Fremdenlegionär Kirsch - Hans Paasche - E-Book

Fremdenlegionär Kirsch E-Book

Hans Paasche

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Beschreibung

In "Fremdenlegionär Kirsch" von Hans Paasche wird die Odyssee eines deutschen Abenteurers in der französischen Fremdenlegion eindrucksvoll geschildert. Der Roman entfaltet sich in einer direktiven, jedoch einfühlsamen Prosa, die den Leser sowohl in die Härten als auch in die Exotik des Legionärslebens hineinzieht. Paasche verarbeitet autobiografische Elemente und schafft ein lebendiges Bild von einem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, wodurch der Leser nicht nur die physische, sondern auch die psychologische Dimension des Lebens in der Legion erfasst. Die Darstellung der inneren Konflikte und die Auseinandersetzung mit dem Thema Identität machen den Roman sowohl zeitlos als auch relevant für die gesellschaftlichen Fragestellungen des frühen 20. Jahrhunderts. Hans Paasche, als Journalist und Schriftsteller mit einer Leidenschaft für Grenzerfahrungen, erlebte selbst die Strapazen und die Abenteuer der Fremdenlegion. Seine Erfahrungen und seine kritische Perspektive auf Imperialismus und Militarismus prägen die Erzählung stark und verleihen dem Werk Authentizität. In seinem Lebenswerk thematisierte Paasche stets die Auseinandersetzung mit Fragen der Menschlichkeit und der moralischen Integrität, was auch in "Fremdenlegionär Kirsch" klar zutage tritt. Lesern, die an einer packenden Erzählung interessiert sind, die sowohl Abenteuer als auch tiefere gesellschaftliche Reflexionen bietet, sei dieses Werk wärmstens empfohlen. Der Roman ist ein tiefgründiges Stück Literatur, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Paasches kunstvoller Umgang mit Sprache und seine Fähigkeit, die emotionale Tiefe seiner Protagonisten zu erfassen, machen "Fremdenlegionär Kirsch" zu einem unverzichtbaren Leseerlebnis. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Ähnliche


Hans Paasche

Fremdenlegionär Kirsch

Bereicherte Ausgabe. Fahrt von Kamerun in die deutschen Schützengräben in den Kriegsjahren 1914/15
Einführung, Studien und Kommentare von Carsten Jäger
EAN 8596547771371
Bearbeitet und veröffentlicht von DigiCat, 2023

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Fremdenlegionär Kirsch - Eine abenteuerliche Fahrt von Kamerun in die deutschen Schützengräben in den Kriegsjahren 1914/ 15
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen kolonialer Randzone und industriellem Vernichtungskrieg spannt sich die Reise eines Soldaten, dessen Weg von Kamerun bis in die deutschen Schützengräben der Jahre 1914/15 führt und dabei die brüchigen Linien von Loyalität, Identität und Wahrnehmung freilegt, während Abenteuerlust und Überlebenstrieb ständig mit der Ernüchterung der Kriegswirklichkeit kollidieren und das Versprechen exotischer Ferne in die strenge Logik militärischer Maschinerie umschlägt, sodass aus der Bewegung durch Landschaften und Frontabschnitte eine Bewegung des Bewusstseins wird, die den Leser entlang eines schmalen Pfades zwischen Erfahrung, Beobachtung und leiser Kritik durch die Umbrüche einer Epoche führt.

Hans Paasches Fremdenlegionär Kirsch, Eine abenteuerliche Fahrt von Kamerun in die deutschen Schützengräben in den Kriegsjahren 1914/15, ist eine erzählerische Prosa zwischen Abenteuer- und Kriegsbericht, die koloniale Schauplätze mit der europäischen Frontlandschaft des Ersten Weltkriegs verbindet. Das Werk folgt einer Figur namens Kirsch, deren Weg aus dem kolonialen Raum Kameruns in die deutsche Linie der Front in Europa führt und damit geographische, politische und mentale Räume überbrückt. Paasche, bekannt als scharfer Beobachter seiner Zeit, rahmt die Stoffe der Gegenwart seines Jahrhunderts, ohne sie zu romantisieren, und macht aus Reise und Kriegserfahrung ein konzentriertes, spannungsreiches Panorama.

