
„Vergessen? Das kann nicht sein. Ich habe dir und unserer Tochter doch einen Abschiedskuss gegeben.“
Kerstin, die Ehefrau von Thomas lächelte. „Nein, du Charmeur. Schau mal hier.“ Sie hielt in der linken Hand einen Schlüsselbund, der dank des leichten Windes draußen klimperte.
Lachend fasste sich Thomas an den Kopf. „Meine Autoschlüssel. Heute ist wohl nicht mein Tag.“ Er steckte die Schlüssel in seine dunkelbraune Winterjacke. „Zur Belohnung gibt es noch einen Kuss.“ Zärtlich küsste er ihre Lippen. „Nun muss ich aber wirklich los. Bis heute Abend. Und gib der Kleinen noch einen Kuss von mir.“
Er wandte sich ab und ging wieder an seinen Wagen. Er steckte den Schlüssel ins Schloss, als an der Straße ein schwarzer Land Rover anhielt und das Fenster herunterkurbelte. Thomas blickte auf und dachte, dass der Fahrer nach dem Weg fragen wollte. Er ging ein paar Schritte auf den Wagen zu, als aus den offenen Fenstern zwei Maschinengewehre herausragten und ihre Schüsse abfeuerten. Von mehreren Kugeln getroffen sackte er zusammen. Er blutete aus mehreren Wunden, während der Jeep weiterfuhr. Für seine Frau ging es wie in Zeitlupe vor sich. Panisch und erschrocken rannte sie zum am Boden liegenden Thomas und beugte sich über ihn. Verzweifelt versuchte sie mit seinem Gürtel und den hektischen abgerissenen Stoffen des Ärmels ihres Pullovers die Wunden zu stillen. Der Puls ihres Ehemannes wurde immer schwächer. Es ging zu Ende. Mit seinen letzten Atemzügen schaffte es Thomas seiner Frau nochmal in die Augen zu blicken und ihren Namen zu flüstern. Dann ging es zu Ende mit ihm. Thomas war tot. Liquidiert von einer dunklen Macht. Doch er sollte nicht das letzte Opfer des heutigen Tages sein.
Freitag, 13. Februar 1987, Ein Uhr Mittag, Ortszeit. Im Parkhaus am Pariser Flughafen, Charles de Gaulles, schloss der junge André den Kofferraum seines Peugeot 302 auf. Er kam gerade von einer langen Geschäftsreise in den Staaten zurück und freute sich auf ein wenig Erholung in seinem heimischen Appartement. Ein entspanntes Bad, ein gutes Abendessen und ruhige Musik, das war die restliche Planung seines Tages. Er packte den Koffer in den Wagen und schloss die Klappe des Deckels, als von hinten jemand seine Hände um seine Augen legte. André erschrak.
„Wer ist da?“, fragte er ängstlich. Er hatte keine Chance sich zu wehren, also versuchte er zu kooperieren.
„Rate mal“, entgegnete eine neckische Stimme, die ihm bekannt vorkam. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Ein süßes, ihm wohlbekanntes Parfüm stieg in seine Nase.
„Gabrielle? Du hier? Ich dachte, du wolltest für ein paar Tage zu deinen Eltern nach Lyon fahren.“
Er drehte sich um und gab ihr einen freudigen Kuss auf ihre Lippen. Dann befreite sie ihre Lippe von seiner und antwortete:„Das war gelogen.“ Sie blickte ihn an und lächelte. „Ich wollte dich überraschen, mein Liebling.“
„Das ist dir gelungen“, erwiderte er grinsend. André schloss die Beifahrertür auf, hielt sie für seine Freundin offen und stieg rasch auf der anderen Seite ein. Sie blickten sich eine Weile verliebt an.
„Ich freue mich schon auf das Wochenende mit dir“, flüsterte sie säuselnd.
„Ich werde fahren, wie ein Formel-1-Weltmeister“, erwiderte André lächelnd. Übermütig legte er den Schlüssel im Zündschloss um. Kaum startete der Motor, gab es eine gewaltige Explosion, die das Fahrzeug und seine Insassen in tausend Stücke zerfetzte. Die Überreste der Körper brannten wie die Karosserie vom Fahrzeug lichterloh, während die Feuerwehr des Flughafens sich daran machte, das Feuer zu löschen.
