French side of dark night - Rhiana Corbin - E-Book

French side of dark night E-Book

Rhiana Corbin

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Beschreibung

Das französische Männermagazin "Noir" steckt in der Krise. Die Auflage geht immer weiter zurück. Zur Rettung wird Alexander Everest engagiert. Ein in der Szene bekannter Chefredakteur, der für seine unorthodoxen Methoden berüchtigt ist. Alexander ist Neuseeländer und äußerst attraktiv, doch sein Privatleben hält er unter Verschluss, sodass eine Menge Gerüchte um sein Liebesleben kursieren. Julie Bupadin, die stellvertretende Chefredakteurin, begegnet Alexander bei ihrem Kennenlernen mit einigen Vorurteilen. Diese scheinen sich auch prompt zu bestätigen, als sie Alexander nach Feierabend in einer Bar begegnet. Er hält sie für leichte Beute, doch er weiß nicht, dass Julie für ihre Kolumne über dominante Männer recherchiert. Und Julie fällt es immer schwerer, sich seiner Anziehungskraft zu entziehen, je näher sie sich kommen. Doch dann entdeckt Julie Alexanders dunkles Geheimnis ...

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French side of dark night

Rhiana Corbin

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Danksagung

Leseprobe

Deutsche Neuveröffentlichung

November 2017

Copyright © 2016 Rhiana Corbin

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise,

nur mit Genehmigung

1. Auflage

Covergestaltung: Andrea Wölk

Foto © d1sk - Getty Images

© Beboy_ltd - Getty Images

© Okea - Getty Images

Rhiana Corbin, Lutherstr. 16, 46414 Rhede

wwww.mybooklove.de

Kapitel 1

Der Papierberg auf meinem Schreibtisch wird immer höher und Odette hat die Frechheit, diesen Berg noch zu erweitern, indem sie mir ein Fax auf den Haufen knallt.

»Das ist die dritte Kündigung in dieser Woche. Wenn das so weitergeht, sitzen wir bald nur noch zu dritt hier.«

»Zu dritt?«, frage ich überrascht und hebe den Kopf.

»Du, Gabriel und ich. Der harte Kern. Gabriel würde dich niemals verlassen, er liebt dich und würde es auch nicht übers Herz bringen, dich hängen zu lassen.« Odette streicht ihre roten Locken aus dem Gesicht und lächelt mich aufrichtig an.

»Und wenn ich gehe?«, frage ich ein wenig verzweifelt.

»Du? Du würdest das niemals bringen. Du warst dabei, als dieses Blatt aus der Taufe gehoben wurde. Niemals würdest du das sinkende Schiff verlassen, mag es noch so angeschlagen sein. Du bist kein Kapitän, der das sinkende Schiff verlässt.« Ihre grünen Augen funkeln mich an.

»Nein, vermutlich hast du recht. Ich bin eher der 1. Offizier, der mit dem Schiff untergeht.«

»Das wird nicht passieren. Schau auf das Fax, das gerade reingekommen ist. Die großen Chefs aus New York schicken uns einen Rettungsanker.«

»Was?«, rufe ich aufgeregt und schnappe mir das Blatt Papier.

»Wir bekommen einen neuen Chefredakteur. Er wird im Laufe des Tages eintreffen. Alexander irgendwas. Kennst du ihn?«, fragt Odette neugierig.

Ich schaue mir das Fax genau an. ... und freuen uns, mitzuteilen, dass wir keinen geringeren als Alexander Everest als neuen Chefredakteur ins Boot holen konnten ... Also wenn noch weitere Wasserfahrzeuge ins Spiel kommen, werde ich noch seekrank.

»Alexander Everest?«, frage ich ungläubig, dann entfährt mir ein leises: »Wow!«

»Warum wow?«

»Du kennst Everest nicht?«, frage ich tadelnd.