Ausgangspunkt ist die Präsenz eines deutsch klingenden Namens in einer französischen Formation: Kirsch dient in der Fremdenlegion in Kamerun, als der Weltkrieg eskaliert und Fronten sich verhärten. Ein Entschluss zur Bewegung setzt eine Folge von Etappen in Gang, die ihn aus dem kolonialen Gefüge herausführt und an die Linien jenes Krieges bringt, der Europa verwundet. Ohne die späteren Stationen vorwegzunehmen, eröffnet die Erzählung eine Kette von Begegnungen, Transporten und Übergängen, die die politischen Grenzen ebenso spürbar machen wie die körperliche Belastung. Der Text etabliert damit einen klaren Fokus: Reise als Prüfung, Ankunft als immer wieder verschobener Horizont.

Die erzählerische Stimme bleibt nah an den Abläufen und Beobachtungen, ohne sich im Pathos zu verlieren: präzise in den Bewegungen, aufmerksam für Milieus, sparsam mit Überhöhungen. Der Stil balanciert zwischen Schnelligkeit und Ruhe, wenn Wegstrecken komprimiert und Eindrücke entfaltet werden; die Tonlage wechselt vom staunenden Registrieren der Fremde zur nüchternen Notation militärischer Routinen. Dadurch entsteht ein Leseerlebnis, das einerseits an eine Reportage erinnert, andererseits die Dichte einer literarischen Verdichtung besitzt. Paasches Blick lenkt die Wahrnehmung, lässt Raum für die eigenen Schlüsse und hält die Spannung, ohne sensationsheischend zu werden oder blutige Details zum Selbstzweck zu machen.

Zentrale Themen treten aus der Bewegung hervor: die Verflechtung von Kolonialraum und europäischer Kriegsordnung, das Ringen um Zugehörigkeit eines Soldaten mit deutschem Namen in fremder Uniform, die Erfahrung bürokratischer Raster, Transportketten und logistischer Gewalt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Erzählungen über Krieg entstehen: Wer benennt, was gesehen wird, welche Bilder tragen, welche blenden? Die Reise macht politische Konstruktionen sichtbar, indem sie sie physisch durchquert. Im Hintergrund steht die Einsicht, dass Abenteuer und Krieg ein ungleiches Paar bilden, dessen Reiz und Ernüchterung in derselben Bewegung liegen und dessen Moral erst im Nachhall verhandelbar wird.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt das Buch relevant, weil es die scheinbar entfernten Räume des Ersten Weltkriegs in Beziehung setzt: Afrika als Startpunkt einer Route, die in die industrialisierte Front mündet, und damit globale Verflechtungen sichtbar macht. Es schärft den Blick für Fragen von Migration, Dienstpflicht, Freiwilligkeit und den Bruchlinien nationaler Zuschreibungen. Gleichzeitig erinnert die Erzählung daran, wie rasch Abenteuererwartungen von militärischer Realität überschrieben werden. Wer nach historischen Perspektiven auf Kriegserfahrung, Kolonialgeschichte und die Macht der Darstellung sucht, findet hier eine kompakte, reflektierte Vorlage zum Weiterdenken, ohne auf plakative Botschaften reduziert zu werden.

Diese Einleitung will vor allem den Rahmen abstecken: ein Werk, das entlang einer konkreten Route vom kolonialen Kamerun bis in die deutschen Schützengräben die tektonischen Verschiebungen der Jahre 1914/15 erfahrbar macht. Ohne Ereignisse vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass die Spannung nicht von taktischen Überraschungen, sondern vom Reibungswiderstand zwischen Bewegung und Stillstand, Hoffnung und Ernüchterung lebt. Wer das Buch zur Hand nimmt, begegnet einer konzentrierten, klarsichtigen Prosa, die weder verklärt noch vergeht, sondern ihre Fragen an uns weitergibt: Was bleibt von Loyalität, wenn Grenzen wandern, und wie erzählt man Krieg, ohne ihn zu verherrlichen?

