Frost & Payne - Band 7: Pinkerton (Steampunk) - Luzia Pfyl - E-Book
Beschreibung

New York, Winter 1884: Pinkerton Jackson Payne und sein Partner Alistair Kirkland bekommen den Auftrag, eine reiche Bankiersfamilie während einer Reise ins Hudson Valley nach Pollepel Island zu beschützen. Alles deutet darauf hin, dass der Auftrag Routine ist, bis Fremde auf der Insel auftauchen... Lydia Frost und ihr Team machen sich auf die Suche nach ihrem Pinkerton. Mit Kopfgeldjägern ist nicht zu spaßen, wie sie sehr bald feststellen müssen. Payne steckt in Schwierigkeiten – und sie müssen alles daran setzen, ihn zu retten. Dies ist der siebte Band der neuen Steampunk-Serie "Frost & Payne". Da die Reihe aufeinander aufbaut, empfehlen wir, mit dem Auftaktroman, "Die Schlüsselmacherin", zu beginnen.

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Seitenzahl:143

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Table of Contents

»Pinkerton«

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

Vorschau

Seriennews

Glossar

Impressum

Frost & Payne

Band 7

»Pinkerton«

 

 

von Luzia Pfyl

 

1.

 

Es war am Tag nach dem Geiseldrama in Chiswick House. Die Presse hatte Lord Greyson die halbe Nacht belagert. Auch ihn selbst hatten sie versucht mit Fragen zu löchern, doch er hatte sich weitgehend raushalten können. Das Anwesen in Marylebone war praktisch umstellt. Presse und Polizei gaben sich die Klinke in die Hand.

Die Entdeckung von Nr. 8 hatte ihn komplett aus der Bahn geworfen. Noch immer konnte er kaum fassen, dass sie tatsächlich am Leben war. Es war ein Wunder. So viele Jahre hatte er geglaubt, sie für immer verloren zu haben. Das Experiment war zu extrem gewesen. Er war größenwahnsinnig geworden nach den ersten positiven Tests. Ihre Vitalwerte waren einfach ... perfekt gewesen.

Er ärgerte sich immer noch, dass die Terroristen seine Chance zunichtegemacht hatten, ihren Namen herauszufinden. Als er sich endlich wieder im Griff gehabt hatte, war Nr. 8 verschwunden, und dann waren sie aus dem Nichts aufgetaucht.

Ja, er war einer der ersten gewesen, die von dem Anwesen geflohen waren. Niemand hatte sich um den Diensteingang gekümmert. Er hatte die Gefahr erkannt und war abgehauen – so simpel es sich anhörte, es war hauptsächlich sein eigener Egoismus.

Niemals würde er sich selbst soweit gefährden, dass die Zukunft seines Programms auf dem Spiel stand. Er war dem Durchbruch wieder so nahe wie damals vor zwanzig Jahren. Und jetzt, wo er wusste, dass Nr. 8, sein Meisterwerk, noch am Leben war, hier in London, war er seinem Ziel so nahe wie noch nie. Er konnte es schaffen. Hatte er Nr. 8, konnte er sein Werk endlich vollenden.

Aber zuerst musste er sich um das Problem mit Nr. 23 kümmern. Er war zu rebellisch geworden. Zweimal innerhalb weniger Tage hatte er einen Fluchtversuch gewagt. Niemals hätte er ihn mit nach draußen nehmen dürfen. Niemals hätte er zwei Objekte auf derart engem Raum zusammenlassen dürfen. Nr. 24 hatte ihm Flausen in den Kopf gesetzt. Und diese Flausen musste er ihm austreiben. Er musste den Jungen wieder gefügig machen, sonst musste er tatsächlich nach einem neuen Objekt Ausschau halten.

Noch wollte er es mit Nr. 23 weiterversuchen. Die Experimente waren sehr gut verlaufen. Er stieß weder den Arm noch die Niere ab. Er war Nr. 8 viel zu ähnlich, als dass er ihn einfach so aufgeben wollte.

An der Kreuzung stieg er aus der Kutsche und ging die letzten Meter zu Fuß. Direkt vor der Einmündung zur Gasse stand ein Omnibus schräg auf dem Gehweg. Die Motorhaube war komplett eingedrückt, und die Aetherlaterne, die gleich danebenstand, befand sich in Schieflage. Ein Straßenpolizist der Metropolitan Police stand auf dem Gehweg und sprach mit einem Mann.

