Fettnäpfchenführer Berlin - Rike Wolf - E-Book

Fettnäpfchenführer Berlin E-Book

Rike Wolf

4,3

Beschreibung

Berlin ist die In-Metropole Europas - wenn nicht sogar der ganzen Welt - und der Berlin-Hype ist längst in vollem Gange. Doch die Multikulti-Stadt hat noch sehr viel mehr zu bieten als die üblichen Touristen-Hotspots und hippe Latte-macchiato-Cafés. Berlin ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Lebensweisen, in dem nichts so richtig zusammenpasst - und eben das passt perfekt.

Begleiten Sie Autorin Rike Wolf im Fettnäpfchenführer Berlin durch die Kieze der Hauptstadt und lernen Sie deren liebevolle und oft skurrile Eigenheiten kennen. Erleben Sie Geheimtipps und Lieblingsorte aus erster Hand und werden Sie selbst zum waschechten Berliner - auf Zeit oder für immer.


Der »Fettnäpfchenführer Berlin« zeigt Ihnen alle liebenswerten Eigenheiten der Hauptstadt. Hitlisten verraten, was sich beim Berlinbesuch lohnt und was nicht, Do-it-yourself-Insidertipps helfen Ihnen, die Hotspots, Kneipen und Highlights zu finden, die sonst nur die Berliner kennen, und offenbaren, wie und wo man die Stadt hautnah erleben kann.

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Fettnäpfchenführer Berlin

Es heißt, in Rom solle man sich wie die Römer verhalten. In Berlin ist es gar nicht so einfach, sich wie ein Berliner zu verhalten, denn viele Berliner sind in Wirklichkeit gar keine. Und überhaupt passt in der deutschen Hauptstadt nichts zusammen. Doch gerade das passt perfekt. Berlin ist exzentrisch und ist bieder. Berlin macht sehnsüchtig und Berlin ist gefährlich. Berlin verführt, strapaziert, raubt einem den letzten Nerv und macht alles wieder gut. Berlin packt jeden und lässt keinen wieder los.

Der Fettnäpfchenführer Berlin gibt Tipps für den unausweichlichen Umgang mit altersschwachen Bahngleisen und endlosen Baustellen. Mit Souvenir-Neppern, Verrückten und Kriminellen. Er erklärt Ihnen, was Sie nicht sagen dürfen, wenn Sie um »Neuro für Sterni« gebeten werden. Wie Sie die Gesichtszüge unter Kontrolle behalten, wenn Ihnen Schweineohrensalat serviert wird. Und worauf Sie vorbereitet sein sollten, wenn Sie dem Hundehaufensprayer und den Salamischreiern begegnen.

Ein Buch voll indiskretem Tratsch und Klatsch aus der Berliner Schwulenszene, packenden Stories von Juden, Russen, Hipstern und Herthanern und verliebt machenden Parks, Brücken, Clubs, Cafés und Kneipen, die selbst unter Berlinern als Geheimtipp gelten.

Widmung

Für Barbara, Berliner Taxifahrerin und Engel inkognito

Danke für Eure Mitarbeit:

Patricia, Amir, Frank, Fred, Heiko, Igor, Tom und Torsten.

Inhalt

Karte

Einleitung

***

1 - Baustelle Berlin

2 - Berlin am Wasser

3 - Berlin im Film

4 - Berlin international

5 - Berlin relaxt

Top Ten: Lieblingscafés und -kneipen

6 - Berliner Architektur

7 - Berliner Armut

8 - Berliner Brachen

9 - Berliner Juden

10 - Berliner Mauer

11 - Berliner Ossis und Wessis

12 - Berliner Schnauze

13 - Berliner Schwaben

14 - Berlins Ampelmännchen

Top Ten: Berlin beim ersten Mal

15 - Berlins Brennpunkt: Neukölln

Top Ten: Die sehenswertesten Kieze Berlins

16 - Berlins Festivals

17 - Berlins Fußball

18 - Berlins Galerien

19 - Berlins Gedenkkultur

20 - Berlins Hipster

21 - Berlins Kaufhaus

Top Ten: Lieblingsläden in Berlin

22 - Berlins Kinder an die Macht

23 - Berlins Nahverkehr

24 - Berlins Off- und On-Bühnen

25 - Berlins Promivorort Potsdam

26 - Berlins Russen

27 - Berlins Schwule

28 - Berlins skurrile Küchen

29 - Berlins Spiris

30 - Berlins Street-Art

31 - Berlins Strich

32 - Berliner Tourismus

Top Ten: Was man in Berlin besser lassen sollte

33 - Berlin und die Wildnis

34 - Berlins wilder Sperrmüll

35 - Gentrifizierung in Berlin

36 - Hunde in Berlin

37 - Straßenmusik in Berlin

38 - Verbrechen in Berlin

***

Epilog

Autorin Rike Wolf

Impressum

Karte

Einleitung

Berlin hat mehr Tourismus als Rom. Berlin hat 60 Milliarden Euro Schulden. Berlins künftiger Flughafen BER soll ein Jahresvolumen von 27 Millionen Reisenden gewuppt kriegen. In Berlin haben Preußenkönige, Nazis und Sozialisten regiert. Berlin ist Hauptstadt. Berlin ist das New York City der BRD. Berlin ist eine Aussichtsplattform, auf der man sieht, wie groß die Welt ist, wie riskant und wie lebendig. Berlin kann schockierend hässlich sein, zeigt alles und beschönigt nichts. In Berlin gehen Menschen zugrunde. In Berlin werden Stars geboren. Berlin ist berauschend, im Schrecklichen wie im Schönen. Berlin macht, dass man alles mit anderen Augen sieht. Berlin hat die größten Probleme. Und die meisten Verliebten.

Für einen Trip in die Hauptstadt gibt es viele gute Gründe. Eine Modern-Art-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Shopping auf dem Potsdamer Platz. Bei der Nacht der Wissenschaften oder der Nacht der Museen dabei sein. Oder die Mauer sehen. Und mit eigenen Händen einen Beton berühren, der vom Herrschaftszeichen einer Diktatur des Kalten Krieges zum Symbol der Befreiung wurde. Aus der ganzen Welt kommen Menschen, die an die Freiheit glauben, zur Berliner Mauer.

Berlin ist die Stadt der Künstler und eine Studentenstadt. Wer neu nach Berlin kommt, glaubt, dass er jetzt in der Hauptstadt lebe, würde die Welt aus den Angeln heben. Und sei das größte Ereignis des Jahres. Und müsste eigentlich in die Nachrichten kommen. Das hängt mit dem »Hype«, also der großen Erwartung zusammen und ist ganz normal und geht erst mal jedem so. Es geht auch von allein wieder weg. Und das meistens sehr schnell. Nach der ersten Euphorie merkt man, dass Berlin weniger ein Freund, als eher ein knallharter Trainer ist. Der einen völlig auspowert, damit man nicht nur vom Starksein redet, sondern stark wird. Wie in Rocky oder Million Dollar Baby. Viele, die abspringen, umgibt zu Hause noch der geheimnisvolle Nimbus, mal in Berlin gelebt zu haben. Und von denen, die geblieben sind, hört man, dass sie nirgendwo anders mehr leben könnten, weil keine andere Stadt so intensiv ist. Weil es in Berlin immer um alles geht. Jede Minute. Jeden Tag.