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Das Buch Fremdenlegionär Kirsch – Eine abenteuerliche Fahrt von Kamerun in die deutschen Schützengräben in den Kriegsjahren 1914/15 von Hans Paasche begleitet einen Mann, der zwischen kolonialem Afrika und europäischer Front seinen Weg sucht. Im Mittelpunkt steht Kirsch, als Fremdenlegionär eingeführt, dessen Reise im Zeichen des gerade ausbrechenden Weltkriegs steht. Paasche gestaltet die Erzählung als Abfolge von Stationen, Beobachtungen und Prüfungen, die eine Bewegung vom Rand des Imperiums in dessen militärisches Zentrum nachzeichnen. Der Ton verbindet Abenteuer- und Erfahrungsbericht, ohne auf Sensationslust zu setzen, und etabliert früh die Spannung zwischen persönlichem Überleben, Zugehörigkeit und staatlicher Kriegführung.

Die ersten Kapitel verorten Kirsch in Kamerun, wo die koloniale Ordnung unter dem Druck der Kriegsmeldungen zu vibrieren beginnt. Verkehrswege, Gerüchte und Zuständigkeiten verschieben sich; das Umfeld wird unberechenbar. Kirsch fasst den Entschluss, den Weg nach Europa und zu den deutschen Linien zu finden, mit dem Ziel, Orientierung und Schutz zu erreichen. Paasche zeigt, wie schnell sich bestehende Routinen auflösen und wie vorsichtige Entscheidungen über Kontakte, Routen und Tarnung über das Weiterkommen bestimmen. Der Blick bleibt nah an Wahrnehmungen und Situationen, die das Spannungsfeld aus Chance, Risiko und Loyalität sichtbar machen.

Die Reise führt durch Räume, deren Zugehörigkeiten und Regeln sich im Kriegsbeginn beständig ändern. Kirsch muss Passagen aushandeln, Übergänge erkennen und die Sprache wechselnder Autoritäten verstehen. Stationen werden knapp umrissen: Orte des Wartens und der Durchreise, Begegnungen mit Mittlern, die Zugang ermöglichen oder verwehren, sowie Landschaften, die zugleich Deckung und Gefahr bieten. Das Erzählte bleibt an konkrete Eindrücke gebunden und verzichtet auf ausmalende Schlachtenbilder. Stattdessen rückt Paasche die Improvisationskunst des Reisenden in den Vordergrund und zeigt, wie provisorische Entscheidungen, Zufälle und Informationsbrüche den Verlauf bestimmen, während die große Politik im Hintergrund die Rahmenbedingungen setzt.

Mit zunehmender Distanz zur Ausgangsregion verdichten sich die Spannungen: Grenzen werden stärker bewacht, Misstrauen nimmt zu, und jeder Fehler droht, die gesamte Fahrt zu gefährden. Paasche lässt Konflikte zwischen persönlicher Geschichte und externer Zuschreibung sichtbar werden, etwa wenn Herkunft, Sprache oder frühere Zugehörigkeiten unterschiedlich gelesen werden. Der Text tastet die Frage ab, wie Loyalität in einem Krieg definiert wird, in dem Imperien, Kolonialtruppen und Freiwillige aufeinandertreffen. Entbehrungen, Umwege und Bewährungsproben markieren einen Wendepunkt: Aus der bloßen Flucht wird eine konzentrierte Bewegung in Richtung Front, die zugleich Aussicht und Zumutung bedeutet.

An der Schwelle zum europäischen Kriegsschauplatz verschieben sich Wahrnehmung und Maßstäbe. Mobilmachung, Logistik und Verwaltung prägen die Umgebung stärker als zuvor; der Einzelne wird Teil eines geregelten, misstrauisch beobachteten Durchlaufs. Kirsch begegnet Formen der Bürokratie, die Schutz versprechen und zugleich Distanz schaffen. Paasche kontrastiert improvisierte Übergänge der Reise mit dem normierten Takt einer industrialisierten Kriegsführung. Begegnungen mit Soldaten, Helfern und Zivilisten machen unterschiedliche Deutungen des Krieges sichtbar, von Pflichtbewusstsein bis Ernüchterung. Dabei entstehen Vorahnungen jener statischen, zermürbenden Realität, die die Schützengräben bestimmen, ohne dass der Text Entscheidendes vorwegnimmt oder heroisiert.

