First Silver King - Drucie Anne Taylor - E-Book

First Silver King E-Book

Drucie Anne Taylor

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Beschreibung

Marisol *** Diese Männer ließen mich nach Amerika bringen. Fernab von meiner Familie und meinem sicheren Hafen muss ich einem von ihnen zu Diensten sein, obwohl ich ihn kaum verstehe. Andere Frauen verlassen dieses Haus, kaum dass sie angekommen sind, aber ich habe keine Chance mehr auf meine Freiheit. Er hat sie mir genommen. Er ist gefährlich. Und ich weiß, dass er mein Ende sein wird. *** Crimson *** Diese Frau mit den dunkelbraunen Augen zieht von Anfang an meine Aufmerksamkeit auf sich, dabei sollte das niemals geschehen. Nicht, seit ich der Frauenwelt abgeschworen habe. Ihre Blicke haben etwas an sich, das mich gefangen nimmt, aber auch das darf nicht sein. Sie ist Teil meines Geschäfts. Nichts weiter als Ware, die bald aus meinem Leben verschwindet. Aber mir ist bewusst, dass sie mein Ende sein wird.

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FIRST SILVER KING

THREE SILVER KINGS #1

NOIR KINGSTON

DRUCIE ANNE TAYLOR

Copyright © 2021 Noir Kingston & Drucie Anne Taylor

Korrektorat: S. B. Zimmer

Satz und Layout: Julia Dahl

Umschlaggestaltung © D-Design Cover Art

Ausgabe 01 / 2023

Alle Rechte, einschließlich das, des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden, oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

INHALT

Triggerwarnung

Noir Kingston & Drucie Anne Taylor

Prolog

1. Crimson

2. Marisol

3. Crimson

4. Marisol

5. Crimson

6. Marisol

7. Crimson

8. Marisol

9. Crimson

10. Marisol

11. Crimson

12. Marisol

13. Crimson

14. Marisol

15. Crimson

16. Marisol

17. Crimson

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TRIGGERWARNUNG

NOIR KINGSTON & DRUCIE ANNE TAYLOR

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieses Buch hat nicht viel mit einem »normalen« Liebesroman zu tun. Es steckt voller Schimpfwörter, eindeutiger, expliziter Szenen und Gewalt gegen Frauen vor. Es geht um Menschenhandel und viele andere Dinge, die dich vielleicht erschrecken. Wenn Du einen rosaroten Liebesroman erwartest, der sich strikt an die Realität hält, wird dich diese Geschichte enttäuschen und wir raten dir pro forma davon ab, sie zu lesen. Dieses Buch ist reine Fiktion, nichts von dem, was darin beschrieben wird, passiert wohl genau so im wahren Leben und wenn doch, dann in den finsteren Winkeln, in die wir nicht blicken wollen.

Wir nennen dir kein Safeword, du musst selbst wissen, ob du es mit dieser Novelle wagen willst oder nicht, aber solltest Du Dich mit den oben angesprochenen Themen nicht wohlfühlen, raten wir Dir vom Lesen ab.

Allen Mutigen wünschen wir viel Spaß mit den Three Silver Kings und Marisol!

Noir & Drucie

DIESES BUCH

Marisol

Diese Männer ließen mich nach Amerika bringen. Fernab von meiner Familie und meinem sicheren Hafen muss ich einem von ihnen zu Diensten sein, obwohl ich ihn kaum verstehe. Andere Frauen verlassen dieses Haus, kaum dass sie angekommen sind, aber ich habe keine Chance mehr auf meine Freiheit.

Er hat sie mir genommen.

Er ist gefährlich.

Und ich weiß, dass er mein Ende sein wird.

Crimson

Diese Frau mit den dunkelbraunen Augen zieht von Anfang an meine Aufmerksamkeit auf sich, dabei sollte das niemals geschehen. Nicht, seit ich der Frauenwelt abgeschworen habe. Ihre Blicke haben etwas an sich, das mich gefangen nimmt, aber auch das darf nicht sein.

Sie ist Teil meines Geschäfts.

Nichts weiter als Ware, die bald aus meinem Leben verschwindet.

Aber mir ist bewusst, dass sie mein Ende sein wird.

