Führst Du schon oder befiehlst Du noch? - Sandro Pessina - E-Book

Führst Du schon oder befiehlst Du noch? E-Book

Sandro Pessina

2,2

Beschreibung

Der Autor, nun pensioniert, lässt sein Leben Revue passieren. Als Führungskraft beschäftigt er sich mit Aspekten der Menschenführung und deren Auswirkungen sowie der Frage, wer Führungsaufgaben übernehmen sollte und wer besser nicht. Seine während seiner Schul- und Ausbildungszeit, beim Militär und im nachfolgenden Berufsleben gewonnenen Erkenntnisse, auch privat, werfen Fragen auf. Welchen Einfluss hat Führung im Allgemeinen auf uns alle? Die Hauptfrage lautet: "Kann das Führen von Menschen erlernt werden oder nicht?" Seine Fragen und Antworten sind oft etwas bissig und ironisch.

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Seitenzahl: 190

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Schule und Lehrzeit

Fragen und Erkenntnisse

Ist das Führen von Menschen erlernbar?

Das Führen von Menschen kann man nicht erlernen!

Kriminalromane

Mahnmal der Schande (1)

Fluch der Runen (2)

Der Kreis der weissen Wölfe (3)

Sanfte Hügel des Grauens (4)

Kommissar Odin Anderson (5) Der Wikinger

Vorwort

Den nachstehend gemachten Aussagen und Erkenntnissen, liegen keine wissenschaftlichen Studien zu Grunde. Sie stammen jedoch ausschließlich aus einer jahrelangen Praxis. Als Basis dafür dienen, mein eigener Lebenslauf, beginnend mit der Schul- und Ausbildungszeit, den nachfolgenden Schulungen und Seminaren, Erlebnissen im Militär, sowie die gemachten Erfahrungen, während der ganzen beruflichen Laufbahn.

Namen von Personen und Unternehmen, mit welchen positive, sowie auch negative Erfahrungen gemacht wurden, werden absichtlich nicht genannt, da es für die, dadurch gewonnenen Erkenntnisse, nicht von Relevanz ist. Sollte jedoch jemand durch die, von mir aufgestellten Thesen feststellen, dass er sich beruflich in einer falschen Position befindet, so entschuldigt der Verfasser bei diesen Personen nicht.

Es liegt mir absolut fern, die Welt verbessern zu wollen. Falls jedoch gelegentlich ein Denkanstoss, zu Schritten in eine bessere Richtung führen würde, wäre ich darüber sehr erfreut.

Einleitung

Seit einiger Zeit befinde ich mich im Ruhestand. Die Umstellung, vom hektischen Berufsleben, in das wohl etwas ruhigere Dasein, eines „ Rentners“, ist mir nie schwer gefallen. Erleichtert wurde dies, durch den Umstand, dass ich die beiden letzten Jahre, bis zur definitiven Pensionierung, nur noch zu fünfzig Prozent tätig war, was die Umstellung bestimmt noch etwas mehr erleichtert hatte. Ich war froh und dankbar, dass mir mein Arbeitgeber, diese Möglichkeit offeriert hatte. Trotzdem, Angst vor der Pensionierung, hatte ich nie, im Gegenteil. Für mich war dieser Schritt, stets ein Ziel, genau gesagt ein Etappenziel.

Als ich es erreicht hatte war ich froh. Nicht, dass ich in meinem Beruf nicht glücklich gewesen wäre, im Gegenteil, aber es war für mich genau der richtige Moment für diesen Schritt, ähnlich, wie wenn man sich auf einem schönen Fest befindet und dieses dann verlässt, wenn es am Schönsten ist.

Das Erreichen, dieses Etappenziels bedeutete für mich: Freiheit und Unabhängigkeit. Lautete meine Devise bisher: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, so lautete diese jetzt: „Ich kann, aber ich muss nicht“!