Freitag, 13. Februar 1987, Drei Uhr Nachmittag, Ortszeit. Magura, ein kleines Bergdorf in der Walachei bei Transsilvanien. In einer kleinen Hütte, inmitten der verschneiten Landschaft brannte ein wärmendes Feuer im Kamin. In der spärlich eingerichteten Stube der Hütte saßen an einem Tisch zwei Männer. Der jüngere der beiden war ein hagerer Mann mit schulterlangen schwarzen Haaren und wollte sich gerade zum Aufbruch fertig machen. Der Ältere der beiden versuchte ihn davon abzuhalten:
„Trink doch noch einen Schluck Tee mit mir, Sam und bleib über Nacht. Es wird schon dunkel und das Wetter schlägt um.“
„Nein danke, Dimitri“, entgegnete der Jüngere. „Ich möchte die herannahende Dunkelheit nutzen, um näher an Schloss Dracula heranzukommen.“
„Ich kenne die Gegend hier. Wenn es irgendwelche seltsame Ereignisse über das Schloss geben würde, wüsste ich davon. Du irrst dich.“
Sam blickte ihn eindringlich an. „Mein Informant ist anderer Meinung. In den letzten Wochen gab es im Bereich des Schlosses merkwürdige Ereignisse und Entführungen zahlreicher junger Mütter und ihren Babys.“
„Unsinn! Purer Unsinn! Dein Informant lügt, oder hat schlechte Quellen. Ich sage dir nochmals, es …“
Er wurde jäh unterbrochen. Mit einem lauten Krachen wurde die Holztür gewaltsam geöffnet. Splitter und Trümmer von Holz flogen durch den Raum und die Kälte des Winters strömte in die Hütte. Sam machte sich zur Verteidigung bereit, während Dimitri hinter ihm kauerte.
Drei Gestalten mit langen schwarzen Mänteln, mit Kapuzen, schwarzen Handschuhen und schweren Stiefeln traten in das spärliche Licht, welches das Kaminfeuer spendete. Sam trat ihnen entgegen, was ein Fehler war. Die beiden, die sich im links und rechts im Hintergrund befanden streckten Dimitri zwei gezielten Schüssen aus ihrer Waffe nieder. Der alte Mann war sofort tot. Sam begriff jetzt. Es war alles eine Falle gewesen. Er wandte sich an den Anführer des Trios und sprach ihn direkt an.
„Du? Aber warum?“
Von seinem Gegenüber kam keine Reaktion.
„Ich verstehe“, flüsterte Sam. „Das war alles eine Falle. Du steckst dahinter!“
Unter der dunklen Kapuze zeichnete sich ein Grinsen ab. Ein Grinsen des Todes. Der Anführer zog seine Waffe und streckte auch Sam nieder. Ein zweiter Schuss folgte und langsam floss der rote Lebenssaft aus dem Körper der beiden Männer. Das Attentat hatte Sam gegolten, Dimitri war nur ein unschuldiges Bauernopfer gewesen. Das Blut floss über den Boden der Hütte und färbte den Schnee an der Tür rot. Der Anführer der Eindringlinge lächelte zufrieden, doch noch war seine Aufgabe nicht erfüllt. Sein Plan sollte noch weitere Opfer am heutigen Tag fordern.
Freitag, 13. Februar 1987, Sechs Uhr Abends, Ortszeit. London. In einem Vorort nahe der englischen Hauptstadt stand ein kleines Anwesen mit riesigem Garten und einer zweistöckigen Villa, die im Renaissance Stil gebaut und eingerichtet wurde. Eine junge schwarzhaarige Frau wollte gerade in die Badewanne steigen, als im Salon im Erdgeschoss das Telefon klingelte. Mit raschem Schritt eilte sie herunter und nahm den Hörer ab. Am anderen Ende der Leitung war ihre Schwägerin Kerstin, die ganz aufgeregt und in Tränen aufgelöst erschien.
„Was ist los, Kerstin?“
Sie lauschte der aufgeregten Stimme am Telefon. Sie wurde kreidebleich.
„Thomas, André und Sam sind alle tot? Das ist furchtbar das ja schrecklich.“
Wieder hörte sie ihrer Schwägerin zu. Dann legte sie auf. Die junge Frau legte den Hörer auf das Telefon und sofort begann es in ihrem Kopf zu arbeiten. Die drei toten Männer, die ihre Schwägerin ihr am Telefon nannte waren mit ihr durch Heirat verwandt. Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, auch sie war in Gefahr. Denn dass Thomas, André und Sam einem Zufall zum Opfer gefallen waren, konnte sie nicht glauben. Sie trugen den gleichen Nachnamen: „Van Helsing“. Sie alle stammten von dem holländischen Wissenschaftler und Gelehrten Dr. Abraham van Helsing ab. Die jüngste Generation hatte fünf Kinder hervorgebracht: Thomas, André, Sam, Andrew und Chris. Thomas und Chris waren die einzigen der jüngsten Generation, die bereits eine Familie gegründet hatten. Sie wusste, dass sie alleine zu Hause in großer Gefahr war. Hastig eilte sie zur Tür, um diese zu verriegeln, doch es war zu spät. Die Tür wurde geöffnet. Sie atmete durch, doch es war nicht wie erwartet ihr Mann, sondern ein hünenhafter Mann ganz in schwarz gekleidet. Er trug einen schwarzen Hut über der schwarzen Kapuze, die sein Gesicht verhüllte. Erschrocken trat Mona zurück.
