Familie Dr. Norden 705 – Arztroman - Patricia Vandenberg - E-Book

Familie Dr. Norden 705 – Arztroman E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Dr. Daniel Norden ist verzaubert von der jungen Ärztin Dr. Fee Cornelius. Fee und Daniel heiraten. Er hat eine Praxis in München eingerichtet, Fee hilft ihm. Beide sehen den Beruf nicht als Job, sondern als wirkliche Berufung an. Aber ihr wahres Glück finden sie in der Familie. Fünf Kinder erblicken das Licht der Welt; zunächst Daniel jun., bald darauf sein Bruder Felix. Nach den beiden Jungen, die Fee ganz schön in Atem halten, wird Anne Katrin geboren, die ganz besonders an dem geliebten Papi hängt und von allen nur Anneka genannt wird. Weiterhin bleibt die Familie für Daniel Norden der wichtige Hintergrund, aus dem er Kraft schöpft für seinen verantwortungsvollen Beruf und der ihm immer Halt gibt. So ist es ihm möglich, Nöte, Sorgen und Ängste der Patienten zu erkennen und darauf einfühlsam einzugehen. Familie Dr. Norden ist der Schlüssel dieser erfolgreichsten Arztserie Deutschlands und Europas. Wie bei anderen Familien auch gab es bei den Nordens hin und wieder schlechte Tage, ohne daß sich ein plausibler Grund dafür gefunden hätte. So ein Tag schien dieser Montag im August zu werden. Schon seit Tagen herrschte kühles Regenwetter, womit sich besonders die Kinder nicht abfinden wollten. Daran konnte selbst die Tatsache, daß sie sich auf der Insel der Hoffnung befanden, nichts ändern. "So was Blödes, es hat ja immer noch nicht aufgehört zu regnen. Dann hat der Wetterbericht wieder nicht recht gehabt", nörgelte Felix, als er zum Frühstück in der gemütlichen Küche des Ferienhauses erschien, das die Familie während ihres Aufenthaltes auf der Roseninsel zu bewohnen pflegte. was anderes als meckern?" entgegnete sein älterer Bruder Danny schlechtgelaunt. "Müßt ihr beiden euch immer streiten?" mischte sich Daniel gereizt ein. Er hatte schlecht geschlafen in der Nacht, weil er sich Gedanken über einen schwierigen Patienten auf der Insel machte, und sein Nervenkostüm war nicht das beste. "Dan, bitte, wenn du dich einmischst, machst du es nur noch schlimmer", bat Fee, doch schon diese Bemerkung war heute zuviel für ihn. "Dann sag' ich halt gar nichts mehr, wenn meine Meinung hier nicht erwünscht ist!" Erbost sprang er auf, warf die Serviette auf den Tisch und verließ mit einem kurzen Gruß den Raum. Die drei kleinen Kinder sahen ihm betreten nach, doch Danny konnte sich einen weiteren Angriff auf seinen Bruder nicht verkneifen. "Da siehst du, was du ewiger Nörgler angerichtet hast!" zischte er böse. Da schlug Fee mit der flachen Hand auf den Tisch.

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Familie Dr. Norden – 705 –

Wenn ein Herz verwundet ist

Die erste große Liebe bringt manchmal tiefes Leid

Patricia Vandenberg

Wie bei anderen Familien auch gab es bei den Nordens hin und wieder schlechte Tage, ohne daß sich ein plausibler Grund dafür gefunden hätte. So ein Tag schien dieser Montag im August zu werden.

Schon seit Tagen herrschte kühles Regenwetter, womit sich besonders die Kinder nicht abfinden wollten. Daran konnte selbst die Tatsache, daß sie sich auf der Insel der Hoffnung befanden, nichts ändern.

»So was Blödes, es hat ja immer noch nicht aufgehört zu regnen. Dann hat der Wetterbericht wieder nicht recht gehabt«, nörgelte Felix, als er zum Frühstück in der gemütlichen Küche des Ferienhauses erschien, das die Familie während ihres Aufenthaltes auf der Roseninsel zu bewohnen pflegte.

