G.F. Barner Classic 7 – Western - G.F. Barner - E-Book

G.F. Barner Classic 7 – Western E-Book

G. F. Barner

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Beschreibung

Packende Romane über das Leben im Wilden Westen, geschrieben von einem der besten Autoren dieses Genres. Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. Interessiert? Dann laden Sie sich noch heute seine neueste Story herunter und das Abenteuer kann beginnen. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Auto r wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde quasi als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Sein überragendes Werk beläuft sich auf 764 im Martin Kelter Verlag erschienene Titel. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. So unterschiedliche Romanreihen wie "U. S. Marines" und "Dominique", beide von ihm allein geschrieben, beweisen die Vielseitigkeit dieses großen, ungewöhnlichen Schriftstellers. Western von G. F. Im Saloon brennen mehr als ein halbes Dutzend Lampen. An den Wänden verteilt werfen sie ihren Schein hell und breit auf Tische und Bänke. Hinter dem Tresen gibt es sogar drei Lampen und Lee Dorlan, der mit einem Riesenschritt hereinkommt, hat sie genau vor sich, das Knallen der Tür aber in den Ohren. Dieser Knall ist es, der die Männer am Tresen und an den Tischen zusammenzucken läßt. Pattsy Derrek und Joane Wood, beide im Saloon als Amüsiergirls beschäftigt, kraulen gerade einem Freund den Bart. Sie stehen dicht bei ihm und reden von jeder Seite auf ihn ein. Beim Anblick Lees fahren sie alle sichtbar zusammen. Lees Gesicht sieht aus, als hätten es zwei Rinder überrannt. Das Gesicht ist geschwollen, in seinem Haar klebt etwas Blut, und einige Strähnen seines schwarzen und wilden Haares hängen ihm in die Stirn. Überhaupt ist der erste Eindruck, den Lee Dorlan im Saloon hinterläßt, wild genug, um sämtliche Leute erschrecken zu lassen. Jeder erinnert sich an die drei, vier blitzschnellen Schläge, die Lee austeilte und die ­Peale zu Boden schickten. Und wer es nicht gesehen hat, wie der späte Nachmittag den Jungen in Aktion sah, der hat es gehört. Der Fremde am Tresen dreht sich langsam um, als die beiden Girls schweigsam werden. Ein großer, hagerer Mann mit braunem Haar, durchdringenden Augen, einer kleinen Narbe hoch an der Stirn und zwei Revolvern. Der Keeper hinter dem Tresen schenkt gerade ein Bier ein und hält das Glas fest in der Hand, die andere Hand hat er am Zapfhahn, aber er läßt das Bier laufen. Und erst das über den Glasrand rinnende Hopfengebräu mit der natürlichen Kühle macht ihn munter und bringt ihn aus der Starre. Ein hastiger Griff, ein unterdrückter Fluch, und der Hahn ist zu. "Lee Dorlan sieht nach links, genau in die Ecke.

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G.F. Barner Classic – 7 –

Ritt mit dem Teufel

Lee Dorlan gehört nicht zu den Männern, die sich ducken

G.F. Barner

Im Saloon brennen mehr als ein halbes Dutzend Lampen. An den Wänden verteilt werfen sie ihren Schein hell und breit auf Tische und Bänke. Hinter dem Tresen gibt es sogar drei Lampen und Lee Dorlan, der mit einem Riesenschritt hereinkommt, hat sie genau vor sich, das Knallen der Tür aber in den Ohren.

Dieser Knall ist es, der die Männer am Tresen und an den Tischen zusammenzucken läßt. Pattsy Derrek und Joane Wood, beide im Saloon als Amüsiergirls beschäftigt, kraulen gerade einem Freund den Bart. Sie stehen dicht bei ihm und reden von jeder Seite auf ihn ein.

Beim Anblick Lees fahren sie alle sichtbar zusammen. Lees Gesicht sieht aus, als hätten es zwei Rinder überrannt.

Das Gesicht ist geschwollen, in seinem Haar klebt etwas Blut, und einige Strähnen seines schwarzen und wilden Haares hängen ihm in die Stirn.

Überhaupt ist der erste Eindruck, den Lee Dorlan im Saloon hinterläßt, wild genug, um sämtliche Leute erschrecken zu lassen. Jeder erinnert sich an die drei, vier blitzschnellen Schläge, die Lee austeilte und die ­Peale zu Boden schickten. Und wer es nicht gesehen hat, wie der späte Nachmittag den Jungen in Aktion sah, der hat es gehört.