Dieses Buch zeigt Berlins Menschen. Wer sie sind, wo sie sind und was im Umgang mit ihnen und der Stadt total schiefgehen kann. Dieses Buch wird nicht verhindern können, dass man einen Neuberliner als Neuberliner erkennt und einen Touri als Touri. Aber es stellt seinen Leserinnen und Lesern die Spleens und Fettnäpfchenfallen Berlins vor, sodass sie nicht mehr reintreten müssen. Das verschafft einen Vorsprung. Und in der schnellsten Stadt Deutschlands ist ein kleiner Vorsprung ganz nützlich.

Zigarettenfabrikant Reemtsma erläutert die Herkunft des Wortes »Fettnäpfchen« so: In Bauernhäusern des Erzgebirges stand zwischen Tür und Ofen ein Fettnäpfchen, mit dessen Inhalt die nassen Stiefel geschmiert wurden. Wer das Fettnäpfchen umkippte und so Fettflecken auf der Diele verursachte, zog sich den Unwillen der Hausfrau zu.

Den Leserinnen und Lesern dieses Buches viel Spaß, und dass sie der Liebling ihres Trainers werden mögen.

1 - Baustelle Berlin

Die Fahrt nach Berlin verlief ereignislos, bis auf die Tatsache, dass im ADAC-Postbus der Kaffeeautomat mal wieder kaputt war. Als der Busfahrer den Berliner Ring verließ, machte sich unter den Fahrgästen ein Anflug von Verunsicherung bemerkbar. Ich sah aus dem Fenster. Am dunklen Himmel leuchtete eine Neonschrift: »Autohaus Tegel«. Das war falsch. Der Berliner ZOB lag im Westend. Jetzt wurde ich auch nervös. Schließlich meldete sich der Fahrer über Lautsprecher und erklärte, wegen nächtlicher Bauarbeiten auf der Stadtautobahn müssten wir einen Umweg machen. Der Bus hatte über fünfundzwanzig Minuten Verspätung, als wir im ZOB einfuhren. Aber der Funkturm erleuchtete die Nacht, und ich freute mich auf Berlin. Ganz in der Nähe, an der Haltestelle Kaiserdamm, fuhr die U2 Richtung Pankow. Das war die rote U-Bahn-Linie, die am Zoologischen Garten und am Alexanderplatz hielt. Ich würde ins Herz der deutschen Hauptstadt fahren. Beschwingt zog ich los.

Die Fahrt war kurz. Nach ein paar Minuten fuhr die U-Bahn im Bahnhof Bismarckstraße ein und blieb mit offenen Türen auf dem Gleis stehen. Eine Lautsprecherdurchsage hallte über den Bahnsteig. Alles stieg aus. Ohne eine Ahnung, wohin es danach ging, lief ich den anderen zum Ausgang hinterher. Auf der Treppe war ein junges Pärchen neben mir. Sie unaufhörlich vor sich hinschimpfend, er die besonnen-beruhigende Hälfte. Der Aussprache nach waren beide Berliner. Sie wollten zum Alex, genau wie ich, und sagten mir, es müsse irgendwo ein Bus warten, der die Fahrgäste der U-Bahn weiterbefördert. Den Bus müssten wir jetzt finden. Zielstrebig überquerten sie die Straße.

»Wisst ihr, wo wir hin müssen?«, fragte ich.

»Ick hab keen Schimmer«, sagte die junge Frau.

»Und warum fährt die U-Bahn nicht weiter?«, fragte ich.

»Pendelverkehr. Weil sie die Gleise neu machen«, sagte ihr Freund. Beide verschwanden in der Nacht.

Beunruhigt blieb ich stehen. Mein Gefühl sagte mir, dass sie in die falsche Richtung liefen. Ich drehte mich um und nahm die Gegenrichtung. Vor mir lag eine gähnend leere Fußgängerzone. Hier hielt kein Bus. Ohne noch mehr Zeit zu verlieren, rannte ich zum U-Bahnhof zurück. Die anderen Mitfahrer standen an einer zugigen Bushaltestelle. Mir taten die Füße weh, als ich dazukam. Ein paar rauchten. Die meisten schwiegen. Es ging auf elf Uhr zu. Jeder war erschöpft. Alle waren verwirrt. Keiner hatte mehr Lust. und alle wollten nach Hause. Es erinnerte an eine fehlorganisierte Kindergeburtstagsrallye. Aus der Dunkelheit tauchte ein Bus auf, der während der Fahrt schepperte, als würde er jeden Moment zusammenbrechen. Wahrscheinlich holten sie für solche Einsätze noch mal die ganz alten Dinger aus der Garage. Um zu erfahren, ob der Bus bis zum Alex fahren würde, sprach ich eine ältere Dame neben mir an. Sie erklärte mir, der Bus führe bis Wittenbergplatz. Allerdings würden wir nicht auf direktem Weg hinfahren.

»Und warum nicht?«, wollte ich wissen und erfuhr, dass der Kurfürstendamm zur Zeit auf einer Fahrspur wegen Ausbesserung mehrerer Schlaglöcher gesperrt sei.

»Und wohin geht es vom Wittenbergplatz aus weiter?«, fragte ich.

Sie zuckte die Achseln und antwortete: »So weit es eben geht.« Das klang weise.

Dann hielt der Bus. Wieder mussten alle raus. Ich beschloss, nicht auf mein Gefühl zu hören, und lief ohne nachzudenken dem Trupp hinterher.

Vor dem Bahnhof Wittenbergplatz standen zwei Sicherheitsleute der Berliner Verkehrsbetriebe, kauten Anabolika-Kaugummis und glaubten mir nicht. Ich sagte ihnen noch mal, am Bahnhof Bismarckstraße hätte ruhig jemand von der BVG den Leuten den Weg zum Bus zeigen können. Aber es sei niemand dagewesen.

Nichts regte ihre Mienen. Schließlich sagte der eine: »Theoretisch müsste da einer stehen.« Theoretisch? Ich kam mir leicht veralbert vor.

»Sonst könn Se ja zur Säule da gehn«, meldete sich der andere und zeigte auf etwas hinter mir. »Drückn Se uff’m jelm Knopp.« Auf den gelben Knopf drücken? Das Ding war eine Notrufsäule. Nein, lieber nicht.

Von Wittenbergplatz fuhren Züge der grünen Linie U1 und der roten Linie U2. Vom Bahnsteig der Linie U1 fuhr, laut Anzeigetafel, heute Nacht ausnahmsweise die Linie U2 nach Pankow. Also zum Alexanderplatz. Also zum Ziel. Erleichtert stieg ich in den wartenden Zug, plumpste fußlahm mit Reisetasche auf eine Bank und entdeckte das Pärchen vom U-Bahnhof Bismarckstraße.

