Fröhliches Gevögel - Sophie Andresky - E-Book

Fröhliches Gevögel E-Book

Sophie Andresky

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8,99 €

Beschreibung

Die begehrten Kolumnen jetzt in Buchform

Sind Vampire die idealen Liebhaber? Wieso ist man als Frau manchmal auf schwule Männer neidisch? Nützt Masturbieren dem Weltfrieden? Was wollen Frauen eigentlich, und was haben fette Frösche und Marzipan-Busentorten damit zu tun?

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Seitenzahl: 181

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»Mit Liebe zum anatomischen Detail und einem eindrucksvoll differenzierten Vokabular für den geschlechtlichen Vollkontakt.«FAZ

»Im Bereich der erotischen Literatur eine sehr gelungene Ausnahmeerscheinung.« Bücher

»Sophie Andresky verrät, was Frauen wirklich wollen.« Bild.de

»Sophie Andresky hat lange nach Henry Miller pornografische Literatur wieder ›verlagsfähig‹ gemacht … [Sie] ist, was Charlotte Roche gerne wäre. Erotisch.« Musenblatt

»Deutschlands führende Kolumnistin in Sachen Erotik.« WDR

Die Autorin

Sophie Andresky, geboren 1973, wurde mit ihren Kurzgeschichtenbänden und dem Roman Vögelfrei zur erfolgreichsten Pornoautorin Deutschlands. Ihre Artikel erscheinen in zahlreichen Magazinen, derzeit ist sie Kolumnistin bei JOY und bei www.joyclub.de

Besuchen Sie ihre Website www.sophie-andresky.de

Lieferbare Titel

Vögelfrei

Fuck your Friends

Heiße Weihnacht

SOPHIE ANDRESKY

FRÖHLICHESGEVÖGEL

Was Frauen sonst noch wollen

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Der vorliegende Band enthält Kolumnen aus dem Penthouse-Magazin und von www.joyclub.de aus den Jahren 2009–2011.

Originalausgabe 07/2012Copyright © 2012 by Sophie AndreskyCopyright © 2012 by Wilhelm Heyne Verlagin der Verlagsgruppe Random House GmbHUmschlaggestaltung: yellowfarm GmbH, S. FreischemUmschlagmotiv: © www.lustbaecker.de (Torte); © fotolia / Gregor Buir (Tapete)Satz: C. Schaber Datentechnik, WelsISBN 978-3-641-07687-0V002www.heyne-hardcore.de

In Liebe für Marcus.

»Ach ach ach«

Heinz Strunk

Bitte, bitte beiß mich!

Wenn man sich den derzeitigen Blutsauger-Hype so ansieht, dann fragt man sich ja schon, was an einem hühnerbrüstigen Robert Pattinson eigentlich so toll ist, dass selbst erwachsene Frauen ins Kino pilgern, um dabei zuzusehen, wie zwei Teenies in neunzig schwülstigen Minuten eben gerade keinen Sex miteinander haben.

Ich oute mich hiermit als eine von diesen Frauen, denn wenn ich es auch nicht ertrage, die klemmige, dünkelhafte und teilweise ziemlich rassistische Vampirsaga zu lesen (als Hörbuch habe ich es immerhin versucht), im Kino sehe ich mir das gern an.

Und das liegt daran, dass noch ein kleiner Rest von der eingeschüchterten, grenzhysterischen, ständig in Flammen stehenden Zwölfjährigen in mir steckt.