»Nein, sollte ich?« Odette blickt auf den Monitor, der an der gegenüberliegenden Wand hängt, während ich Everests Namen in die Suchmaschine des Internets eingebe. Innerhalb von Sekunden werden mir mehr als sechshunderttausend Einträge gemeldet. Ich klicke auf ein Bild und schicke es auf den Monitor an der Wand.

»Oh! Wow!«, meint nun auch Odette und ihr Mund bleibt offen stehen.

»Mein Gott! Wer ist denn diese Sahneschnitte?« Gabriel rauscht durch die offene Tür und bleibt abrupt stehen, als sein Blick auf das Bild des Monitors fällt. Er krault seinen Dreitagebart und schiebt seine Brille höher auf die Nase.

»Das, mein lieber Gabriel, wird unser neuer Chef«, klärt Odette ihn auf.

»Du meinst, ich werde in Zukunft für dieses Supermodel arbeiten? Ich fasse es nicht.« Er fährt sich über sein kurzes rotes Haar. Er sieht aus wie ein Nerd, ist aber mein bester Freund.

»Und ich fasse es nicht, dass ihr Alexander Everest nicht kennt. Es vergeht keine Woche, in der er nicht in der Yellow Press auftaucht. Mensch, ihr arbeitet bei einem Männermagazin, das gehört zum Allgemeinwissen.« Ich schaue die beiden strafend an. »Ihr macht eure Hausaufgaben nicht.«

»Wirst du mich jetzt übers Knie legen?«, fragt Gabriel freudig erregt.

»Hör auf zu sabbern und sieh zu, dass das Büro des Chefs aufgeräumt wird. Der letzte hat ein ziemliches Chaos hinterlassen, nachdem er Hals über Kopf einfach abgehauen ist. Ich kann nur hoffen, dass Everest wesentlich mehr Rückgrat hat, sonst wird er hier auch nicht alt«, weißt Odette ihn an.

»Was auch immer er hat, toll sieht er zumindest aus«, schwärmt Gabriel und verdreht die Augen.

»Obwohl es noch nicht einmal das beste Foto von mir ist.«

Ich drehe mich Richtung Tür und sehe einen Mann am Türrahmen lehnen, die Arme vor der Brust verschränkt. Er muss schon länger dort stehen, zumindest macht es den Eindruck. Er hat den Kopf schief gelegt und beobachtet uns.

»O Gott! Das ist ...« Gabriel verstummt und schaut mich ratlos an.

»Monsieur Everest? Bonjour!« Ich versuche, cool zu bleiben, dabei haut mich sein Erscheinen fast aus den Socken.

»Oh, das ist aber eine Überraschung!«, flötet Odette und wirft sich in Pose. Es fehlt nur noch, dass sie ihren BH zurechtrückt.

»Ich nehme an, Sie sind mein Team.« Er stößt sich vom Türrahmen ab und kommt langsam auf uns zu.

Meine Güte, er ist wirklich ein Gott. Es fällt mir schwer, ihm in die Augen zu sehen. Für einen Mann ist er einfach zu schön. Sein gebräunter Teint und die dunkelblonden Haare, die er sehr kurz geschnitten trägt, betonen seine grauen Augen. Er ist durchtrainiert, ohne muskulös zu sein. Seine hohen Wangenknochen und die Bartstoppeln lassen ihn sehr eigensinnig erscheinen. Er ist relativ groß, ich schätze ihn auf einen Meter neunzig, und schlank. Sein athletischer Körper steckt in einem hellgrauen Anzug, dazu trägt er ein hellblaues Hemd und eine graue Krawatte, die seine schönen Augen betont. Doch das alles allein schüchtert mich nicht so ein wie seine Präsenz, die er ausstrahlt, als er den Raum betritt. Als würde er unsichtbare Strahlen versenden, die mich treffen und meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

»Julie Bupadin«, stelle ich mich vor, gehe ihm entgegen und reiche ihm die Hand.

»Miss Bupadin«, begrüßt er mich.

»Wir alle nennen sie nur Bubu.«

Ich drehe mich kurz zu Odette um und werfe ihr einen bösen Blick zu.

