Familienkutsche - Cora Buhlert - E-Book

Familienkutsche E-Book

Cora Buhlert

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Beschreibung

Alex durfte zwar den Minivan behalten, aber er verlor die Familie, für die er die Kiste gekauft hatte, seine Frau Helen und seine kleine Tochter Sandy. Aber obwohl Alex Helen schon lange nicht mehr liebt, wenn er sie denn je geliebt hat, wird er niemals seine Tochter aufgeben. Und Mord ist manchmal eben eine billigere Lösung als eine Scheidung…Dies ist ein Kurzkrimi von 3000 Worten, was etwa 9 Buchseiten entspricht.Dieses Buch gibt es auch auf Englisch unter dem Titel "Family Car".

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Familienkutsche

von Cora Buhlert

Bremen, Germany

Copyright © 2012 by Cora Buhlert

Copyright der Übersetzung © 2014 by Cora Buhlert

Alle Rechte vorbehalten.

Originaltitel: Family Car

Aus dem Englischen übersetzt von Cora Buhlert

Ursprünglich veröffentlicht in newleaf Nr. 10

Pegasus Pulp Publications

Mittelstraße 12

28816 Stuhr

Germany

www.pegasus-pulp.com

Familienkutsche

„Daddy, Daddy”, rief Sandy, sobald sie ihn sah. Die Kleine wäre auch sofort zu ihm gelaufen, wenn ihre Mutter sie nicht zurückgehalten hätte. Der Klang von Sandys Stimme tat Alec in der Seele weh.

Seine Augen trafen die von Helen. Die Farbe ihrer Augen war ein eigentlich warmes Braun, aber dennoch war ihr Gesichtsausdruck kalt wie Eis. Ihr herausstechendstes Merkmal, ihre spitze Nase, ragte wie Dolch aus ihrem Gesicht. Alec sah die Frau an, die er einst geheiratet hatte, und erkannte, wie sehr er sie hasste.

Langsam ging Alec auf seine Familie zu. Sandy riss sich los und umarmte ihn, aber Helen zog sie sofort zurück und drückte das Kind an sich wie einen besonders wertvollen Besitz.

Helen sagte zur Begrüßung nicht mal, „Hallo. Wie geht’s dir so?” Sie schnauzte ihn gleich an.

„Sie fühlt sich schon die ganze Woche nicht wohl”, blaffte Helen, „Ich denke nicht, dass es gut ist, wenn du heute mit ihr weg fährst.”

„Aber ich will doch mit Daddy zum Picknick gehen”, bettelte Sandy.

Helen ignorierte ihre kleine Tochter und fixierte Alec mit ihren harten, kalten Augen.

„Ich denke, du solltest sie nicht mehr so oft sehen”, sagte sie, und da war schon wieder dieser vorwurfsvolle Ton in ihrer Stimme, „Es ist zu verwirrend für sie. Sie ist immer ganz aufgekratzt, wenn sie von den Wochenenden mit dir zurückkommt. Sie will nicht schlafen, sie heult und hält mich die ganze Nacht wach. Wenn das so weiter geht, werde ich mit meiner Anwältin sprechen.”

Alec atmete tief durch und versuchte, den unbändigen Wunsch zu unterdrücken, Helen auf der Stelle zu erwürgen oder einfach seine Faust in ihr Gesicht zu schlagen und ihre viel zu spitze Nase zu zertrümmern.

„Ich habe Rechte, Helen”, sagte er ruhig, ganz ruhig.

„Ich auch. Aber du ignorierst mich und meine Rechte. Den Unterhalt hast du mir auch immer noch nicht geschickt. Wenn der Scheck bis Montag nicht hier ist, werde ich dir das Gehalt pfänden lassen.”

„Helen, es ist für mich im Moment echt nicht einfach.”

„Das ist mir egal. Ich will mein Geld.”

Ihr Blick, hart und kalt, fiel auf sein Auto, einen dunkelgrünen Minivan. „Und ich will das Auto. Ich kann einfach nicht ohne Auto sein, sonst sitze ich hier fest. Und es ist ja nicht so, als ob du diese Familienkutsche noch brauchen würdest.”

Alec zwang sich, ruhig zu bleiben. Er versuchte, Helens dauerndes Nörgeln und ihre ständigen Forderungen zu ignorieren und sich nur auf Sandy zu konzentrieren. Er sog jedes kleine Detail in sich auf. Den kupferroten Locken, die Sommersprossen auf ihren Wangen, die fehlenden Vorderzähne. Und ihre Augen, diese großen, dunklen und unglaublich traurigen Augen. Kein Kind sollte so traurige Augen haben.

„Können wir jetzt los?” fragte er.

„Scheinbar kann ich dich ja wohl nicht davon abhalten. Aber bring sie bis sieben zurück. Ich warne dich, wenn du das Kind nicht rechtzeitig zurückbringst, dann werde ich dir deine Kollegen auf den Hals hetzen. Und glaub’ mir, das willst du nicht erleben.”

Das Kind. Nicht Sandy oder meine Tochter, einfach nur „das Kind”. Als ob Sandy nur ein weiteres ihrer verdammten Besitztümer wäre.

Alec legte den Arm um Sandy, als ihre Mutter sie endlich gehen ließ. Das kleine Mädchen kuschelte sich an ihn, und zum ersten Mal seit einem Monat fühlte Alec sich wieder warm.

„Bis später dann, Helen”, sagte er, obwohl er genau wusste, dass er sie nie wieder sehen würde.

„Und vergiss ja nicht meinen Scheck”, kreischte Helen ihm hinterher, „Ich will mein Geld.”

Sie würde sein Geld nicht kriegen, dachte Alec. Oder sein Haus. Oder sein Auto. Und ganz bestimmt würde sie Sandy nicht kriegen. Nein, Helen würde gar nichts von ihm kriegen. Nur das, was sie verdiente.

Alec fragte sich manchmal, warum er Helen damals überhaupt geheiratet hatte. Was war es nur, das ihn damals an ihr angezogen hatte? Er konnte sich nicht erinnern. Denn hübsch war Helen noch nie gewesen. Und diese Kälte, diese Härte, die waren schon immer in ihr gewesen, nur dass ihm das damals nicht aufgefallen war.