Wenn Kirsch die deutschen Linien erreicht, verändert sich der Charakter des Berichteten: Aus Bewegung wird Verharren, aus der offenen Route ein enges System von Stellungen, Regeln und Routinen. Paasche schildert Abläufe, Wartezeiten und die Nervosität einer Front, die weniger durch spektakuläre Ereignisse als durch stetige Gefahr und Organisation strukturiert ist. Kameradschaft, Hierarchie und knappe Mittel bestimmen den Alltag, während das Erlebte aus Afrika als Hintergrundfolie präsent bleibt. Die Erzählung lenkt den Blick auf das Nebeneinander von Disziplin und Improvisation und auf die Spannung zwischen persönlichem Impuls und militärischer Zweckmäßigkeit zugleich.

Als Fazit verbindet das Werk die Peripherie des Krieges mit seinem Zentrum und zeigt, wie Wege, Identitäten und Deutungen unter Druck neu verhandelt werden. Ohne pathetische Zuspitzung zeichnet Paasche ein Bild, das Abenteuer und Ernüchterung nebeneinanderstellt und militärische Romantik durch konkrete Erfahrung dämpft. Das Buch wirkt über seine Zeit hinaus, weil es die Verflechtung von Kolonialraum, Verwaltung und Front sichtbar macht und einen Blick auf Krieg als System erlaubt, das Menschen formt, begrenzt und herausfordert. Die nachhaltige Aussage liegt in der nüchternen, menschenbezogenen Perspektive, die großen Parolen misstraut und auf Beobachtung und Maßsetzung setzt.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Das Werk spielt im Kontext der Kriegsjahre 1914/15 zwischen der deutschen Kolonie Kamerun und den europäischen Fronten. Prägende Institutionen sind die deutsche Schutztruppe und die koloniale Verwaltung des Deutschen Kaiserreichs, auf der Gegenseite französische und britische Kolonialarmeen sowie die Légion étrangère. In Europa bestimmten Schützengräben, Masseneinberufungen und militärische Zensur die Kriegsführung und die Kommunikation. Neutralitäten Spaniens und Portugals (bis 1916) prägten Transit- und Internierungsfragen an der westafrikanischen Küste, insbesondere in Spanisch-Guinea. Über allem stand die Konkurrenz imperialer Mächte, deren afrikanische Besitzungen unmittelbar nach Kriegsbeginn zu Schauplätzen militärischer Operationen wurden. Diese Konstellation bildet den historischen Rahmen der Erzählung.

Bei Kriegsausbruch war Kamerun eine seit den 1880er Jahren bestehende deutsche Kolonie. Ab August 1914 griffen britische, französische und belgische Truppen aus Nigeria, dem Kongo und Französisch-Äquatorialafrika an. Der Hafen Duala wurde am 27. September 1914 von alliierten Seestreitkräften besetzt; die deutsche Verwaltung und Schutztruppe wichen ins Hinterland aus. Langanhaltende Gefechte folgten, etwa um Stellungen im Norden wie Mora, die bis 1916 resistierten. Der Vormarsch der Alliierten führte für viele Deutsche schließlich über die Grenze in das neutrale Spanisch-Guinea zur Internierung. Diese Rahmenbedingungen strukturieren die Bewegungsräume, die der Text für die Jahre 1914/15 literarisch spiegelt.

Die französische Fremdenlegion, 1831 gegründet, rekrutierte traditionell Ausländer und war vor 1914 vor allem in Nordafrika stationiert. Mit Kriegsbeginn wurden Legionseinheiten auch an der Westfront und in Kolonialoperationen eingesetzt. Unter den Freiwilligen befanden sich vor dem Krieg Angehörige vieler Nationen, auch Deutsche; ihre Situation wurde mit Kriegsbeginn heikel, da sie nun einem feindlichen Staat dienten. Desertionen, Internierungen und die Frage der Loyalität wurden zu umkämpften Themen. Die Legion blieb zugleich ein Instrument der französischen Kolonial- und Kriegspolitik. Dieses institutionelle Umfeld bildet den Hintergrund für Erzählungen, in denen Wechsel der Seiten, Identität und Zugehörigkeit verhandelt werden.

