Verlag: Dryas Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Fluch der Schwarzen Dahlie - Natalie Winter

Ryder Grey ist alles andere als begeistert von seiner Versetzung nach L.A., wo er als Shifter Cop paranormale Wesen jagen soll. Kaum angekommen, muss er undercover in einer Mordserie ermitteln, deren Täter offensichtlich den berüchtigten Mord an der "Schwarzen Dahlie" kopiert. Im Zentrum des grausamen Geschehens steht ein Club, den alle Opfer regelmäßig besuchten. In der bildhübschen Barkeeperin und Tochter der Barbesitzerin Cara de Luca findet Ryder eine Verbündete. Auch sie will den Mörder fassen, und gemeinsam stürzen sie sich in die Ermittlungen. Aber Cara verbirgt etwas vor Ryder. Und nicht nur sie hat ein Geheimnis.

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E-Book-Leseprobe Fluch der Schwarzen Dahlie - Natalie Winter

FLUCH DER SCHWARZEN DAHLIE

Shifter Cops • Band 2

Ein Roman vonNatalie Winter

Für meine Jungs.Immer.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Danksagung

Kapitel 1

Margarita

Es tat gut, die angestaute Energie loszuwerden, auch wenn es nur in einem spielerischen Zweikampf war. Geschickt wich Ryder der geballten Faust aus, die auf ihn zuraste und ihm einen üblen Treffer versetzt hätte, wäre sein Gegner nicht ganz so schwerfällig gewesen. Aber das war das Problem mit den massigen Gestaltwandlern: Sie verließen sich viel zu sehr auf rohe Gewalt, statt ihre Beweglichkeit zu trainieren.

Ryder schenkte dem jungen Bärenwandler ein Grinsen und stieß sich mit den nackten Füßen vom gepolsterten Boden des Boxrings ab. Der Sprung war verhalten, brachte ihn aber so nah an den anderen heran, dass er ihm mit der Rechten einen Hieb unter den Rippenbogen versetzen konnte. Der Junge schien den Schlag kaum zu spüren. Das war keine schlechte Ausgangsposition, wenn er ins Team wollte. Als Mitglied der Shifter Cops musste man nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können. Ryder federte zurück und ließ eine Gerade auf das Kinn von Cash, so hieß der Junge, schnellen. Diesmal hielt er sich nicht ganz so stark zurück, aber immer noch ignorierte sein Gegner den Treffer.

Also tänzelte Ryder zurück in seine Ecke des Rings. Er tauschte einen Blick mit dem Trainer der Neulinge, dem alten Fletcher. Wer ihn zum ersten Mal sah, unterschätzte den hoch aufgeschossenen, mageren Mann vermutlich, denn er wirkte, als könne ihn bereits ein Windhauch von den Füßen fegen. Jetzt nickte er Ryder zu, der mit einem Lächeln antwortete. Phase zwei des Testkampfes war offiziell eingeläutet, die erste hatte Cash bestanden.

Nun ging es darum, sein Temperament zu erproben. Die Viertelstunde, die Ryder mit ihm gespielt hatte, war wenig aufschlussreich gewesen. Stoisch hatte der Mann alles über sich ergehen lassen. Jetzt musste Ryder herausfinden, was ihn dazu bringen würde, die Beherrschung zu verlieren und die Regeln zu brechen. Fletcher hatte dem Jungen klargemacht, dass er sich nicht verwandeln durfte, gleichgültig was geschah. Ryder hatte mehrere Möglichkeiten, die Geduld seines Gegners zu testen. Eine war, ihn so lange mit den Fäusten zu traktieren, bis Cash die Kräfte verließen. Doch die ersten Runden hatten Ryder gezeigt, dass er vermutlich stundenlang auf den Bärenwandler eindreschen konnte, ohne dass der andere mehr tat, als gelegentlich zurückzuschlagen.

Möglichkeit zwei bestand darin, unfair zu kämpfen. Wie würde der Mann auf einen Tritt reagieren oder auf das Ausfahren der Krallen, wenn der Trainer einen Moment lang nicht hinsah? Ryder kniff die Augen zusammen, nahm noch einen Schluck aus der Wasserflasche und wandte sich dann um. Er hatte sich für eine dritte Möglichkeit entschieden, die am meisten Erfolg zu versprechen schien: Beim Umziehen hatte er die Tätowierung gesehen, die der Junge auf der rechten Arschbacke trug. Sie war verblichen und ausgefranst, aber Ryder war sich ziemlich sicher, dass Cash sich ein stilisiertes Hakenkreuz hatte stechen lassen. Sein erster Impuls war gewesen, den Trainingskampf abzusagen. Sollte sich doch ein anderer mit dem verdammten Jungnazi prügeln. Doch dann hatte er sich dagegen entschieden. Das Nazisymbol war offenbar schon recht alt, es konnte sich dabei auch um eine Jugendsünde handeln. Und jeder verdiente eine zweite Chance, das wusste Ryder nur allzu gut.

