Fliegende Fetzen - Terry Pratchett - E-Book

Fliegende Fetzen E-Book

Terry Pratchett

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Beschreibung

Ein neues Land taucht auf im Runden Meer der Scheibenwelt. Die Bewohner von Ankh-Morpork sind der Meinung, dass die Insel ihnen gehört, bedauerlicherweise glauben das aber auch die Bewohner von Klatsch. Es kommt zu diplomatischen Wirren, und als auf einen klatschianischen Abgesandten ein Attentat verübt wird, droht die Lage zu eskalieren. Schon setzen sich die Schiffe beider Seiten in Bewegung, um dem Gegner zu zeigen, wer das Sagen hat ...



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Terry Pratchett, geboren 1948, ist einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Von seinen Romanen wurden weltweit rund 65 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke in 37 Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau Lyn in der englischen Grafschaft Wiltshire.

Informationen zu Terry Pratchett auch unter www.pratchett-buecher.de und www.pratchett-fanclub.de.

Terry Pratchett bei Goldmann und Manhattan:

Die Romane von der bizarren Scheibenwelt:

Voll im Bilde · Alles Sense! · Total verhext · Einfach göttlich · Lords und Ladies Helle Barden · Rollende Steine · Echt zauberhaft · Mummenschanz · Hohle Köpfe Schweinsgalopp · Fliegende Fetzen · Heiße Hüpfer · Ruhig Blut! · Der fünfte Elefant Die volle Wahrheit · Der Zeitdieb · Die Nachtwächter · Weiberregiment · Ab die Post · Klonk! · Schöne Scheine · Der Club der unsichtbaren Gelehrten · Steife Prise

Märchen von der Scheibenwelt:

Maurice, der Kater · Kleine freie Männer · Ein Hut voller Sterne · Der Winterschmied · Das Mitternachtskleid

Zwei Scheibenwelt-Romane in einem Band:

Total verhext/Einfach göttlich · Lords und Ladies/Helle Barden · Rollende Steine/ Echt zauberhaft · Mummenschanz/Hohle Köpfe · Schweinsgalopp/Fliegende Fetzen

Von der Scheibenwelt außerdem erschienen:

Wahre Helden. Ein illustrierter Scheibenwelt-Roman · Die Kunst der Scheibenwelt Das Scheibenwelt-Album. Illustriert von Paul Kidby · Mort. Der Scheibenwelt-Comic. Illustriert von Graham Higgins · Wachen! Wachen! Der Scheibenwelt-Comic. Illustriert von Graham Higgins · Nanny Oggs Kochbuch. Mit Rezepten von Tina Hannan. Illustriert von Paul Kidby · Die Straßen von Ankh-Morpork. Eine Scheibenwelt-Karte · Die Scheibenwelt von A - Z · Mythen und Legenden der Scheibenwelt · Witz und Weisheit der Scheibenwelt · Narren, Diebe und Vampire. Die besten Geschichten aus zehn Jahren Scheibenwelt-Kalender

Dazu ist erschienen:

Die gemeine Hauskatze. Illustriert von Gray Jolliffe · Eine Insel. Roman

Außerdem sind Johnny-Maxwell-Romane von Terry Pratchett erschienen: Nur du kannst die Menschheit retten/Nur du kannst sie verstehen/Nur du hast den Schlüssel. Drei Romane in einem Band

Weitere Bücher von Terry Pratchett sind in Vorbereitung.

Inhaltsverzeichnis

Copyright

Es war eine mondlose Nacht, bestens geeignet für die Zwecke von Fester Fanggut.

Er fischte Neugierige Tintenfische. Man nannte sie so, weil sie nicht nur Tintenfische waren, sondern auch neugierig. Ihre Neugier konnte bemerkenswerte Ausmaße annehmen.

Zuerst wurden die Tintenfische auf die Laterne neugierig, die Fester Fanggut am Heck des Bootes aufhängte. Kurz darauf galt ihre Neugier der Tatsache, dass manche Artgenossen plötzlich mit einem Platschen himmelwärts verschwanden.

Einige von ihnen wurden für sehr kurze Zeit auf das spitze Ding mit Widerhaken neugierig, das sich ihnen schnell näherte.

Die Neugierigen Tintenfische waren extrem neugierig. Leider verstanden sie es nicht, die Dinge richtig miteinander in Verbindung zu bringen.

Es dauerte recht lange, um das weit entfernte Fanggebiet zu erreichen, aber für Fester Fanggut lohnte sich die Reise. Die Neugierigen Tintenfische waren klein, harmlos und schwer zu finden. Kenner behaupteten, auf der ganzen Scheibenwelt gäbe es keine Geschöpfe, die schlechter schmeckten. Das machte sie zu sehr begehrten Spezialitäten in bestimmten Restaurants, deren hochbegabte Chefköche mit großer Mühe Speisen kreierten, die überhaupt keine Neugierigen Tintenfische enthielten.

In dieser mondlosen Nacht hatte Fester Fanggut ein Problem. Während der Laichzeit waren die Neugierigen Tintenfische besonders neugierig, aber diesmal schienen die Chefköche im Meer am Werk gewesen zu sein.

Weit und breit gab es keine neugierig blickenden Augen. Auch die übrigen Bewohner des Ozeans glänzten durch Abwesenheit, obwohl sich immer einige vom Licht anlocken ließen. Fester sah nur einen einzigen Fisch schnurgerade durchs Wasser schwimmen, und zwar ziemlich schnell.

Er legte den Dreizack beiseite und trat zum anderen Ende des Bootes. Dort blickte sein Sohn Les aufmerksam über das vom Laternenschein erhellte Meer.

»Seit einer halben Stunde zeigt sich gar nichts mehr«, sagte Fester.

»Bist du ganz sicher, dass wir hier richtig sind, Vater?«

Fester sah zum Horizont. Ein vages Glühen am Himmel wies auf die Stadt Al-Khali an der klatschianischen Küste hin. Er drehte sich um. Der Horizont auf der anderen Seite zeigte ein ähnliches Glühen, das von Ankh-Morpork stammte. Das Boot befand sich auf halbem Weg zwischen den beiden Metropolen.

»Natürlich bin ich mir sicher«, erwiderte Fester, aber die Gewissheit floh aus seiner Stimme.

Eine sonderbare Stille herrschte. Irgendetwas stimmte nicht. Das Boot schwankte ein wenig, aber das lag an den Bewegungen der beiden Insassen.

Es fühlte sich an, als stünde ein Unwetter bevor. Doch am Himmel funkelten die Sterne, und nirgends waren Wolken zu sehen.

Die Sterne funkelten auch auf dem Wasser. Nun, das sah man nicht alle Tage.

»Ich schätze, wir sollten besser von hier verschwinden«, sagte Fester.

Les deutete auf das schlaffe Segel. »Und woher nehmen wir den Wind, Vater?«

In diesem Augenblick hörten sie das Platschen von Rudern.

Fester Fanggut spähte übers Meer und erkannte die Umrisse eines anderen Bootes, das sich ihnen näherte. Er griff nach dem Bootshaken.

»Ich weiß, dass du das bist, du diebischer ausländischer Mistkerl!«

Die Ruder verharrten. Eine Stimme rief übers Wasser.

»Mögen dich tausend Dämonen verschlingen, du Elender!«

Das andere Boot glitt näher. Mit den aufgemalten Augen am Bug sah es sehr fremdartig aus.

»Hast du sie alle weggefischt, was? Ich durchbohre dich mit meinem Dreizack, du hinterhältiger Dreckskerl!«

»Mein krummes Schwert sollst du am Hals spüren, du unreiner Sohn einer noch viel unreineren Frau!«

Les blickte über den Rand des Bootes. Kleine Luftblasen stiegen empor und zerplatzten an der Meeresoberfläche.

»Vater?«, sagte er.

»Das ist der Schmierige Arif da draußen!«, donnerte Fester. »Sieh ihn dir gut an! Seit Jahren kommt er hierher und stiehlt unsere Tintenfische, der verlogene kleine Teufel!«

»Vater, das Meer …«

»Nimm du die Ruder, und ich schlage ihm die schwarzen Zähne aus!«

Les hörte eine Stimme von dem anderen Boot. »… siehst du, mein Sohn, wie der niederträchtige Fischdieb …«

»Ruder!«, rief Fester.

»An die Ruder!«, rief jemand im anderen Boot.

»Wem gehören die Tintenfische, Vater?«, fragte Les.

»Uns!«

»Was, bevor wir sie gefangen haben?«

»Sei still und ruder!«

»Ich kann das Boot nicht bewegen, Vater. Wir sitzen an irgendetwas fest!«

»Hier ist das Meer hundert Faden tief, Junge! Woran sollten wir festsitzen?«

Les versuchte, ein Ruder aus dem Etwas zu ziehen, das sich aus dem sprudelnden Meer erhob.

»Sieht wie ein … Huhn aus, Vater!«

Unterhalb der Meeresoberfläche hörten sie ein Geräusch. Es klang nach einem Gong oder einer Glocke, die langsam hin und her schwang.

»Hühner können nicht schwimmen!«

»Dieses Huhn besteht aus Eisen, Vater!«

Fester eilte zum Heck des Bootes.

Es schien tatsächlich ein Huhn aus Eisen zu sein. Es trug einen Mantel aus Tang und Muscheln. Wasser tropfte herab, als sich das Ding den Sternen entgegenreckte.

Das Gebilde hockte auf einer kreuzförmigen Hühnerstange.

Buchstaben bildeten die vier Enden des Kreuzes.