Der Fremde am Tresen dreht sich langsam um, als die beiden Girls schweigsam werden.

Ein großer, hagerer Mann mit braunem Haar, durchdringenden Augen, einer kleinen Narbe hoch an der Stirn und zwei Revolvern.

Der Keeper hinter dem Tresen schenkt gerade ein Bier ein und hält das Glas fest in der Hand, die andere Hand hat er am Zapfhahn, aber er läßt das Bier laufen. Und erst das über den Glasrand rinnende Hopfengebräu mit der natürlichen Kühle macht ihn munter und bringt ihn aus der Starre. Ein hastiger Griff, ein unterdrückter Fluch, und der Hahn ist zu.

»Lee Dorlan sieht nach links, genau in die Ecke. Dort sitzen vier Männer am Tisch, aber für drei von ihnen

hat Lee kein Interesse. Er sieht nur Cole Peale, und seine hellen Augen flammen einmal hell und lodernd

auf.

Dann verengen sich seine Augen, seine Wangenknochen treten scharf hervor, sein Mund ist ein gerader Strich.

»Peale, steht auf!« sagt Lee Dorlan fauchend. »Steh auf und komm hinter dem Tisch hervor. Ich hoffe, du hast deinen Revolver bei der Hand!«

Jemand japst laut und hoch.

Die Köpfe der Leute fahren alle ruckhaft nach rechts oder links, je nachdem, wie sie gerade sitzen. Jeder Mann sieht Peale an, einen fleischigen, dicklichen Mann mit einem Pausbackengesicht, dem niemand seine Hinterlist und Tücke beim Kartenspiel zutrauen würde.

Peale hat leicht rötliche Haare, sehr helle Augenbrauen und einen weichlichen, aber von links im Winkel einen etwas geschwollenen Mund. An seiner Stirn ist ein rotblauer Fleck.

Seine leicht hervorstehenden Kalbsaugen sind auf Lee Dorlan gerichtet. Dann verzieht sich sein sonst gleichmütiges Pokergesicht zu einem schiefen Grinsen, das durch die Schwellung der Lippen noch schiefer wirkt. Er sieht mehr nach einem Frosch aus.

»Geh nach Hause, Junge«, sagt ­Peale heiser. »Du hast mich einmal treffen können, es würde dir nie wieder glücken. Ich war zu überrascht. Geh nach Hause und jammere dich bei deinem Alten aus. Hat er dich ein wenig verprügelt? Es sieht fast danach aus.«

Lee Dorlans Augen funkeln wieder, er atmet durch die Nase aus und sagt dann scharf:

»Ich sagte, daß du aufstehen sollst, Peale. Wenn du es nicht tust, dann schieße ich dir die Ohren ab. Stehst du auf oder willst du dich vor allen Leuten einen Feigling nennen lassen?«

Peales Gesicht zuckt, dann streckt er die linke Hand mit den Karten aus, legt sein Blatt auf den Tisch und zieht die linke Hand wieder bis an die Tischkante zurück. Dort umklammert er das Holz will sich aufstützen, blickt aber an Lee vorbei auf die Tür und atmet erleichtert aus.

In der Saloontür, die leicht klappt, taucht Sheriff Radley auf, den Revolver in der Hand.

Er steht einen Schritt hinter Lee Dorlan.

»Moment, Junge«, sagt Radley heiser. »Hier wird nicht geschossen. Du gibst mir jetzt deinen Revolver und reitest dann wieder nach Hause.«

»Ich bringe ihn nicht gern um, Radley«, meldet sich Peale mit seiner etwas öligen Stimme. »Nimm ihm den Revolver weg und schicke ihn nach Hause. Er ist ja noch grün hinter den Ohren.«

Lee Dorlan zuckt leicht zusammen, beherrscht sich aber meisterhaft. Und einige Leute wundern sich über diese Gabe, die seinem Vater absolut fehlt.

»Gut«, sagt Lee trocken. »Radley, wie du willst. Hast du deinen Revolver…«

Er sieht sich um. Radley hat wirklich einen Revolver in der Faust und zielt auf seinen Rücken. Die Situation ist hoffnungslos.

Müde läßt Lee Dorlan die Schultern hängen und nickt bitter. Dann senkt sich seine Hand. Er zieht wirklich den Revolver aus seinem Halfter und packt ihn am Laufende.

»Nun gut, nun gut«, murmelt er heiser. »Sheriff, da ist der Colt.«

Sheriff Radley streckt die Hand aus, greift nach dem Kolben des Revolvers. Lee Dorlan hält den Kopf gesenkt.