Unabhängigkeit hat mir seit jeher immer sehr viel bedeutet. Eingeengt zu sein, empfand ich stets als Horror. Die besten Resultate erreichte ich immer dann, wenn man mir eine Aufgabe stellte und mich dann einfach machen liess. Ich benötigte also einen gewissen Freiraum, um Erfolg zu haben. Ich hatte jedoch niemals, einen mir gewährten Freiraum oder mir gewährte Freiheiten missbraucht, nicht aus Angst, dass ein allfälliger Missbrauch entdeckt würde, sondern, weil ich es schlichtweg falsch fand, das in mich gesetzte Vertrauen auszunützen. Wenn ich etwas nicht tat, so war es in den seltensten Fällen, weil etwas verboten war, sondern weil ich es als falsch empfand.

Wenn ich nun auf mein bisheriges Leben zurückblicke, mit all den Siegen und Niederlagen, so gab es da schon einige markante Merkmale, die meinen bisherigen Lebensweg, wie ein roter Faden begleiteten. Da war einmal der Umstand, dass ich stets meinen Weg gegangen bin. Es war bestimmt nicht immer der leichteste, aber es schien mir jeweils der Richtige zu sein. Damit will nun keineswegs behaupten, dass mir keine Fehler unterlaufen sind. Aber bekanntlich lernt man ja aus begangenen Fehlern oder man sollte zumindest daraus lernen. Es ist mir nie schwer gefallen, einen Fehler zuzugeben und mich auch dafür zu entschuldigen. Etwas habe ich jedoch nie akzeptiert. Dies war der Fall, wo mir jemand etwas vorwarf, wofür ich absolut nichts konnte. In solchen Fällen habe ich mich stets vehement zur Wehr gesetzt.

Seinen eigenen Weg zu gehen, bedeutet nicht, dass man stur sein muss. Es gab oft Situationen, wo mir von links und von rechts abgeraten wurde, etwas zu tun. An Ratschlägen von dritter Seite hat es mir nie gefehlt, weil ich anderen Ansichten und Meinungen gegenüber immer offen und unvoreingenommen war. Deshalb hatte ich diese meist auch eingehend geprüft. Doch sehr lange zögerte ich jeweils nie, bevor ich eine Entscheidung traf, aber gut überlegt hatte ich vorher immer. Möglichen Problemen oder Schwierigkeiten, bin ich eigentlich nie gross ausgewichen. Danach gesucht hatte ich allerdings auch nicht. Wenn Hindernisse auftraten, versuchte ich stets, diese zu umgehen oder wenn es nicht anders möglich war, eine möglichst sinnvolle Lösung dafür zu finden. Instinktiv wusste ich jedoch, dass der einfachste Weg, selten der Beste war.

In meinem Privatleben bin ich immer auf andere Menschen zugegangen, unabhängig von deren Herkunft, Stand oder anderen Merkmalen. Bei näherem Hinsehen, stellte ich jeweils schnell einmal fest, ob mich jemand interessierte oder nicht. Im Berufsleben verhielt ich mich nicht anders. Ich ging immer offen und unvoreingenommen auf mein Gegenüber zu. Bei Führungspersonen, stellte ich jeweils innert wenigen Sekunden fest, ob ich jemanden als Chef akzeptieren konnte oder nicht.

Dass ich diese Fähigkeit besass, jemanden innert weniger Sekunden zu analysieren, bemerkte ich schon in der Schulzeit und noch ausgeprägter, während meiner Ausbildungszeit und sie begleitete mich während meiner gesamten beruflichen Laufbahn. Trotz intensivstem Nachdenken, habe ich nie herausgefunden, warum dies so war. Möglicherweise handelte sich wohl um eine Gabe, die mir in meine Wiege gelegt wurde.

Diese Gabe half mir auch ganz wesentlich bei der Partnersuche. Als ich damals meiner heutigen Frau zum ersten Mal begegnete, wusste ich inert weniger Sekunden, dass dies die Frau meines Lebens war. Somit habe ich es weitgehend meinem Instinkt zu verdanken, dass ich damals wohl eine. meiner besten Entscheidungen getroffen hatte, als ich sie heiratete. Doch vorher, galt es, eine ganze Anzahl von Hindernissen auszuräumen.

Der „Kampf“ dauerte insgesamt drei Jahre, aber es hatte sich gelohnt. Nach über vierzig glücklichen Jahren Ehe und Gemeinschaft, gilt dies für mich heute als Bestätigung.

