Game on - Chancenlos - Kristen Callihan - E-Book

Game on - Chancenlos E-Book

Kristen Callihan

4,8
8,99 €

Beschreibung

Ivy ist die beste Freundin des Football-Stars Gray Grayson. Die beiden schreiben sich regelmäßig, seit Gray sich Ivys Auto geliehen hat, während diese im Ausland studiert. Dann kehrt Ivy nach Hause zurück, und mit dem heißen Prickeln, das augenblicklich zwischen ihnen entsteht, haben weder Gray noch Ivy gerechnet. Doch Ivy folgt einer goldenen Regel: keine Beziehung mit einem Klienten ihres Vaters - der auch Gray als Agent vertritt. Aber sie hat nicht mit Grays Charme und seinen ganz besonderen Überzeugungskünsten gerechnet ...

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Seitenzahl: 508

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Inhalt

Zu diesem BuchWidmungProlog1234567891011121314151617181920212223242526272829303132333435EpilogAnmerkung der AutorinDanksagungEs geht weiter!Die AutorinDie Game-On-Reihe bei LYXImpressum

KRISTEN CALLIHAN

Game On

Chancenlos

Roman

Ins Deutsche übertragen vonChristian Bernhard

Zu diesem Buch

Ivy kann es nicht fassen: Ihr Vater hat ihr Auto – ihren geliebten rosafarbenen Fiat! – an einen seiner Klienten verliehen. Und zwar ausgerechnet an den Footballstar Gray Grayson, der nicht gerade für seine verantwortungsbewusste Art bekannt ist. Da Ivy zurzeit ihre Mutter in London besucht und in deren Bäckerei aushilft, bleibt ihr allerdings nichts anderes übrig, als Gray eine Nachricht zu schreiben – in der sie ihm körperlichen Schmerz androht, sollte ihrem Wagen irgendetwas zustoßen. Auf eine SMS folgt eine weitere, und ehe sichs die beiden versehen, ist zwischen ihnen eine Art Freundschaft entstanden, ohne dass sie sich je begegnet sind. Doch dann kehrt Ivy nach Hause zurück, und das heiße Prickeln, das zwischen ihr und Gray von der ersten Sekunde herrscht, wirft sie völlig aus der Bahn! Denn Ivy folgt einer goldenen Regel: Unter keinen Umständen wird sie etwas mit Klienten ihres Vaters anfangen – diese Lektion hat sie vor Langem schmerzhaft lernen müssen. Aber sie hat nicht mit Grays Charme und seinen ganz besonderen Überzeugungskünsten gerechnet …

Dieser Roman ist dir gewidmet, liebe Leserin, lieber Leser.

Prolog

4:13 Uhr Textnachricht an Gray Grayson von unbekanntem Sender

Unbekannt: Gray Grayson, mein Vater hat mir gesagt, dass er dir mein Auto geliehen hat. Mir ist ziemlich egal, ob er dich unter Vertrag nehmen wird oder nicht. Ich bin die Tochter eines Agenten, ich kenne die Footballspieler und ihre Eigenarten. Darum lass mich eins klarstellen: Im Wagen wird kein Unfug angestellt, sonst wirst du mir Rede und Antwort stehen müssen. Wenn du eine Frau abschleppen willst, dann hol sie dir ins Bett und nicht in mein Auto.

Mit freundlichen Grüßen, Ivy Mackenzie.

GrayG: Hey, Miss Mac. Dir ist aber schon klar, dass dein Auto ein Fiat 500 in Kaugummirosa ist, oder? Selbst wenn ich umgeben von so viel ekelhaftem Rosa einen hochkriegen würde, passt der Wagen immer noch besser zu einem Liliputaner. Also keine Sorge, nirgendwo in der Nähe dieses Autos wird Unfug getrieben (Unfug? Echt jetzt? Wie alt sind wir, achtzig?).

Ganz nebenbei, Betten sind überbewertet. Sei ein bisschen offener.

IvyMac: Du belehrst mich, weil ich das Wort Unfug benutze? Wirklich, Mr Liliputaner? Ich weiß nicht, ob ich bei diesem Geheuchel zu würgen anfangen oder doch beeindruckt sein soll, weil du überhaupt weißt, was ein Liliputaner ist.

Ich werde deine Rosa-Phobie mal nicht kommentieren, und mir ist vollkommen egal, wo du deinen Angelegenheiten sonst nachgehst – Hauptsache, du tust es nicht in meinem Auto.

GrayG: Ja, ich kann lesen. Sei nicht so geschockt. Bleib lieber mal locker. Ich glaube, du entwickelst da gerade eine gewisse Faszination für meine Angelegenheiten.

IvyMac: Okay. Schön. Ich war arschig. Klar kannst du lesen. Dann lies das: Hat der Wagen auch nur eine Schramme, darfst du ihn bezahlen.

GrayG: Verlockendes Angebot. Ich meine, wer möchte dieses Auto nicht besitzen? Ich nehme mal an, dass du Gummibärchen als Währung akzeptierst?

IvyMac: Na klar, Cupcake. Aber das Auto ist nicht zu verkaufen.

GrayG: Wie ich merke, hast du meine von Natur aus süße und geschmackvolle Art bemerkt. Warte ab, bis du erst mein Frosting probiert hast.

IvyMac: Iiiih … Behalte dein Frosting bloß für dich!

GrayG: Haha. Also, warum führen wir diese Unterhaltung um vier Uhr morgens? Schläfst du gar nicht?

IvyMac: Sorry, ich bin in London. Zeitverschiebung. Aber solltest du nicht schlafen? Warum antwortest du überhaupt auf meine Nachrichten?;-)

GrayG: Weiß nicht. Aus irgendeinem mir bislang unbekannten masochistischen Bedürfnis, über eine Tussikarre zu diskutieren?

IvyMac: Ich dachte immer, Tight Ends lieben Schmerzen.

GrayG: Ne, wir bringen die Schmerzen, Mac. Und wir haben tolle Ärsche. Offensichtlich.

IvyMac: Okay, ich bin jetzt weg.

GrayG: Okay, bye.

IvyMac: Bye.

GrayG: Man sieht sich.

GrayG: Oder auch nicht. Weil du ja in London bist.

IvyMac: Gray?

GrayG: Jep.

IvyMac: Geh schlafen.

GrayG: Okay. Nacht! Oder guten Morgen. Oder was auch immer.

GrayG: Mac? Hallo? Klar. Du bist weg.

Ein paar Stunden später …

GrayG: Mac? Was hältst du von 18-Zoll-Chromfelgen? Bin mir ziemlich sicher, dass du sie super finden wirst, wenn du das Resultat siehst.

IvyMac: Was? Du verarschst mich, oder?!?

GrayG: Kraftausdrücke, Miss Mac? Ich bin entsetzt. Wenn du so weitermachst, muss ich vermuten, dass hier Unfug getrieben wird.

IvyMac: Gray! Was, verdammt noch mal, hast du mit meinem Auto angestellt?!?

GrayG: Ha! Erwischt. Du flippst aus. Gib’s zu.

IvyMac: Ich gebe gar nichts zu!! Weckst du mich nur, um mir als Revanche dafür einen Schrecken einzujagen, dass ich dich gestern wachgehalten habe?

GrayG: Mac, in London ist es acht Uhr abends. Warum schläfst du?

IvyMac: Ich muss um halb vier aufstehen. Ich bin Lehrling in der Bäckerei meiner Mom.

GrayG: Gebäck und so ein Zeug? Oh Gott. Ich werde schwach.

IvyMac: Stehst du auf Süßes, Großer?

GrayG: Fängst du jetzt Dirty Talk mit mir an, Mac?

IvyMac: *Augen verdreh* Gibt es noch einen ernsthaften Grund, aus dem du mir schreibst?

GrayG: Schätze nein. Sorry, dass ich dich genervt habe. Nacht, Mac.

IvyMac: Du nervst mich nicht. Ich bin bloß mies drauf, weil ich früh aufstehen hasse. Die Leute sagen, ich sei … leicht reizbar. Ich mache das nicht mit Absicht.

GrayG: Leicht reizbar? Nein, du hast eher was … Scharfes. Wie die Soße auf ’nem Döner.

IvyMac: Wenn du mich jetzt als Spezialsoße bezeichnest, pack ich dich bei den Eiern.

GrayG: Wusste ich doch, dass du auf Dirty Talk aus bist! Unfug!!

IvyMac: LOL. Blödmann.

GrayG: Für dich immer noch Cupcake, Spezialsoße. Geh schlafen, Mac. Ich werd jetzt mal an den Felgen arbeiten.

IvyMac: >:-P

Und am nächsten Morgen …

IvyMac: Ich bin heute die Jermyn Street langgegangen. Da habe ich einen Typen in einem knallrosa Anzug gesehen. Sehr auffällig. Jetzt überlege ich, ob ich dir einen passend zum Auto kaufen soll. Du könntest ein Rundum-Statement für Pink Power abgeben.

GrayG: Toll! Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der maßgeschneidert sein müsste. Noch dazu extra lang. Ich bin übrigens Linksträger.

IvyMac: Kommt mir das nur so vor, oder erwähnst du in jeder Unterhaltung, die wir führen, eins deiner Körperteile?

GrayG: Du hast doch letztes Mal von meinen Eiern angefangen.

IvyMac: Nur in Bezug darauf, dass ich sie zerquetschen werde.