Jetzt, da es seine Aufgabe war, Cash an den Rand der Selbstbeherrschung zu treiben, kam ihm seine Kenntnis zupass. Die Chancen waren hoch, dass jemand mit einem Hakenkreuz auf dem Körper nicht nur rassistisch, sondern auch homophob war. Also würde Ryder ihn auf diese Weise reizen. Er tänzelte erneut an Cash heran und legte etwas mehr Hüftschwung in die Bewegung, als nötig gewesen wäre. Dabei achtete er darauf, dass sie einander wirklich nahe kamen, damit sein Geruch in die Nase des Bärenwandlers stieg. Dann nahm er ihn in den Schwitzkasten und hielt ihn fest. Die Muskeln seines Gegners spannten sich an, und die Adern in seinem fleischigen Nacken traten deutlich hervor. Fletcher sah Ryder mit hochgezogenen Augenbrauen an, bevor er sich wieder seinem eigentlichen Schützling zuwandte.

Ryder ließ den Jungen los, der sich noch erstaunlich gut im Griff hatte, auch wenn er allmählich ins Schwitzen geriet. Die haarige Brust des Bärenwandlers hob und senkte sich schneller, und sein Geruch hatte sich geändert. Ryders feine Nase witterte das Testosteron, das der Körper als Antwort auf die angedeutete Anmache ausschüttete. Er zwinkerte Cash zu, spitzte die Lippen zu einem Kussmund und wurde mit einem halb wütenden, halb verächtlichen Aufblitzen in den Augen des Jungen belohnt. Wie lange würde Cash sich beherrschen können?

Nur wenige Minuten später lag der Bärenwandler auf dem Boden des Rings, und seine Karriere als paranormaler Ermittler hatte ein jähes Ende gefunden. Ryder empfand kein Mitgefühl. Jemand, der seine Verwandlung in das Tier nicht beherrschte, hatte bei den Shifter Cops nichts verloren. Die Ausbildung war gnadenlos und verlangte ihnen alles ab. Jeder von ihnen hatte gelernt, seinen Schwachpunkt zu erkennen und zu überwinden. Sie waren nicht unfehlbar, aber verdammt nah dran – ihre Einheit war überdurchschnittlich erfolgreich bei der Aufklärung paranormaler Verbrechen.

Ryder grinste, schlang sich ein Handtuch um den Hals und sprang mit einem Satz über die Seile, die den Boxring begrenzten. Er landete weich, federte hoch und wünschte sich, der Kampf hätte wenigstens ein bisschen länger gedauert. Vielleicht sollte er noch eine Runde am Sandsack einlegen oder joggen, um sich richtig auszupowern.

In diesem Moment öffneten sich die Türen des Trainingsraums, und seine Chefin Catherine Belcott trat ein. Unter dem Arm trug sie ihre Aktentasche, und sie war nicht allein. Im Schlepptau hatte sie einen hoch gewachsenen Mann mit unnahbarer Ausstrahlung und eine dunkelhaarige Frau. Besitzergreifend hatte er den Arm um die Taille der Frau geschlungen, obwohl sie nicht so aussah, als bräuchte sie seinen Schutz. Deshalb wunderte es Ryder auch nicht, dass sie sich aus seinem Griff löste und neben Catherine trat, um sich umzusehen.

Ryder konzentrierte sich nun auf seine Chefin. Ohne dass auch nur ein Wort gefallen war, wusste er, dass ihn ein unangenehmer Auftrag erwartete. Ihre Haltung hätte auf einen normalen Menschen entspannt gewirkt, aber wie alle Gestaltwandler verfügte Ryder über eine extrem scharfe Sinneswahrnehmung und hatte erkannt, dass dem nicht so war. Die leicht hochgezogenen Schultern waren ein Hinweis, außerdem hing in ihrem maßgeschneiderten Hosenanzug noch der Geruch einer viel zu langen Nacht mit Kaffee und Zigaretten, die sie sich nur in Extremfällen gönnte.

Hinter ihm ertönte ein leises Klatschen. Offenbar tätschelte Fletcher die Wangen des bewusstlosen Bärenwandlers, um ihn aufzuwecken. Doch das war nun nicht mehr Ryders Problem.

Catherine winkte ihn zu sich. »Darf ich vorstellen, Ryder? Das ist Julie Mireau, die seit zwei Monaten unser Team in New England als Psychologin unterstützt. Madoc kennst du ja.« Dann trat sie an den Ring, um sich mit Fletcher zu unterhalten. Sie war nicht der Typ, der unnötigen Small Talk hielt.