Denn diese modernen Vampire, die nichts gemeinsam haben mit dem moderigen rumänischen Kriegstreiber in seinem verfallenen Karpatenschloss, bedienen ein Grundbedürfnis von uns Frauen: die Sehnsucht nach Intimität. Ficken kann jeder. Jeder, der weiß, wie er eine Erektion zustande kriegt, weiß auch, wie er abspritzt, das ist keine Kunst. Und für schwül schwärmende Zwölfjährige wäre echter Sex sowieso indiskutabel. Aber dieser keusche, tragikumflorte bleiche Jüngling, der nichts anderes macht, als seiner Freundin immer und immer und immer wieder zu erzählen, wie es in ihm aussieht, was er fühlt und wie sehr er sie begehrt, der schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Zum einen ist er überverbalisiert, und das Reden gehört ja nicht gerade zur Kernkompetenz von euch Jungs. Ob zwölf oder zweiundvierzig: Sprechen scheint die Hölle zu sein. Und dann auch noch über Gefühle oder über Sex! Ganz heikles Thema, und ich meine hier nicht Dirty Talk, das geht schon – »Kommkomm Babe, du machst mich so hart«, das könnt ihr, aber geht es um Wünsche, Fantasien, Empfindungen, Ängste, seid ihr plötzlich so stumm wie Beate Uhses »Genusskeule« (das Teil heißt wirklich so) ohne Batterien. Der Vampir dagegen labert sich den Wolf, der salbadert sich die Lippen über den spitzen Eckzähnen fransig – allerdings hatte er ja auch Jahrhunderte Zeit für rhetorisches Training, und nachdem man sein Abendessen gesaugt hat, bleiben noch viele Stunden, um sich in kulturellen Dingen aller Art fortzubilden.

Zum anderen ist er tragisch und chronisch unglücklich, und leider haben wir Frauen doch alle irgendwie ein Krankenschwester-Syndrom. Wir glauben, dass wir die Männer retten können. Vor der Welt, dem Elend und vor allem vor sich selbst. Und wenn wir sie, während wir sie erretten, gleichzeitig dazu kriegen, Sneakers gegen ordentliche Schuhe zu tauschen, sich die Achseln zu rasieren und endlich mal lecken zu lernen, wäre das ein schöner Nebeneffekt. Dahinter steckt allerdings (so edel sind wir nun auch wieder nicht) neben aller Nächstenliebe die Vermutung, ein unglücklicher Mann müsse irgendwie ein tiefsinniger Mann sein. Und das macht uns an, denn die meisten Männer haben den Tiefgang eines Ü-Eis und sind so vorhersehbar wie David Hasselhoff vor einer geöffneten Minibar. Deshalb sehen wir euch Männer so gern leiden, das ist wenigstens irgendeine Regung und zeigt, dass ihr nicht nur einen Bierdeckel in der Brust und das neueste Handy im Hirn habt.

Der andere Punkt betrifft die Körperlichkeit und das Androgyne. Der Blutsauger beißt Mädels und Jungs gleichermaßen gerne (Ratten auch, wie wir in Interview mit einem Vampir erfahren haben, doch das ignorieren wir lieber), das ist schon ganz schön sexy. Dass in Pornofilmen immer und grundsätzlich lesbische Szenen zu sehen sind, aber nie schwule, liegt nämlich nicht daran, dass Frauen das nicht heiß fänden, wenn schöne Männer miteinander zugange sind, sondern dass diese Filme von Männern gemacht werden, die kollektiv die Rosette zusammenkneifen, wenn sich irgendwo ein scharfer Kerl nähert. Der Vampir verhält sich da viel entspannter, und dabei ist er selbst so künstlich und ätherisch wie eine Statue – ganz im Gegensatz zu seinem schottischen Pendant, dem untoten Highlander, der bis in die Neuzeit muskelbepackt, heavymetalmähnig und brunftdunstig unter seinem Rock durch die Unsterblichkeit stampft.

All diese Vorzüge (die Essstörung mal ausgenommen) teilt der Vampir übrigens mit den Mitgliedern einer Boyband, denn auch die sind androgyn, asexuell, auf Mädchenthemen wie Gefühle und Sehnsucht festgenagelt und unerreichbar. Leider fehlt ihnen der Tiefgang, und außerdem singen sie eunuchig und zappeln die ganze Zeit, das macht vielleicht kleine Mädchen heiß, erwachsene Frauen aber nicht mehr – was mich zum x-ten Mal überlegen lässt, wieso Heteromänner eigentlich nicht tanzen können. Warum bloß lernt ihr das nicht? Frauen werden wuschig, wenn jemand sich gut bewegt, tanzen können ist das Gleitmittel auf dem Weg zum nächsten Fick. Dank Tanz der Vampire wissen wir, dass Vampire natürlich auch auf dem Parkett perfekt sind.

