Filmen mit der Systemkamera - Hendrik Roggemann - E-Book

Filmen mit der Systemkamera E-Book

Hendrik Roggemann

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3,99 €

Beschreibung

Hochauflösende Videos ohne teures Profi-Equipment Vom theoretischen Grundwissen zur praktischen Anwendung Einführung in Belichtung, Gestaltung und Filmschnitt Spiegellose Systemkameras könnte man beinahe als die »eierlegende Wollmilchsau« für Filmemacher bezeichnen. Sie können mit verschiedenen Brennweiten ausgestattet werden, auch bei wenig Licht noch qualitativ gute Aufnahmen machen, ermöglichen den gezielten Einsatz von Schärfentiefe und sind dabei auch noch platzsparend. In diesem Buch erfahren Sie, warum Sie Ihre Kamera nicht nur zum Fotografieren nutzen sollten und was Sie beim Filmen alles beachten müssen. Sie lernen zuerst die technischen Grundlagen kennen und welche Einstellungen an Ihrer Kamera die jeweils richtigen sind. Im zweiten Teil des Buches erfahren Sie, was Sie in der Praxis erwartet, wie Sie beispielsweise Ton effektiv aufnehmen oder mit den Protagonisten Ihres Films gekonnt umgehen. Abschließend werden Sie in die Grundlagen des Filmschnitts eingeführt. So können Sie mithilfe Ihrer Systemkamera und dem Expertenwissen von Hendrik Roggemann Ihrem Film den »richtigen Dreh« geben und einen professionellen Film samt interessanter Story produzieren. Die EDITION FOTOHITS: Die EDITION FOTOHITS – ein Gemeinschaftsprojekt der beliebten Zeitschrift FOTOHITS sowie des renommierten Fachverlages mitp – richtet sich an alle Fotointeressierten vom Einsteiger über den Hobby-Fotografen bis zum engagierten Semiprofi. Sie bietet in hochwertiger Ausstattung und auf unterhaltsame Weise aktuelles Foto-Wissen in einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis. Aus dem Inhalt: Grundeinstellungen für Video Bildformate und Bitraten Richtig Belichten Belichtungszeit und Blende beim Filmen Arbeit mit Schärfentiefe Brennweiten und Objektive Scharfstellen beim Film und die Grenzen des Autofokus Externes Zubehör für Ton und Licht Bildkomposition beim Film und Einstellgrößen Bewegung im Film versus Bewegung mit der Kamera Eine Geschichte im Film erzählen Grundlagen des Filmschnitts – In 7 Schritten zum fertigen Film