Fester hielt die Laterne etwas näher.

»Was zum …«

Hastig zog er das Ruder frei und setzte sich neben seinen Sohn.

»Ruder, was das Zeug hält, Les!«

»Was ist denn los, Vater?«

»Sei still und ruder! Wir müssen so schnell wie möglich fort von hier!«

»Kommt ein Ungeheuer aus dem Meer, Vater?«

»Etwas viel Schlimmeres als ein Ungeheuer!«, rief Fester, als die Ruder durchs Wasser pflügten.

Das Objekt hatte inzwischen eine eindrucksvolle Höhe erreicht. Offenbar stand es auf einer Art Turm …

»Was ist es, Vater? Was ist es?«

»Ein verdammter Wetterhahn!«

Im Großen und Ganzen hielt sich die geologische Aufregung in Grenzen. Das Versinken von Kontinenten geht für gewöhnlich einher mit Vulkanausbrüchen, Erdbeben und ganzen Flotten von kleinen Booten, mit denen alte Männer aufbrechen, um Pyramiden und mystische Steinkreise in irgendeinem neuen Land zu bauen, wo die Verwalter von uralter okkulter Weisheit darauf hoffen dürfen, dass sie auf junge Frauen attraktiv wirken. Doch das Aufsteigen dieser Landmasse verursachte kaum Störungen in der allgemeinen Struktur. Sie schlich an ihren alten Platz zurück, wie eine Katze, die einige Tage fort gewesen ist und weiß, dass man sich wegen ihr Sorgen gemacht hat.

An den Küsten des Runden Meers schlug eine große Welle auf – als diese das Ufer erreichte, war sie nur noch etwas mehr als anderthalb Meter hoch –, die ein wenig Aufsehen erregte. In manchen sehr tief gelegenen Sumpfregionen wurden einige Dörfer überschwemmt, aber dort wohnten ohnehin nur Leute, um die sich niemand scherte. Rein geologisch gesehen, geschah nicht sehr viel.

Rein geologisch gesehen.

»Es ist eine Stadt, Vater! Sieh nur all die Fenster und …«

»Du sollst still sein und rudern!«

Meerwasser floß über die Straßen. Auf beiden Seiten stiegen große, algenverkrustete Gebäude aus den brodelnden Fluten.

Vater und Sohn versuchten, das Boot zu stabilisieren, als es von den Fluten mitgerissen wurde. Unglücklicherweise blickten sie beim Rudern in die falsche Richtung, weshalb sie das andere Boot zu spät bemerkten.

»Irrer!«

»Dummkopf!«

»Rühr das Gebäude nicht an! Dieses Land gehört Ankh-Morpork!«

Die beiden Boote drehten sich auf einem kurzlebigen Strudel.

»Im Namen des Serifen von Al-Khali erhebe ich Anspruch auf dieses Land!«

»Wir haben es zuerst gesehen! Les, sag ihm, dass wir es zuerst gesehen haben!«

»Wir haben es zuerst gesehen, bevor ihr es zuerst gesehen habt!«

»Les, du bist Zeuge, er hat versucht, mich mit dem Ruder zu schlagen!«

»Aber Vater, so wie du den Dreizack schwingst …«

»Sieh nur die alles andere als vertrauenswürdige Art, in der er uns angreift, Akhan!«

Unter dem Kiel der beiden Boote knirschte es. Sie neigten sich zur Seite und sanken dabei in den Schlamm des einstigen Meeresgrunds.

»Da drüben steht eine interessante Statue, Vater …«

»Er hat seinen Fuß auf klatschianischen Boden gesetzt! Der Tintenfischdieb!«

»Nimm die schmutzigen Sandalen vom Territorium Ankh-Morporks!«

»Oh, Vater!«

Die beiden Fischer schrien sich nicht mehr an, hauptsächlich deshalb, weil sie Luft holen mussten. Krabben krabbelten davon. Wasser floss von Tangfladen und schuf Rinnen im grauen Schlick.

»Da drüben gibt es bunte Fliesen …«

»Es gehört mir!«

»Nein, mir!«

Les sah Akhan an. Sie wechselten einen sehr kurzen Blick, der trotzdem viele Informationen übermittelte, vor allem die enorme Verlegenheit darüber, einen Vater zu haben.

»Vater, es ist nicht nötig, dass wir …«, begann Les.

»Sei still, Junge! Es geht um deine Zukunft …«

»Ja, aber was spielt es für eine Rolle, wer dieses Land zuerst gesehen hat, Vater? Wir sind beide mehrere hundert Meilen von der Heimat entfernt! Ich meine, wer weiß denn von dieser Sache?«

Die beiden Fischer starrten sich an.

Um sie herum ragten tropfnasse Gebäude empor. Sie hatten Löcher, die einst Türen gewesen sein mochten, und glaslose Öffnungen, die vielleicht einmal als Fenster gedient hatten. Doch in ihrem Innern blieb es finster. Les glaubte dann und wann Geräusche zu hören, die auf etwas Rutschendes oder Kriechendes hindeuteten.

Fester Fanggut hüstelte. »Der Junge hat Recht«, brummte er. »Wie dumm, uns zu streiten. Wir sind hier doch nur zu viert.«

»Ja«, bestätigte Arif.

Sie wichen zurück, wobei jeder Mann den anderen genau im Auge behielt. Und dann riefen beide fast gleichzeitig: »Schnappen wir uns das Boot!«

Nach einigen Sekunden des Durcheinanders liefen und rutschten zwei Paare durch die schlammigen Straßen, jeweils mit einem Boot über den Köpfen.

Kurz darauf kehrten sie zurück, um ihre richtigen Söhne zu holen, und man hörte ein zweistimmiges: »Ein Entführer obendrein, wie?«

Wie alle Fachleute von Forschungsreisen und Entdeckungen wissen: Den Preis bekommt nicht etwa der Forscher, der als Erster seinen Fuß auf jungfräulichen Boden setzt, sondern derjenige, der eben diesen Fuß als Erster nach Hause bringt. Er kann von Glück sagen, wenn der Fuß dann noch am Bein befestigt ist.

Die Wetterhähne von Ankh-Morpork drehten sich knarrend in den Wind.

Nur wenige von ihnen repräsentierten die Gattung Avis domestica. Es gab Darstellungen von Drachen, Fischen und anderen Tieren. Auf dem Dach der Assassinengilde quietschte ein Mitglied mit Dolch und Mantel in eine neue Position. Bei der Bettlergilde streckte ein Blechbettler dem Wind die Hand entgegen und bat um eine Münze. Bei der Fleischergilde schnüffelte ein kupfernes Schwein. Auf dem Dach der Diebesgilde drehte sich ein echter, wenn auch ziemlich toter, nicht lizensierter Dieb, was beweist, wozu man fähig sein kann, wenn man sich wirklich Mühe gibt – oder wenn man ohne Lizenz zu stehlen versucht.

Der Wetterhahn auf dem kuppelförmigen Dach der Universitätsbibliothek ging nach und würde die Veränderung erst in einer halben Stunde anzeigen.

Der Geruch des Meeres trieb über die Stadt.

Auf dem Hiergibt’salles-Platz fanden Volksredner immer wieder ein interessiertes Publikum, vielleicht deshalb, weil die »Volksreden« in den meisten Fällen auf Schimpfkanonaden und Hasstiraden hinausliefen. Manchmal war es auch das selbstvergessene Murmeln von Leuten, die hier und dort wie verträumt durch die Menge wandelten. Aber sie bildeten die Ausnahme. Der Tradition zufolge entwickelte die Rhetorik der Volksredner maximale Lautstärke: Die betreffenden Personen schrien aus vollem Hals. Es hieß, dass der Patrizier diesem Brauch wohlwollend gegenüberstand. Er fand ihn so wichtig, dass seine Beauftragten aufmerksam zuhörten und sich Notizen machten.

Auch die Wache ließ es nicht an Aufmerksamkeit mangeln.

Von Herumspionieren konnte in diesem Zusammenhang keine Rede sein, sagte sich Kommandeur Mumm. Man spionierte herum, wenn man an Mauern entlangschlich und heimlich durch Fenster blickte. In diesem Fall musste man zurückweichen, um nicht taub zu werden.

Ohne hinzusehen, streckte er die Hand aus und entzündete ein Streichholz an Feldwebel Detritus.

»Das ich gewesen bin«, sagte der Troll vorwurfsvoll.

»Entschuldigung, Feldwebel«, erwiderte Mumm und hob das brennende Streichholz an die Zigarre.

»Es kein Problem sein.«

Ihre Blicke kehrten zu den Rednern zurück.

Es ist der Wind, dachte Mumm. Er bringt etwas Neues …

Normalerweise faselten die Redner von vielen verschiedenen Dingen, wobei sich die meisten Themen am Rand des Wahnsinns aufhielten oder in den friedlichen Tälern jenseits davon wurzelten. Doch jetzt schienen sie alle von einer fixen Idee besessen zu sein.

»… wird es Zeit, dass wir ihnen eine Lektion erteilen!«, heulte der nächste Redner. »Warum hören unsere sogenannten Herren nicht auf die Stimme des Volkes? Ankh-Morpork hat genug von den angeberischen Banditen! Sie stehlen unseren Fisch, sie stören unseren Handel, und jetzt nehmen sie uns auch noch das Land weg!«

Es wäre besser gewesen, wenn die Leute gejubelt hätten, fand Mumm. Das Publikum jubelte fast immer, ganz gleich, worum es ging – es machte einfach mehr Spaß, wenn man die Redner anfeuerte. Doch in diesem Fall blieben die Zuhörer stumm und nickten. Sie schienen tatsächlich über die Worte des Redners nachzudenken …

»Sie haben meine Waren gestohlen!«, rief ein anderer Redner. »Es ist ein verdammtes Piratenreich! Sie haben mein Schiff geentert! In den Gewässern von Ankh-Morpork!«

Die Antwort war ein allgemeines selbstgerechtes Murmeln.