GrayG: Aber du denkst an sie. Darauf kommt’s an;-)

IvyMac: Sicher doch, Cupcake. *tätschel* Träum weiter.

GrayG: Ich wusste es!!! Du willst mich unbedingt. Ist okay, das geht allen Frauen so.

IvyMac: Klar.

Etwas später …

IvyMac: Warum hast du dir überhaupt mein Auto ausgeliehen? Ich kann mir kaum vorstellen, dass du kein eigenes hast. Ist es in der Werkstatt? So ungefähr ständig?

GrayG: Mein bester Kumpel Drew (er ist unser QB) hat sich das Bein gebrochen. Sein Wagen hat eine Gangschaltung, mein Pick-up Automatik. Also hab ich ihm meinen geliehen und mir den Rosa Albtraum geliehen.

IvyMac: Gray. Das ist echt nett von dir.

GrayG: Hab doch gesagt, dass ich süß bin.

IvyMac: Das bist du wirklich. Voll süß.

GrayG: Jetzt mach mich nicht verlegen. Habe gelogen. Ich bin ein harter Gangster. Echt.

IvyMac: Oh, Cupcake.

IvyMac: Gray?

IvyMac: Hallo?

IvyMac: Schön. Du bist ein eiskalter Killer. Zufrieden?

GrayG: Ja. Aber Ladykiller wär mir noch lieber.

IvyMac: Wie wär’s mit Sir Lanzegroß?

GrayG: Lach mich tot! Wirklich. Nacht, Spezialsoße.

IvyMac: Nacht, Gangsta-Man;-*

Einige Chats später …

GrayG: Mir ist langweilig. Rede mit mir. Mal wieder. Haha.

IvyMac: Suppe ist so ziemlich das Allerbeste. Eine komplette Mahlzeit in einer Schüssel! Aber in heißer, flüssiger Form.

GrayG: Heißer, flüssiger Form …? Uff. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du meine Traumfrau bist, Ivy Mac. Oder hat dir jemand verraten, dass Suppen mein Lieblingsessen sind?

IvyMac: Du stehst auch auf Suppe? High five unter Suppen-Liebhabern! Booyah!

GrayG: Booyah! Und, Süße, ich mache die beste Suppe, die du je probieren wirst.

IvyMac: Uuuh, gib’s mir, Grayson. Ganz. Genau. So.

GrayG: Heirate mich, Mac.

IvyMac: Okay, aber nur wegen der Suppe.

Ein paar Minuten später …

GrayG: Womit endet die Unendlichkeit?

IvyMac: Womit?

GrayG: Mit dem Buchstaben »t«.

Ivy Mac: Haha! Warum gehen Fliegen nicht in die Kirche?

GrayG: Warum?

Ivy Mac: Sie sind Insekten.

GrayG: So genial schlecht. Ich glaube, jetzt musst du mich wirklich heiraten. Niemand sonst mag meine schlechten Witze.

IvyMac: Gut zu wissen, dass mein grottenschlechter Geschmack in Sachen Humor ein Anreiz ist.

GrayG: Der ist verdammt sexy. Ich hab tatsächlich ’ne Latte.

GrayG: Mac?

GrayG: Hey, war ein Spaß. Ich versuche nicht, dich anzumachen. Ich schwöre es.

IvyMac: Bin da. Sorry! Sitze in der U-Bahn. Hatte im Tunnel keinen Empfang.

GrayG: Okay. Cool. Hatte mir schon Sorgen gemacht.

IvyMac: Ja, ja. Ich weiß, du warst nur ganz du selbst.

GrayG: So bin ich eben, reiße immer Witze. Muss jetzt los zum Training. Schreibe dir hinterher.

Später am selben Tag …

IvyMac: Ich habe den ganzen Morgen Brot gebacken und über deinen Namen nachgedacht.

GrayG: Süße, wenn du schon an mich denkst, dann konzentrier dich auf meine riesigen … Hände. Magische Hände, Babe. Damit kann ich unglaubliche Dinge anstellen.

IvyMac: Zum Beispiel den ganzen Tag lang Bälle kneten?

GrayG: <:-(

IvyMac: Haha. Dein Name ist viel interessanter als deine Vorliebe fürs Bearbeiten von Bällen.

GrayG: Haha. Gray Grayson ist eine ganz besondere Foltermethode, die man einem Kind antun kann. Was soll ich sagen? Meine Mom hat kurz vor meiner Geburt Die Akte gelesen und beschlossen, mich nach dem Protagonisten Gray Grantham zu nennen, auf den sie total stand. Keiner konnte es ihr ausreden. Ich habe den Namen gehasst. Aber jetzt gefällt er mir, weil sie einen ausgesucht hat, den sie sehr mochte.

IvyMac: Er ist cool. Geht mir im Kopf rum: Gray-Grayson. Gray-Grayson!

GrayG: Hände, Mac. Denk an die Hände.

IvyMac: Gray-Grayson, wie er mit seinen großen, starken Händen Bälle packt …

IvyMac: Hallo?

IvyMac: Hallo?

IvyMac: Spielverderber.

Und ein paar Stunden später …

IvyMac: Ich kann nicht schlafen. Rede mit mir.

GrayG: Warum kannst du nicht schlafen?

IvyMac: Weil es gerade mal halb zehn ist. Ich muss früh schlafen gehen, weil ich früh raus muss. Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich es hasse, früh aufzustehen?

GrayG: Abgesehen von den dreimal in der Nachricht? Nur andeutungsweise;-) Wenn ich nicht schlafen kann, gehe ich Spielzüge durch.

IvyMac: Jep. Das sollte funktionieren. Wenn ich nur daran denke, fallen mir schon halb die Augen zu. Danke, Cupcake.

GrayG: Freut mich, dass ich dir helfen konnte, Süße. Kannst immer auf mich zählen.

IvyMac: So langsam wirst du der Mensch, an den ich mich als Erstes wende. Wenn du jetzt Panik kriegst, sag’s mir. Dann fahr ich das runter.

GrayG: Was? Nein. Versteh mich nicht falsch, aber ich bin ziemlich süchtig nach deinen Nachrichten geworden.

IvyMac: Ich auch. Mit dir zu reden ist wie Selbstgespräche zu führen. Nur besser.

GrayG: Erschreckend, dass ich das verstehen kann.

GrayG: Ich habe das Gefühl, ich kann dir alles sagen.

IvyMac: Kannst du auch. So läuft das unter Freunden.

GrayG: Ich war noch nie mit einem Mädchen befreundet.

IvyMac: Ist mir eine Ehre, die Erste für dich zu sein.

Am nächsten Morgen …

GrayG: Also, so unter Freunden, kann ich da immer noch unpassende Sachen sagen, die mit Sex zu tun haben?

IvyMac: Sicher. Stell dir einfach vor, ich wäre ein anderer Kerl. Mit einer Vagina.

GrayG: 1. Erschauder. 2. Ähm, nein danke. 3. Ich hatte da diesen Traum, in dem du meinen … gelutscht hast. Aber als ich an mir runtergesehen habe, habe ich gemerkt, dass es in Wahrheit ein Bock war. Dann bin ich wirklich aufgewacht, weil ich so laut geschrien habe, dass ich aus dem Bett gefallen bin. Und jetzt habe ich Todesangst vor Böcken.

IvyMac: LMFAO! Gray hat’s von einem Bock besorgt bekommen!

GrayG: <:-[

IvyMac: Bock-auf-Gray! Hihihihihi! *brech zusammen*

GrayG: Du gehst mir auf den Sack, weißt du das?

IvyMac: Nein, das macht der Bock! *brech noch mal zusammen* Mein Bauch. Mein Bauch!

GrayG: Lach du nur, Kichererbse.

IvyMac: Okay. Ich habe mich jetzt eingekriegt. Ooh, Cupcake, ich bin so froh, dass wir Freunde sind. Das bedeutet mir viel. Bei dir fühle ich mich sicher. Ich kann ich selbst sein, ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass der Sex in die Quere kommt. Oder sonst was.

IvyMac: Ich labere rum. Ignorier das.

GrayG: Süße, deine Freundschaft ist ein verdammtes Geschenk. Zweifle niemals daran.

Nach einigen weiteren Nachrichten und einigen Stunden ohne …

GrayG: Also, ich bin mit Drew aneinandergeraten. Er hat mir unterstellt, ich würde sein Mädchen vögeln. So was würde ich verdammt noch mal NIEMALS machen. Was die Leute auch von mir denken mögen, eher würde ich sterben, als so eine Scheiße zu bauen.

IvyMac: So was würde ich nie von dir denken, Gray. Tut mir sehr leid, dass du verletzt worden bist:-(

GrayG: Ich bin nicht verletzt. Und nein, würdest du das nicht? Wie soll ich mir da sicher sein? Ich bin als ziemlicher Aufreißer bekannt. Scheiße, vielleicht sollte ich mich wirklich Sir Lanzegroß nennen.

IvyMac: Hör auf damit. Ein Typ, der sich in ein winziges rosa Auto zwängt und freiwillig damit in der Stadt rumfährt, um seinem Freund einen Gefallen zu tun, würde sich nicht umdrehen und demselben Kumpel in den Rücken fallen. Aufreißer oder nicht, du bist ein guter Kerl. Und ich bin die Einzige, die dich Sir Lanzegroß nennen darf! >:-[

IvyMac: Übrigens, es ist okay, verletzt zu sein. Ich wäre verletzt, wenn ein Freund mir so was vorwerfen würde. Willst du, dass ich nach Hause komme und ihm einen Tritt in den Hintern verpasse? Ich hab’s nämlich drauf. Übelste Arschtritt-Skills.