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 151

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Inhaltsverzeichnis
Impressum
Einleitung
Teil I: Technische Grundlagen
Kapitel 1: Was ist eine Systemkamera?
Kapitel 2: Einstellen der Kamera
2.1 Vorab: Filmformat einstellen
2.2 Ebenfalls vorab: Bildstil einstellen
Kapitel 3: Warum Sie die Belichtung manuell steuern sollten – Die Grenzen der automatischen Belichtung
Kapitel 4: Belichtung manuell einstellen
4.1 Das Histogramm lesen
4.2 Weitere Hilfe bei der Belichtung: die Tiefen-Lichter-Warnung oder das Zebra
4.3 Was hat nun also welche Auswirkung auf das Histogramm und damit die Belichtung?
Kapitel 5: Die richtige Belichtungszeit
5.1 Graufilter einsetzen
Kapitel 6: Die richtige Blende
6.1 Schärfentief​e
Kapitel 7: Richtig belichten
7.1 Fehlt nur noch der ISO-Wert
7.2 Zusammenfassung der idealen Belichtungsparameter
7.3 Belichtung halten bei konstanter Bl​ende
7.4 Belichtung halten bei konstanter Belichtungs​zeit
Kapitel 8: Richtig Scharfstellen – Autofokus, manueller Fokus oder eine Kombination aus beiden
8.1 Grenzen des Autof​okus
8.2 Tipps zum Scharfstelle​n
8.3 Scharfstellen mit Autofokus und manueller Scharfstellung
8.4 Focus peakin​g
8.5 Vergrößerung im Kameradisplay
8.6 Externes Kameradispla​y
Kapitel 9: Der richtige Weißabgleich
Kapitel 10: Das richtige Objektiv
10.1 Unterschiedliche Brennweiten für unterschiedliche Zwecke
10.2 12, 25, 45mm – fertig!
Kapitel 11: Das richtige Kamerastativ
Kapitel 12: Exkurs: Besseren Ton aufnehmen
12.1 Externe Mikrofone und Audiorekorde​​r
Kapitel 13: Exkurs: Zusätzliches Aufhelllicht
Teil II: Endlich geht’s los: Kamera ab!
Kapitel 14: Vom Foto zum Film – eine andere Sichtweise
Kapitel 15: Bildgestaltung
15.1 Komposition und Einstellgrößen
15.2 L​icht
Kapitel 16: Film lebt von Bewegung
16.1 Die goldene Regel: Das Motiv bewegt sich, die Kamera steht still
16.2 Ausnahme 1: Das Motiv bewegt sich aber nicht
16.3 Ausnahme 2: Die Kamera soll sich aber bewegen – Schwenks, Zooms, Kamerafahrten
Kapitel 17: »... und Schnitt!« – eine Handlung auseinandernehmen
17.1 Beispiel: Spaziergang am Meer (vorher – nachher)
17.2 Beispiel: Aufnahme einer Schulaufführung (vorher – nachher)
Kapitel 18: Eine Geschichte erzählen
Kapitel 19: Praxistipps
19.1 Eine S​zene inszenieren oder einfach passieren lassen
19.2 Interaktion mit gefilmten Personen
19.3 Bei der Aufnahme schon an den Schnitt denken
19.4 Die (meine) häufigsten Anfängerfehler beim Fi​lmen
Teil III: Grundlagen des Filmschnitts
Kapitel 20: Die Vorgehensweise beim Filmschnitt – in 7 Schritten zum fertigen Film
20.1 Material sichten und auswählen (Clipliste erstellen)
20.2 Belichtung und Farbe vereinheitlichen
20.3 Clips zuschneiden und in die Timeline einfügen
20.4 Übergänge zwischen den Clips gestalten
20.5 Einzelne Tonaufzeichnungen bearbeiten
20.6 Tonspuren gestalten (O-Ton, Spezialeffekte, Musik, Sprecher)
20.7 Speziellen Filmlook erzeugen (Colorgrading)
Zum Ende

Filmen mit Systemkameras

Hendrik Roggemann

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

ISBN 978-3-8266-8524-8

1. Auflage 2014

www.mitp.de

E-Mail: [email protected]

Telefon: +49 7953 / 7189 - 079

Telefax: +49 7953 / 7189 - 082

© 2014 mitp-Verlags GmbH & Co. KG

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Lektorat: Sabine Janatschek

Sprachkorrektorat: Petra Heubach-Erdmann

Covergestaltung: Christian Kalkert, www.kalkert.de

electronic publication: III-satz, Husby, www.drei-satz.de

Dieses Ebook verwendet das ePub-Format und ist optimiert für die Nutzung mit dem iBooks-reader auf dem iPad von Apple. Bei der Verwendung anderer Reader kann es zu Darstellungsproblemen kommen.

Der Verlag räumt Ihnen mit dem Kauf des ebooks das Recht ein, die Inhalte im Rahmen des geltenden Urheberrechts zu nutzen. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheherrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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Einleitung

Warum ist eigentlich Filmen im Moment so »in«? Die einfachste Antwort ist: »Weil es geht.« Und zwar für jedermann. Die technische Entwicklung, allen voran das Internet, sorgt dafür, dass wir ständig mit bewegten Bildern konfrontiert werden, und die Möglichkeit, bewegte Bilder aufzunehmen, ist inzwischen Standardfunktion in jedem Handy (auch wenn das noch nicht unbedingt aus jedem einen Filmemacher macht).

Das ganze Leben besteht aus Bewegung und so ist es natürlich, dass wir das Bedürfnis haben, Erinnerungen in bewegten Bildern festzuhalten oder Geschichten in Filmen zu erzählen. Und dank der aktuellen spiegellosen Systemkameras geht das jetzt in einer Qualität, die bisher für »normale« Menschen nicht erreichbar war und die wir nur aus dem Fernsehen kannten.

Systemkameras sind (fast) die eierlegende Wollmilchsau für Filmemacher.

Hier einige Vorteile

Wechselbare Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten

Objektive mit hoher Lichtstärke und sehr guter Bildqualität

Aufnahmen sind auch bei wenig Licht noch möglich

Spiel mit Schärfe und Unschärfe (gezielter Einsatz Schärfentiefe)

Kamera und Ausrüstung braucht wenig Platz und kann gut transportiert werden

Und »nebenbei« können Systemkameras hervorragende Fotos machen.