»Is dit allet eene Scheiße!«, gähnte sie.

»Na, immerhin sitzen wir im richtigen Zug«, sagte er.

Leider bewies die Einfahrt in den nächsten Bahnhof das Gegenteil. Die U-Bahn hielt Kurfürstenstraße, wir saßen in der U1, der Linie, die weit draußen in Dahlem endet. Fluchtartig verließen wir das Abteil. Eine knappe halbe Stunde vor Mitternacht fanden wir in den labyrinthartigen Gängen des Bahnhofs eine U-Bahn, die uns zurück zum Wittenbergplatz brachte. Fest entschlossen, keinen Fehler mehr zu machen, suchte ich nach den beiden BVGlern mit dem gelben Knopf. Die mochten sich inzwischen ein Beispiel an den Kollegen von der Bismarckstraße genommen haben, jedenfalls standen sie nur noch theoretisch da, praktisch nicht. Aber zwei dunkelblau Uniformierte fielen mir auf.

»Sind Sie von der BVG?«, fragte ich. Höflich bejahendes Nicken.

»Würden Sie mir bitte den Zug zum Alexanderplatz zeigen?«, fragte ich. Man eskortierte mich zum richtigen Bahnsteig.

»Der Zug Richtung Pankow fährt von diesem Gleis«, sagte der freundliche Herr und seine Kollegin nickte vertrauenerweckend. Tatsächlich kam zwei Minuten später ein Zug der Linie U2. Vorne drauf stand »Ruhleben«, was die entgegengesetzte Richtung zu Pankow ist. Mein Gefühl riet dringend davon ab, einzusteigen. Ich beschloss, nicht auf mein Gefühl zu hören. Vor der Einfahrt in den Bahnhof Gleisdreieck ertönt eine Zugdurchsage. Übermüdet wie ich war, verstand ich: »Bitte übernachten Sie beim Aussteigen«, und wurde mit einem Schlag wach. Zwei japanische Berlinbesucher saßen mir gegenüber. Wahrscheinlich hatten sie eine ähnliche Odyssee wie ich hinter sich, denn als die Durchsage begann, schauten sie mich forschend an. Pendelverkehr? Gleisarbeiten? Schlaglöcher? Mussten wir wieder geschlossen raus? Endlich verstand ich, was die Stimme sagte. »Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante.« Alle blieben sitzen und gleich folgte die englische Übersetzung: »Please mind the gap between platform and train.« Die Gesichter der Japaner entspannten sich.

Endlich am Alex angekommen, fühlte ich Heldenstatus. Wegen nichts als dem Erreichen des richtigen Bahnhofs? Musste so eine Art Hauptstadteffekt sein. Die Fahrkartenkontrolleure nahm ich als Empfangskomitee. Wo ich denn eingestiegen sei, fragte der eine, mein Fahrschein sei nur zwei Stunden gültig, die seien aber schon um. Weitere zehn Minuten lang erklärte ich, was hinter mir lag. Man glaubte mir. Das sparte vierzig Euro.

»Ich hoffe, die sind bald fertig mit den Bauarbeiten«, seufzte ich.

Die Kontros, bisher freundlich, sahen mich an, als würden sie gleich die Polizei holen, weil sie eine Verrückte vor sich hatten. »Wat, die und fertich werden?«, fragte der eine heiser. »Vergessen Sie’s! Det hört niemals uff, niemals!«

Berlin – endlose Baustelle

Dreißig Minuten länger als planmäßig im Reisebus sitzen zu müssen ist zwar ärgerlich, aber für Berliner Verhältnisse eine vergleichsweise komfortable Verspätung. Wenn am Alexanderplatz wegen Sanierungsarbeiten tagelang der gesamte S-Bahn-Verkehr eingestellt werden muss, ist das eine Meldung, die es sofort auf Seite eins sämtlicher Berliner Tageszeitungen schafft. Vom ersten Morgen der Bauarbeiten an bis zum Abschlusstag grassiert dann in der Stadt ein akutes Nervenfieber. Die Baustellenproblematik der deutschen Hauptstadt ähnelt dem Ärger, den man mit einem alten Auto hat. Immer werden Reparaturen genau dann fällig, wenn man den Wagen am dringendsten braucht. Ganz heil wird er nie, weil stets nur das Nötigste geflickschustert werden kann, die Rechnungen der Werkstatt übersteigen trotzdem längst den Kaufpreis für ein neues Auto, aber wirklich eins zu kaufen, dafür fehlt das Geld. Zu den anfälligsten verkehrstechnischen Altlasten Berlins gehören die maroden Gleisanlagen des Personennahverkehrs, Witterungsschäden und Schlaglöcher im Straßenasphalt der gesamten Stadt und die überlasteten Berliner Brücken und Autobahnen.

Wer länger in der Hauptstadt lebt, lernt das Wort »Schienenersatzverkehr« (SEV) kennen und fürchten. Gemeint ist der ersatzweise Einsatz von Bussen und Regionalzügen, solange bestimmte Streckenabschnitte des Schienennetzes saniert werden. Auch der sogenannte »Pendelverkehr« der U-Bahnen gehört dazu: Bei den vorzugsweise nächtlichen Bauarbeiten in U-Bahn-Tunneln setzt die BVG (Berliner Verkehrsgesellschaft) bis in die frühen Morgenstunden Pendelzüge ein, die nur in einer Richtung auf verkürzten Strecke der Linie hin- und herfahren. Es gehört robuste Gelassenheit dazu, sich spätabends nach einem langen Arbeitstag auf einen unerwarteterweise völlig veränderten Heimweg einzustellen. Das berühmte »dicke Fell« könnte eine Berliner Erfindung sein. Für Berlintouristen stellt sich das häufig als Überforderung dar, zumal die SEV-Haltestellen der Busse manchmal weit von den S-Bahnhöfen entfernt liegen. Kommen die Regionalzüge des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) entlastungshalber zum Einsatz, sind sie oft so überfüllt, dass die Anzahl der Türen für die Zusteigenden nicht reicht. Nicht selten müssen Bahnmitarbeiter eingreifen, um den Andrang der Massen zu ordnen. Was zu weiteren Verspätungen führt. Oft wird empfohlen, Baustellen mit der Berliner Ringbahn zu umfahren. Doch auch die Ringbahn ist schnell überfüllt. Der Forderung des Fahrgastverbandes, endlich Züge mit acht Wagen statt der üblichen sechs einzusetzen, wurde bisher nicht gefolgt. Zum einen, weil die nötige Anzahl an Wagen fehlt. Zum anderen, weil einige Ringbahnhöfe für so lange S-Bahn-Züge zu kurze Bahnsteige haben und die Fahrgäste schlecht mitten auf den Gleisen aussteigen können. Werden Berlins Schienen nach all dem Ärger wenigstens irgendwann ein für allemal repariert sein? Die Prognosen fallen pessimistisch aus. Länger als 15 Jahre halten die Sanierungen meistens nicht.