Ideal ist der Vampirlover schließlich auch bei Trennungen: kein langwieriges Gesülze oder Geschrei, keine Erklärungen, Dramen oder Inszenierungen. Einfach den Sargdeckel anheben, den Knoblauchdöner auspacken oder ein schickes Kreuz über dem Busen tragen, und schon verkrümelt sich der Ex ins Nirwana.

Artgerechte Tierhaltung

Singlepartys, Kuppelshows, Essen bei Freunden oder Kontaktanzeigen – alles Quatsch. Wer wirklich wissen will, was nach der Partnerwahl später auf ihn zukommt, der muss sich beim Tierarzt umschauen.

Die Praxis meines übrigens sehr attraktiven Docs ist die perfekte Spielwiese zum Anbandeln und Abchecken. Nebenbei stelle ich ihn mir gerne als Akteur in einem Extrem-Porno vor. Wenn er mit seiner grünen Metzgerschürze durch die Praxis stapft und seinen blutjungen Helferinnen Anweisungen mit dem Charme eines S/M-Kerkermeisters erteilt – da habe ich oft die Vision einer angejahrten Klistierfetischistin mit schwarzer Gummimaske, die breitbeinig an den Bürostuhl gebunden klagende Laute ausstößt wie ein Kätzchen bei der Ohrenkontrolle. Allerdings glaube ich, dass meine Fantasien nur deshalb derartig mit mir durchgehen, weil ich beim Tierarzt immer so gestresst bin. Wenn man nämlich mal wirklich darüber nachdenkt und die Praxis-Öffnungszeiten und vor allem die Gerüche berücksichtigt, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass mein Doc überhaupt kein Sexualleben hat.

Aber zurück zum Verkupplungs-Areal des Wartezimmers.

Erstens kann man in der emotional aufgeladenen Stimmung eines zweistündigen Wartemarathons problemlos Gespräche anknüpfen und auch herausfinden, ob der potenzielle Kandidat solo ist und wie er mit Stress umgeht. Und beim gegenseitigen Durchkraulen des Haustiers lässt sich schon einiges über seine Feinmotorik vermuten. Wer Katzen bei jedem Streichler erst mal auf den Kopf patscht und dann ihr Fell zurückzieht, bis das Oberlid das Augenweiß freigibt, den würde ich nie zu meiner Muschi vorlassen.

Zweitens offenbart das mitgebrachte Haustier direkt, was der anvisierte Mann so für einer ist. Was will man anderes als emotionale Distanz von jemandem erwarten, der zusammen mit einem Leguan auf dem Schoß seine mitgebrachte Swingerzeitschrift durchblättert, ihn mit Dr. Klöbner anspricht und außerdem siezt? Oder der mit seinem Fisch Nummer 4 im Plastikbeutel flüsternd die Erinnerungen an die letzte Liebschaft diskutiert, die Nummer 4 ja genau mitangesehen hat, weil Nummer 4, wie wir anderen alle mithören können, ein heimlicher Spanner ist und immer so geil am Glas saugt, wenn sein Herrchen eine Frau abschleckt?

Auch Skorpione, Schlangen, Spinnen oder Amphibien weisen auf den geborenen Single-Mann hin. Wer gerne in acht Augen gleichzeitig sieht, der hat es nicht so mit trauter Zweisamkeit. Und jemand, der mehr als vier Beine bei einem Tier schön findet und Geschöpfe mag, die sich abseilen, häuten oder nach der Paarung auffressen, der steht auch auf Bukkake-Gangbang, Body-Modification und andere Grenzerfahrungen wie das Einführen eines Prinzenzepters in die Harnröhre (schon der große Sexforscher Kinsey schob sich ja gern mal eine Zahnbürste in die Harnröhre) oder die Verwendung eines Kniefickgurtes, aber sicher nicht auf Kuschelstunden vor dem Kamin.