PROLOG

MARISOL

Die Schicht war unglaublich anstrengend. Ich weiß nicht, warum ich immerzu Überstunden machen musste, denn bezahlt wurden sie mir nicht. Aber als Intensivpflegekraft konnte man sich seine Arbeitszeiten nicht aussuchen. Man arbeitete länger, wenn es nötig war, gedankt wurde es einem jedoch nicht. Seufzend verließ ich die Klinik, dabei schaute ich mich nach meinem Freund um. Diego müsste längst hier sein, da ich ihm vor einer halben Stunde schrieb, dass ich bald Feierabend mache. Wenn ich bis spätabends arbeiten musste, holte er mich immer ab, weil Mexiko Citys Straßen zu gefährlich waren.

»Marisol!«, rief er – ich drehte mich um und sah ihn auf mich zukommen.

»Hey«, erwiderte ich und wartete darauf, dass er mich erreichte.

Schließlich stand Diego vor mir, er schloss mich in seine Arme. »Wie war die Schicht?«

Ich schaute zu ihm hoch. »Sehr anstrengend. Señora Alvarez hatte einen Herzstillstand und ich musste sie reanimieren, bis Dr. Deluca kam.«

»Hat sie es geschafft?«

Daraufhin schüttelte ich den Kopf. »Leider nicht.«

»Tut mir leid.« Diego löst sich von mir. »Wie fühlst du dich jetzt?«

Ich atmete tief durch. »Ich komme zurecht.«

Er hob eine Augenbraue. »Ich weiß, dass dich so was mitnimmt, mi Corazon, tu es nicht ab, als wäre es normal.«

»Ich versuche es«, entgegnete ich, ging neben ihn und ergriff seine Hand. »Wo hast du geparkt?«

»Auf der anderen Straßenseite. Ich habe hier keinen Parkplatz bekommen.«

Irritiert hob ich eine Augenbraue, es waren einige Parkplätze frei, aber wer wusste schon, wie es noch vor ein paar Minuten aussah?

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu Diegos Auto. Es war ein Mercedes, weshalb es mich wunderte, dass er ihn aus den Augen ließ, denn für gewöhnlich tat er das nicht, außer wir waren zu Hause. Dort stellte er seinen Wagen in die Garage, sodass niemand seinem Baby schaden oder es stehlen konnte.

»Bist du hungrig?«, erkundigte er sich, als wir an der roten Ampel Halt machten.

Ich nickte. »Sehr sogar, ich kam nicht dazu, eine Pause zu machen, weil ständig der Alarm losschrillte.« Ich seufze. »Können wir auf dem Heimweg Tamales oder Burritos holen?«

»Sicher.« Diego gab meine Hand frei und legte seinen Arm um mich. »Hast du dir eigentlich Gedanken darüber gemacht, was aus deiner Abuela werden soll?«

Ich schaute zu ihm hoch. »Nein, ich muss das noch mit Mamá und Papá besprechen«, erwiderte ich. »Papá möchte sie nicht ins Pflegeheim stecken, aber Mamá möchte sie nicht pflegen. Ich werde morgen mal zu ihnen fahren und versuchen, zwischen ihnen zu vermitteln.«

»Und wenn wir sie aufnehmen? Ich meine, du bist Krankenschwester, du kannst dich um sie kümmern.«

Ich schüttelte den Kopf. »Ich kann aber meinen Job nicht aufgeben, um mich um sie zu kümmern.«

»Auch wieder wahr.«

Es war mein Gehalt, von dem wir lebten, Diegos ging für die Raten seines Wagens, die Miete und andere Fixkosten drauf. Wir hatten kein schlechtes Leben, aber es hätte besser sein können. Unser Traum war es, irgendwann nach Amerika auszuwandern, er sprach Englisch und würde sich verständigen können, aber ich musste es noch lernen. Ich verstand kaum etwas, sprach noch weniger, deshalb konnte ich noch keinen Gedanken an eine Auswanderung verschwenden. Die amerikanischen Behörden würden mir niemals eine Aufenthaltsgenehmigung ausstellen, solange ich die Sprache nicht beherrschte.

»Guten Abend, Diego«, sagte ein Mann, der sich an den Wagen meines Lebensgefährten lehnte. »Schön, dich zu sehen.«

Diego versteifte sich. »Was wollt ihr?«

»Du sagtest, wir würden heute unser Geld bekommen«, erwiderte der andere, aber die Sprache war mir fremd.