Also doch lieber BMW statt BVG? Leider ist auch der Zustand von Berlins Straßen wenig ermutigend. Der Verkehr auf stark frequentierten Strecken führt regelmäßig dazu, dass der Asphalt einfach absackt. Eins der bekanntesten Beispiele ist die Potsdamer Straße in Tiergarten, einem der Bezirke in denen ständig Geld für Instandhaltung fehlt. An der Kreuzung Pohlstraße sackte nach Erneuerung der Wasserrohre die ganze Straße ab. Die Instandsetzung des Asphalts auf der gesamten Kreuzung hielt keine sieben Jahre, danach war der Belag wieder hinfällig. Nach Sanierungsarbeiten am Reichpietschufer, zwischen Schöneberger Straße und Köthener Straße, sackte die linke Spur vor der Köthener Brücke ab. Berliner Zeitungen berichteten darüber, wie der Papst bei seinem Berlinbesuch an dieser Stelle mit dem Wagen buchstäblich abhob.

Ein weiteres Dauerproblem sind die witterungsbedingten Straßenschäden und Schlaglöcher. Regen, Schneefälle und Temperaturschwankungen bringen die oft nur provisorisch befestigten Straßen Berlins in einen besorgniserregenden Zustand. Oft müssen Fahrspuren gesperrt werden. Verkehrsstaus und Auffahrunfälle sind die Folge. Allein von Verkehrsteilnehmern werden der Stadt jedes Jahr ein paar hundert Straßenschäden gemeldet. Immer wieder einzelne Schlaglöcher zu stopfen ist unterm Strich teurer als eine großflächige Sanierung. Doch für die ist kein Geld da. Hier sollte das »Schlaglochsonderprogramm« der Stadt mit zweistelligen Millionenbeträgen helfen. Allerdings werden die Mittel Jahr für Jahr gekürzt, meistens mit der Begründung, die milder werdenden Winter würden weniger Schäden am Asphalt anrichten. Die betroffenen Bezirke sprechen von einem fatalen Irrtum. Vielerorts ist der Straßenbelag so marode, dass langfristig nur noch 30 km/h gefahren werden könnten, wenn nicht bald endlich richtig saniert wird. Auch wenn Berlin im deutschen Städtevergleich die wenigsten Autos hat, ist die Vorstellung von weit über einer Million Personenkraftwagen, die auf einspurigen Fahrbahnen und in kilometerlangen 30er-Zonen dahinkriechen doch ziemlich erschreckend und für immer mehr Berliner ein Grund, aufs Fahrrad umzusatteln.

Do it yourself

Um das Nacherleben solcher oder ähnlicher Szenerien kommt man in Berlin ohnehin nicht herum. Wer sich dennoch gezielt informieren möchte, findet unter www.meinestadt.de und www.ls.brandenburg.de Hinweise auf aktuelle Verkehrsstörungen im Berliner Liniennetz.

2 - Berlin am Wasser

Die alte Brücke zierte ein Schild, dessen Schrift ich einfach nicht entziffern konnte. Die ersten vier Buchstaben waren klar, die ergaben das Wort »Ober«. Und dann kam der Buchstabe P.

»Entschuldigung«, fragte hinter mir jemand. »Kannst du mir sagen, wo es zum Badeschiff geht?«

»Tut mir leid«, sagte ich. »Keine Ahnung.« Aber wie schmeichelhaft, als Neuberlinerin für ortskundig gehalten zu werden. Wo war ich stehengeblieben? »Ober« und danach ein P. Es konnte allerdings auch ein F sein. Aber was war das für ein Wort? »Preinr«? Oder »Freinr«? Das ergab doch überhaupt keinen Sinn.

»Hi! Entschuldigung?«, hörte ich den Nächsten fragen. »Hier soll irgendwo das Badeschiff sein, weißt du wo?«

Oder »Prchen«, dachte ich. Aber »Prchen« ist kein Wort. Ich drehte mich um. »Tut mir leid, weiß ich nicht«, sagte ich bedauernd.

Die beiden hatten sogar Luftmatratzen unter dem Arm. Ich sah ihnen nach. Schien nett zu sein, wo die hinwollten.

Was die Inschrift anging, vertiefte sie zumindest mein Mitgefühl mit den Analphabeten. Eine Frau schob ihr Fahrrad auf mich zu. Ein buntes Tuch im Nacken zusammengeknotet, am Lenker eine bunte Korbtasche.

»Wissen Sie zufällig, wie diese Brücke heißt?«, fragte ich. »Ich krieg einfach nicht raus, was auf dem Schild steht.«

»Da muss ich leider passen«, sagte sie. »Ich hab auch eine Frage. Wissen Sie, wo das Badeschiff ist?«

»Nein«, sagte ich. »Aber es kann nicht weit sein.«

Allet fließt

Wie ein schillernder Swimmingpool auf der Spree sieht das Treptower Badeschiff aus. Borofskys Molecule Man in Sichtweite, sitzt man bei Cocktails und kleinen Snacks zusammen. Wenn alle Besucher gleichzeitig Lust hätten, schwimmen zu gehen, würde der Überlaufschutz des Pools wahrscheinlich kapitulieren. Zum Glück ist gesehen werden wichtiger und Liegestühle reichlich vorhanden. Der ehemalige Betriebshof der Allgemeinen Omnibus AG (ABOAG) ist heute Teil der Treptower Arena, in der auch das Badeschiff im Sommer geöffnet hat. Industrieruinen bilden den Hintergrund des Geländes, das mit wenig Mitteln und dem typischen Berliner Trash-Charme zum Lieblingstreffpunkt für Berlinbesucher und alle, die schon im Urlaub waren, oder sich dies Jahr keinen Urlaub leisten können, geworden ist.

Badeschiff • In der Sommersaison (Mai–September) 8–0 Uhr • Tageskarte Erwachsene 5 €, ermäßigt 3 €, Kinder (6–12 Jahre) 2 € • Eichenstraße 4, Treptow • U-Bahn: Schlesisches Tor oder S-Bahn: Treptower Park • www.arena.berlin/portfolio/badeschiff

Durch kreativen Einsatz von Neuberliner Seite hat Treptow sich zum Kiez der szenigsten Uferplätze gemausert. Unter der Brücke mit dem unentzifferbaren Schild, bei der es sich um die Freiarchenbrücke von 1893 handelt, liegt der Club der Visionäre. Unter Weidenzweigen sitzen die Gäste bei Musik und Cocktails auf dem schaukelnden Anleger.

Club der Visionäre • Mo–Fr ab 14 Uhr, Sa/So ab 12 Uhr • Am Flutgraben 1, Treptow • U-Bahn: Schlesisches Tor oder S-Bahn: Treptower Park • www.clubdervisionaere.com

Ein Stück weiter ragt in Sichtweite der Steg des Freischwimmers aufs Wasser. Ein Bootshaus und malerisch eingerichtete Gästeräume lassen einen vergessen, dass man mitten in einer Millionenstadt lebt.