»Kannst du eigentlich noch

was anderes als meckern?« entgegnete sein älterer Bruder Danny schlechtgelaunt.

»Müßt ihr beiden euch immer streiten?« mischte sich Daniel gereizt ein. Er hatte schlecht geschlafen in der Nacht, weil er sich Gedanken über einen schwierigen Patienten auf der Insel machte, und sein Nervenkostüm war nicht das beste.

»Dan, bitte, wenn du dich einmischst, machst du es nur noch schlimmer«, bat Fee, doch schon diese Bemerkung war heute zuviel für ihn.

»Dann sag’ ich halt gar nichts mehr, wenn meine Meinung hier nicht erwünscht ist!« Erbost sprang er auf, warf die Serviette auf den Tisch und verließ mit einem kurzen Gruß den Raum. Die drei kleinen Kinder sahen ihm betreten nach, doch Danny konnte sich einen weiteren Angriff auf seinen Bruder nicht verkneifen.

»Da siehst du, was du ewiger Nörgler angerichtet hast!« zischte er böse. Da schlug Fee mit der flachen Hand auf den Tisch.

»Jetzt reicht es aber wirklich, Danny! Das ist ja wie im Kindergarten. Ihr beiden geht jetzt zu Omi und fragt, was ihr helfen könnt. In der Küche gibt es Arbeit genug!« Mit einem zornigen Blick schaute sie ihren beiden Ältesten nach, die sich ohne ein weiteres Wort aus dem Staub machten. Ihre Mutter war selten wütend, und wenn es doch einmal so war, hielt man besser den Mund.

»Warum habt ihr denn alle so schlechte Laune?« erkundigte sich Dési vorsichtig, nachdem am Tisch einige Zeit betretenes Schweigen geherrscht hatte.

Fee seufzte. »Es gibt manchmal solche Tage, da wäre man am besten im Bett geblieben.«

»Och, das ist aber auch langweilig«, stellte Jan mit langem Gesicht fest.

»Ich mag es gar nicht, wenn gestritten wird.« Anneka saß traurig auf ihrem Stuhl. Schon ihre zarte Statur ließ ahnen, daß sie ein sehr sensibles Kind war, das sich immer alles sehr zu Herzen nahm. »Das gehört einfach zum Leben«, versuchte Fee ihre älteste Tochter zu trösten. »So wie es Sonnenschein und Wolken gibt, so gibt es in einer Familie eben viel Spaß und Freude und manchmal eben auch Ärger.«

»Du hast ja recht, Mami«, antwortete Anneka und kuschelte sich an Fee, nachdem sie eine Weile angestrengt nachgedacht hatte.

»Wenn wir uns nie streiten würden, wüßten wir auch nicht, wie schön es ist, wenn wir miteinander gut sind.«

Fee sah sie verwundert an. Manchmal erstaunte sie dieses ungewöhnliche Kind schon sehr. Mit einem Seufzer nahm sie Anneka fest in die Arme und drückte sie an sich, worauf auch die Zwillinge sofort eifersüchtig aufsprangen und sich an die geliebte Mami drängten.

»Halt, halt! Ihr erdrückt mich ja vor lauter Liebe!« Lachend umarmte sie die drei, und zumindest für einen Teil der Familie Norden war die Welt damit wieder in Ordnung.

Nachdenklich hatte sich Daniel auf den Weg zum Büro gemacht. Es nieselte leicht, doch er bemerkte es kaum. Schon tat ihm, seine heftige Reaktion leid. Er wollte gerade umdrehen, um sich mit seiner Familie zu versöhnen, als eine Schwester auf ihn zugeeilt kam.

»Herr Dr. Norden, gut, daß Sie da sind!« rief sie ihm schon von weitem aufgeregt zu. »Wir haben einen Notfall!« Atemlos blieb sie vor ihm stehen.

»Wer ist es, und was ist geschehen?« erkundigte sich Daniel.