Madoc stellte seine Sporttasche ab. Die beiden Männer tauschten einen Blick, bevor Ryder Julies ausgestreckte Hand ergriff und schüttelte. Sie hatte einen angenehmen Griff für eine Frau, fest, aber zurückhaltend, was das Übermitteln ihrer Kräfte betraf. Die Hexe in ihr hatte er bereits gewittert. Umso mehr war er überrascht, dass sie gar nicht erst versuchte, ihn mit ihren magischen Fähigkeiten zu beeindrucken. Hexen gleich welchen Geschlechts neigten seiner Meinung nach dazu, bei einer ersten Begegnung ein wenig zu dick aufzutragen.

Madoc grinste, als wüsste er genau, was in Ryder vorging. »Sie ist erstaunlich, nicht wahr?«, bemerkte er und klopfte Ryder auf die Schulter. »Die untypischste Hexe, die ich kenne. Und das sind nicht wenige.«

Ryder nickte. Wenn er sich richtig erinnerte, war Madocs Mutter auch eine aus der zaubernden Zunft. Das würde erklären, warum er sich überhaupt auf eine Beziehung mit Julie eingelassen hatte, denn er war ein Drachenwandler, und normalerweise verbanden sich Gestaltwandler nur mit ihresgleichen, zumindest wenn es ernst wurde. Ryder bevorzugte dagegen menschliche Frauen ohne einen Funken Übersinnliches in sich – die waren unkomplizierter als Wölfinnen, die immer auf der Suche nach einem Alpha waren.

»Es hat dich ja richtig erwischt«, stichelte er. »Ist sie zufrieden mit dir oder habe ich eine Chance bei ihr?«

Das war nicht mehr als freundschaftliches Geplänkel, um herauszufinden, wie ernst es Madoc war, aber dessen Antwort kam unmittelbar: ein Grollen, tief aus seiner Kehle. Ryder verstand: Madoc hatte dem Junggesellenleben endgültig den Rücken gekehrt.

»Sie trifft ihre Entscheidungen selbst, vielen Dank!«, mischte Julie sich ein. »Und sie kann auch sprechen. Erstaunlich, nicht wahr?« Ihre Stimme hatte einen ironischen Unterton, aber wie ihre Augen verrieten, nahm sie die Sache mit Humor.

»Du darfst es dem räudigen Wolf nicht übel nehmen!«, kommentierte Madoc trocken und strich vertraulich über Julies Wange.

Sie schmiegte sich an ihn, und ihr Gesicht leuchtete förmlich auf, als sie ihn anblickte. Ryder verspürte so etwas wie Neid, verdrängte dieses Gefühl aber sofort.

»Er sieht vielleicht nicht übel aus und hat angeblich einen immensen Charme, aber er ist absolut bindungsunfähig, wie dir die Hälfte aller Frauen in der Stadt bestätigen kann«, fuhr Madoc fort.

»Dann hat er nur noch nicht die Richtige gefunden«, erwiderte Julie, diesmal ganz ohne Ironie.

»Ich nehme an, ihr seid nur auf der Durchreise?«, wechselte Ryder das Thema.

Die beiden nickten gleichzeitig, was Ryder lächerlich gefunden hätte, wäre da nicht wieder dieser leise Anflug von Sehnsucht gewesen.

»Madoc hat darauf bestanden, kurz Hallo zu sagen, bevor wir nach Texas aufbrechen«, erklärte Julie und betrachtete Ryder. Sie schien zu spüren, dass ihre Verbundenheit mit Madoc ihm mehr zusetzte, als er zugeben wollte, denn sie rückte ein wenig von ihrem Drachenwandler ab. »Dort erwartet mich eine Art Trainingslager für Hexen unter der Leitung seiner Mutter«, erzählte sie weiter und schauderte gespielt. »Ich bin noch nicht besonders lange im Hexengeschäft, und sie will meiner Ausbildung den letzten Schliff verleihen. Das waren zumindest ihre Worte. Ich bin mir sicher, es bedeutet jede Menge Blut, Schweiß und Tränen.«

Ryder grinste. »Habt ihr vorher noch Zeit für ein zwangloses Treffen? Heute Abend beim besten Italiener der Stadt?«

Madoc schüttelte bedauernd den Kopf. »Ich fürchte, da wirst du bereits unterwegs sein.«

In diesem Moment trat Catherine wieder zu ihnen. »Hast du einen Moment Zeit für mich, Ryder?«

Das wirkte zwar wie eine höfliche Frage, aber Ryder wusste, dass es keine Bitte war. »Natürlich«, antwortete er und verabschiedete sich von Madoc und Julie.

»Wenn wir das nächste Mal in New York sind, holen wir das Essen nach«, versicherte ihm Julie noch, bevor sie sich an Madoc wandte: »Wie sieht es jetzt aus mit dem Sparring, das du mir versprochen hast?«

»Also gut, dann komm!«, erwiderte Madoc. »Die Umkleidekabinen sind dort hinten.«

Damit verließen die beiden den Trainingsraum.