Einen weiteren Punkt konnte ich bei meinem Rückblick feststellen. Ich hatte immer irgendein Ziel, dass ich erreichen wollte. Ich war nie ziellos in meinem ganzen Leben. Selbst bei Belanglosigkeiten im täglichen Leben setzte ich mir Ziele. Wenn ich beispielsweise verschiedene Besorgungen zu erledigen hatte, fuhr ich nicht einfach los, sondern legte mir vorher die rationellste Route fest.

Im Berufsleben wurden mir oft Ziele vorgegeben. Meistens hatte ich diese abgeändert. Entscheidend waren nie die Vorgaben die ich erhielt, sondern vielmehr das Erreichen derjenigen Ziele die ich mir selbst gesetzt hatte. Gewiss freute es mich jeweils, wenn ich meinem Vorgesetzten positive Resultate vorlegen konnte, die seinen Vorstellungen entsprachen. Viel wichtiger war es jedoch, dass ich die von mir selbst gesteckten Ziele erreichte.

So war es mir dann auch meist egal, was andere Leute von mir hielten. Nicht egal war mir jedoch, was einige wenige, von mir ausgewählte Menschen von mir dachten. Ich galt als absolut zuverlässig und pünktlich. Von mir gemachte Zusagen wurden immer eingehalten, auch wenn dies manchmal sehr schwierig war. Es fiel mir stets leicht, mit anderen Menschen umzugehen. Selbst zu solchen, die als schwierig und unzugänglich galten, fand ich jeweils den Zugang und wurde von ihnen akzeptiert. Ich war stets offen und ehrlich. Wenn ich mal Probleme hatte, scheute ich mich nicht, dies offen zuzugeben. Auch wenn mir Fehler unterliefen, gestand ich diese ohne weiteres ein. Ich stellte an mich nie die Forderung, perfekt zu sein. Ich fand es daher absolut normal, auch Schwächen zu haben und auch zu diesen zu stehen. Ich hatte ja schliesslich auch meine Stärken.

Wenn ich nun auf mein bisheriges Leben zurückblicke und mich dann frage, was ich anders machen würde, wenn ich nochmals von vorne beginnen könnte, würde ich, abgesehen von einige kleinen Details,keine wesentlichen Änderungen vornehmen.

Ich hatte mir nun einmal vorgenommen, meinen eigenen Weg zu gehen und das habe ich auch getan. Ich hatte eine Linie, die mich wie ein roter Faden durch mein bisheriges Leben begleitete. Beruflich bin ich nur einmal kurz davon abgewichen. Dies hat sich dann aber als Fehler erwiesen. Meine Stärken, lagen stets im Verhandeln und im Verkaufen. Ich war nicht dafür geschaffen, ständig am gleichen Ort zu sein, da ich einen gewissen Freiraum und etwas Unabhängigkeit brauchte. Als ich damals den Fehler beging und die Stelle als Geschäftsführer für vier renommierte Tabak-Spezialgeschäfte antrat, fühlte ich mich eingeengt. Trotzdem erreichte ich sehr positive Resultate und Zunahmen im zweistelligen Bereich. Trotzdem würde ich im Nachhinein, dieses Jahr, als ich von meiner Linie abwich, nicht nur als verlorene Zeit bezeichnen, weil ich auch dort wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Die kleine Gruppe von sechs Verkäuferinnen, die ich zu führen hatte, vergötterte mich fast.

Bei allen meinen Betrachtungen, spielte jedoch ein Thema immer eine äusserst wichtige Rolle. Alles was mit Führung zusammenhing, hat mich immer schon fasziniert und in meinem Leben, stets eine grosse Rolle gespielt. Dies ist auch der Grund, warum ich mich mit diesem Thema ausführlich beschäftige und nachstehend versuchen werde, einige Zusammenhänge zu ergründen und aufzuzeigen. Wann aber beginnt Führung eine Rolle in unserem Leben zu spielen?

Schule und Lehrzeit

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass nebst dem Elternhaus, der Schule ein grosser Anteil der Erziehung und somit der Führung der Kinder zukommen sollte. Gerade in den letzten Jahren haben die Führungsaufgaben an den Schulen enorm an Bedeutung zugenommen. Viele Eltern haben schlichtweg weder Zeit, noch Lust, ihrer eigentlichen Aufgabe, was ihre Kinder betrifft, nachzukommen. Dies erscheint mir teilweise verständlich, weil man zwar ohne Führerschein nicht Auto fahren darf, aber um Kinder in die Welt zu setzen, keine spezielle Ausbildung oder auch nur minimste Vorkenntnisse aufweisen muss. Somit werden Kinder nicht entsprechend auf ihr künftiges Leben vorbereitet, sondern nur „erzogen“ oder auch nicht. Die Schule soll es dann schon richten.