»Bubu?«, wiederholt Everest belustigt und lächelt mich an. »Ich werde Sie Julie nennen. Ich rede meine Mitarbeiter immer mit dem Vornamen an. Sie können mich gerne Alexander nennen. Sie sind also meine Sekretärin.« Er schaut mich freundlich an.

»Hm ... nein, ich bin die stellvertretende Chefredakteurin. Odette Amuvais ist meine Assistentin. Gabriel Budieu ist Ihr Assistent, Monsieur Everest«, gebe ich etwas steif von mir.

»Sie bevorzugen also die harte Tour«, meint er leise zu mir und lässt endlich meine Hand los. Der Blick in seine grauen Augen sagt mir, dass es ab sofort nicht mehr leicht werden wird.

»Odette ... Gabriel.« Er reicht beiden nacheinander die Hände.

»Alexander, schön, Sie zu kennenzulernen«, meint Gabriel freundlich. »Ich freue mich, für Sie zu arbeiten.«

»Nein, Gabriel. Sie arbeiten nicht für mich, sondern mit mir. Ich freue mich, dass Sie drei zu meinem engeren Team gehören. Bitte rufen Sie für ...« Er schaut auf seine Uhr, eine Patek Philippe World Time in Rosé. Dieser Mann trägt eine Uhr am Arm, die den Wert zwei meiner Jahresgehälter hat. Ich habe vor Kurzem eine Kolumne über Luxusuhren geschrieben und erkenne eine, wenn sie mir unter die Nase gehalten wird.

»... elf Uhr eine Redaktionskonferenz ein. Gabriel, Sie bereiten die Sitzung bitte vor.«

»Ich bin schon unterwegs« ruft Gabriel und macht sich zusammen mit Odette auf den Weg.

»Möchten Sie Ihr Büro ...«, frage ich freundlich, doch er unterbricht mich.

»Danke, ich habe es schon gesehen. Erzählen Sie mir etwas über sich, Julie. Wir werden eng zusammenarbeiten, ich will mehr über Sie erfahren.« Er lächelt mich an, wandert in meinem Büro umher, schaut sich die Bilder auf dem Schreibtisch genau an, setzt sich dann auf meinen Schreibtischstuhl und zeigt auf den Besuchersessel vor dem Tisch.

»Bitte, setzen Sie sich; ich bin ganz Ohr.«

Ich nicke, folge seiner Aufforderung. »Ihr Vorgänger war ein Versager, wenn man es ehrlich beim Namen nennen will. Keine Ahnung von dem Geschäft, keine Ahnung, wie man Menschen führt. Ich hoffe, Sie haben das besser drauf, Monsieur Everest.«

Er blickt mich an, dann lächelt er. »Das wollen wir doch hoffen, Julie. Aber ich wollte eigentlich etwas über Sie erfahren.«

»Über mich gibt es nicht viel zu berichten. Ich bin seit drei Jahren Stellvertreterin, Sie sind der vierte Chef in sechs Jahren. Ich schreibe eine monatliche Kolumne mit dem Titel Julies Gespür für ... jeden Monat ein neues Thema.«

»Wie lautet der Titel Ihrer Kolumne, an der Sie gerade arbeiten?«

»Julies Gespür für dominante Männer.« Jetzt muss auch ich lächeln. Ich schaue Everest an, doch er erwidert es nicht.

»Dominante Männer?«, fragt er und hebt eine Augenbraue, was ihn noch attraktiver macht. »Erzählen Sie mir von Ihrer Recherche.«

»Ich habe gerade erst angefangen. Ein bisschen Internetrecherche, es gibt hier in Paris einige Bars, in denen sich Männer mit diesen Neigungen treffen und sich auf die Suche nach Frauen machen, die sich gerne unterwerfen.«

»Gehören Sie zu den Frauen, die sich gerne unterwerfen?«, fragt er plötzlich und starrt mich geradezu an.

»Ich?«, frage ich überrascht und muss lachen. »Nein, ich bin wohl alles andere als unterwürfig.« Was soll denn diese Frage? Mache ich etwa den Eindruck, als wäre ich eine Sub?