Catherine warf Ryder einen prüfenden Blick zu. »Lass uns ins Büro gehen!«, bemerkte sie knapp und wartete seine Antwort gar nicht erst ab.

Ryder folgte ihr in das kleine Kabuff, auf dessen Tür Fletcher in bester Absicht die Worte »Büro des Trainers« gepinselt hatte. Es roch nach verschwitztem Trainings-equipment und Jodtinktur. Skeptisch betrachtete Catherine den wackeligen Stuhl und entschied sich dann offenbar, stehen zu bleiben. Sie lehnte sich an das Ungetüm von Schreibtisch, zog eine gut drei Zentimeter dicke Akte aus ihrer Tasche und reichte sie Ryder.

»Dein neuer Auftrag, ein Undercover-Job. Die Kollegen in Los Angeles haben Unterstützung angefordert.«

Nicht zum ersten Mal bemerkte Ryder, wie sich seine Chefin veränderte, wenn sie von einem Fall sprach. Er betrachtete sie – den gerade durchgedrückten Rücken und die gestrafften Schultern – und fragte sich, ob sie vor ihrem jetzigen Posten bei der Army gewesen war. Ihre kurzen Sätze waren wie Schüsse aus einem Schnellfeuergewehr gekommen.

»Wann soll ich los?«, fragte er.

»Am liebsten gestern, wenn es nach den Kollegen ginge. Du fliegst in vier Stunden. Die Unterlagen kannst du dir unterwegs anschauen.«

Das bedeutete, ihm blieben etwas mehr als zehn Stunden, um sich auf einen Undercover-Einsatz vorzubereiten, bevor er in der Stadt der Engel ankam. Es musste wirklich brennen, wenn Catherine ihm nicht einmal Zeit ließ, die Akte zu studieren, bevor er sich auf den Weg machte. Sie würden alle Fragen telefonisch klären müssen, was ihm ganz und gar nicht gefiel. Aber er war nicht in der Position, ihre Entscheidungen anzuzweifeln.

»Ich rufe dich an, sobald ich angekommen bin«, stimmte er zu. »Nur eins noch – warum die Eile?«

Catherine sah ihn mit unbewegtem Gesicht an. »Es gab bereits drei Todesfälle nach identischem Muster. Das vorletzte Opfer war die dortige Gerichtsmedizinerin.« Sie warf einen Blick auf die Uhr.

»Ich brauche nicht lange zum Packen«, versicherte Ryder ihr und überlegte.

Die Tatsache, dass ein Teammitglied aus Los Angeles ermordet worden war, erklärte die Dringlichkeit, nicht aber Catherines Unbehagen. Er fühlte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Was war so Besonderes an diesem Job, dass seine Chefin einem direkten Gespräch lieber aus dem Weg ging, als ihn wie sonst ausführlich zu briefen?

»Also gut«, sagte sie. Ihr Südstaatenakzent machte sich in den zwei kurzen Worten deutlicher bemerkbar als in allen Sätzen vorher. Als sie weitersprach, hatte sie sich wieder im Griff: »Man hat mich gebeten«, sie zog das Wort in die Länge, »dir gewisse Dinge vorzuenthalten.« Ein kurzes Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Aber da du mir auf die Schliche gekommen bist, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als dir die Wahrheit zu sagen.«

Ryder grinste, und seine Unruhe legte sich mit einem Schlag. Catherine war von höherer Stelle gegen ihren Willen zum Schweigen verpflichtet worden. Vermutlich hatte sie so etwas gesagt wie: »Ich werde mich daran halten, bis der Ermittler mich direkt auf die verdächtigen Umstände anspricht.« Sie war wohl davon ausgegangen, dass Ryder nachhaken würde. Nun konnte sie das tun, was sie ohnehin vorgehabt hatte, nämlich ihn restlos aufklären.

Er ließ sich auf das fleckige Sofa sinken und rutschte hin und her, bis er eine Stelle gefunden hatte, an der die Sprungfedern nicht durch die Polster drückten.

»Seit Mai gab es drei Morde an Frauen aus der paranormalen Community«, berichtete Catherine, »eine Werwölfin, eine Vampirin und eine Ghula, ein weiblicher Ghul.«

Ryder nahm an, dass die Vampirin die Gerichtsmedizinerin der Zentrale in Los Angeles war. Die Blutsauger hatten eine Tendenz zum Morbiden, was seiner Meinung nach perfekt zum Sezieren einer Leiche passte.

»Alle nach demselben Muster«, fuhr Catherine fort. »Man hat ihre Körper in der Mitte geteilt, ihre Geschlechtsorgane verstümmelt und sie nackt in der Stadt deponiert.«

Etwas daran kam Ryder bekannt vor, aber seine Chefin gab ihm keine Gelegenheit zum Nachhaken.