Wenn ich auf meine Schulzeit zurückblicke, überkommt mich heute noch ein leises Schauern. Diese Zeit erinnert mich irgendwie an ein sehr dunkles Kapitel aus dem düstersten Mittelalter. Von gut einem Dutzend Lehrern, die mich während der Primar- und Sekundarschule begleiteten, verdienten höchstens zwei, maximal drei davon, die Bezeichnung Lehrer zu Recht. In der Kaufmännischen Berufsschule, sowie in weiteren Schulen und Kursen, sah es auch nicht besser aus.

Der Start in die erste und in die zweite Primarklasse, stand nicht gerade unter einem glücklichen Stern. Unser eigentlicher Klassenlehrer, war annähernd die ganze Zeit krank. Da er dafür nun wirklich nichts konnte, trifft ihn auch keine Schuld. Ungefähr sieben oder acht Aushilfskräfte, hatten nun die Gelegenheit, an uns unschuldigen Kindern herum zu experimentieren. Meine anfängliche Begeisterung für die Schule, hielt sich nun plötzlich eher in Grenzen. Ich glaube, dass damals an meiner Seele erste Schäden entstanden. Doch, nach dem Motto: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, setzte ich meinen Weg mutig fort und nahm deshalb die dritte und die vierte Primarklasse in Angriff.

Nach einer relativ kurzen Zeitperiode stellte ich, was den Schulunterricht betraf, eine enorme Veränderung fest. Doch was hatte diese Veränderung, bei mir und bei meinen Klassenkameraden für Auswirkungen? Der Mann der diese Schulklasse führte, strahlte etwas aus, das ich bisher gar nicht kannte. Er war nicht besonders gross gewachsen, stets braun gebrannt, ruhig, freundlich und doch irgendwie bestimmt. Seine Anweisungen erfolgten in einem ruhigem, fast beiläufigem Ton. Er war ein faszinierender Erzähler. Vor allem in seinem Geschichtsunterricht, erzeugte er stets eine grosse Spannung. Selbst den eher trockenen Rechnungsunterricht gestaltete er irgendwie interessant, indem er oft kleine Anekdoten einfliessen liess und mathematische Zusammenhänge immer so erklärte, dass diese auch von jedem Schüler gut verstanden wurden.

Damals war es noch gang und gäbe, dass gewisse „Lehrer“, den Rohrstock, nicht nur für Hinweise auf der Wandtafel oder bei aufgehängten Landkarten, sondern auch für die „sogenannte Erziehung“, verwendeten. Es herrschten damals allgemein etwas rohere Sitten, als dies heute der Fall ist. Lehrer galten damals noch als Respektspersonen, die unter anderem, folgende Mittel eisetzten, um sich den nicht vorhandenen Respekt zu verschaffen: War ein Schüler unaufmerksam, so warf ihm sein Lehrer einen Schlüsselbund an den Kopf. Sehr beliebt war auch ein völlig sinnloses Anbrüllen, das Austeilen von Kopfnüssen oder ein kräftiges am Ohr ziehen, um hier nur einige Beispiele zu nennen. In unserer Klasse war das aber ganz anders. Es gab weder Rohrstock, noch Kopfnüsse.

Unser Lehrer wurde niemals laut. Er erklärte uns jeweils, was wir falsch gemacht hatten und auch weshalb es falsch war. Disziplinsünder, wurden damit bestraft, indem sie in ihrer Freizeit einen ausführlichen Aufsatz schreiben mussten. Er gab jeweils drei Themen zur Auswahl vor und den Termin bekannt, bis wann der Aufsatz abgegeben werden musste. Anlässlich der nächsten Deutschstunde erhielt der Verfasser seinen Aufsatz korrigiert zurück, mit der Bitte, sein Werk vorzulesen. Die Klasse wurde anschliessend aufgefordert, den Vortrag sachlich zu kommentieren und zu beurteilen. Auch munterte er uns immer wieder auf, die hauseigene Schulbibliothek aufzusuchen, Bücher auszuleihen und viel zu lesen. Er gab uns auch viele Hinweise über, für uns geeignete Bücher.