»Und Sie sind sich sicher, dass Sie gesehen haben, wie jemand überfahren worden ist?«

Der Mann nickte. »Ich lieferte die Milch aus, wie jeden Morgen. Ich stand da drüben.« Er deutete auf die andere Straßenseite. »Als es krachte, sah ich erst nur den Bus. Ich trat näher und sah, dass jemand halb darunterlag. Ich holte Hilfe, doch als ich zurückkam, war er weg.«

Der Polizist runzelte die Stirn, notierte sich jedoch etwas in sein kleines Notizbuch.

»Fragen Sie den Fahrer, Officer. Ich habe mir das nicht eingebildet. Da lag wirklich jemand!«

»Der Fahrer ist im Hospital, Sir.« Der Polizist klappte das Notizbuch zu und steckte es in seine Uniform. »Vielen Dank für Ihre Hilfe.«

Bestimmt Trunkenheit am Steuer, dachte er und verschwand ungesehen in der Gasse. Eigentlich sollte man den Fahrer verhaften.

Er stutzte. Die Tür zum versteckten Labor war nicht verschlossen. Lose hing sie in den Angeln und war einen schmalen Spalt breit offen.

Eilig brachte er die letzten Meter hinter sich und riss die Tür auf. Die Dunkelheit des langen Flurs empfing ihn. Hastig ging er hinein, atmete flach. Er hatte die Tür abgeschlossen, bevor er zum Ball ging. Das Schloss war nach dem Fluchtversuch von Nr. 23 zwar etwas wacklig gewesen, doch es hatte gehalten.

Einbrecher? Nein. Das Haus stand seit Jahren leer und war verbarrikadiert. Außerdem gab es in diesem Bereich nur den Korridor, die Wendeltreppe und die Stahltür. Die Stahltür war nicht aufzubrechen.

Er nahm zwei Stufen auf einmal und rannte beinahe die Treppe hinunter. Ein merkwürdiger Geruch stieg ihm in die Nase. Rauch. Und Salpeter.

»Nein«, hauchte er und nahm die letzte Drehung. Mitten im Schritt hielt er inne und starrte auf die offene Stahltür. Sie war komplett verbogen, hing nur noch an der oberen Angel und war geschwärzt von Russ. »Nein!«, stieß er aus und rannte in den Keller.

Unrat und Schutt überall, ein zerstörtes Kabinett. Die Werkbank war zusammengebrochen, seine Arbeitsgeräte und Utensilien lagen verstreut auf dem Boden. Die vordere Hälfte des Kellers war stellenweise geschwärzt, als hätte ein starkes Feuer getobt.

»Nein!«, schrie er. Da sah er die Kette auf dem Boden im Staub liegen. Er packte sie und zog kräftig daran. Sie schleifte klirrend über die Fliesen, blieb kurz am Bein des umgekippten Tisches hängen, dann schwang sie lose in der Luft. »Nein!«

Er gab dem Tisch einen wütenden Tritt und schmetterte die Kette zurück auf den Boden. Das Blut rauschte ihm in den Ohren vor Zorn. Wie konnte er es wagen!

Seine Arbeit war vernichtet. Der Keller war völlig zerstört und unbrauchbar. Er konnte nicht einmal ein neues Objekt hierherbringen. Er musste von vorne anfangen – schon wieder!

»Diese kleine Ratte!«

Etwas schepperte und rollte eiernd über den Boden, als er mit dem Fuß daran stieß. Er hielt inne. Eines seiner übriggebliebenen Rohrstücke, völlig zerfetzt. An einem Ende war ein flacher Zylinder angeschraubt.

»Diese kleine Ratte!«

Er schmetterte das Rohr an die gegenüberliegende Wand. Wie hatte er das Kabinett aufgebrochen? Wie war er an das Schwarzpulver gekommen? Woher, zum Teufel, wusste er, wie man eine Bombe baute?

Fragen, die im Moment irrelevant waren, sagte er sich und stürmte aus dem Keller. Er durfte sich nicht länger hier aufhalten. Nr. 23 konnte bereits bei der Polizei sein und alles erzählen. Jeden Augenblick konnten sie hier auftauchen.

Auf der Treppe hielt er inne. So zerstört der Keller aussehen mochte, es waren immer noch viel zu viele Beweisstücke dort unten. Er musste schnell sein.

Wieder zwei Stufen auf einmal nehmend hastete er nach oben und hinaus in die Gasse. Aber er ging nach links, nicht nach rechts zur Straße. In der Nähe befand sich ein heruntergekommenes Haus, das einen altmodischen Aethertank an der äußeren Hauswand besaß. Über solche Tanks zu Beginn nach der Entdeckung von Aether die Hausleitungen gespeist worden, bis sie von stadtweiten direkten Netzen abgelöst wurden.