»Sie kennen sich zumindest aus.« Er faltet die Hände und legt seine Finger an die Lippen.

»Ein wenig. Man kann mich aber nicht als Kennerin der Szene betiteln, das wäre zu viel der Ehre.« Ich erhebe mich aus dem Sessel. »Wie Sie sehen, habe ich eine Menge Arbeit, Monsieur Everest. Wenn Sie mich entschuldigen wollen.« Ich trete an den Schreibtisch und er erhebt sich, tritt jedoch nicht zur Seite.

»Ich finde, wir müssen dieses Thema bald mal vertiefen. Wir sind jetzt ein Team, Julie. Das sollten Sie nicht vergessen.« Er überlässt mir meinen Platz und wendet sich zur Tür, dabei streift seine Hand meine Hüfte. Ganz leicht, wie unabsichtlich, doch ich spüre die Berührung, blicke ihm hinterher, doch er verlässt den Raum, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Kapitel 2

Der Briefing Room ist voll besetzt. Ich glaube, es ist lange her, dass wir bei der Redaktionskonferenz vollzählig anwesend waren.

»Hey, Bubu! Wie ist der neue Chef denn so?«, ruft Michel Chavier zu mir herüber, der am anderen Ende des Tisches sitzt. Er ist einer der Redakteure.

»Sei nicht so ungeduldig und warte, bis du dir selbst ein Bild machen kannst«, gebe ich zur Antwort. Er ist ein Blödmann, der meint, jede Frau um den Finger wickeln zu können. Bei mir hat er es auch schon versucht, ist jedoch kläglich gescheitert. Einen Mann, der mit fast vierzig noch bei seiner Mutter wohnt, kann ich irgendwie nicht ernst nehmen.

»Bonjour, meine Damen und Herren!«

Die Tür hat sich geöffnet und Everest rauscht in den Raum. Er wirkt voller Elan, gleichzeitig hat er etwas Erhabenes. Diese Präsenz, die ich bereits in meinem Büro spürte, füllt nun den ganzen Meetingraum aus. Alle Mitarbeiter erwidern den Gruß.

»Nun, ich denke, Sie sind voller Neugier auf meine Person. Ich will direkt zur Sache kommen. Vor Ihnen steht nicht nur der neue Chefredakteur, sondern ich bin auch der neue Herausgeber.« Er setzt sich an den Kopf des Tisches und schaut in die Runde. An die zwanzig Leute sitzen am Tisch. Gabriel hat hinter ihm den Raum betreten und neben Everest Platz genommen. Hängt wie ein Geliebter an dessen Lippen. Ich denke, Gabriel wird seinen Job noch mehr lieben als ohnehin schon. Dabei kann ich es ihm noch nicht einmal übel nehmen. Everest ist attraktiv, anziehend, faszinierend - zumindest wenn man auf diese Art Männer steht. Je länger ich über unsere Unterhaltung nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Entschluss, dass er einer von denen sein könnte, über die ich zurzeit schreibe: ein dominanter Mann.

»Soll ich Ihnen sagen, was ich habe? Mehr als fünfzig Prozent von einem Haufen Scheiße.«

Absolute Stille liegt über dem Raum.

Everest hebt die letzte Ausgabe der Noir und wirft sie auf den Tisch. »Dieses Magazin ist ein Haufen Mist. Sie hätte noch nicht einmal auf Toilettenpapier gedruckt werden dürfen. Ich gehe mal davon aus, dass mein Vorgänger dafür verantwortlich ist. Oder sind Sie es?«

Er deutet auf Michel, der vor Schreck rot wird.

»Oder Sie vielleicht, Odette?«

»Ich?«, ruft sie erschrocken auf und einige kichern leise.