„Wer bist du?“, fragte sie ängstlich.
„Wer ich bin, tut nichts zur Sache. Ich will dein Kind. Und du und dein Mann werdet euer Leben heute aushauchen“, erwiderte eine kalte Stimme.
„Niemals werde ich dir mein Kind überlassen!“ Sie klang mutiger, als sie war. „Kampflos bekommst du es nicht!“
„Tz, tz, tz.“ Der Mann schüttelte den Kopf und lächelte teuflisch. „Dein Tod ist bereits beschlossene Sache. Und du bist noch zu schwach, als dass du gegen mich bestehen könntest.“
Er ging ein weiteren Schritt auf sie zu. „Gib mir dein Kind. Und ich verspreche dir, dein Tod wird schnell und schmerzlos sein!“
„Niemals!“ Sie nahm all ihren Mut zusammen und spuckte ihm ins Gesicht.
Erneut schüttelte der Eindringling den Kopf und wischte sich mit seinem schwarzen Lederhandschuh die Spucke aus dem Gesicht. „Wie ungezogen du doch bist. Doch dein Tod ist bereits beschlossene Sache. Also, wo ist das Kind und wo ist dein Mann?“
„Sie sind weg!“ Sie hoffte, dass er ihre Lüge nicht durchschauen würde.
„Weg?“ Der Mann wirkte irritiert, doch genauso schnell fasste er sich wieder. „Wohin weg? Ihr konntet nicht wissen, dass ich komme!“
Mona blickte ihn trotzig an. „Chris hat das Kind mitgenommen. Er hat mir ihr das Land verlassen. Wohin weiß ich nicht. Selbst, wenn ich es wüsste, würde ich das Geheimnis mit ins Grab nehmen!“
„Das kann nicht sein! So viel Zeit zur Vorbereitung, konntet ihr gar nicht haben!“
Mona lachte. „Wir wurden gewarnt. Von Kerstin.“
Jetzt war der Mann das erste Mal im Rückstand. Er wirkte erschrocken und schockiert von dieser Nachricht. „Kerstin? Kerstin lebt? Wenn man sich nicht um alles selber kümmert.“ Er wirkte stark angesäuert über das offensichtliche Versagen seiner Helfer.
„Heißt das, du hast Thomas nicht umgebracht?“ Mona fühlte sich etwas sicherer. Hatte sie ihren Angreifer, dessen Identität ihr bekannt vorkam ins Hintertreffen gebracht.
„Nein! Ich habe Sam auf dem Gewissen. Für die anderen Morde habe ich den Auftrag gegeben.“
„Du Schwein. Du mieses Monster. Fahr doch zur Hölle!“ Sie ging auf ihn zu und wurde unsanft von ihm zurückgestoßen. Er hatte Recht. In einer körperlichen Auseinandersetzung hätte Mona keine Chance gegen den Eindringling. Sie hoffte nur, dass ihr Ehemann nicht mit dem Baby zurückkam. Mona wollte sein und das Überleben ihres Kindes sichern.
„Du dummes Ding“, entgegnete der Mann, als wenn er sich mit Mona über das Wetter unterhalten würde. „Den Gefallen kann ich dir leider nicht erweisen und zur Hölle fahren, denn dort komme ich doch gerade erst her. Aber du wirst gleich irgendwo hinfahren. Und zwar gen Himmel!“ Er trat auf Mona zu und zog seine Waffe mit welcher er in Rumänien Sam niedergestreckt hatte. „Sag deinem Gott, er hat verloren!“ Er drückte ab, die Pfeile peitschten aus dem Lauf und trafen Mona in die Brust. Wie Sam sackte sie langsam zu Boden und das Blut strömte langsam aus den Wunden. Der weiße Bademantel, den sie sich übergeworfen hatte, färbte sich dunkelrot. Mit glasigen Augen blickte Mona ihrem Mörder in die Augen.
„Wer bist du?“, fragte sie schleppend. „Was ist nur aus dir geworden?“
Der Mann trat näher. „Du warst tapfer, das muss ich sagen. Darum hast du dir auch verdient, dass ich dir sage, wer ich bin. Warte ich komme noch etwas ins Licht.“
Er kniete sich vor den blutenden Körper Monas, zog den Hut von seinem Kopf und die Kapuze langsam nach hinten. Sein Gesicht war entstellt und mit Narben gezeichnet. Der Kopf war kahl und ebenfalls stark vernarbt. „Mein Name ist Hunter!“ Er lachte laut und teuflisch auf, als er seinen Namen nannte. Monas Kopf sank zurück und ihre Augen blickten ins Leere. Sie hatte keine Kraft mehr und hauchte ihr Leben aus. Hunter beugte sich über die sterbende Mona und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen.