»Was ist los?«, wandte ich mich an Diego.

Er schüttelte den Kopf, sah mich aber auch mahnend an, weshalb ich lieber den Mund hielt. »Ich sagte dir, dass ich es heute nicht schaffe«, entgegnete er, aber ich verstand kein Wort. Zuvor hatten sie sich auf Spanisch unterhalten, nun sprachen sie Englisch.

»Diego?«, fragte ich noch einmal, als die beiden immer lauter miteinander sprachen.

Was sollte das?

Warum antwortete er mir nicht?

Sein Arm legte sich fester um mich. »Es tut mir leid, Marisol«, wandte er sich schließlich an mich.

»Was tut dir leid?«, wollte ich wissen. »Was ist denn los?«

Diego zog sich von mir zurück und ich wollte ihm folgen, da ich mich fürchtete, doch mir wurde plötzlich ein Sack über den Kopf gezogen und jemand stach mir etwas in den Hals. Sofort legte sich ein Schleier über mein Gemüt, sicher war das irgendein Beruhigungsmittel, möglicherweise sogar ein Schlafmittel, das man mir verabreicht hatte.

»Diego?«, fragte ich schwach, als ich gepackt wurde. Ich versuchte, gegen die Hände anzukämpfen, aber es gelang mir nicht, sie abzuschütteln. Wenig später schlug ich auf einen harten Untergrund auf.

»Te amo, Querida, lo siento.« Warum entschuldigte er sich denn? Wofür? »Ten una bueno vida«, fuhr Diego fort, als ich auf einen harten Untergrund geworfen wurde. Er wünschte mir noch ein schönes Leben.

Eine Schiebetür wurde geschlossen. Weitere Türen fielen zu, dann setzte sich das Fahrzeug ruckelnd in Bewegung und meine Wahrnehmung schwand.

* * *

1

CRIMSON

Genervt warf ich einen Blick auf die Uhr. Die Männer waren überfällig und ich fragte mich, wo Vain und Blade so lange blieben. Die beiden waren sonst immer pünktlich, nur heute stellten sie meine Geduld auf eine harte Probe. Sie wussten, dass ich Besseres zu tun hatte, als auf die neue Ware zu warten.

»Crimson?«, rief Blade entnervt.

Ich stieß mich von der Bar ab, nahm das Whiskeyglas an mich und leerte es, erst dann machte ich mich auf zum Hintereingang unserer kleinen Tarnung. »Was ist?«, wollte ich wissen, als ich ihn sah.

»Du musst uns die Tür zum Keller öffnen«, erwiderte er.

Ich trat einen Schritt nach draußen in die Sonne und sah, dass die alte Kohleschütte noch von innen verschlossen sein musste. »Ich erledige das sofort.« Danach wandte ich mich ab und machte mich auf den Weg in den Keller. Ich betrat die Zelle, verschloss diese hinter mir und öffnete das Panzerschloss an der Eisentür. Das äußere Schloss hatten die beiden sicher schon geöffnet. Ich schob den Eisenriegel zur Seite, danach stieß ich die Türen auf.

»Kannst du sie annehmen?«

»Wo steckt Vain?«, wollte ich wissen.

»Verteilt noch ein paar Dosen, damit sich die Ware nicht wehrt«, erwiderte Blade gelassen. »Also?«

»Na schön, reich sie mir an.« Ich ließ meinen Blick durch die Zelle schweifen. Feldbetten standen herum, hier würden die Damen fürs Erste wohnen, bevor sie die nächste Station erreichten.

»Alles klar.« Blade verschwand aus meinem Sichtfeld, wenig später kam er mit einem Bündel zurück.

»Warum ist sie in eine Decke eingewickelt?«

»Wir haben alle in Decken gewickelt, bevor wir über die Grenze gefahren sind, weil die Grenzbeamten kontrolliert haben«, antwortete er.

»Ah ja.« Ich nahm die Frau an, danach legte ich sie auf die erste Pritsche.