Beim Haus angelangt kletterte er über den schiefen Zaun in den Garten. Der Tank leckte, was sehr gut an der kahlen Stelle Vegetation direkt darunter zu erkennen war. Nichts wuchs hier mehr. Mehrere verrostete Kanister standen an die Hausmauer gelehnt. Er nahm zwei davon und drehte das Ventil unterhalb des Tanks auf.

Die Kanister waren so verrostet, dass der dickflüssige Aether den ganzen Weg zurück eine gelblich schimmernde Tropfenspur hinterließ. Ihn kümmerte das nicht im Geringsten. Hinein in den dunklen Korridor und erneut die Wendeltreppe hinunter. Im Keller schüttete er die beiden Kanister aus, verteilte den Aether über der Werkbank und den kaputten Schrank. Der scharfe Geruch der Flüssigkeit stach ihm in die Nase und ließ seine Augen tränen. Hastig stülpte er sich den Schal über Mund und Nase. Einen Moment hielt er inne, bückte sich und zog das Lederetui mit den Skalpellen unter den Scherben hervor. Nein, die würde er behalten. Sie waren zu teuer, handgeschmiedet nach seinen Wünschen. Ein Geschenk seines Gönners.

Als er fertig war, holte er Streichhölzer aus den Tiefen seines Mantels. Die kleine Flamme leuchtete auf. Er ließ es fallen und sah fasziniert zu, wie das Feuer sich durch den flüssigen Aether fraß.

Dann drehte er sich um und verließ den Keller, ohne noch einmal zurückzuschauen.

 

*

 

»Wow«, staunte Frost nicht schlecht, als sie den Keller betrat. Wobei, mit einem Keller hatte der Raum kaum noch etwas gemein. Es war hell, die Wände waren mit weißen Kacheln bestückt, die das Aetherlicht von den Lampen an der Decke mehrfach zurückwarfen. Der Boden war nicht mehr loser Kies, sondern gestampft und dann mit schweren Steinplatten belegt worden. An den Wänden standen eiserne Regale, gefüllt mit Aktenordnern, Gläsern, ein paar merkwürdigen Topfpflanzen und jeder Menge Kisten, deren Inhalt nicht ersichtlich war. Eine lange Werkbank beherrschte den ganzen Raum. Eine silbern schimmernde Fläche aus dünnem Stahl diente als Arbeitsplatte. An einem Ende befanden sich ein Kochherd – wobei Frost sich sicher war, dass Baxter den Herd nicht zum Kochen verwenden würde -, ein Spülbecken und ein kleines Regal, auf dem sich Reihen von Reagenzgläsern befanden. Ein hoher Kupferzylinder für thermische Trennverfahren nahm das andere Ende der langen Werkbank ein. Ein langes Rohr ging verwinkelt davon ab und führte zu einer Reihe von großen Glasgefäßen, die auf Bunsenbrennern standen und über feine Glasröhrchen miteinander verbunden waren.

Die andere Längsseite des Tisches war komplett frei. Direkt unter der Arbeitsplatte befand sich Schublade an Schublade. Vermutlich war dies der Platz, wo Baxter an seinen verrückten Mechaniken arbeiten würde.

Regale, vollgestopft bis auf den letzten Platz mit Büchern über Aether, Dampftechnik, chemische Verfahren und etliche Abhandlungen über Themen, die Frost überhaupt nichts sagten. Aber solange Baxter sie nicht dazu zwang, diese Bücher zu lesen, war ihr das egal.

»Ist es nicht toll geworden, Miss?«, fragte Helen aufgeregt. Sie hatte Baxter mit der Einrichtung geholfen, weil er mit seinem einen Arm nicht weit gekommen wäre. Frost schmunzelte.

»Es sieht fast so aus, als wären wir wieder in der geheimen Waffenfabrik«, meinte sie und fuhr über die kühle Arbeitsplatte des Tisches. Ihre Finger hinterließen feine Spuren, die sofort wieder verblassten.

»Ich habe ja auch versucht, das Labor, das ich dort hatte, so gut es möglich war nachzubauen«, erwiderte Baxter und wippte auf den Zehen. »Greyson Industries hat den höchsten Standard.«

»Ich möchte nicht wissen, was das alles gekostet hat«, murmelte Frost nun und runzelte die Stirn. Allein der thermische Kupferzylinder musste den Gegenwert eines Monatsgehalts haben.

