Familie Dr. Norden Classic 6 – Arztroman - Patricia Vandenberg - E-Book

Familie Dr. Norden Classic 6 – Arztroman E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Dr. Daniel Norden ist verzaubert von der jungen Ärztin Dr. Fee Cornelius. Fee und Daniel heiraten. Er hat eine Praxis in München eingerichtet, Fee hilft ihm. Beide sehen den Beruf nicht als Job, sondern als wirkliche Berufung an. Aber ihr wahres Glück finden sie in der Familie. Fünf Kinder erblicken das Licht der Welt; zunächst Daniel jun., bald darauf sein Bruder Felix. Nach den beiden Jungen, die Fee ganz schön in Atem halten, wird Anne Katrin geboren, die ganz besonders an dem geliebten Papi hängt und von allen nur Anneka genannt wird. Weiterhin bleibt die Familie für Daniel Norden der wichtige Hintergrund, aus dem er Kraft schöpft für seinen verantwortungsvollen Beruf und der ihm immer Halt gibt. So ist es ihm möglich, Nöte, Sorgen und Ängste der Patienten zu erkennen und darauf einfühlsam einzugehen. Familie Dr. Norden ist der Schlüssel dieser erfolgreichsten Arztserie Deutschlands und Europas. Ein neues Schuljahr hatte begonnen. Fee Norden war stundenlang unterwegs gewesen, um alles an Büchern und Heften zu besorgen, die die Kinder brauchten. Sie stöhnte wie andere Mütter auch, wieviel Geld sie dafür hatte ausgeben müssen. "Wer keine Kinder hat, weiß nicht, was Kinder kosten", seufzte sie. "Sie können mir wirklich weniger zahlen", sagte Lenni sofort. "Um Himmels willen, so war das doch nicht gemeint, Lenni. Ich wollte damit nur sagen, daß es nicht unbedingt sein müßte, daß die Schulsachen so teuer sind. Und es ist unverständlich, wenn jüngere Geschwister nicht mal mehr die Bücher von den Älteren brauchen können, weil es schon wieder andere Ausgaben gibt. Es ist alles familienunfreundlich, darüber sollten sich die Gesetzgeber Gedanken machen." Lenni war schon so lange Haushälterin bei den Nordens, daß sie eher Freundin war und alle Sorgen genauso mit ihnen teilte, wie die Freuden. Fee sagte, daß es ihnen viel besser gehe als anderen. Sie dachte bei ihren Betrachtungen auch meist an diejenigen, denen es bedeutend schwerer fiel als ihnen, mit den ständig wachsenden Kosten zurechtzukommen, und ärgerte sich, wenn Unsummen verschleudert wurden, die von den Steuerzahlern aufgebracht werden mußten. Aber sie regte sich nie lange darüber auf, weil das ja nichts änderte. Danny gab wieder mal einen Kommentar dazu ab, über den sie lachen mußte. "Wenn wir ein Sozialfall wären, müßtest du die Sachen nicht selber kaufen, Mami, dann bekämen wir alles von der Schule." "Das würde mir genauso wenig gefallen wie euch", meinte sie. "Es ist schon besser, wie es ist."

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Familie Dr. Norden Classic – 6 –

Nichts als die Wahrheit

Patricia Vandenberg

Ein neues Schuljahr hatte begonnen. Fee Norden war stundenlang unterwegs gewesen, um alles an Büchern und Heften zu besorgen, die die Kinder brauchten. Sie stöhnte wie andere Mütter auch, wieviel Geld sie dafür hatte ausgeben müssen.

»Wer keine Kinder hat, weiß nicht, was Kinder kosten«, seufzte sie.

»Sie können mir wirklich weniger zahlen«, sagte Lenni sofort.

»Um Himmels willen, so war das doch nicht gemeint, Lenni. Ich wollte damit nur sagen, daß es nicht unbedingt sein müßte, daß die Schulsachen so teuer sind. Und es ist unverständlich, wenn jüngere Geschwister nicht mal mehr die Bücher von den Älteren brauchen können, weil es schon wieder andere Ausgaben gibt. Es ist alles familienunfreundlich, darüber sollten sich die Gesetzgeber Gedanken machen.«

Lenni war schon so lange Haushälterin bei den Nordens, daß sie eher Freundin war und alle Sorgen genauso mit ihnen teilte, wie die Freuden.