Sie sehen, wenn Sie Ihre Systemkamera bisher nur zum Fotografieren gekauft hatten, können Sie sich jetzt noch einmal auf die Schulter klopfen für das gute Geschäft, das Sie gemacht haben.

Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, wie Sie das kleine Wunderding nun auch zum Filmemachen benutzen können. Und wenn Sie bisher noch im Automatikmodus fotografieren, werden auch Ihre Fotos davon profitieren, dass Sie dieses Buch lesen. Denn die Beschäftigung mit Bildgestaltung durch das Zusammenspiel von Licht, gezieltem Schärfe- und Unschärfeeinsatz und Bildkomposition kommt Fotografie und Film gleichermaßen zugute.

Außer Kamera und Stativ brauchen Sie nichts weiter für den Einstieg. Es gibt nur wenige Zubehörteile, die ich im Buch erwähne. Ob Sie die brauchen, entscheiden Sie selbst.

Aufbau des Buches

Insgesamt finden Sie im Buch viele Grundlagen, die auch für die Fotografie gelten. Für erfahrene Fotografen mag einiges davon Wiederholung sein. Die Grundlagen sind aber gerade da noch einmal wichtig, wo es Unterschiede zwischen Fotografie und Film gibt, auf die ich dann eingehe. Einsteiger werden sich darüber freuen, denn sie werden nach Lektüre des Buches auch bessere Fotos machen.

Im ersten Teil des Buches gehe ich auf die technischen Grundlagen ein, also auf die Frage: Welche Einstellungen an der Kamera sind die richtigen für Film? Wobei dieses Buch nicht das Handbuch Ihrer Kamera ersetzt. Im Gegenteil, gerade für diesen Teil sollten Sie sich das Handbuch gleich mit auf den Lesetisch legen, um ggfs. nachzuschlagen, wo Sie die entsprechende Einstellung bei Ihrer Kamera finden.

Ebenfalls im ersten Teil werden die Grundlagen zur richtigen Belichtung behandelt, die für Fotografie und Film gleichermaßen gelten, angereichert mit einigen Besonderheiten des Films. Und schließlich gehört zu einem Film, im Unterschied zum Foto, auch Ton. Wo man den hernimmt, beschreibe ich ebenfalls im ersten Teil des Buches.

Im zweiten Teil stehen dann gestalterische Themen im Vordergrund. Ausgehend von der Bildgestaltung über die Komposition von Filmbildern bis zum Erzählen von Geschichten in Filmsequenzen. Dabei ziehe ich immer wieder einmal den Vergleich zur Fotografie und zeige die Unterschiede auf. Für Fotografen ist hier Umdenken angesagt. Ich schreibe diesen Teil aus leid-, aber auch lustvoller Erfahrung.

Der dritte Teil schließlich widmet sich den Grundlagen des Filmschnitts. Dabei geht es mir darum, Ihnen so viel Grundlagenwissen mitzugeben, dass Sie die Bedeutung des Schnittes für den Film verstehen (sie ist riesig!) und die grundlegenden Werkzeuge und Begriffe kennen, die dabei verwendet werden. Damit sollten Sie dann gut gerüstet sein, ein spezialisiertes Buch über Filmschnitt zu lesen, und Sie finden auch Tipps zur Auswahl eines Schnittprogramms, wenn Sie noch keines haben.

Teil I: Technische Grundlagen

Kapitel 1: Was ist eine Systemkamera?

Die spiegellose Systemkamera​ ist eine inzwischen eigenständige Klasse von Kameras, die sich zwischen Kompaktkameras und digitalen Spiegelreflexkameras etabliert hat. Sie verbindet die Möglichkeiten der Spiegelreflexsysteme, insbesondere die Möglichkeit, das Objektiv der Kamera zu wechseln, mit kompakteren Bauformen, was durch das Weglassen des Spiegelkastens ermöglicht wird.

Ein Rückblick ins letzte Jahrtausend: Die damals historische Neuerung der Spiegelreflexkamera war nicht nur, dass man das Objektiv wechseln konnte, sondern auch, dass man durch den Sucher immer genau das sah, was gerade durch das Objektiv zu sehen war. Der Spiegelreflex machte es möglich.