„Den hast du dir verdient, mein Engel.“ Er verweilte noch eine halbe Stunde im Haus. Als niemand kam, verließ er das Anwesen. Mona war tot, aber von Chris und dem Kind fehlte jegliche Spur. Dennoch würde sein Auftraggeber mit dem Erfolg der Mission ziemlich zufrieden sein. Er ging seiner Wege. Dank seiner Kräfte konnte er sich von einem Ort zum anderen teleportieren. In einem unbeobachteten Moment, teleportierte er sich aus dem kleinen nächtlichen Ort. Hunter ahnte nicht, dass kurze Zeit später, ein schwarzer Vauxall die Einfahrt zum Anwesen von Mona van Helsing hochfuhr und die Villa betrat. Es war Chris, der ein kleines Kind von etwa vier Monaten im Arm trug und mit der anderen Hand ein paar Besorgungen in die Wohnung tragen wollte. Er öffnete die Tür, ohne zu erahnen, was ihn erwarten würde.
„Schatz! Der Kinderarzt sagt, es ist alles in Ordnung. Es sind nur leichte Koliken.“ Er wunderte sich über die Stille, dachte sich noch nichts dabei. Seine Frau legte sich öfters auf das Sofa schlafen, wenn er mit dem Kind unterwegs war. Er ging aus der Küche in Richtung Salon. Das Kind auf dem Arm wurde langsam unruhig und quengelte.
„Liebling? Mona? Sprichst du nicht mehr mit mir? Ich glaube unsere Kleine hat Hunger, und du solltest …“
Er konnte nicht mehr weitersprechen. Fast wäre er über seine am Boden liegende Frau gestolpert. Chris sah die Blutlache am Boden. Er versuchte seine Frau anzusprechen, sie zu einer Reaktion zu bewegen, doch es war zu spät. Seine Mona war tot.
Norfolk, im US-Bundesstaat Virginia im Osten der USA, 16 Jahre später. Es waren Sommerferien, die schönste Zeit des Jahres für Faith Miller. Sie lebte mit ihren Eltern in einem kleinen Haus im Stadtkern von Norfolk. Freitagabend stand vor der Tür und sie mit ihrer Mutter Alice in der Küche. Ihr Vater Daniel spülte und ihre Mutter trocknete ab. Faith hatte sich zum Ausgehen fertig gemacht, dennoch neckte ihre Mutter sie:„Du könntest mir ruhig mal beim Abwaschen helfen.“ Sie grinste und wartete auf die Reaktion ihrer Tochter.
„Nein, keine Zeit“, erwiderte Faith grinsend. „Die Verpflichtungen rufen.“
Alice lachte in sich hinein. Es war für sie in Ordnung und schließlich hatte Faith ihre Hausarbeiten ganz ordentlich erledigt.
„Verpflichtungen? Welche Verpflichtungen?“, fragte Daniel neugierig.
„Na, du weißt schon Dad. Ausgehen, Spaß haben, Jungs kennenlernen.“
„Dass du mir ja keine Dummheiten machst“, mahnte Alice besorgt.
„Ich und Dummheiten?“, fragte Faith. „Wann habe ich jemals irgendwelche Dummheiten gemacht?“ Sie grinste.
„Dummheiten?“, mischte sich ihr Vater ein. „Mein Kind macht Dummheiten. Nein, unser Kind ist das bravste Mädchen auf Erden. Sie würde nie irgendwelche Dummheiten machen.“ Er lächelte. Es stimmte. Faith hatte selbst in der schweren Teenager Zeit nie irgendwelche Verfehlungen begangen. Sie war ein Musterkind in der Schule und an den Wochenenden ging sie mit ihren besten Freunden etwas trinken oder ins Kino.
„Siehst du Mum“, erwiderte Faith, „Dad bestätigt es. Keine Dummheiten.“ Sie lachte.
„Dein Vater würde dir alles bestätigen“, entgegnete Alice mit einem Grinsen auf den Lippen. „Schon als Baby hast du ihn um den Finger wickeln können.“
„Apropos, um den Finger wickeln. Dad, ich bräuchte ein wenig Taschengeld.“
Daniel schüttelte lächelnd den Kopf. „Ich wusste, dass da Hintergedanken im Spiel waren. Also gut Faith. Wie viel brauchst du?“
Faith überlegte. Ihre Eltern waren weder arm noch reich und Faith fehlte es an gar nichts. Dennoch bettelte sie nie um mehr Geld als nötig. „Na ja, so 50 Dollar wären nicht schlecht.“
Ihr Vater griff in seine Gesäßtasche, zückte sein Portemonnaie und reichte ihr einen 50 Dollarschein. „Hier. Aber das muss für das gesamte Wochenende reichen.“
Freudestrahlend und dankbar blickte sie ihren Vater an. „Danke Dad. Du bist der Beste.“ Sie gab ihm einen Schmatzer auf die Wange.