Fee sagte, daß es ihnen viel besser gehe als anderen.

Sie dachte bei ihren Betrachtungen auch meist an diejenigen, denen es bedeutend schwerer fiel als ihnen, mit den ständig wachsenden Kosten zurechtzukommen, und ärgerte sich, wenn Unsummen verschleudert wurden, die von den Steuerzahlern aufgebracht werden mußten. Aber sie regte sich nie lange darüber auf, weil das ja nichts änderte.

Danny gab wieder mal einen Kommentar dazu ab, über den sie lachen mußte.

»Wenn wir ein Sozialfall wären, müßtest du die Sachen nicht selber kaufen, Mami, dann bekämen wir alles von der Schule.«

»Das würde mir genauso wenig gefallen wie euch«, meinte sie. »Es ist schon besser, wie es ist.«

»Aber wenn ich alles zusammenrechne, könnte ich schon ein neues Fahrrad dafür kriegen«, erklärte Felix.

»Da kannst du plötzlich sehr schnell rechnen«, zog ihn Danny auf.

»Du brauchst kein neues Fahrrad«, warf Anneka ein, »du mußt deins nur mal putzen.«

Fee mischte sich nicht mehr ein. Sie konnte endlich eine Mußestunde einlegen und ging mit der Tageszeitung auf die Terrasse.

Bald hatte sie jedoch wieder Grund genug, nachdenklich zu sein. Sie konnte es kaum erwarten, daß Daniel heimkam.

Der Doktor hatte aber wieder einmal einen sehr anstrengenden Tag hinter sich, denn eine ganz gefährliche Sommergrippe grassierte, die immer weiter um sich gegriffen hatte mit ganz besonderen Nebenerscheinungen, die sich auch häuften, wie Kehlkopfentzündungen, Nervenentzündungen, die eigentlich nicht in das Krankenbild paßten, anhaltendem Reizhusten, der sich mit gewohnten Mitteln nicht bekämpfen ließ.

Fee wollte ihren Mann nicht gleich mit dem überfallen, was ihr nicht aus dem Kopf ging. Er sollte erst in Ruhe essen und sich entspannen.

Die Kinder begannen wieder damit, was die Schulsachen kosteten, aber das nahm Daniel gelassen zur Kenntnis. Solche Dinge überließ er gar zu gern seiner Frau.

Es dauerte noch ziemlich lange, bis Fee und Daniel ihre abendliche Mußestunde genießen konnten, aber diese sollte zu sehr nachdenklichen Überlegungen führen, nachdem Fee ihren müden Mann gefragt hatte, ob er schon gehört hätte, daß Arno Holstencamp gestorben sei. Er richtete sich auf und starrte sie bestürzt an.

»Das kann doch nicht wahr sein!« stieß er hervor.

»In der Zeitung steht es schwarz auf weiß. Ich hätte mich auch sehr gewundert, wenn du es mir vorenthalten hättest.«

»Er war vor einer Woche bei mir, weil er Jennifer in der Schweiz besuchen wollte«, sagte Daniel tonlos. »Er litt nach wie vor unter den vegetativen Magenbeschwerden, aber er wußte damit umzugehen. Ich habe ihm ein neues Rezept ausgestellt, und er war in guter Stimmung.«

Daniel griff nach der Zeitung. Es war eine schlichte Anzeige.

Wir trauern um Arno Holstencamp. Marian und Jennifer Holstencamp. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

»Merkwürdig, daß Alice Steiner nicht angeführt wird«, sagte Fee nachdenklich. »War das aus?«

»Ich weiß es nicht. Er hat sich dahingehend nicht geäußert, aber es wäre wünschenswert gewesen, denn Jennifer hatte zu ihr eine ausgesprochen feindselige Einstellung. Es ist ihm nahegegangen, daß sie sich so zurückgezogen hatte. Wahrscheinlich wollte er eine Versöhnung mit ihr herbeiführen.«

»Marian war einverstanden mit diesem Verhältnis?«

»Dieser verwöhnte Bengel sagte doch zu allem ja und amen, wenn nur sein Konto immer wieder aufgefüllt wurde. In letzter Zeit schien Holstencamp aber die Zügel angezogen zu haben.«

»Jennifer muß jetzt irgendwann Geburtstag haben. Den einundzwanzigsten«, stellte Fee sinnend fest.