»Oh, keine Sorge, Ms. Frost«, beeilte sich Baxter zu sagen, »ich habe alles selbst bezahlt. Wie schon erwähnt war meine Abfindung sehr großzügig.« Er grinste, und Frost bemerkte, dass der alte Baxter langsam, aber sicher wieder zurückkam. Als sie ihn damals in der Waffenfabrik kennengelernt hatte, war er forsch und enthusiastisch gewesen. Seit dem Unfall mit dem Prototyp hatte er komplett neben sich gestanden.

»Gut. Ich hoffe, Sie haben nicht alles ausgegeben, Dr. Baxter, denn wie schon gesagt: Ich kann Sie nicht bezahlen.« Jedenfalls noch nicht, fügte Frost in Gedanken an. Sie brauchte wieder lukrative Aufträge. Am liebsten solche, die schnell und einfach gingen, ohne dass auf sie geschossen wurde.

Baxter nickte versichernd und ging dann rasch zu einem Tisch, der an der Wand zwischen zwei Regalen stand. Vorsichtig nahm er die schmale längliche Holzkiste auf und trug sie zum Arbeitstisch. Strohbüschel schauten daraus hervor. Frost trat näher, als Baxter mit noch größerer Vorsicht den mechanischen Arm herausholte und auf den Tisch legte.

»Wahrlich ein Kunstwerk«, hauchte er. Seine Augen funkelten. »Der Konstrukteur dieses Arms ist ein Genie.«

»Nun, das mag er wohl sein«, brummte Frost und verschränkte die Arme, »doch er bringt auch seit zwanzig Jahren Kinder für seine Experimente um.«

Baxter schoss eine verlegene Röte in die Wangen, und er nickte. »Natürlich, bitte entschuldigen Sie. Das war taktlos von mir. Es ist nur...« Er schaute sie direkt an. »Ich habe herausgefunden, wie der Arm funktioniert.«

»Sie haben herausgefunden, wie er funktioniert?«, wiederholte Frost aufgeregt und trat näher.

Baxter nickte begeistert und angelte über den Tisch nach einem Notizbuch. Hastig blätterte er Seiten um. Frost erhaschte Blicke auf Skizzen und schematische Zeichnungen. »Ich habe ihn auseinandergebaut, mit der Hilfe von Helen – ich meine, Ms. Liddle – während das Labor fertiggestellt worden ist. Die Mechanismen sind hochkomplex. Derjenige, der das gebaut hat, ist sehr intelligent.« Er grinste. »Aber nur ein kleinwenig intelligenter als ich.«

»Aber natürlich.« Frost schnaubte belustigt.

Er fuhr fort: »Im Grunde sind die einzelnen Funktionen simpel, aber zusammengenommen ein sehr komplexes Gebilde. Einfache Federmechanismen, wie dieser hier.« Er drehte den Arm, so dass die Unterseite nach oben schaute, und fuhr mit dem Finger an einer synthetischen Sehne entlang, bis er fast den Ellbogen erreicht hatte. Dort drückte er auf ein rechteckiges Stück Metall. Die Hand schnappte zu. Baxter schob den kaum sichtbaren Hebel zurück an seinen Platz, und die Hand öffnete sich wieder.

»Beeindruckend«, murmelte Frost.

»Ich frage mich, ob der Erfinder dieses Arms Uhrmacher ist«, sagte Baxter und blätterte wieder im Notizbuch, um Frost eine Skizze zu zeigen. »Das Innere des Arms ist aufgebaut wie ein Uhrwerk. Unruhspirale, Räderwerke, Federpendel.« Mit einem Bleistift zeigte er auf die einzelnen Teile. »Das Geniale daran ist jedoch, dass die Energie dafür elektrisch ist.«

Frost hob die Augenbrauen. »Elektrisch?« Moment, was? »Sie meinen Elektrizität? Das Zeug, das Sie in die Waffenprototypen eingebaut haben?«

»In einen Fusionstransformator zur Potenzierung der Energie, genau.« Diese Energiepotenzierung hatte er am eigenen Leib erfahren. Frost schauderte. So etwas soll in diesem Arm sein? »Allerdings handelt es hier um reine Elektrizität. Im Inneren des Armes befindet sich eine Art Generator oder ein Speichermedium.«

Er blätterte weiter zu einer anderen Skizze. Diese zeigte den Arm der Länge nach halbiert und den schematischen Aufbau im Inneren. Ein schmaler, rechteckiger Bereich im Oberarm war blau schraffiert. Baxter deutete darauf. »Das ist der Generator. Nach mehreren Anläufen habe ich ihn wieder zum Laufen gebracht. Er sendet Impulse aus, wie ein Herzschlag.«

»Aber wofür ist das gut?« Frost konnte sich keinen Reim darauf machen.