Meerschweinchenhalter, die Godzilla oder Mussolini zum Impfen tragen, kann man dagegen probieren. Entweder sind sie witzig oder einfach nur irre. Bei Miez und Mops scheiden sich die Geister. Ich glaube ja, dass binationale oder ökumenische Partnerschaften mit viel Toleranz funktionieren können – aber eine Katzenfrau mit einem Hundemann? Niemals. Kampfhundhalter scheiden natürlich sofort aus, und auch Hunde mit einem Kampfgewicht über 80 Kilo: Fell gewordene, sabbernde Traumbilder eines winzig kleinen, zitternden Herrchen-Egos. Normalgroße puschelige Hunde mit Knopfaugen, Schlappohren und Dauergrinsen verweisen immerhin auf Humor. Solche Typen sind unkompliziert. Sie wissen zwar nicht, mit wie vielen l’s man Cunnilingus buchstabiert, aber man kann sie dazu dressieren. Allerdings sind Hundehalter generell eher führungsorientiert. Anders gesagt: Die wollen dominieren oder dominiert werden. Wer sich freiwillig ein Haustier zulegt, das auf Kommando Bällchen bringt, die Füße unter dem Esstisch leckt und sich auf den Rücken rollt, wenn jemand größer ist oder lauter knurrt, der liebt das Prinzip Master & Servant.

Ganz anders die Katzenfans. Sie schätzen Eleganz und Geheimnisse. Außerdem wissen sie, was Demut heißt. Wer Katzen hält, ist geduldig wie ein Kaktus und ans Verlieren gewöhnt. Zickig sind in diesen Haushalten nur die Bewohner mit vier Füßen, das Herrchen selbst meckert nicht bei Schnurrhaaren in der Butter, Katzenstreukrümeln in der Badewanne oder zerfetzten Möbeln. So ein Mann weiß Geschenke zu würdigen und angefressene Mäuse im Flur zu entsorgen. Bei dem kann man Wärme und Zuwendung erwarten. Allerdings kommt ein Katzen-Mann manchmal etwas langsam in die Puschen. Wer regelmäßig zwanzig Minuten darauf wartet, dass Medusa es durch die Tür in die Wohnung schafft, der verliert schnell das Maß für Action und Zeit.

Bleibt die Frage, wen davon ich nun angebaggert habe beim letzten Zahnstein-Termin von Kater Ulysses. Ist doch klar: den falschen, weil Männer-Kategorisierungen alle Quatsch sind und man sie probeficken muss, um herauszufinden, ob sie eine Partnerin wollen oder nur ein weiteres Haustier.

Zombies im Bett

Wenn es ein Argument für langfristige Beziehungen gibt, dann doch wohl nicht, dass die meisten Männer den Müll runter- und den Bierkasten hochtragen, und auch nicht, dass man von anderen Paaren zu schrecklich lustigen Abenden an der Wii-Konsole eingeladen wird, und schon gar nicht, dass man Sätze mit »wir« anfangen darf (»Wir müssen auf Autofahrten immer so oft auf die Toilette«), sondern doch wohl dieses: regelmäßiger Sex.

Jeder, der mal eine Weile solo war, findet die Einsamkeit eines Marlboro-Manns eben nicht romantisch, sondern nur öde, und das aufregende Trieb- und Jagdleben einer freien Frau endet oft genug in zahllosen Mojitos an der Bar, ohne dass der sexuell ausgehungerte, charmant lächelnde, geistreiche, geheimnisvolle und umwerfende Diplomat zur Tür hereinkommt und einem gleich am Tresen nach einem tiefen Blick aus seinen feucht schimmernden Knopfaugen explosionsartige Orgasmen durch die kombinierte Dreifingermassage mit Chamäleon-Zungen-Cunnilingus verspricht – und das dann auch einlöst.