»Es wäre ein guter Tag zur Versöhnung gewesen«, meinte Daniel. »Es ist mir unerklärlich, daß Holstencamp so plötzlich gestorben sein soll.«

»Vielleicht war es ein Unfall«, vermutete Fee.

»Davon wäre doch etwas in die Öffentlichkeit gedrungen. Er war ein bekannter Mann, wenngleich er sich ziemlich zurückgezogen hatte.«

»Er hatte doch aber häufig Beschwerden«, meinte Fee

Das konnte Daniel nicht bestreiten.

Jedenfalls waren die Holstencamps ein abendfüllendes Thema. Den Geschwistern Marian und Jennifer hätten die Ohren klingen müssen.

*

Der nächste Vormittag, es war Samstag, brachte neue Überraschungen.

Diesmal nahm Daniel zuerst die Zeitung zur Hand. Er wollte wissen, ob etwas über Arno Holstencamp und seinen plötzlichen Tod berichtet wurde. Aber da fiel sein Blick wieder auf die Todesanzeigen, und diesmal pfiff er durch die Zähne, denn er las eine, die ihm ein Frösteln über den Rücken jagte.

Ich habe mein Liebstes verloren.

Arno Holstencamp, mein Lebensgefährte und Freund, wurde mir genommen. In grenzenlosem Schmerz, Alice Steiner.

»Was sagst du dazu, Fee?« meinte er und reichte ihr die Zeitung.

»Das ist provozierend«, sagte Fee heiser. »Sie schreckt vor nichts zurück. Aber mich erstaunt doch, daß diese Anzeige erst heute erscheint.«

Sie sollten sich an diesem Tag noch öfter wundern, denn eine Stunde später rief Jennifer an.

Sie sei gerade nach München gekommen, und obgleich Samstag sei, würde sie darum bitten, mit ihnen sprechen zu können.

»Selbstverständlich kannst du kommen, Jennifer«, sagte Fee. »Wir sind sehr bestürzt und traurig.«

»Ich bin jetzt nur maßlos zornig über diese unverschämte Person. Ihr habt ja sicher ihre Anzeige gelesen.«

»Haben wir, wir können nachher darüber reden. Nimm dir ein Taxi, und komm gleich.«

»Ich bin mit meinem Wagen hier. Ich bin in einer Viertelstunde bei euch. Danke, daß ich kommen darf.«

»Das ist selbstverständliich, Jennifer«, sagte Fee. Sie war jetzt erregt, und Daniel merkte das natürlich sofort.

»Warte erst ab, bevor du dich aufregst«, sagte er. »Jennifer wird uns schon erzählen, was passiert ist. Reim dir nur nicht gleich einen Roman zusammen.«

»Es könnte ein Krimi werden«, sagte Fee gedankenvoll.

»Weil die Steiner ein Objekt für Klatschtanten ist?«

»Sieh mal an, soviel weißt du doch«, meinte Fee neckend.

»Wendy liest auch diese Boulevardblätter, und du weißt doch, wie gern mir die allwissenden Patientinnen alle Neuigkeiten erzählen. Wenn ich mir alles merken würde, könnte ich auch Kolumnen schreiben.«

»Oder mein wenig ereignisreiches Leben damit etwas unterhaltsamer gestalten«, meinte Fee.

»Wir haben wahrlich immer genug Gesprächsstoff«, erwiderte er lachend.

*

Marian Holstencamp sah seine jüngere Schwester vorwurfsvoll an.

»Kaum bist du gekommen, verschwindest du schon wieder«, murrte er.

»Wir hatten auch einiges zu besprechen, Jenny.«

»Dazu haben wir noch genug Zeit, aber zuerst merk dir, daß die Steiner keinen Fuß mehr über die Schwelle setzt.«

»Willst du mir nicht wenigstens erklären, warum du so giftig auf sie bist?«

Jennifer warf ihm einen durchdringenden Blick zu. »Hast du dich etwa auch von ihr einwickeln lassen?« fragte sie unwillig.