»Nein, weder Odette noch Sie«, er deutet erneut auf Michel, »noch Julie oder sonst jemand. Einzig allein der Chefredakteur ist schuld an einer miserablen Ausgabe. Daher können wir uns nicht beglückwünschen, dass mein Vorgänger die Beine in die Hand genommen hat und dieses Magazin verlassen hat. Wir wollen ihm dafür applaudieren.« Er beginnt in die Hände zu klatschen und fordert uns auf, es ihm gleichzutun. Langsam spenden alle Beifall. Selbst ich stimme mit ein, obwohl ich mir absolut blöd vorkomme. Was wird das hier? Ein Treffen der Tupperwareverkäufer?

»Okay! Danke. Also noch mal im Klartext. Wenn etwas schiefläuft, halte ich den Kopf dafür hin. Damit ich meinen Kopf nicht verliere, werde ich dafür sorgen, dass aus diesem miesen Schundblatt ein angesehenes Männermagazin wird. Wir alle zusammen werden dafür sorgen. In den nächsten Wochen werden wir einzelne Abteilungen umstrukturieren, die Aufgabenbereiche neu verteilen. Gabriel hier wird mir weiterhin zur Hand gehen. Alle Termine laufen über ihn. Habt Ihr Fragen, wendet euch zuerst an Gabriel. Ich werde eng mit Julie zusammenarbeiten, also sollten keine Gerüchte über uns entstehen. Julie und ich sind ab sofort ein Team, mehr nicht.«

Er schaut mich an und ich muss schlucken. Was redet er denn da?

»Wir werden gemeinsam aus einem drittklassigen Pornomagazin ein erstklassiges Männermagazin mit Stil formen. Ab sofort gibt es keine nackten Brüste mehr auf dem Cover, sondern hochkarätige Stars. Ich erwarte bis morgen von jedem Mitarbeiter einen Vorschlag, wer das Cover der neuen Ausgabe zieren soll. Seid kreativ, Leute.«

Damit springt er auf und verlässt uns.

»Leute, die wöchentliche Redaktionskonferenz findet ab sofort jeden Montagmorgen statt. Alexander erwartet vollzähliges Erscheinen der Redakteure«, ruft Gabriel in den Raum und wedelt aufgeregt mit den Armen. Er sieht aus wie auf Speed. Alexander Everest scheint ansteckend zu sein.

»Ist Julie zu sprechen?« Alexander bleibt vor Odettes Schreibtisch stehen und starrt auf die geschlossene Bürotür, als könne er sie dank seines Blickes dazu bewegen, sich zu öffnen.

»Tut mir leid, Alexander. Julie hat bereits Feierabend gemacht.« Odette wird unter seinem forschen Blick ganz rot. Er ist es gewohnt, solche Reaktionen bei Frauen hervorzurufen. Allerdings ist eine Frau davon ausgenommen - Julie. Sie hat ihn angeblickt, als sei er ein Insekt, das ihr bisher noch fremd war und bei dem sie nicht wusste, ob sie es lieben oder doch zerquetschen sollte. Somit hatte sie sofort seine Aufmerksamkeit erregt. Julie ist anders als die Frauen, die ihm sonst begegnen. Sie ist stark, selbstbewusst, unabhängig. Und das hat sofort seinen Jagdtrieb geweckt. Er ist es leid, dass ihm alle Frauen direkt zu Füßen liegen. So wie Odette, die ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen scheint. Auch wenn er eine ganze Weile diese Art Frauen bevorzugte, weil es leicht war, sie zu bekommen. Bei Julie würde es mehr Arbeit bereiten, sie zu erobern, und genau danach stand ihm im Augenblick der Sinn. Lasst die Spiele beginnen!

»Warum schon so früh?« Er schaut auf seine Armbanduhr. Es war gerade mal halb sechs.

»Sie muss sich noch umziehen. Für ihre Kolumne. Sie hat einen Termin bezüglich ihrer Recherche.«

»Und wo genau findet dieser Termin statt?«

»Ich weiß nicht, ob ich das verraten darf ...«

»Sie dürfen, Odette, glauben Sie mir«, bestätigt Alexander und gibt seiner Stimme ein ganz besonderes Timbre, von dem er weiß, dass keine Frau ihm widerstehen kann.