GrayG: LOL. Nicht nötig. Ich weiß, Drew meint es nicht wirklich so. Er macht grade einiges durch, weil sein Bein gebrochen ist. Aber okay, ja, es hat mich verletzt, dass er es an mir ausgelassen hat.

IvyMac: :-( {{{{umarm}}}}

GrayG: Ivy, ist es komisch, dass ich mir wünsche, du wärst zu Hause? Dass ich dich vermisse?

IvyMac: Nein. Ich wünschte, ich wäre jetzt da. Ich vermisse dich auch.

IvyMac: Okay. Gleich kommt wieder ein Tunnel. Schreib mir später, Cupcake.

GrayG: Mach ich. Danke fürs Zuhören, Mac.

Am nächsten Tag …

GrayG: Alles cool mit Drew. Er hat sich entschuldigt. Wir haben heute ein paar Bälle geworfen. Er hatte ’ne ganze Weile keinen Football in der Hand.

IvyMac: Gut. Das macht mich wirklich froh. Ich weiß, wie wichtig er dir ist.

GrayG: Ich fahr rüber, um mit ihm und seiner Freundin Anna abzuhängen. Du würdest sie mögen. Sie hat auch ’ne ziemlich scharfe Zunge. Aber nicht so *speziell* scharf, du weißt schon.

IvyMac: Du setzt deine Eier aufs Spiel, wenn du mich Spezialsoße nennst. Glaub ja nicht, ich würde meine Drohung nicht wahr machen, wenn wir uns jemals treffen.

GrayG: Da, du redest schon wieder von ihnen. Irgendwann müssen wir uns mal genauer mit deiner Faszination für meine unteren Körperregionen befassen.

IvyMac: Klar, wir können uns mit ihnen befassen, und wenn wir fertig sind, kannst du von dannen humpeln.

GrayG: Leere Drohungen, Mac. Du weißt, dass du mir niemals wehtun könntest. Dafür liebst du mich zu sehr.

IvyMac: Wie du meinst, Cupcake. Viel Spaß heute Abend. Noch ein nützlicher Partytipp: Erwähn deine Eier nicht <-- Grundregeln höflichen Umgangs, Teil 1.

GrayG: Mist, das sagst du mir jetzt? Meine Eier waren bis jetzt immer mein liebstes erstes Gesprächsthema.

IvyMac: Man lernt nie aus, Gray.

GrayG: Was würde ich nur ohne dich machen?

IvyMac: Denk lieber nicht darüber nach, Cupcake.

GrayG: Ja, dafür ist der Gedanke zu schrecklich. Pass auf dich auf, Ivy. Ich schreibe später. Bist du dann noch wach?

IvyMac: Ja. Ich glaube nicht, dass ich ohne deine allabendlichen Nachrichten noch einschlafen kann.

GrayG: Vermisse dich.

IvyMac: Ich dich auch.

Ein paar Tage und einige Chats später …

Gray

Wenn ich im Leben eins gelernt habe, dann ist es wertzuschätzen, was man hat. Wenn man etwas als selbstverständlich betrachtet, kann man es verlieren, bevor man überhaupt merkt, was man daran hatte. Diese Lektion habe ich von meiner Mom gelernt, auch wenn ich mir wünsche, es wäre anders. An einem Tag hat sie mir einen Apfelkuchen gebacken und mich daran erinnert, nach dem Footballtraining noch zu lernen, und am nächsten Tag eröffnete sie mir, dass sie Krebs hat. Verflucht, ich erinnere mich an jedes Wort dieses Gesprächs. Jedes einzelne verdammte Wort hat sich mir damals wie ein Nagel ins Fleisch gebohrt. Aber ganz besonders gut erinnere ich mich daran, wie sie es beendet hat: Koste jeden Tag voll aus, Gray. Sei dir ganz und gar bewusst, wie wertvoll das Leben ist, versprich mir das.

Und das habe ich. Ich tue es immer noch. Genieße jeden Augenblick. Koste es aus. Sauge das Leben gierig auf und scheiße auf den Rest. Es ist einfach, wirklich. Ich gehe feiern, weil es lustig ist. Habe meinen Spaß mit Frauen, weil ich sie liebe. Ihren süßen Duft, ihr klangvolles Lachen und ihre weichen Kurven. Spiele Football, weil es das absolut geilste Spiel der Welt ist. Und es hat fast immer funktioniert. Ich hatte Spaß. Doch in letzter Zeit finde ich es schwieriger, im Moment zu leben. Ich ertappe mich dabei, wie meine Gedanken in die Zukunft abschweifen. Ich merke, dass ich mir diese ferne Zukunft jetzt wünsche. Hier. Wegen Ivy Mackenzie.

Es ist seltsam. Ich habe Freunde. Mit einigen Jungs aus meinem Team bin ich so dicke, dass ich um jeden Preis für sie kämpfen würde. Drew? Er ist wie ein Bruder für mich. Warum also kommt mir diese neue Freundschaft mit Ivy so intensiv vor? Ich bin nicht sicher. Es geht erst etwas mehr als eine Woche so, dass wir uns pausenlos schreiben, aber sie ist für mich schon unverzichtbar geworden – ein Lichtblick in meinem Leben. Vielleicht zu hell und leuchtend, denn ich vermisse sie jede Sekunde, möchte sie unbedingt sehen. Das ist die Wahrheit, so schwächlich sich das auch anhört. Ich möchte nicht auf dieser Bank liegen und endlose Wiederholungen machen, bis meine Brustmuskeln schmerzen und meine Arme sich wie dicke, wabblige Stücke rohen Fleischs anfühlen. Ich möchte Mac persönlich gegenüberstehen, eine richtige Unterhaltung mit ihr führen, sie auf ein Bier einladen und einfach quatschen. Es würde ihr gefallen; sie ist wie einer der Jungs, nur besser. Lustiger vielleicht? Ich weiß nicht. Ich weiß nur, dass ich sie mag. Sehr.

Ich ächze, der Schweiß läuft an meinen Brauen entlang und rinnt mir in die Augen, während ich versuche, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Aber es ist schwer. Die Platten über mir an der Decke verschwimmen, und ich denke an mein Handy in meiner Hosentasche. Der Drang, es herauszuziehen und Ivy zu schreiben, ist groß. Aber ich sollte trainieren, mich konzentrieren. Also drücke ich die mit Gewichten beladene Stange noch einmal nach oben und stoße die Luft aus. Mist, ich habe nicht mitgezählt. Egal. Ich kenne mein Limit. Und wenn ich fertig bin, kann ich Mac schreiben.

Als hätten meine Gedanken es aktiviert, brummt das Handy an meinem Oberschenkel. Ich zögere, halte die Gewichte mit bebenden Armen über mir. Wieder brummt es. Mac. Ich lege die Stange mit einem Klonk in die Halterung und hieve mich hoch, während ich nach dem Smartphone angele. Es ist keine Nachricht, sondern ein Anruf.

»Ja?«

»Erinnere mich daran, dass wir an deinen Sozialkompetenzen arbeiten müssen, Grayson«, sagt eine barsche Stimme. »Du kannst nicht so ans Telefon gehen, wenn dich die Talentscouts gerade genauestens unter die Lupe nehmen.« Es ist Sean Mackenzie, Ivys Dad und der Mann, den ich beschlossen habe, als meinen Agenten zu nehmen, sobald die Saison rum ist.

Ich fahre mir mit einer Hand durchs Haar und streiche mir die schweißnassen Strähnen aus der Stirn. »Bin mir ziemlich sicher, dass die mich haben wollen, egal wie mein Benehmen am Telefon ist, Big Mac.« Ich greife nach einer Flasche Wasser und stürze den Inhalt hinunter.

»Sei dir da nicht zu sicher, Junge. Das Image ist alles.«

Er hat natürlich recht. Deshalb weiß ich ja auch, dass es eine gute Entscheidung ist, ihn auszuwählen.

»Was gibt’s?«, frage ich und wische mir mit dem Unterarm über den Mund. Riesenfehler – ich schwitze wie Sau. Mit angeekeltem Gesicht schnappe ich mir ein Handtuch. »Oder ist das nur eine Stichprobe in einer Schleife-und-poliere-deinen-Schützling-Aktion, die Sie an mir ausprobieren?«

Mackenzie gluckst. »Klugscheißer.« Stille. Dann sagt er: »Ich möchte dich um einen Gefallen bitten.«

Überrascht trinke ich noch einen Schluck Wasser, bevor ich reagiere. »Schießen Sie los.«

»Es geht um Ivy.«

Sofort hat er meine volle Aufmerksamkeit. Ich setze mich gerader hin, mein Herz pocht merkwürdig schnell. »Was ist mit ihr?«

»Ich weiß, ihr habt miteinander kommuniziert«, das letzte Wort klingt spöttisch, »und wir werden die Sache später noch genauer besprechen, Grayson.« Er macht keine Anstalten, seine Verärgerung zu verbergen.