»Ich habe keine Vorurteile. Wenn Papa die Beziehung tatsächlich abbrechen wollte, wird er schon Grund dazu gehabt haben. Zu mir hat er sich nicht geäußert.«

»Hast du überhaupt eine eigene Meinung? Guter Gott, du bist sechsundzwanzig und lebst immer noch faul in den Tag hinein. Stell dir doch nicht selbst so ein Armutszeugnis aus.«

Seine Augenbrauen schoben sich zusammen, und sein hübsches Gesicht verfinsterte sich. Für einen Mann war er zu hübsch, das stellte Jennifer wieder einmal fest. Aber ihm brachte das mehr Wohlwollen bei Frauen ein, die älter waren als er.

»Wenn du nur mal eine Frau finden würdest, die dich nicht nur anschmachtet, sondern dir mal einen ordentlichen Tritt versetzt!« stieß Jennifer gereizt hervor. Dann verließ sie das Haus.

Marian ließ es nicht kalt, wenn seine Schwester so mit ihm umsprang.

Obgleich sie fünf Jahre jünger war, fühlte er sich ihr nicht gewachsen. Sein Vater hatte ihm auch oft genug vorgehalten, daß es ihm lieber wäre, Jennifer wäre der Junge und er das Mädchen geworden.

Er fühlte sich auch der jetzigen Situation nicht gewachsen. Der plötzliche Tod des Vaters hatte ihn völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Wenngleich er ihm wirklich nicht viel Freude bereitet hatte, war für Marian der Vater ein Fels gewesen, an den er sich hatte klammern können. Er wäre gern so geworden wie er, aber er wußte auch, daß er dazu nicht fähig war.

Er überlegte, was Jennifer wohl vorhaben mochte, wohin sie jetzt fuhr. Sie hatte kein Wort darüber verloren.

Und was sollte er tun, wenn Alice auch heute wieder kommen würde, wie gestern und vorgestern auch? Er hatte ein ganz unbehagliches Gefühl dabei, denn die Art, wie sie sich bei ihm einschmeichelte, wollte ihm nicht behagen.

Er hatte Jennifer verschwiegen, daß Alice immer noch einen Schlüssel hatte. Anscheinend hatte sie ihn einmal nachmachen lassen, ohne daß sein Vater davon wußte, aber Marian hatte es schon ein paar Mal erlebt, daß sie plötzlich erschien, oder bereits im Haus war, wenn weder er noch sein Vater anwesend waren. Marian hatte sie mehrmals überrascht, aber er hatte nie das Rückgrat gehabt, sich ihrem Getue zu erwehren. Gestern hatte sie zu ihm gesagt, daß er nun doch bald von ihr abhängig sein würde. Sie hatte ihm mit dieser Äußerung Angst eingejagt.

Er wagte nicht, das Haus zu verlassen, legte die Sicherheitskette vor und stellte den Code für die Alarmanlage ein.

Obgleich so schönes Wetter war, setzte er sich vor den Fernsehapparat.

Schon nach kurzer Zeit hörte er, wie jemand an der Tür war. Er drehte den Ton ab und lauschte.

Einen Spalt sprang die Tür auf, aber gleichzeitig ging der Alarm los. Er eilte hin und stellte ihn ab. Durch den Türspalt war nun Alices Stimme zu vernehmen.

»Mach auf, du Blödmann! Vor wem fürchtest du dich?« sagte sie schrill. »Soll erst die ganze Nachbarschaft angetanzt kommen?«

»Jennifer wird gleich kommen«, stieß er hervor, weil er nicht wußte, was er sonst sagen sollte.

»Na und, gemeinsam werden wir doch mit ihr fertig werden.«

»Ich darf dich nicht hereinlassen. Setz dich mit unserem Anwalt in Verbindung. Es ist besser, wenn du nicht mehr ungerufen kommst.«

»Das werden wir ja sehen. Ihr werdet mich noch kennenlernen.«

Sie verschwand, und Marian atmete auf, aber das Unbehagen wurde er nicht los.