»Was haben sie dir gestohlen, Herr Jenkins?«, fragte jemand aus der Menge.

»Eine Ladung erlesener Seide!«

Die Zuhörer schnappten empört nach Luft.

»Ach? Keine getrockneten Fischinnereien und für den Verzehr ungeeignetes Fleisch? Das ist doch deine normale Fracht, oder?«

Herr Jenkins reckte den Hals, um zu sehen, von wem diese Worte stammten.

»Erlesene Seide!«, wiederholte er. »Und schert sich die Stadt darum? Nein!«

»Eine Schande!«, tönte es hier und dort.

»Wurde das Verbrechen der Stadt mitgeteilt?«, fragte jemand.

Nicht nur Herr Jenkins reckte den Hals, sondern auch einige der Zuhörer. Und dann wichen die Leute beiseite, als sie Kommandeur Mumm von der Stadtwache erkannten.

»Nun, ich …«, begann Jenkins. »Äh … ich …«

»Ich schere mich um so etwas«, betonte Mumm. »Es dürfte eigentlich nicht weiter schwierig sein, eine Ladung erlesene Seide zu finden, die nach Fischinnereien stinkt.« Gelächter erklang. Die Bürger von Ankh-Morpork mochten Abwechslung bei ihrem Straßentheater.

Mumm wandte sich an Feldwebel Detritus, während sein Blick auf Jenkins gerichtet blieb. »Detritus, bitte begleite Herrn Jenkins. Sein Schiff ist die Milka, glaube ich. Er wird dir Frachtbriefe, Rechnungen und Empfangsbescheinigungen und dergleichen zeigen. Es dauert bestimmt nicht lange, dieser Sache auf den Grund zu gehen.«

Mit einem lauten Klong stieß Detritus’ Hand an den Helm.

»Jawohl, Herr Kommandeur!«

»Äh … äh … das geht nicht«, brachte Jenkins hervor. »Sie, äh … haben auch die Frachtpapiere und alle anderen Unterlagen gestohlen …«

»Wirklich? Damit sie das Zeug im Laden umtauschen können, wenn es nicht passt?«

»Äh … und außerdem ist das Schiff wieder in See gestochen. Ja, genau! Ich muss versuchen, die erlittenen Verluste auszugleichen!«

»Das Schiff ist ohne seinen Kapitän aufgebrochen?«, erkundigte sich Mumm. »Vermutlich steht es unter dem Befehl des Ersten Offiziers Skoplett?«

»Ja, ja …«

»Na so was!« Mumm schnippte übertrieben mit den Fingern. »Der Mann, den wir in der vergangenen Nacht wegen frecher Betrunkenheit eingesperrt haben … Ich schätze, wir müssen ihm auch noch zur Last legen, dass er einen falschen Namen benutzt hat. Das bedeutet mehr verdammten Papierkram für uns. Die Aktenberge werden immer höher …«

Jenkins versuchte, sich vom Kommandeur abzuwenden, aber Mumm hielt seinen Blick fest. Das Zittern seiner Lippen deutete darauf hin, dass er eine scharfe Antwort vorbereitete, doch er gelangte noch rechtzeitig zu folgender Erkenntnis: Mumms Grinsen war ebenso humorvoll wie jenes, das sich einem Ertrinkenden ziemlich schnell nähert und oben mit einer Flosse ausgestattet ist.

Jenkins traf die kluge Entscheidung, seine Rede zu beenden. »Ich … äh … ich gehe jetzt besser und … äh … ja, ich gehe jetzt und kümmere mich um … äh …« Er bahnte sich einen Weg durch die Menge und verschwand. Das Publikum blieb noch ein wenig, in der Hoffnung, dass sich weitere interessante Dinge zutrugen. Als nichts geschah, machten sich die Leute enttäuscht auf die Suche nach anderer Unterhaltung.

»Du möchtest, dass ich mir ansehe das Boot?«, fragte Detritus.

»Nein, Feldwebel. Es gibt weder Seide noch Frachtpapiere an Bord, nur den allgegenwärtigen Geruch von Fischinnereien.«

»Meine Güte. Die verdammten Klatschianer alles stehlen, was nicht festgenagelt ist, wie?«

Mumm schüttelte den Kopf und schlenderte weiter. »Es gibt keine Trolle in Klatsch, oder?«

»Nein. Es liegen an der Hitze. Troll-Gehirne in Hitze nicht funktionieren. Wenn ich nach Klatsch ginge«, sagte Detritus, und seine Fingerknöchel strichen mit einem leisen Plockplock übers Kopfsteinpflaster, »ich richtig dumm wäre.«

»Detritus?«

»Ja, Herr Kommandeur?«

»Geh nie nach Klatsch.«

»Nein, Herr Kommandeur.«

Ein anderer Redner hatte ein wesentlich größeres Publikum angelockt. Er stand vor einem großen Spruchband, das verkündete: DREKIGE AUSLENDISCHE FINGER WEG VON LESHP.

»Leshp«, sagte Detritus. »Das ein Name sein, der sich sofort festbeißen.«

»So heißt das Land, das aus dem Meer aufgestiegen ist«, erklärte Mumm niedergeschlagen.

Sie hörten zu, als der Redner von Ankh-Morporks Pflicht sprach, die Blutsverwandten auf dem neuen Land zu schützen. Detritus wirkte verwirrt.

»Wie es sein kann, dass es gibt dort Blutsverwandte, obwohl das Land gerade erst kam aus dem Meer?«, brummte er.

»Gute Frage«, erwiderte Mumm.

»Haben sie angehalten den Atem?«

»Das bezweifle ich.«

Es liegt mehr in der Luft als nur das Salz des Meeres, dachte Mumm. Etwas bahnte sich an. Er spürte es ganz deutlich. Es gab ein neues Problem, und es hieß Klatsch.

Seit fast einem Jahrhundert herrschte Frieden – oder zumindest ein Zustand des Nichtkrieges – zwischen Ankh-Morpork und Klatsch. Immerhin war es ein benachbartes Land.

Nachbarn – ha! Was bedeutete das? Die Wache konnte das eine oder andere über Nachbarn erzählen. Genauso die Rechtsanwälte, insbesondere die Reichen unter ihnen: Für sie war ein »Nachbar« jemand, der nicht davor zurückschreckte, für einen fünf Zentimeter breiten Gartenstreifen zwanzig Jahre lang zu prozessieren. Die Leute lebten viele Jahre lang friedlich nebeneinander und nickten sich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit zu. Und dann geschah irgendetwas Banales, mit dem Ergebnis, dass sich jemand eine Mistgabel aus dem Ohr entfernen lassen musste.

Jetzt war irgendein verdammter Felsen aus dem Meer aufgestiegen, und alle verhielten sich so, als hätten Klatsches Hunde die ganze Nacht gebellt.

»Aagragaah«, sagte Detritus kummervoll.

»Nimm keine Rücksicht auf mich«, sagte Mumm. »Spuck mir nur nicht auf die Stiefel.«

»Ich meine …« Detritus hob seine große Hand und gestikulierte. »Ich meine, es sein wie bei den Dingen, wo eins und eins …« Er zögerte und blickte auf die Finger, während sich seine Lippen bewegten. »… zwei ergeben. Aagragaah. Wortwörtlich damit gemeint sein die Zeit, wenn man sieht kleine Kieselsteine und weiß, gleich es kommen zu einem Erdrutsch, und man nicht mehr kann rechtzeitig weglaufen. Einen solchen Moment man nennt Aagragaah.«

Mumms Lippen bewegten sich ebenfalls. »Meinst du vielleicht Vorahnung?«

»Ja, genau das ich meine.«

»Woher stammt das Wort?«

Detritus zuckte mit den Schultern. »Vielleicht es zurückgeht auf das Geräusch, das man von sich gibt, wenn man wird begraben unter tausend Tonnen Fels.«

»Vorahnung …« Mumm rieb sich das Kinn. »Ja. Nun, ich habe jede Menge Vorahnungen …«

Erdrutsche und Lawinen, dachte er. Schneeflocken fallen, jede von ihnen leicht wie eine Feder. Aber dann gerät plötzlich ein ganzer Berghang in Bewegung …

Detritus richtete einen schlauen Blick auf Mumm. »Ich wissen, dass die Leute sagen: ›Wenn Dummheit weh täte, müsste Detritus den ganzen Tag schreien.‹ Aber mir bekannt sein, aus welcher Richtung weht der Wind.«

Mumm musterte den Troll mit neuem Respekt.

»Du weißt wirklich Bescheid, nicht wahr?«

Detritus klopfte sich mit einem wissenden Finger an den Helm.

»Es ist doch ganz klar«, sagte er. »Du kennen auf den Dächern die kleinen Hähne und Drachen und so? Und den armen Teufel auf dem Dach der Diebesgilde? Man sie nur gut beobachten muss. Sie wissen Bescheid. Ich mich fragen, wieso sie immer in die richtigen Richtung zeigen.«

Mumm entspannte sich ein wenig. Wenn man die Maßstäbe von Trollen anlegte, gab es an Detritus’ Intelligenz nichts auszusetzen: Sie rangierte irgendwo zwischen der eines Kuttelfisches und eines Drahtseilakrobaten. Wenigstens durfte man darauf vertrauen, dass er sich davon nicht belasten ließ.

