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In "Dialektik der Natur" unternimmt Friedrich Engels eine tiefgründige Untersuchung der Beziehung zwischen Naturwissenschaft und Dialektik, die die Grundlagen des materialistischen Weltverständnisses reflektiert. Im Kontext der industriellen Revolution und des aufkommenden wissenschaftlichen Denkens analysiert Engels die Naturphänomene durch die Linse der dialektischen Methode, die auf Widersprüchlichkeit, Veränderung und Entwicklung abzielt. Der literarische Stil ist prägnant und analytisch, gespickt mit philosophischen Überlegungen, die den Dialog zwischen Naturwissenschaft, Philosophie und Gesellschaft fördern. Engels' Werk wird oft als Dialog mit seinen Zeitgenossen angesehen, was es sowohl zeitgenössisch als auch zeitlos macht. Friedrich Engels, ein führender Kopf der sozialistischen Bewegung und ein enger Vertrauter Karl Marx, brachte seine umfangreiche Studienerfahrungen in das Werk ein. Die umfassenden Kenntnisse in Naturwissenschaften und seine emphatische Ansicht über die materielle Realität, gepaart mit seinem politischen Engagement, prägten seine Überzeugungen über den Zusammenhang von Natur und Gesellschaft. Seine Schriften waren nicht nur theoretische Abhandlungen, sondern auch leidenschaftliche Aufrufe zur sozialen Veränderung. "Dialektik der Natur" ist eine unverzichtbare Lektüre für jeden, der die philosophischen Grundlagen der Naturwissenschaften und deren gesellschaftliche Implikationen verstehen möchte. Engels fordert den Leser auf, das Zusammenspiel von Natur und Gesellschaft kritisch zu reflektieren und die Dialektik als Methode zur Wahrheitsfindung anzunehmen. Dieses Werk öffnet die Türen zu einem vertieften Verständnis der Natur und unseres Platzes innerhalb dieser. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Diese Sammlung fasst unter dem Titel Friedrich Engels: Dialektik der Natur den überlieferten Werkkomplex zusammen, in dem Engels sein naturphilosophisches Vorhaben entwirft und erprobt. Sie ist keine Edition eines einzelnen Buchs, sondern eine umfassende Präsentation von Plänen, Artikeln, Notizen und thematisch gegliederten Fragmenten. Ziel ist es, den gesamten verfügbaren Zusammenhang dieses Projekts sichtbar zu machen, ohne den Charakter des Unvollendeten zu glätten. Der Umfang folgt der internen Architektur des Nachlasses: von Grundrissen des Vorhabens über ausgearbeitete Stücke bis zu Forschungszetteln, die Denkbewegungen dokumentieren. So entsteht ein Gesamtbild, das Prozess und Ergebnis zugleich zeigt.
Die Sammlung will die Zielsetzung des Projekts so transparent wie möglich machen: Engels’ Versuch, die Dialektik als Methode der Naturerkenntnis zu entfalten und an Gegenständen der Naturwissenschaften zu prüfen. Sie führt die Breite des Anspruchs vor Augen, ohne einen künstlichen Abschluss zu suggerieren. Das Arrangement erlaubt, Leitideen, Ansatzpunkte und argumentative Wege nachzuverfolgen. Damit richtet sich die Edition an Leserinnen und Leser, die systematische Orientierung ebenso schätzen wie Einblick in die Genese. Der Fokus liegt auf Zugänglichkeit und Kontextualisierung innerhalb des Werkzusammenhangs, nicht auf einer nachträglichen Vereinheitlichung heterogener Textsorten.
Der Aufbau der Sammlung folgt einem Weg vom Plan zum Problem: [Planskizzen], [Skizze des Gesamtplans] und Skizze des Teilplans eröffnen den Blick auf Architektur, Umfang und Prioritäten des Projekts. Es folgen die [Artikel], in denen Engels zentrale Ideen ausarbeitet und exemplarisch an naturwissenschaftlichen Feldern erprobt. Im Anschluss stehen [Notizen und Fragmente], die die Breite der Lektüren, Hypothesen und methodischen Fragen erschließen. Abgeschlossen wird mit Titeln und Inhaltsverzeichnissen der Konvolute, die die Werkgenese und die innere Gliederung dokumentieren. Diese Ordnung will Orientierung bieten und zugleich die historische Offenheit der Arbeit wahren.
Als Haupteinleitung versteht sich der vorliegende Text als Wegweiser: Er benennt Umfang, Ziel und innere Logik der Zusammenstellung und lädt zur Lektüre entlang unterschiedlicher Pfade ein. Wer ein systematisches Panorama sucht, beginnt bei den Plänen; wer argumentativen Zugriff bevorzugt, bei den Artikeln; wer methodische Feinheiten verfolgt, bei den thematischen Notizen. So kann die Sammlung sowohl zur Einführung dienen als auch als Fundus für vertiefende Studien. Sie respektiert die unterschiedlichen Grade der Ausarbeitung der Texte und stellt deren Zusammenhang über die leitende Fragestellung her, Natur und Dialektik in ein fruchtbares Verhältnis zu setzen.
Die Textsortenlandschaft ist bewusst heterogen gehalten. Die [Planskizzen] und die [Skizze des Gesamtplans] bieten kondensierte Entwürfe des Projekts: Sie umreißen Ziele, Stoffverteilung und methodische Leitlinien. Die Skizze des Teilplans verfeinert diese Perspektive auf einzelne Abschnitte und Prioritäten. Solche Dokumente zeigen Engels’ Arbeitsweise vor dem Ausformulieren: als Kartierungen von Themenfeldern, als koordinierende Knoten, an denen spätere Ausarbeitungen ansetzen. Sie sind keine bloßen Vorstufen, sondern eigenständige Zeugnisse der Reflexion über Aufbau, Übergänge und argumentative Dramaturgie eines naturphilosophischen Unternehmens im Wechselspiel mit zeitgenössischer Wissenschaftspraxis.
Die Sektion [Artikel] versammelt ausgearbeitete Stücke und programatische Texte, die die Spannweite des Projekts veranschaulichen. Dazu gehören Einleitung und die Alte Vorrede zum »[Anti-] Dühring«. Über die Dialektik sowie thematische Studien wie Die Naturforschung in der Geisterwelt, Dialektik, Grundformen der Bewegung, Maß der Bewegung – Arbeit, Flutreibung. Kant und Thomson‑Tait, Wärme, Elektrizität und Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen. Diese Texte verbinden exemplarische Analysen mit methodischen Klärungen; sie zeigen, wie begriffliche Fragen an konkreten naturkundlichen und physikalischen Gegenständen geprüft und im Licht dialektischer Vorschläge weiterentwickelt werden.