»Eduard von Steinert. Mehr weiß ich nicht«, entgegnete Schwester Karin nur. Beide gingen schnell davon und erreichten kurze Zeit später das heimelige Haus, das das Ehepaar von Steinert seit zwei Wochen auf der Insel bewohnte.

Paula von Steinert saß wie gelähmt in einem Sessel in der Ecke des Zimmers und blickte auf das Bett, in dem ihr Mann regungslos und mit geschlossenen Augen lag. Sein Gesicht war merkwürdig friedlich, wie selten zuvor in seinem Leben. Dennoch weigerte sie sich, den Gedanken anzunehmen, der nahe lag. Statt dessen kreiste ihre Erinnerung um die Geschehnisse des Morgens. Paula war schon früh aufgestanden, wie es auch zu Hause ihre Gewohnheit war. Sie genoß es immer, die ersten Stunden des Tages ganz für sich allein zu haben und war trotz des Nieselregens hinaus an die frische Luft gegangen, um durch die graue, aber dennoch reizvolle Landschaft am See zu spazieren. »Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung«, war schon lange ihr Motto und so ließ sie sich nur selten von dieser Gewohnheit abbringen. Sie hatte sich pudelwohl gefühlt, als sie erfrischt und mit roten Wangen wieder zurückkam.

Das war nicht selbstverständlich in letzter Zeit. Paula hatte keine Affäre daraus gemacht, doch konnte sie nicht länger leugnen, daß der Schwindel und besonders die Brustschmerzen, die sie vor ein paar Wochen zum ersten Mal gespürt hatte, immer öfter und intensiver auftraten. Zuerst hatte sie von diesen Beschwerden keine Notiz genommen, da sie aber kein leichtsinniger Mensch war, hatte sie sich vorgenommen, nach dem Aufenthalt auf der Roseninsel eine gründliche Untersuchung durchführen zu lassen.

Als sie jetzt einen Blick in das Schlafzimmer warf, schlief Eduard noch immer tief und fest. Es erstaunte sie etwas, da er gewöhnlich um diese Zeit schon auf war, doch Paula machte sich zunächst keine Gedanken darüber. Eduard holte sicher nur den versäumten Schlaf nach. Er hatte am Abend zuvor ein paar Gläser über den Durst getrunken, wie so oft in letzter Zeit. Bevor er ausfallend wurde, war Paula zu Bett gegangen.

Nach einer weiteren Stunde, in der sie in ein Buch vertieft gewesen war, hatte sie doch begonnen, sich Gedanken zu machen und war an sein Bett getreten, um ihn zu wecken. Erst jetzt war ihr sein merkwürdiger Gesichtsausdruck aufgefallen, friedlich, fast heiter, aber nicht von dieser Welt. Sie hatte ihn kurz geschüttelt, um dann zum Telefon zu gehen und, äußerlich ruhig, Hilfe zu rufen. Dann hatte sie sich in den Sessel gesetzt und durch das Gesicht des Mannes hindurchgeschaut, der sie so viele Jahre lang gegängelt hatte. Ich bin frei! ging es ihr durch den Kopf und ihre Gedanken verloren sich in der Erinnerung an die Demütigungen, die sie all die Jahre stumm ertragen hatte.

»Frau von Steinert, hören Sie mich?« Eine männliche Stimme drang an ihr Ohr und durchbrach ihre Gedanken. Langsam wandte sie den Blick ab von ihrem Mann und schaute Daniel verständnislos an.

Doch dann kehrte sie in die Gegenwart zurück.

»Ja, Herr Doktor?« erwiderte sie leise und erhob sich mühsam aus dem Sessel. Sie war so sehr mit ihren inneren Bildern beschäftigt gewesen, daß sie nicht bemerkt hatte, wie Daniel zusammen mit der Schwester das Haus betreten und ihren Mann untersucht hatte, obwohl auch ihm klar war, daß hier jede Hilfe zu spät kam.