Detritus zwinkerte. »Und ich mich erinnern an Zeit, als man sich suchte einen großen Knüppel und Großvater zuhörte, der erzählte davon, über die Zwerge herzufallen«, fügte er hinzu. »Etwas in der Luft, nicht wahr?«

»Äh … ja …«, bestätigte Mumm.

Über ihm flatterte etwas. Er seufzte. Eine Nachricht traf ein.

Mit einer Taube.

Sie hatten alles andere ausprobiert. Sumpfdrachen neigten dazu, in der Luft zu explodieren. Kobolde verspeisten die Mitteilungen. Und Signalhelme verursachten Probleme, besonders bei starkem Wind. Und dann hatte Korporal Kleinpo darauf hingewiesen, dass die Tauben von Ankh-Morpork intelligenter waren als andere Tauben, und zwar aufgrund einer natürlichen Auslese, wofür die Wasserspeier in der Stadt verantwortlich waren. Mumm fiel es nicht schwer, sich Dinge vorzustellen, die intelligenter waren als durchschnittliche Tauben; das traf seiner Meinung nach selbst auf den Schimmel auf feuchtem Brot zu.

Er holte eine Hand voll Körner aus der Tasche. Die Taube gehorchte den Geboten ihrer sorgfältigen Ausbildung und landete auf Mumms Schulter. Eine Sekunde später gab sie einem inneren Druck nach und entleerte ihren Darm.

»Wir sollten uns etwas Besseres einfallen lassen«, sagte der Kommandeur und entrollte die Mitteilung. »Wenn wir dem Obergefreiten Abfluss eine Nachricht schicken, frisst er jedes Mal den Boten.«

»Weil er ein Wasserspeier sein«, erwiderte Detritus. »Er glauben, dass kommt eine leckere Mahlzeit.«

»Oh«, sagte Mumm. »Seine Exzellenz wünscht mich zu sprechen. Wie nett.«

Lord Vetinari wirkte sehr aufmerksam. Schon vor langer Zeit hatte er herausgefunden, dass konzentriertes Zuhören andere Leute verunsicherte.

Bei Begegnungen mit den Würdenträgern der Stadt hörte er immer besonders konzentriert zu, weil die Besucher ihm das sagten, was er hören sollte. Ein großer Teil seiner Aufmerksamkeit galt allerdings den Bereichen außerhalb der Worte. Dort verbargen sich die Dinge, von denen er hoffentlich nichts wusste und über die er auch nichts herausfinden sollte.

Derzeit galt seine Aufmerksamkeit Lord Witwenmacher von der Assassinengilde und den Dingen, die er in seiner langatmigen Darlegung über das hohe Ausbildungsniveau der Gilde sowie ihre Bedeutung für die Stadt zu erwähnen vergaß. Vetinaris aggressives Zuhören ließ Witwenmachers Stimme schließlich verstummen.

»Danke, Lord Witwenmacher«, sagte er. »Ich bin sicher, dass wir alle wesentlich unruhiger schlafen werden, nachdem wir dies erfahren haben. Nur eine kleine Sache … Ich glaube, das Wort ›Assassine‹ stammt aus dem Klatschianischen, nicht wahr?«

»Äh … ja …«

»Und wenn ich mich nicht sehr irre, kommen viele Schüler der Gilde aus Klatsch und benachbarten Regionen.«

»Die einzigartige Qualität unserer Ausbildung …«

»In der Tat. Es läuft also auf Folgendes hinaus: Die klatschianischen Assassinen haben größere Berufserfahrung, kennen sich in unserer Stadt gut aus und lassen sich von dir zu Meistern ihres Faches ausbilden.«

»Äh …«

Der Patrizier wandte sich jemand anderem zu.

»Bestimmt haben wir überlegene Waffen, nicht wahr, Herr Burlich?«

»O ja«, erwiderte der Präsident der Waffenschmiedgilde. »Über Zwerge kann man sagen, was man will, aber in letzter Zeit haben wir einige prächtige Dinge hergestellt.«

»Ah. Das ist wenigstens ein Trost.«

»Ja«, sagte Burlich. Er schien sich nicht besonders wohl in seiner Haut zu fühlen. »Allerdings … nun, ein wichtiger Aspekt des Waffengeschäfts … ich meine, der springende Punkt dabei …«

»Du möchtest vermutlich darauf hinweisen, dass der springende Punkt des Waffengeschäfts darin besteht, mit Waffen Geschäfte zu machen«, sagte der Patrizier.

Burlich wirkte wie jemand, dem man gerade die Schlinge vom Kopf gezogen hatte – und der dann spürte, wie sich eine zweite noch enger um den Hals schloss.

»Äh … ja …«

»Mit anderen Worten: Ihr stellt Waffen her, um sie zu verkaufen.«

»Äh … das stimmt …«

»An jeden, der bereit ist, dafür zu bezahlen.«

»Äh … ja …«

»Ungeachtet des Verwendungszwecks?«

Der Gildenpräsident schien beleidigt zu sein.

»Wie bitte? Natürlich. Immerhin sind es Waffen.«

»Und ich nehme doch an, dass Klatsch in den letzten Jahren ein sehr lukrativer Markt gewesen ist.«

»Nun, ja. Der Serif braucht Waffen, um die entlegenen Regionen seines Reiches zu befrieden …«

Der Patrizier hob die Hand. Sein Sekretär namens Drumknott reichte ihm ein Dokument.

»Der ›Große Gleichmacher‹, ein auf einem Karren montiertes Armbrustgeschütz mit zehn Abschussvorrichtungen und einer Kapazität von fünfhundert Pfund«, las er. »Und dann noch der … ›Meteor‹, eine automatisierte Wurfsternschleuder, die auf eine Entfernung von zwanzig Schritten enthauptet. Und zwar unter Garantie. Wenn nicht, wird das Geld zurückerstattet.«

»Hast du jemals von den D’regs gehört, Euer Exzellenz?«, fragte Burlich. »Es heißt, diese Burschen lassen sich nur befrieden, wenn man mehrmals mit einer Axt auf sie einschlägt und das, was dann übrig bleibt, unter einem Felsen vergräbt – unter einem möglichst schweren.«

Der Patrizier betrachtete eine Zeichnung des »Derwischs«: Dargestellt waren Bolas vom Typ III – sie bestanden aus extra scharfem Schneidedraht.

Unangenehme Stille herrschte. Burlich versuchte, die Lücke im Gespräch zu füllen, was stets ein schlimmer Fehler ist.

»Außerdem schaffen wir dringend benötigte Arbeitsplätze in Ankh-Morpork«, murmelte er.

»Indem ihr solche Waffen in andere Länder exportiert«, sagte Lord Vetinari. Er gab das Dokument seinem Sekretär zurück und bedachte Burlich mit einem freundlichen Lächeln.

»Es freut mich, dass es der hiesigen Industrie gut geht«, meinte er. »Das werde ich mir merken.«

Er presste sanft die Fingerspitzen gegeneinander. »Die Situation ist ernst, meine Herren.«

»Wessen Situation?«, fragte Burlich.

»Verzeihung?«

»Was? Oh … Ich dachte an etwas anderes, Euer Exzellenz.«

»Ich dachte an den Umstand, dass einige Bürger unserer Stadt zu dieser Insel aufgebrochen sind. Soweit ich weiß, hat sich eine Gruppe von Klatschianern auf den Weg gemacht.«

»Was haben unsere Landsleute dort draußen vor?«, fragte Boggis von der Diebesgilde.

»Sie zeichnen sich durch großen Pioniergeist aus … und die Absicht, in einem neuen Land neue Reichtümer zu finden«, erklärte Lord Vetinari.

»Und die Klatschianer?«, fragte Lord Witwenmacher.

»Oh, sie sind ein Haufen von prinzipienlosen Opportunisten, die nie zögern, sich irgendetwas zu schnappen«, sagte der Patrizier.

»Eine ausgezeichnete Beschreibung, wenn du mir diese Bemerkung gestattest«, kommentierte Burlich, der glaubte, verlorenen Boden wieder gutmachen zu müssen.

Lord Vetinari sah noch einmal auf seine Notizen. »Oh, offenbar habe ich die beiden Sätze in der falschen Reihenfolge vorgelesen … Möchtest du etwas dazu sagen, Herr Schräg?«

Der Präsident der Anwaltsgilde räusperte sich. Es klang nach einem Todesröcheln, und eigentlich täuschte dieser Eindruck nicht: Herr Schräg war schon seit mehreren Jahrhunderten ein Zombie. Allerdings deuteten historische Unterlagen darauf hin, dass ihm der Tod gegenüber dem Leben nur einen Unterschied bescherte: Er begann auch während der Mittagspausen zu arbeiten.

»Ja«, sagte Herr Schräg und öffnete einen großen Aktenordner. »Die Geschichte von Leshp und des umliegenden Geländes ist nicht ganz klar. Fast tausend Jahre lang befand sich die Stadt oberhalb des Meeresspiegels, und aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass man damals die Meinung vertrat, Leshp gehöre zum Reich von Ankh-Morpork …«

»Um was für Aufzeichnungen handelt es sich, und weisen sie darauf hin, wer solche Meinungen vertrat?«, fragte der Patrizier. Die Tür öffnete sich, und Mumm kam herein. »Ah, Kommandeur, bitte setz dich. Ich bin ganz Ohr, Herr Schräg.«

Der Zombie mochte es gar nicht, unterbrochen zu werden. Er räusperte sich erneut. »Die Aufzeichnungen über das verlorene Land reichen einige hundert Jahre zurück, Euer Exzellenz. Und natürlich sind es unsere Aufzeichnungen.«

»Nur unsere?«

»Ich sehe keinen Grund, warum irgendwelche anderen notwendig sein sollten«, erwiderte Herr Schräg streng.

