Für immer Mein - Anna Zaires - E-Book
Beschreibung

"Ich habe gegen das Schicksal gekämpft und gewonnen. Ich habe einen Deal mit dem Teufel gemacht, um sie zu behalten. Es sollte eigentlich vorbei sein. Wir waren dazu bestimmt, glücklich zu sein. Zu schade, dass meine Feinde andere Pläne hatten. Anmerkung: Dies ist der Abschluss von Peters & Saras Geschichte. Es wird dringend empfohlen, dass Sie vor Beginn dieses Buches die Trilogien Verschleppt und Ergreife Mich lesen, da es für diese Serien große Spoiler geben wird."

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl:494

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Für immer Mein

Mein Peiniger: Buch 4

Anna Zaires

♠ Mozaika Publications ♠

Contents

Teil I

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Teil II

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Teil III

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Teil IV

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Kapitel 81

Kapitel 82

Kapitel 83

Kapitel 84

Kapitel 85

Kapitel 86

Kapitel 87

Kapitel 88

Kapitel 89

Kapitel 90

Kapitel 91

Kapitel 92

Kapitel 93

Kapitel 94

Kapitel 95

Kapitel 96

Kapitel 97

Kapitel 98

Kapitel 99

Epilog

Auszug aus Twist Me - Verschleppt

Auszug aus Capture Me – Ergreife Mich

Auszug aus The Krinar Captive – Gefangene des Krinar

Über die Autorin

Das ist ein fiktives Werk. Namen, Charaktere, Orte und Vorfälle sind entweder das Ergebnis der Fantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet, und jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, lebenden oder toten, Geschäftseinrichtungen, Veranstaltungen oder Orten ist rein zufällig.

Copyright © 2019 Anna Zaires und Dima Zales

www.annazaires.com/book-series/deutsch/

Alle Rechte vorbehalten.

Mit Ausnahme der Verwendung in einer Rezension darf kein Teil dieses Buches ohne Genehmigung in gedruckter oder elektronischer Form reproduziert, gescannt oder verteilt werden.

Veröffentlicht von Mozaika Publications, einem Impressum von Mozaika LLC.

www.mozaikallc.com

Aus dem Amerikanischen von Grit Schellenberg

Lektorat: Fehler-Haft.de

Cover: Najla Qamber Designs

www.najlaqamberdesigns.com

e-ISBN: 978-1-63142-482-3

Druck ISBN-13: 978-1-63142-483-0 

Teil I

1

Henderson

»Was machst du da?«

Bonnies ängstliche Stimme schreckt mich aus meinen Planungen, und ich schaue auf und schiebe den Ordner, in den ich vertieft war, unter einen Stapel Akten auf meinem Schreibtisch, während ich mich darauf vorbereite, ihr mit einer plausiblen Lüge zu antworten.

Aber die Frau, mit der ich seit einundzwanzig Jahren verheiratet bin, sieht mich nicht an.

Sie starrt auf den Computer hinter mir, wo das Foto einer wunderschönen Braut mit braunen Haaren, die ihren hübschen Bräutigam anlächelt, den größten Teil des Bildschirms einnimmt.

Verdammt. Ich dachte, ich hätte diesen Tab geschlossen. Meine Nackenmuskeln zucken vor Anspannung, und meine aufsteigende Galle brennt in meinem Hals, als ich sehe, dass Bonnie zu zittern beginnt.

»Warum hast du sein Bild?« Ihre Stimme ist schrill, als ihre Augen zu mir wandern und mich vorwurfsvoll anschauen. »Warum hast du das Bild dieses Monsters auf deinem Bildschirm?«

»Bonnie … Es ist nicht so, wie du denkst.« Ich stehe auf, aber sie zieht sich schon zurück, schüttelt den Kopf, und ihre langen Ohrringe schwingen um ihr dünnes Gesicht.

»Du hast es versprochen. Du hast mir gesagt, dass wir in Sicherheit sind.«

»Und wir werden es sein«, sage ich, aber es ist zu spät.

Sie ist schon weg.

Zurück in die Zuflucht ihres Bettes, ihrer Pillen, ihres gedankenlosen Reality-TVs.

Zurück an dem Ort, an dem die Kinder und ich sie nie erreichen können.

Ich sinke zurück in meinen Stuhl, rolle meinen Kopf von einer Seite zur anderen und löse die schlimmsten Verspannungen, während ich den Ordner wieder hervorhole. Der Name im Inneren starrt mich an, und jeder Buchstabe verspottet mich und schürt das bittere Feuer meiner Wut.

Peter Sokolov.

Ich bin die letzte Person, die noch auf seiner Liste steht. Der Einzige, den er noch nicht getötet hat, für das, was in diesem beschissenen Dorf in Dagestan passiert ist. Ein Fehler, ein fahrlässiger Befehl, und das ist das Ergebnis. Seit Jahren jagt er mich und meine Familie, quält unsere Freunde und Lieben, um an mich heranzukommen. Er beherrscht die Alpträume meiner Kinder und zerstört unser Leben in jeder Hinsicht.

Und jetzt, dank seines Kumpels Esguerra, der mit unserer Regierung zusammenarbeitet, darf er sich frei bewegen. Darf seine hübsche, braunhaarige Ärztin heiraten und in den Vereinigten Staaten leben, als ob alles vergeben und vergessen wäre.

Als ob sein Versprechen, mich nicht zu töten, etwas ist, was ich glauben soll.

Mein Blick fällt auf die restlichen Namen im Ordner.

Julian Esguerra.

Lucas Kent.

Yan und Ilya Ivanov.

Anton Rezov.

Sokolovs Verbündete – und jeder Einzelne ein Monster.

Sie müssen für das bezahlen, was sie getan haben.

Wie Sokolov müssen sie neutralisiert werden.

Dann und nur dann werden wir wirklich in Sicherheit sein.

2

Sara

Ich wache mit der überwältigenden Erkenntnis auf, dass ich verheiratet bin.

Verheiratet mit Peter Garin, alias Peter Sokolov.

Mit dem Mann, der meinen ersten Ehemann, George Cobakis, getötet hat, nachdem er in mein Haus eingebrochen war und mich gefoltert hatte.

Mein Stalker.

Mein Entführer.

Die Liebe meines Lebens.

Mein Verstand wandert zum gestrigen Abend, und Hitze breitet sich in meinem ganzen Körper aus – eine Mischung aus Verlegenheit und Erregung. Er hat mich gestern bestraft. Mich dafür bestraft, dass ich ihn fast am Altar stehen gelassen hätte.

Er hat mich brutal genommen und mich dabei gezwungen, alles zuzugeben.

Ich musste gestehen, dass ich ihn liebe – alles an ihm, einschließlich seiner dunklen Seiten.

Dass ich diese Dunkelheit brauche … sie am eigenen Leib spüren muss, damit ich die Scham- und Schuldgefühle darüber überwinden kann, zu wissen, dass ich mich in ein Monster verliebt habe.

Ich öffne die Augen und starre an die weiße Decke. Wir sind noch in meiner kleinen Wohnung, aber ich schätze, dass wir bald umziehen werden. Und dann? Kinder? Spaziergänge im Park und Abendessen mit meinen Eltern?

Bin ich wirklich dabei, ein Leben mit dem Mann aufzubauen, der gedroht hat, alle auf unserer Hochzeit zu töten, wenn ich nicht auftauche?

Er muss gerade Frühstück machen, weil ich köstliche Düfte aus der Küche riechen kann. Sie sind süß und gleichzeitig vollmundig, und mein Magen knurrt, als ich aufstehe und wegen meiner schmerzenden Sehnen im Knie zusammenzucke.

Wenn wir häufiger in exotischen Positionen ficken wollen, sollte ich vielleicht mit Yoga anfangen.

Ich schüttele den Kopf bei diesem Gedanken, gehe duschen, putze mir die Zähne, und als ich mit einem Bademantel bekleidet herauskomme, höre ich Peters tiefe, leise Stimme mit dem schwachen Akzent, als er mich ruft.

Oder genauer gesagt ruft er sein »Ptichka«.

»Ich bin hier«, sage ich, als ich in die Küche komme, wo mich unglaublich starke Arme hochheben und ich so intensiv geküsst werde, dass mir die Luft wegbleibt.

»Ja, das bist du«, murmelt mein Mann, als er mich endlich wieder auf die Beine stellt. »Du bist hier, und du wirst nirgendwo hingehen.« Seine großen Hände ruhen besitzergreifend auf meiner Taille, und seine grauen Augen schimmern wie Silber in seinem mit Bartstoppeln bedeckten Gesicht. Er hat sich bereits ein T-Shirt und eine Jeans angezogen, scheint sich aber noch nicht rasiert zu haben, denn diese Stoppeln sehen so einladend rau und kratzig aus, dass ich mich frage, wie es wäre, wenn sie über meine Haut fahren würden.

Ohne nachzudenken, lege ich meine Hand an seinen gemeißelten Kiefer. Er ist genauso kratzig, wie ich es mir vorgestellt habe, und ich grinse, als er seine Augen schließt und sein Gesicht an meiner Handfläche reibt, wie ein großer Kater, der sein Revier markiert.

