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Wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Psychologie - Methoden, Note: 2,0, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Psychologie), Veranstaltung: Fragebogenmethoden, Sprache: Deutsch, Abstract: In der vorliegenden Arbeit haben wir anhand des theoretischen Konstrukts Zukunftsangst eine Fragebogenstudie durchgeführt um methodische Kenntnisse im Fach Psychologie zu erlernen. Dabei standen vor allem die Entwicklung des Fragebogens mit Auswahl valider Items und die Analyse mit dem Statistik-Programm SPSS im Mittelpunkt. Aber auch die theoretischen Grundlagen zum Konstrukt Zukunftsangst wurden ausführlich erörtert. Ergebnisse unserer Studie waren unter anderem, dass Frauen mehr Zukunftsangst als Männer haben, dass die Zukunftsangst mit zunehmender Kinderanzahl abnimmt und dass ein höherer Bildungsabschluss zu weniger Zukunftsangst führt. Reale Gefahrenquellen, wie Atomkraftwerke oder Flüsse mit potenzieller Hochwassergefahr in näherer Umgebung der befragten Personen hatten hingegen keinen signigikanten Einfluss auf die Zukunftsangst.
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Institut für Psychologie
VUFragebogenmethodeWS2008/09 Abgabedatum: 20.04.2009
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Wird in naher Zukunft ein Krieg ausbrechen? Wird uns bald eine Umweltkatastrophe heimsuchen? Werde ich vielleicht demnächst schwer krank werden? Oder sterbe ich bereits bald?
Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich Millionen von Menschen täglich stellen. Wir alle wissen, dass Ängste wohl zum täglichen Leben dazu gehören. Die Frage ist dabei nur, in welchem Umfang man sich mit derartigen Ängsten beschäftigen kann, ohne dabei jedoch den Alltag zu beeinträchtigen. Haben alle Menschen, egal welchen Alters, die gleichen Ängste und Sorgen in Bezug auf die Zukunft? Worin äußert sich Zukunftsangst? Diesen Fragen und ihren Antworten möchten wir uns in dieser Arbeit widmen und dabei auch auf vergangene Ansichten und theoretische Aspekte des Konstrukts Zukunftsangst eingehen.
Während unserer Recherchen zum Thema Zukunftsangst bemerkten wir, dass es verhältnismäßig wenig Literatur über dieses Konstrukt gibt. Kein einziges Mal sind wir auf eine vollständige Definition von Zukunftsangst gestoßen, während der Angst und ihrer Beschreibung viele Artikel und Monographien gewidmet wurden. So haben wir uns dazu entschlossen, erst einmal allgemein auf das Konstrukt Angst einzugehen und dieses dann als finalen Schritt in Verbindung zur Zukunft zu setzen.
1.1.1 Angst als Orientierungssystem
Wie bereits häufig postuliert, ist Angst ein „höchst sinnvolles Orientierungssystem“1, welches es dem Menschen ermöglicht, in einer für ihn nicht mehr kontrollierbaren und unklaren Situation „richtig“ und zwar mit Abwehr zu reagieren.2Angst kann auf diesem Wege somit zu zwei dipolaren Reaktionen führen: entweder zu einer Aggressionsreaktion oder zur Flucht vor der Gefahr.3Dieses Mobilisieren der Abwehr des „Bösen“ beeinflusste die Evolution zu einem großen Teil und prägte auf diesem Wege somit stark die Geschichte des Menschen.
1Röglin, 1994, S.5
2Röglin, 1994, S.5
3Kerner, 1994, S.6
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Während sich die griechische Antike vornehmlich den Symptomen der Furcht widmete und sich nicht mit allgemeiner Weltangst beschäftigte - man vertraute der kosmischen Ordnung- , dominierte im Christentum diese Grundstimmung der Weltangst. Die Welt dieser Zeit galt als „von Gott abgefallen“4und konnte nur durch die Erlösung im Jenseits Rettung erfahren. Diese Weltangst wurde zu Beginn der Neuzeit von einem neuen, von der ordnenden Kraft der Vernunft gestützten Weltvertrauen abgelöst. Vertreter von Kopernikus, Galilei und Descartes bis hin zu Hegel sahen diese Welt als ordentlich und vernünftig an. Bereits nach Hegel begann dieses Vertrauen in die Vernünftigkeit der Welt jedoch wieder Risse zu bekommen.5Wille und Triebe verdrängten die bis zu diesem Zeitpunkt noch vorherrschende Vernunft. Diese kritische Einstellung wurde von Schelling und Kierkegaard über Nietzsche und Freud bis zur Existenz- und Lebensphilosophie weiter getragen.6
1.1.2 Begriffserklärung: Angst und Furcht
Auch wenn Angst und Furcht im täglichen Sprachgebrauch oftmals als Synonyme füreinander benutzt werden und dadurch zu einer Vermischung an Begriffen führt, möchten wir an dieser Stelle noch einmal kurz auf die spezifischen Merkmale der Konstrukte eingehen, um eine mögliche Differenzierung deutlich zu machen.