»Geht es Ihnen gut?«

»Ich weiß nicht. Mein Mann, was ist mit meinem Mann?«

»Es tut mir leid!« Mühsam kamen Daniel die Worte über die Lippen. Obwohl er diese traurige Nachricht schon oft hatte überbringen müssen, fiel es ihm immer wieder unendlich schwer. »Ich kann leider nichts mehr für ihn tun.«

»Ich weiß. Ich habe es die ganze Zeit gewußt. Aber es ist schwer, es zu glauben.«

Daniel vermeinte erstaunt, eine gewisse Erleichterung in ihrer Stimme zu hören, doch sie sprach sofort weiter. »Ich war spazieren am See, und er war ganz allein hier. Vielleicht hätte ich ihm helfen können.«

»Nicht einmal ich hätte ihm helfen können. Es muß heute nacht passiert sein.«

»Und ich lag neben ihm.«

»Sie dürfen sich keine Vorwürfe machen, Frau von Steinert. Ich vermute, daß Ihr Mann ganz friedlich eingeschlafen ist. Vermutlich hat sein Herz einfach aufgehört zu schlagen.«

»Kann das sein?«

»Natürlich, wenn ein altes Herz müde und verbraucht ist.«

»Er hat immer zuviel Kaffee getrunken und viel zuviel geraucht. Ich habe ihm so oft gesagt, daß er besser auf sich aufpassen soll, aber er hat nie auf mich gehört.« Das entsprach den Tatsachen und überzeugte Daniel davon, daß Paula unter Schock stand.

Jetzt mischte sich Schwester Karin ein, die wortlos neben Daniel gestanden hatte. »Kommen Sie, Frau von Steinert, gehen wir eine Tasse Tee trinken. Dann können Sie reden, wenn Sie wollen«, bot sie verständnisvoll an. Es verstand sich von selbst, daß die Schwestern auf der Insel der Hoffnung auch für diesen Fall gerüstet und psychologisch geschult waren.

»Ja, vielen Dank«, erklärte sich Paula sofort einverstanden und suchte nach ihrer Jacke. Sie machte einen leicht verwirrten Eindruck, doch Karin wich nicht von ihrer Seite.

Daniel stand noch einen Augenblick unschlüssig im Zimmer. Dann warf er einen letzten Blick auf Eduard von Steinert, seufzte tief und machte sich dann auf den Weg, um seine traurigen Pflichten zu erfüllen. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, konnte er es kaum erwarten, wieder bei seiner Familie zu sein. Er entschuldigte sich bei seinem Schwiegervater Johannes Cornelius und versicherte, am Nachmittag wieder zur Verfügung zu stehen, bevor er das Büro verließ und eilig die Richtung zu seinem Familiendomizil einschlug.

»Feelein, es tut mir so leid«, stieß er atemlos hervor und drückte seine Frau, die gerade in der Küche zu tun hatte, zärtlich an sich. »Kannst du mir verzeihen?«

»Aber Daniel, natürlich verzeihe ich dir«, erklärte sie überrascht und schob ihn ein wenig von sich, um ihn aufmerksam zu mustern. Sie kannte ihn nun schon viele Jahre, um zu wissen, daß etwas geschehen sein mußte. »Was ist?«

»Zuerst mußt du mir versprechen, daß wir uns nie mehr im Streit trennen werden«, stieß er hervor.

»Aber ich war es doch nicht, die davongelaufen ist.« So aufgelöst hatte Fee ihren Mann schon lange nicht mehr gesehen.

»Ich bin ganz durcheinander«, gestand er daraufhin.

»Setz dich, und beruhige dich erst einmal!« Mit sanfter Gewalt drückte sie ihn auf einen Stuhl und setzte sich neben ihn. Er seufzte tief, bevor er erzählte, was geschehen war.

»Wie traurig.« Tief betroffen senkte Fee den Blick.

»Du mußt wissen, wie sehr ich dich liebe und immer lieben werde, egal, was zwischen uns passiert.«

»Ich liebe dich auch, Daniel«, flüsterte sie, bevor er sie wieder in seine Arme schloß und festhielt, als wollte er sie nie mehr loslassen.