Die [Notizen und Fragmente] öffnen die Werkstatt des Denkens. Hier finden sich Exzerpte, Skizzen und Ansatzpunkte, die Engels’ Lektüren und Problemstellungen begleiten. Untergliederungen wie [Aus der Geschichte der Wissenschaft], [Naturwissenschaft und Philosophie] und [Dialektik] machen die Verbindung von historischer Rekonstruktion, systematischer Reflexion und Begriffsarbeit greifbar. Besonders aufschlussreich sind a) Allgemeine Fragen der Dialektik. Grundgesetze der Dialektik und b) Dialektische Logik, und Erkenntnistheorie. Von den Grenzen der Erkenntnis, in denen methodische Kernthemen ausdrücklich zur Sprache kommen. Solche Materialien dokumentieren offene Fragen, Denkbewegungen und heuristische Wege jenseits fertiger Formulierungen.
Eine weitere Gruppe bündelt Sachfelder und Klassifikationen: [Bewegungsformen der Materie. Klassifizierung der Wissenschaften] umreißt Ordnungen, Übergänge und Hierarchien von Forschungsbereichen. Darauf folgen problemnahe Notizen und Zusammenstellungen zu [Mathematik], [Mechanik und Astronomie], [Physik], [Chemie] und [Biologie]. Diese Sektion macht anschaulich, wie Engels fachliche Differenzen und Vermittlungen betrachtet und wo er methodische Knotenpunkte verortet. Titel und Inhaltsverzeichnisse der Konvolute ergänzen diesen Überblick, indem sie die innere Gliederung des Materials und die angestrebten Verknüpfungen offenlegen. So wird der Anspruch auf systematische Reichweite mit der konkreten Stoffarbeit rückgekoppelt.
Die Texte verbindet das Anliegen, Natur als Prozess, Zusammenhang und Entwicklungsgeschehen zu begreifen. Dialektik dient dabei nicht als äußerliches Schema, sondern als Vorschlag, Übergänge, Widersprüche und Emergenzen begrifflich zu fassen. Themen wie Grundformen der Bewegung oder Wärme und Elektrizität werden als Felder untersucht, in denen qualitative und quantitative Bestimmungen ineinandergreifen. Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen markiert eine Brücke zur Anthropologie: Naturgeschichte und menschliche Praxis werden in wechselseitiger Vermittlung gedacht. Gemeinsam ist den Stücken das Interesse, konkrete Forschungsergebnisse mit übergreifenden Kategorien in produktives Gespräch zu bringen.
Stilistisch verschränken die Texte analytische Nüchternheit mit didaktischem Impuls. Begriffe werden sparsam eingeführt, an Beispielen geprüft und, wo nötig, revidiert. In Auseinandersetzungen wie Flutreibung. Kant und Thomson‑Tait zeigt sich, wie polemische Schärfe in methodische Klärung überführt wird. Die Planskizzen arbeiten mit Stichworten und architektonischen Markierungen; die Artikel mit Argumentationsbögen und exemplarischen Fallstudien; die Notizen mit heuristischen Sondierungen. Diese Vielfalt dient nicht der Zersplitterung, sondern der Beweglichkeit des Denkens. So tritt eine Schreibweise hervor, die Begriffsarbeit eng am Gegenstand und im Dialog mit zeitgenössischer Wissenschaft hält.
Als Gesamtheit bleiben die hier versammelten Arbeiten bedeutsam, weil sie eine seltene Verbindung leisten: historische Wissenschaftsreflexion, systematische Philosophie und konkrete Naturkunde treten in ein gemeinsames Projekt. Für die Geschichte der Wissenschaften eröffnen sie Einblick in Debatten und Selbstverständnisse einer Epoche. Für die Philosophie der Natur zeigen sie, wie Kategorien an empirischen Entwicklungen geschärft werden können. Für interdisziplinäre Forschung markieren sie Wege, Differenzen zwischen Disziplinen als Übersetzungsaufgaben zu bearbeiten. Gerade im Unfertigen liegt ihr Reiz: Die Texte laden zum Weiterdenken ein, ohne den Anspruch auf begriffliche Strenge preiszugeben.
Die Sammlung versteht sich als Einladung, Engels’ naturphilosophisches Projekt in seiner ganzen Spannweite aufzunehmen: vom Plan über die ausgearbeitete Studie bis zur tastenden Notiz. Ihre Stärke liegt in der Transparenz des Arbeitsprozesses und in der Dichte der thematischen Verknüpfungen. Wer ihr folgt, sieht nicht nur Ergebnisse, sondern die Wege dorthin, die Fragen, an denen Begriffe gewonnen werden. So wird Dialektik der Natur als offenes Untersuchungsfeld erfahrbar, das historische Erkenntnisse mit systematischen Perspektiven zusammenführt. In dieser Offenheit liegt die anhaltende Relevanz der Texte und ihre Fähigkeit, Gegenwartsfragen mit begrifflicher Prägnanz zu berühren.
Friedrich Engels (1820–1895) war Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus und enger Weggefährte von Karl Marx. Als Autor, Journalist, politischer Organisator und scharfer Analytiker der Industriegesellschaft verband er Theorie mit praktischer Erfahrung. Zu seinen wichtigsten Schriften zählen Die Lage der arbeitenden Klasse in England, das gemeinsam mit Marx verfasste Manifest der Kommunistischen Partei, Anti-Dühring sowie Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. Engels prägte entscheidend die Ausformung des historischen Materialismus und trug nach Marx’ Tod wesentlich zur Edition von Das Kapital bei. Sein Wirken beeinflusste Arbeiterbewegungen, Parteien und Gelehrte weltweit und bleibt bis heute ein Bezugspunkt politischer, sozialwissenschaftlicher und kulturhistorischer Debatten.
Engels wuchs im rheinisch-westfälischen Industriegebiet auf und erhielt eine solide Schulbildung, die er jedoch ohne Universitätsabschluss beendete. Früh wurde er in kaufmännische Ausbildung und Tätigkeiten eingebunden, was ihn in norddeutsche Handelsstädte führte und später in die frühen 1840er-Jahre nach England. Dort arbeitete er in einem Textilbetrieb und lernte Fabrikorganisation, Buchführung und internationale Märkte aus nächster Nähe kennen. Zugleich betrieb er eine intensive autodidaktische Weiterbildung: Sprachen, Geschichte, Nationalökonomie, Philosophie und Naturwissenschaften. Diese doppelte Erfahrung aus Büro und Bibliothek verlieh seinem späteren Schreiben eine Verbindung von empirischer Beobachtung, statistischer Genauigkeit und begrifflicher Schärfe, die Zeitgenossen ebenso beeindruckte wie Gegner herausforderte.