Furcht hat „konkrete, mit gewisser Wahrscheinlichkeit voraussagbare Anlässe“7als Ursache und kann dadurch mit „sinnvollen, wirklichkeitsbezogenen Maßnahmen“8beseitigt werden. Furcht signalisiert zudem immer eine beschreibbare und fassbare Bedrohung. Als Angst hingegen beschreibt man die „Besorgnis vor etwas Unbestimmtem“.9Doch bleibt hier zu erwähnen, dass diese beiden Konstrukte nicht ausschließlich unabhängig von einander auftreten, vielmehr durchdringen sie einander und vermischen sich miteinander, so dass eine Unterscheidung vielen oftmals sehr schwer fällt oder bereits nicht mehr möglich ist. Auch in folgenden Definitionen wird der Begriff der Angst häufig in einem erweiterten Sinn angewendet: So bezeichnet der Theologe Paul Tillich Angst als „das schmerzhafte Gefühl, nicht fähig zu sein, mit der Drohung einer besonderen Situation fertig zu werden.“10Die Menschen empfänden in diesem Fall eine Angstvoreiner Situation oder den möglichen Folgen dieser. Die Menschen sind jedoch auch fähig, Angstumandere - ohne eine
4Röglin, 1994, S.5
5Röglin, 1994, S.5
6Röglin, 1994, S.5
7Röglin, 1994, S.6
8Röglin, 1994, S.6
9Röglin, 1994, S.6
10Kerner, 1994, S.7
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persönliche Bedrohung - zu empfinden, welche bisweilen sogar bis zur Angst um die Welt führen kann. Kafka schreibt darüber in seinen „Aufzeichnungen aus dem Jahr 1920“: „Manchmal hat er in seinem Hochmut mehr Angst um die Welt als um sich.“11
Unter diese bereits angesprochene Angstvoretwas Unbestimmten fallen laut Röglin mehrere Subformen an Ängsten, welche bereits mit dem Konstrukt der Zukunft in Verbindung stehen. So existiert u.a. einekreatürliche Angst,welche dem vegetativen Nervensystem unterliegt und sich physiologisch an den Erregungszustand richtet. DieAngst des Bewusstseinshingegen befasst sich mit Krankheit und Tod, während dieAngst vor dem Numinosen- dem unerklärlich Mächtigen - sehr stark mit derAngst vor der Leere,der Sinnlosigkeit, dem Versagen verwandt ist. DieAngst vor emotionalenodermateriellen Verlusten,dieAngst der Ohnmacht- welche uns daran zweifeln lässt, die Welt zu gestalten oder auch nur zu verstehen - und auch diephobischen Ängstekönnen vielen Menschen den Alltag erschweren und bei krankhaften Auswüchsen bisweilen sogar unerträglich machen. Was all diesen Subformen trotz ihrer Unterschiede jedoch gemein ist, ist die Tatsache, dass sie durch Maßnahmen nicht beseitigt, sondern nur durch Deutungen erträglich gemacht werden können.12
Ludwig Jäger unterscheidet die Angst in seinem Diskurs anhand dreier Merkmale: Seiner Auffassung nach existiert zum einen dieÄngstlichkeitoderTimidität,unter der eine Erwartens- oder Versagensangst zu verstehen ist. Diegerichteteoderintentionale Angstbeinhaltet eine rationale Form der Besorgnis hinsichtlich konkreter Sorgen. Sie wird aufgrund der Tatsache, dass sie eng mit dem Ausdruck „Angst habenvoretwas“ bzw. „Angst habenumetwas“ verbunden ist - und damit mit den Präpositionenvorundumverbunden ist - als Präpositionalangst bezeichnet. Als dritte Angstgruppe nennt Jäger dieungerichtete Angstoder dieAngst an sich.Diese Angst ist das Hauptthema vieler Diskussionen, weshalb vielfach auch vomphilosophischen Typus der Angstgesprochen wird.13
1.1.3 Ambivalenz der Angst
Doch wie bereits beschrieben hat Angst immer zwei Seiten vorzuweisen. Negative Auswirkungen folgen vor allem dann, wenn die Angst unbegründet ist und den davon Betroffenen daran hindert, seinen Alltag zu meistern. Positive Begleiterscheinungen kann sie
11Kerner, 1994, S.7
12Röglin, 1994, S.6
13Kerner, 1994, S.42ff