»Außerdem hatten alle Opfer eine Verbindung zum Red Rose, einem Club am Stadtrand. Offiziell wird er von Jack Sorrentino geleitet, aber jeder weiß, dass sich das Etablissement im Besitz der dortigen Mafia befindet.«

Ryder runzelte die Stirn.

Catherine reagierte darauf, als hätte er laut gesprochen. »Die Rede ist natürlich von der paranormalen Mafia. Die Cops in L.A. haben einen Waffenstillstand mit dem Kopf der Verbrecher geschlossen. Sie mischen sich nicht in die Geschäfte der Mafia ein, und im Gegenzug hält de Luca ihre Gefolgsleute in Zucht und Ordnung.«

Ryder horchte auf. Die paranormale Mafia in Los Angeles wurde also von einer Frau angeführt. Interessant!

»Was für eine Spezies ist sie?«

»Sukkubus«, antwortete Catherine. »Beatrice sitzt seit mehr als dreißig Jahren fest im Sattel, sie hat die Organisation von ihrem Vater übernommen. Und sie weiß, was sie tut.« Es klang beinahe bewundernd, wie seine Chefin die Mafiapatin von L.A. charakterisierte.

»Weiß sie auch, dass ich komme?«

»Offiziell ist in L.A. nur Harold Cosburn informiert, der stellvertretende Leiter der Außenstelle. Ich kenne ihn persönlich. Außer ihm sind die üblichen Bürokraten eingeweiht.«

»Du meinst, es gibt einen Maulwurf unter unseren Leuten?«, fragte Ryder überrascht. Anders war sein Undercover-Einsatz unter erschwerten Bedingungen nicht zu erklären.

»Möglich«, gab Catherine zu. Sie sah ihm prüfend in die Augen.

Dachte sie etwa, er würde den Auftrag mit einer fadenscheinigen Begründung ablehnen? Abgesehen davon, dass man als Shifter Cop keine Wahl hatte, welchen Job man zugeteilt bekam, gab es sicher noch einen anderen Grund, warum sie ausgerechnet ihn dorthin schickte. Geduldig erwiderte er ihren Blick.

»Unser Ziel ist es, den Club genauer unter die Lupe zu nehmen«, erklärte sie. »Du wirst versuchen, dort einen Job zu finden – als Rausschmeißer, Barkeeper, was auch immer dir passend erscheint und was sie suchen.«

Ryder grinste. »Meine Margarita ist legendär.«

Catherine lächelte zurück, auch wenn es etwas angestrengt wirkte. »Ich lasse dir völlig freie Hand, Ryder.« Dann warf sie erneut einen Blick auf ihre Armbanduhr. »Falls du noch Fragen hast, ruf mich an! Ich möchte, dass du so unvoreingenommen wie möglich an den Fall herangehst, auch was die außergewöhnliche Mordmethode angeht.« Damit stieß sie sich vom Schreibtisch ab und ging in Richtung Ausgang.

Ryder stand auf. Er fühlte das vertraute Kribbeln im Körper, das er jedes Mal verspürte, wenn er sich auf die Jagd nach einem Mörder machte.

An der Tür drehte sich Catherine noch einmal zu ihm um. »Ach, und noch etwas: Sei vorsichtig!«

Ryder zog die Augenbrauen zusammen. Mehr als jede komplizierte Verwicklung waren es diese beiden Worte, die ihm verrieten, wie gefährlich seine Ermittlungen sein würden. Das Kribbeln der Vorfreude verstärkte sich, als Adrenalin seinen Körper flutete. Er war noch nie in L.A. gewesen, aber er wusste jetzt schon, dass er eine Menge Spaß haben würde.

Kapitel 2

Manhattan

Cara schob den Tequila Sunrise von sich, den Maria ihr serviert hatte. Sie konnte riechen, dass für ihren Geschmack zu viel Schnaps und zu wenig Grenadine im Cocktail waren.

»Ich hätte gerne einen Tee, wenn es keine Umstände macht«, sagte sie und schenkte der Haushälterin ihrer Mutter ein Lächeln.

Ohne eine Miene zu verziehen, nickte Maria und verschwand auf leisen Sohlen, während Caras Mutter miss-billigend die Stirn runzelte.

»Warum kannst du nicht ein einziges Mal klipp und klar sagen, was du möchtest?« Sie seufzte demonstrativ und strich sich über ihr dunkelbraunes Haar, bevor sie damenhaft an ihrem Manhattan nippte.