»Wie wär’s zum Beispiel mit klatschianischen?«, warf Mumm ein, der am anderen Ende des Tisches saß.

»In der klatschianischen Sprache gibt es nicht einmal ein Wort für Anwalt, Sir Samuel«, sagte Herr Schräg.

»Wirklich nicht?«, fragte Mumm. »Wie schön für die Klatschianer.«

Herr Schräg drehte seinen Stuhl so, dass er den Kommandeur nicht ansehen musste, als er fortfuhr: »Meiner Ansicht nach gehört das neue Land uns, und zwar aufgrund des Enteignungsrechts des Staates, Exterritorialität und vor allem Acquiris Quodcumque Rapis. Soweit ich weiß, war es einer unserer Fischer, der die Insel als Erster betrat.«

»Die Klatschianer behaupten, es sei einer ihrer Fischer gewesen«, sagte Vetinari.

Am Ende des Tisches bewegten sich Mumms Lippen. Mal sehen, Acquiris … »›Man bekommt, was man sich greift‹?«, übersetzte er laut.

»Wir vertrauen doch nicht etwa auf das Wort der Klatschianer, oder?«, fragte Herr Schräg und schenkte dem Kommandeur keine Beachtung. »Entschuldigung, Euer Exzellenz, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich die stolze Stadt Ankh-Morpork von einigen Dieben mit Handtüchern auf dem Kopf Vorschriften machen lässt.«

»Das finde ich auch!«, ließ sich Lord Selachii vernehmen. »Es wird Zeit, den Klatschianern eine Lektion zu erteilen. Erinnert ihr euch an die Sache mit dem Kohl im letzten Jahr? Zehn Schiffsladungen wurden zurückgewiesen!«

»Obwohl doch allgemein bekannt ist, dass Raupen den Geschmack verbessern«, sagte Mumm mehr oder weniger zu sich selbst.

Der Patrizier warf ihm einen Blick zu.

»Das stimmt!«, bekräftigte Selachii. »Gutes, ordentliches Protein! Und dann die Probleme, die Kapitän Jenkins mit seiner Fracht aus Hammelfleisch bekam. Man wollte ihn einsperren! In einem klatschianischen Gefängnis!«

»Einfach unerhört«, sagte Mumm. »Hammelfleisch ist erst dann besonders gut, wenn es grün wird.«

»Unter all dem Curry bemerkt man überhaupt keinen Unterschied im Geschmack«, behauptete Burlich. »Ich habe einmal an einem offiziellen Essen in der klatschianischen Botschaft teilgenommen, und wisst ihr, was man mir dort vorsetzte? Von einem Schaf stammendes …«

»Ich bitte um Entschuldigung«, sagte Mumm und stand auf. »Es gibt einige dringende Angelegenheiten, um die ich mich kümmern muss.«

Er nickte dem Patrizier zu und eilte hinaus. Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, holte er tief Luft und genoss die frische Luft – unter den gegebenen Umständen hätte er selbst in einer Gerberei tief durchgeatmet.

Korporal Kleinpo stand auf und sah ihn erwartungsvoll an. Sie hatte neben einer Schachtel gesessen, die immer wieder gurrte.

»Etwas bahnt sich an«, sagte Mumm. »Lauf zur … Ich meine, schick eine Taube zur Wache.«

»Ja, Herr Kommandeur?«

»Urlaub ist bis auf weiteres gestrichen. Ich möchte alle Angehörigen der Wache – und ich meine alle – um, sagen wir, sechs Uhr im Wachhaus sehen.«

»In Ordnung, Herr Kommandeur. Das bedeutet eine zusätzliche Taube, wenn ich nicht klein genug schreiben kann.«

Kleinpo eilte fort.

Mumm sah aus dem Fenster. Außerhalb des Palastes herrschte immer reges Treiben, aber heute … Es hatte sich keine Menge in dem Sinne eingefunden, doch draußen standen mehr Leute als sonst und schienen auf etwas zu warten.

Klatsch!

Alle wussten es.

Der alte Detritus hat Recht, dachte Mumm. Man hört, wie die ersten Kieselsteine in Bewegung geraten. Es geht nicht nur um einige Fischer und ihren Streit. Es geht um Jahrhunderte von … nun, wie zwei große Männer, die in einem kleinen Zimmer beisammen sind und versuchen, höflich zu sein. Aber irgendwann muss sich einer von ihnen strecken, und dann dauert’s nicht mehr lange, bis das Mobiliar zertrümmert wird.

Aber es konnte doch nicht wirklich geschehen, oder? Der derzeitige Serif galt als ein fähiger Mann, der vor allem versuchte, die fernen, unruhigen Regionen seines Reiches zu befrieden. Und es lebten Klatschianer in Ankh-Morpork, bei den Göttern! Es gab Klatschianer, die in Ankh-Morpork geboren waren. Man traf jemanden, in dessen Gesicht Kamele geschrieben standen, und dann klappte der Bursche den Mund auf und sprach mit typisch ankhianischem Akzent. Oh, sicher, man erzählte sich Witze über komisches Essen und Ausländer, aber …

Nun, eigentlich waren die Witze nicht besonders komisch, wenn man genauer darüber nachdachte.

Wenn man den Knall hört, hat es keinen Sinn mehr, sich zu fragen, wie lange die Zündschnur gebrannt hat.

Laute Stimmen schlugen Mumm entgegen, als er in die Rattenkammer zurückkehrte.

»Dies sind eben nicht die alten Zeiten, Lord Selachii«, sagte der Patrizier gerade. »Es gilt nicht mehr als … nett, ein Kriegsschiff loszuschicken, um die ›dummen Ausländer‹, wie du sie nennst, auf ihre Fehler hinzuweisen. Zunächst einmal: Wir haben gar keine Kriegsschiffe mehr, seit die Mary-Janevor vierhundert Jahren gesunken ist. Und außerdem haben sich die Zeiten geändert. Heutzutage sieht die ganze Welt zu. Verehrter Lord, man kann nicht mehr ›Was starrst du mich so an?‹ fragen und dem Starrenden anschließend eins aufs Auge hauen.« Er lehnte sich zurück. »Denkt an Chimära und Khanli, an Ephebe und Tsort. Und auch an Muntab. Und an Omnien. Einige der genannten Nationen sind sehr mächtig, meine Herren. Viele von ihnen halten nichts von den derzeitigen expansionistischen Bestrebungen der Klatschianer, aber uns mögen sie ebenso wenig.«

»Warum denn?«, fragte Lord Selachii.

»Weil wir während unserer Geschichte Kriege gegen die Länder geführt haben, die wir nicht sofort besetzen konnten«, erläutert Lord Vetinari. »Aus irgendeinem Grund behalten es die Leute im Gedächtnis, wenn man Tausende niedermetzelt.«

»Ach, Geschichte«, sagte Lord Selachii. »Das ist alles Vergangenheit.«

»Ein guter Platz für die Geschichte«, erwiderte der Patrizier ernst.

»Ich meine: Warum mögen sie uns heute nicht? Schulden wir ihnen Geld?«

»Nein. In den meisten Fällen sind wir die Gläubiger. Ein Grund mehr, uns nicht zu mögen.«

»Was ist mit Sto Lat und Pseudopolis und den anderen Städten?«, fragte Lord Witwenmacher.

»Auch dort sind wir nicht sehr beliebt.«

»Warum denn nicht?«, wunderte sich Lord Selachii. »Wir haben doch ein gemeinsames Erbe.«

»In der Tat, aber dieses gemeinsame Erbe besteht zum größten Teil darin, dass wir Kriege gegeneinander geführt haben«, sagte der Patrizier. »Nein, ich glaube, aus dieser Richtung dürfen wir nicht auf Unterstützung hoffen. Was um so bedauerlicher ist, da wir keine eigenen Streitkräfte haben. Nun, ich bin kein Fachmann fürs Militärische, aber ich glaube, man braucht eine Art Heer, um einen Krieg zu führen, nicht wahr?«

Er sah sich am Tisch um.

»Tatsache ist, dass man in Ankh-Morpork immer strikt gegen ein stehendes Heer war«, fügte er hinzu.

»Wir alle wissen, warum die Leute einem Heer misstrauen«, sagte Lord Witwenmacher. »Viele Bewaffnete, die herumstehen und nichts zu tun haben … Sie könnten auf dumme Gedanken kommen …«

Mumm beobachtete, wie sich Köpfe drehten und Blicke auf ihn richteten.

»Meine Güte«, sagte er munter. »Ist das vielleicht ein Hinweis auf ›Altes Steingesicht‹ Mumm, der die Stadtmiliz bei der Revolte gegen einen tyrannischen Monarchen anführte, um der Stadt etwas mehr Freiheit und Gerechtigkeit zu bringen? O ja, ich glaube schon! Und war er damals Kommandeur der Wache? Lieber Himmel, ja, das war er tatsächlich! Wurde er gehängt, zerstückelt und an fünf verschiedenen Stellen beerdigt? Und gilt er als ferner Vorfahr des jetzigen Kommandeurs? Meine Güte, so viele Zufälle auf einmal …« Die übertriebene Fröhlichkeit seiner Stimme verwandelte sich in ein Knurren. »Na schön! Das hätten wir also. Und nun … Hat jemand von euch etwas zu sagen?«

Die Würdenträger rutschten auf ihren Stühlen hin und her. Gleichzeitig erklang ein kollektives Seufzen.