„Ist schon gut Faith. Und nun los, bevor du zu spät zu eurer Verabredung kommst.“
Sie lächelte, umarmte ihre Mutter und verschwand durch die Haustür in den nächsten Sommerferien-Ausgeh-Abend.
Alice und Daniel blickten ihr aus dem Küchenfenster hinterher und kümmerten sich um den restlichen Abwasch.
„Du sollst sie doch nicht so verwöhnen“, meinte Alice mit leichtem Vorwurf. „Wir können nicht ewig für sie sorgen und sie muss lernen mit Geld umzugehen.“
„Ich möchte aber nicht, dass sie sich einen Nebenjob sucht“, entgegnete Daniel. „Sie soll sich auf die Schule konzentrieren, aufs College gehen, ihren Abschluss machen und danach soll sie sich mit dem Beruf beschäftigen, der sie interessiert und ihr Freude bereitet.“
„Wenn du meinst. In gewisser Weise hast du auch Recht, Schatz. Unsere Tochter ist schon sehr verantwortungsbewusst für ihr Alter.“
Sie trocknete die letzte Gabel ab und legte sie in die Schublade.
„Und was wollen wir mit unserem Freitagabend anfangen?“
Daniel lächelte verschmitzt. „Gar nichts.“
„Gar nichts?
„Ja, lass uns im Wohnzimmer ein bisschen fernsehen oder …“
Alice lächelte. „Oder?“
„Wir könnten nach oben ins Schlafzimmer gehen und schlafen.“
„Schlafen?“
„Schlafen! Ich bin so schrecklich müde und verspannt.“
„Dagegen kenne ich ein hervorragendes Mittel.“ Sie ging ins Badezimmer und winkte mit einer Flasche Massageöl. „Soll ich schon mal hochgehen und auf dich warten?“
„Geh ruhig hoch. Ich bringe den Rest mit.“ Er hing die Handtücher zum Trocknen auf und holte aus dem Kühlschrank eine Flasche Sekt, sowie ein Schälchen mit Erdbeeren. Gerade als er die Treppe hoch zum Schlafzimmer betrat, klingelte es an der Tür.
„Wer kann das nur sein?“, fragte Alice von oben herab.
„Weiß nicht. Vielleicht Freunde von Faith.“ Er stellte die Flasche und das Schälchen auf ein Sideboard ab.
Es klingelte erneut.
„Jaja. Bin schon da. Kleinen Moment.“
Bemüht eine gutgelaunte Miene aufzusetzen ging Daniel an die Tür. Er hoffte, dass es wirklich Freunde seiner Tochter waren, die er dann in Richtung Kino schicken konnte.
Er öffnete. Vor der Tür standen zwei junge Frauen, die überaus attraktiv wirkten. Die Blonde der Beiden trug ein enges ärmelloses schwarzes T-Shirt und eine enggeschnittene Blue-Jeans, die ihre weibliche Figur betonte. Die Rothaarige hatte ein weißes Top mit Blümchenmuster, sowie einen engen Jeansminirock und schwarze kniehohe Lederstiefel an.
Daniel wirkte verblüfft. „Guten Abend. Wer sind Sie?“
„Hallo“, entgegnete die Rothaarige und hielt ihm eine Flasche Sekt und einen eingepackten Kuchen hin. „Wir sind gegenüber eingezogen und wollten uns nur in der Nachbarschaft vorstellen.“
Dankend nahm Daniel die Präsente entgegen. „Das ist sehr nett von Ihnen. Sie werden sehen, dass Sie in eine sehr angenehme und nette Nachbarschaft gezogen sind. Hier hilft jeder jedem. Kommen Sie doch rein, dann können Sie auch meine Frau Alice kennenlernen.“
„Da sagen wir nicht nein, bei einer so reizenden Einladung“, erwiderte die Blondine.
Daniel führte sie in das Haus, während Alice herunterkam. Sie hatte sich ein gelbes Sommerkleid übergeworfen, worunter sich die schwarze Reizwäsche, womit sie ihren Ehemann verführen wollte hervorblitzte.
Die Blonde nahm das als Vorlage für eine Konversation. „Es tut uns leid. Wir wollten Sie nicht stören, sondern uns nur in der Nachbarschaft vorstellen. Wenn Sie möchten, gehen wir wieder.“
„Nein, nein“, entgegnete Alice, „Sie sind uns willkommen und auf neue Nachbarschaft muss man unbedingt anstoßen.“
„Ganz unbedingt“, erwiderte die Rothaarige. „Bei Ihnen riecht es auch lecker. Da bekomme ich doch gleich wieder Hunger.“
Faith Miller und ihre Freunde Marcel Kingston und Shirley Frank gingen die beleuchtete Hauptstraße entlang. Es war nach 22:00 Uhr und der Kinofilm war vorbei. Unterwegs neckte sich das Trio.