Zu Hause ist derweil alles weit weniger riskant. Es ist von vornherein klar, welchen Mann man abschleppen wird, nämlich den in dem karierten Flanellhemd auf der Couch, der sich gerade über das Making-of von Twilight schlapplacht und der, das wissen wir, auch keine feine Seide dort am Leib trägt, wo er sich wieder genüsslich kratzt. Statt tiefer Blicke unter falschen Wimpern, perlendem Gekicher, geflüsterten Schweinigeleien unter den Riesenlauschern des Barmanns oder engen Strapsen erschöpft sich das Vorspiel in Gesprächen wie diesen:

Sie: »Es ist Samstag.«

Er: »Hm.«

Sie: »Und?«

Er: »Was?«

Sie: »Ficken wir heute noch?«

Er: »Gleich kommt Day of the Dead.«

Sie: »Wenn ich erst in die Wanne gehe, bin ich müde.«

Er: »Ooookay.«

Und dann fummelt er wesentlich länger an der Fernbedienung herum, um seinen Zombiefilm aufzunehmen, als er später auf die Stimulierung ihrer Klitoris verwenden wird. Und sie blättert nackig im Bett wartend noch mal hektisch durch die Glamour, weil da doch dieses Foto von Alexander Skarsgard aus True Blood drin war, an den man ja denken könnte, wenn gleich das Licht ausgeht und auf fünf Minuten Vorspiel fünf Minuten Penetration folgen, bevor man sich darüber unterhält, ob das Original oder das Remake von Day of the Dead lustiger ist.

Klingt das trostlos! Da möchte man doch gleich das schwarze Lack-Outfit überstreifen und sich in der nächsten Biker-Bar meistbietend auf dem Flipperautomaten versteigern.

Und dann liest man auch noch so eine Umfrage, wie die des Hamburger Instituts Innofact, die zu dem gruseligen Ergebnis kommt, dass fast die Hälfte aller Paare kreuzunglücklich, stinkesauer und frustriert ohne Ende ist, weil ihr Sexleben so mies verläuft. Die gleiche Studie sagt auch, dass jedes vierte Paar nicht über Sex spricht. (Könnte es da womöglich einen Zusammenhang geben?) Vor allem Frauen, die sonst ständig und über alles schwatzen, plappern und diskutieren, tun es nicht. Zumindest wohl nicht mit dem eigenen Partner. Denn Frauen besprechen mit ihren Freundinnen durchaus, wie der Anus ihres Liebsten zuckt, wenn sie den kleinen Finger hineinschieben, oder wie er fiept, wenn sie in seine Brustwarze beißen, oder dass er neulich nackt und gebückt mit gespreizten Beinen vor dem Schlafzimmerspiegel stand und in einer yogaähnlichen Verrenkung versuchte, den Pickel auf seinem Hintern auszudrücken. Frauen können also über Sex reden. Aber Männer können ja auch charmant, witzig und aufmerksam sein – zumindest so lange, bis sie eine Zahnbürste im Bad deponieren dürfen. Ab dann nähern sich Umgangsformen und Outfit den röchelnd herumschlurfenden Zombies an, die sie sich so gern reinziehen.

Wirklich gruselig muss das alles aber gar nicht sein. Denn wie eingangs schon erwähnt: Die Chancen für regelmäßigen Sex stehen in einer langjährigen Beziehung sehr viel besser als auf dem freien Markt. Und regelmäßigen Sex, auch wenn klar ist, was passieren wird, finde ich immer noch besser als gar keinen Sex.

Außerdem hat die Routine zwischen den Laken durchaus Vorteile: Man weiß, was funktioniert und was gut ist. Wenn ein Mann genau weiß, dass meine Muschi erst angefasst werden möchte, wenn sie schon feucht ist und dass er das am besten mit intensivem Brustwarzensaugen, Zungenküssen und gestöhnten Sauereien erreicht, wenn er weiterhin weiß, dass es mich kirre macht, sobald er während des Fickens von hinten mit den Fingern in meiner Poritze herumspielt, dass er dabei aber auf gar keinen Fall an meine Oberschenkel kommen darf, weil ich da mordskitzlig bin, dann können zehn Minuten sehr schön sein. Ich sehe das pragmatisch: Hab ich am Ende einen Orgasmus, war es gut, fertig.

Klar, das Erforschen und Kennenlernen fällt weg, aber dafür weiß man, wo alles liegt und was man zu tun hat, damit der andere möglichst scharf wird. Das Problem ist ja nicht, dass ein guter Fick bei der x-ten Wiederholung plötzlich nicht mehr rockt, sondern dass der Partner beziehungsweise mit ihm zu ficken nicht mehr an erster Stelle steht. Den Spüler ausräumen, mit der Freundin telefonieren oder einfach schlafen wird plötzlich wichtiger.