Freischwimmer • Mo–Fr ab 12 Uhr, Sa/So ab 10 Uhr, im Winter Di–Fr ab 10 Uhr • Vor dem Schlesischen Tor 2a, Kreuzberg • U-Bahn: Schlesisches Tor oder S-Bahn: Treptower Park • www.freischwimmer-berlin.com

Hinter dem Badeschiff hat die Hoppetosse festgemacht. Das alte Dampfschiff hat auf Café-, Bar- und Restaurantbetrieb umgerüstet, strahlt den Charme der Subkultur aus und wird von Berlinern jeden Alters wegen der entspannten Atmosphäre an Bord geliebt.

MS Hoppetosse • Mo–Fr 12–5 Uhr, Sa 14–5 Uhr, So 11–5 Uhr • Eichenstraße 4, Treptow • U-Bahn: Schlesisches Tor oder S-Bahn: Treptower Park • www.hoppetosse.berlin

In Mitte erreicht man die schönsten Uferwege der Spree am einfachsten vom S-Bahnhof Hackescher Markt aus. Der James Simon Park [Hackescher Markt], benannt nach Berlins Museumsmäzen, liegt gegenüber dem Ufer der Museumsinsel. Gleich nebendran findet sich noch eine stille Oase im Großstadtgetriebe, der Monbijoupark [Hackescher Markt] in der Oranienburger Straße. Wer von Berlin einen nostalgisch-romantischen Eindruck mitnehmen will, sollte Zeit für einen Spaziergang an den Uferwegen einplanen.

Aber auch der Tiergarten [Potsdamer Platz], Berlins größter Stadtpark, liegt nicht auf dem Trockenen. Ein Spaziergang den Großen Weg entlang führt vielerorts ans Wasser des Landwehrkanals. Auch zur Luiseninsel lockt der Charme längst vergangener Zeiten. Zu Ehren Königin Luises, die hier gern spazieren ging, wurde eine künstliche Insel aufgeschüttet und in ein Blumenparadies verwandelt. Man erreicht die Luiseninsel zu Fuß vom Potsdamer Platz aus Ecke Tiergartenstraße und Stauffenbergstraße.

Zu einem perfekten Tag im Tiergarten gehört das Café am Neuen See, ganz in der Nähe des Zoos. Im weißen Pavillon ist das ganze Jahr Gastronomiebetrieb, sommers hat draußen der Biergarten geöffnet. Das Café am Neuen See vermietet Tretboote und es kommt gar nicht so selten vor, dass man vom Boot aus echte, lebende Schildkröten beobachten kann.

Café am Neuen See • Restaurant täglich ab 9 Uhr, Biergarten Mo–Fr ab 11 Uhr, Sa/So ab 10 Uhr • Lichtensteinallee 2, Tiergarten • S-Bahn: Zoologischer Garten • www.cafeamneuensee.de

Zum Abschluss unbedingt noch den Schleusenkrug besuchen, der gleichfalls in der Nähe von Zoo und Bahnhof Zoo liegt. Das Gartencafé mit Blick auf die Schleuse gehört zu den gemütlichsten Ausflugszielen Berlins.

Schleusenkrug • Täglich 10–23 Uhr • Müller-Breslau-Straße, Charlottenburg • S-Bahn: Zoologischer Garten • www.schleusenkrug.de

So schön er ist, der Landwehrkanal hat’s nicht leicht. Im Tiergarten sieht man davon noch nichts, aber in Kreuzberg hat er schwer zu kämpfen. Grund sind die maroden Ufer, die seit Jahren Anwohner und Senat in Atem halten. Es hat sich eine scheinbar unendliche Geschichte der Sanierungsprobleme daraus entwickelt, den Kanal einerseits weiterhin touristisch nutzbar zu erhalten und andererseits dabei gleichzeitig die Uferbefestigung vor dem Absacken zu bewahren.

Als im Frühjahr 2007 unter der Ankerklause [Kottbusser Damm, Kreuzberg • U-Bahn: Kottbusser Tor oder Schönleinstraße] die Kanalwand absackte, gingen Taucher dem Problem zum ersten Mal auf den Grund. Sie fanden genug versenkte Sofas, um sämtliche Cafés Kreuzbergs damit auszustatten. Auch an versenkten Fernsehgeräten mangelte es nicht. Und schließlich stellten sie fest, dass die Ufermauer auf einer Länge von annähernd elf Kilometern baufällig war. 1850 eröffnet und bis 1890 erweitert, war die denkmalgeschützte Anlage auf den Ansturm des Dampfschiffverkehrs nicht vorbereitet und drohte, daran buchstäblich zugrunde zu gehen. Der Landwehrkanal, seinerzeit zwei Meter tief gebaut, ist streckenweise um fast einen Meter abgesackt und unterspült die Uferwände.

Aber wurde deshalb der Schiffsverkehr reduziert? Nein. Stattdessen forderte das Wasser- und Schifffahrtamt, 200 Bäume zu fällen, die auf der Ufermauer wuchsen. Begründung: das Gewicht der alten Kastanien sei zu schwer. Natürlich wehrten sich die Anwohner. Bürgerinitiativen wurden gegründet, es gab massiven Protest. Am Ende wurden nur 37 Bäume gefällt, und eine wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass das Wurzelwerk der Kastanien die Ufermauer stütze, also zu ihrer Stabilität einen unverzichtbaren Beitrag leiste.

Dafür musste sich die Stadt Berlin der peinlichen Frage stellen, wofür die 300.000 Euro eigentlich ausgegeben worden seien, die ein hochdotiertes Mediationsverfahren zur Rettung der gefährdeten Kanalufer gekostet hatte. Zwar war viel von »Realisierungsvarianten« und »Zielvarianten« zu lesen, doch beschlossen wurde nichts. Wahrscheinlich ging es bei der Interessenvertretung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu stur in die falsche Richtung – denn dass weniger Schiffsverkehr die beste Maßnahme für die Ufermauern wäre, tauchte als Option gar nicht erst auf. Auf den Vorwurf, es seien Steuergelder verschwendet worden, reagierte das Amt schweigsam.

Auch wenn im Fall des Landwehrkanals weniger sicherlich mehr wäre, sind Dampferfahrten durch Berlin eine schöne Möglichkeit, die Stadt kennenzulernen. Auf den Fähren der BVG kann man mit normalem Fahrschein vom Ufer ablegen. Ist man in Treptow unterwegs, zum Beispiel zur romantischen Insel der Jugend (»Liebesinsel«), sieht man häufig weiße Dampfer mit einem Symbol, das leicht russisch-nostalgisch anmutet: Stern und Kreis ist ein Berliner Schifffahrtunternehmen mit Sitz in Alt-Treptow, das 1888 gegründet wurde. Im geteilten Berlin fuhren Stern-und-Kreis-Dampfer nur im Westteil der Stadt. Nach der Wiedervereinigung wurde das Unternehmen mit der Weißen Flotte aus Ostberlin vereint. An 80 Anlegestellen – bis zum Wannsee und zum Müggelsee – fährt heute eine Flotte von über dreißig Schiffen mit jährlich mehr als einer Million Fahrgästen an Bord.