„Der Film war doch totale Zeitvergeudung“, stöhnte Faith. „Wären wir doch lieber in die Komödie mit Johnny Depp gegangen.“
„Ja. Oder in diesen Liebesstreifen mit Leonardo Di Caprio“, fügte Shirley hinzu.
„Liebesstreifen oder Johnny Depp? Och nö“, entgegnete Marcel. „Außerdem fand ich den Film voll cool. Wie diese Samurais durch die Luft geflogen sind. Ratz. Peng. Krach. Rattatong.“
Faith rollte gelangweilt mit den Augen. „War doch klar, dass Jungs den Film gut finden.“
„Außerdem waren das Ninjas, Marcel. Ninjas.“
„Jaja. Schon gut.“, brummte Marcel und um das Thema zu wechseln, fügte er schmunzelnd an. „Ich liebe den Sommer, da hat man wenigstens was fürs Auge.“
Er lächelte verschmitzt.
„Wieso fürs Auge?“, fragte Shirley.
„Na ja. Schönes Wetter, die Außenterrassen der Cafés sind geöffnet. Und hmmm, na ja, auch du hast schöne Beine. Ähm, einen schönen Minirock an.“
„Wenn ich das richtig sehe, spielen bei unserem großen Bruder die Hormone verrückt“, meinte Faith schmunzelnd.
„Was Hormone? Ich? Also wirklich.“
„Marcel, du schaust immer noch auf meine Beine“, sagte Shirley mit scharfem Ton.
„Ups. Hoppla. War keine Absicht. Und deine Eltern haben nichts dagegen, wenn wir so spät noch zu Besuch bei dir sind, Faith?“
„Keine Sorge. Ihr seid wie Geschwister für mich und haben euch auch gerne, um sich herum. Außerdem denke ich mal, sind die beiden heute Abend mit sich selber beschäftigt.“
Shirley blickte ihre Freundin an. „Wie meinst du das?“
Faith grinste. „Na ja, ich habe gesehen, dass mein Dad Sekt und Erdbeeren im Kühlschrank gebunkert hatte.“
„Oh.“
Sie gingen weiter und bogen in die Straße von Faith‘ Elternhaus ein. Im bleichen Licht der Straßenlaterne fiel Faith etwas auf. Sie stoppte kurz.
„Hier stimmt was nicht.“
„Was denn?“, fragte Shirley.
„Sag mal, habt ihr den Tag der offenen Tür, oder wie?“, ergänzte Marcel und versuchte damit die gespenstige Stimmung etwas zu heben.
„Das gefällt mir ganz und gar nicht“, entgegnete Faith besorgt.
„Das ist nicht nur schlecht, das kann auch gefährlich sein.“
„Vielleicht ist etwas passiert“, vermutete Shirley besorgt und sprach damit den Zustand aus, über den die anderen im Stillen dachten.
Faith lief in Panik los, Marcel und Shirley folgten ihr mit einigem Abstand. Sie kamen in den Flur. Alles war dunkel, die Lichter gelöscht. Sie waren still, versuchten jedes Geräusch wahrzunehmen. Vielleicht gab es für diese Situation eine ganz simple Erklärung. Faith ging ins Wohnzimmer und schaltete das Licht ein. Ihre Augen hatten sich an die neuen Lichtverhältnisse rasch gewöhnt. Sie blickte sich hektisch um. Auf dem Wohnzimmertisch standen ein Kuchen, eine Flasche Sekt und vier Gläser, von denen zwei umgeworfen schienen. Ihr Magen verkrampfte sich. Sie blickte sich weiter um. Ihr Blick fiel auf das weiße Polstersofa. Darauf saßen zwei Personen, regungslos. An ihren Hälsen tropfte immer noch ein wenig Blut herab. Faith betrachtete das Szenario näher. Es waren ohne Zweifel ihre Eltern und sie waren gebissen worden. Zwei runde Wundmale zierten den Hals aus denen der rote Lebenssaft geflossen war und jetzt immer noch herabtropfte. Sie war wie vom Donner gerührt. Ihre Eltern waren tot, regelrecht hingerichtet in einem Blutritual. Ein Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Zwei Frauen kamen die Treppe herunter. Sie wirkten sehr vertraut miteinander.
„Hallo Faith.“ Die Rothaarige sprach sie an.