Die Hand Radleys will sich gerade um den Revolver schließen, als sich Lee Dorlan mit ungeahnter Schnelligkeit bewegt.

Niemand im Saloon hat diese Schnelligkeit erwartet, auch Radley nicht.

Lee Dorlan springt jäh vorwärts. Es geht so schnell, daß kaum einer die Bewegung Lees richtig erkennt.

Der Revolver in Lees Hand schießt von unten nach oben und genau unter die Achselhöhle von Radleys rechtem Arm. In der rechten Hand Radleys liegt sein Colt, aber Radley kann schon nichts mehr tun. Der blitzschnelle Sprung Lees jagt den Coltkolben genau unter die Achsel des Sheriffs und drückt den Arm nach hinten hoch. Im gleichen Augenblick zieht der Junge sein rechtes Knie an und rammt den Sheriff. Dann erst zuckt seine Hand mit dem alten Eagle-Colt zurück und fährt hoch.

»Du verdammter Narr«, sagt der Junge fauchend und schlägt zu. »Warum hältst du mich auf?«

Der Sheriff fällt zu Boden und bleibt reglos liegen.

Am Tresen aber sagt jemand kurz und warnend: »Der Spieler, Junge.«

Es sind nur drei Worte, aber Lee wirft sich sofort nach links herum. Der Revolver in seiner Hand glänzt im Lampenlicht.

Hinter dem Tisch schnellt die Hand von Peale unter die bestickte Weste. Dann kommt sie auch schon heraus, und der Bullcolt richtet sich auf Lee Dorlan.

Noch nie hat Lee mitten in die Mündung eines Revolvers gesehen, aber nun passiert es doch.

Was immer Peale zu tun gedenkt, in jedem Fall kann es ein Versuch sein, dem Sheriff zur Hilfe zu kommen.

Lee aber erkennt nur die Mündung, die auf seinen Kopf deutet und wirft sich ohne jede Überlegung, einfach aus einem inneren Antrieb heraus, auf den Boden.

Er ist kaum weggetaucht, als es aus dem Bullcolt aufbrüllt und die Kugel haarscharf über seinen Kopf hinwegstreicht, um in den linken Türbalken zu klatschen.

Dorlan berührt den Boden, sieht von hier aus genau unter dem Tisch her, an dem drei Männer nach den Seiten zu Boden fallen. Er kann auch die Beine des Spielers sehen.

Lee Dorlan drückt ab, als Peale noch einmal feuert und die Kugel kurz und zupfend die Jacke über seiner Schulter durchstößt.

In das kurze und dumpfe Blaffen des Bullcolts mischt sich der dröhnende Hall des alten Revolvers.

Lee schießt, das Eisen zuckt in seiner Hand, und die Warnung des alten Sam ist ihm im Gedächtnis, bei einem unsicheren Schuß gleich einen zweiten nachzuschicken.

Vielleicht drückt Lee darum noch einmal ab.

Während Feuer und Rauch und der seltsam schräge Blick vom Boden aus auf einen Mann Lee noch ver­wirren, hört er den schrecklichen Seufzer ­Peales und sieht ihn langsam den Oberkörper über den Tisch beugen.

Dann fällt Peale auf die Tischplatte, begräbt die Karten unter sich und rutscht dann nach hinten ab. Wirbelnd fallen die Karten auf den Boden. ­Peale landet an der Wand und bleibt regungslos liegen.

Am Boden aber starrt Lee Dorlan entsetzt auf seinen Revolver, nimmt den Blick hoch und zieht das rechte Bein an. Es ist ihm, als könne er nirgendwo anders einen Punkt entdecken, den er zu betrachten in der Lage wäre. Er muß starr und unablässig auf Peale sehen, kniet gleich darauf und steht langsam auf.

»Er ist ein Falschspieler«, sagt Lee Dorlan heiser. »Er hat getrickst, der Bursche. Versteht doch, er hat…«

Es ist erst totenstill, dann kommt seine Stimme krächzend und überschnappend auf.

»So?« fragt der Fremde am Tresen langsam und bewegt sich geschmeidig und schnell auf Peale zu. »Ein Falschspieler, mein Freund? Das werden wir gleich sehen.«

Er ist über ihm, bückt sich und durchsucht Peale kurz.

Dann dreht er sich um, richtet sich auf und hebt die rechte Hand hoch.