Do it yourself

Das Angebot der Schiffstouren reicht von der Architektur-Tour bis zur Erkundung der City von Berlin und den Berliner Brücken. Vom Wasser aus kann das jährliche Event »Berlin leuchtet« bestaunt werden. Es gibt Sommernachtsfahrten und eine eigene Eastside-Tour. Mehr Infos zur Eastside-Tour unter http://bwsg-berlin.de/fahrplan/east-side-tour. Karten für die Sommernachtsfahrt (und viele andere Eventdampfertouren) über www.berlin.de bestellbar.

Berlin leuchtet: Berlin leuchtet, wenn die dunkle Jahreszeit beginnt. Lichtkünstler aus der ganzen Welt machen öffentliche Gebäude der Stadt mit aufwendigen Projektionen etwa zwei Wochen lang zu Kunstwerken.

Das Lichterfest von Berlin findet alljährlich im Oktober statt • Kostenlos • www.berlin-leuchtet.com

3 - Berlin im Film

Normalerweise erschrickt man nicht, wenn einer auf ein Haus zeigt und sagt: »Da wohne ich.« Aber der hat’s nicht bloß gesagt. Der hat richtig gebrüllt.

Und nicht bloß: »Da wohne ich.« Sondern: »Dit war mein Fenster, eben! Krass, die gehen an meinem Haus lang!!«

Das in einem dunklen Kino. Und direkt hinter mir. Der Film damals hieß Sommer vorm Balkon und die Handlung spielte am Helmholtzplatz im Ortsteil Prenzlauer Berg. Als nach der Vorstellung das Licht anging, drehte ich mich um. »Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie Sie mich erschreckt haben? Sie können doch nicht mitten im Film einfach losbrüllen«, sagte ich.

Falls Sie glauben, dass er sich bei mir entschuldigte, haben Sie vergessen, dass wir in Berlin sind. »Gloobste, dit war für mich keen Schreck?«, wollte der Typ wissen. Richtig empört, fast vorwurfsvoll. »Dit war mein Haus! Ick seh mein Haus im Kino und denk, ick krich ’nKnall!«

Filmhauptstadt Berlin

Berlin ist deutsche Filmhauptstadt. In knapp 2.000 hier ansässigen Unternehmen der Film- und TV-Branche sind über 12.000 Mitarbeiter beschäftigt. Freie Mitarbeiter und Selbständige mitgerechnet, verdreifacht sich die Zahl auf 36.000. Die Jahresumsätze der Branche werden auf über drei Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen Cateringunternehmen, Castingagenturen, Personenschutzfirmen sowie Hotel- und Gaststättengewerbe, die vom Film- und Fernsehgeschäft ganz oder teilweise leben.

Mehr als 100 Filme werden jedes Jahr in Berlin gedreht, auch wenn es manchmal nur einzelne Szenen sind, die an Berliner Schauplätzen spielen. So sieht der Zuschauer in Die Bourne Verschwörung Hauptdarsteller Matt Damon alias Jason Bourne am Bahnhof Zoologischer Garten über die Hardenbergstraße zum Theater des Westens rennen. Schon knapp zwei Minuten später ist er bereits an der Brücke Bahnhof Friedrichstraße und läuft dem Reichtagsufer entgegen. Dazwischen liegt in Wirklichkeit die für einen Sprint herausfordernde Strecke von sechs Kilometern. Schnitt sei Dank, übersteht Bourne den Run ohne Kreislaufkollaps.

Die Verfolgungsjagd am Schluss des Films soll zwar in Moskau spielen, tatsächlich hat man sich aber auch hier für den kostengünstigeren Drehort Berlin entschieden. In Schnittwechseln sind der Kreml und die Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte zu sehen. Die Agenten rasen deutlich sichtbar am Kino International vorbei. In einer Szene, in der Schüsse auf Bourne abgefeuert werden, ist statt Moskau die Leipziger Straße zu sehen, mit einem Firmenschild des – ganz und gar unrussischen und seit 2012 insolventen – Berliner Bekleidungsunternehmens Ebbinghaus.

Tom Tykwers geniale Vision der Vergeblichkeit Lola rennt machte erstmals Franka Potente (später Filmpartnerin von Matt Damon in Teil 1 und 2 der Bourne-Trilogie) und zum zigsten Mal Berlins Straßen berühmt. Um für ihren Freund Manni (gespielt von Moritz Bleibtreu) 100.000 D-Mark klarzumachen, rennt Lola quer durch die Hauptstadt. Aber wie im Fall von Jason Bourne springt auch hier der Schnitt von Stadtteil zu Stadtteil durch Mitte, Friedrichshain, Kreuzberg und Wedding und lässt bekannte und unbekannte Straßen nur so durcheinandersausen. An einigen Stationen allerdings können Filmfans mit absoluter Sicherheit auf Lolas Spuren wandeln. Ihr spreeüberquerender Marathon von Kreuzberg nach Friedrichshain führte die rothaarige Schöne an eine Etappe, die man gut wiedererkennt: die Oberbaumbrücke, gelegen zwischen Stralauer Allee und Oberbaumstraße [U-Bahn: Schlesisches Tor oder S-Bahn: Warschauer Straße].

In einer der besten Szenen des Films trägt Lola 100.000 D-Mark in einer Mülltüte an schwerbewaffneten Spezialeinheiten der Polizei vor das Portal der Deutschen Transfer Bank, in der ihr Vater Direktor ist. Von den Scharfschützen, die sich keinen Bankräuber wie Lola vorstellen können, wird sie dringend gebeten, schleunigst aus der Schusslinie zu gehen und das Weite zu suchen. Mit ihrer zasterschweren Mülltüte in der Hand natürlich. Im Haus der fiktiven Deutschen Transfer Bank, das bis 1945 Hauptgebäude der Dresdner Bank war, vermietet heute das Fünfsternehaus Hotel de Rome Zimmer und Suiten der absoluten Luxusklasse [Behrenstraße 37, Mitte • U-Bahn: Französische Straße. Die luxuriöse Dachterrasse ist von 12–22 Uhr geöffnet]. Gut zehn Jahre nach Lola interpretierte Tom Tykwer für seinen Thriller The International das Sony Center am Potsdamer Platz als Brüsseler Bankgebäude um.

Nicht weit vom Hotel de Rome entfernt, inszenierte Regisseur Dani Levy am letzten Drehtag von Mein Führer eine Massenszene. Hunderte von Komparsen traten mitten in Berlin auf abgesperrtem Gelände zwischen dem Alten Museum und dem Lustgarten auf [Am Lustgarten, Mitte • S-Bahn: Hackescher Markt]. Von der Museumsinsel zum Berliner Dom blickend, konnte man an diesem Tag irritierenderweise wieder Hakenkreuzfahnen in Berlin hängen sehen.