»Was ist mit Söldnern?«, fragte Burlich.

»Das Problem bei Söldnern besteht darin, dass sie bezahlt werden müssen, damit sie kämpfen«, sagte der Patrizier. »Und wenn man nicht sehr viel Glück hat, muss man ihnen noch mehr Geld geben, damit sie wieder aufhören.«

Selachii klopfte auf den Tisch.

»Und wenn schon«, knurrte er. »Hauptsache, sie zeigen den Klatschianern, dass man mit uns nicht spaßen kann!«

»Offenbar muss ich mich klarer ausdrücken«, erwiderte der Patrizier. »Wir können uns keine Söldner leisten. Weil wir kein Geld haben.«

»Wie ist das möglich?«, fragte Lord Witwenmacher. »Wir bezahlen doch unsere Steuern.«

»Ach, ich dachte mir schon, dass wir auf diesen Punkt zu sprechen kommen«, sagte Lord Vetinari. Er hob die Hand, und erneut reichte ihm sein Sekretär ein Dokument.

»Mal sehen … Oh, hier haben wir’s ja. Assassinengilde … Bruttoeinnahmen im vergangenen Jahr: 13.207.048 Ankh-Morpork-Dollar. Im letzten Jahr gezahlte Steuern: siebenundvierzig Dollar und zweiundzwanzig Cent. Hinzu kommt eine Münze, die sich bei genauerer Kontrolle als ein halber herschebianischer Dong erwies, nur den achten Teil eines Cents wert.«

»Das ist alles vollkommen legal! Die Gilde der Buchhalter und Steuerberater …«

»Ah ja, die Gilde der Buchhalter und Steuerberater. Bruttoeinkommen 7.999.011 Ankh-Morpork-Dollar. Gezahlte Steuern: keine. Stattdessen wurde eine Rückerstattung von zweihunderttausend Ankh-Morpork-Dollar beantragt.«

»Was wir bekamen, enthielt übrigens auch einen halben herschebianischen Dong«, sagte Herr Frostich von der Buchhaltergilde.

»Es ist mir völlig unerklärlich, wie so etwas geschehen konnte«, entgegnete Lord Vetinari ruhig.

Er legte das Dokument beiseite. »Man könnte die Besteuerung mit der Milchviehhaltung vergleichen. Es geht darum, ein Maximum an Milch mit einem Minimum an Muhen zu erzielen. Ich fürchte allerdings, dass ich in letzter Zeit nur Muhen bekomme.«

»Soll das heißen, Ankh-Morpork ist bankrott?«, fragte Witwenmacher.

»Ja. Und gleichzeitig gibt es viele reiche Leute in der Stadt. Hoffentlich haben sie einen Teil ihres Reichtums in Schwerter investiert.«

»Und du hast diese allgemeine Weigerung, Steuern zu bezahlen, den Leuten einfach so durchgehen lassen?«, fragte Lord Selachii.

»Niemand hat sich geweigert, Steuern zu zahlen«, sagte der Patrizier. »Man kann nicht einmal von Steuerhinterziehung reden. Die Steuern wurden nur nicht bezahlt.«

»Das ist abscheulich!«

Der Patrizier hob die Brauen. »Kommandeur Mumm?«

»Ja, Herr?«

»Bitte stell eine Gruppe aus deinen erfahrensten Männern zusammen. Gemeinsam mit den Steuereintreibern soll sie dafür sorgen, dass wieder Geld in die städtischen Kassen kommt. Mein Sekretär gibt dir eine Liste mit den Namen der wichtigsten säumigen Zahler.«

»In Ordnung, Herr«, sagte Mumm. »Und wenn die Betreffenden Widerstand leisten, Herr?«

»Oh, wie könnten sie das wagen? Immerhin entsprechen unsere Maßnahmen dem Willen der wichtigsten Würdenträger dieser Stadt.« Er nahm einen Zettel von Drumknott entgegen. »Nun, ganz oben auf der Liste …«

Lord Selachii hüstelte. »Für solchen Unsinn ist es jetzt viel zu spät«, sagte er rasch.

»Wasser, das den Bach hinuntergeflossen ist«, sagte Lord Witwenmacher.

»Tot und begraben«, fügte Herr Schräg hinzu.

»Ich habe meine Steuern bezahlt«, betonte Mumm.

»Lasst mich rekapitulieren«, sagte Vetinari. »Ich schätze, niemand möchte, dass sich zwei erwachsene Nationen um einen Steinhaufen streiten. Wir wollen nicht kämpfen, aber …«

»Aber so wahr ich hier sitze: Wir zeigen’s ihnen, wenn wir zum Kampf gezwungen werden!«, platzte es aus Lord Selachii heraus.

»Wir haben keine Schiffe. Wir haben keine Krieger. Und wir haben auch kein Geld«, sagte Vetinari. »Allerdings steht uns die Kunst der Diplomatie offen. Es ist erstaunlich, was man mit den richtigen Worten erreichen kann.«

»Leider stoßen die richtigen Worte auf weitaus mehr Aufmerksamkeit, wenn man einen spitzen Stock in der Hand hält«, meinte Lord Witwenmacher.

Lord Selachii klopfte erneut auf den Tisch. »Es hat doch keinen Sinn, mit den verdammten Klatschianern zu reden! Meine Herren … Unsere Aufgabe besteht darin, wieder Regimenter zu bilden!«

»Ach, sprichst du da von privaten Streitkräften?«, fragte Mumm. »Unter dem Kommando von jemandem, dessen Führungsqualitäten sich darauf beschränken, den Sold für tausend Helme bezahlen zu können?«

An der Mitte des Tisches beugte sich jemand vor, der bis dahin den Eindruck erweckt hatte, friedlich zu schlummern. Als Lord Rust sprach, klang seine Stimme wie ein Gähnen.

»Wir sprechen von Führungsqualitäten, die sich während einer tausendjährigen Familiengeschichte angesammelt haben, Herr Mumm«, verkündete er.

Das Herr prickelte in Mumms Brust. Er wusste, dass er ein »Herr Mumm« war, ein gewöhnlicher Bürger, wie er gewöhnlicher kaum sein konnte. Doch er bestand darauf, für jemanden, der »Jahre« wie »Hjahre« aussprach, Sir Samuel zu sein.

»Oh, Familiengeschichte«, sagte er. »Nein, da muss ich passen. Wenn man das braucht, um die eigenen Leute mit Inkompetenz und Unfähigkeit in den Tod zu schicken …«

»Meine Herren, bitte.« Der Patrizier schüttelte den Kopf. »Wir wollen uns nicht streiten. Immerhin ist dies ein Kriegsrat. Was die Bildung neuer Regimenter betrifft … Nun, das ist natürlich euer gutes Recht. Die Entsendung von Bewaffneten in Zeiten der Not gehört zu den Pflichten ehrenwerter Bürger. Die Geschichte ist auf eurer Seite. Es gibt eindeutige Präzedenzfälle, die ich akzeptieren muss. Lasst mich nur noch einmal darauf hinweisen, dass sich die Stadt keine Streitmacht leisten kann.«

»Diese Leute sollen wirklich mit den Säbeln rasseln dürfen?« , brachte Mumm ungläubig hervor.

»Ach, Kommandeur Mumm«, sagte Burlich und lächelte. »Als Soldat müsstest du eigentlich …«

Manchmal erregen Leute Aufmerksamkeit, indem sie schreien. Oder sie schlagen mit der Faust auf den Tisch oder rammen sie jemandem ins Gesicht. Mumm erzielte die gleiche Wirkung, indem er zu absoluter Passivität erstarrte. Kälte ging von ihm aus. Die Falten in seinem Gesicht wirkten wie in Marmor gemeißelt.

»Ich bin kein Soldat.«

Und dann machte Burlich den Fehler, entwaffnend zu lächeln.