Und diesen Punkt verstehe ich nicht.

Wenn man bedenkt, wie oft wir über Sex reden, lesen, sprechen und so weiter, dann drängt sich der Eindruck auf, dass Sex eine ganz elementare Sache ist. Da frage ich mich doch: Wieso räumt man dieser Sache dann nicht mehr Platz ein? Wie kann es sein, dass etwas anderes wichtiger wird, als mit dem eigenen Mann zu vögeln? Außerdem: Niemand zwingt einen zur Langeweile. Es gibt kein Gesetz, dass man in langjährigen Beziehungen keine Strapse mehr tragen darf, dass man nichts Neues mehr probiert oder sich gegenseitig links liegen lässt. Sex ist wie eine sehr haltbare, anpassungs- und strapazierfähige Topfpflanze. Nur: Hin und wieder gießen sollte man sie schon.

Heiße Tiger und Stinktiere: One-Night-Stands (1)

Am Morgen danach kommt der Katzenjammer. Nachts hatte die Muschi noch gequengelt, war rattig und rollig und wollte das blauäugige Tier an der Bar, den Tiger mit dem Dreitagebart, unbedingt haben. Aber nach dem Geschnurre, Gelecke und Gefauche? Da schleicht man sich auf leisen Pfoten raus oder fährt die Krallen aus. Schneller, geiler und fast anonymer Sex wäre ja prima, wenn sich das stolze Alphamännchen, das man im Klub gejagt hat, nicht immer wieder als Stinktier entpuppen würde.

Sechsundvierzig Prozent aller Frauen, so sagt eine Studie der britischen Durham University, bereuen einen One-Night-Stand direkt danach. Ich bereue es meist schon während der Prosecco-Phase, dass ich im akuten Hormonrausch überhaupt auf die meschugge Idee gekommen bin, diesem Flirt-Nerd zuzulächeln. Wenn ich Glück habe, schrillt irgendein Feuermelder, oder das Mädchenklo liegt im Erdgeschoss und hat ein offenes Fenster. Im übelsten Fall muss man sich den Typen schnappen und ihm ganz ehrlich sagen: Ich würde lieber platt gefahrene Frettchen von der Autobahn lecken als deinen Schwanz.

Am Aussehen liegt es nicht! Wir Frauen wissen durchaus, dass erstens nicht jeder Mann Bülent Ceylan sein kann, der zugegeben der schärfste Langhaarige ist, der zurzeit die Bühnen rockt. Dass man nicht mit ihm im Bett liegt, heißt ja nicht, dass man nicht daran denkt, also schalten wir das Licht aus und geben auch dem Brillenträger von nebenan eine Chance. Zweitens wissen wir, dass nicht die attraktivsten Männer die besten Liebhaber sind, sondern die, die sich die meiste Mühe geben. Der alte Spruch: »Wer ficken will, muss freundlich sein«, gilt immer noch. »Dumm fickt gut« ist dagegen nur ein Mythos, den bekiffte Sitzengebliebene in einer Dorfdisco erfunden haben, bevor sie auf ihre im Dunkeln leuchtenden Turnschuhe reiherten. Wer es nicht mal an der Bar schafft, sich einigermaßen spannend, interessiert und höflich aufzuführen, der wird im Bett kaum Prinz Charming sein. Will ein Mann also später mit seinem Schwanz in meine Möse eindringen, sollte er vorher schon mit tiefen Blicken probegebohrt haben. Stattdessen zehn Tequila auf ex zu kippen, beeindruckt uns Frauen übrigens wesentlich weniger, als wenn sich ein Mann neben unserer Augenfarbe auch unseren Vornamen merken kann.

Überhaupt Alkohol: Die Sache mit dem Schönsaufen ist eine bescheuerte Idee, denn derjenige, der säuft, wird dadurch nicht attraktiver, im Gegenteil. Ein erhöhter Promillespiegel verwandelt durchschnittlich begabte Liebhaber in grobmotorische Gorilla-Imitatoren. Eine Klitoris verlangt nun mal mehr Fingerfertigkeit als der Knopf an einem Flipperautomaten. Triefige Glubschaugen, ein offen stehender Mund, lallend vorgetragene Gynäkologenwitze und eine Lache wie ein Müllschlucker tragen auch nicht wirklich zum Sexappeal bei.