* * *

Heute waren es zehn Frauen gewesen, letzte Woche nur fünf, wenigstens hatte Esteban verstanden, dass ich wieder die volle Lieferung bekommen wollte, wenn ich schon die Grenzbeamten und Gott weiß, wen sonst noch schmieren musste, damit ich an meine Ware und gefälschte Ausweispapiere für die Frauen kam. Außerdem erhielten wir gefälschte Aufenthaltspapiere, damit die USCIS uns nichts anhaben konnte. Wir hatten ständig irgendwelche Leute von denen oder der DEA im Nacken, weil man versuchte, uns etwas nachzuweisen, jedoch gelang es ihnen nie. Wir waren zu clever für diese Vollidioten.

»Wann willst du dir die Frauen ansehen?«, fragte Vain, als wir zu dritt am Tresen saßen.

Ich schaute ihn nachdenklich an. »Sobald sie aufgewacht sind.« Anschließend räusperte ich mich. »Wie viele sind es?«

»Zehn.«

»Ich meine, wie viele brauchbar sind«, korrigierte ich mich. »Zählen kann ich noch.«

Er schnaubte. »Wir kamen nicht dazu, sie anzusehen, weil Esteban rumgestresst hat. Dafür hat er aber auch nicht die ganze Kohle bekommen.«

»Was habt ihr bezahlt?«

»25.000, statt der vereinbarten 50.000«, antwortete Blade. »Weil die letzte Lieferung unvollständig war, außerdem hat er uns warten lassen, sonst wären wir früher hier gewesen.«

Ich nickte, leerte meinen Whiskey und warf einen Blick auf die Uhr. »Was steht heute noch an?«

»Nichts weiter, außer du willst die Fleischbeschau hinter dich bringen«, entgegnete Blade gelassen.

»In Ordnung, dann gehe ich hoch.« Ich erhob mich von dem Barhocker und machte mich auf den Weg zur Treppe.

»Alter?«, fragte Blade.

Nachdem ich stehengeblieben war, drehte ich mich zu ihm um. »Was?«

»Was machst du oben?«

»E-Mails checken und schreiben«, antwortete ich. »Außerdem ein paar Anrufe tätigen, damit übermorgen die Kunden kommen können, um ein bisschen Geld bei uns zu lassen.«

»Du willst sie schon übermorgen versteigern?«

Ich nickte abermals. »Das habe ich vor, immerhin können wir sie nicht ständig zwischenlagern, bis sie die Sprache sprechen. Darum können sich künftig die Kunden kümmern.«

»Wir sollten trotzdem eine Woche warten. Du weißt genau, dass eine aus der vorletzten Lieferung durchdrehte, als sie versteigert werden sollte«, mischte sich Vain ein. »Wir sollten die Frauen vorher noch ein wenig einschüchtern und herausfinden, wie viel ihnen ihre Familien wert sind.«

Ich schnaubte unzufrieden. »Na schön, dann wird’s Termine am Wochenende geben.«

»Findest du nicht, dass du es überstürzt?«, fragte Blade.

Daraufhin schüttelte ich den Kopf. »Nein, ich finde nicht, dass ich es überstürze. Morgen sehen wir uns die Frauen an, heute habe ich keinen Nerv mehr darauf.«

»Ich schicke Perdita gleich zu ihnen, damit sie ihnen Wasser und Sandwiches bringt«, meinte Vain.

Meine Augenbraue glitt in die Höhe. »Wasser reicht, mehr gibt’s nicht, bis wir sie uns angesehen haben.«

»Na schön«, erwiderte er.

»Ich bin oben.« Ich wandte mich ab und machte mich endlich auf den Weg in die erste Etage, wo wir unser großes Büro hatten. Dort hatte ich mein MacBook im Safe eingeschlossen, ebenso die der anderen beiden. Wir waren vorsichtig, denn wir hatten keine Lust, in den Knast zu wandern. Es wäre Blades zweiter Aufenthalt, denn als junger Erwachsener hatte er fünf Jahre eingesessen.

Ich betrat das Büro und holte den Laptop aus dem Tresor, danach setzte ich mich an meinen Schreibtisch. Hier standen drei, einer für jeden von uns. Meiner stand gegenüber der Tür, denn ich war derjenige von uns, der das Sagen hatte. Ich öffnete die verschlüsselte E-Mail von Esteban und sah mir die Fotos der Frauen an. Manche erkannte man nicht oder sie waren zu krass verprügelt worden, weshalb man ihr Aussehen nur erahnen konnte, da sie so viele Schwellungen hatten. Ich hielt nichts davon, die Frauen zusammenzuschlagen, so brach man zwar ihren Willen, aber man beschädigte sie auch. Und das minderte ihren Wert, was uns teuer zu stehen kommen konnte.