Mit einem leisen Anflug von Neid stellte Cara fest, dass ihre Mutter noch immer eine betörend attraktive Frau war, eine klassische Schönheit mit hohen Wangenknochen, schräg gestellten dunklen Augen und einer Haut, für die ein Model gemordet hätte. Doch hinter dem verführerischen Äußeren verbarg sich ein stahlharter Wille, wie Cara nur zu gut wusste. Wie oft hatte sie sich gewünscht, ihre Mutter wäre ein wenig … nun ja, mütterlicher – und freundlicher? Aber das war sie nicht, und deshalb nannte Cara sie auch nur selten »Mutter«. »Mama« war völlig undenkbar, ebenso wie »Mom«. Ihre Mutter war Beatrice de Luca, die Mafiapatin von L.A., die kaum einmal Mitgefühl und nur selten Verständnis für Fehler zeigte. Manchmal konnte sich Cara nur mit Mühe davon abhalten zu salutieren, wenn sie ihre Befehle erteilte. Sie hätte auch als Ausbilderin bei der Army eine gute Figur gemacht. Cara verkniff sich ein Grinsen, als sie sich ihre stets elegant gekleidete Mutter in einem Tarnanzug vorstellte. Doch vermutlich wäre es ihr gelungen, selbst darin makellos auszusehen.

»Es schadet nichts, auch zu Angestellten höflich zu sein«, gab sie zurück.

Die einzige Reaktion ihrer Mutter war ein erneutes Seufzen, mit dem sie ihr Missfallen über ihre aus der Art geschlagene Tochter kundtat. Cara kannte dieses Geräusch in all seinen Variationen. Dieses hier war das geduldige Seufzen. Natürlich, denn ihre Mutter wollte etwas von ihr, sonst hätte sie dieses Theater mit den Cocktails im Wintergarten gar nicht erst veranstaltet.

»Was kann ich für dich tun?«, fragte Cara. Es war besser, gleich zur Sache zu kommen. Je schneller sie das Gespräch hinter sich brachte, desto früher konnte sie zurück zu ihren Büchern.

»Ich möchte, dass du einen Job für mich übernimmst«, antwortete ihre Mutter und lehnte sich entspannt in dem gepolsterten Korbsessel zurück. Sie hatte sich so postiert, dass sie sowohl die Tür als auch den Garten im Auge behalten konnte.

Cara überlegte nicht lange, sondern stand auf. »Vergiss es!«, sagte sie ohne den Versuch, ihre Verachtung zu verschleiern. »Ich habe dir hunderttausend Mal gesagt, dass ich keine Drecksarbeit für dich erledige.«

Ihre Mutter verzog keine Miene, was Cara noch wütender machte.

»Wer ist es diesmal? Ein Politiker, mit dem ich ins Bett gehen soll, damit ich seine schmutzigen Geheimnisse erfahre? Jemand von der Polizei? Ach, ich vergaß«, sie schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn, »der Chief ist ja dein Liebhaber. Da brauchst du mich nicht.«

»Cara, beruhige dich!«, sagte ihre Mutter und scheuchte Maria, die gerade Caras Tee bringen wollte, mit einer Handbewegung fort. »Ich würde nicht fragen, wenn es nicht wirklich notwendig wäre. Und du musst mit niemandem schlafen, wenn du es nicht willst. Wobei ich dir wirklich empfehlen würde, es zu tun. Du bist nur noch Haut und Knochen.«

Cara schluckte. Sie wusste, dass ihre Mutter recht hatte. Schon seit einiger Zeit hatte sie keinen Sex mehr gehabt, doch als Sukkubus war sie darauf angewiesen, einen Teil ihrer Lebensenergie von anderen zu nehmen. Fleisch war zwar auch ein hervorragender Energielieferant, aber irgendwann genügte selbst das blutigste Steak nicht mehr. Und mit ihrer Mutter über Sex zu reden war ihr mehr als unangenehm. Für Beatrice dagegen war es das Normalste der Welt, darüber zu sprechen. So wie andere Mütter ihren Töchtern das Kochen beibrachten, versuchte sie Cara zu erklären, wie man dabei den größtmöglichen Spaß hatte.

Keine Chance, dachte Cara.

Vermutlich schlug zumindest ein wenig das Erbe ihres Vaters durch, der ein Hyänenwandler gewesen war und sich auf das Sammeln magischer Artefakte spezialisiert hatte, bevor er unter tragischen Umständen verschwunden war. Allerdings waren seine Gene offenbar nicht stark genug, um den Sukkubus in ihr vollkommen zu unterdrücken.

»Ich schaffe das schon«, sagte sie und presste die Lippen zusammen. Alles, was sie brauchte, war ein bisschen mehr Zeit. Wenn sie jetzt auch noch einen Job übernehmen sollte, konnte sie ebenso gut gleich ihr eigenes Grab schaufeln.

Ihre Mutter seufzte erneut. »Setz dich!«, befahl sie.

Cara sah ihr lange genug in die Augen, um ihr klarzumachen, dass sie freiwillig blieb und nicht etwa, weil ihre Mutter es anordnete. Jetzt hätte sie auch gerne geseufzt. Wem wollte sie etwas vormachen? Solange sie in diesem Haus lebte, gab es nur eine Option, und die hieß Gehorsam. Alles andere wäre müßig gewesen. Also ließ sie sich auf ihrem Sessel nieder, faltete die Hände und wartete.