»Äh …« Jep, geistreiche Antwort, aber ich kann es Mackenzie nicht verübeln, dass er angepisst ist. Normalerweise hat ein Vater ganz recht damit, wenn er seine Tochter weit weg von mir wissen will. »Hören Sie, Mackenzie, Ivy und ich sind Freunde. Sie ist wie eine …« Ich verstumme, das Klischee ist mir im Hals stecken geblieben, denn was ich da von mir geben wollte, stimmt nicht. Stattdessen bringt Mackenzie den Satz für mich zu Ende.

»Wie eine Schwester für dich. Ja, ja, ich habe von Ivy das Gleiche gehört.«

Hat er das? Ich schätze, es ist gut, dass ich wie ein Bruder für sie bin. Ich grabe die Finger in meine verspannten Nackenmuskeln. »Gut, dann ist das also geklärt? Ich muss nämlich noch …«

»Ich sitze in New York fest. Ein Spieler ist wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen worden, der Idiot.« Er seufzt. »Wie dem auch sei, Ivy kommt aus London nach Hause. Sie landet in … Verdammt! Sie ist wahrscheinlich schon da. Ich hätte ihre Schwester hingeschickt, aber sie hat die Grippe.«

Ich stoße mit dem Knie die Wasserflasche um, als ich aufspringe. »Sie meinen, Ivy ist am Flughafen, und keiner ist da, um sie willkommen zu heißen? Nach einem ganzen Jahr weg von zu Hause?« Okay, ich schreie, aber verdammte Scheiße, Ivy hat eine bessere Begrüßung verdient. Und was zur Hölle …? Ich habe ihr erst gestern Abend geschrieben. Sie hat nichts davon gesagt, dass sie London verlässt und herkommt. Warum? Ich ignoriere den seltsamen Stich in meiner Brust und laufe in Richtung Umkleide.

»Schon gut, Junge«, grummelt Mackenzie. »Du brauchst nicht noch drauf rumzureiten. Könntest du …«

»Bin schon unterwegs. Welche Fluggesellschaft und welches Gate? Wissen Sie das wenigstens?«

Ich bin unhöflich, aber das ist mir gerade vollkommen egal. Was hat er sich dabei gedacht? Wie konnte er seine eigene Tochter vergessen? Und dann denke ich überhaupt nicht mehr an Mackenzie. Ivy ist hier. Hier. Ich werde sie treffen und bin vollkommen unvorbereitet. Mein Herz rast so schnell wie vor einem Spiel, und es rauscht genauso viel Adrenalin durch meine Adern. Ich denke jetzt nicht mehr an die Zukunft, sondern an Ivy. Alles, was zählt, ist, zu ihr zu kommen.

1

Ivy

Die meisten Menschen hassen Flughäfen. Ich kann das verstehen. Man ist in Eile, schleppt Gepäck durch die Gegend, hat vielleicht Flugangst und ist auf jeden Fall genervt wegen der ätzenden Schlangen vor den Sicherheitskontrollen. Und trotzdem, für mich haben sie etwas Aufregendes, zumindest als Reisende. Denn entweder fliegt man irgendwohin oder man ist gerade angekommen und freut sich, jemanden wiederzusehen. Mein absoluter Lieblingsort ist der Ausgang beim Terminal, wo die internationalen Flüge ankommen. Ich liebe es, die Leute zu beobachten, die mit fast schon ängstlicher Vorfreude darauf warten, dass ihre Angehörigen oder Freunde landen. Liebe es, wenn die Gesichter erstrahlen, Menschen vor Freude und Lachen aufschreien oder sogar weinen, wenn sie die für sie ganz besondere Person entdecken: Mutter, Vater, Schwester, Bruder, einen guten Freund, die Ehefrau … Ein endloser Strom von Wiedervereinigungen. In den Jahren nach der Scheidung meiner Eltern bin ich immer zum Flughafen gefahren, habe mich auf einen der rissigen Kunstledersitze gesetzt und die Atmosphäre in mich aufgesogen. Wenigstens hier konnte ich sehen, dass die Liebe existiert.

Und jetzt bin ich wieder hier, an diesem Ausgang. Nur bin ich diesmal diejenige, die ankommt. Und niemand ist hier, um mich willkommen zu heißen. Keine Schwester. Kein Dad.

Nachdem ich fast acht Stunden lang in einem Flugzeug gesessen habe, sind meine Augen verklebt, mir tun die Knie weh, weil ich auf zu engem Raum zusammenquetscht war, und ich rieche vermutlich nicht sehr gut. Meinen Mitreisenden wird es nicht anders gehen, aber von ihnen wird einer nach dem anderen in wartende offene Arme geschlossen. Ich suche die Menge nach einem bekannten Gesicht ab und versuche angestrengt, nicht enttäuscht zu sein, als ich keines entdecke. Nur allzu schnell wird mir klar, dass ich vergessen wurde. Die Menge löst sich auf, und es bleiben nur die Leute übrig, die auf die nächste Welle von Passagieren warten, die durch die Zollkontrolle kommen.

Ich umklammere den Griff meines riesigen Rollkoffers, trotte zu einem freien Sitzplatz und mache es mir bequem. Mein Handy hat keinen Saft mehr, ein nutzloses schwarzes Display. »Verdammt«, murmele ich und blinzele heftig, bevor ich mir mit einer Hand übers Gesicht fahre. Ich möchte mich fragen, warum weder mein Dad noch meine Schwester hier sind, aber wenn ich das tue, fange ich womöglich an zu weinen. Und das werde ich hier auf keinen Fall tun.

Eigentlich sollte es mich nicht überraschen. Sean Mackenzies Tochter zu sein bedeutet zu warten – bis Klienten beruhigt, Krisen abgewendet und wasserdichte Verträge zu Deals ausgehandelt sind. Da mein Dad einer der Top-Sportagenten dieses Landes ist, bleibt fast nie ein freier Moment für mich. Aber man würde doch meinen, dass der berüchtigte Big Mac, wie er in der Sportwelt genannt wird, wenigstens daran denkt, mich vom Flughafen abzuholen. Oder zumindest meine Schwester Fiona darum bittet.

Sie kommen bloß zu spät. Sie haben im Verkehr festgesteckt. Du warst ein Jahr lang weg. Sie würden deine Heimkehr nicht verpassen.

In einer Minute werde ich aufstehen und nach einer Steckdose suchen, um das Handy aufzuladen und dann meinen Dad anzurufen. Jetzt gerade will ich mich aber nicht bewegen. Ich habe stundenlang gesessen und bin plötzlich zu schwach, um irgendetwas anderes zu tun, als hier zu hocken. Auch wenn ich ohne das Handy nicht mal so tun kann, als wäre ich beschäftigt und würde absichtlich ganz allein rumsitzen. Ich kann Gray nicht schreiben, was die reinste Ironie ist, denn ich habe ihm absichtlich nicht geschrieben, dass ich herkomme, weil ich ihn lieber überraschen wollte.

Die anderen Reisenden bewegen sich in unterschiedlichem Tempo an mir vorbei, manche zügig, andere schlendern oder sind gehetzt. Zusammengenommen ergeben diese Gangarten einen fast hypnotischen Rhythmus. Vielleicht fällt mir deshalb die Person auf, die sich vom anderen Ende des langen Gangs her in Höchstgeschwindigkeit durchschlängelt. Ein Typ. Und er rennt. Reglos beobachte ich ihn. Er ist locker einen Kopf größer als alle anderen, was an sich schon beeindruckend ist. Selbst aus dieser Entfernung schwebt sein Gesicht über dem wogenden Meer von Menschen. Obwohl ich seine Züge nicht genau erkennen kann, wirkt er eindeutig besorgt. Und er ist schnell. Mit einer Leichtigkeit, die beeindruckend für jemanden von seiner Statur ist, schlängelt er sich an den anderen Passagieren vorbei. Er ist jetzt so nah, dass ich seine ausladenden Schultern und den breiten Oberkörper sehen kann. So nah, dass ich die goldenen Strähnen in seinem dunkelblonden Haar erkenne, als er durch einen breiten Streifen aus Sonnenlicht läuft, der durch die große Fensterfläche hereinfällt.

Auf einmal geht mein Atem schneller, und mein Herzschlag beschleunigt. Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich aufstehe. Ich hoffe es, möchte es glauben. Aber er sieht mich nicht an. Sein fester, entschlossener Blick ist auf den Ankunftsbereich gerichtet. Oh Gott, wie er sich bewegt. Wie Wasser, das schnell über glatten Stein rinnt. Leute bleiben stehen und starren ihm hinterher. Wie könnten sie auch nicht? Groß, muskulös, aber dennoch perfekt proportioniert und eins mit seinem Körper, ist er eindeutig ein Athlet. Er sieht umwerfend aus. Kantiges Kinn, Gesichtszüge, die wie gemeißelt wirken, goldbraune Haut und von der Sonne geküsstes Haar.

Er stürmt direkt an mir vorbei, nur um dann am Rand des abgetrennten Bereichs vor dem Terminalausgang abrupt anzuhalten. Einen Moment sieht er sich suchend um, lässt den Blick aber nie so weit wandern, dass er meinem begegnet. Dann beugt er sich nach vorn, stützt die Hände auf die Knie und flucht vor sich hin. Er ist nicht etwa außer Atem, sondern aufgebracht. Das ist eindeutig. Er flucht noch einmal, richtet sich dann auf und fängt an, nervös hin und her zu laufen, als könne er es nicht ertragen stillzustehen. Die Hände hat er ärgerlich im Nacken verschränkt. Eine Bewegung, die verrückte Dinge mit seinen Bizepsen anstellt. Sie wölben sich noch stärker, wirken noch größer. Ich bezweifle, dass ich sie mit den Händen umfassen könnte. Obwohl ich mir gerade bildlich vorstelle, wie ich es versuche. Die ganze Zeit über grinse ich wie eine Idiotin. Ich kann nicht anders. Ich grinse sogar dann noch, als sein Blick endlich meinem begegnet.