Auch Hollywood-Celebrity Tom Cruise drehte in Berlin. Hitlers Attentäter Graf von Stauffenberg mimend, soll Cruise mit Operation Walküre den Versuch unternommen haben, als einer, der auf der richtigen Seite steht, Sympathien für die ihm nahestehende Scientology-Sekte zu gewinnen. Regisseur Bryan Singer drehte Szenen des Films im Detlev-Rohwedder-Haus [Wilhelmstraße 97, Mitte • Bus: Leipziger Straße/Wilhelmstraße] dem heutigen Bundesministerium der Finanzen, das 1935 als Reichsluftfahrtministerium erbaut worden ist.

Wer sich anschauen möchte, wo Goodbye Lenin gedreht wurde, kann in der Berolinastraße [U-Bahn: Schillingstraße], in der Nähe der Karl-Marx-Allee, vielleicht noch die Atmosphäre heruntergekommener Altbauten erahnen, in der Wolfgang Becker 2003 mit Daniel Brühl die Geschichte eines jungen Mannes drehte, dessen Mutter aus dem Koma erwacht und aus Rücksicht auf ihre fragile Gesundheit von der Wahrheit verschont werden muss, dass es die DDR nicht mehr gibt.

Auch Dani Levys Berlin-Komödie Alles auf Zucker, deren rasantes Billy-Wilder-Tempo sich dem glänzenden Drehbuch und einem überragenden Henry Hübchen verdankt, wurde in der Karl-Marx-Allee [U-Bahn: Strausberger Platz] gedreht. Schauspielerin Anja Franke, im Film die Tochter von Billardgauner Zucker, springt als ehemalige Hochleistungssportlerin der DDR über Straßenbänke hinweg, um den davonrennenden Vater ihrer Tochter einzuholen, der inzwischen strenggläubiger Jude geworden ist.

Als der Bestseller Herr Lehmann vom Sänger der Band Element of Crime, Sven Regener, verfilmt wurde, wählte Regisseur Leander Haußmann für den Tresen, an dem Lehmann sein Frustbier trinkt, die Eckkneipe Zum Elefanten [Oranienstraße 12, Kreuzberg • U-Bahn: Kottbusser Tor oder Bus: Heinrichplatz]. Der »Elefant«, seit 1977 Urgestein der »O-straße«, hat bis morgens um zwei geöffnet und war auch schon Drehort für die Kreuzberger Anwaltsserie Liebling Kreuzberg mit Manfred Krug.

Jackie Chan stand für den Slapstick-Kung-Fu-Streifen In 80 Tagen um die Welt ebenfalls in Berlin vor der Kamera. Das international besetzte Remake von Jules Vernes Science-Fiction-Roman Reise um die Erde in achtzig Tagen spielt unter anderem am Gendarmenmarkt. Den man auf den ersten Blick nicht ganz leicht erkennt, denn er soll im Film so aussehen wie im neunzehnten Jahrhundert.

Am besten gelingt der Zeitsprung zurück in die Filmgeschichte Berlins im Filmmuseum [Potsdamer Straße 2, Tiergarten • Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr]. Die Deutsche Kinemathek bezog die Räumlichkeiten im Jahr 2000. Das Museum ist eine Pilgerstätte für Cineasten. In ständiger Ausstellung werden Filmplakate, Fotos, Filmkostüme, Architekturskizzen und Requisiten präsentiert und Marlene-Dietrich-Fans regelmäßig von kleptomanischen Anwandlungen erfasst. Sonderausstellungen begleiten alljährlich die Retrospektive der Berlinale.

Marlene Dietrich, Greta Garbo, Zarah Leander, Hertha Feiler, Marianne Hoppe und Elisabeth Flickenschildt gehörten wie Hans Albers, Curd Jürgens, Emil Jannings, Hans Moser, Willy Fritsch und Curt Goetz zum Olymp mondän-glamouröser Starlegenden der UFA. Die einstige Universum Film AG wurde 1917 in Berlin mit der Absicht gegründet, die Möglichkeiten des Films zur psychologischen Kriegführung zu nutzen. Absicht des deutschen Generalstabs und insbesondere von General Ludendorff war der Aufbau eines staatlich kontrollierten Filmkonzerns als Lieferant von Propagandafilmen, die Deutschlands Ansehen im Ausland stärken sollten. Die Deutsche Bank, Gründungsmitglied der UFA, fand die Geschäfte, die man mit Filmen machen konnte, jedoch sehr viel reizvoller als seine Einsatzmöglichkeiten in Militär und Propaganda. Bald darauf wurden die ersten Unterhaltungsfilme gedreht, seit 1922 in den Ateliers in Babelsberg. Mit Filmen wie Dr. Mabuse (1922) und Stars wie Emil Jannings und Pola Negri erlebte die Ufa ihren schwindelerregenden Aufstieg zum erstrangigen Konkurrenten der Traumfabrik Hollywood.

Die erhalten gebliebene UFA-Fabrik in der Kreuzberger Viktoriastraße 10–18 war Drehort weltberühmter UFA-Filme wie Metropolis und Das Kabinett des Dr. Caligari. Seit 1979 befindet sich auf dem besucheroffenen Areal ein Kulturzentrum.

Nach dem Krieg fiel im geteilten Deutschland der Eiserne Kinovorhang zwischen Ost und West. Potsdam und die Babelsberger Filmstudios der UFA fielen in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ). Im Oktober 1945 wurden sämtliche zum Gebiet der SBZ gehörenden Vermögenswerte der Filmproduktion von den Sowjets beschlagnahmt. Im Hotel Adlon beratschlagten Kulturfunktionäre, Filmleute und Schriftsteller über den Aufbau einer Filmbranche in der sowjetisch besetzten Zone. 1946 wurde die DEFA gegründet. Wiederum, um die Möglichkeiten des Films für Propagandazwecke zu nutzen. Allerdings nicht wie in den früheren Plänen der Ufa, um Deutschlands Ansehen im Ausland aufzupolieren. Sondern um die Bevölkerung der SBZ und späteren DDR auf den ideologischen Kurs eines Arbeiter- und Bauernstaates zu bringen.

Der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegsgeschichte, Die Mörder sind unter uns, war ein DEFA-Film und wurde 1946 mit Hildegard Knef in der Hauptrolle in den Trümmern des zerbombten Berlin gedreht. Der Kultfilm Spur der Steine mit Manfred Krug als Hannes Balla lief nur drei Tage lang, bevor er wegen »antisozialistischer Tendenzen« verboten wurde. Erst im Oktober 1989 durfte der Film wieder in der DDR aufgeführt werden. Berühmt wurde auch die DEFA-Produktion Die Legende von Paul und Paula mit Winfried Glatzeder und Angelica Domröse aus dem Jahr 1973.

4 - Berlin international

Am Hackeschen Markt verließ mich wieder einmal mein Orientierungssinn. Irgendwo ganz in der Nähe musste der Monbijoupark sein, den ich mir ansehen wollte. Bloß wo? Um mich herum pulste das Leben, also fragte ich jemanden.

»Entschuldigung, können Sie mir vielleicht sagen ... «, fing ich an.