Die Verbindungslinien zwischen Westafrika und Europa waren 1914/15 durch Blockaden, Seeraumkontrolle und Neutralitätsregime geprägt. Britische und französische Flotten dominierten den Atlantik; deutsche Zivil- und Handelsschiffe waren weitgehend blockiert. Gleichzeitig boten neutrale Territorien wie Spanisch-Guinea und das spanische Mutterland, bis 1918 neutral, potenzielle Transit- und Internierungsorte. Portugal blieb bis 1916 neutral, bevor es auf alliierter Seite in den Krieg eintrat. Reisen über koloniale Grenzen, Fluss- und Küstenrouten sowie anschließend per Schiff und Bahn durch neutrale Staaten nach Mitteleuropa waren möglich, aber risikobehaftet und von Kontrollen begleitet. Diese realen Routen strukturieren den plausiblen Rahmen der geschilderten Bewegungen.

An der Westfront erstarrte der Krieg nach der Marneschlacht 1914 in ein Stellungssystem mit Schützengräben, Stacheldraht und Artillerie. 1914/15 prägten Winterkämpfe, Materialschlachten und hohe Verluste den Alltag der Soldaten. In Flandern fanden die Ypern-Schlachten statt; im April 1915 setzten deutsche Truppen erstmals großflächig Giftgas ein. Neue Technologien wie Maschinengewehre, Minenkrieg und Luftaufklärung veränderten Taktik und Lebensbedingungen. Militärische Zensur und Propaganda beeinflussten Berichte von der Front. Für aus Übersee kommende Freiwillige oder Rückkehrer bedeutete der Übergang in dieses Umfeld einen drastischen Wechsel von kolonialer Kriegsführung zu industrialisiertem Massenkrieg. Der Stellungskrieg verlangte Ausdauer, Disziplin und Anpassung an eine technisierte Tötungsumgebung.

Hans Paasche (1881–1920) war ein deutscher Marineoffizier, der sich vor dem Ersten Weltkrieg als Kritiker kolonialer Gewalt und des Militarismus profilierte. Er veröffentlichte satirische und reportagehafte Texte, darunter die Briefe des fiktiven Afrikaners Lukanga Mukara, und wandte sich gegen nationalistische Verhärtungen. Während des Krieges schrieb er weiterhin, wobei Zensur und Erwartungshaltungen des Publikums den Ton mitprägten. Sein Blick auf Afrika, Kolonialpolitik und Soldatenalltag verband Erfahrung und Skepsis gegenüber heroischen Erzählmustern. Dieses Profil erklärt, weshalb ein abenteuerlicher Flucht- und Reisebericht zugleich Beobachtungen über Institutionen, Moral und die soziale Realität des Krieges transportiert.

Die deutsche Kriegsliteratur der Zeit reichte von Fronttagebüchern über Abenteuerberichte bis zu patriotischen Romandichtungen. Behördliche Zensur und private Verlage förderten Texte, die Tapferkeit, Kameradschaft und Durchhaltewillen betonten, doch erschienen auch kritischere Stimmen. Erzählungen, die koloniale Schauplätze mit der europäischen Front verknüpften, reagierten auf öffentliches Interesse an „fernen“ Kriegsschauplätzen und an individuellen Schicksalen. Die Figur eines Fremdenlegionärs, der sich durch koloniale Räume bewegt und die Front erreicht, fügt sich in Debatten über Treue, Identität und die Globalität des Krieges ein. Das Werk reflektiert so zugleich Kriegsrealität und Medienökonomien der Jahre 1914/15.

Als Kommentar zur Epoche zeigt das Buch, wie der Erste Weltkrieg koloniale und europäische Räume miteinander verband und individuelle Biografien in geopolitische Verwerfungen zog. Es beleuchtet Institutionen wie Schutztruppe, Fremdenlegion und Zensurapparat und macht die Übergänge zwischen kolonialer Gewalt und industriellem Stellungskrieg sichtbar. Zugleich fungiert es als zeitgenössisches Dokument der Wahrnehmung: abenteuerlich erzählt, aber an konkrete Orte, Routen und Akteure gebunden. Für die historische Einordnung empfiehlt sich die Parallellektüre von Archivalquellen zur Kamerun-Kampagne und zur Legion, um Erzählung und überprüfbare Fakten zu unterscheiden und den Beitrag des Textes zur Erinnerungskultur zu würdigen.