Moderne Systemkameras kommen ohne einen Spiegeltrick aus und zeigen ein digitales Bild auf dem Display oder im Sucher der Kamera, das genau dem Bild entspricht, das die Kamera durch das Objektiv aufnimmt.

Und weil das Displaybild ohnehin wie eine Liveübertragung funktioniert, lag es nahe, diesen Kameras direkt eine Filmfunktion mit einzubauen. Und was erst eine kleine zusätzliche Spielerei der Kameraingenieure war, ist heute eine der Hauptfunktionen von spiegellosen Systemkameras und ein Grund, warum auch viele professionelle Filmer diese, eigentlich für den Hobbyanwender gedachten, Kameras kaufen und einsetzen.

Ein weiterer wichtiger Teil der Kamera ist der Bildsensor, mit dem die Bilder aufgezeichnet werden. Die verschiedenen Kamerasysteme unterscheiden sich in der Größe des eingebauten Sensors von ganz kleinen in Mobiltelefonen über Kompaktkameras, dann Systemkameras bis zu Spiegelreflexkameras und solche mit sogenannten Vollformat-Sensoren, die der Größe des Analognegativs entsprechen. Herkömmliche Videokameras (Camcorder) liegen bei der Sensorgröße von Kompaktkameras, nutzen also kleinere Sensoren als die Systemkameras.

Die Sensorgröße spielt bei zwei Disziplinen eine Rolle: bei der Bildqualität unter schwierigen Lichtbedingungen (Bildrauschen) und bei der Möglichkeit zur Bildgestaltung mit gezielter Schärfentiefe. Hierzu später mehr.

Abb. 1.1: Systemkameras, hier die Olympus E-M5 OM-D, zeichnen sich durch eine kompakte Bauform und wechselbare Objektive aus.

Im Bereich der spiegellosen Systemkameras tummeln sich mehrere Hersteller, deren Sensoren nicht immer exakt gleich groß sind (aber sehr ähnlich) und deren Objektive daher zwischen den unterschiedlichen Systemen leider nicht austauschbar sind. Die Ausnahme bildet das Micro-Four-Thirds​(MFT)-System​, das Olympus und Panasonic gemeinsam entwickelt haben. Objektive für dieses System passen auf jede MFT-Kamera, was es auch für einige Objektivhersteller attraktiv gemacht hat, hochwertige MFT-Objektive zu bauen. Neben dem MFT-System gibt es eigene Systeme von Samsung und Sony, die ebenfalls sehr gut sind, aber eine jeweils etwas kleinere Nische darstellen.

Für MFT-Objektive gibt es inzwischen sogar professionelle Filmkameras (zum Beispiel die Blackmagic Cinema), die ebenfalls die kompakte Bauform für mobile Dreharbeiten als Vorteil erkannt haben.

Die Grundregel bei der Sensorgröße ist generell: Größer ist besser. Weshalb die Systemkameras einen Aufstieg für jeden bedeuten, der vorher mit einem Camcorder oder einer Kompaktkamera gefilmt hat. Allerdings gilt auch: Je größer, desto schwieriger zu beherrschen, weshalb noch größere Sensoren nicht immer die bessere Wahl sind.

Kurzum: Mit der spiegellosen Systemkamera haben wir ein sehr gutes Filmwerkzeug in der Hand, mit dem sehr gute, wenn man will sogar professionelle, Ergebnisse möglich sind.

Kapitel 2: Einstellen der Kamera

2.1 Vorab: Filmformat einstellen

2.2 Ebenfalls vorab: Bildstil einstellen

Um mit zuverlässigen Ergebnissen zu filmen, ist es (leider) notwendig, die Einstellungen an der Kamera manuell vorzunehmen. Gemeint sind: Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, Weißabgleich und Schärfe. Vorbereitend gibt es einige Grundeinstellungen an der Kamera, die für den ganzen Film gelten. Diese sind insbesondere das Aufzeichnungsformat und der sogenannte Bildstil.