Prägende intellektuelle Einflüsse bezog Engels aus der deutschen Philosophie, insbesondere aus Hegels Dialektik und den Debatten der Junghegelianer, denen er kritisch, aber produktiv gegenüberstand. Von Ludwig Feuerbach übernahm er die materialistische Wende, die er später gemeinsam mit Marx systematisch vertiefte. Hinzu traten die klassische politische Ökonomie von Adam Smith bis David Ricardo, die er sorgfältig studierte, sowie die Schriften französischer Sozialisten. Entscheidenden Anschub gaben die Begegnung mit dem britischen Chartismus und der unmittelbare Kontakt zur englischen Arbeiterbewegung. Aus diesem Spannungsfeld formte Engels eine Schreibweise, die philosophische Abstraktion mit Reportage, polemischer Zuspitzung und ökonomischer Analyse verband.
Seine publizistische Laufbahn begann mit Artikeln für radikale Zeitschriften und einer frühen Grundsatzschrift über politische Ökonomie. In den mittleren 1840er-Jahren veröffentlichte er Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, worin er zentrale Begriffe der bürgerlichen Theorie prüfte und die Lage der Produzenten ins Zentrum rückte. Kurz darauf entstand gemeinsam mit Karl Marx Die heilige Familie, eine polemische Auseinandersetzung mit spekulativer Philosophie und idealistischer Sozialkritik. Mit Die Lage der arbeitenden Klasse in England legte Engels sodann eine detaillierte, auf Beobachtung und Berichten beruhende Analyse industrieller Verelendung vor, die breite Resonanz auslöste und ihn als nüchternen, zugleich engagierten Autor bekannt machte.
In den Revolutionsjahren 1848/49 trat Engels als politischer Schriftsteller und Journalist besonders hervor. Zusammen mit Marx verfasste er das Manifest der Kommunistischen Partei, das programmatische Klarheit mit prägnanter Sprache verbindet und eine bis dahin unerreichte internationale Wirkung entfaltete. Während der revolutionären Ereignisse schrieb er für oppositionelle Blätter und arbeitete an der Neuen Rheinischen Zeitung mit, die zu einem Forum demokratischer und sozialistischer Kritik wurde. Die Verbindung von Theorie, aktueller Kommentierung und organisatorischer Tätigkeit prägte seinen Stil: polemisch, klar strukturiert, reich an historischen Beispielen und auf strategische Konsequenzen zielend.
Nach dem Scheitern der Revolution arbeitete Engels über Jahre parallel in der Industrie und als Autor im Exil. Er veröffentlichte historische und militärische Analysen, Rezensionen zur politischen Ökonomie und Beiträge für die sozialistische Presse verschiedener Länder. Ein Höhepunkt seiner systematischen Darstellung ist Anti-Dühring, worin er naturwissenschaftliche, philosophische und ökonomische Fragen zu einer umfassenden Kritik verbindet. Aus diesem Werk ging der populäre Auszug Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft hervor, der in Arbeiterorganisationen weit verbreitet wurde. Seine Schriften verbanden begriffliche Strenge mit didaktischer Klarheit und zielten darauf, komplexe Zusammenhänge für eine breite Leserschaft zugänglich zu machen.
In den 1880er-Jahren veröffentlichte Engels zentrale Abhandlungen, darunter Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, worin er historische und ethnologische Materialien für eine materialistische Gesellschaftstheorie fruchtbar machte, sowie Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. Zugleich edierte er den umfangreichen Nachlass von Marx und gab die Bände II und III von Das Kapital heraus, eine philologische und analytische Leistung mit nachhaltiger Wirkung. Die Resonanz reichte von scharfer Kritik bürgerlicher Gelehrter bis zu begeisterter Aufnahme in Arbeiterparteien; Debatten über Determinismus, Dialektik und Methode begleiteten sein Werk kontinuierlich.
Engels’ Überzeugungen gründeten in einem materialistischen Geschichtsverständnis, das gesellschaftliche Entwicklung als Ergebnis konfliktreicher Produktions- und Lebensverhältnisse begreift. Er kritisierte die Ausbeutung im Industriekapitalismus, analysierte Klassenstrukturen und betonte die Selbstbefreiung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Internationalismus, wissenschaftliche Kritik und organisierte Aktion galten ihm als notwendige Einheit. Er wandte sich gegen moralische Appelle ohne ökonomische Analyse wie gegen rein ökonomische Modelle ohne politische Strategie. Seine Schriften plädieren für die Vergesellschaftung der entscheidenden Produktionsmittel, für demokratische Organisation der Bewegung und für eine Theorie, die Hypothesen an empirische Tatsachen bindet.
Sein Engagement zeigte sich in der Mitarbeit an internationalen Zusammenschlüssen und in beratender Tätigkeit für sozialistische Organisationen. Engels war in der Mitte des 19. Jahrhunderts an der kommunistischen Vereinsbildung beteiligt und unterstützte später die Internationale Arbeiterassoziation. In den 1870er- und 1880er-Jahren korrespondierte er umfangreich mit Aktivisten in mehreren Ländern, förderte den Aufbau legaler Massenparteien und die Verbindung von Gewerkschaftsarbeit, parlamentarischer Taktik und außerparlamentarischem Druck. Er warnte vor sektiererischer Abgrenzung, plädierte für strategische Geduld und bestand auf theoretischer Klarheit, ohne dogmatische Starre zu befördern. Diese Haltung prägte Programmdiskussionen europäischer Parteien nachhaltig.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte Engels militärischen Fragen. Seine Teilnahme an den Kämpfen des Jahres 1849 und seine gründlichen Studien der Kriegsgeschichte machten ihn zu einem gefragten Kommentator, dem sozialistische Zeitungen den Beinamen eines „Generals“ zuschrieben. Er analysierte Logistik, Taktik und die Beziehung zwischen militärischer Technik und gesellschaftlicher Entwicklung, stets mit Blick auf die politischen Implikationen. Für ihn war militärisches Wissen Teil allgemeiner Strategie: Organisation, Disziplin und die Einschätzung von Kräfteverhältnissen sollten rational begründet sein. Diese Arbeiten ergänzten sein ökonomisches und historisches Schreiben und machten seine publizistische Stimme in Krisenzeiten besonders einflussreich.