Fremdenlegionär Kirsch - Eine abenteuerliche Fahrt von Kamerun in die deutschen Schützengräben in den Kriegsjahren 1914/ 15

Hauptinhaltsverzeichnis
Vorwort
Bei Kriegsausbruch in Kamerun
Meuterei an Bord der »Marina«
In englischer Kriegsgefangenschaft an der Goldküste
Die Flucht durch den afrikanischen Busch
Wie ich den Franzosen in Dahome in die Hände fiel
Als Kohlentrimmer von Dahome nach Senegambien
Als Rekrut der Fremdenlegion nach Marokko
Von Marokko nach Bordeaux
Beim ersten Fremdenregiment in Bayonne
Fluchtversuch in den Pyrenäen
Vor dem Kriegsgericht – Im Gefängnis
Nach Lyon
Auf dem Schießplatz von La Balbonne
Fluchtversuch nach der Schweiz
In den französischen Schützengräben
Im Hexenkessel auf französischer Seite
Als Überläufer in den deutschen Schützengraben

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Max Kirsch in der Legionärsuniform, in der er bei Prunay in den deutschen Schützengraben überlief.

Dies Buch enthält die Kriegserlebnisse eines jungen Mannes, der deutscher Art und Bildung Ehre gemacht hat.

Der Jugend, die die Welt erobern will, kann kein besseres Beispiel gegeben werden als die Gestalt unseres Helden. Sprachkenntnisse, Kenntnis der Natur und Erdkunde: offenes Auge, körperliche und geistige Gewandtheit, eine einfache, von Genußgiften unabhängige Lebensweise und ein Wagemut seltener Art, das sind die Kräfte, die Kirsch befähigten, sein Vaterland in dieser schweren Zeit zu erreichen.

Sein Glück in all den Wechselfällen der Irrfahrt ist wunderbar. Nachdenkliche Leser werden neben der Selbstverleugnung, mit der Kirsch sich, um einen Weg zur Heimat zu finden, den Gefahren der Schlacht aussetzte, noch etwas Großes erkennen, das sich in die Erlebnisse hineinmischt: Menschlichkeit und Kameradschaft im Kreise derer, die Feinde seines Volkes waren.

Die Urkunden und Bilder, die dem Buche beigegeben wurden, gehören zu dem wenigen, was Kirsch bei seiner Flucht in den deutschen Schützengraben bei sich führte.

Es wird unserm Helden nicht schaden, wenn er berühmt wird; er gehört zu den Menschen, die unabhängig von dem, was hinter ihnen liegt, den Weg gehen, den ihnen das sittliche Streben zeigt.

Gut Waldfrieden bei Hochzeit i. d. Neumark. Hans Paasche.

Bei Kriegsausbruch in Kamerun

Inhaltsverzeichnis

Auf dem breiten Strome des Kamerunflusses schwimmt unterhalb der Joßplatte das große Dock der Wörmannlinie. Die Landungsbrücken am Ufer von Duala sind voller Menschen[1q]. Freundliche Häuser liegen versteckt in dem dunklen Grün der Mangobäume. Auf der andern Seite des Stromes leuchten aus dem Uferwalde die Häuser von Bonaberi hervor. Weiter nach dem Meere hin ragt der Rücken des Kamerunberges empor. Weiße Nebelstreifen bedecken seinen Fuß.

Auf dem Strome liegen zwei große Dampfer. Ihre Riesengestalten und das Dock sind auffallende Erscheinungen in der weiten, wilden Natur.

Das Dock trägt einen Dampfer, an dem bis heute lebhaft gearbeitet wurde. Schwarze Hände nieteten an den Kielplatten vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Heute aber hat der Lärm der Arbeit aufgehört, und nur von Land her, aus der Regierungswerkstätte, tönt ein geschäftiges Klopfen, Schlagen und Hämmern, wie das, seit die Europäer ins Land kamen, an so vielen Stellen der afrikanischen Küste zu hören ist, wo früher nur das tiefe Brüllen der Flußpferde und der Schrei der Ufervögel die Ruhe unterbrachen.

Auf dem Dock ist reges Leben. Neger stehen an den Ventilen, der Dockmeister pfeift, die Neger drehen die Gestänge, und langsam sinken die Kasten in das Wasser, bis der Körper des gedockten Schiffes selbst zum Tragen kommt und die Balken aufschwimmen, die die Bordwand gegen die Wände des Docks gestützt hatten. Der Kapitän des Schiffes steht auf der Kommandobrücke und wartet auf den Augenblick, wo er den Maschinentelegraphen nach langen Tagen zum erstenmal wieder bewegen kann.