Zerstreut, wie er ist, übersieht er mich fast, doch dann gerät er ins Stocken und hält schließlich reglos inne. Einen Moment lang starren wir einander an. Seine weichen Lippen teilen sich, und er senkt langsam die Arme. Erkenntnis vertreibt den verschwommenen Ausdruck aus seinen blauen Augen, und eine verlegene Röte steigt ihm den Hals hinauf.

Die kleinen Härchen an meinen Armen stellen sich auf. Mir stockt der Atem, bevor er anfängt zu rasen. Ich spüre Freude, ungefilterte, reine Freude. Und sie ist so berauschend, dass ich kaum weiß, wie ich damit umgehen soll.

Als würde auch er von einer starken Empfindung überkommen, zuckt seine Wange. Er macht einen Schritt auf mich zu, stoppt und legt den Kopf schief, um mich prüfend anzuschauen, als wolle er ganz sichergehen.

Ich lächle noch breiter.

Und dann bewegen sich auch seine Mundwinkel nach oben – eine langsame, zaghafte Regung. »Mac?«

Obwohl er mindestens sechs Meter entfernt steht, lese ich mit Leichtigkeit meinen Namen von seinen Lippen ab. Ich lache laut los, ein komplett dusseliges Prusten. »Gray.«

Selbst auf die Entfernung hört er mich und sprintet auf mich zu. Beim nächsten Atemzug bin ich umgeben von einer Wand aus warmer Haut und harten Muskeln. Er nimmt mich in die Arme und wirbelt mich scheinbar mühelos herum. Zum ersten Mal seit einem Jahr fühle ich mich klein und zart. Er riecht nach Sonne und Schweiß und, seltsamerweise, nach Zuhause. Ich presse meine Nase an seine warme Halsbeuge, während er lacht und mich fest an sich drückt.

Wir haben uns nie zuvor berührt, sind uns noch nicht mal leibhaftig begegnet. Trotzdem ist gar nichts Komisches daran, ihn zu umklammern. Es fühlt sich absolut richtig an, bringt mein Herz zum Schmelzen und zieht mich körperlich zu ihm hin.

Mit einer Hand umfasst Gray meinen Nacken. »Heilige Scheiße!« Wir haben uns so viel hin und her geschrieben, dass ich Zusatzgebühren auf meiner Handyrechnung hatte, aber seine Stimme habe ich noch nie gehört. »Du bist es Mac. Du bist es wirklich.«

Und es ist wirklich Gray. Die Person, mit der ich seit der ersten Nachricht fast pausenlos Kontakt habe. Er ist so unglaublich schnell ein Freund geworden, ein wichtiger Teil meines täglichen Lebens. Eine seltsame Sucht. Der Gedanke macht mir ein wenig Angst. Trotzdem möchte ich ihn nicht wieder loslassen.

Gray

Ich kann nicht glauben, dass ich sie in den Armen halte. Ivy Mackenzie. Abgesehen von Drew, habe ich mich noch nie auf Anhieb so gut mit jemandem verstanden. Jetzt ist sie hier. Und, Mann, fühlt sie sich gut an. Fest, real. Weich, warm. Sie riecht nach Flugzeugessen, abgestandenem Kaffee und nach Reise. Nicht die beste Mischung. Aber darunter ist ein süßer, femininer Duft nach Zucker und Vanille zu erahnen. Ich sauge ihn in meine Lungen und bin schlagartig alarmiert, denn er schießt mir geradewegs in die Rübe – die kleinere, gierige von beiden. So möchte ich nicht an mein bestes Mädchen denken. Wenn sie meine Reaktion bemerken würde, käme ich mir wie ein dreckiger Perverser vor. Ich sollte sie loslassen, einen Schritt zurücktreten. Doch da überkommt mich plötzlich eine nicht ganz unerwartete Befangenheit. Was, wenn es nicht so ist wie bisher? Was, wenn es jetzt, wo wir uns gegenüberstehen, komisch zwischen uns wird? Ich hatte noch nie eine wirklich gute Freundin. Wollte nie eine haben. Ein Teil von mir möchte sie nicht loslassen, weil wir dann reden müssen und einander in die Augen sehen. Ein anderer Teil von mir will sie einfach nur festhalten, weil es sich so verdammt gut anfühlt. Richtig. Aber ich kann nicht für immer hier stehen bleiben. Sie wird irgendwann runtergelassen werden wollen. Allerdings klammert sie sich auch an mir fest, hat die langen Beine um meine geschlungen. Vielleicht ist sie genauso nervös. Der Gedanke macht mich mutig genug, meine Umarmung zu lockern und sie an meinem Körper heruntergleiten zu lassen.

Sie rutscht nicht tief. Sie ist groß. Amazonenhaft groß. Das habe ich nicht erwartet. Aber es gefällt mir. Ich bin eins achtundneunzig und bestehe aus einhundertdreizehn Kilo Muskelmasse, was bedeutet, dass Frauen neben mir meistens zwergenhaft wirken. Ich muss mich herunterbeugen, wenn ich nur einen Arm um sie legen möchte, geschweige denn, um einen Kuss zu bekommen. Und im Bett? Bei manchen Mädchen habe ich Angst, sie zu zerquetschen. Aber Ivy muss um die eins achtzig groß sein. Ihr Kopf passt genau unter mein Kinn. Und obwohl sie alles andere als dick ist, ist sie auch keine klapprige Bohnenstange. Sie scheint nur aus wohlgeformten, langen Gliedern und weichen, schönen Kurven zu bestehen. Oh nein, ich glotze sie an. Ich trete einen Schritt weiter zurück und sehe ihr in die Augen. Ich kann nicht anders, als zu lächeln. Ich bin so verdammt glücklich, sie zu sehen, dass es mir fast schon ein bisschen Angst macht.

»Tut mir leid, dass ich dich nicht erkannt habe«, sage ich, immer noch nervös, zu ihr. »Du siehst … anders aus als auf dem Foto, das dein Dad auf seinem Schreibtisch stehen hat.« Es ist das einzige, das ich von ihr gesehen habe.

Mac rümpft empört die kleine Nase. »Gott, doch nicht etwa das von mir mit fünfzehn?«

»Doch, mit ziemlicher Sicherheit.« Ich versuche, nicht zu lachen, aber es fällt mir schwer, und sie bemerkt es.

Sie guckt noch böser drein. »Das ist ein schreckliches Bild. Ich fürchte, ich muss Dad dafür umbringen, dass er es für alle sichtbar rumstehen hat.«

Ich kann es ihr nicht verdenken. Auf dem Foto ist sie ein pausbäckiger, Zahnspange tragender Teenager. Und in meiner Fantasie sah sie immer noch so aus: rundliche Wangen, Stupsnase, große braune Augen. Doch die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Sie hat immer noch große dunkle Augen unter fast geraden Brauen, aber der Babyspeck ist weg. Die hohen Wangenknochen treten deutlich hervor, und ihr Kinn verläuft in einer weichen Linie. Das glänzende dunkelbraune Haar ist ziemlich kurz geschnitten, die Spitzen reichen ihr gerade so bis zu den Schultern, und ein dichter Pony fällt bis zu ihren Augen. Ich habe normalerweise eine Schwäche für Frauen mit langem, lockigem Haar, aber Mac trägt eine Art Sixties-Retro-Haarschnitt. Mein Mädchen, wird mir klar, ist heiß. Nicht auf diese offensichtliche, sexpüppchenmäßige Weise, sondern auf die Mädchen-von-nebenan-bei-dem-man-wissen-will-was-sie-drunter-trägt-Art. Nein! Ich werde den Gedanken nicht weiterführen. Ich bin nur stolz, das ist alles. Mac dürfte es an Aufmerksamkeit nicht mangeln.

Ich bücke mich, um ihr Gepäck zu nehmen. »Bringen wir dich nach Hause.«

Wir legen ein angenehmes Tempo ein, mit ihren langen Beinen kann sie problemlos mit mir Schritt halten. Ich kann nicht aufhören, sie anzusehen. Es ist schräg, jeder ihrer Züge und jede Kurve ist absolut neu für mich, kommt mir gleichzeitig aber zutiefst vertraut vor. Verdammt, dieses Mädchen verwandelt mich schon jetzt in einen gefühlsduseligen Trottel. Aber deswegen bin ich kein bisschen weniger glücklich.

»Dein Dad lässt sich entschuldigen.«

»Möchte ich wetten«, murmelt sie. Ich höre Schmerz und Wut unter der Oberfläche brodeln, was mich wahnsinnig sauer auf Big Mac werden lässt.

»Er musste …«

»Sich um einen Klienten kümmern«, beendet sie den Satz für mich und winkt ab. »Ich weiß.« Sie stößt einen leisen Seufzer aus. »Daran bin ich gewöhnt, glaub mir.«

Tue ich. Das macht es allerdings kein Stück besser, sondern mich eher noch wütender auf ihren Dad.