„Wer seid ihr und was habt ihr mit meinen Eltern gemacht?“
Lüstern leckte sich die Rothaarige über ihre vollen Lippen und erwiderte. „Sie sind tot! Und wenn du schön brav mit uns mitkommst, verschonen wir vielleicht deine kleinen Freunde.“
Die blonde Frau neben ihr lachte höhnisch auf.
Faith versuchte die Situation zu verinnerlich. Diese beiden aufreizenden Frauen hatten offensichtlich ihre Eltern auf dem Gewissen. Sie sollte mit ihnen mitkommen und Marcel und Shirley waren wohl ebenfalls in Gefahr. Faith hatte mit ihren Freunden den zahlenmäßigen Vorteil, doch erschienen die beiden Frauen nicht als wären sie hilflose Tussis, sondern als wüssten sie was sie taten.
„Was zum Teufel, wollt ihr Beiden von mir?“
„Das verraten wir dir erst, wenn du dich ohne Widerstand uns anschließt.“
„Und was ist, wenn nicht?“
„Dann wird meine kleine Freundin ihren Hunger an deinen Freunden stillen.“
Faith blickte schockiert auf die Blondine. Sie verzog ihren Mund, spielte mit ihren kräftigen Kiefermuskeln, ehe am Oberkiefer, wo eigentlich die Eckzähne sein sollten, zwei lange spitze Zähne hervorragten.
Faith war fassungslos. Sie hatte Vampire mit Gruselromanen und Horrormärchen in Verbindung gebracht, aber nie vermutet, dass diese wirklich existierten.
Wie in Zeitlupe stürzte sich die blonde Frau auf Marcel, gerade als sie ihn zu erreichen drohte, wurde sie an die Wand geschleudert. Zwei Armbrustpfeile hatten sie getroffen und sie an der Wand festgenagelt. Ein Zischen erfüllte die Luft und zwei weitere Pfeile befestigten die Rothaarige an der Wand.
Faith blickte sich um. Ein Mann mit einer Armbrust und einem Schwert bewaffnet und er trug einen langen braunen Mantel. Er blickte Faith und die Anderen kurz an.
„Wenn ihr Überleben wollt, kommt mit mir.“
Diese Aussage genügte Faith nicht. „Wer sind Sie?“
„Alles zu seiner Zeit, Faith. Erst einmal bin ich für euer Überleben verantwortlich.“
Faith blickte zu ihren Freunden. Ein kurzer Blickwechsel und sie antwortete dem Fremden: „Dann bringen Sie uns raus.“
Der Mann führte die drei durch die Haustür zu einem schwarzen Jeep. Mittlerweile hatte sich ein kräftiges Gewitter über Norfolk entladen. Sie stiegen ein und ihr Retter trat das Gaspedal bis zum Bodenblech durch, dass die Räder quietschten. Faith, Shirley und Marcel blieb fast keine Zeit die Sicherheitsgurte anzulegen. Nach einer Weile hatte Faith ihre Sprache wieder gefunden.
„Wer sind Sie?“
„Mein Name ist Chris Bane.“
„Was waren das für Menschen, die meine Eltern getötet haben?“
„Die eine war eine Vampirin, wie du gesehen hast. Die Andere verfügt über magische Kräfte, wie eine Hexe.“
„Und was wollen die Beiden von mir?“
Chris blickte aus den Augenwinkeln zu Faith rüber. „Sie arbeiten für die dunkle Seite und haben es sich zum Ziel gesetzt, dich für ihre Zwecke zu benutzen.“
Faith war verwirrt: „Und dafür wollten sie mich töten?“
Chris schüttelte kurz den Kopf. „Nein. Sie löschten dein Umfeld aus. Marcel und Shirley hätten auch dran glauben müssen, wenn ich nicht gekommen wäre. Dich aber, brauchen sie lebend.“
„Warum? Was ist das Besondere an mir?“
Er wirkte nachdenklich.
„Das erkläre ich dir zu später. Erst einmal müssen wir euch in Sicherheit …“
Er unterbrach sich. Ein heftiges Donnern und Grollen über dem Fahrzeug ließ die Insassen zusammenzucken.
„Was war das?“, fragte Marcel erschrocken.