In seinen letzten Jahren lebte Engels überwiegend in London. Nach dem Tod von Marx übernahm er die ordnende Sichtung des Nachlasses, bereitete Manuskripte vor und publizierte weitere Bände von Das Kapital. Zugleich arbeitete er an eigenen Texten, kommentierte aktuelle Entwicklungen und pflegte ein dichtes Netzwerk von Briefwechseln mit Bewegungen und Parteien. Er unterstützte strategische Debatten, ohne in die Tagesführung einzugreifen, und setzte auf Schulung und Programmarbeit. Engels starb 1895 in London. Zeitgenössische Reaktionen reichten von ehrenden Nachrufen der Arbeiterpresse bis zu kritischer Distanz bürgerlicher Organe; Gedenkveranstaltungen würdigten ihn als Theoretiker und Organisator.
Das Vermächtnis von Engels wirkt vielfältig fort. Seine Beiträge zum historischen Materialismus, zur Klassenanalyse und zu Fragen von Staat, Familie und Eigentum prägten sozialistische Theorie und Praxis über Generationen. Im 20. Jahrhundert wurden seine Schriften in unterschiedlichen politischen Kontexten interpretiert, von Massenparteien bis zu akademischen Debatten in Soziologie, Geschichtswissenschaft und Anthropologie. Kontroversen über Evolutionismus, Determinismus und die Reichweite ökonomischer Erklärungen hielten an und führten zu Neubewertungen. Zugleich bleibt seine Verbindung empirischer Beobachtung mit systematischer Theorie ein Referenzpunkt. In der Gegenwart dient Engels als Quelle kritischer Diagnose kapitalistischer Dynamiken und als Anstoß für erneuerte, historisch informierte Gesellschaftsanalyse.
Friedrich Engels (1820–1895) wuchs im rheinisch-preußischen Barmen, heute Wuppertal, in einer Textilunternehmerfamilie auf. Seine Jugend fiel in die Hochphase der ersten Industriellen Revolution, geprägt von mechanischen Spinnereien, Dampfkraft und rasantem Städtewachstum. Diese Umwelt prägte seinen Blick auf Arbeitsdisziplin, Fabrikorganisation und Klassenbildung. Die sozialen Gegensätze zwischen Fabrikbesitzern und Arbeitern traten früh hervor und lieferten ihm ein lebenslanges Erfahrungsreservoir. Zwischen Calvinismus, industrieller Modernisierung und preußischer Verwaltungskultur lernte er, ökonomische und technische Prozesse als gesellschaftliche Kräfte zu begreifen. Diese frühen Eindrücke bilden den Hintergrund für sein Bestreben, Natur- und Gesellschaftsentwicklung in einem einheitlichen, historisch-materialistischen Rahmen zu denken.
Die geistige Landschaft des Vormärz formte Engels’ frühe theoretische Orientierung. Während seines Militärdienstes in Berlin (1841–1842) studierte er Hegels Logik und Geschichte der Philosophie. Die Debatten der Junghegelianer – von Bruno Bauer bis zu Ludwig Feuerbach – boten ihm Werkzeuge, spekulative Systeme materialistisch zu wenden. Feuerbachs anthropologischer Materialismus (1841) ermutigte zur Kritik von Religion und Metaphysik, blieb aber für Engels zu kontemplativ. Aus Hegels Dialektik übernahm er die Idee dynamischer Widersprüche, die er auf Natur, Gesellschaft und Erkenntnis anwenden wollte. Die preußische Zensur und die politische Enge verstärkten den Drang, Theorie mit praktischer Veränderung zu verbinden.
Ein Schlüsselerlebnis war Engels’ Aufenthalt in Manchester (1842–1844), im Zentrum der Baumwollindustrie. Dort sah er die Folgen der Fabrikarbeit, Kinderarbeit, Slums und die Organisationsformen der Arbeiterbewegung. Die Chartisten (1838–1848), die Repeal-Bewegung um die Corn Laws (Aufhebung 1846) und die liberale Freihandelsideologie boten Anschauungsunterricht in Klassenkampf, Staatsmacht und Ideologien. Manchester war zugleich ein Knotenpunkt naturwissenschaftlicher und technischer Innovation: Chemische Färberei, Dampfmaschinenentwicklung und Eisenbahnen schufen eine empirische Basis für die Verschränkung von Naturprozessen, Technik und gesellschaftlicher Produktion. Diese Erfahrungen bestimmten Engels’ spätere Versuche, Naturgesetze und ökonomische Gesetze innerhalb eines gemeinsamen, historischen Zusammenhangs zu begreifen.
Im August 1844 traf Engels in Paris Karl Marx; daraus erwuchs eine lebenslange Zusammenarbeit. In Brüssel (1845–1846) und Köln (1848) vertieften beide die Kritik der politischen Ökonomie und formulierten eine materialistische Geschichtsauffassung. Das Kommunistische Manifest erschien 1848 in London und verband ökonomische Entwicklung, Klassenkämpfe und Weltmarkt. Die Revolutionen von 1848/49, ihr Scheitern und Engels’ Teilnahme an den Kämpfen in Baden-Pfalz (1849) prägten sein Verständnis von Staat und Revolution. Nach der Niederlage folgte das Exil. Die Verbindung von politischer Aktion und theoretischer Synthese blieb kennzeichnend, auch wenn sich der Schwerpunkt in den 1850er und 1860er Jahren auf Studium und Organisation verlagerte.
Zwischen 1850 und 1870 arbeitete Engels in Manchester bei Ermen & Engels und finanzierte so die gemeinsame Forschung mit Marx. Zugleich erschloss er sich in britischen Bibliotheken und periodischen Veröffentlichungen die rasch expandierende naturwissenschaftliche Literatur. Die British Association for the Advancement of Science, die Royal Institution und populäre Vorträge – etwa Faradays – verbreiteten neue Resultate in Elektrizität, Chemie und Thermodynamik. Das britische Empirismusklima, die Verfügbarkeit von Labor- und Werksdaten sowie die Nähe zu Ingenieuren machten naturwissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar greifbar. Engels suchte darin nicht einzelne Befunde, sondern Gesetzmäßigkeiten von Prozess, Wechselwirkung und Entwicklung, die er mit historischen Dynamiken vermittelte.
Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte eine Verdichtung physikalischer Revolutionen: Julius Robert Mayer (1842), James Prescott Joule (1840er), Hermann von Helmholtz (1847) und Rudolf Clausius (1850) begründeten die Energieerhaltung und Thermodynamik; William Thomson (Lord Kelvin, 1851) schuf mit Clausius die Theorie der Entropie. Michael Faradays Feldkonzept fand in James Clerk Maxwells Treatise (1873) mathematische Form. Die Telegraphie (seit 1837), der Ausbau elektrischer Maschinen (Gramme-Dynamo 1871) und präzisere Messapparate veränderten Produktion und Erkenntnispraxis. Engels sah in diesen Entwicklungen Bestätigungen prozessualer, nicht-substanzialistischer Naturauffassungen: Kräfte und Felder als Beziehungen, Zustandsgrößen als historischen Maßstäben – eine Denkweise, die Dialektik empirisch erdet.