»Ich wäre pünktlich hier gewesen, aber … äh …« Mist, ich will ihr nicht sagen, dass mir Mackenzie eben erst Bescheid gesagt hat, dass ich sie abholen soll.

Aber sie scheint es sich selbst zusammenzureimen und grinst schief. »Ich schätze mal, er hat Fiona angerufen. Nur dass sie nicht konnte, also hat er dich gebeten.« Sie zieht kritisch die Augenbrauen zusammen. »Was war ihre Ausrede, weißt du das?«

»Sie kotzt sich offenbar die Seele aus dem Leib. Er sagte, sie hat die Grippe.«

»Oh.« Macs Verärgerung verpufft. »Arme Fi.«

Ich habe Macs jüngere Schwester noch nie getroffen. Aber ich weiß, dass sie auf ein Mädchencollege hier in der Stadt geht, an dem ich in meinen ersten Jahren an der Uni ziemlich viele Bräute abgeschleppt habe. Das werde ich allerdings für mich behalten. Ivy ärgert mich sowieso schon damit, dass ich eine »männliche Schlampe« sei. Dämlicher Ausdruck. Mir persönlich wäre »gleichgestellter Rammelkönig« lieber. Was ich Mac natürlich genauso wenig mitteile.

»Es macht dir nichts aus, oder?«, frage ich, als wir ins helle Sonnenlicht treten. Frische Luft, vermischt mit Flugzeug- und Busabgasen, drängt in meine Lungen. »Dass ich dich abhole?«

»Nein«, sagt sie, vielleicht ein wenig zu schnell. »Warum sollte es?«

Ich zucke mit den Schultern und weiche einer Geschäftsfrau aus, die ins Terminal eilt. »Du hast mir nicht erzählt, dass du nach Hause kommst.« Erst nachdem ich die Worte ausgesprochen habe, merke ich, wie sehr mich das eigentlich kränkt.

»Ja, ich weiß …« Sie starrt beim Gehen hinunter auf ihre roten Chucks. »Ich hätte es dir sagen sollen. Ich wollte nur …«

»Ivy«, sage ich warnend. Es fühlt sich seltsam intim an, ihren richtigen Namen auszusprechen, und ich weiß nicht, wie ich das finden soll.

»Okay, okay, das war bescheuert von mir. Ich wollte nur … Verdammt!« Als sie mich anschaut, liegt eine gewisse Härte in ihrem Blick, so als würde sie sich innerlich gegen etwas wappnen. »Ich hatte vor, dich morgen zu überraschen. Aber … ich weiß nicht … Ich hatte auch Angst. Davor, dass es ganz …«

»Komisch wird.« Ich grinse, und mein Gang wird leichter, besonders als sie zurücklächelt und ihre Apfelbäckchen eine rosige Farbe annehmen.

»Du hast dir also auch Gedanken gemacht?«

»Na ja, schon. Ich meine, was, wenn du mich in echt gar nicht gemocht hättest? Wir waren uns so nah …« Ich verstumme, mein eigenes Unbehagen schnürt mir die Luft ab. Und jetzt ist es tatsächlich verdammt komisch. Großartig.

Sie löst die Situation, indem sie einen Arm um meine Taille schlingt und mich an sich drückt. Bei der Geste wird mir direkt ganz warm, und ich merke, wie ich mich in ihre Umarmung lehne.

»Ich bin froh, dass du hier bist, Gray.« Sie gräbt die Finger in meine Seite. »Echt froh.«

Ich habe Ivy Mackenzie gerade erst offiziell kennengelernt, doch mir wird klar, dass ich sie gefühlt schon jahrelang vermisst habe. »Ich auch.«

2

Ivy

Obwohl es mein Wagen ist, bitte ich Gray zu fahren. Und schockierenderweise akzeptiert er das nicht einfach als seine männliche Pflicht. »Bist du sicher?« Er lässt den Schlüssel an der Spitze eines langen Fingers baumeln, als warte er darauf, dass ich ihn mir schnappe.

»Ich laufe im Moment ziemlich große Gefahr, uns in den nächsten Graben zu fahren. Chauffieren Sie mich, Sir!«

»Na dann.« Er entriegelt die Tür und öffnet sie mit einer einladenden Geste. »Ihr rosa Triumphwagen steht für Sie bereit, Madam.«

Mein kleiner rosa Fiat. Ich habe ihn vermisst. Gray hasst den Wagen, was ich verstehen kann. Er ist viel zu groß für ihn, was schon allein die Tatsache beweist, dass er den Sitz bereits ganz nach hinten geschoben hat und er sich trotzdem noch Flüche murmelnd hinters Lenkrad klemmen muss. Wochenlang habe ich versucht, mir vorzustellen, wie er diesen Wagen fährt. Doch nichts davon kommt an die Realität heran. Seine dicht gepackten Muskeln wölben sich und zucken, seine breiten Schultern sind nach vorn gekrümmt, und die langen Beine hat er ungelenk angezogen. Das Lenkrad wirkt unter seinen großen Händen geradezu zerbrechlich.

»Oh, das ist so genial«, sage ich und kann mir das Kichern kaum verkneifen.

Gray dreht sich zu mir, um mich böse anzugucken, aber in seinen blauen Augen liegt ein Lächeln. »Deshalb wolltest du, dass ich fahre, stimmt’s?«

»Unter anderem. Du siehst einfach zu süß aus.« Ich kneife ihm in die Wange.

Lachend schlägt er meine Hand weg. »Du kleine Ratte. Ich werde einen Weg finden, mich an dir zu rächen, das schwöre ich bei Gott.«

»Jetzt habe ich aber eine Mordsangst. Ehrlich.«

Kurz darauf fahren wir über den Highway. Trotz seiner verkrampften Haltung lenkt Gray das Auto gelassen. Ich kann ihn mir gut auf dem Spielfeld vorstellen, wenn seine schnellen Reflexe eine perfekte Einheit mit seinem Körper bilden. Das muss ein großartiger Anblick sein. Ich hatte mir eigentlich Aufzeichnungen von seinen Spielen anschauen wollen, aber genauso, wie ich Angst davor hatte, zu erfahren, wie er aussieht, bin ich auch davor zurückgeschreckt, ihn auf dem Feld zu sehen. Ein Teil von mir wollte nichts darüber wissen. Denn dann wäre ich vielleicht zu eingeschüchtert gewesen, zu fasziniert von seinem Talent.

Ich kurbele die Fensterscheibe ein Stück herunter. Kalte, leicht nach Asphalt riechende Luft strömt herein. »Den Geruch von Amerika habe ich vermisst.«

Er wirft mir einen Blick zu. »Amerika hat einen bestimmten Geruch?«

»Ja. Frag mich nicht, wie ich ihn beschreiben würde, aber es gibt ihn. England hat auch einen speziellen Duft.« Ich lehne den Kopf zurück und schaue zu, wie die Welt vorbeizieht. »Autos fühlen sich anders an, wenn man auf der anderen Seite fährt. Weißt du, wie lange ich allein gebraucht habe, bis ich raushatte, in welche Richtung ich nach dem Verkehr schauen muss, wenn ich eine Straße überquere?« Ich seufze und werde noch stärker von dem schönen Gefühl durchflutet, nach Hause zu kommen. »Ich habe gerne in England gelebt. Aber jetzt, wo ich zurück bin, merke ich, wie sehr ich mein Zuhause vermisst habe.«

Gray streift mein Knie mit dem Unterarm, als er nach seinem iPhone greift. Er sucht nach einem Titel und lehnt sich dann wieder zurück. American Girl von Tom Petty erklingt aus den Lautsprechern. Er lächelt mich frech an, und ich grinse zurück.

»Nur zur Hälfte«, sage ich. »Meine Mom ist Britin.«

Er lacht. »Ist notiert.«

Den ganzen Song lang schweigen wir, lauschen nur der Musik. Es fühlt sich gleichzeitig komisch und völlig normal an. Jetzt, wo wir nicht mehr auf Textnachrichten beschränkt sind, gibt es so viel, was ich Gray sagen möchte. Aber das kann warten. Irgendetwas an ihm lässt mich entspannen und einfach nur den Moment genießen.

»Kann ich dich was fragen?«, sagt er, als das Lied zu Ende ist.