Unser Lehrer war ein bekannter Höhlenforscher und auch selbst Autor. Ich befolgte seinen Rat gerne und las pro Woche mindestens zwei Bücher. Gelegentliche Strafaufgaben schrieb ich jeweils mit grosser Begeisterung. Da gab es aber zusätzlich noch etwas, dass für uns sehr motivierend war. Für sehr gute Leistungen erhielten wir auch ein entsprechendes Lob. Zudem gab es sogar kleine Fähnchen mit Landeswappen oder solche mit heraldischen Aufdrucken. Schwache Leistungen dienten nie dazu einen Schüler herunter zu machen. Vielmehr gab es dann eine Aufmunterung, es doch zukünftig besser zu machen. Entsprechende Hinweise oder falls notwendig, auch Hilfe wurden gleich mitgeliefert. Dieser Lehrer gehörte mit Sicherheit in die Kategorie: „Menschen, die man nicht vergisst“. Im Gegensatz zu den schlechten Erinnerungen, dürfte die Zeit, die ich mit diesem Lehrer verbringen durfte, zu den angenehmsten Perioden in meinem Leben gehören.

Noch etwas, werde ich nie vergessen. Unser Lehrer war ein starker Zigarettenraucher. In jeder Pause begab er sich in das Lehrerzimmer um eine zu rauchen. Auch auf dem Pausenplatz, sah man ihn nie ohne Zigarette. Er roch daher immer entsprechend, wobei ich dies nie als unangenehm empfand. Selbst heute kommen bei mir, sobald ich diesen Geruch wahrnehme, oft schöne Erinnerungen an diese Zeit hoch, als wäre es gestern gewesen. Wir alle verehrten unseren Lehrer und vor allem, wir respektierten ihn. Damit meine ich, dass wir nicht nur seinen Status als Respektsperson anerkannten, sondern auch ihn als Menschen und Vorbild. Wie sehr mich dieser Mann beeinflusste und wie viel er mir auf meinen späteren Lebensweg mitgab, konnte ich damals natürlich noch nicht erkennen. Heute danke ich ihm dafür.

Als Nächstes folgte nun eine Periode, in welcher sich für viele eine Art Weichenstellung für den weiteren Lebensweg abzuzeichnen begann. Dessen waren wir uns bewusst. Trotzdem nahmen wir die fünfte und die sechste Klasse hoffnungsvoll in Angriff. Das Schwert des Damokles hing nun permanent über unseren Köpfen. Unser neuer Lehrer hätte nun eigentlich die Aufgabe gehabt, uns mit entsprechender Führung auf die Sekundarschule, respektive auf die, auf uns zukommende Prüfung vorzubereiten. Sehr schnell vermissten wir unseren vorherigen Lehrer an allen Ecken und Enden.

Unser jetziger Lehrer, war der Sohn eines Lehrers. Dafür, konnte er natürlich nichts. Doch wenn ich heute so zurück blicke, werde ich den Eindruck nicht los, dass er irgendwie zu diesem Schritt gezwungen wurde. Ich bin überzeugt, dass seine Berufswahl anders ausgefallen wäre, wenn man ihm die Freiheit dazu gelassen hätte. Die Aufgabe, pubertierende Jugendliche auf einen wichtigen Schritt vorzubereiten, schien ihm nicht besonders zu liegen. Unsere schulischen Leistungen, vor allem auch die meinen, liessen zusehends zu wünschen übrig. Das blieb natürlich auch meinen Eltern nicht verborgen. Sie teilten ihm deshalb schriftlich ihre Bedenken mit und baten ihn, mich zu motivieren. Und was tat der ausgebildete Pädagoge? Er las, den für mich absolut vertraulichen Brief, vor der ganzen Klasse vor und erklärte, dass ich den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen hätte. Ich sei für meine Situation selbst verantwortlich. Jeder der jetzt immer noch nicht gemerkt habe, worum es gehe, sei selbst schuld, wenn einmal nichts Rechtes aus ihm werde. Es brauche ja auch Hilfsarbeiter und Angestellte bei der Müllabfuhr.