»Ich möchte, dass du im Red Rose anfängst«, sagte ihre Mutter.

Caras Herz machte einen Satz. Doch noch bevor sie auch nur ein Wort einwenden konnte, sprach ihre Mutter weiter.

»Keine Sorge, du wirst nicht in den Hinterzimmern arbeiten. Ich möchte, dass du den Job als Barkeeperin übernimmst und die Ohren aufsperrst. So kann das nicht weitergehen.« Ihre Stirn war sorgenvoll gerunzelt, aber schon im nächsten Moment hatte sie sich wieder gefangen. »Drei Morde, und alle sind im Umfeld des Clubs passiert. Die Leute werden unruhig. Wenn ich meine eigene Tochter dorthin schicke, werden sie erkennen, dass ich die Sache ernst nehme.«

Das steckte also hinter dem Auftrag.

»Du willst, dass ich den Mörder für dich finde?« Ungläubig starrte Cara ihre Mutter an. Sie war es gewohnt, von ihr als Mittel zum Zweck und gelegentlich sogar als Waffe eingesetzt zu werden, aber das war neu.

»Nein«, entgegnete ihre Mutter scharf. Ihre sorgfältig lackierten Fingernägel tippten unruhig gegen das Cocktailglas. »Die Leute sollen sehen, dass meine einzige Tochter und Erbin vor Ort ist. Rede mit ihnen, halte die Augen offen und gib alles Ungewöhnliche gleich an Sorrentino weiter!«

Alles klar! Jack, die rechte Hand ihrer Mutter, war natürlich eingeweiht.

»Er wird auf dich aufpassen, du musst dir also keine Sorgen machen.«

»Jack hat doch gar keine Zeit dafür«, erwiderte Cara. Sie glaubte nicht, dass ihr in den fast immer überfüllten Räumen des Clubs etwas geschehen würde, sie wollte lediglich die Geduld ihrer Mutter auf die Probe stellen.

Die lächelte, als habe Cara genau das gesagt, was sie erwartet hatte. »Und deshalb wird einer meiner Männer von heute an stets bei dir sein. Wer ist dir lieber? Tyler oder Ricardo?«

»Das kannst du vergessen!« Cara beugte sich nach vorn. »Ich brauche keinen Trampel, der jeden meiner Schritte kontrolliert.« Der eine war ein behäbiger Nashornwandler mit mehr Muskeln als Intelligenz, der andere der schmierigste Werwolf, den sie jemals kennengelernt hatte.

»Hast du mich nicht gerade noch ermahnt, freundlich und höflich zu meinem Personal zu sein?« Die Stimme ihrer Mutter war glatt wie Seide. »Immerhin sind die Männer ein Teil meines Unternehmens und sorgen auf ihre Art dafür, dass du genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und jede Menge schicker Kleider hast.«

»Ich habe nie darum gebeten«, schoss Cara zurück, aber sie wusste, dass sie dieses Duell nicht gewinnen konnte. Denn wieder einmal hatte ihre Mutter auf verdrehte Art recht: Sie lebte gut von deren illegalen Geschäften, und solange sie nicht auf eigenen Füßen stand, konnte sie sich kaum beschweren.

Ihre Mutter ging gar nicht auf ihre Bemerkung ein, sondern nahm einen damenhaften Schluck von ihrem Cocktail. »Du fängst gleich heute Abend an, es ist alles in die Wege geleitet.« Sie seufzte wieder. »Ich dachte, diese Aufgabe würde dir Spaß machen. Du sagst doch immer, dass du gern einen Job hättest, bei dem du unter die Leute kommst und etwas Sinnvolles tust. Ist es etwa nicht sinnvoll, dafür zu sorgen, dass der Killer gestellt wird?«

Cara nickte vorsichtig. Wie jedes andere Kind in der Stadt war sie mit Geschichten über den Mord an Elizabeth Short, der sogenannten Schwarzen Dahlie, aufgewachsen und hatte als Teenager eine fast schon krankhafte Faszination dafür entwickelt. Sie hatte buchstäblich alles gelesen, was sich über den Mord auftreiben ließ – von Fiktion bis hin zu Sachbüchern –, und war so oft am Tatort gewesen, dass sie jeden Grashalm dort gekannt hatte. Deshalb war ihr schnell klar gewesen, dass die Morde an den drei Paranormalen von einem Täter verübt worden waren, der den historischen Todesfall auf grausige Art kopierte.