Ein Bild aus der Friedenszeit: Der Barredampfer »Marina« im Hafen von Lagos.

Endlich schwimmt die »Marina«. Der Telegraph schnarrt und klingelt, die Maschine springt an, das Schiff steuert im großen Bogen flußaufwärts und fährt sicher durch die Fischerboote der Eingeborenen hindurch, bis auf einen Ankerplatz gegenüber dem Wörmannhause und dem Strandhotel. Der Anker fällt. Der Dampf wird abgestellt.

Jetzt konnte auch ich an Deck kommen und mich mit meinen Kameraden freuen, daß die Arbeit beendet war. Das Schiff war wieder wie neu. Der Kapitän war froh über das gute Manöver des Schiffes, das so lange ruhig hatte im Dock liegen müssen, und spendete seinen weißen Mitarbeitern einen gemeinsamen Trunk.

Meine Tätigkeit an Bord der »Marina« war heute beendet. Ich mußte den nächsten Barr-Dampfer erwarten, der hier gedockt werden sollte, und freute mich auf einige Tage der Erholung. Mein eigentlicher Wohnsitz war Lagos. Da war ich bei der Werft angestellt, auf der die Barr-Dampfer ausgebessert werden, wenn sie bei ihrem schweren Dienst zu Schaden kommen. In Lagos selbst aber können nur kleinere Arbeiten ausgeführt werden; alle Arbeiten, zu denen ein Dock notwendig ist, müssen in Kamerun gemacht werden. Zu solchen Arbeiten war ich im Mai 1914 nach Kamerun gesandt worden.

Der Kapitän gab auch unseren schwarzen Arbeitern, die uns bei der Arbeit treu unterstützt hatten, Urlaub, damit sie zu ihren Landsleuten gehen und sich einige Tage ausruhen konnten. Er versprach außerdem, daß der Lohn auch für die Tage der Ruhe gezahlt werde, zur Belohnung für die gute Arbeit. Die Neger verließen das Schiff in froher Stimmung, und nun herrschte an Bord eine Stille, die nach dem Lärm der letzten Wochen sehr wohltuend war.

Der Kapitän ließ sich ein Beiboot klarmachen und fuhr an Land, um die Geschäftsstelle der Dampferlinie aufzusuchen. Wir anderen, die Maschinisten und ich, lagen in Korbstühlen an Deck, gedachten zu baden und uns auszuschlafen und durchblätterten die letzten Zeitungen, die schon ziemlich alt waren. Es war da etwas von dem Mord in Sarajewo zu lesen. In einem Boot, das mit Negern bemannt war, kam der Dockmeister an Bord und sagte: »Es ist dicke Luft, Rußland macht mobil.« Einer von uns aber sagte: »Ach, heutzutage gibt's so leicht keinen Krieg, und wenn's einen gibt, ist der in fünfzehn Minuten fertig!«

Mit einemmal hörten wir von Land her das bekannte Trillern der Pfeife des Kapitäns. Er stand auf der Landungsbrücke und winkte lebhaft mit einer großen Papierrolle, die er in der Hand hielt. Das fiel uns auf, denn dieser Mann war nicht so leicht aus seiner Ruhe zu bringen. Es mußte etwas Besonderes los sein. Jetzt sahen wir auch, daß auf vielen Häusern der Stadt Flaggen wehten.

Eiligst wurde das Verkehrsboot mit den Schwarzen an Land geschickt und kam mit dem Kapitän zurück. Gespannt erwarteten wir ihn, als er über die Strickleiter an Bord kam.

»Es ist Krieg!« rief er schon von unten. »Telegramm von Deutschland: ›Krieg mit Frankreich und Rußland‹.« Wir lachten ungläubig. Die Nachricht kam uns, die wir die letzten Zeitungen nicht verfolgt hatten, zu töricht vor. Als der Kapitän aber Einzelheiten mitteilte, mußten wir schon glauben, was er uns sagte, und hörten, daß wir uns gleich an Land zu melden hätten. Ich nahm meine Papiere, fuhr an Land und eilte zum Bezirksamt. Ich hatte einen sogenannten Auslandsschein und war danach bis 1916 vom Militärdienste befreit. Ich hatte also noch nicht gedient und bekam die Weisung, abzuwarten.