Mit Charles Darwins Origin of Species (1859) und The Descent of Man (1871) wurde die Biologie historisiert. Thomas H. Huxley verteidigte die Evolution gegen kirchliche und idealistische Einwände; in Deutschland vulgarisierte und popularisierte Ernst Haeckel (Generelle Morphologie, 1866) die Entwicklungslehre. Rudolf Virchows Zellularpathologie (1858), Louis Pasteurs Mikrobiologie (1860er) und Robert Kochs Nachweise (Milzbrand 1876) veränderten Vorstellungen von Krankheit, Vererbung und Umweltanpassung. Dmitri Mendelejews Periodensystem (1869) verknüpfte Chemie und Atomtheorie. Engels ordnete diese Resultate in eine Naturauffassung ein, die Zufall und Notwendigkeit, Variation und Selektion, Kontinuität und Sprung als zusammengehörige Momente historischer Prozesse begriff.
Geologie und Kosmologie dehnten Zeithorizonte aus. Charles Lyells Principles of Geology (1830–1833) etablierte Uniformitarismus und allmähliche Formveränderung der Erdkruste. Die Kant-Laplace-Hypothese (Kant 1755, Laplace 1796) bot ein kosmogonisches Entwicklungsschema. Spektroskopie von Gustav Kirchhoff und Robert Bunsen (1859/60) begründete die Astrophysik und erlaubte Aussagen über Sternmaterie. Theorien zur Gezeitenreibung und Erdrotation wurden von William Thomson und Peter Guthrie Tait (Treatise on Natural Philosophy, 1867) sowie von George H. Darwin (ab 1879) diskutiert. Solche Forschungen erlaubten Engels, Bewegungsformen, Skalen und Wechselwirkungen zu vergleichen und Naturgeschichte als Abfolge qualitativ neuer Organisationsniveaus zu rekonstruieren.
Mathematik und Logik durchliefen im 19. Jahrhundert Umbrüche, die erkenntnistheoretische Fragen neu stellten. Nicht-euklidische Geometrien (Nikolai I. Lobatschewski 1829/30, János Bolyai 1832) und Bernhard Riemanns Habilitationsvortrag (1854) relativierten Raumintuitionsgewissheiten. George Booles Logik (1854) abstrahierte Schlussweisen, während Georg Cantors Mengenlehre (ab 1874) Unendlichkeiten differenzierte. Für Engels bestätigten solche Innovationen, dass formale Systeme historisch wachsen, Widersprüche enthalten und Grenzen verschieben. Zugleich professionalisierte sich die Wissenschaft: Laboratorien, Spezialzeitschriften und Methodenstandards entstanden. Diese institutionellen Veränderungen rahmten die Möglichkeit, Naturdialektik nicht als spekulatives System, sondern als methodische Orientierung im Umgang mit komplexen, offenen Prozessen auszuarbeiten.
Philosophisch prägten der Materialismusstreit der 1850er Jahre (Ludwig Büchner, Jacob Moleschott, Carl Vogt), der Positivismus Auguste Comtes (Cours, 1830–1852) und der aufkommende Neukantianismus (Hermann Cohen ab 1871 in Marburg) das Klima. Engels positionierte sich gegen einen reduktionistischen, mechanistischen Materialismus, der Qualität, Entwicklung und Widerspruch nivelliert, und gegen agnostische Strömungen, die Erkenntnisgrenzen hypostasieren. Die hegelianische Dialektik wollte er von idealistischen Hypotheken befreien und mit naturwissenschaftlichen Ergebnissen vermitteln. Diese Konstellation erklärt das Bedürfnis, Bewegung, Formwandel und Gesetzmäßigkeit in der Natur nicht nur zu beschreiben, sondern als historisch-gestufte, widersprüchliche und zugleich regelgeleitete Prozesse zu denken.
Die politische Landschaft des Deutschen Reiches nach 1871 strukturierte die Debatten der Arbeiterbewegung. Kulturkampf (1871–1878), Sozialistengesetze (1878–1890) und die Formierung der Sozialdemokratie setzten Theorie unter Druck. Innerhalb der Partei gewann der Streit um Eugen Dührings System (Mitte 1870er) strategische Bedeutung und führte 1878 zur Veröffentlichung der Kritik, aus der 1880 Sozialismus: Utopisch und wissenschaftlich als populäre Schrift hervorging. In diesem Umfeld wurden naturwissenschaftliche Fragen nicht akademisch behandelt, sondern in programmatische Auseinandersetzungen über Methode, Erkenntnis und gesellschaftliche Praxis eingebunden. Die Rezeption naturwissenschaftlicher Resultate erhielt dadurch eine unmittelbar politische Dimension.
Die internationalen Erschütterungen von 1870/71 – der Deutsch-Französische Krieg und die Pariser Kommune (März–Mai 1871) – schärften den Blick für Staat, Militärtechnik und Klassenkampf. Die Erste Internationale (gegründet 1864 in London) zerfiel 1872, was den Übergang zu stärker national organisierten Arbeiterbewegungen beschleunigte. Engels verfolgte moderne Waffentechnik, Festungsbau und Logistik mit der gleichen Aufmerksamkeit wie industrielle Innovationen. Für ihn waren Naturkräfte, technische Apparate und gesellschaftliche Verhältnisse verschränkt. Diese Perspektive bereitete den Boden, naturwissenschaftliche Begriffe von Kraft, Energie, Struktur und Entwicklung auf soziale Prozesse zu übertragen, ohne Natur und Geschichte zu verwechseln.
Ab den 1870er Jahren begann die Zweite Industrielle Revolution: Bessemer- (1856) und Siemens-Martin-Stahl (1865) wurden großtechnisch, die chemische Industrie expandierte (BASF, Bayer), und elektrische Netze entstanden (Siemens 1847; Edison-Lampe 1879). Standardisierte Zeitmessung, Telegrafie und globale Schifffahrtsrouten verdichteten Weltmarkt und Wissenschaftsverkehr. In Laboren und Fabriken wurden Stoffe, Energien und Informationen systematisch transformiert. Diese Verdichtung realhistorischer Prozesse bildete für Engels die empirische Folie, an der sich Begriffe wie Qualitätssprung, Interaktion und Maßwechsel bewähren mussten. Wissenschaft wurde Produktionskraft; ihre gesellschaftliche Einbettung wurde zur Schlüsselfrage jeder Theorie, die Natur und Gesellschaft nicht getrennt behandeln wollte.