*

Jennifer wurde von Fee an der Gartentür empfangen. Sie wollte nicht, daß die Kinder gleich auf sie zustürmten und hatte Anneka und die Zwillinge dahingehend instruiert. Die Buben waren ohnehin auf dem Tennisplatz. Sie nutzten das schöne Wetter aus, um noch im Freien spielen zu können.

Fee nahm Jennifer spontan in die Arme. »Wir können es noch immer nicht glauben«, sagte sie verhalten.

Jennifer wirkte fast zu beherrscht, als sie Daniel begrüßte. Sie schien Fee auch erwachsener zu sein, als bei ihrem Besuch vor einem Jahr.

Sie war ein ungewöhnlich apartes Mädchen, eigentlich müßte man schon junge Frau sagen. Es wäre eine Untertreibung, sie hübsch zu nennen. Trotz ihrer jungen Jahre hatte sie bereits eine Ausstrahlung, die faszinierend war. Außerdem war sie eine ausgeprägte Persönlichkeit.

Jennifer war etwas mehr als mittelgroß, hatte eine Figur, um die sie manches Model beneiden konnte, und Beine, über die wohl kein Mann hinwegsehen konnte. Ihr ovales Gesicht wurde von kastanienbraunem Haar umrahmt. Große graugrüne Augen beherrschten ihr Gesicht, die Nase war fein und der Mund wunderschön geformt.

»Wie ist das passiert, Jennifer? Ich kann es mir nicht erklären«, sagte Daniel.

»Wie krank war Papa?« fragte sie. »Ich will es genau wissen.«

»Es war das vegetative Nervensystem, das ihm zu schaffen machte, das vor allem den Magen in Mitleidenschaft zog. Aber das Medikament, das ich ihm verschrieben habe, hat ihm immer geholfen.«

»Er wird jetzt untersucht, genauso wie sein Wagen. Ich habe das verlangt, denn ich kann nicht glauben, daß er aus heiterem Himmel einen Herzinfarkt bekam. Wir waren zwei Stunden zuvor zusammen, und ihm ging es gut. Er hat keine Medikamente gebraucht, solange wir uns unterhielten, und er war in bester Stimmung, weil ich ihm versprochen hatte, mit ihm nach Lugano zu fahren. Er war immer so gern in Lugano.«

Sie mußte innehalten, denn jetzt kamen ihr die Tränen. Fee nahm tröstend ihre Hand.

»Du kannst dir Zeit lassen, Jennifer, du bist bei guten Freunden.«

»Das ist wenigstens ein Trost«, flüsterte Jennifer.

»Wie wäre es mit einem Glas Sekt?« fragte Daniel.

»Lieber eine Tasse Kaffee, ich habe noch nicht gefrühstückt.«

»Warum hast du das nicht gleich gesagt, das wird sofort nachgeholt.« Fee ging gleich in die Küche, bevor Jennifer widersprechen konnte.

Jetzt purzelten bei ihr die Tränen. »Hätte Mama doch nur länger bei uns bleiben dürfen, Daniel. Sie fehlt mir, sie hat mir nie so sehr gefehlt wie jetzt.«

Wenn sie leben würde, wäre all das vielleicht gar nicht geschehen, dachte Daniel, zumindest hätte es keine Alice Steiner in Arnos Leben gegeben.

Es dauerte nur ein paar Minuten, bis Fee mit dem Servierwagen zurückkam. Lenni hatte ihr sofort geholfen, alles herzurichten. Fee wußte, daß Daniel auch noch mal zugreifen würde.

Sie freute sich, daß Jennifer es sich schmecken ließ, denn schließlich konnte man Kummer nicht mit Hungern bekämpfen.

Jennifer war danach auch ruhiger, und als Daniel sie bat, alles der Reihe nach zu erzählen, nickte sie zustimmend.

»Ich war auf einem Seminar in Genf, als Papa so überraschend erschien. Er hatte seinen Besuch nicht angekündigt.«

»Vielleicht fürchtete er, daß Sie ihm ausweichen würden.« Daniel sah sie dabei forschend an, aber sie schüttelte den Kopf.