Außerdem macht Alkohol unvorsichtig, und man kann es gar nicht oft genug sagen: Nur ein safer One-Night-Stand ist ein guter One-Night-Stand. Wer es peinlich findet, über Verhütungsmittel zu reden, sollte lieber weiter Schlümpfe sortieren, der hat bei den Erwachsenen nichts verloren. Keine Frau findet einen verantwortungsvollen, souveränen Mann peinlich. Einen verklemmten, herumeiernden Verhütungs-Legastheniker allerdings schon. Also: eintüten. Oder wie es so schön in der Reklame heißt: »Klar hab ich ein Kondom dabei. Meinen Schwanz vergesse ich ja auch nicht.«

Und hoffentlich hat er ihn nicht nur nicht vergessen, sondern auch gewaschen. Und zwar unmittelbar vor dem Weggehen, nicht am Tag der Musterung. Männer, bitte: Wascht euch! Auch in den Ohren und im Nabel! Deodoriert euch! Benutzt Zahnseide! Rasiert euch oben und enthaart euch unten! Schneidet eure Fußnägel! Tragt frische Wäsche! Keine, wirklich keine Frau möchte Catweazle ficken.

Angenommen, alles stimmt: Der Mann ist hingerissen und bemüht sich, er duftet gut, spricht in ganzen Sätzen, er hat sogar schon angedeutet, dass er Cunnilingus nicht für überbackene Muscheln in Senfsauce hält, dann gibt es immer noch eine Hürde, nämlich das Ich-will-dich-zwar-vögeln-aber-nicht-heiraten-Gespräch, das letzte Kommunikations-Kunststück vor dem großen Stöhnen, Rubbeln und Stoßen.

Pizza und Schenkeldellen: One-Night-Stands (2)

Wir Frauen haben Ohren wie Luchse, wir hören sehr gut, und wir hören sehr genau hin. Leider hören wir aber manchmal mehr, als wirklich gesagt wurde. Irgendwo im Plapperwald knackt ein Ast, und wir denken direkt an ein Erdbeben. Um also späteres Stalking, Tränenströme und Hasstiraden zu vermeiden, gibt es beim letzten Gespräch vor dem Ficken nur eins: deutlich werden. Es muss klar sein, dass es um Sex geht und nur um Sex. Frauen können durchaus zwischen Lust und Liebe trennen, nur wissen sie manchmal nicht so ganz, wann das angebracht ist. Zu vermeiden sind alle romantischen Formulierungen wie zum Beispiel »Seelenverwandtschaft« oder »Verliebtsein«. Statt: »Da ist was Besonderes zwischen uns«, empfiehlt sich: »Das wird geil heute Nacht.«

Mir gefällt es auch immer gut, wenn der entsprechende Kandidat meinen Körper mehr lobt als meinen Charakter, den er ja noch gar nicht kennen kann. Schließlich haben wir uns nicht zur Psychoanalyse zusammengefunden, sondern zum Ficken. (Es sei denn, man jagt in der Therapiegruppe, da kann man gleich beides in einem Aufwasch erledigen.) Wenn mir jemand erzählt, dass meine Haut schimmert oder dass sich meine Brustwarzen durch das Oberteil abzeichnen und dass ihn das scharfmacht, dann schätze ich das sehr. Dass ich nett oder schlau bin, kann mir auch meine Mutter erzählen, dafür muss ich keinen Mann abschleppen.

Bei der Frage, zu wem man anschließend geht, ist meine Wohnung wahrscheinlich die bessere Wahl. Denn meistens habe ich etwas zu trinken im Kühlschrank, irgendwo finden sich Kondome, und geputzt ist auch. Bei Jungs mag das anders sein, aber Mädels werden definitiv nicht heiß, wenn sie in einen Karton mit zwei Wochen alter Pizza treten oder im Bad der Glücksunterhose oder den Tageszeitungen der letzten drei Jahre begegnen.