*

Ein paar Tage später mußte sich Daniel Norden schweren Herzens auf den Weg nach München machen, wo die Beerdigung von Eduard von Steinert stattfinden sollte. Johannes und seine Frau Anne waren auch dazu gebeten worden, doch diese entschuldigten sich mit gutem Grund.

Das Haus war wie fast immer ausgebucht, und sie benötigten ihre ganze Kraft, um sich den Ruhebedürftigen widmen zu können. Paula von Steinert hatte dafür vollstes Verständnis und bedankte sich bei ihrer Abreise herzlich bei den beiden. Noch immer drang die Realität nicht ganz zu ihr durch, doch als sie von ihrer Tochter Katharina und deren Mann Joachim abgeholt wurde, schaute sie nicht zurück.

»Fahr vorsichtig, Liebster!« verabschiedete sich Fee liebevoll von Daniel, und die Kinder winkten lange, bis sein Wagen verschwunden war. Gott sei Dank herrschte nicht viel Verkehr, und er kam zügig voran, so daß er überpünktlich ankam, um der Zeremonie beizuwohnen.

»Vielen Dank, daß Sie gekommen sind!« Paula bedankte sich herzlich, als er ihr später die Hand reichte, um ihr sein Beileid auszudrücken. Sie machte einen erstaunlich gefaßten Eindruck, was er ihr auch sagte.

»Sie dürfen mich nicht für herzlos halten, Herr Dr. Norden«, erklärte sie leise. »Aber in meinem Alter hat der Tod seinen Schrecken verloren.« Sie verstummte und blickte zu Boden. Das war zwar die Wahrheit, doch Daniel bemerkte sofort, daß das nicht alles war. Paula von Steinert verschwieg etwas, doch dies war nicht der richtige Augenblick, um Vertraulichkeiten auszutauschen.

»Ich habe immer ein offenes Ohr für Sie«, versicherte er ihr statt dessen, und sie sah ihn dankbar an, bevor er sich verabschiedete.

»Was hast du denn mit dem Arzt besprochen?« erkundigte sich Katharina kurz darauf argwöhnisch. Schon seit ihrer Rückkehr kam ihr ihre Mutter sehr seltsam vor. Das mochte an der Trauer liegen, obwohl Paula offenbar noch keine einzige Träne um ihren Mann vergossen hatte.

»Nur das übliche, mein Kind«, gab Paula indes lapidar zur Antwort. Sie hatte den Unmut ihrer Tochter bemerkt und wollte sich auf keinen Fall in eine Diskussion verstricken lassen.

Beleidigt wandte sich Katharina ab.

»Das sieht Mutter wieder ähnlich«, beschwerte sie sich kurz darauf bei ihrem Mann Joachim.

»Was meinst du?« Verständnislos blickte er seine Frau an. Er wußte, daß es um das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter nicht zum Besten stand und hatte auch oft etwas an Paulas Eigenheiten auszusetzen. Doch diesmal sah er keinen Grund zur Aufregung.

»Dieses Getuschel mit dem Arzt! Daniel Norden heißt er. Sie ist sogar rot geworden.«

»Na und? Er wird ihr sein Beileid ausgedrückt haben.«

»Na, ich weiß nicht«, bezweifelte Katharina argwöhnisch. »Außerdem finde ich es seltsam, daß Mutter Vater offenbar keine Träne nachweint«, fügte sie bissig hinzu.

»Wahrscheinlich hat sie es noch gar nicht richtig erfaßt, was geschehen ist. Wenn sie erst einmal zur Ruhe gekommen ist, wird auch die Trauer kommen. Außerdem scheinst du auch nicht gerade sehr ergriffen zu sein. Und er war immerhin dein Vater!« Prüfend blickte er seine Frau an, doch diese machte wutschnaubend auf dem Absatz kehrt und schenkte ihm für den Rest des Tages keine Beachtung mehr.