Beschreibung

'Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust' Wer kennt es nicht, das dramatische Schicksal und Handeln des 'Faust'! Es gibt wohl kaum ein Schüler, der ihm nicht einmal in seiner Schulzeit begegnet wäre, für den Bildungsbürger gehört er sowieso zum Kanon. Zurecht! Denn was Johann Wolfgang von Goethe in 60-jähriger Schaffenszeit mit dem 'Faust' zuwege gebracht hat, sucht in der deutschen Dichtung seinesgleichen, lässt sich nur mit dem Begriff der Weltliteratur angemessen fassen und steht auf einer Ebene mit dem 'Don Quijote' oder der 'Göttlichen Komödie'. Faust, der umfassend gebildete Universalgelehrte, befindet sich in einer tiefen Krise bei seiner Suche nach dem, 'was die Welt im Innersten zusammenhält'. Eingesperrt in seine Gelehrtenstube drängt es ihn schließlich bis nahe an den Selbstmord. Nur die Osterglocken retten ihn. Beim berühmten Osterspaziergang wird ihm bewusst, dass er sich nach umfassendem Weltwissen gleichermaßen wie nach irdischer Weltlust sehnt. Da er sich aber von allen irdischen Lebenswerten abgeschnitten sieht, verflucht er das Leben. Hier nun wittert der Teufel in Gestalt des Mephisto seine Chance und bietet Faust einen Pakt an: Würde dieser auch nur einen Augenblick das Leben genießen und dabei verweilen wollen, wäre Fausts Seele auf immer verloren. Faust lässt sich auf den Handel ein und wird von Mephisto nun mit derbsten Sinnesgenüssen überschüttet: Aber sowohl die Studentenrunde in Auerbachs Keller als auch den Spuk in der Hexenküche erträgt Faust nur widerwillig. Erst die Begegnung mit dem nur 14-jährigen Gretchen erweckt in Faust irdisches Verlangen. Nun nimmt das Drama seinen Lauf.

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Seitenzahl: 398

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JOHANNWOLFGANG

GOETHE

FaustI und II

© 2011 Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG,Hamburg

Alle Rechte, auch das der fotomechanischen Wiedergabe(einschließlich Fotokopie) oder der Speicherung aufelektronischen Systemen, vorbehalten.All rights reserved.

Titelabbildung: picture allianceUmschlag: Groothuis, Lohfert, Consorten | glcons.deISBN: 978-3-86820-975-4

www.nikol-verlag.de

Faust – Der Tragödie Erster Teil

Johann Wolfgang Goethe

Faust

Der Tragödie Erster Teil

Zueignung

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.Versuch ich wohl euch diesmal fest zu halten?Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttertVom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,Und manche liebe Schatten steigen auf;Gleich einer alten halbverklungnen Sage,Kommt erste Lieb und Freundschaft mit herauf;Der Schmerz wird neu, es wiederholt die KlageDes Lebens labyrinthisch irren Lauf,Und nennt die Guten, die, um schöne StundenVom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.

Sie hören nicht die folgenden Gesänge,Die Seelen, denen ich die ersten sang;Zerstoben ist das freundliche Gedränge,Verklungen ach! der erste Widerklang.Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,Ihr Beifall selbst macht meinem Herzen bang,Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.

Und mich ergreift ein längst entwöhntes SehnenNach jenem stillen ernsten Geisterreich,Es schwebet nun in unbestimmten TönenMein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich,Ein Schauer fasst mich, Träne folgt den Tränen,Das strenge Herz es fühlt sich mild und weich;Was ich besitze seh ich wie im Weiten,Und was verschwand wird mir zu Wirklichkeiten.

Vorspiel auf dem Theater

DIREKTOR. THEATERDICHTER. LUSTIGE PERSON.