Der eine oder andere wird sich fragen, warum man sich eine »moderne« Kamera mit tausend Automatikfunktionen kauft, wenn man die dann alle nicht verwenden kann. Ganz so extrem ist es nicht. In manchen Situationen ist es sinnvoll, die Automatiken zu nutzen und einfach auf den roten Aufnahmeknopf zu drücken, weil man eine Situation unbedingt im Video festhalten will und die Zeit nicht ausreicht, um alle Einstellungen manuell vorzunehmen. Wenn Ihre kleine Tochter gerade die ersten Schritte macht und Sie mit der Kamera dabeisitzen (und noch nicht im Filmen geübt sind), lassen Sie die Kamera einfach im Automatikmodus mitlaufen. Bei solchen Erinnerungen spielt es später keine Rolle, ob die Belichtung mal schwankt oder die Schärfe nicht immer sitzt. In diesen Momenten ist die Automatik ein Segen. Ein bisschen fluchen werden Sie, wenn Sie die so aufgenommene Szene später in einen längeren Film schneiden wollen (zum Beispiel für die Hochzeit dieser Tochter viele Jahre später) und die vielen kleinen Fehler aus der Nähe sehen, die im Automatikbetrieb entstehen. Nicht immer, aber meistens. Und sie sind auch erklärbar. Im Folgenden gehe ich davon aus, dass es uns darum geht, Szenen im Film festzuhalten, die geplant aufgenommen werden, sodass die Zeit ausreicht, um die nötigen Einstellungen an der Kamera vorzunehmen. Und das ist mit etwas Übung (und nach dem Lesen der nächsten Kapitel) für die meisten Situationen auch in unter einer Minute zu machen.

2.1  Vorab: Filmformat einstellen

Einige Einstellungen an der Kamera sind sozusagen grundsätzlicher Natur, wenn es ums Filmen geht. Die macht man mehr oder weniger einmal nach den eigenen Vorstellungen und nach technischen Empfehlungen, die Sie gleich bekommen.

Systemkameras können Video inzwischen in verschiedenen Formaten aufzeichnen. Dabei unterscheidet man einerseits die Auflösung des Bildes, andererseits die Bildrate​, auch neudeutsch Framerate​ genannt.

Derzeit übliche Auflösungen sind:

Auflösung

1920 x 1080 Pixel (Full-HD)

1280 x 720 Pixel (HD)

640 x 480 Pixel (SD)

​​Im professionellen Bereich kommen derzeit Kameras mit 4K-Auflösung, also noch einmal verdoppelter Auflösung im Vergleich zu ​Full-HD auf den Markt. Und auch die erste Systemkamera, die G4H von Panasonic, die diese Auflösung unterstützt. Im Heimanwenderbereich wird 4K aber in den nächsten Jahren noch keine größere Rolle spielen, da sich erst entsprechende Abspielgeräte am Markt ausbreiten müssen. Auch gängige Computersysteme wären derzeit mit der Verarbeitung von 4K-Material schlicht überfordert.

Bei der Auswahl zwischen Full-HD und geringerer Auflösung wird man sich in den meisten Fällen für Full-HD entscheiden, um nicht die Möglichkeit zu verschenken, den Film später doch einmal auf einen größeren Bildschirm bringen zu können, auch wenn man zunächst vielleicht dachte, man würde nur einen kleinen Clip fürs Smartphone aufnehmen. Das gilt besonders für »Langzeitstudien« wie Aufnahmen der eigenen Kinder, da Sie sicher sein können, dass der technische Fortschritt in den nächsten Jahren noch höhere Auflösungen ermöglichen wird. Und wenn Sie dann zur Hochzeit der Tochter oder anderen Gelegenheiten mal einen Zusammenschnitt der schönsten Kindheitsmomente zusammenschneiden möchten, ist es gut, wenn das alte Material sich noch ansprechend integrieren lässt. Full-HD ist da derzeit die vernünftigste Lösung. Videoplattformen wie YouTube oder Vimeo erzeugen nach dem Hochladen eines Full-HD-Films automatisch Kopien in kleinerer Auflösung, sodass der Betrachter immer die Variante zu sehen bekommt, die für sein Anzeigegerät optimal ist. So werden auch die Übertragungszeiten minimiert, wenn Sie sich ein Video zum Beispiel nur auf einem Smartphone ansehen.

Warum es die kleineren Auflösungen an der Kamera überhaupt gibt? In erster Linie, weil man damit Speicherkapazität sparen kann, sowohl bei der Aufnahme auf der Speicherkarte der Kamera als auch später bei der Weiterverarbeitung am Computer. Dazu kommt, dass ein Computer unter der Last eines Full-HD-Films deutlich lauter ächzt und stöhnt als unter einem kleineren Format. Die Verarbeitung, das sogenannte »Rendering​«, im Schnittprogramm geht deutlich flotter, wenn man »nur« in HD arbeitet statt in Full-HD. Für erste kleinere Filmübungen ist es sogar ziemlich empfehlenswert, in einer geringeren Auflösung aufzunehmen, weil Sie die Ergebnisse viel schneller auf den Computer übertragen und verarbeiten können. Und so kommen Sie zu einem schnelleren Lerneffekt.

