Beschreibung

Dies ist die exklusive Kurzgeschichte von Sarah Lark, die zuvor ausschließlich in ihrem enhanced E-Book "Die Insel der tausend Quellen" zu lesen war. Corinna sieht rot, als ihr Mann sie mit einer Praktikantin betrügt, ihr kündigt und sie mit dem ständig sabbernden Spanish Mastiff Fido vor die Tür setzt. Die Beiden finden Zuflucht im Gartenhaus einer Freundin und arbeiten dort einen Racheplan aus. Dabei bietet das Internet ungeahnte Möglichkeiten: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Voodoo-Schwur? Werden fünfhundert Euro, ein besoffener Spanish Mastiff und eine Geisterbeschwörung Corinna helfen, sich an ihrem Mann zu rächen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 33


INHALT

CoverTitelImpressumKURZGESCHICHTE

SARAH LARK

FLUCH PER MAUSKLICK

Kurzgeschichte

BASTEI ENTERTAINMENT

Auszug der E-Book Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Originalausgabe

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen Copyright © 2011/2012 by Bastei Lübbe AG, Köln Lektorat: Melanie Blank-Schröder Covergestaltung: Manuela Städele Titelbild: © ElaValo / shutterstock, © Fer Gregory / Shutterstock E-Book-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-8387-1760-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

FLUCH PER MAUSKLICK

Das Ganze begann an einem sonnigen Freitagnachmittag. Ich dachte mir nichts dabei, als Robin die Agentur zwei Stunden früher als sonst verließ. In letzter Zeit hatte er häufig auswärts zu tun, meist begleitet von unserer derzeitigen Praktikantin Mariella. Die glutäugige Gaststudentin aus Haiti, milchschokoladenbraun mit lackschwarzen Kräusellöckchen, schien etwas für Robin zu schwärmen. Allerdings wäre mir nicht im Traum eingefallen, dass er ihre Gefühle erwidern könnte! Das wurde mir erst klar, als ich beim Nachhausekommen meine Reisekoffer im Hausflur fand – zusammen mit einem Abschiedsbrief. Tut mir leid, aber Mariella hat mich einfach verzaubert … Ich las gar nicht erst weiter. Wenn Robin verliebt ist, wird er schwülstig.

Meine Kündigung steckte auch gleich mit in dem Umschlag. Schön dumm, sich in der gemeinsam gegründeten Firma als Angestellte führen zu lassen. Aber immerhin war die Wohnung auf meinen Namen eingetragen. Wie konnte er mich also einfach hinauswerfen?

Während ich noch überlegte, öffnete sich die Tür der Nachbarwohnung und setzte eine Art Erdbeben frei. Fido, bislang unser gemeinsamer Hund und nun offensichtlich mein Erbteil aus der Beziehung, stürzte erfreut auf mich zu. Der gewaltige gelbe Köter umkreiste mich in ungelenken Sprüngen und spritzte dabei Sabberkaskaden über den Flur. Bei meinem Anblick arbeiten seine Speicheldrüsen stets auf Hochtouren.

»Ach, Frau Langer, fahren Sie in Urlaub?«, fragte meine Nachbarin mit scheinheiligem Unterton. »Ihr Mann hat den Hund bei mir gelassen, aber das möchte er bitte nicht wieder tun. Das Tier hat die ganze Zeit geweint.«

Ich konnte es mir vorstellen. Fido neigt zu einer durchdringenden Lautäußerung, die irgendwo zwischen Tarzanschrei und verstimmter Violine anzusiedeln ist. Dabei wissen wir nicht, ob es sich hier um eine persönliche Eigenart handelt oder um eine rassetypische Stimmbanddeformation des Spanish Mastiff. Letzteres wäre eine Erklärung dafür, weshalb man diese Rasse als Kampfhund einstuft. Fido – Robins Ansicht nach ein Spanish Mastiff ohne Papiere – zeigt im Alltag keinerlei Aggressivität. Sein Gejaule prädestiniert ihn jedoch als Geheimwaffe bei Belagerungen: Zermürbung der Moral des Gegners und Mauerzerstörung durch Schallwellen.

Inzwischen äußerte er seine Freude über meine Heimkehr nur noch durch ein ausgeprägtes Ganzkörperwedeln, eine fidospezifische Bewegungsvariante, die entfernt an Bauchtanz erinnert. Schwanz, Vorder- und Mittelteil des Hundes schwingen dabei ausladend in jeweils gegensätzliche Richtungen.

Ich bedankte mich halbherzig bei Frau Krieger, murmelte etwas von »Soll nicht wieder vorkommen« und griff nach meinem Koffer. Heute Nacht würde ich erst mal ins Hotel gehen und morgen zum Anwalt.

Leider erwies sich schon die Hotelsuche mit einem Urviech wie Fido als fast aussichtslos. Schließlich schliefen wir im Hilton – mit saftigem Aufpreis für den Hund, der die letztlich entstandenen Reinigungskosten allerdings kaum gedeckt haben dürfte.

Am nächsten Tag kamen wir dann im Gartenhaus einer Freundin unter. »Vorübergehend«, bemerkte Angela, nachdem Fido die erste Sabberspur gezogen hatte.

Der Anwalt war erst am Montag zu sprechen – und hatte nicht viel Ermutigendes zu sagen. Natürlich könne ich gegen den Rausschmiss klagen. Falls ich wirklich noch mit meinem Ex in einer Firma arbeiten wolle. Und die Räumungsklage sei selbstverständlich eine sichere Sache. Aber mit sechs Monaten Verfahrensdauer müsse ich mindestens rechnen.

Immerhin fand ich sehr schnell einen neuen Job. Angela arbeitete in einer Agentur, die Produktnamen entwickelte, und ihre Chefin suchte gerade nach einer neuen Texterin. In den nächsten Wochen fungierte ich also als Taufpatin für eine Kleinwagenedition in tristen Farben, die ich »Night life« nannte, obwohl mir bei ihrem Anblick eher »Death row« einfiel. Eine Bettwäschelinie mit albtraumhaftem Design nannte ich »Dream-Kit« und eine Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr »Morgana« – das Flair der Zauberin in Verbindung mit dem Guten-Morgen-Feeling, wenn Sie wissen, was ich meine.