DIREKTOR. Ihr beiden, die ihr mir so oft,In Not und Trübsal, beigestanden,Sagt was ihr wohl in deutschen LandenVon unsrer Unternehmung hofft?Ich wünschte sehr der Menge zu behagen,Besonders weil sie lebt und leben lässt.Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen,Und jedermann erwartet sich ein Fest.Sie sitzen schon, mit hohen Augenbraunen,Gelassen da und möchten gern erstaunen.Ich weiß wie man den Geist des Volks versöhnt;Doch so verlegen bin ich nie gewesen;Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt,Allein sie haben schrecklich viel gelesen.Wie machen wir’s, dass alles frisch und neuUnd mit Bedeutung auch gefällig sei?Denn freilich mag ich gern die Menge sehen,Wenn sich der Strom nach unsrer Bude drängt,Und mit gewaltig wiederholten WehenSich durch die enge Gnadenpforte zwängt,Bei hellem Tage, schon vor Vieren,Mit Stößen sich bis an die Kasse fichtUnd, wie in Hungersnot um Brot an Bäckertüren,Um ein Billet sich fast die Hälse bricht,Dies Wunder wirkt auf so verschiedne LeuteDer Dichter nur; mein Freund, o! tu es heute!

DICHTER. O sprich mir nicht von jener bunten Menge,Bei deren Anblick uns der Geist entflieht.Verhülle mir das wogende Gedränge,Das wider Willen uns zum Strudel zieht.Nein, führe mich zur stillen Himmelsenge,Wo nur dem Dichter reine Freude blüht;Wo Lieb und Freundschaft unsres Herzens SegenMit Götterhand erschaffen und erpflegen.

Ach! was in tiefer Brust uns da entsprungen,Was sich die Lippe schüchtern vorgelallt,Missraten jetzt und jetzt vielleicht gelungen,Verschlingt des wilden Augenblicks Gewalt.Oft wenn es erst durch Jahre durchgedrungenErscheint es in vollendeter Gestalt.Was glänzt ist für den Augenblick geboren;Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.

LUSTIGE PERSON.Wenn ich nur nichts von Nachwelt hören sollte;Gesetzt dass ich von Nachwelt reden wollte,Wer machte denn der Mitwelt Spaß?Den will sie doch und soll ihn haben.Die Gegenwart von einem braven KnabenIst, dächt ich, immer auch schon was.Wer sich behaglich mitzuteilen weiß,Den wird des Volkes Laune nicht erbittern;Er wünscht sich einen großen Kreis,Um ihn gewisser zu erschüttern.Drum seid nur brav und zeigt euch musterhaft,Lasst Phantasie, mit allen ihren Chören,Vernunft, Verstand, Empfindung Leidenschaft,Doch, merkt euch wohl! nicht ohne Narrheit hören.

DIREKTOR. Besonders aber lasst genug geschehn!Man kommt zu schaun, man will am liebsten sehn.Wird vieles vor den Augen abgesponnen,So dass die Menge staunend gaffen kann,Da habt Ihr in der Breite gleich gewonnen,Ihr seid ein vielgeliebter Mann.Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen,Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!Solch ein Ragout es muss Euch glücken;Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.Was hilft’s, wenn Ihr ein Ganzes dargebracht,Das Publikum wird es Euch doch zerpflücken.

DICHTER.Ihr fühlet nicht, wie schlecht ein solches Handwerk sei!Wie wenig das dem echten Künstler zieme!Der saubern Herren PfuschereiIst, merk ich, schon bei Euch Maxime.

DIREKTOR. Ein solcher Vorwurf lässt mich ungekränkt;Ein Mann, der recht zu wirken denkt,Muss auf das beste Werkzeug halten.Bedenkt, Ihr habet weiches Holz zu spalten,Und seht nur hin für wen Ihr schreibt!Wenn diesen Langeweile treibt,Kommt jener satt vom übertischten Mahle,Und, was das Allerschlimmste bleibt,Gar mancher kommt vom Lesen der Journale.Man eilt zerstreut zu uns, wie zu den Maskenfesten,Und Neugier nur beflügelt jeden Schritt;Die Damen geben sich und ihren Putz zum BestenUnd spielen ohne Gage mit.Was träumet Ihr auf Eurer Dichter-Höhe?Was macht ein volles Haus Euch froh?Beseht die Gönner in der Nähe!Halb sind sie kalt, halb sind sie roh.Der, nach dem Schauspiel, hofft ein Kartenspiel,Der eine wilde Nacht an einer Dirne Busen.Was plagt ihr armen Toren viel,Zu solchem Zweck, die holden Musen?Ich sag Euch, gebt nur mehr, und immer immer mehr,So könnt Ihr Euch vom Ziele nie verirren,Sucht nur die Menschen zu verwirren,Sie zu befriedigen ist schwer – –Was fällt Euch an? Entzückung oder Schmerzen?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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