»Hier«, sagte er monoton, und jeder weiß nun, daß Lee Dorlan die Wahrheit sagte.

In der Hand des Fremden liegt das Pik-As. Die Todeskarte, wenn auch die höchste des Spieles, hat er von Peale genommen.

»Er hat doppelte Taschen«, sagt der Fremde kühl und ruhig. »Braucht einer noch mehr als diesen Beweis?«

Er klatscht die Karte auf den Tisch, macht einen Schritt über Peale hinweg und kommt gleitend auf Lee zu.

»Nun, du bist ziemlich wild, Freund«, murmelt er, als er bei ihm ist. »Ich würde an deiner Stelle lieber verschwinden und sehen, daß ich einige Meilen zwischen mich und die Stadt legte. Wenn dieser Sheriff aufwacht, dann hast du nicht viel Freude, Mister. Erstens hast du ihn niedergeschlagen, obwohl er noch nett zu dir war. Dann aber hast du diesem Spieler zwei Kugeln gegeben. Und ich meine fast, der Spieler wollte dem Sheriff helfen. Geht da von der Tür weg, Leute!«

Er hat urplötzlich seine beiden Revolver in den Händen und tritt seitlich neben die Tür.

Völlig verwirrt, entsetzt auf den toten Peale starrend, steht Lee vor der Tür und begreift kaum, daß Peale wirklich tot ist. Er schluckt heftig, in seinem Unterbewußtsein aber dämmert ihm plötzlich die Wahrheit dessen, was der Fremde gerade sagte. Lee hat kein zu Hause mehr, sein Vater hat ihn verjagt, weil er beim Spiel viel Geld verloren hat. Und Sheriff Radley wird sich für den Hieb über den Kopf bedanken. Es ist ganz sicher, daß Radley wütend genug ist, Lee einzusperren.

Lees Lage ist nicht gerade rosig.

»Aber er wollte mich erschießen«, sagt Lee keuchend und sieht verstört auf Peale, von dem aber, durch das Stöhnen abgelenkt, auf Radley, der sich bewegt. »Was sollte ich denn tun, er wollte doch…«

Radley wacht in diesem Moment auf, faßt sich an den Kopf und bekommt harte und wilde Augen.

»Warte«, sagt Radley keuchend und so wild, daß Lee nun wirklich überzeugt ist, daß der Sheriff explodieren wird. »Warte, das bezahlst du, Kid, das wirst du…«

Und danach sieht er zum Tisch und muß Peales unnatürlich starre Haltung erkennen können.

»Ah, du hast…«

Seine Augen wandern zum Revolver in Lees Hand, sein Gesicht verzieht sich, in seinen Augen ist die kalte Wut.

»Dafür loche ich dich ein, dafür kommst du vor eine Jury, Junge«, sagt Radley schneidend. »Ganz gleich, was dein Alter sagt, alles schlucke ich nicht. Ich werde ihm Gelegenheit geben, dir zwei Jahre lang in ein Jail Briefe zu schreiben. Du verdammter Hundesohn, mich umzuschlagen, das kostet dich…«

In dieser Sekunde sagt der Mann, der seitlich an der Tür steht und seine beiden Revolver in der Hand

hat:

»Was kostet es ihn, Sheriff?«

Radley hatte ihn bis jetzt nicht sehen können, aber nun bemerkt er ihn und wendet sich um.

»Tut mir leid«, sagt der Fremde eiskalt und seine beiden Revolver wandern etwas. »Sorry, Sheriff, ich bin der Meinung, daß es ihn nicht einen Cent und nicht eine Stunde im Jail kosten wird. Lee, bück dich und heb den Revolver des Sheriffs auf, mach schnell.«

Radley ringt sichtbar nach Worten, Niemand hier wird ihm gegen Steve Dorlans Sohn helfen, das ist sicher. Er ist ganz allein mit dem Jungen und dem Fremden, dessen beide Revolver eine stumme Drohung sind.

»Mann, du willst mich hindern?« fragt er trotzdem bissig. »Ich sperre diesen Jungen ein, ehe er noch mehr Unheil anrichten kann. Ich loche ihn…«

Lee Dorlan hat seinen Revolver erwischt und hält ihn unschlüssig in der Hand.

»Nimm beide und gehe langsam durch die Tür. Lee, wo hast du dein Pferd?«

Der Fremde bewegt beim Sprechen kaum den Mund und sieht sich nicht nach Lee um, sondern beachtet nur den Sheriff und die Männer im Saloon.