Unsere Kunden wollten intakte Ware, keine Narben, nicht mal die eines aufgeschürften Knies oder eines kleinen Schnittes durften die Frauen haben. Es war schwer, einwandfreie Frauen zu finden, aber gerade Mexikanerinnen achteten unheimlich auf ihre Körper, sodass sie meistens keine Narben hatten.

Die Fotos boten keinen besonders schönen Anblick, weshalb ich sie wieder schloss. Ich schrieb Esteban, dass ich die nächste Lieferung nicht annehmen würde, sollten seine Männer noch einmal so hart mit ihnen umgehen, denn ich hatte keine Lust, meine Preise drücken zu lassen, weil sich seine Leute nicht unter Kontrolle hatten.

* * *

»Crimson?«

Ich hob den Blick vom Laptopdisplay und sah Blade fragend an. »Was gibt’s?«

»Wir sollten uns die Frauen ansehen. Perdita sagte, dass einige immer noch echt heftig aussehen«, erwiderte er.

Schnaubend klappte ich das MacBook zu, legte es in den Safe und verschloss diesen. »Lass uns gehen.«

Gemeinsam mit Blade machte ich mich auf den Weg in den Keller. Wenn Perdita, eine gehörlose ältere Dame, die wir unwahrscheinlich gut bezahlten, ihren Job gemacht hatte, waren die Frauen sauber und hatten sich in einer Reihe aufgestellt. Wenn nicht, sollte ich mit ihr sprechen, damit sie künftig etwas mehr Arbeitseifer zeigte.

»Hast du dein Messer dabei?«, erkundigte ich mich.

»Wie immer«, erwiderte er. »Du auch?«

»Ja, ebenso meine Waffe, falls eine durchdreht.«

»Die habe ich auch dabei«, meinte er, bevor wir durch die Kellertür traten.

Perdita hatte ihren Job gemacht. Die Frauen standen dort in Reih und Glied, hielten die Köpfe gesenkt und sie zitterten wie Espenlaub – zugegeben, hier unten war es verdammt kalt, aber für Durchlaufware würde ich hier keine Heizung einbauen lassen. Sie hatten Decken, mit denen sie sich wärmen konnten, das reichte.

Ich ging vor der Reihe auf und ab, eine Frau schluchzte und weinte. Vor ihr blieb ich stehen, legte meine Hand unter ihr Kinn und drückte ihren Kopf hoch. Ihre Nase war noch blutverkrustet, sie hatte zwei Veilchen und meine Augenbraue glitt in die Höhe. »Verstehst du, was ich sage?«

Sie nickte.

»Wer hat dir das angetan?«

»Männer«, antwortete sie mit starkem spanischen Akzent. »Männer in Halle.«

»Warum?«

Ihre Unterlippe zitterte, ebenso ihr Unterkiefer, doch mein Griff verhinderte das Klappern ihrer Zähne. »Mich gewehrt habe.«

Ich kniff die Augenbrauen zusammen. »Wirst du dich gegen uns wehren?«

Sie schwieg, weshalb ich mehr Druck auf ihren Unterkiefer ausübte.

»Antworte!«

»Ich wehre mich … Immer«, sagte sie schließlich.

Ich zog sie aus der Reihe und schubste sie zu Vain. »Sie ist unbrauchbar.«

»Und jetzt?«

»Schaffst du sie weg. Entweder verkaufst du sie an Victor oder du entsorgst sie«, antwortete ich gelassen.

Nickend zog Vain sie unter ihrer Gegenwehr zu einer anderen Zelle, diese verfügte über eine Eisentür und war schallisoliert, der ganze Keller war es, doch man konnte die Schreie hier unten hören. Kamen sie jedoch in unsere private Gummizelle, hörte man keinen Mucks.

Ich sah mir die anderen Frauen an, die meisten verstanden mich und fügten sich in ihre neue Rolle. »Ausziehen«, verlangte ich von der letzten, die mich einfach nur ansah. Sie schien, mich nicht zu verstehen.