Ein nettes Ehepaar, das Bedauern der beiden war echt und herzlich: »Sorry, we don’t speak german.«

Amerikaner? Ich erwiderte ihr weltoffenes Lächeln: »Ok! Macht nichts!«

Als nächstes fragte ich einen, der für mich auf jeden Fall nach Berliner aussah: Turnschuhe, auffallendes Brillengestell, Kuriertasche, Smartphone.

»Kurze Frage, kannst du mir bitte sagen, wie ich zum Monbijou...«

»Lo siento«, er zuckte die Achseln.

Kein Problem.

Und die Dame mit der weißen Lederjacke und dem gutgelaunten Lächeln?

»Wissen Sie vielleicht, wo der Monbijoupark ist?«, fragte ich.

»Speak english?«, fragte sie zurück.

»Ähm ... ja. Do you know, äh, wo the Monbijoupark ist?«

Ihr Versuch, den Namen des Parks richtig nachzusprechen, klang wie »Muppet Show«.

»What is that?«, fragte sie. »A new coffeebar?«

Das machte wenig Hoffnung. »Äh, nein. Thanks. It’s a Park«, sagte ich.

Zum Abschied gab sie mir einen guten Rat: »Honey, if you don’t speak English, you should not come to Berlin.«

Es gibt nichts, was man in Berlin nicht lernen könnte – außer der deutschen Sprache (Mark Twain)

Jedes Jahr wächst die Einwohnerzahl von Berlin um 40.000 neue Bewohner. Menschen aus über 180 Nationen leben und arbeiten hier. Architekten, Dirigenten, Anwältinnen, Theaterleute, Studenten, Taxifahrerinnen, Kellner, Künstlerinnen und zunehmend ungelernte Arbeiter aus Südosteuropa. Die Jüngeren wollen im internationalen Berlin die Welt erobern und das Leben genießen. Wer etabliert ist, schätzt die Chancen lukrativer Geschäftsabschlüsse in der ständig wachsenden Stadt. Für Tausende ist Berlin die letzte Hoffnung, aus der Armut herauszukommen. Alle kommen mit hoher Motivation und großen Erwartungen. Allein im Bezirk Neukölln sind 147 der 180 Nationen vertreten. Gut 900.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben in Berlin.

In der Hoffnung auf bessere Arbeitsaussichten als in ihrem eigenen Land, kommen Neuberliner aus Bulgarien und Rumänien, aber längst auch aus Spanien und Italien, wo die Arbeitslosigkeit ebenfalls immer schlimmer wird.

Die Achse Berlin-New York City bleibt lebendig wie eh und je. Über 20.500 Amerikaner leben in Berlin und für viele von ihnen ist es mit seinem wilden, lockeren Leben längst das neue New York. Seit der Jahrtausendwende hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt. Immer mehr beschließen, als Neuberliner dauerhaft zu bleiben. Trotz aller Hektik in Berlin kommt ihnen das Leben im »Brooklyn an der Spree« leichter und weniger stressig vor als in New York. Das hängt mit günstigeren Lebenshaltungskosten und den wesentlich günstigeren Mieten zusammen. Viele Berliner klagen über ständig steigende Mietpreise, aber im internationalen Vergleich ist ihre Stadt eben immer noch eine der erschwinglicheren.

Aus Großbritannien sind weit über 14.000 Menschen an die Spree gezogen. Kein Zufall, dass man in Mitte in jedem Café und überall auf der Straße so viel Englisch hört. Von den Exil-New-Yorkern sind viele Künstler, DJs, Musiker und Fotografen. Sie schwärmen von der Energie und der magischen Anziehungskraft der Stadt. Zu den profaneren Argumenten gehört, dass man auf der Straße Bier trinken und Joints rauchen kann und es leicht ist, Gras zu kaufen.

Schon viele Jahre lang sind die Polen die größte Zuwanderungsgruppe in Berlin. Beim EU-Beitritt im Jahr 2004 nahmen viele junge Leute es ernst, als die Politiker sagten: »Wir gehören zu Europa«, und kamen nach Berlin. Auf den ersten Blick scheinen die Polen gut integriert zu sein, weil sie nicht anders als der Durchschnittsdeutsche aussehen. Doch obwohl viele hervorragend Deutsch sprechen, erleben sie im Berufsleben noch immer keine Chancengleichheit. Polnische Akademikerinnen, die Putzen gehen, gehören leider genauso zum Berliner Alltag wie polnische Ingenieure, die auf dem Bau malochen.

Seit die EU 2014 entsprechende gesetzliche Beschränkungen fallen ließ, kommen ungelernte Arbeiter aus Bulgarien und Rumänien in die BRD. Die von Brüssel und Berlin diktierten Spar- und Privatisierungsprogramme haben das soziale Elend in diesen ärmsten Ländern Europas dramatisch verschlimmert. In Deutschland ist die Sorge groß, die Armutsflüchtlinge könnten den Arbeitsmarkt überrennen und Sozialleistungen fordern. Berechtigt sind diese Befürchtungen nicht, denn die EU-Einwanderer kommen nach Deutschland, um zu arbeiten.

Selten melden die Meinungsmedien, dass Rumänien und Bulgarien unter anderem von deutschen Baufirmen systematisch als Niedriglohnländer ausgebeutet werden. Billigarbeitskräfte aus Südosteuropa sind also keineswegs eine Konkurrenz für deutsche Arbeitskräfte, denn etliche Großunternehmen der BRD sind längst nicht mehr bereit, tarifliche Löhne zu zahlen. Ihnen ermöglicht die EU, über das vorhandene Angebot an deutschen Arbeitskräften hinwegzugehen und stattdessen Billiglöhne an Armutsflüchtlinge zu zahlen, die von Subunternehmen vermittelt werden. Häufig zwingen diese Firmen ihre Beschäftigten zu regelrechter Sklaverei. Ein Subunternehmer ließ Arbeiter für nur 1.400 Euro Lohn bis zu 270 Stunden arbeiten. Von diesem Lohn zog er für Unterkunft und angeblich verschlissenes Werkzeug so viel ab, dass fast nichts mehr übrig blieb. Andern Arbeitern blieben am Ende 1,09 Euro pro Stunde. Auch bei der Unterbringung herrschen katastrophale Zustände. Die Arbeiter müssen mitunter in leeren Fabrikhallen auf dem Boden schlafen, oft ohne Matratzen. Es geschieht nicht selten, dass sich fünfzig Arbeiter eine Toilette teilen müssen.

Michael Knogler vom Institut für Ost- und Südeuropaforschung hält Befürchtungen wegen der sozialen Gefahr durch neue Einwanderer für »völlig verfehlt«. Viele wissenschaftliche Experten weisen seit Jahren auf die Haltlosigkeit der Angst vor Einwanderern aus Südosteuropa hin. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) etwa hat einer Berichterstattung über die Armutseinwanderung den Titel »Unstatistik des Monats« verliehen: Im Jahr 2011 lag der Zuwanderungssaldo wegen derjenigen, die zurück nach Bulgarien und Rumänien gegangen waren, bei einem Anteil von lediglich 0,086 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.