Engels konzentrierte sich in den 1870er und frühen 1880er Jahren intensiver auf naturwissenschaftliche Studien, unterstützt durch den Zugang zur Reading Room des British Museum in London nach seinem Umzug 1870. In Briefwechseln mit Marx und Wissenschaftlern diskutierte er Geologie, Physik, Biologie und Mathematik. Nach Marx’ Tod 1883 trug Engels die Hauptlast der Edition von Kapital, Band II (1885) und III (1894), wodurch naturwissenschaftliche Projekte in den Hintergrund traten. Seine Notate zeigen jedoch kontinuierliche Bemühungen, neue Literatur zu rezipieren und offene Probleme – etwa in Thermodynamik, Evolution, Erkenntnistheorie – methodisch in einen entwicklungslogischen Zusammenhang zu stellen.
Viele Manuskripte blieben zu Engels’ Lebzeiten unveröffentlicht. Der Aufsatz Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen erschien postum 1896 in der Zeitschrift Die Neue Zeit (herausgegeben von Karl Kautsky). Eine umfassendere Edition der naturwissenschaftlichen Aufzeichnungen erfolgte 1925 am Marx-Engels-Institut in Moskau unter David Rjazanov, was ihre Rezeption in russischer und internationaler marxistischer Philosophie prägte. Spätere Ausgaben korrigierten und erweiterten den Textbestand. Diese Editionsgeschichte erklärt, weshalb die Sammlung fragmentarisch wirkt, zugleich aber eine programmatische Einheit bewahrt: die Integration naturwissenschaftlicher Erkenntnisse in eine nicht-reduktionistische, historische Materialismuskonzeption.
Die internationale Wissenszirkulation des 19. Jahrhunderts – Zeitschriften wie Nature (seit 1869), Transactions der wissenschaftlichen Gesellschaften, Übersetzungen zwischen Deutsch, Englisch und Französisch – bildete den Resonanzraum der Lektüren. Universitäten wie Berlin, Heidelberg, Göttingen und Laborzentren in London, Paris, Manchester und Glasgow erzeugten einen Kanon experimenteller Praktiken. Ingenieursvereine, Gewerkschaften und sozialdemokratische Bildungsvereine verbreiteten populärwissenschaftliche Inhalte. Dieses Geflecht institutioneller und publizistischer Kanäle ermöglichte es, naturwissenschaftliche Resultate zeitnah in theoretische und politische Debatten zu übersetzen, wodurch die Grenzen zwischen Fachdisziplin, Philosophie und Gesellschaftstheorie durchlässig wurden.
Im Rückblick steht das Werk an der Schnittstelle von Naturforschung, Technik und sozialer Theorie. Es entstand im Spannungsfeld von Industrieller Revolution, politischer Reaktion und wissenschaftlicher Umwälzung, getragen von der Überzeugung, dass Prozesse, Widersprüche und qualitative Sprünge die Natur ebenso durchziehen wie die Geschichte. Auch wenn einzelne naturwissenschaftliche Details durch spätere Forschung überholt wurden, bleibt die methodische Intention – die Einheit von historischer Entwicklung, systemischer Wechselwirkung und kritischer Erkenntnistheorie – ein roter Faden. So lässt sich die Sammlung als Versuch verstehen, den Wissensstand des 19. Jahrhunderts in eine Theorie zu überführen, die Veränderung selbst zum Gegenstand macht.
Projektentwürfe, die Aufbau, Themenfelder und beabsichtigte Argumentationslinien der Dialektik der Natur skizzieren; sie zeigen Engels’ Plan, naturwissenschaftliches Material systematisch unter dem Gesichtspunkt des dialektischen Materialismus zu ordnen.
Programmschrift, die Ziel und Methode des Werks bestimmt: die Anwendung der Dialektik auf die Naturwissenschaften und die Kritik an metaphysischem Denken sowie an zeitgenössischen Fehlinterpretationen der Forschung.
Ein komprimierter Grundriss der dialektischen Methode, der ihre Absetzung von der Metaphysik, ihre Hegelschen Wurzeln und ihre Hauptgesetze umreißt und ihre Relevanz für Natur und Gesellschaft behauptet.
Polemisierende Auseinandersetzung mit dem Spiritismus und pseudowissenschaftlichen Geisterforschungen; Engels zeigt, wie mangelnde Methodik und Sensationsglaube naturwissenschaftliche Standards unterlaufen.
Systematischer Abriss der Dialektik als Lehre von Bewegung, Widerspruch und Entwicklung; anhand naturwissenschaftlicher Beispiele wird das Denken in Prozessen statt in starren Dingen begründet.
Bestimmt die verschiedenen Bewegungsformen der Materie (mechanisch, physikalisch, chemisch, biologisch) und ihr Verhältnis zueinander; betont die Übergänge und qualitativen Sprünge zwischen den Ebenen.
Erörtert die Messbarkeit von Bewegung und die physikalische Kategorie Arbeit als Ausdruck der Umwandlung von Energie; verbindet quantitative Bestimmungen mit qualitativen Veränderungen.
Kommentiert die Theorie der Gezeitenreibung sowie kosmologische Modelle von Kant und die Physik von Thomson/Tait; Engels kritisiert einseitige Ableitungen und betont historische Entwicklung und Wechselwirkung der Naturprozesse.
Darstellung der Wärmetheorie als Bewegungsform der Materie, mit Bezug auf Energieerhaltung und Entropie; deutet thermodynamische Gesetze als dialektische Beziehungen von Ordnung und Zerstreuung.
Skizziert die Phänomenologie und Theorien der Elektrizität in ihrer Einheit mit Magnetismus und Chemie; legt den Akzent auf Umwandlungen und Feldbeziehungen statt isolierter Kräfte.
Entwicklungstheoretischer Essay, der Arbeit, Werkzeuggebrauch und Kooperation als treibende Kräfte der Hominisation beschreibt; zeigt die Wechselwirkung von Hand, Gehirn, Sprache und sozialem Leben.
Exzerpte und Randbemerkungen zur historischen Entfaltung naturwissenschaftlicher Begriffe und Methoden; markieren Brüche, Kontinuitäten und gesellschaftliche Bedingungen des Wissens.
Reflexionen über das Verhältnis von empirischer Forschung und philosophischer Verallgemeinerung; Verteidigung eines materialistischen, dialektischen Rahmens gegen Idealismus und Positivismus.