Ich ziehe einen Schmollmund. »Wenn jemand so anfängt, folgt meistens eine Beleidigung.«

Als er leise gluckst, erscheinen Lachfältchen um seine Augenwinkel. »Berechtigter Einwand. Und wahrscheinlich wird es dir bei meiner Frage genauso gehen.«

»Hmm.« Ich verkneife mir ein Lächeln. Ich kann mir nicht helfen, mit Gray über den Highway zu fahren macht mich einfach glücklich. »Dann leg los. Aber Achtung, ich beiße, wenn man mich reizt.«

»Immer diese leeren Versprechungen.« Er umklammert das Lenkrad so fest, dass die sehnigen Muskeln an seinen Unterarmen hervortreten. »Warum hat dir dein Dad dieses Auto gekauft? Versteh mich nicht falsch, an und für sich ist es ein super Modell und lässt sich auch gut fahren, aber wie groß bist du?« Er bekommt rote Wangen, als er den Blick über meine Beine gleiten lässt. »Eins achtzig?«

Das musste ja kommen. Natürlich. Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Typen kennengelernt habe, der keine Bemerkung über meine Größe gemacht hat. Doch ich gebe mich vollkommen ungerührt. »Ich kann dir mitteilen, dass ich zierliche hundertzweiundachtzig Zentimeter groß bin.«

Gray grinst breit über meinen Witz, und es steht ihm. Kleine Vertiefungen entstehen um seine Mundwinkel, die aussehen wie Grübchen, nur länger. Allerdings genauso unwiderstehlich. »Niedlich«, sagt er und wechselt souverän die Fahrspur. »Also, kleine Miss einhundertzweiundachtzig Zentimeter, warum dieses Clownsauto?«

Ich seufze, lehne mich zurück und versuche, Platz für meine Beine zu finden. »Ich glaube, mein Dad sieht in mir immer noch sein kleines Mädchen. Und verglichen mit ihm bin ich ja auch tatsächlich ziemlich zierlich.«

»Verdammt, verglichen mit deinem Vater bin selbst ich zierlich.«

Damit übertreibt er, allerdings nur leicht. Dad ist ein paar Zentimeter größer als er. Bevor mein Vater Sportagent wurde, hat er als Center in der NBA gespielt. Er hätte auch Trainer werden können, aber die Jagd nach einem Deal hat ihm schon immer besser gefallen als der Stress im Spielbetrieb.

»Okay, aber warum das Rosa? Das scheint echt nicht deine Farbe zu sein«, sagt Gray mit einem vielsagenden Blick auf meine Klamotten.

Ich trage eine schwarze Skinny Jeans, ein gebraucht gekauftes Tour-T-Shirt von The Cure und rote Chucks. Nein, für Rosa habe ich wirklich nicht viel übrig.

»Er verwechselt mich oft mit meiner Schwester. Zum Beispiel habe ich mal zu Weihnachten das von Fi heiß begehrte Barbie-Traumhaus bekommen und sie dafür das Alien-Bastelset, das ich unbedingt haben wollte.« Ich zucke mit den Schultern. »Jetzt sind es die Autos. Ich habe einen rosafarbenen Fiat an der Backe, in den ich mich kaum reinquetschen kann, und die einen Meter sechzig kleine Fi versinkt in ihrem schwarzen Acura MDX.«

»Oh nein.« Gray schüttelt den Kopf. »Das ist übel, Mac.«

»Der einzige Trost ist, dass sich Fi genauso ärgert.«

»Warum tauscht ihr zwei nicht einfach?«

Ich trommele mit den Fingern gegen die Fensterscheibe. »Er hat uns die Autos gekauft. Wie viele Kinder werden schon so verwöhnt? Uns ist klar, dass wir uns glücklich schätzen können. Deswegen wollen wir Dads Gefühle nicht verletzen. Er mag seine Fehler haben, aber es wäre ihm total peinlich, wenn ihm sein Missgeschick klar würde. Er gibt sich große Mühe, weißt du? Er hat bloß … irgendwie keinen Schimmer, wenn es um uns geht.«

Gray nickt, aber seine traurige Miene verrät, dass er keine Ahnung hat, wie es ist, wenn man es mit einem zwar fürsorglichen, aber permanent danebentappenden Elternteil zu tun hat. Bis jetzt haben wir noch nicht über Familie gesprochen. Ich habe das Thema vor allem deshalb gemieden, weil Gray vorhat, meinen Dad als seinen Agenten zu verpflichten.

Um die gute Stimmung wiederherzustellen, lächle ich ihn an. »Abgesehen davon habe ich mich inzwischen an meine kleine Tussikarre gewöhnt. Und stell dir nur mal vor«, ich stoße ihm leicht den Ellbogen in die gestählte Seite, »ich hätte nie gesehen, wie du dich in dieses Auto quetschst, wenn Dad es richtig hinbekommen hätte.«

Gray lacht, bevor er leicht den Kopf einzieht. »Oh ja, klar, das ist die Schmerzen wert.«

»Du sagst es, Hase.«

Heiterkeit blitzt in seinen blauen Augen auf, und er mustert mich kurz, bevor er den Blick wieder auf die Straße richtet. »Und wir hätten uns vielleicht nie kennengelernt.«

Etwas keimt zwischen uns auf, sanft und zart. Plötzlich werde ich allein bei der Vorstellung, Gray nicht zu kennen, ganz rührselig. Fast ist mir zum Weinen zumute. Vielleicht bin ich aber auch nur übermüdet.

Gray räuspert sich. »Wohin soll ich dich fahren?«

»Ins City Diner.«

Als er überrascht eine Augenbraue hochzieht, sehe ich ihn mit einem Blick an, den man wahrscheinlich schon als wild geworden bezeichnen könnte. »Du glaubst nicht, was für einen Appetit ich auf einen Eimer knusprige Chickenwings mit Pommes habe.«

»Essen tut sie auch noch«, sagt er zu dem Wagen. »Ein Mädchen ganz nach meinem Geschmack.«

»Fahr einfach, Cupcake.«

»Ganz ruhig, Spezialsoße, ich bring dich schon zu deinen Hühnchenteilen.« Grinsend kurbelt er das Fenster runter und dreht das Radio auf.

Der Wind zerzaust mir das Haar, Musik dröhnt aus den Boxen. Ein Glücksgefühl, so leicht und prickelnd wie Champagner, durchströmt mich. Es ist schön, zu Hause zu sein.

Nachdem ich meinen Highschoolabschluss gemacht hatte, wusste ich genau, was ich danach tun wollte. Auf das Sarah Lawrence College gehen, um das Studentenleben voll und ganz auszukosten. Ich fand die Aussicht darauf so aufregend, dass ich noch im Talar und mit dem rechteckigen Hut auf dem Kopf meine Sachen gepackt habe. Während meiner Collegezeit habe ich fleißig die Nase in die Bücher gesteckt und schwer gebüffelt. So bin ich ein Jahr früher fertig geworden.

Jetzt liegt das Studium hinter mir, und ich habe das Gefühl, ziellos dahinzutreiben. Meine Freunde sind in alle vier Winde verstreut, finden ihren eigenen Weg im Leben. Seinen Abschluss zu machen ist eine einsame Angelegenheit. So einsam, dass ich verstehen kann, warum sich viele sofort für einen Masterstudiengang einschreiben, damit sie wieder dieses Gemeinschaftsgefühl erleben. Aber ich brauche erst mal eine Pause vom Studieren. Außerdem fühle ich mich nicht mehr einsam. Ich bin hier mit Gray, der den Raum um sich herum vollkommen auszufüllen scheint – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Gleichzeitig erfüllt er ihn aber auch mit Energie, als wäre er ein eigenes Sonnensystem, ein Strudel aus Planeten, Sternen und Sonnen.

In diesem Moment fläzt er sich gemütlich in das Separee, in dem wir sitzen, und lässt einen langen Arm über die Lehne hängen. Sein dunkelblondes Haar glänzt im Sonnenlicht, und ein leichtes Lächeln umspielt seinen Mund.

»Was?«, frage ich, bevor ich den nächsten Bissen paniertes Hühnchen nehme. Womöglich ist mir ein Stöhnen entwichen. Ich habe schon seit Ewigkeiten Lust auf richtige Chickenwings – knusprig, goldbraun, saftig und lecker. Kurz: himmlisch.

»Gefällt mir bloß dabei zuzugucken, wie jemand sein Essen so richtig genießt.«

»So, wie du das sagst, klingt es fast schon verboten.«

Er lacht. »Bei dir sieht es ja auch verboten aus.«

Ich will ihm gerade sagen, dass er sich verpissen soll – so nett wie nur möglich natürlich –, als er sich den Ärmel hochschiebt und mir etwas an der Innenseite seines Unterarms auffällt. »Hey, was ist das?« Ich umfasse sein Handgelenk und drehe sanft seinen Arm herum, damit ich die Tattoos betrachten kann, die seine Haut vom Ballen bis zum Ellbogen schmücken. Es sind mathematische Formeln in indigoblauer Farbe.

Gray versteift sich ein wenig und zieht scharf die Luft ein. Doch er scheint sich schnell wieder im Griff zu haben, lässt ruhig den Atem entweichen und antwortet in lockerem Tonfall: »Das da«, er deutet mit dem Kinn darauf, »ist die Eulersche Identität.« Er sieht mich an. »Wie gut kennst du dich mit Mathe aus?«

Ich verziehe das Gesicht. »Ich hab’s bis zur Analysis geschafft, weil das die Mindestanforderung war. Aber ich habe nur mit reiner Willenskraft und einem wissenschaftlichen Taschenrechner bestanden. Du könntest genauso gut Chinesisch rückwärts mit mir reden.«

Gray schenkt mir ein kurzes, verständnisvolles Lächeln. »Okay, dann ganz knapp zusammengefasst: Mathematiker bezeichnen die Eulersche Identität oft als die schönste aller mathematischen Gleichungen. Wegen ihrer eleganten Schlichtheit und weil sie die fünf sogenannten elementarsten mathematischen Konstanten miteinander in Verbindung bringt.«

»Glaub ich dir aufs Wort.« Ich fahre mit einem Finger über die Formel bis hoch zu einem anderen Tattoo – einer langen Zahlenfolge voller Brüche und Buchstaben, die für mich wie japanische Schriftzeichen aussehen. »Und das?«

»Das ist ein grundlegender Beweis für die Eulersche Formel.« Er mustert mich belustigt. »Ich könnte ihn erklären, aber …«