Für mich brach eine Welt zusammen, Mein Lehrer hatte mich vor der ganzen Klasse blamiert. Das in ihn gesetzte bisschen Vertrauen, dass ich ihm gegenüber noch aufbrachte, war nun gänzlich weg. Ich fühlte mich verraten, verletzt und allein. Ich zog mich zurück, wirkte verschlossen und versuchte irgendwie, mit dieser Situation fertig zu werden. Ich begann nun noch mehr zu lesen, als dies ohnedies schon der Fall war. Dadurch erschuf ich mir eine Art eigene Welt, in die ich mich zurückziehen konnte und wo ich mich einigermassen sicher und geborgen fühlte. Hier gelangte ich zu der Erkenntnis, dass es in Zukunft besser wäre, sich auf niemanden zu verlassen. Ich musste meinen eigenen Weg gehen, um zu meinem Ziel zu gelangen. Damit wollte ich nicht etwa irgendwem etwas beweisen. Ich wollte es vielmehr für mich selbst tun, weil es mir so als richtig erschien.

Irgendwie überstand ich trotz Widrigkeiten aller Art die Zeit bis zur Aufnahmeprüfung zur Sekundarschule. Ich bestand – zugegeben, es war sicher kein Glanz Resultat – aber ich bestand. Natürlich war ich erleichtert. Nicht allen meinen Schulkameraden gelang dieser Schritt. So trennten sich unsere Wege. Es erstaunte mich nicht, dass so viele die Prüfung nicht bestanden – bei diesem Lehrer!! Einige wollten es im zweiten Anlauf versuchen, andere setzten ihren Weg in der siebten Klasse fort. Das Thema Berufswahl kam nun von allen Seiten auf mich zu. Für mich jedoch lag meine berufliche Zukunft noch relativ weit weg. Ich wollte mich auch noch gar nicht festlegen. Vorerst einmal, lagen drei Jahre Sekundarschule vor mir. Was werden mir diese nächsten drei Jahre wohl bringen?

Gespannt war ich natürlich auf meine neuen Lehrer. In der Sekundarschule hatten wir ja neu, zwei Lehrer. Eines wusste ich damals schon. Die Qualität meines Lehrers, respektive meiner zwei Lehrer, hatten einen massgeblichen Einfluss auf mich und meine Leistungen. Leider stellte ich sehr schnell fest, dass der eine Lehrer nicht gerade eine Wucht, aber gerade noch erträglich war. Mit dem zweiten Lehrer hingegen, hatte ich allerdings schon bald einmal meine liebe Mühe. Er war von kleinem Wuchs und galt als bissig. Vermutlich, litt er darunter, dass er etwas zu klein geraten war. Er brüllte daher unnötig viel herum. Es kam auch schon einmal vor, dass er Schulhefte eines Schülers zum Fenstern hinaus, in den Schulhof hinunter warf, wenn ihm der Inhalt nicht gefiel. Darunter befanden sich gelegentlich auf Hefte von mir

Respektiert wurde er deswegen nicht, aber gefürchtet. Ich hatte daher ein ungutes Gefühl. Ich war schon leicht angeschlagen, von meinen bisherigen Erfahrungen mit Lehrern. Nach einem Jahr des Leidens, wurde festgestellt, dass meine Leistungen nicht den Erwartungen entsprachen. Im Klartext hiess das für mich, dass ich die erste Sekundar-Klasse wiederholen musste. Die Leistungen der Lehrer hingegen schienen den Erwartungen zu entsprechen, weil niemand diese ernsthaft überprüfte. Die Tatsache, dass ich es nicht schaffte, traf mich schon. Es war nicht einmal der Umstand, dass ich mich dafür schämte. Vielmehr ärgerte ich mich darüber, dass ich nun ein ganzes Jahr verlor. Dass ich nicht der einzige war, der durchfiel, war für mich kein Trost.