Skizzen zu Grundgesetzen und Kategorien der Dialektik sowie zu einer dialektischen Logik und Erkenntnislehre; diskutiert die Reichweite und Begrenztheit wissenschaftlicher Erkenntnis ohne Skeptizismus.
Entwurf einer Hierarchie der Wissenschaften entlang von Bewegungsformen, von Mechanik bis Biologie; begründet die Eigenständigkeit und Vermittlung der Ebenen.
Arbeitsnotizen zu zentralen Disziplinen, die Begriffe, offene Probleme und Beispiele sammeln; dienen als Materialfundus, um dialektische Übergänge, Gesetzmäßigkeiten und qualitative Sprünge in den einzelnen Feldern zu illustrieren.
Editorische Zusammenstellungen der Mappen- und Heftgliederung; geben Einblick in die Ordnung des Nachlasses und den Stand der Ausarbeitung.
1. Historische Einleitung: in der Naturwissenschaft durch ihre eigene Entwicklung die metaphysische Auffassung unmöglich geworden.
2. Gang der theoretischen Entwicklung in Deutschland seit Hegel (alte Vorrede). Rückkehr zur Dialektik vollzieht sich unbewußt, daher widerspruchsvoll und langsam.
3. Dialektik als Wissenschaft des Gesamtzusammenhangs. Hauptgesetze: Umschlag von Quantität und Qualität – Gegenseitiges Durchdringen der polaren Gegensätze und Ineinander-Umschlagen, wenn auf die Spitze getrieben – Entwicklung durch den Widerspruch oder Negation der Negation – Spirale Form der Entwicklung.
4. Zusammenhang der Wissenschaften. Mathematik, Mechanik, Physik, Chemie, Biologie. St. Simon (Comte) und Hegel.
5. Aperçus über die einzelnen Wissenschaften und deren dialektischen Inhalt:
1. Mathematik: dialektische Hülfsmittel und Wendungen. – Das Mathematisch-Unendliche wirklich vorkommend;
2. Mechanik des Himmels – jetzt aufgelöst in einen Prozeß. – Mechanik: Ausgegangen von der Inertia, die nur der negative Ausdruck der Unzerstörbarkeit der Bewegung ist;
3. Physik – Übergänge der molekularen Bewegungen ineinander. Clausius und Loschmidt;
4. Chemie: Theorien. Energie;
5. Biologie. Darwinismus. Notwendigkeit und Zufälligkeit.
6. Die Grenzen des Erkennens. Du Bois-Reymond und Nägeli. – Helmholtz, Kant, Hume.
7. Die mechanische Theorie. Haeckel.
8. Die Plastidulseele – Haeckel und Nägeli.
9. Wissenschaft und Lehre – Virchow.
10. Zellenstaat-Virchow.
11. Darwinistische Politik und Gesellschaftslehre – Haeckel und Schmidt. – Differentiation des Menschen durch Arbeit. – Anwendung der Ökonomie auf die Naturwissenschaft. Helmholtz’ »Arbeit« (»Populäre Vorträge«, II)
1. Bewegung im Allgemeinen.
2. Attraktion und Repulsion. Übertragung von Bewegung.
4. Schwere – Himmelskörper – irdische Mechanik.
5. Physik. Wärme. Elektrizität.
6. Chemie.
7. Resumé.
a) Vor 4: Mathematik. Unendliche Linie. + und – gleich.
b) Bei Astronomie: Arbeitsleistung durch Flutwelle.
Doppelrechnung bei Helmholtz, II, 120.
»Kräfte« bei Helmholtz, II, 190.
Die moderne Naturforschung, die einzige, die es zu einer wissenschaftlichen, systematischen, allseitigen Entwicklung gebracht hat im Gegensatz zu den genialen naturphilosophischen Intuitionen der Alten und zu den höchst bedeutenden, aber sporadischen und größtenteils resultatlos dahingegangnen Entdeckungen der Araber – die moderne Naturforschung datiert wie die ganze neuere Geschichte von jener gewaltigen Epoche, die wir Deutsche, nach dem uns damals zugestoßenen Nationalunglück, die Reformation, die Franzosen die Renaissance und die Italiener das Cinquecento nennen, und die keiner dieser Namen erschöpfend ausdrückt. Es ist die Epoche, die mit der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts anhebt. Das Königtum, sich stützend auf die Städtebürger, brach die Macht des Feudaladels und begründete die großen, wesentlich auf Nationalität basierten Monarchien, in denen die modernen europäischen Nationen und die moderne bürgerliche Gesellschaft zur Entwicklung kamen; und während noch Bürger und Adel sich in den Haaren lagen, wies der deutsche Bauernkrieg prophetisch hin auf zukünftige Klassenkämpfe, indem er nicht nur die empörten Bauern auf die Bühne führte – das war nichts Neues mehr –, sondern hinter ihnen die Anfänge des jetzigen Proletariats, die rote Fahne in der Hand und die Forderung der Gütergemeinschaft auf den Lippen. In den aus dem Fall von Byzanz geretteten Manuskripten, in den aus den Ruinen Roms ausgegrabnen antiken Statuen ging dem erstaunten Westen eine neue Welt auf, das griechische Altertum; vor seinen lichten Gestalten verschwanden die Gespenster des Mittelalters; Italien erhob sich zu einer ungeahnten Blüte der Kunst, die wie ein Widerschein des klassischen Altertums erschien und die nie wieder erreicht worden. In Italien, Frankreich, Deutschland entstand eine neue, die erste moderne Literatur; England und Spanien erlebten bald darauf ihre klassische Literaturepoche. Die Schranken des alten Orbis terrarum wurden durchbrochen, die Erde wurde eigentlich jetzt erst entdeckt und der Grund gelegt zum späteren Welthandel und zum Übergang des Handwerks in die Manufaktur, die wieder den Ausgangspunkt bildete für die moderne große Industrie. Die geistige Diktatur der Kirche wurde gebrochen; die germanischen Völker warfen sie der Mehrzahl nach direkt ab und nahmen den Protestantismus an, während bei den Romanen eine von den Arabern übernommene und von der neuentdeckten griechischen Philosophie genährte heitre Freigeisterei mehr und mehr Wurzel faßte und den Materialismus des 18. Jahrhunderts vorbereitete.