»Nun, Kommandeur, der Helm und die Rüstung und so … Es läuft doch aufs Gleiche hinaus, oder?«

»Nein.«

»Meine Herren …« Lord Vetinari legte die Hände flach auf den Tisch, sicheres Zeichen dafür, dass die Besprechung zu Ende war. »Morgen werde ich diese Angelegenheit mit Prinz Khufurah erörtern …«

»Ich habe Gutes über ihn gehört«, sagte Lord Rust. »Streng, aber gerecht. Man kann nur bewundern, was er in einigen fernen Regionen des Reiches auf die Beine stellt. Er …«

»Nein«, unterbrach Vetinari den Lord. »Du meinst Prinz Cadram. Khufurah ist sein jüngerer Bruder. Er trifft morgen ein, als Gesandter seines Bruders.«

»Ach, jetzt erinnere ich mich. Der Kerl ist ein Lümmel, Betrüger und Lügner! Es heißt, dass er sich bestech …«

»Herzlichen Dank für deine diplomatischen Informationen, Lord Rust«, sagte der Patrizier. »Wir müssen die Tatsachen so akzeptieren, wie sie sich uns darbieten. Es eröffnen sich immer Möglichkeiten. Unsere beiden Nationen teilen viele Interessen. Außerdem deutet alles darauf hin, dass Cadram diese Sache sehr ernst nimmt – immerhin schickt er seinen eigenen Bruder, um mit uns zu verhandeln. Damit gibt er der internationalen Gemeinschaft ein Zeichen.«

»Ein klatschianisches hohes Tier kommt hierher?«, fragte Mumm. »Davon hat mir niemand etwas gesagt!«

»So seltsam es dir auch erscheinen mag, Sir Samuel: Gelegentlich bin ich durchaus imstande, diese Stadt einige Minuten zu regieren, ohne deinen Rat einzuholen.«

»Ich meine, in der Stadt gibt es derzeit ziemlich stark ausgeprägte antiklatschianische Gefühle …«

»Ein echt mieser Bursche«, teilte Lord Rust Boggis in jenem besonderen aristokratischen Flüstern mit, das bis zum Dachgebälk reichte. »Es ist ein Affront, uns eine solche Person zu schicken!«

»Du wirst bestimmt sicherstellen, dass in den Straßen keine Gefahren drohen, Mumm«, sagte der Patrizier scharf. »Ich weiß, dass du auf solche Dinge sehr stolz bist. Offiziell kommt Khufurah hierher, weil ihn die Zauberer zu ihrem großen Fest eingeladen haben. Er soll einen Ehrendoktortitel bekommen, etwas in der Art. Und anschließend steht ein Essen auf dem Programm. Ich verhandle gern mit Leuten, die in der Unsichtbaren Universität an einem Festessen der Fakultät teilgenommen haben. Normalerweise bewegen sie sich nicht sehr viel und sind bereit, praktisch allem zuzustimmen, wenn die Aussicht besteht, dafür Magenpulver und ein kleines Glas Wasser zu bekommen. Und nun, meine Herren … wenn ihr mich bitte entschuldigen würdet …«

Die Würdenträger verließen den Raum und schritten einzeln oder zu zweit durch den Flur.

Der Patrizier legte seine Papiere zusammen und strich mit einem dünnen Finger über den Rand des Stapels. Dann sah er auf.

»Du scheinst noch immer hier zu sein, Kommandeur.«

»Du willst doch nicht wirklich erlauben, dass sie Regimenter bilden, oder?«, fragte Mumm.

»Kein Gesetz verbietet so etwas, Mumm. Und es wird sie beschäftigt halten. Alle Würdenträger der Stadt sind berechtigt  – sogar verpflichtet, wenn ich mich recht entsinne –, in Zeiten der Not Streitkräfte zur Verfügung zu stellen. Und natürlich haben alle Bürger das Recht, Waffen zu tragen. Bitte denk daran.«

»Waffen sind eine Sache. Aber damit Soldat zu spielen … Das ist etwas ganz anderes.« Mumm stützte sich mit den Fingerknöcheln auf dem Tisch ab.

»Weißt du«, fuhr er fort, »ich werde das Gefühl nicht los, dass sich drüben in Klatsch eine Gruppe von Idioten ähnlich verhält. Die Narren wenden sich an den Serif und sagen: ›Es wird Zeit, dass wir den Teufeln in Ankh-Morpork eine Lektion erteilen, Offendi.‹ Und wenn viele Leute herumlaufen, Waffen schwingen und dummes Zeug reden … Unter solchen Umständen gibt es leicht Zwischenfälle. Bist du jemals in einer Taverne gewesen, in der alle bewaffnet sind? Oh, zunächst geht’s ganz zivil zu, aber dann trinkt irgendein Blödmann aus dem falschen Krug oder nimmt aus Versehen das Wechselgeld eines anderen Mannes, und fünf Minuten später liegen überall abgehackte Gliedmaßen herum …«

Der Patrizier blickte so lange auf die Fingerknöchel hinab, bis Mumm die Hände wegzog.

»Morgen wirst du beim Convivium der Zauberer zugegen sein«, sagte Vetinari. »Ich habe dir eine entsprechende Mitteilung geschickt.«

»Aber ich …« Ein verräterisches Bild entstand vor Mumms innerem Auge und zeigte ihm hohe Papierstapel auf seinem Schreibtisch. »Oh«, sagte er.

»Der Kommandeur der Wache führt die Prozession in voller Paradeuniform an. Das ist ein alter Brauch.«

»Was? Ich soll vor allen Leuten marschieren?«

»Ja. Das ist sehr … staatsbürgerlich. Du weißt bestimmt, worauf es dabei ankommt. Ein solches Auftreten demonstriert die freundliche Allianz zwischen der Universität einerseits und der Regierung von Ankh-Morpork andererseits. Diese Allianz besteht im Versprechen der Zauberer, allen unseren Bitten nachzukommen, vorausgesetzt, dass wir sie nie um etwas bitten. Wie dem auch sei: Es ist eine Pflicht, der du dich nicht entziehen kannst. Die Tradition verlangt es. Und Lady Sybil hat mir versichert, dass du morgen mit strahlender Miene zur Stelle sein wirst.«

Mumm holte tief Luft: »Du hast mit meiner Frau darüber gesprochen?«

»Ja. Sie ist sehr stolz auf dich und glaubt, dass du zu erhabenen Dingen fähig bist, Mumm. Sie ist dir sicher ein großer Trost.«

»Nun, ich … Ich meine, ich … ja …«

»Gut. Oh, da wäre noch etwas, Mumm. Zwar habe ich bereits das Einverständnis der Assassinen- und Diebesgilde eingeholt, aber wir sollten kein Risiko eingehen … Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du gewährleisten könntest, dass niemand mit Eiern oder so nach dem Prinzen wirft. So etwas verursacht stets viel Ärger.«

Die beiden Seiten beobachteten sich aufmerksam. Sie waren alte Feinde. Schon oft hatten sie ihre Kräfte gemessen, im Kampf um Territorium Siege errungen und Niederlagen erlitten. Diesmal ging es um alles oder nichts.

Knöchel traten weiß hervor. Stiefel scharrten ungeduldig.

Hauptmann Karotte ließ den Ball einige Male hüpfen.

»Also gut, Jungs. Versuchen wir’s noch einmal. Und diesmal keine Balgereien. William, was kaust du da?«

Der geschickte Rippenstoßer schnitt eine finstere Miene. Niemand kannte seinen Namen. Kinder, mit denen er aufgewachsen war, kannten ihn nicht. Vermutlich wusste nicht einmal seine Mutter – wenn er ihr jemals begegnete –, wie er hieß. Aber Karotte war es irgendwie gelungen, seinen Namen herauszufinden. Wenn jemand anders so dumm gewesen wäre, ihn »William« zu nennen, hätte der Betreffende nach seinem Ohr suchen müssen. Und zwar in seinem eigenen Mund.

»Ein Kaugummi, Herr Karotte.«

»Hast du genug für alle mitgebracht?«

»Nein, Herr Karotte.«

»Dann sei bitte so nett und nimm es aus dem Mund. Und nun … Gavin, was steckt da in deinem Ärmel?«

Schleimbeutel Gav versuchte gar nicht erst, die Wahrheit zu verbergen.

»Ein Messer, Herr Karotte.«

»Und ich wette, du hast genug Messer für alle mitgebracht, stimmt’s?«

»Genau, Herr Karotte.« Schleimbeutel grinste. Er war zehn Jahre alt.

»Leg’s zu den anderen auf den Haufen …«

Obergefreiter Schuh blickte entsetzt über die Mauer. Etwa fünfzig Jugendliche standen in der breiten Gasse. Das Durchschnittsalter in Jahren betrug elf. Das Durchschnittsalter in Zynismus und gemeiner Bosheit belief sich auf 163. Zwar gibt es beim Fußball von Ankh-Morpork keine Tore im üblichen Sinne, aber in diesem Fall waren trotzdem zwei Torpfosten aus gestapelten Gegenständen errichtet worden – die überall im Multiversum gebräuchliche Methode.

Ein Stapel aus Messern, der andere aus stumpfen Gegenständen.

Die Jungen trugen die Farben der scheußlichsten Straßenbanden, und mitten unter ihnen stand Hauptmann Karotte. In der einen Hand hielt er eine stark angeschwollene Schweinsblase, die als Ball diente.

Obergefreiter Schuh fragte sich, ob er Hilfe holen sollte. Aber Karotte wirkte erstaunlich ruhig und entspannt.

»Äh … Hauptmann?«, fragte er vorsichtig.

»Oh, hallo, Reg. Wir veranstalten gerade ein freundschaftliches Fußballspiel. Jungs, das ist Obergefreiter Schuh.«

Fünfzig Augenpaare sprachen: Wir merken uns dein Gesicht, Bulle.

Reg schob sich an der Mauer entlang, und die Augen sahen den Pfeil, der den Brustharnisch durchbohrt hatte und aus dem Rücken ragte.

»Es hat sich ein Problem ergeben, Hauptmann«, sagte Reg. »Ich hielt es für besser, dir Bescheid zu geben. Vielleicht solltest du dich um die Sache kümmern. Es geht um eine Geiselnahme …«

»Ich komme sofort. Tja, ich bedaure sehr, Jungs. Spielt allein, in Ordnung? Wir sehen uns dann am nächsten Dienstag beim fröhlichen Singen mit anschließender Würstchenbrutzelei.«

»Ja, Herr Karotte«, sagte der Geschickte Rippenstoßer.

»Und Korporal Angua zeigt euch vielleicht, wie man am Lagerfeuer richtig heult.«

»Wir freuen uns schon, Herr Karotte«, brummte Schleimbeutel.

»Und was machen wir, bevor wir auseinander gehen?«, fragte Karotte.