In den Straßen von Duala war ein ungewöhnliches Leben. Ansiedler, Kaufleute, Ärzte und andere, die sich grade im Lande aufhielten, waren gekommen, um sich bei dem Kommando der Schutztrupps zu melden. Man fürchtete auch Spione. Alle Häuser waren belebt, man trank heute noch mehr als sonst, und die Stimmung wurde immer zuversichtlicher. Niemand zweifelte, daß wir Deutsche beide Gegner bald niedergerungen haben würden. Bald aber kamen Nachrichten, daß es auch mit England losgehe. Jetzt dachte ich besorgt an unsere Kameraden in Lagos. Alles, was deutsche Kaufleute in der englischen Kolonie begonnen hatten, war auf dem Vertrauen aufgebaut, daß Weiße sich in den Kolonien untereinander nie bekämpfen würden; dieser Grundsatz schien durchbrochen zu sein, Freiheit und Eigentum der Deutschen war gefährdet. Auch ich hatte einen Verlust; fast meine ganze Ausrüstung hatte ich in Lagos gelassen.

Mein Vorgesetzter, Herr Ingenieur Hassenstein aus Lagos, war gerade in Duala und stellte sich in den Dienst der Regierung. Er brachte uns die Nachricht, daß die »Marina« besondere Aufträge bekäme, und daß ich als dritter Maschinist an Bord bleiben sollte, weil der Wachdienst für zwei Maschinisten zu anstrengend werden würde.

Man sagte zwar, nach der Kongoakte[1] werde in den Kolonien kein Krieg geführt, dennoch wurde die Verteidigung vorbereitet, und die »Marina« bekam die Aufgabe, die Bojen der Fahrrinne des Kamerunflusses so zu verlegen, daß die Angaben der Segelhandbücher nicht mehr stimmten.

Weit draußen vor der Mündung lag eine große Hafenboje, die gehoben werden mußte. Die Arbeit wurde bei stürmischem Wetter ausgeführt. Die schwere Boje schlug gegen das Schiff; dabei wurden einige Neger, die an den Ketten arbeiteten, schwer verletzt.

Meine Aufgabe war, auf der Brücke aufzupassen, ob feindliche Schiffe hinter der Insel Fernando Póo hervorkämen. Wir waren ein richtiges Vorpostenschiff.

Als wir hier draußen Wache hielten, hatten wir eine große Freude: Alle die deutschen Barr-Dampfer von Lagos kamen mit der Zeit an. Wir hatten sie schon verloren geglaubt. Die Dampfer hatten sich bei den ersten Anzeichen des Krieges in Lagos voll Kohlen geladen und waren dann rechtzeitig ausgelaufen. So waren sie den Engländern entgangen. Zuletzt kamen die Schiffe, die wegen ihrer Langsamkeit und Seeuntüchtigkeit stets bespottet wurden. Als allerletzter kam der »Addo«. Fast alle Neger der Besatzung waren in Lagos heimlich entwichen. Die wenigen Weißen, die das kleine Fahrzeug über die hohe See herüberbrachten, hatten aber den Mut nicht verloren, und wir hörten durch die Nacht die Klänge des Pariser Einzugsmarsches in der echt afrikanischen Konservenmusik eines Grammophons.

Außer den Barr-Dampfern kamen viele Dampfer deutscher Linien in Duala an. Die Kamerunmündung war für alle der einzige Unterschlupf an der westafrikanischen Küste. Noch nie hatte der Hafen so viele Schiffe beisammen gesehen. Und alle die Deutschen, die mit den Dampfern kamen, eilten an Land, um sich bei der Behörde zu melden. Außerdem wurden viele Hunderte Neger aus fremden Kolonien gegen ihren Willen hier gelandet. Sie waren als Fahrgäste nach anderen Häfenplätzen unterwegs gewesen. Jetzt bedrängten sie die Regierung, sie wollten weiterreisen. Viele der Eingeborenen des Landes waren über die Ereignisse so erschreckt, daß sie, so recht nach Art der Wilden, ihr Hab und Gut in Boote einpackten und über den Strom fuhren, um sich ins Innere des Landes zurückzuziehen.