Zusätzlich zur Auflösung ist die Bildrate​ noch ein wichtiger und häufig heiß diskutierter Faktor.

Je nach Kameramodell kann man dort 60, 50, 30, 25 oder 24 Bilder pro Sekunde einstellen. Die englische Bezeichnung, die man häufig findet, ist »frames per second​«, abgekürzt fps. Zusätzlich gibt es manchmal noch den Zusatz i oder p hinter der Zahl. Dazu gleich mehr.

Einschub: Wie bewegte Bilder entstehen

Als Hintergrund müssen Sie wissen, wie bewegte Bilder im Film eigentlich entstehen. Echte Bewegungen im realen Leben sind fließend und bestehen, technisch betrachtet, aus unendlich vielen Einzelschritten. Unendlich viele Bilder können Sie aber mit Kameras nicht aufnehmen. Beim Film macht man sich daher einen Effekt zunutze, den wir vom Daumenkino kennen. Wenn man viele Einzelbilder sehr schnell vor dem Auge ablaufen lässt, wirkt es wie eine flüssige Bewegung. Durch Ausprobieren hat man herausgefunden, dass man eine Bildrate von mindestens 24 Bildern pro Sekunde braucht, um mithilfe von Auge und Gehirn daraus einen flüssig ablaufenden Film zu erstellen. Für das Fernsehen wurden daraus 25 Bilder pro Sekunde, was gut zum hiesigen Stromnetz passte, denn das liefert Strom mit 50 Hz, sodass die alten Röhrenfernseher im dazu passenden Rhythmus flackerten. Nicht umsonst wurden Fernseher früher auch als Flimmerkiste bezeichnet. Der Standard für Fernsehbilder in Europa ist heute immer noch das PAL-System​ mit 25 Bildern pro Sekunde. Die Abkürzung PAL hat eigentlich mit der Farbdarstellung auf analogen Fernsehgeräten zu tun und nicht direkt mit der Bildrate. Sie finden diese Bezeichnung aber häufig in Filmvoreinstellungen im Schnittprogramm zusammen mit der Bildrate. In Amerika gibt es einen anderen Standard namens NTSC​, der mit 29,97 Bildern pro Sekunde arbeitet.

Zurück zur Einstellung der Bildrate in der Kamera.

Mit diesem Wissen ausgestattet, kann man auch die Kürzel i und p hinter den Zahlen erklären. Sie stehen für die englischen Begriffe »interlaced« und »progressive«. Aber das müssen Sie eigentlich nur am Filmerstammtisch wissen. Wem das jetzt zu technisch wird, der kann diesen Absatz ohne schädliche Folgen auslassen. Und so viel tiefer will ich an dieser Stelle auch nicht gehen. Nur noch dies: Beim Interlaced-Verfahren werden nicht zum Beispiel 60 Bilder pro Sekunde in Gänze aufgezeichnet, sondern nur 60 Halbbilder pro Sekunde, die durch einen zeilenweise versetzten Aufbau den Anschein erwecken, es wären 60 Bilder. Beim Progressive-Verfahren sind es tatsächlich 60 ganze Bilder, die aufgezeichnet werden.

Kurz gefasst: Eine Kamera, die eine Bildrate von 60p anbietet, ist besser als eine mit 60i (zumindest in dieser Disziplin).

Übliche Bildraten (englisch »Framerate«)​

60p (progressive, also Vollbilder)

eignet sich für Zeitlupe mit bis zu halber Geschwindigkeit ohne Qualitätsverlust

60i (interlaced, also Halbbilder)

Wenn die Kamera 60p nicht bietet, ist das besser als gar nichts, wenn man mit Zeitlupe arbeiten möchte

50p

ebenso für Zeitlupe geeignet

30p

Filmformat nach amerikanischer NTSC-Norm

25p

Filmformat nach europäischer PAL-Norm

24p

wird von Filmbegeisterten als »Cinema«-Stil bezeichnet

Jetzt aber zur praktischen Frage: Welche Bildrate soll ich einstellen?

Antwort: die, die zur gewünschten Verwendung am besten passt. (Und die in der Kamera auch einstellbar ist – nicht jede Kamera bietet alle Bildraten zur Auswahl an.)