»¿Qué?«, fragte sie irritiert.

»Ausziehen!«, herrschte ich sie an.

Hilfe suchend schaute sie sich um.

»Wer von euch spricht so gutes Englisch, dass sie dolmetschen kann?«, wandte ich mich an die anderen Frauen.

Eine trat aus der Reihe vor. »Ich spreche Englisch, Sir«, sagte sie ängstlich und beinahe akzentfrei.

»Dann bist du unsere Dolmetscherin, solange ihr hier seid.«

Sie nickte mir zu.

»Frag sie nach ihrem Namen«, verlangte ich.

»Quiere saber tu nombre«, sagte sie zu jener, die mich offensichtlich nicht verstand.

»Marisol«, erwiderte die andere.

»Sag ihr, dass sie sich ausziehen soll«, fuhr ich fort.

Sie gab es an sie weiter.

»No«, entgegnete Marisol und sprach so schnell weiter, dass ich überhaupt nicht mitkam.

Ich schaute zu Vain und Blade, die die Schultern hochzogen. Wir sollten dringend Spanisch lernen, damit wir uns mit den Frauen verständigen konnten. Bisher war es nicht nötig, weil die Ware immer verstanden hatte, was wir sagten, und gebrochenes Englisch sprach, aber das hier war neu. »Was sagt sie?«, wandte ich mich an die Dolmetscherin.

»Dass sie sich nicht ausziehen wird und die Hölle zufriert, bevor sie überhaupt daran denkt.«

Ich baute mich vor Marisol auf und sah sie vernichtend an, doch sie hielt meinen Blick länger als jede andere vor ihr. Ich verengte die Augen, dann sah sie weg. Entschieden streckte ich meine Hände aus, griff an ihren Kragen und riss ihr das behelfsmäßige Kleid vom Leib, das sie trug.

Marisol stieß einen schockierten Laut aus und legte sofort die Hände auf ihre Unterwäsche.

»Sag ihr, dass sie die Hände runternehmen soll«, verlangte ich.

Sie tat es, doch Marisol folgte meinem Befehl nicht.

Schnaubend trat ich noch einmal auf sie zu, ergriff ihre Handgelenke und zog sie von ihrer Blöße. Sie wehrte sich gegen mich, dennoch sah ich die Angst in ihren Augen. Ich schaute an ihr hinab, erkannte weder Narben noch andere Makel und schnalzte mit der Zunge. »Geht doch«, sagte ich schließlich und gab ihre Handgelenke frei.

»Und?«, schaltete sich Blade ein.

Ich sah zu ihm. »Makellos, wie verlangt.«

»Aber kratzbürstig«, erwiderte er. »Immerhin befolgt sie keine Befehle.«

»Das treiben wir ihr noch aus«, sagte ich überzeugt.

»Na schön.«

Ich schaute Marisol wieder an. Sie war hübsch, makellos und viel zu schade, um bei einem notgeilen alten Sack zu enden, aber das waren viele.

Für sie würde ich keine Ausnahme machen.

* * *

2

MARISOL

Dieser Mann hatte mich zutiefst gedemütigt.

Er stand immer noch vor mir und betrachtete mich, doch ich wich seinem Blick aus. Ich wollte ihn nicht ansehen, denn tat ich es, bekam ich es mit der Angst zu tun. Mir war nie zuvor jemand begegnet, der so viel Gefahr und Finsternis ausstrahlte wie dieser Mann. Seine Augenbraue war von einer Narbe geteilt, die sich bis auf seine Wange zog. Sie verlieh ihm etwas Bedrohliches. Zudem verstand ich keines der Worte, die er sprach.

»Frag sie, woher sie kommt«, sagte er auf Englisch.

Die Frau hieß Maria, ich hatte mitbekommen, dass eine andere sie so genannt hatte, als wir noch alleine waren. Maria sah mich an. »Er möchte wissen, woher du kommst«, übersetzte sie schließlich.

Ich schluckte. »Ciudad de Mexico«, antwortete ich mit dünner Stimme.

Sie gab es auf Englisch an ihn weiter.

Er fragte wieder etwas.

»Warum sprichst du kein Englisch, möchte er wissen.

---ENDE DER LESEPROBE---