„Ich weiß es auch nicht“, antwortete Chris. „Es könnte sein, dass …“
Ein spitzer silberner Gegenstand durchbohrte die Windschutzscheibe des Jeeps. Instinktiv machte Chris eine Vollbremsung. Aufgrund der Witterungsverhältnisse drehte sich das Fahrzeug um die eigene Achse und auch der Führer des Gegenstands flog vom Auto und landete auf dem Asphalt. Die vier Insassen stiegen aus. Dann sahen sie es. Hatten Faith und ihre beiden Freunde ein solches Schwert vor etwas mehr als einer Stunde in einen billigen japanischen Action-Streifen gesehen, so wären sie wegen dieser Waffe jetzt beinahe draufgegangen. Der Angreifer schien von seinem Sturz kaum benommen zu sein. Er stürzte mit gezücktem Schwert auf die Gruppe zu. Chris machte sich zum Kampf bereit. Er wandte sich an Faith:
„Wenn der Kampf losgeht, wirst du dich mit den Anderen in Sicherheit bringen. Hast du das verstanden?“„Ja, aber …“
„Kein aber, Faith. Du bringst dich mit den Anderen in Sicherheit.“
Für weitere Worte blieb keine Zeit. Der Angreifer war komplett in schwarz gekleidet. Er trug einen schwarzen Hut, eine schwarze Kapuze und einen langen schwarzen Umhang. Im bleichen Licht der Laterne hatte er etwas von dem Sensenmann. Chris stellte sich ihm in den Weg und wehrte den Angriff mit einem ähnlich großen Schwert, wie das des Angreifers ab. Funken flogen bei jeder Berührung. Geschickt wehrten die Kontrahenten die Hiebe des Gegenübers ab. Der schwarze Mann änderte seine Taktik und probierte es mit einem flinken Wechsel der Schlaghand und zog seinen Schwerthieb durch, doch Chris hatte reagiert, rollte sich zur Seite ab, der Schwertschlag ging ins Leere und der Angreifer hatte in den Asphalt gehackt, wo das Schwert stecken blieb. Chris nutzte den Moment und wollte dem Angreifer den finalen Schlag versetzen, doch mit einem raschen Fußtritt wehrte er den Schwerthieb ab, dass Chris sein Schwert verlor und mit dem nächsten Fußtritt landete der Beschützer Faith‘ auf dem nassen Asphalt. Faith, Shirley und Marcel hatten sich hinter dem schwarzen Jeep versteckt und beobachteten durch die Seitenscheibe den Kampf. Ihr Angreifer hatte es geschafft das Schwert aus dem Asphalt zu ziehen und stürzte sich auf den am Boden liegenden Chris. Er setzte die Schwertspitze an die Kehle. Ein roter Blutstropfen erschien am Hals.
„Nun hat dein letztes Stündlein geschlagen. Überlass mir Faith und ich verschone dein erbarmungswürdiges Leben und das ihrer Freunde.“
„Niemals überlasse ich dir Faith. Ich werde sie bis zum Äußersten verteidigen.“
Der Angreifer grinste. „Du willst es nicht anders. Dann mach dich auf dein Ende gefasst.“ Er holte Schwung, doch in dem Moment, als er sein Schwert in die Kehle von Chris rammen wollte, sprang Faith hinter dem Wagen hervor. Sie hatte eine unglaubliche Geschwindigkeit und stürzte sich auf den Angreifer. Obwohl sie schmächtiger war, schaffte sie es den Angreifer von Chris zu stoßen. Beide schlugen auf dem Asphalt auf. Durch die Wucht des Zusammenstoßes ließ der schwarzgekleidete Mann sein Schwert fallen und sowohl Faith als auch der Angreifer lagen benommen am Boden. Faith erkannte als Erste ihre Chance. Verschwommen nahm sie im strömenden Regen das Schwert des Angreifers wahr. Sie erfasste die Benommenheit des Angreifers, eilte auf allen Vieren in Richtung Schwert, erreichte es vor dem Angreifer und wehrte den Faustschlag mit einem gezielten Fußtritt ab. Doch damit hatte sie ihren Gegner noch immer nicht außer Gefecht gesetzt, dieser setzte ihr nach und brachte sie zu Fall. Dann stürzte er sich auf sie. Er blickte auf sie herab in ihre blauen Augen.
„Ich will dich nicht töten, Faith und auch nicht verletzen. Geh mit mir und du hast deinen Frieden gefunden.“
Sie blickte in sein Gesicht. Die Kapuze verhüllte fast alles. Sie blickte in graue blutunterlaufene Augen und er schien viele Narben im Gesicht und am Kopf zu haben. Wer so aussah, konnte nichts Gutes im Sinn haben, dachte sie. Faith nahm ihre letzte Kraft zusammen und rammte ihm das Schwert in die Brust. Erschrocken und von Schmerz gepeinigt stolperte er von ihr herunter und versuchte sich das Schwert aus dem Leib zu ziehen. Faith ging zu Chris und half ihm auf die Beine. Shirley und Marcel gesellten sich dazu. Die Gefahr schien gebannt, denn ihr Angreifer war damit beschäftigt sich von seinem Schwert zu befreien. Chris nahm sein Schwert auf und steckte es ein. Marcel hatte als Erstes seine Sprache wieder gefunden. „Wer war das?“
Erschöpft und müde vom Kampf antwortete Chris: „Das war Hunter.“
„Und sollen wir ihm nicht nachsetzen und ihn töten?“