Ihre Mutter hatte die Einzelheiten der Ermittlungen, über die sie selbstverständlich aus erster Hand informiert war, bisher von ihr ferngehalten und ihr streng untersagt, sich einzumischen. Dass sie Cara nun nicht nur gestattete, mit den Morden auf indirekte Art in Berührung zu kommen, sondern sie regelrecht dazu aufforderte, musste ein Zeichen für ihre Verzweiflung sein. Hatte sie Angst um ihre Position als unangefochtenes Oberhaupt der paranormalen Gemeinschaft oder steckte noch etwas anderes dahinter? Cara wusste es nicht – und im Grunde war es ihr auch egal. Die Hauptsache war, dass diese Aufgabe sie nicht länger als notwendig von ihren Nachforschungen abhielt.

»Also gut«, stimmte sie zu. »Aber glaub nicht, dass ich mehr für dich tun werde als das, was du gerade gesagt hast. Es bedeutet nicht, dass du eine Erbin für dein Imperium gefunden hast.«

Das Wort »Imperium« war nicht ironisch gemeint, denn die Geschäfte ihrer Mutter beschränkten sich nicht nur auf Los Angeles und Umgebung. Sie überschritt jegliche Grenzen mit Vergnügen und war ein ranghohes Mitglied im landesweiten Verband der Mafia. Cara hatte sich oft gefragt, warum ihre Mutter nicht auf legalem Wege arbeitete. Sicher, ihr Großvater war Richard »der Metzger« de Luca gewesen, der Pate, der die Stadt am längsten in ihrer Geschichte regiert hatte. Aber das erklärte noch nicht, warum ihre Mutter so bereitwillig in seine Fußstapfen getreten war und ihn sogar überflügelt hatte, was Macht und Skrupellosigkeit betraf. Die Eigenschaften, die sie zu einer so erfolgreichen Kriminellen machten, hätten sie auch zu einer großartigen Anwältin gemacht, allerdings nicht zu einem netteren Menschen. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem analytischen Denken wäre sie in einem Gerichtssaal gut aufgehoben gewesen.

Cara stand auf. »Kann ich die Akte haben? Ich würde mich gern auf meinen Job vorbereiten.«

Zu ihrer Überraschung nickte ihre Mutter. »Es sind zwei. Ich sage Maria, dass sie dir die Unterlagen bringen soll.« Dann erhob sie sich ebenfalls und ging zur Tür, die vom Wintergarten in den angrenzenden Salon führte. Dort drehte sie sich noch einmal um. »Ich möchte dich nur bitten, den Inhalt nicht herumzuerzählen, insbesondere nicht das, was in der Akte der Shifter Cops steht.«

Cara hob die Augenbrauen. Sie wusste, dass der Chief der menschlichen Polizei ihrer Mutter aus der Hand fraß, aber dass nun auch die als unbestechlich geltende paranormale Polizei ihre Erkenntnisse mit ihr teilte, war Cara neu. Sie biss sich auf die Lippen, um eine sarkastische Bemerkung zu unterdrücken.

Ihre Mutter verließ den Wintergarten, und auch Cara machte sich auf in Richtung ihres Zimmers, das im anderen Flügel des Hauses lag, so weit wie möglich von den Räumen ihrer Mutter entfernt. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Es verschwand, als ihr bewusst wurde, warum sie sich wirklich darauf eingelassen hatte. Sie fühlte sich lebendiger als in den ganzen letzten Monaten zusammengenommen, und das nur, weil sie endlich eine Aufgabe hatte. Gleichzeitig hatte sie ein schlechtes Gewissen. Drei tote paranormale Frauen lagen im Leichenschauhaus, und sie spürte ein aufgeregtes Flattern in der Magengrube. Trotzdem konnte sie ihren Enthusiasmus nicht unterdrücken. Sie tat etwas Sinnvolles, und wenn sie sich geschickt anstellte, war dies die Möglichkeit, auf die sie seit zwei Jahren hinarbeitete. Ihre Mutter wollte den Mörder – Cara wollte ihre Freiheit. Wenn das nicht beste Voraussetzungen für ein Tauschgeschäft waren, dann wusste sie auch nicht. Leider gab es vorher noch eine Sache, die sie erledigen musste.

Sie erreichte ihr Schlafzimmer und betrat es. Die makellose Ordnung, auf die sie so großen Wert legte, beruhigte sie wie stets. Einzig ihr Schreibtisch mit den aufgeschlagenen Büchern, Notizzetteln und verschiedenfarbigen Stiften darauf fiel aus der Reihe.

Cara ging an den Schrank und griff nach einer schwarzen, engen Wildlederhose und ihrem Lieblingsshirt mit der Aufschrift »Succubi suck«. Ein paar passende schwarze Boots mit moderat hohem Absatz vervollständigten das Outfit. Jetzt musste sie nur noch ihre Energie auftanken, dann war sie bereit. Für diesen Job musste sie fit sein, sie konnte sich keine Schwäche leisten.

Als es an der Tür klopfte, drehte sie sich um. »Herein!«