»Es ist Sonntag«, sage ich ihm und senke meine Hand, als er seine Augen öffnet. »Also ja, ich gehe nirgendwo hin. Was gibt es zum Frühstück?«

Er grinst, tritt zurück und lässt mich los. »Ricotta-Pfannkuchen. Hast du Hunger?«

»Ich könnte definitiv etwas essen«, gebe ich zu und beobachte, wie seine metallischen Augen vor Freude aufleuchten.

Ich setze mich hin, während er die Teller für uns beide holt und sie auf den Tisch stellt. Obwohl er erst letzten Dienstag zu mir zurückgekommen ist, fühlt er sich in meiner kleinen Küche schon wie zu Hause, und seine Bewegungen sind so geschmeidig und sicher, als ob er schon seit Monaten hier wohnt.

Während ich ihn beobachte, bekomme ich wieder das beunruhigende Gefühl, dass ein gefährliches Raubtier in meine kleine Wohnung eingedrungen ist. Teilweise liegt das an seiner Größe – er ist mindestens einen Kopf größer als ich, seine Schultern sind unglaublich breit, und sein Körper eines Elitesoldaten ist voller harter Muskeln. Aber es ist auch etwas an ihm, etwas mehr als die Tattoos, die seinen linken Arm schmücken, oder die schwache Narbe, die seine Augenbraue teilt.

Es ist etwas Eigenes, eine Art von Rücksichtslosigkeit, die es gibt, selbst wenn er lächelt.

»Wie fühlst du dich, Ptichka?«, fragt er, als er sich zu mir setzt, und ich schaue auf meinen Teller, weil ich weiß, weswegen er sich Sorgen macht.

»Gut.« Ich will nicht an gestern denken, darüber, wie der Besuch von Agent Ryson mich buchstäblich krank gemacht hat. Ich war wegen der Hochzeit bereits nervös gewesen, aber erst als mir der FBI-Beamte Peters Verbrechen um die Ohren gehauen hat, musste ich mich übergeben und habe Peter fast sitzenlassen.

»Keine Beschwerden wegen gestern Nacht?«, wird er deutlicher, und ich schaue mit erhitztem Gesicht zu ihm auf, als ich verstehe, dass er sich auf unser Sexualleben bezieht.

»Nein.« Meine Stimme ist erstickt. »Es geht mir gut.«

»Gut«, murmelt er mit einem heißen und dunklen Blick, und ich verstecke meine immer stärker werdende Röte, indem ich nach einem Ricotta-Pfannkuchen greife.

»Hier, mein Liebling.« Er legt mir fachmännisch zwei Pfannkuchen auf den Teller und schiebt eine Flasche Ahornsirup in meine Richtung. »Möchtest du noch etwas anderes? Vielleicht etwas Obst?«

»Gerne«, sage ich und schaue ihm dabei zu, wie er zum Kühlschrank geht, um Beeren herauszunehmen und zu waschen.

Mein häuslicher Attentäter. Wird so unser gemeinsames Leben sein?

»Was willst du heute machen?«, frage ich, als er zum Tisch zurückkehrt, und er zuckt mit den Achseln, während sich ein Lächeln auf seinen gemeißelten Lippen ausbreitet.

»Was du möchtest, Ptichka. Ich dachte, wir könnten vielleicht rausgehen und den schönen Tag genießen.«

»Also … ein Spaziergang im Park? Wirklich?«

Er runzelt die Stirn. »Warum nicht?«

»Nichts. Meinetwegen gerne.« Ich konzentriere mich auf meine Pfannkuchen, damit ich nicht hysterisch kichere.

Er würde es nicht verstehen.

Wir essen schnell – ich habe Hunger, und die Ricotta-Pfannkuchen – er nennt sie Sirniki – sind unglaublich gut, und dann fahren wir zum Park. Peter sitzt am Steuer, und als wir bereits die Hälfte des Weges hinter uns gebracht haben, bemerke ich einen schwarzen SUV, der uns folgt.

»Ist das Danny?«, frage ich, während ich mich umschaue.

Seit Peters Rückkehr hat uns das FBI in Ruhe gelassen, und Peter ist viel zu ruhig wegen unseres Verfolgers, als dass es jemand anderes als der Leibwächter und Fahrer sein könnte, den er eingestellt hat.

Zu meiner Überraschung schüttelt Peter den Kopf. »Danny hat heute frei. Es sind ein paar andere Männer der Crew.«

Ah. Ich drehe mich um, um den SUV genauer zu betrachten. Die Fenster sind getönt, so dass ich nichts sehen kann. Stirnrunzelnd schaue ich zu Peter zurück. »Denkst du, wir brauchen immer noch all diese Sicherheitsvorkehrungen?«

Er zuckt mit den Schultern. »Ich hoffe nicht. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.«

»Und dieses Auto?« Ich schaue mich in der luxuriösen Mercedes-Limousine um, die Peter letzte Woche gekauft hat. »Ist es auch speziell ausgerüstet?« Ich klopfe mit meinem Knöchel gegen das Fenster. »Das Glas scheint wirklich dick zu sein.«

Sein Gesichtsausdruck verändert sich nicht. »Ja. Es ist kugelsicher.«

»Oh. Wow.«

Er blickt mich an, und ein schwaches Lächeln erscheint auf seinen Lippen. »Keine Sorge, Ptichka. Ich habe keinen Grund, zu glauben, dass auf uns geschossen wird. Es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, das ist alles.«

»Okay.« Nur eine Vorsichtsmaßnahme, wie die Waffen, die er bei unserer Hochzeit in seiner Jacke hatte. Oder der Bodyguard-Fahrer, der da ist, um mich abzuholen, wenn Peter nicht kann. Weil normale Ehepaare aus der Vorstadt natürlich immer Bodyguards und kugelsichere Autos haben.

»Erzähl mir von den Häusern, die du gefunden hast«, sage ich und schiebe das unbehagliche Gefühl beiseite, das durch den Gedanken an all diese Sicherheitsmaßnahmen hervorgerufen wird. Wegen seines früheren Berufs und der Art von Feinden, die er sich gemacht hat, ergibt Peters Paranoia vollkommen Sinn, und ich habe nicht vor, gegen die Vorsichtsmaßnahmen zu protestieren, die er für notwendig hält.

Wie er gesagt hat, ist Vorsicht besser als Nachsicht.

»Ich werde dir die Angebote in einer Sekunde zeigen«, sagt er, und ich bemerke, dass wir bereits an unserem Ziel angekommen sind.

Er parkt gekonnt das Auto, steigt aus und kommt dann auf meine Seite, um mir die Tür zu öffnen. Ich lege meine Hand in die seine, lasse mir von ihm aus dem Auto helfen, und ich bin nicht überrascht, dass er die Gelegenheit nutzt, um mich an sich zu ziehen und zu küssen.

Seine Lippen sind weich und sanft, als sie die meinen berühren, und sein Atem ist mit Ahornsirup gewürzt. Es gibt keine Dringlichkeit in diesem Kuss, keine Dunkelheit – nur Zärtlichkeit und Verlangen. Doch als er seinen Kopf hebt, ist mein Puls genauso schnell, als hätte er mich überfallen, und meine Haut ist warm und prickelt, wo seine Handfläche meine Wange umschließt.

»Ich liebe dich«, murmelt er, während er mir in die Augen schaut, und ich strahle ihn an, als mein Unbehagen von einem leichten, schwungvollen Gefühl verdrängt wird.

»Ich liebe dich auch.« Diese Worte sind heute noch einfacher geworden – denn sie sind wahr. Ich liebe Peter.

Ich liebe ihn, obwohl er mir immer noch Angst macht.

Er grinst und führt mich zu einer Bank. »Hier.« Er zieht mich zu sich, damit ich mich neben ihn setze, nimmt sein Handy heraus und streicht ein paarmal über den Bildschirm, bevor er es mir gibt. »Das sind die Angebote, die ich gefunden habe«, sagt er und sieht mich mit einem warmen, silbernen Blick an. »Lass mich wissen, welche Häuser dir gefallen, und wir können sie uns ansehen.«

Ich blättere durch die Bilder, während sich mein gutes Gefühl verstärkt.

Fühlt sich so wahres Glück an?

»Lass uns das besprechen, während wir spazieren gehen«, sage ich ihm, als ich alle Fotos durchgesehen habe. Er stimmt erfreut zu und nimmt meine Hand fest in seine, während wir durch den Park wandern und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Häuser diskutieren.

»Du denkst nicht, dass vier Schlafzimmer zu klein sind?«, fragt er, während er mich mit einem fragenden Lächeln betrachtet, und ich schüttele den Kopf.