Nach der Devise: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker, begab ich mich also am ersten Schultag in das entsprechende Klassenzimmer, wo ich grösstenteils auf mir unbekannte Klassenkameraden stiess. Natürlich waren wir alle etwas aufgeregt und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Es war etwas lauter und angeregter als sonst und es dauerte dann schon einen Moment, bis alle feststellten, dass unser neuer Lehrer eingetreten war. Ein Hüne von einem Mann stellte sich vor der Klasse auf, lächelte und sagte lediglich: „Aha, der Urwald ruft“! Es erfolgte ein allgemeines Gelächter und dann herrschte absolute Ruhe.

Er stellte sich vor und schrieb seinen Namen an die Tafel. Jeder der Schüler erhob sich kurz und stellte sich seinerseits vor. Während wie üblich ein Klassenspiegel erstellt wurde, hatte ich den Eindruck, diesen Mann schon irgendwo, einmal gesehen zu haben. Plötzlich dämmerte es mir. Als ich bei den Pfadfindern eine Gruppe anführte, lernte ich ihn flüchtig kennen. Sein Pfadername, entstammte einem berüchtigten, russischen Politiker und lautete auf „Molotow“, sehr zu Unrecht wie ich fand, denn auf mich macht er einen sehr positiven Eindruck. Nun konnte es endlich aufwärts gehen. Doch man sollte ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir hatten ja zwei Lehrer, die uns führen sollten und ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Denn schon in der ersten Stunde ging es beim zweiten Lehrer schon richtig militärisch zu. Wie üblich erhoben wir uns, wenn der Lehrer eintrat. Dies taten wir auch bei ihm, aber nach seiner Ansicht zu wenig zackig. Dies hatte zur Folge, dass wir uns zehn Mal erheben und wieder setzten musste. Die Aufforderung dazu, wurde uns laut brüllend übermittelt. Ich schaffte es gerade knapp fünf Mal.

Bald einmal fand ich dann heraus, dass unser neuer Lehrer im Militär Hauptmann war und es deshalb etwas zackig liebte. Doch nun hatte ich ein Problem. Ich konnte ihn, als Menschen einfach nicht akzeptieren. Es bestand doch absolut keine Notwendigkeit, uns anzubrüllen. Unser Gehör war absolut in Ordnung und wir befanden uns hier auch nicht auf dem Kasernenhof. Warum konnte er uns nicht einfach ruhig erklären, wie er sich den Schulbetrieb vorstellte und was er von uns erwartete. Meine Abneigung gegen ihn, blieb ihm wohl nicht allzu lange verborgen. Das hatte Folgen für mich. Er hatte mich im Visier. Schlimm war, dass ich gerade in denjenigen Hauptfächern, die er zu unterrichten versuchte, nicht gerade eine Leuchte war. Vielmehr waren Algebra und Mathematik Fächer, die eher zu meinen Schwachstellen gehörten.

Stark war ich nur im sprachlichen Bereich, sowie in den Fächern wie Geschichte, Geografie sowie in Fächern die ähnlich gelagert waren. Genau genommen hatte ich nur dort Mühe, wo Zahlen eine Rolle spielten. In Nebenfächern, wie Singen, Turnen und Religion erhielt ich nur Bestnoten, wobei mich bei der Religion, eher der historische Teil interessierte. Der rein religiöse Teil wies mir viel zu viele Widersprüche auf und entbehrte, nach meinem Empfinden oft jeglicher Logik.

Beim Sport war ich bei den Besten. Ich war damals topfit, gehörte zu den schnellsten Schwimmern der Schweiz und spielte Wasserball in der Nationalliga A. Die erste und die zweite Schwimmprüfung bestand ich noch im Kindergarten und die dritte, in der ersten Primarklasse, wo es noch gar kein Schulschwimmen als Fach gab. Zusätzlich nahm ich auch an verschiedenen Seedurchquerungen statt und war immer in den ersten Rängen zu finden. Im Sommer spielte ich zusätzlich, regelmässig Volleyball und lief Rollschuh. Im Winter, standen Schlittschuhlaufen und Skifahren auf dem Programm. Weil ich ein hervorragender Schwimmer war und alle drei Prüfungen bereits bestanden hatte, durfte ich beim offiziellen Schwimmunterricht, mehr oder weniger das machen, was mir Spass bereitete. Es kam damals noch vor, dass der Schwimmlehrer einen Schüler, der partout nicht schwimmen lernen