Es war die größte progressive Umwälzung, die die Menschheit bis dahin erlebt hatte, eine Zeit, die Riesen brauchte und Riesen zeugte, Riesen an Denkkraft, Leidenschaft und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit. Die Männer, die die moderne Herrschaft der Bourgeoisie begründeten, waren alles, nur nicht bürgerlich beschränkt. Im Gegenteil, der abenteuernde Charakter der Zeit hat sie mehr oder weniger angehaucht. Fast kein bedeutender Mann lebte damals, der nicht weite Reisen gemacht, der nicht vier bis fünf Sprachen sprach, der nicht in mehreren Fächern glänzte. Leonardo da Vinci war nicht nur ein großer Maler, sondern auch ein großer Mathematiker, Mechaniker und Ingenieur, dem die verschiedensten Zweige der Physik wichtige Entdeckungen verdanken; Albrecht Dürer war Maler, Kupferstecher, Bildhauer, Architekt und erfand außerdem ein System der Fortifikation, das schon manche der weit später durch Montalembert und die neuere deutsche. Befestigung wiederaufgenommenen Ideen enthält. Machiavelli war Staatsmann, Geschichtschreiber, Dichter und zugleich der erste nennenswerte Militärschriftsteller der neueren Zeit. Luther fegte nicht nur den Augiasstall der Kirche, sondern auch den der deutschen Sprache aus, schuf die moderne deutsche Prosa und dichtete Text und Melodie jenes siegesgewissen Chorals, der die Marseillaise des 16. Jahrhunderts wurde. Die Heroen jener Zeit waren eben noch nicht unter die Teilung der Arbeit geknechtet, deren beschränkende, einseitig machende Wirkungen wir so oft an ihren Nachfolgern verspüren. Was ihnen aber besonders eigen, das ist, daß sie fast alle mitten in der Zeitbewegung, im praktischen Kampf leben und weben, Partei ergreifen und mitkämpfen, der mit Wort und Schrift, der mit dem Degen, manche mit beidem. Daher jene Fülle und Kraft des Charakters, die sie zu ganzen Männern macht. Stubengelehrte sind die Ausnahme: entweder Leute zweiten und dritten Rangs oder vorsichtige Philister, die sich die Finger nicht verbrennen wollen.
Auch die Naturforschung bewegte sich damals mitten in der allgemeinen Revolution und war selbst durch und durch revolutionär; hatte sie sich doch das Recht der Existenz zu erkämpfen. Hand in Hand mit den großen Italienern, von denen die neuere Philosophie datiert, lieferte sie ihre Märtyrer auf den Scheiterhaufen und in die Gefängnisse der Inquisition. Und bezeichnend ist, daß Protestanten den Katholiken vorauseilten in der Verfolgung der freien Naturforschung. Calvin verbrannte Servet, als dieser auf dem Sprunge stand, den Lauf der Blutzirkulation zu entdecken, und zwar ließ er ihn zwei Stunden lebendig braten; die Inquisition begnügte sich wenigstens damit, Giordano Bruno einfach zu verbrennen.
Der revolutionäre Akt, wodurch die Naturforschung ihre Unabhängigkeit erklärte und die Bullenverbrennung Luthers gleichsam wiederholte, war die Herausgabe des unsterblichen Werks, womit Kopernikus, schüchtern zwar und sozusagen erst auf dem Totenbett, der kirchlichen Autorität in natürlichen Dingen den Fehdehandschuh hinwarf. Von da an datiert die Emanzipation der Naturforschung von der Theologie, wenn auch die Auseinandersetzung der einzelnen gegenseitigen Ansprüche sich bis in unsre Tage hingeschleppt und sich in manchen Köpfen noch lange nicht vollzogen hat. Aber von da an ging auch die Entwicklung der Wissenschaften mit Riesenschritten vor sich und gewann an Kraft, man kann wohl sagen im quadratischen Verhältnis der (zeitlichen) Entfernung von ihrem Ausgangspunkt. Es war, als sollte der Welt bewiesen werden, daß von jetzt an für das höchste Produkt der organischen Materie, den menschlichen Geist, das umgekehrte Bewegungsgesetz gelte wie für den anorganischen Stoff.
Die Hauptarbeit in der nun angebrochnen ersten Periode der Naturwissenschaft war die Bewältigung des nächstliegenden Stoffs. Auf den meisten Gebieten mußte ganz aus dem Rohen angefangen werden. Das Altertum hatte den Euklid und das ptolemäische Sonnensystem, die Araber die Dezimalnotation, die Anfänge der Algebra, die modernen Zahlen und die Alchimie hinterlassen; das christliche Mittelalter gar nichts. Notwendig nahm in dieser Lage die elementarste Naturwissenschaft, die Mechanik der irdischen und himmlischen Körper, den ersten Rang ein, und neben ihr, in ihrem Dienst, die Entdeckung und Vervollkommnung der mathematischen Methoden. Hier wurde Großes geleistet. Am Ende der Periode, das durch Newton und Linné bezeichnet wird, finden wir diese Zweige der Wissenschaft zu einem gewissen Abschluß gebracht. Die wesentlichsten mathematischen Methoden sind in den Grundzügen festgestellt; die analytische Geometrie vorzüglich durch Descartes, die Logarithmen durch Neper, die Differential-und Integralrechnung durch Leibniz und vielleicht Newton. Dasselbe gilt von der Mechanik fester Körper, deren Hauptgesetze ein für allemal klargestellt waren. Endlich in der Astronomie des Sonnensystems hatte Kopier die Gesetze der Planetenbewegung entdeckt und Newton sie unter dem Gesichtspunkt allgemeiner Bewegungsgesetze der Materie gefaßt. Die andern Zweige der Naturwissenschaft waren weit entfernt selbst von diesem vorläufigen Abschluß. Die Mechanik der flüssigen und gasförmigen Körper wurde erst gegen Ende der Periode mehr bearbeitet. Die eigentliche Physik war noch nicht über die ersten Anfänge hinaus, wenn wir die Optik ausnehmen, deren ausnahmsweise Fortschritte durch das praktische Bedürfnis der Astronomie hervorgerufen wurden. Die Chemie emanzipierte sich eben erst durch die phlogistische Theorie von der Alchimie. Die Geologie war noch nicht über die embryonische Stufe der Mineralogie hinaus; die Paläontologie konnte also noch gar nicht existieren. Endlich im Gebiet der Biologie war man noch wesentlich beschäftigt mit der Sammlung und ersten Sichtung des ungeheuren Stoffs, sowohl des botanischen und zoologischen wie des anatomischen und eigentlich physiologischen. Von Vergleichung der Lebensformen untereinander, von Untersuchung ihrer geographischen Verbreitung, ihren klimatologischen etc. Lebensbedingungen, konnte noch kaum die Rede sein. Hier erreichte nur Botanik und Zoologie einen annähernden Abschluß durch Linné.