»Warum sollte ich das denken?«

»Nun …« Er stoppt und sieht mich an. »Hast du darüber nachgedacht, wie viele Kinder du haben möchtest?«

Mein Magen zieht sich zusammen. Da ist es, das Thema, dem wir seit Zypern ausweichen, als Peter zugegeben hat, dass er versucht, mich zu schwängern, und ich einen Autounfall hatte, als ich versucht habe, zu fliehen. Ich hatte erwartet, dass es irgendwann zur Sprache kommen würde – wir haben seit Peters Rückkehr keine Kondome mehr benutzt, und er sagte meinen Eltern, dass er bald eine Familie gründen möchte. Trotzdem hämmert mein Herz in meiner Brust, und meine Handfläche in Peters Hand wird feucht, als ich versuche, mir vorzustellen, wie es wäre, ein Kind mit ihm zu haben.

Mit dem gnadenlosen Mörder, der mich obsessiv liebt.

Ich atme tief durch und nehme meinen ganzen Mut zusammen. Peter ist kein Verbrecher und kein Flüchtling mehr, und ich bin seine Frau, nicht seine Gefangene. Er hat seine Rache aufgegeben, damit wir das hier haben können – ein richtiges gemeinsames Leben.

Spaziergänge im Park, Kinder und all das.

»Ich habe an drei gedacht«, sage ich ruhig, während ich ihm in die Augen blicke. »Aber ich denke, ich könnte auch mit einem glücklich und zufrieden sein. Was ist mit dir?«

Ein erfreutes Lächeln breitet sich auf seinem wunderschönen dunklen Gesicht aus. »Definitiv mindestens zwei – vorausgesetzt, dass mit dem Ersten alles gut geht.« Er legt seine große Handfläche auf meinen Bauch. »Glaubst du, es ist möglich, dass …?«

Ich lache, und gehe einen Schritt weiter. »Machst du Witze? Es ist noch viel zu früh, um das zu sagen. Du bist vor weniger als einer Woche zurückgekommen. Wenn ich wüsste, dass ich schwanger bin, wäre das ein Problem.«

»Definitiv«, stimmt er zu, ergreift meine Hand und drückt sie besitzergreifend. Wir gehen weiter, und er schaut mich von der Seite an. »Also bist du damit einverstanden?«

»Mit einem Baby, meinst du?«

Er nickt, und ich atme tief durch und schaue auf eine Gruppe von Jugendlichen mit Skateboards. »Ich schätze schon. Ich würde gerne noch ein wenig warten, aber ich weiß, dass dir das viel bedeutet.«

Er antwortet nicht, und als ich ihn ansehe, bemerke ich, dass sich sein Gesichtsausdruck verdunkelt und sein Kiefer angespannt hat, während er geradeaus starrt. Mein beflügeltes Gefühl verflüchtigt sich, als ich merke, dass ich ihn ungewollt an die Tragödie in seiner Vergangenheit erinnert habe.

»Es tut mir leid.« Ich hebe unsere verbundenen Hände, um seine Faust gegen meine Brust zu drücken. »Ich wollte dich nicht an deine Familie erinnern.«

Sein Blick trifft auf meinen, und ein Teil seiner Qualen verschwindet. »Es ist okay, Ptichka.« Seine Stimme ist heiser, als er unsere verbundenen Hände höher hebt, um einen zärtlichen Kuss auf meine Knöchel zu drücken. »Du musst dich in meiner Nähe nicht wie auf rohen Eiern bewegen. Pascha und Tamila werden immer in meinen Erinnerungen leben, aber du bist jetzt meine Familie.«

Mein Herz zieht sich zu einem schmerzenden Ball zusammen. Er hat recht. Ich bin seine Familie – und er gehört mir. Weil die Hochzeit so schnell ging, hatte ich keine Chance, wirklich darüber nachzudenken, diese Realität in meinen Kopf zu bekommen.

Wir sind verheiratet.

Wirklich verheiratet.

Ich kann George nicht mehr als meinen Mann sehen, weil Peter diesen Titel jetzt trägt – so wie er Tamila nicht als seine Frau betrachten kann.

»Und du hast recht«, fährt er fort, während ich diese Erkenntnis verarbeite. »Familie ist mir wichtig. Ich will, dass wir ein Kind bekommen, und ich will es bald. Trotzdem …« Er zögert und sagt dann leise: »Wenn du warten willst, werde ich es nicht erzwingen.«

Ich bleibe stehen und starre ihn an. »Ernsthaft? Warum nicht?«

Ein quecksilbriges Lächeln blitzt auf seinem Gesicht auf. »Willst du, dass ich es tue?«

»Nein! Ich habe nur …« Ich schüttele den Kopf und ziehe meine Hand aus seinem Griff. »Ich verstehe es nicht. Ich dachte, das wäre ein Teil davon, du weißt schon, der Ehe und so. Du hast die Hochzeit erzwungen, also …«

Alle Spuren von Humor verschwinden aus seinem Gesicht. »Du bist fast gestorben, mein Liebling. In Zypern, als du dachtest, ich würde dir ein Kind aufzwingen, hast du versucht zu fliehen und bist fast gestorben.«

Ich beiße mir auf die Lippe. »Das war etwas anderes. Wir waren anders.«

»Ja. Aber eine Geburt kann generell gefährlich sein. Trotz all der medizinischen Fortschritte heute riskiert eine Frau ihre Gesundheit, wenn nicht sogar ihr Leben. Und wenn dir etwas passiert, weil ich darauf bestanden habe …« Er verstummt, und sein Kiefer spannt sich an, während er wegschaut.

Ich starre ihn an, und mein Herz schlägt schnell in meiner Brust. Die Chancen, dass mir bei der Geburt etwas Ernstes passiert, sind sehr gering, und mein erster Instinkt als Ärztin ist es, ihm das zu sagen, um ihn zu beruhigen. Aber in letzter Sekunde überlege ich es mir besser.

»Also würdest du warten?«, frage ich stattdessen vorsichtig.

Peter dreht sich zurück zu mir, und sein Blick ist düster. »Willst du warten, mein Liebling?«

Jetzt bin ich an der Reihe, wegzuschauen. Tue ich das? Bis zu diesem Moment hatte ich angenommen, dass Peters Rückkehr und die überstürzte Hochzeit bedeuteten, dass ein Kind Teil unserer nahen Zukunft sein würde. Ich hatte mich mit dem Gedanken abgefunden, ihn sogar auf irgendeiner Ebene angenommen.

Wenigstens könnten meine Eltern die Enkelkinder haben, die sie sich gewünscht haben – ein Pluspunkt, den ich bis zu unserem Abendessen gestern nicht bedacht hatte.

»Sara?«, fragt Peter, und ich schaue auf, um seinem Blick zu begegnen.

Hier ist sie.

Meine Chance, es zu verzögern.

Das Richtige zu tun, das Wohlüberlegte.

Erst dann ein Kind zu haben, wenn ich mir sicher bin, dass wir es schaffen können, dass Peter diese Art von Leben führen kann.

Alles, was ich tun muss, ist, Ja zu sagen, die Wahl zu nutzen, die er mir gegeben hat, aber mein Mund weigert sich, das Wort zu formen. Stattdessen höre ich mich »Nein« sagen, während ich seinen Blick erwidere und die Spannung in ihm sehe.

»Nein?«

»Nein, ich will nicht warten«, erkläre ich ihm und blende die rationale Stimme aus, die laut in meinem Kopf protestiert, während ich zuschaue, wie sich ein strahlendes, fröhliches Lächeln auf seinen Lippen formt.

Vielleicht ist das die falsche Entscheidung, aber im Moment fühlt es sich nicht so an. Peter hatte recht, als er sagte, dass das Leben kurz ist. Es ist kurz und unsicher, voller Fallstricke. Ich habe es immer vorsichtig gelebt und für die Zukunft geplant, weil ich davon ausgegangen bin, dass es eine geben würde. Aber wenn es etwas gibt, was ich in den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass es keine Garantie dafür gibt.

Es gibt nur heute, nur jetzt.

Nur uns, zusammen und verliebt.

Wir verbringen eine weitere Stunde im Park und gehen danach zusammen die Lebensmittel für die ganze Woche besorgen. Peter kauft genug für zehn Personen, und als ich ihn darauf hinweise, erklärt er mir, dass er vorhat, meine Eltern an diesem Freitag zum Abendessen einzuladen und mir außerdem jeden Tag Mittagessen zu kochen, das ich mit zur Arbeit nehmen kann.

Als wir nach Hause kommen, verschwindet er in der Küche, und ich setze mich an meinen Computer, um die per E-Mail geschickten Glückwünsche und Geschenkkarten – eine beliebte Wahl für die Mehrheit unserer Hochzeitsgäste, da niemand Zeit hatte, nach einem echten Geschenk zu suchen – durchzugehen. Ich drucke alle Geschenkgutscheine aus, sortiere sie nach Kategorien und schicke Dankesmails zurück. Das Ganze dauert weniger als vierzig Minuten – ein weiterer Vorteil unserer einfachen, schnellen Hochzeit.

Mit George brauchte ich damals zwei Wochenenden dafür.

Ich bin dabei, den Computer herunterzufahren, als ich eine weitere E-Mail in meinem Posteingang sehe – eine von einem unbekannten Absender, aber auch mit dem Betreff »Glückwunsch«.