»Ich vermute, das könnte uns ein Arzt beantworten«, meinte Baxter und zuckte mit den Schultern.

»Vielleicht ist es ein Motor?«, warf Helen unsicher ein. »Um den Arm zu bewegen, meine ich.«

»Ein autonomer Mechanismus, angetrieben von einem elektronischen Räderwerk«, murmelte Baxter vor sich hin. Er blätterte wieder im Notizbuch, bis er die letzte Seite seiner Aufzeichnungen erreicht hatte, und schrieb sich den Gedanken auf. »Eine gute Hypothese, die ich werde testen müssen, um sie zu beweisen.«

»Allerdings müssen wir den Arm zurückgeben, Dr. Baxter. Wir haben es Inspektor Jones versprochen. Ich möchte nicht riskieren, seine Kooperation in der Sache zu verlieren.«

»Ich könnte versuchen, ihn nachzubauen«, schlug Baxter heiter vor.

Frost hob die Augenbrauen. »Könnten Sie das? Okay, versuchen Sie es. Warum nicht? Solange Sie den Keller und damit mein Haus nicht in die Luft jagen.«

»Oh, oh, darf ich dabei helfen?« Helen klatschte aufgeregt in die Hände.

Das konnte ja heiter werden. Helen als Baxters Assistentin. »Und wer hält mich dann davon ab, meine Wohnung in einen Saustall zu verwandeln?«, fragte Frost zurück und schmunzelte, als Helen ihr haspelnd versicherte, dass sie beides tun konnte.

»Ich möchte einfach gerne helfen, Miss«, fügte sie entschuldigend an.

Ein roter Ball kullerte vor Frosts Füße. Dodger bellte und sprang ungelenk die neugebaute Treppe hinab. Mit seinen schwarzen Knopfaugen, der heraushängenden rosa Zunge, den viel zu großen, schlaksigen Ohren und dem feinen schwarzweißen Flauschfell sah er aus wie ein Kuscheltier. Frost ging in die Hocke und nahm den Ball auf. Dodger kläffte erfreut und blieb erwartungsvoll vor ihr stehen. Frost hob den Arm, als würde sie den Ball werfen. Dodger senkte sich auf die Vorderbeine herab und sprang aufgeregt hin und her.

»Payne hat sich immer noch nicht gemeldet, oder?«, fragte sie, als sie den Ball weit durch das Labor warf. Sie schaute dem Welpen zu, wie er dem Ball hinterherrannte und gegen einen der Schränke prallte, als er die Kurve nicht schnell genug bekam.

Das folgende Schweigen war ihr Antwort genug. Mehr als eine Woche war vergangen, seit Payne am Morgen nach Chiswick die Agentur verlassen hatte. Seine Sachen waren immer noch oben in der Wohnung. Seither hatten weder sie noch Cecilia eine Nachricht von ihm erhalten. Niemand wusste, wo er sich aufhielt oder ob ihm etwas passiert war. Immer wieder hatte Frost versucht, ihn via Aethercom zu erreichen, jedoch vergeblich.

»Werden Sie nach ihm suchen, Miss?«, fragte Helen zögerlich. Die Sorgen, die sie sich machte, waren deutlich zu hören.

Frost klatschte in die Hände, worauf Dodger mit dem Ball in der Schnauze angerannt kam. Nachdenklich kraulte sie ihn hinter den Ohren und strich ihm über den schmalen Kopf.

»Ich werde nach ihm suchen«, beschloss sie und erhob sich.

 

 

2.

 

New York, mehr als ein Jahr zuvor

 

»Wir erwischen sie nicht mehr.«

»Hey, wo ist dein Optimismus geblieben? Natürlich erwischen wir sie noch.«

Jackson Payne unterdrückte einen Fluch, den er zur Erwiderung bereits auf der Zunge trug, und hastete Alistair Kirkland hinterher. Seit Wochen waren sie ihr auf der Spur, doch immer war sie ihnen entwischt. Jetzt sah es so aus, als könnten sie sie endlich festnageln.

Wenn sie es noch rechtzeitig schafften und sie ihnen nicht wieder durch die Lappen ging.