»Sie ist heute im Le Next, in der Rue Tiquetonne. Sie wartet auf einen Mann mit einer weißen Rose«, wispert Odette leise und schaut ihm verlegen in die Augen.

»Danke, meine Schöne. Machen Sie Feierabend.«

Obwohl es Mitte Mai viel zu warm dafür ist, habe ich mich für halterlose schwarze Strümpfe entschieden. Sie sehen wunderschön zu dem schwarzen Spitzenkleid von Dior aus. Ich habe es mir in einem Anflug von Größenwahn gegönnt. Es hat ein halbes Monatsgehalt gekostet, doch ich konnte nicht widerstehen. Leider habe ich nicht bedacht, dass ich nur selten Gelegenheit finden werde, es zu tragen, doch heute kann ich einfach nicht anders. Ich habe mich in einer Bar mit einem Mann verabredet, den ich im Internet kennengelernt habe. Aus seinen Zeilen konnte ich herauslesen, dass er ein dominanter Mann ist, hoffentlich liege ich nicht daneben. Es ist zwar nicht üblich, dass ich mich mit fremden Männern treffe, aber ich meine, in einer öffentlichen Bar, was soll da schon schieflaufen?

Der Laden ist schon ziemlich voll, als ich ihn um halb neun betrete. Mist! Wie soll ich ihn finden? Wir haben zwar ein Erkennungszeichen ausgemacht, doch es ist so voll, dass ich mich an den Gästen vorbeiquetschen muss. Eine Treppe führt in den Keller, wo es mehrere Räume gibt, die alle mit bequemen Sofas ausgestattet sind. Auch hier sind die meisten Plätze besetzt, ich schaue mich langsam um, wandere weiter, bis ich in der hinteren Ecke eine weiße Rose entdecke. Das muss er sein. Ich bahne mir einen Weg zu ihm und bleibe vor der Couch lächelnd stehen.

Kapitel 3

»Sie?« Ich starre auf den Mann im grauen Anzug und dem violetten Hemd hinunter. Sein Kragen steht offen und lässt den Blick auf gebräunte Haut zu.

»Überrascht?«, fragt mich Alexander Everest und schenkt mir ein Lächeln, das meine Knie weich werden lässt.

»Was machen Sie hier? Erzählen Sie mir nicht, dass Sie meine Verabredung sind.«

»Sie erwarten einen Mann mit einer weißen Rose.« Er hält sie mir entgegen.

»Das ist aber nicht alles, was ich erwarte«, meine ich spitz, greife aber dennoch zu der Rose und rieche daran. Ihr Duft ist fein und sie sieht wunderschön aus.

»Dann lassen Sie es mich anders ausdrücken. Sie erwarten einen dominanten Mann, hier ist einer.« Diesmal lächelt er nicht, sondern bannt mich mit seinem Blick. »Bitte, Julie. Setzen Sie sich und lassen Sie uns zusammen etwas trinken.«

»Ich ... ich kann nicht. Ich werde erwartet.«

»Ihr Date ist bereits wieder gegangen, nachdem ich Sie entschuldigt habe«, meint er erklärend und rückt ein wenig zur Seite, damit ich mich neben ihm niederlassen kann.

»Wie kommen Sie dazu?«, frage ich aufgebracht.

Er greift nach meiner Hand und zieht mich so überraschend an sich, dass ich fast auf seinem Schoß lande. »Glauben Sie mir, er war nicht Ihr Typ.«

»Woher wollen Sie wissen, wer und was mein Typ ist? Es war eine berufliche Verabredung. Ich bin nicht zu meinem Vergnügen hier«, meine ich erbost und blicke ihn wütend an.

»Das ist mir schon klar, aber vielleicht können wir ein Vergnügen daraus machen.«

Ich schnaufe und werde von dem Kellner unterbrochen, der gekommen ist, um meine Bestellung aufzunehmen.

»Ich bekomme ein Mineralwasser«, meine ich unfreundlich.