Ich öffne sie und erwarte einen weiteren Gutschein, aber darin ist nur eine kurze Nachricht.

Herzlichen Glückwunsch zu einer wunderschönen Hochzeit. Wenn du uns jemals erreichen musst, benutze diese E-Mail-Adresse.

Mit den besten Wünschen

Yan

Ich blinzele und starre auf die E-Mail. Ich habe keine Ahnung, wie Peters ehemaliger Teamkollege an meine E-Mail-Adresse gekommen ist oder warum er sich dazu entschieden hat, mir zu schreiben, aber ich füge den Absender für alle Fälle zu meinen Kontakten hinzu.

Als ich mit den Geschenken fertig bin, folge ich den köstlichen Gerüchen in die Küche, wo Peter das Mittagessen zubereitet.

Vielleicht ist es noch zu früh, um das zu sagen, aber ich habe ein gutes Gefühl.

Diese Ehe wird funktionieren.

Wir beide werden dafür sorgen, dass sie es wird.

3

Peter

Während wir zu Mittag essen, schmecke ich kaum etwas, da meine ganze Aufmerksamkeit auf Sara liegt, die mir von den Hochzeitsgeschenken und Yans seltsamer E-Mail erzählt. Ihre haselnussbraunen Augen sehen fast grün aus, als sie lebhaft mit ihrer Gabel gestikuliert, und ihre Haut in dem hellen Sonnenlicht, das durch das Küchenfenster strömt, cremefarben. In ihrem legeren blauen Sommerkleid und mit ihren kastanienbraunen Haaren, die locker über ihre schlanken Schultern fallen, sieht sie wie mein wahrgewordener Traum aus, und meine Brust zieht sich bei der Erinnerung daran zusammen, wie es war, all die Monate ohne sie zu sein.

Ich werde sie nie wieder gehen lassen.

Sie gehört mir, bis dass der Tod uns scheidet.

»Warum hat er mir seine Kontaktdaten gegeben? Glaubst du, er will nur in Kontakt bleiben?«, fragt sie, während sie ein Stück Gurke aus ihrem russischen Salat aufspießt. Ich zwinge mich dazu, mich auf das Gespräch zu konzentrieren, anstatt darüber nachzudenken, wie gerne ich sie auf dem Tisch ausbreiten und sie anstelle des Essens, das ich zubereitet habe, genießen möchte.

»Ich habe keine Ahnung«, antworte ich, und das ist die Wahrheit. Yan Ivanov hat unser Attentatsgeschäft übernommen, nachdem ich gegangen bin, also kann ich mir nicht vorstellen, dass er mich zurückholen will. Monate zuvor gab es Spannungen zwischen uns, und ich vermute, wenn ich nicht freiwillig als Teamleiter zurückgetreten wäre, hätte er sein Bestes getan, um meinen Platz einzunehmen.

Andererseits glaubt er nicht, dass ich mich für das Zivilleben eigne; das hat er bei unserer Hochzeit gesagt. Vielleicht erwartet er also, dass ich zurückkehre, und behält die Situation für alle Fälle im Auge.

Bei Yan weiß man nie.

»Nun, ich hoffe, sie kommen uns mal besuchen«, sagt Sara. »Die Jungs, meine ich. Ich hatte keine Gelegenheit, mit ihnen auf der Hochzeit zu reden, und das tut mir leid.«

Ich ziehe meine Augenbrauen in die Höhe. »Ernsthaft? Das ist es, was dir leidtut?«

Sie richtet ihren Blick nach unten auf ihre Salatschüssel. »Und offensichtlich, dass ich dich fast versetzt hätte.«

Die Metallkanten meines Gabelstiels schneiden in meine Handfläche, und mir fällt auf, dass ich zu fest zudrücke. Ich bin nicht mehr wütend auf mein Ptichka, obwohl ein Teil der Schmerzen noch nicht verschwunden ist. Ich verstehe, wie schwierig es für sie war, zuzugeben, dass sie mich liebt, mich nach allem, was ich getan habe, vollständig zu akzeptieren. Sie brauchte es, dass ich ihr keine Wahl ließ, und ich musste ihre Freunde bedrohen, damit sie auf unserer Hochzeit erschien.

Nein, die Quelle meines Zorns ist nicht Sara, sondern der Mann, der versucht hat, sie zu manipulieren, damit sie aus unserer Hochzeit aussteigt.

Agent Ryson.

Die Tatsache, dass er es gewagt hat, einfach so aufzutauchen, erfüllt mich mit kochender Wut. Ich lasse Henderson in Ruhe, sie lassen mich und Sara in Ruhe – das war der Deal. Keine FBI-Überwachung mehr, keine Belästigung, nur eine weiße Weste, damit wir ein friedliches Leben führen können.

Er hat Sara bedroht. Sie beschuldigt, mit mir gemeinsame Sache gemacht zu haben, um ihren Mann zu töten. Ich habe keine Ahnung, was genau er zu ihr gesagt hat, aber es muss schlimm gewesen sein, so heftig wie sie reagiert hat.

Unter allen anderen Umständen würde er bereits bei den Würmern verrotten, aber ich sollte jetzt ein gesetzestreuer Bürger sein. Ich kann nicht herumlaufen und FBI-Beamten töten – nicht ohne das Leben aufzugeben, für das ich gekämpft habe, das Zivilleben, das Sara braucht. So verlockend es auch ist, Ryson lebt – zumindest noch. Später, wenn genügend Zeit vergangen ist, könnte er einen unglücklichen Unfall haben oder auf einen übermäßig aggressiven Straßenräuber treffen, so wie der Stiefvater von Saras Patientin … aber das ist ein Gedanke für einen anderen Tag.

Heute habe ich Sara ganz für mich allein, und ich werde es genießen.

»Keine Sorge, mein Liebling«, sage ich, als meine frischangetraute Ehefrau schweigend weiterisst und meinem Blick ausweicht. »Es ist vorbei. Das liegt in der Vergangenheit, genau wie alle anderen Fehler, die wir gemacht haben. Konzentrieren wir uns einfach auf die Gegenwart und die Zukunft … leben wir unser Leben, ohne andauernd zurückzuschauen.«

Sie blickt mit unsicheren Augen auf. »Glaubst du wirklich, dass wir das können?«

»Ja«, sage ich fest, und greife nach vorne, um ihre Hand für einen zarten Kuss zu meinen Lippen zu führen.

Nach dem Mittagessen sehen wir uns die Häuser an, die ich ihr gezeigt habe, und Sara verliebt sich in eines von ihnen – ein viktorianisches Haus mit fünf Schlafzimmern, das in den 80er Jahren gebaut, aber letztes Jahr komplett renoviert wurde. Es hat einen großen Garten für den Hund und die Kinder, erzählt sie mir fröhlich – und einen wunderschönen Kamin im Wohnzimmer. Es gefällt mir nicht, dass es so nah am Nachbarhaus steht und der Garten komplett offen ist, aber ich denke, wenn wir ein paar Bäume pflanzen und einen Zaun aufstellen, werden wir genügend Privatsphäre haben.

So oder so, es ist besser, als in Saras derzeitiger Wohnung zu wohnen.

Bevor wir gehen, gebe ich ein überdurchschnittlich hohes Barangebot ab, und der Makler ruft uns ein paar Minuten später an, um uns mitzuteilen, dass das Angebot angenommen wurde.

»Erledigt«, sage ich Sara, als ich auflege. »Der Vertragsabschluss ist nächste Woche.«

Ihre Augen weiteten sich. »Ernsthaft? Einfach so?«

»Warum nicht?«

Sie lacht. »Oh, ich weiß nicht. Ich nehme an, weil die meisten Leute nicht einfach Häuser wie Schuhe kaufen.«

Ich lächele und greife nach ihrer Hand. »Wir sind nicht die meisten Leute.«

»Nein«, stimmt sie schief zu und schaut zu mir auf. »Das sind wir nicht.«

Wir kehren nach Hause zurück, und ich mache uns Abendessen – gegrillte Jakobsmuscheln mit Süßkartoffelpüree und gedämpften Brokkoli. Während wir essen, spricht Sara die Umzugsplanungen an, und ich sage ihr, dass ich mich um alles kümmern werde, genau wie bei der Hochzeit.

»Alles, was du tun musst, ist, in dem neuen Haus aufzutauchen«, sage ich und gieße ihr ein Glas Pinot Grigio ein. Dann erinnere ich mich daran, wie verärgert sie über den Verkauf ihres Toyotas war, und füge hinzu: »Es sei denn, es gibt etwas, worüber du gemeinsam entscheiden möchtest? Vielleicht möchtest du neue Möbel oder Dekoration auswählen?«

Sie lächelt leicht. »Nein, überhaupt nicht. Ich bin nicht allzu wählerisch, was Hauskram betrifft. Wenn du das alles aussuchen möchtest, ist es mir recht.«

»Auf unser neues Haus.« Ich hebe mein Weinglas an und stoße es sanft gegen ihres. »Und ein neues Leben.«

»Auf unser neues Leben«, sagt sie leise, und als sie einen Schluck aus dem Glas nimmt, erinnere ich mich daran, wie sie ganz früh in unserer Beziehung versucht hat, etwas in meinen Wein zu mischen. Sie war damals so trotzig, so sicher, dass sie mich hasste.