»Fünfzig Yards weiter, Mister.«

»Gut, du siehst, es geht dir an den Kragen«, sagt der Fremde kühl. »Willst du ins Jail und gesiebte Luft atmen, dann sage es nur, ich helfe dir dann keinen Schritt weiter.«

»Ich will nicht ins Jail. Radley, du bist verrückt, du kannst mich nicht einlochen!«

»Und ob ich das kann, du verdammter Narr. Bis an dein Lebensende kann ich dich braten lassen!«

»Sheriff«, sagt da der Fremde. »Alles schön und gut, aber ich helfe dem Mister hier ein wenig. Und wenn du schlau bist, dann machst du nichts, um ihn aufzuhalten. Lee, eine Longe hält draußen meinen Schwarzen, er steht gleich neben der Treppenstufe des Gehsteiges. Du gehst hin und nimmst das Pferd, setz dich in den Sattel und wartest. Weg von der Tür! Lee, schieß, wenn sie nicht gehen.«

»Ich lasse dich aufhängen, Kerl!« schreit ihn Radley heulend an. »Ich finde euch beide und gebe euch Gelegenheit, in der Zelle mit Wasser Brüderschaft zu trinken. Lee, ich sage dir…«

»Sei doch still, du Narr, mich bekommst du nicht«, keucht Lee Dorlan schrill und wirbelt, in jeder Hand einen Revolver, auf die Tür zu. »Was weiter, Mister?«

»Nur warten, ich komme gleich nach. Nimm die Zügel, damit du lenkst und wir schnell dein Pferd bekommen. Ist der Gaul gut?«

»Der zweitbeste Gaul in diesem Land.«

»Das ist in Ordnung, dann wird mein Schwarzer die richtige Gesellschaft haben. Sheriff, tut mir leid, ich war auch mal so jung wie Dorlan und hatte keinen, der mir half. Geh jetzt, Lee, ich passe schon auf!«

Draußen trampeln Stiefel auf dem Gehsteig. Alles, was hier herumsteht, ist in irgendeiner Weise mit der Dorlan-Ranch verbunden oder kennt den alten Steve gut. Niemand hält Lee auf, der sich aus der Tür schiebt. Nur Rosy steht mitten auf der Straße und sieht erschrocken aus großen Augen auf Lee.

»Lee, einen Augenblick…«

»Sei still, ich habe keine Zeit für dich. Prächtige Idee von dir, dich mit mir einzulassen, um eines Tages Mrs. Dorlan zu heißen. Ich weiß das alles, Rosy. Bedanke dich bei Peale, aber er wird dich nicht hören, der hört nie mehr etwas. Noch weiter weg von den Pferden dort, Leute, ich möchte nicht schießen müssen!«

Sie weichen noch weiter zurück. Er macht vorsichtig die Longe des Schwarzen los und schwingt sich dann mit einem Ruck in den Sattel. Es ist ein prächtiges Tier, das sofort nervös schnaubt, als es den fremden Reiter im Sattel spürt. Lee kneift die Beine fest an, sieht zur Tür des Saloons und hört den Fremden mit den scharfen Augen innen fragen:

»Lee, bist du soweit?«

»Ja«, erwidert Lee kurz und heiser, hält die Zügel mit der linken Hand, in der er immer noch den Revolver des Sheriffs hat und blickt sich sichernd um.

Im Saloon sagt der Fremde trocken:

»Sheriff, ich würde dir nicht raten, gleich nachzukommen, wenn ich aus der Tür bin. Manchmal tue ich Dinge, über die ich mir selber nicht im klaren bin, aber ich tue sie trotzdem, wenn du das verstehen kannst. Bleib also hier drinnen und versuche nicht deinen Kopf gleich zu zeigen. Ich gehe jetzt. Niemand bewegt sich, sonst schieße ich den Scheriff nieder.«

»Du verdammter Loofer, ich bekomme euch beide!« brüllt Radley voller Zorn. »Laufe, so weit du willst, am Ende bin ich hinter dir und dann…«

Der Mann mit dem schwarzen Gaul ist schon an der Tür und gleitet im nächsten Augenblick, die linke Hand an einem Flügel und diesen aufhaltend, damit er Radley sehen kann, nach draußen.

»Achtung Lee«, sagt er zischend. »Ich komme sehr schnell und springe hinter dir auf. Dieser Narr will uns beide einlochen, ein etwas spaßiger Bursche, der Sheriff. Fertig, Sheriff, rühr dich nicht vom Fleck, sonst…«

Seine Stimme klingt so finster, daß man die Absicht heraushören kann, im Notfall zu schießen.