Die Krieger der Skats und Mohocks wechselten verlegene Blicke. Normalerweise waren sie nie nervös – wer Furcht zeigte, konnte verstoßen werden. Doch als die Bandenregeln festgelegt worden waren, hatte niemand die Existenz einer Person wie Karotte berücksichtigt.

In den Mienen der Jungen stand Ich-bringe-dich-umwenn-du-j emandem-davon-erzählst, als sie die Zeigefinger beider Hände bis auf Ohrhöhe hoben und riefen: »Wib wib wib!«

»Wob wob wob!«, antwortete Karotte herzlich. »Also gut, Reg. Wir können gehen.«

»Wie hast du das fertiggebracht?«, fragte Obergefreiter Schuh, als die beiden Wächter forteilten.

»Oh, man hebt die Finger auf diese Weise«, erklärte Karotte. »Aber bitte verrate es niemandem. Es ist nämlich ein geheimes Zeichen …«

»Es sind Halunken, Hauptmann! Man kann sich kaum schlimmere Schurken vorstellen!«

»Oh, sie sind ein wenig frech. Aber unter der rauen Schale verbirgt sich ein freundlicher Kern, wenn man ein wenig Geduld hat und versucht, sie zu verstehen …«

»Wie ich hörte, geben sie einem nie genug Zeit, sie zu verstehen! Weiß Herr Mumm von dieser Sache?«

»In gewisser Weise, ja. Ich habe ihm von meiner Absicht erzählt, einen Klub für die Straßenkinder zu gründen, und er meinte, damit sei alles in Ordnung, vorausgesetzt, ich ließe sie ihr Lager am Rand einer sehr hohen Klippe bei möglichst starkem Wind aufschlagen. Aber so etwas sagt er immer. Nun, was ist mit der Geiselnahme?«

»Sie hat bei Vortin stattgefunden. Aber … äh … es ist keine gewöhnliche Geiselnahme, sondern noch schlimmer …«

Hinter ihnen musterten sich die Skats und Mohocks gegenseitig. Dann nahmen sie ihre Waffen und wichen vorsichtig voreinander zurück. Es ist keineswegs so, dass wir nicht kämpfen wollen, teilte ihre Körpersprache mit. Doch zufälligerweise haben wir derzeit Besseres zu tun, und wir gehen jetzt, um herauszufinden, was dies ist.

Erstaunlicherweise herrschte bei den Docks kein lautes Stimmengewirr. Die Leute waren zu sehr damit beschäftigt, an Geld zu denken.

Feldwebel Colon und Korporal Nobbs lehnten an einem Holzstapel und beobachteten, wie jemand mit großer Sorgfalt den Namen Stolz von Ankh-Morpork an den Bug eines Schiffes malte. Früher oder später würde er bemerken, dass er das »z« vergessen hatte, und auf diesen kleinen Spaß freuten sich die beiden Wächter.

»Bist du jemals zur See gefahren?«, fragte Nobby.

»Ha, nein, ich nicht!«, erwiderte Colon. »Ich gebe dir einen guten Rat: Komm nie auf die Idee, den Klabautermann zu suchen.«

»Keine Sorge«, sagte Nobby. »Ich weiß gar nicht, wo ich nach ihm suchen sollte. Und selbst wenn ich ihn fände: Worüber sollte ich mit ihm reden?«

»Gut.«

»Ich meine, ich kenne ihn doch gar nicht.«

»Du hast überhaupt keine Ahnung, was es mit dem Klabautermann auf sich hat, oder?«

»Nein, Feldwebel.«

»Treibt sich irgendwo auf dem Ozean herum, der Bursche. Durch ihn wird die Seefahrt zu einer riskanten Angelegenheit. So ist das eben mit dem Meer – man kann ihm nicht trauen. Da fällt mir ein … Als ich klein war, habe ich ein Buch über einen Jungen gelesen, der sich in eine Nixe verwandelte, sozusagen, und er lebte unten auf dem Meeresgrund …«

»… beim Klabautermann …«

»Ja, und dort war alles ganz hübsch. Es gab sprechende Fische und rosarote Muscheln und so. Und dann eines Tages verbrachte ich die Ferien in Quirm, und bei der Gelegenheit sah ich das Meer und dachte: Na so was. Und wenn meine Mutter nicht schnell genug reagiert hätte, tja, wer weiß, was damals geschehen wäre, ich meine, der Junge im Buch konnte unter Wasser atmen, woher sollte ich es besser wissen? Man erzählt sich so viele Lügen übers Meer. In Wirklichkeit ist alles nur Igitt mit Hummern drin.«

»Der Onkel meiner Mutter war Seemann«, sagte Nobby. »Aber nach der großen Seuche bekam er es mit Anwerbern der besonderen Art zu tun. Eine Gruppe von Bauern machte ihn betrunken, und am nächsten Morgen erwachte er an einen Pflug gefesselt.«

Die beiden Wächter warteten und beobachteten.

»Offenbar steht ein Kampf bevor, Feldwebel«, sagte Nobby, als der Maler überaus sorgfältig das abschließende »k« malte.

»Dauert bestimmt nicht lange«, erwiderte Colon. »Sind alles nur Feiglinge, die Klatschianer. Sie wetzen über den heißen Sand davon, kaum dass sie kalten Stahl zu spüren bekommen.«

Feldwebel Colon hatte eine umfassende Ausbildung hinter sich. Zuerst war er auf die Schule »Mein Vater hat immer gesagt« gegangen, um anschließend die Universität »Ist doch logisch« zu besuchen. Derzeit absolvierte er das Aufbaustudium »Was mir jemand in der Taverne erzählt hat«.

»Es dürfte also nicht weiter schwer sein, damit klarzukommen, oder?«, fragte Nobby.

»Und sie haben nicht mal die gleiche Hautfarbe wie wir«, sagte Colon. »Äh … wie ich«, fügte er hinzu, als er an die unterschiedlichen Schattierungen von Korporal Nobbs dachte.

»Obergefreiter Besuch ist ziemlich braun«, meinte Nobby. »Ich habe nie gesehen, dass er weggelaufen ist. Wenn er die Chance wittert, jemandem eine religiöse Broschüre anzudrehen, lässt der alte Waschtopf nicht locker.«

»Ach, die Omnianer unterscheiden sich eigentlich nicht sehr von uns«, behauptete Colon. »Manchmal verhalten sie sich seltsam, aber im Grunde sind wir aus dem gleichen Holz geschnitzt, mehr oder weniger. Ein Klatschianer hingegen verrät sich schon dadurch, dass er viele Wörter benutzt, die mit ›al‹ beginnen. Daran kann man die Klatschianer sofort erkennen. Sie haben alle Wörter erfunden, die mit ›al‹ anfangen. Wie zum Beispiel Al-kohol.«

»Die Klatschianer haben das Bier erfunden?«

»Ja.«

»Verdammt schlau von ihnen.«

»Ich würde es nicht schlau nennen«, sagte Feldwebel Colon und begriff zu spät, dass er einen taktischen Fehler begangen hatte. »Es dürfte eher ein glücklicher Zufall sein.«

»Und was haben die Klatschianer sonst noch erfunden?«

»Nun …« Colon strengte sein Gehirn an. »Al-gebra. Das sind Summen mit Buchstaben und so. Für Leute, die für Zahlen nicht intelligent genug sind.«

»Tatsächlich?«

»Ja«, bestätigte Colon. Er glaubte sich nun auf sicherem Terrain und fuhr selbstbewusster fort: »Ich hab mal gehört, wie ein Zauberer von der Universität sagte, die Klatschianer hätten nichts erfunden. Angeblich ist das ihr großer Beitrag zur Mathematik. ›Was?‹ fragte ich, und der Zauberer meinte, die Null stamme aus Klatsch.«

»Klingt nicht sehr intelligent«, kommentierte Nobby. »Jeder kann nichts erfinden. Ich zum Beispiel. Hab überhaupt noch nichts erfunden.«

»Eben«, bekräftigte Colon. »Ich habe dem Zauberer gesagt, die Erfinder von Zahlen wie vier und, und …«

»… sieben …«

»… ja, seien die wahren Genies. Nichts brauchte nicht extra erfunden zu werden. Es war bereits da. Bestimmt haben es die Klatschianer einfach nur so entdeckt, rein zufällig.«

»Es liegt an der Wüste«, sagte Nobby.

»Genau! Guter Hinweis. Die Wüste. Wie jeder weiß, besteht eine Wüste größtenteils aus nichts. Für die Klatschianer ist das Nichts gewissermaßen ein wichtiger Rohstoff. Ist doch logisch. Wir aber sind zivilisierter, ich meine, bei uns gibt’s mehr Dinge, und deshalb haben wir die Zahlen erfunden, um sie alle zu zählen. Ich meine … Es heißt, die Klatschianer hätten die Astronomie erfunden …«

»Al-tronomie«, warf Nobby ein.

»Nein, nein … Nein, Nobby, ich schätze, zu der Zeit hatten sie bereits das ›s‹ erfunden. Ich meine, es würde mich gar nicht

Die englische Originalausgabe erschien 1997 unter dem Titel »Jingo« bei Victor Gollancz Ltd., London.

1. Auflage

Copyright © Terry und Lyn Pratchett 1997

First published by Victor Gollancz Ltd., London Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 1999 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Umschlaggestaltung: Design Team München Umschlagillustration: Agt. Schlück/Josh Kirby

Satz: deutsch-türkischer fotosatz, Berlin

Redaktion: Michael Ballauff V. B. · Herstellung: Sebastian Strohmaier

eISBN 978-3-641-09808-7

www.goldmann-verlag.de

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