Denkt sie das immer noch? Ein klitzekleines bisschen?

Meine Stimmung verdüstert sich, und ich stelle meinen Wein ab und stehe auf. Ich laufe um den Tisch herum und ziehe Sara hoch.

»Was tust du …?«, beginnt sie, aber ich küsse sie bereits und schmecke den Wein auf ihren Lippen.

Ihre weichen, vollen Lippen, die mich den ganzen Tag über abgelenkt haben.

Ich habe mein Bestes getan, mich wie ein guter Ehemann zu benehmen, habe all die normalen Dinge mit ihr getan, anstatt sie an mein Bett zu fesseln und sie den ganzen Tag zu ficken, wie es mein Instinkt verlangt. Ich war ruhig und geduldig, habe sie sich von gestern Abend erholen lassen, aber ich kann jetzt nicht mehr zivilisiert sein.

Ich brauche sie.

Genau hier.

Genau jetzt.

Ihre Arme legen sich um meinen Hals, und ihr schlanker Körper wölbt sich mir entgegen, als ich sie über meinen Arm nach hinten biege, unfähig, genug von ihrem Geschmack und Geruch zu bekommen, von dem Gefühl ihrer zarten Zunge, die gegen meine streicht. Sie ist verdammt köstlich, und mein Schwanz verhärtet sich, während mein Herz in meinem Brustkorb hämmert, als ich mit einer einzigen Armbewegung das Geschirr vom Tisch wische, ohne auf das Chaos zu achten, das entsteht.

Wir müssen sowieso neues Geschirr besorgen.

Sie keucht, als ich sie auf dem Tisch ausstrecke und den Rock ihres Sommerkleides hochziehe, wobei blasse Oberschenkel und ein hübscher blauer String mit Spitzenrändern zum Vorschein kommen. Da ich mich nicht länger beherrschen kann, zerreiße ich die Seide und vergrabe meinen Kopf zwischen ihren Oberschenkeln. Ich tauche meine Zunge hungrig zwischen ihre Falten und lege ihre Beine über meine Schultern, während meine Lippen sich um ihre Klitoris schließen, um fest und gierig an ihr zu saugen.

»Peter … Oh Gott, Peter …« Ihre Hüften heben sich vom Tisch, ihre Hände krallen sich fest in meine Haare, und ich habe das Gefühl, dass mein Schwanz in meiner Jeans durch ihren Geschmack, ihren warmen, femininen Duft und dem Gefühl ihres seidigen Fleisches unter meiner Zunge explodieren wird. Ich liebe alles daran, von der Art und Weise, wie ihre scharfen kleinen Nägel meinen Kopf zerkratzen und ihre muskulösen Oberschenkel meine Ohren zusammendrücken, über die keuchenden Geräusche, die ihrem Mund entweichen, bis hin zur Art und Weise, wie ihre nasse Muschi unter meiner Zunge zittert und sich zusammenzieht.

Das ist das Paradies, der verfickte Himmel, und ich kann nicht glauben, dass ich neun Monate lang ohne das – ohne sie– leben musste.

Ich schiebe einen Finger in sie hinein und fühle, wie sich ihre inneren Wände um ihn herum zusammenziehen, während ihre Hüften sich heben, um sich mir entgegenzubiegen und wortlos um mehr betteln.

»Fast da … nur noch ein bisschen länger«, stöhne ich in ihre Falten und streichele sie von innen, bis ich das Stück schwammigen Gewebes, ihren G-Punkt, finde. Ihr ganzer Körper wölbt sich nach oben, als sie mit einem lauten Schrei kommt und sich mit ihren Händen in meinem Haar festkrallt, während ihre Muschi um meinen Finger pulsiert.

Mittlerweile droht mein Schwanz in meiner Jeans zu explodieren, also ziehe ich meinen Finger aus ihr heraus und drehe sie auf den Bauch. Dann ziehe ich sie zu mir, bis sie über den Tisch gebeugt vor mir liegt, und die festen weißen Rundungen ihres Arsches und eine Muschi, die mit ihrer Nässe und meinem Speichel glitzert, durch den hochgezogenen Rock entblößt sind. Ich kann keine Sekunde länger warten, öffne den Reißverschluss meiner Jeans und schiebe diese zusammen mit meinem Slip nach unten, um meinen schmerzenden Schwanz zu befreien.

»Bereit?«, frage ich heiser, beuge mich über sie und führe mich zu ihrem Eingang, und ihr Atem stockt hörbar, als ich in sie eindringe, ohne eine Antwort abzuwarten.

Im Inneren ist sie samtweich und nass, und ihr zartes Fleisch umhüllt mich fest, so perfekt, dass sich meine Eier an meinen Körper ziehen und ein leises Stöhnen meiner Kehle entweicht, während meine Finger ihre Hüften ergreifen.

Das ist verdammt verrückt, voll und ganz verrückt. Nach unserem Gespräch gestern Abend hatten wir noch zweimal Sex, bevor wir einschliefen, und ich sollte mich nicht so fühlen, so verzweifelt hungrig nach ihr, dass ich kurz davor bin, die Kontrolle zu verlieren. Aber ich bin so hungrig. Ich bin gierig nach allen Dingen, die Sara ausmachen. Das Bedürfnis, sie zu besitzen, beherrscht mich tief in mir, und die dunkle Lust, umspielt meine Wirbelsäule. Ich fühle, wie sie in meinen Adern brennt und mich von innen nach außen entzündet.

Sie ist meine Sucht, und ich kann nicht genug von ihr bekommen.

Ich lasse ihre Hüften los, greife nach ihren Ellbogen, ziehe an ihnen, damit sich ihr Rücken wölbt, bevor ich in sie hineinstoße, und fühle, wie ihre inneren Muskeln um mich herum mich zusammenpressen, während ich anfange, sie ernsthaft zu ficken.

Sie schreit bei jedem strafenden Stoß, während ihr Oberkörper durch meinen Griff an ihren Ellbogen vom Tisch gehoben wird, und ich spüre, wie der Orgasmus in mir hochkocht, das Vergnügen wie eine Flutwelle ansteigt. Stöhnend werfe ich meinen Kopf zurück, hämmere schneller in sie hinein, und ihre Schreie verstärken sich, als sich ihre Muschi um mich herum zusammenzieht und ihr ganzer Körper sich versteift. Ich fühle, wie sie zu krampfen beginnt, und dann komme ich selbst, entleere zuckend meinen Schwanz, als ihr nasses Fleisch um mich herum pulsiert, mich melkt und mich drückt, bis nichts mehr übrig ist.

Bis ich auf ihr zusammenbreche, sie schwer atmend auf den Tisch drücke und den berauschenden Duft von Sex, Schweiß und ihr inhaliere.

Meine Sara. Meine Frau.

Meine Besessenheit.

Wir könnten eine Ewigkeit zusammen verbringen, und das wäre immer noch nicht genug.

4

Henderson

Ich liege im Bett und starre an die Decke. Die zweite Nacht in Folge kann ich nicht schlafen, da düstere Gedanken mich beschäftigen, während mein Nacken krampft.

Der Plan, den ich gerade ausarbeite, ist extrem, sogar monströs, aber ich sehe keine andere Wahl. Ich kann Sokolov nicht direkt angreifen – er und seine Braut sind zu gut bewacht. Wenn ich es versuche und versage, wird die Hölle losgehen.

Außerdem ist Sokolov nicht der Einzige, den ich eliminieren will.

Seine Verbündeten sind genauso gefährlich … für mich, für meine Familie und für die ganze Welt.

Das ist der einzige Weg.

Er und die anderen müssen bezahlen.

5

Sara

Ich wache von dem leisen Piepen meines Weckers auf. Ich schalte ihn aus, drehe mich auf den Rücken und strecke mich, wobei mir auffällt, dass ich mich sowohl wund als auch befriedigt fühle. Nachdem wir die Küche aufgeräumt und geduscht hatten, nahm mich Peter noch einmal, bevor wir einschliefen, und weckte mich mitten in der Nacht noch ein weiteres Mal.

Man sollte den Sexualtrieb dieses Mannes in Flaschen füllen und als Droge verkaufen, das würde ein Vermögen einbringen.

Ich grinse bei diesem Gedanken, springe aus dem Bett und beeile mich, zu duschen. Ich kann bereits die Köstlichkeiten riechen, die Peter in der Küche kocht, und mein Magen ist mehr als bereit, den Tag zu beginnen.

»Morgen, Ptichka«, begrüßt er mich, als ich die Küche betrete, nachdem ich mich schnell fertig gemacht und für die Arbeit angezogen habe. Auf dem Tisch stehen zwei Teller mit Avocadotoast und Ei, und auf der Theke steht ein Lunchpaket, von dem ich annehme, dass ich es zur Arbeit mitnehmen soll.