Im nächsten Augenblick wirbelt er herum, springt mit einem Riesensatz vorm Vorbau ab und landet tatsächlich genau hinter Lee im Sattel, der das Pferd auch schon angehen läßt.

Hinter ihnen ertönt das wütende Gebrüll des Sheriffs, dann jagt Lee in eine Gasse hinein und hört das laute Klappen der Flügeltür.

Er zieht den Schwarzen nach rechts herum und ist Augenblicke später bei seinem Braunen. Sofort wechselt er in den Sattel über, hört Radleys wütendes Gebrüll irgendwo vorn in der Dunkelheit und beugt sich weit vor.

»Nach rechts«, sagt er heiser. »Mann, wir müssen weg. Dieser Narr kann gefährlich werden, wenn er wütend ist. Und genau das, schätze ich, ist er jetzt. Nach rechts, laß mich nach vorn!«

Er treibt den Braunen an. Das Pferd jagt los. Der wilde Hufwirbel tönt von den Hauswänden wider, dann erreichen sie auch schon das freie Land. Der Schwarze des Fremden jagt neben Lees Braunen.

»Laß mich jetzt führen«, sagt der Fremde trocken. »Wenn es darum geht, wegzukommen, dann macht mir das so schnell niemand nach. Nur immer weiter nach rechts, wir lassen jeden Verfolger hinter uns, Lee. Übrigens, mein Name ist Joe Simmons. Du kannst nachher reiten, wohin du willst, auch nach Hause. Ich fürchte nur, der Sheriff kommt dir nach.«

»Was mischte er sich ein«, erwidert Lee wütend. »Ich wäre allein mit ­Peale fertig geworden, so schnell war er nun auch nicht. Verdammter Anblick, Simmons, mir ist ziemlich elend. Hast du nicht zufällig…«

»Whisky?« fragt Simmons knapp und dreht sich leicht im Sattel, um in die rechte Satteltasche zu langen. »Da, Lee, laß mir aber was drin. Wir können ihn vielleicht noch ganz gut unterwegs gebrauchen, wenn du nicht nach Hause willst.«

»Was soll ich denn zu Hause?« fragt Lee bitter und nimmt einen kräftigen Schluck aus der ovalen Blechflasche.

»Hölle… Feuer in meinem Bauch. Was ist das für ein Stoff?«

»Sechzig Prozent, Lee, ich mag ihn sonst nur mit Wasser verdünnt. So, willst du nicht mehr nach Hause?«

»Nein, verdammt, mein Alter hat mich mit einer Latte verprügelt und weggejagt. Außerdem wird Radley mich doch dort zuerst suchen. Hast du ein bestimmtes Ziel, Joe?«

»Eigentlich nicht, aber wenn du willst – meine Richtung ist westlich.«

»Gut, ich komme mit, sie werden doch uns beide suchen.«

»Ja«, sagt Simmons ganz trocken und verstaut die Flasche wieder an ihrem Platz. »Das fürchte ich auch, Lee. Wenn sie diesen Peale erst genau untersuchen und keine zweite Tasche in seiner Hose finden, dann wird es bitter.«

Lee Dorlan begreift es erst, als ihre Pferde schon hundert Schritt weiter sind. Er reißt heftig an den Zügeln, hält trotz der damit verbundenen Gefahr an und sieht in Joe Simmons’ kühle Augen.

»Was hast du da gesagt?« fragt er verblüfft, nachdem Simmons auch angehalten hat. »Aber du hast doch das Pik-As aus seiner zweiten Tasche geholt, Joe?«

»Das sagte ich«, erwidert Simmons seltsam lächelnd, während seine Augen einmal funkeln. »Tatsache aber ist, daß dein Freund Peale gar kein As in der Tasche hatte, denn es gibt keine Tasche. Betrachte dieses Kartenspiel, Lee, du wirst das As nicht finden, fürchte ich. Es liegt auf dem Tisch im Saloon.«

Lee ist es, als wäre sein Magen vol­ler Blei. Er krümmt sich zusammen und atmet keuchend aus.

»Dann hast du… Warum hast du das getan?«

Joe Simmons hebt leicht die Hand, wendet sich um und lauscht nach hinten. Und auch Lee – immer noch das Bild des toten Spielers vor Augen, dessen seltsam steife und unwirklich erscheinende Haltung, die Furcht im Nacken – lauscht in die Nacht hinein.