»Hi.« Mein Herzschlag beschleunigt sich, als ich ihn ansehe. Seine dunkle Jeans sitzt tief auf seinen Hüften, und die Tattoos auf seinem Arm glänzen im Morgenlicht, weil er kein Shirt trägt. Sein Körper ist ein Kunstwerk, mit perfekt definierten Muskeln und breiten Schultern, die sich zu einer schmalen Taille verjüngen. Sogar die Narben an seinem Oberkörper haben eine Art gewalttätige, gefährliche Schönheit – genau wie der Mann selbst.

»Hast du Zeit, etwas zu essen?«, fragt er, und ich nicke, während ich gegen den Drang ankämpfe, über meine Lippen zu lecken, als er seine Bauchmuskeln vor mir anspannt.

Vielleicht ist Peter nicht der Einzige mit einer verrückten Libido.

Dieser Zustand könnte ansteckend sein.

»Ich habe fünfzehn Minuten«, sage ich heiser und zwinge mich, zum Tisch anstatt zu ihm zu gehen. Wenn ich ihm jetzt einen Guten-Morgen-Kuss gebe, landen wir wieder im Bett.

»Gut. Ich bringe dich heute Morgen zur Arbeit«, sagt er und setzt sich zu mir an den Tisch. Er nimmt seinen Toast, beißt in ihn hinein, und ich mache dasselbe mit meinem und genieße den würzigen Limettengeschmack, kombiniert mit dem pikanten Spiegelei und dem knackigen Roggenbrot.

»Wirst du eine anstrengende Woche haben?«, fragt er, als ich mit meinem Toast fast fertig bin, und ich nicke und säubere meine Lippen mit einer Serviette.

»Ja. Ich habe sehr viel zu tun. Wendy und Bill, meine Chefs, sind gerade im Urlaub, also übernehme ich einige ihrer Patienten zusätzlich zu meinen eigenen. Oh, und ich werde morgen Nachmittag die Geburt bei einer meiner Patientinnen einleiten, also werde ich wahrscheinlich spät nach Hause kommen. Außerdem habe ich in der zweiten Hälfte der Woche einige Schichten in der Klinik.«

»Ich verstehe.« Peters Ausdruck ist neutral, aber ich spüre eine subtile Verdunkelung seiner Stimmung. Er ist nicht glücklich darüber, und ich kann es ihm nicht verübeln.

Ich würde auch lieber mehr Zeit mit ihm verbringen, als zur Arbeit zu gehen.

»Kommst du heute zum Abendessen nach Hause?«, fragt er, und ich lächele, weil ich froh bin, an dieser Stelle gute Nachrichten für ihn zu haben.

»Das sollte ich. Wenn es keine Notfälle gibt.«

»Schön.« Er steht auf. »Ich hole mir ein Shirt, und dann fahre ich dich zur Arbeit.«

»Danke – und danke für das leckere Frühstück«, rufe ich ihm nach, aber er ist schon im Schlafzimmer.

6

Peter

Saras Arbeitsplatz ist einen Spaziergang von ihrer Wohnung entfernt, so dass die Fahrt nur wenige Minuten dauert. Viel zu früh halte ich am Bordstein und gebe Sara ihr Mittagessen, während ich mich die ganze Zeit so fühle, als würde ich lieber meinen Arm opfern, als sie aussteigen zu lassen. Ich hasse es, dass ich sie den ganzen Tag nicht sehen werde, dass ich sie bis zum Abend nicht berühren oder mit ihr reden kann. Es ist noch schwieriger als letzte Woche, weil wir diesen Sonntag zusammen verbringen durften – und ich jetzt weiß, wie sich das Paradies anfühlt.

Es ist das, was wir damals in Japan hatten, nur ohne die bittere Feindseligkeit – ohne dass Sara es mir übelnimmt, dass ich sie von ihrer Karriere und allen, die sie liebt, weggerissen habe.

Ich muss meine ganze Kraft aufwenden, um ruhig sitzen zu bleiben, während sie meine Wange küsst und flüstert: »Ich liebe dich. Bis nachher«, bevor sie aus dem Auto springt.

Ich beobachte, wie ihre schlanke Gestalt in dem Bürogebäude verschwindet, und dann schreibe ich der Crew, um ihr Anweisungen für Saras Überwachung zu geben.

Wenn ich nicht bei ihr sein kann, weiß ich wenigstens, wo sie ist und was sie tut.

Zumindest werde ich wissen, dass sie in Sicherheit ist.

Ich verbringe den Vormittag damit, die Gelder für den Vertragsabschluss am Donnerstag zu überweisen und den bevorstehenden Umzug zu organisieren. Ich plane, bis nächste Woche im neuen Haus einzuziehen, was bedeutet, dass noch viel Arbeit zu erledigen ist. Es wurde zwar gerade renoviert und deswegen sind keine größeren Arbeiten erforderlich, aber ich muss die richtigen Sicherheitsmaßnahmen installieren.

Vorort oder nicht … unser Haus wird eine Festung sein, und niemand – schon gar nicht Agent Ryson – wird Sara noch einmal zu Hause überfallen können.

Es ist mitten am Nachmittag und ich wasche gerade das Gemüse für das Abendessen, als mein Telefon auf der Arbeitsplatte vibriert. Ich drücke mit einem halbtrockenen Finger auf den Bildschirm und überfliege Saras Nachricht.

Es tut mir so leid. Die Klinik hat gerade angerufen. Sie sind völlig überlastet und haben mich gebeten, heute Abend zu kommen. Es wird nur bis etwa zehn Uhr sein. Es tut mir wirklich leid.

Die Zucchini, die ich gerade gewaschen habe, zerbricht in zwei Hälften, und ich schiebe das Telefon mit meinem Ellenbogen weg, um zu vermeiden, dass es das gleiche Schicksal erleidet.

Ich hätte es wissen müssen. »Wenn keine Notfälle auftreten« ist der Code für »ein Notfall wird eintreten.« Das war vor Japan so, und obwohl Saras aktueller Job weniger auf die Geburtshilfe ausgerichtet ist, hat sich ihre Einstellung nicht geändert.

Für sie steht immer noch die Arbeit an erster Stelle, sogar die ehrenamtliche Tätigkeit in der Klinik.

Ich brauche zwanzig Minuten, um mich zu beruhigen und wieder rational zu denken. Saras Karriere ist einer der Gründe, warum ich all die Schwierigkeiten mit Novak und Esguerra hatte, warum ich zugestimmt habe, meine Rache an Henderson aufzugeben. Eine Ärztin zu sein, die Patienten hilft, ist ihr wichtig; sie braucht ihre Karriere so sehr, wie sie die Nähe zu ihrer Familie und ihren Freunden braucht. Ich wusste das bereits, als ich sie geraubt habe, aber es war mir damals egal.

Alles, was zählte, war, sie bei mir zu haben.

Jetzt, da ich sie habe und sie glücklich ist, kann ich nicht zu dieser Einstellung zurückkehren, kann nicht vergessen, wie es war, als ich die Quelle ihres Unglücks war, als ich jedes Mal, wenn sie mich anschaute, die Qualen in ihren Augen sah.

Das ist jetzt anders. Was auch immer ihre restlichen Vorbehalte sind, sie hat endlich zugegeben, dass sie mich liebt – mich genug liebt, um mein Kind zu bekommen.

Eine Tochter oder einen Sohn … wie Pascha.

Einen Moment lang tut es wieder weh, zu atmen, aber dann vergeht der Schmerz und hinterlässt ein bittersüßes Brennen. Ich konnte in den letzten Monaten immer mehr an Pascha denken, ohne dass die Wut die Erinnerungen vergiftet hat. Und ich weiß, dass es ihretwegen ist.

Wegen meines kleinen Singvogels, den ich so gern wieder einsperren will.

Ich atme tief ein, lasse die Luft langsam wieder heraus und konzentriere mich auf die beruhigende Aufgabe, das Abendessen zu kochen.

Wenn Sara heute Abend nicht nach Hause kommen kann, muss ich eben zu ihr gehen.

7

Sara

Ich erwarte, dass mich jemand von Peters Crew in die Klinik bringt, aber Peter selbst wartet am Straßenrand auf mich.

Ich grinse, und ein Teil meiner Müdigkeit verschwindet, als seine Augen über meinen Körper gleiten, bevor sie sich hungrig auf meinem Gesicht niederlassen.

»Hi.« Ich gehe direkt in seine Umarmung und atme tief ein, während seine starken Arme sich um mich schließen und mich fest gegen seine Brust drücken. Er riecht warm, sauber und ausgesprochen männlich – ein vertrauter Duft nach Peter, den ich mittlerweile mit Trost verbinde.

Er hält mich einige Momente lang fest, bevor er sich zurückzieht, um mich anzusehen. »Wie war dein Tag, mein Liebling?«, fragt er leise und streicht mir die Haare aus dem Gesicht.

Ich strahle ihn an. »Verrückt vollgepackt, aber jetzt ist alles gut.« Ich bin, auch wenn das dumm ist, überglücklich, dass er mich selbst in die Klinik bringen wird.

Er grinst mich an. »Du hast mich vermisst, oder?«

»Das habe ich«, gebe ich zu, als er die Autotür öffnet und mir hineinhilft. »Das habe ich wirklich.«

Sein Antwortlächeln lässt mich in meinem Sitz schmelzen. »Und ich habe dich vermisst, Ptichka.«

»Es tut mir leid, dass ich das tun muss«, sage ich, als wir auf die Straße fahren. Im Auto riecht es köstlich, und mein Magen knurrt, als ich sage: »Ich hatte mich wirklich auf ein schönes Abendessen zu Hause mit dir gefreut.«

Peter blickt mich an. »Ich habe dir Abendessen mitgebracht. Es ist auf dem Rücksitz.«

»Das hast du?« Ich drehe mich auf meinem Sitz um und entdecke die Quelle des köstlichen Geruchs – eine weitere Lunch-Tüte. »Wow, danke. Das hättest du nicht tun müssen, aber ich weiß es wirklich zu schätzen.« Ich strecke mich, nehme die Tüte und stelle sie auf meinen Schoß.

Ich wollte ein paar Brezeln an einem Automaten in der Klinik kaufen, aber das ist unendlich viel besser.

»Warum musst du das tun?«, fragt Peter und hält an einer roten Ampel an. Sein Tonfall ist entspannt, aber ich lasse mich nicht täuschen.

Er hat sich auch auf unser Abendessen gefreut.

»Es tut mir wirklich leid«, sage ich, und ich meine es ernst. Als Lydia, die Empfangsdame der Klinik, mich mittags anrief, hätte ich ihre Bitte beinahe abgelehnt – aber am Ende gewann das Wissen, dass ein paar Dutzend Frauen ihre Krebsvorsorge und die notwendige pränatale Versorgung verpassen würden, wenn ich nicht auftauchte. »Heute fehlen Freiwillige, und ich konnte sie nicht im Stich lassen.«

Er schaut mich von der Seite an. »Konntest du nicht?«

Ich halte mitten beim Öffnen der Lunch-Tüte inne. »Nein«, sage ich ruhig. »Das konnte ich nicht.«

Genau davor hatte ich die ganze Zeit Angst. Ich hatte vermutet, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis meine Überstunden anfangen würden, Peter zu stören, und es sieht so aus, als hätte ich mir zu Recht Sorgen gemacht.

Angespannt bereite ich mich darauf vor, ein Ultimatum zu hören, aber Peter drückt einfach aufs Gas und beschleunigt sanft.

»Iss, mein Liebling«, sagt er im gleichen entspannten Tonfall. »Du hast nicht viel Zeit.«

Ich folge seinem Rat und stürze mich auf das Essen – gemischtes Gemüse mit Couscous und gebratenem Huhn. Die Gewürze erinnern mich an den köstlichen Lammspieß, den Peter in Japan für uns zubereitet hat, und ich esse alles in wenigen Minuten auf.

»Danke«, sage ich und wische mir den Mund mit einem Papiertuch ab, das er zusammen mit dem Besteck eingepackt hat. »Das war unglaublich.«

»Gern geschehen.« Er biegt in die Straße ein, in der sich die Klinik befindet, und parkt direkt vor dem Gebäude. »Komm, ich bringe dich rein.«

»Oh, du musst nicht …« Ich halte inne, weil er bereits um das Auto herumläuft.

Er öffnet mir die Tür, hilft mir heraus und führt mich zum Gebäude, so als ob ich weglaufen könnte, wenn er nicht eine Hand auf meinem Rücken liegen hat.

Ich erwarte, dass er sich von mir verabschiedet, als wir die Tür erreichen, aber er kommt mit mir hinein.

Verwirrt bleibe ich stehen und schaue zu ihm auf. »Was hast du vor?«

»Da bist du ja!« Lydia eilt auf mich zu, ihr rundes Gesicht sieht erleichtert aus. »Gott sei Dank. Ich dachte schon, du würdest nicht … Oh, hallo.« Sie errötet und starrt Peter mit einem Blick an, den ich nur so deuten kann, dass sie für ihn mehr als schwärmt.

»Peter wollte einfach …«, beginne ich, aber er lächelt und tritt vor.

»Peter Garin. Wir haben uns auf unserer Hochzeit getroffen«, sagt er und streckt seine Hand aus.

Die Augen der Empfangsdame werden groß, und sie ergreift seine Hand und schüttelt sie heftig. »Lydia«, sagt sie atemlos. »Nochmals herzlichen Glückwunsch. Das war eine tolle Hochzeit.«

»Danke.« Er grinst sie an, und ich kann fast spüren, wie sie innerlich in Ohnmacht fällt. »Sara hat mir gerade gesagt, dass heute Freiwillige fehlen. Ich bin natürlich kein Arzt, aber vielleicht kann ich heute Abend etwas tun, um hier zu helfen? Vielleicht gibt es einige Akten, die sortiert werden müssen, oder etwas, was repariert werden muss? Wir haben vorerst nur ein Auto, und ich möchte nicht hin und her fahren, um Sara abzuholen.«

»Oh, natürlich.« Lydias Aufregung nimmt sichtbar zu. »Es gibt so viel zu tun. Und haben Sie gesagt, dass Sie handwerklich begabt sind? Sie sich vielleicht auch mit Computern aus? Weil es dieses hartnäckige Softwareprogramm gibt …«

Sie führt ihn plappernd weg, und ich starre ungläubig hinterher, als mein Attentäter-Ehemann um die Ecke verschwindet, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen.

8

Peter

Ich helfe Lydia bei ihrem Softwareproblem, repariere einen undichten Wasserhahn und hänge ein paar dekorative Elemente im Wartebereich auf, während zwei Dutzend Frauen – viele von ihnen schwanger – mich fasziniert beobachten.

Als einzige Ärztin an diesem Abend hat Sara einen endlosen Ansturm von Patienten, also störe ich sie nicht. Es reicht mir, zu wissen, dass sie nur ein paar Zimmer entfernt ist und ich sie in einer Minute erreichen kann, wenn es sein muss.

Sobald alle dringenden Aufgaben erledigt sind, kann ich mit der Montage eines Ultraschallgerätes beginnen, das ein örtliches Krankenhaus gespendet hat. Ich habe noch nie zuvor mit medizinischen Geräten gearbeitet, aber ich war immer gut darin, Dinge zusammenzubauen – Waffen, Sprengstoff, Kommunikationsgeräte – also brauche ich nicht lange, bis ich herausgefunden habe, was wozu gehört und wie man es testet, um sicherzustellen, dass es funktioniert.

»Oh mein Gott, Sie sind ein Lebensretter, genau wie Ihre Frau«, ruft Lydia, als ich es ihr zeige. »Wir warten seit Monaten darauf, dass ein Techniker vorbeikommt, und das wird uns so sehr weiterhelfen! Sara hat jetzt ihre letzte Patientin. Glauben Sie, Sie haben vielleicht noch Zeit, diesen einen Schrank zu reparieren? Er hängt locker und …«

»Kein Problem.« Ich folge ihr in einen der Untersuchungsräume und befestige den betreffenden Schrank mit einigen Schrauben, um sicherzustellen, dass er nicht hinunterfällt.

»Sie sind so gut darin«, schwärmt die Empfangsdame, als ich fertig bin. »Kommen Sie aus dem Baugewerbe? Sie scheinen so gut mit dem Bohrer umgehen zu können und so …«

»Ich habe als Teenager bei einigen Bauprojekten geholfen«, sage ich, ohne genauer darauf einzugehen. Diese Frau braucht nicht zu wissen, dass die »Projekte« Zwangsarbeit in einer Jugendversion eines sibirischen Gulag waren.

»Oh, das dachte ich mir.« Sie strahlt mich an. »Ich gehe nachsehen, ob Sara fertig ist.«

»Gerne.« Ich lächele sie an. »Ich möchte meine Frau nach Hause bringen.«

Die Empfangsdame eilt weg, und ich strecke meine Arme aus und löse die Steifheit meiner Muskeln. Es ist erst ein paar Tage her, seit ich zurückgekommen bin, aber ich werde bereits unruhig, sehne mich danach, mich zu bewegen und körperlich aktiv zu werden. Nachdem ich das Abendessen gekocht hatte, ging ich für eine längere Zeit in den Park und war in einer Boxhalle, um etwas Dampf abzubauen, aber ich brauche mehr.

Ich brauche eine Herausforderung.

Zum ersten Mal überlege ich ernsthaft, was ich für den Rest meines Lebens machen werde. Dank des Doppelgigs von Esguerra-Novak habe ich genug Geld für mich, Sara und ein Dutzend Kinder und Enkelkinder – besonders wenn wir uns nicht daran gewöhnen, Privatflugzeuge, Spezialwaffen oder andere teure Requisiten zu kaufen. Ich muss nicht arbeiten, um für uns zu sorgen, und ich hatte keine anderen Pläne, außer Sara zu bekommen und sie an mich zu binden – zum Teil, weil ich die Ausfallzeiten zwischen den Jobs immer genossen habe.

Jetzt beginne ich zu erkennen, dass das daran lag, dass ich wusste, dass die Freistellung vorübergehend war, dass eine weitere herausfordernde, adrenalingeladene Mission vor mir lag. Jetzt gibt es nichts mehr – nur eine Reihe von ruhigen, friedlichen Tagen, die sich bis in die Unendlichkeit erstrecken.

Tage, an denen ich nur an Sara denken werde, während ich darauf warte, dass sie nach Hause kommt.

»Peter?« Sara steckt ihren Kopf in den Raum, und ein breites Lächeln erhellt ihr Gesicht, als sie mich erblickt. »Ich bin bereit, nach Hause zu gehen.«

»Dann lass uns gehen«, sage ich und verschiebe das Problem auf einen anderen Tag.

Ich werde später darüber nachdenken, was ich mit meiner Zeit machen soll.

In diesem Moment habe ich meinen Ptichka, und er ist alles, was ich brauche.

9

Sara

Die nächsten zwei Tage vergehen durch den Haufen Arbeit wie im Flug. Am Dienstag bleibe ich für eine Geburt lange im Krankenhaus, und am Mittwoch habe ich eine weitere Schicht in der Klinik, wo ich wieder einmal die einzige Ärztin bin, die alle Patientinnen behandeln muss.

Es ist anstrengend, aber es macht mir nichts aus, denn Peter findet einen Weg, beide Abende in meiner Nähe zu verbringen – am Dienstag, indem er sich im Snacktime Café im Krankenhaus um seine E-Mails kümmert, damit ich ihn sehen kann, während ich darauf warte, dass meine Patientin bereit ist, das Baby zu bekommen. Am Mittwoch meldet er sich erneut freiwillig für alle Hilfsarbeiten in der Klinik.

»Warum tust du das?«, frage ich ihn, während wir zur Klinik fahren. »Ich meine, versteh mich nicht falsch, ich bin sehr froh, dass du das tust – und Lydia ist mit Sicherheit überglücklich. Aber ist es wirklich das, was du willst?«

Er blickt mich an, und seine Augen leuchten silbern. »Was ich will, ist, dich rund um die Uhr in meinem Bett zu haben. Oder, wenn das nicht geht, immer mit Handschellen an mich gekettet. Aber da ich weiß, wie viel dir deine Karriere bedeutet, begnüge ich mich mit dem Nächstbesten.«

Ich starre ihn an, weil ich mir nicht sicher bin, wie ich reagieren soll. Bei jedem anderen Mann wäre ich überzeugt, dass es ein Witz ist, aber bei Peter kann ich mir da nicht sicher sein. Besonders deshalb nicht, weil ich verstehe, wie er sich fühlt.

Ich vermisse ihn auch sehr, wenn wir getrennt sind.

Wir kommen eine Minute später in der Klinik an, und ich gehe mich auf eine Flut von Patienten vorbereiten, während Lydia sich Peter schnappt, um einige Möbel umzustellen. Von sieben bis zehn Uhr sehe ich Frauen mit kleineren und größeren Problemen, bis ein vertrauter Name auf meiner Liste auftaucht.

Monica Jackson.

Meine Brust zieht sich schmerzhaft zusammen. Das achtzehnjährige Mädchen kam letzte Woche nach einem zweiten brutalen Übergriff ihres Stiefvaters zu mir, der wegen einer Formalität aus dem Gefängnis kam, anstatt seine siebenjährige Haftstrafe zu verbüßen, weil er sie vergewaltigt hatte, als sie siebzehn war. Ich hatte ihr damals geholfen und ihr etwas Geld gegeben, um die finanzielle Abhängigkeit ihrer alkoholkranken Mutter von dem Bastard zu mindern, aber letzte Woche konnte ich nichts tun. Monica hatte Angst, dass ihr Stiefvater das Sorgerecht für ihren jüngeren Bruder einfordern und gewinnen würde – oder dass das Kind im Pflegeheim landen würde.

Ihre hoffnungslose Situation hatte mich so sehr erschüttert, dass ich eine ganze Stunde lang geweint hatte.

Ich atme tief durch, setze mein ruhigstes Gesicht auf und stehe auf, als das Mädchen den Raum betritt. »Monica. Wie geht es dir?«

»Hi, Dr. Cobakis.« Ihr kleines Gesicht sieht so strahlend aus, dass ich sie fast nicht wiedererkenne. Selbst die noch sichtbaren, erst halb verheilten Blutergüsse mindern ihr Strahlen nicht. »Ich bin bereit für meine Spirale.«

Ich blinzele angesichts ihrer Begeisterung. »Wunderbar. Ich nehme an, es geht dir besser?«

Sie nickt und springt auf den Untersuchungsstuhl. »Ja, viel besser. Und wissen Sie was?«

»Was?«

Sie grinst. »Er kann mich nicht mehr belästigen. Nie wieder. Letzte Woche war er nachts auf dem Weg zur Arbeit, als er in einer Gasse überfallen wurde. Sie haben ihm die Kehle durchgeschnitten, können Sie das glauben?«

»Sie … was?« Ich sinke zurück in meinen Stuhl, weil meine Beine nachgeben.

Ihr Grinsen verblasst, und sie wirft mir einen reumütigen Blick zu. »Es tut mir leid. Das klang gemein, nicht wahr?«

»Ähm, nein. Das ist …« Ich schüttele den Kopf, um ihn frei zu bekomme. »Hast du gesagt, jemand hat ihm die Kehle aufgeschlitzt?«

»Ja, die Straßenräuber oder der Straßenräuber. Die Polizei weiß nicht, wie viele es waren. Seine Brieftasche wurde jedoch geklaut, also waren sie definitiv hinter seinem Geld her.«

»Ich verstehe.« Ich klinge erstickt, aber ich kann nichts dagegen tun. Die Erinnerung an die beiden Methheads, die Peter getötet hat, um mich zu schützen, ist so lebhaft in meinem Kopf, dass ich den kupferroten Gestank des Todes rieche und ihre marionettenartigen Körper, unter denen sich dunkle Blutlachen ausbreiten, vor mir sehe.

So viel Blut, dass ihre Kehlen aufgeschlitzt worden sein müssen.

»Dr. Cobakis? Geht es Ihnen gut?«

Das Mädchen klingt besorgt – ich muss blass geworden sein.

Mit Mühe reiße ich mich zusammen und lächele beruhigend. »Ja, es tut mir leid. Nur ein paar unangenehme Assoziationen, das ist alles.«

»Oh, das tut mir leid. Ich wollte Sie nicht aufregen. Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass ich glücklich bin, dass er tot ist. Es ist nur, dass …«

»Du bist froh, dass er aus deinem Leben verschwunden ist. Das verstehe ich.« Ich stehe wieder auf und gebe Monica so ruhig wie möglich einen in Plastik verpackten Einwegumhang. »Bitte zieh dich um. Ich bin gleich wieder bei dir.«

Ich lasse das Mädchen allein und trete hinaus, wobei meine Beine zittern und meine Lungen um Luft kämpfen.

Letzte Woche, nachdem ich von dem zweiten Übergriff auf Monica erfahren hatte, habe ich nicht nur geweint.

Ich habe mich Peter anvertraut und ihm genau erzählt, was passiert war.

Wenn das kein makabrer Zufall ist, dann hatte Agent Ryson recht.

Ich bin so ein Monster wie Peter. Ich habe Monicas Stiefvater getötet, indem ich die tödlichste Waffe auf ihn gerichtet habe, die ich kenne.

Meinen frisch angetrauten Ehemann.

10

Sara

Ich kann immer noch nicht atmen, als ich mit Peter ins Auto steige, da das Gewicht von dem, was Monica mir erzählt hat, wie ein Eisberg auf meine Brust drückt.

»Was ist los, Ptichka?«, fragt er, als wir losfahren. »Geht es dir gut?«

Ich will hysterisch lachen. Geht es mir gut? Sollte es mir gut gehen?

Gibt es ein Wellnessbarometer dafür, dass man versehentlich einen Mord in Auftrag gegeben hat?

»Sara?«, fragt Peter nach und blickt mich an, und obwohl sein Ton leicht neugierig ist, schimmert dunkles Wissen in seinem Blick.

Er muss Monica in der Klinik gesehen haben.

Welche Hoffnungen ich auch immer gehabt hatte, dass dies ein schrecklicher Zufall ist, sie lösen sich in Luft auf und hinterlassen ein immer stärker werdendes Entsetzen.

Peter hat diesen Mord für mich begangen.

Das Blut seines Opfers klebt an meinen Händen.

Es hat keinen Sinn, zu fragen, aber ich kann nicht anders. Ich muss die Worte laut hören. »Hast du es getan?«

Ich erwarte von ihm, dass er mich hinhält oder es leugnet, aber er antwortet ohne zu zögern und ohne seine Augen von der Straße vor uns zu lösen. »Ja.«

Ja.

Da war es. Ganz klar und deutlich.

Er hat einen Mann für mich getötet.

Ihm die Kehle durchgeschnitten, genau so, wie er es bei diesen Methheads getan hat.