»Schon okay«, sage ich schnell, und er schmunzelt. Langsam streichle ich über die Tattoos. Sie sind gut gestochen, die Schrift ist elegant, wirkt beinah feminin. Und obwohl die Beweise und Gleichungen wie willkürlich hingeworfen aussehen, hat das Ganze eine gewisse Sicherheit und Bestimmtheit an sich, als wäre es in einem Rutsch heruntergeschrieben worden. »Ich wusste nicht, dass Mathe dein Ding ist.«

Gray bekommt eine Gänsehaut. Die feinen Härchen an seinem Unterarm stellen sich auf, als ich mit einer Fingerspitze seine Armbeuge berühre. »Mathe ist einfach etwas, das mir leichtfällt«, sagt er mit einem Schulterzucken. »Meiner Mom ging es genauso. Sie hätte alles werden können – Physikerin, Ingenieurin. Aber sie hat Geschichte geliebt und theoretische Studien, also wurde sie schließlich Mathematikhistorikerin. Euler war ein Mathematiker und Physiker, der im achtzehnten Jahrhundert gelebt hat, ein Genie. Ich glaube, Mom stand irgendwie auf ihn.«

Ich grinse. »Das ist süß.«

Gray beugt sich zu mir herüber, sodass sich unsere Köpfe fast berühren, während wir beide auf seine Tattoos hinunterstarren. Seine Stimme ist ganz leise, beinahe nur noch ein Flüstern. »Sie, äh … Sie ist gestorben.«

Ich hole tief Luft und atme langsam aus, bevor ich frage: »Wann?« Beim Gedanken daran, dass er unter dem Verlust seiner Mutter gelitten hat und ich nicht für ihn da war, bekomme ich ein ganz flaues Gefühl im Magen.

»Als ich sechzehn war. Brustkrebs.« Er schluckt und senkt die dichten Wimpern, sodass ich seine Augen nicht mehr sehen kann. »Ich habe am Ende stundenlang neben ihr gesessen und ihre Hand gehalten. Diesen Körperkontakt hat sie gebraucht. Aber sie hatte solche Schmerzen. Sie brauchte mehr Ablenkung als nur meine Berührung.«

Grays breite Brust hebt und senkt sich, während er tief durchatmet, um die Fassung zurückzugewinnen. Ich lege ihm tröstend eine Hand auf den Arm.

»Eines Tages habe ich einen Stift genommen und sie gebeten, mir etwas beizubringen. Das hat sie früher immer gemacht – mir die Schönheit theoretischer Mathematik anhand von Beweisen, Funktionen und Gleichungen aufgezeigt.« Er lacht unsicher. »Meine Gutenachtgeschichten.« Gray ballt die Hand zur Faust, sodass die Muskeln hervortreten. »Sie hat auf meinen Arm gemalt. Jedes Mal. Ich habe es abgewaschen, und sie hat wieder von vorn angefangen. Diese Tattoos … waren ihre letzten. Ich habe jemanden ihre Handschrift nachstechen lassen, um sie zu bewahren.«

»Das ist wunderschön.« Ich denke nicht nach, hebe einfach seinen Arm an und drücke sanft einen Kuss auf die weiche Haut.

Er verspannt sich, starrt mich an. Schmerz liegt in seinem Blick und auch so etwas wie Sehnsucht. Ich kenne dieses Gefühl von mir selbst. Das Bedürfnis, jemanden zu finden, der versteht, wie leer sich das Leben anfühlen kann. So als wäre man der einzige Mensch im ganzen Universum. Gray sieht mir noch einen Moment länger in die Augen, dann räuspert er sich. »Verdammt, Mac, du bringst mich noch dazu, wie ein Baby zu flennen.« Er schenkt mir ein schiefes Lächeln.

Ich erwidere es, lasse ihn los und lehne mich auf meinem Platz zurück. »Wahnsinnig komplizierte Mathematik fällt dir also leicht, hm? Du hast mir nie erzählt, welches Hauptfach du belegt hast.«

Gray schaut weg und nimmt einen besonders großen Bissen Hühnchen. »Maschinenbau und Nanotechnologie«, murmelt er mit vollem Mund.

Ich verschlucke mich beinahe an meinem Getränk. »Heilige Scheiße«, sage ich, als ich wieder Luft kriege.

Gray zuckt nur mit den Schultern.

»Wie zur Hölle hast du es geschafft, diese zwei Hauptfächer zu studieren und dazu noch überragend Football zu spielen?«

»Ich habe Nano dazugenommen, damit es nicht langweilig wird.«

»Weil das Maschinenbaustudium ein Klacks war?«, kiekse ich.

Verlegen spielt er an seiner Serviette herum. »Ja, also … Wie gesagt, so was fällt mir irgendwie leicht. Und ich wollte unbedingt mehr über die Technologie wissen. Weißt du, was für coolen Kram es in diesem Bereich gibt? Wenn man sich mit der hierarchischen Architektur von Nanostrukturen befasst …« Er bricht abrupt ab und wird ein bisschen rot, als befürchte er, zu viel herumzuschwafeln. Was er tatsächlich tut, aber es gefällt mir.

»Du hättest auf eine Elite-Uni gehen können, oder?«, frage ich.

»Diese Uni hat das beste Footballprogramm des ganzen Landes und ein sehr respektables Institut für Physik«, sagt er mit einem leichten Schulterzucken. »Keine große Sache.«

Verblüfft darüber, dass er offensichtlich versucht, seine Intelligenz zu verbergen, starre ich ihn an. Er glaubt anscheinend, ich könnte schlecht von ihm denken.

Er sieht mürrisch drein und ballt die großen Hände auf dem Tisch zu Fäusten. »Fragst du mich jetzt nicht, warum ich darauf setze, ein Spiel für unterbelichtete Sportskanonen zu spielen, wenn doch mehr aus mir werden könnte?«

»Das würde ich dich nie fragen. Ich weiß, dass es im Football hochintelligente Männer gibt.«

Er entspannt sich etwas. Dann fährt er sich mit einer Hand durch das helle Haar. »Tut mir leid. Ich bin empfindlich. Ich bekomme ungern noch mehr Aufmerksamkeit. Ich meine, ich bin verdammte eins achtundneunzig. Ich bin einer der Starspieler in einem Footballteam, das die National Championship geholt hat. Mir reicht es schon, ohne dass mir Fragen zu meinem IQ gestellt werden.« Er lacht freudlos. »Wie dem auch sei, ich liebe Football. Ich liebe Mathematik und Naturwissenschaften. Auf die Art kann ich beides haben. Und wenn es mit dem Sport nicht klappt, weiß ich, dass ich in der Nanotechnologie eine gute Zukunft in Aussicht habe.«

»Die Untertreibung des Jahres, Cupcake.« Ich stupse seinen Fuß an, worauf er sich noch mehr entspannt.

»Also, was hast du jetzt, wo du wieder zu Hause bist, so vor, Ivy Mac?«

Wir haben über so vieles geredet, aber unsere Pläne für die Zukunft gehörten aus irgendeinem Grund bisher nicht dazu. Gray und ich haben eine Beziehung, die sich auf die Gegenwart konzentriert. Ich glaube, es war einfacher, sich einfach nur zu freuen, dass es den anderen gibt. Doch jetzt, wo ich ihm von meinen Plänen erzählen soll, macht sich Unbehagen in mir breit. Ich habe genau abgesteckt, welche Wege ich in meinem Leben einschlagen werde, aber hier und jetzt möchte ich nicht darüber reden.

Ich wische meine Hände an einer Serviette ab, bevor ich einen großen Schluck Limonade trinke. »Du weißt doch, dass ich das letzte Jahr über bei meiner Mom war, um zu lernen, wie man einen ihrer Läden führt?« Mom ist eine Spitzenbäckerin. Sie besitzt und führt eine extrem erfolgreiche Bäckerei in London mit drei Filialen. Ihre Spezialitäten sind Brote und Kuchen.

Als Gray nickt, hole ich tief Luft, bevor ich weiterrede, denn innerlich fühle ich mich auf einmal ganz zittrig und kalt.

»Im Frühjahr werde ich nach London zurückgehen und die Filiale in Notting Hill übernehmen.« Abgesehen von dem in Chelsea ist das ihr umsatzstärkster Laden. Dass sie mir die Geschäftsleitung überlässt, bedeutet viel Verantwortung und ist ein großer Vertrauensbeweis.

Stille. Gray runzelt die Stirn, als hätte er mich nicht richtig verstanden, dann räuspert er sich. »Du wirst wieder weggehen, um in London zu leben?«

»Ja.«

Sonnenlicht fällt auf eine Hälfte seines Gesichts, sodass seine markante Nase und der kantige Kiefer deutlich hervorgehoben werden, als er sich zur Seite dreht, um aus dem Fenster zu sehen. Er schiebt die Unterlippe vor, dann presst er den Mund zu einer schmalen Linie zusammen und schaut mich wieder an. »Wann gehst du zurück?«

»Im März.« Ich schließe die Finger um die fettige Serviette in meinem Schoß. »Ich habe meinen Abschluss in BWL gemacht. Backen mochte ich schon immer. Es passt alles zusammen. Und auf diese Weise kann ich auch mehr Zeit mit meiner Mom verbringen. Sie hat sich so gefreut, mich das letzte Jahr über bei sich zu haben.«

Er nickt, sieht mich jedoch nicht an, sondern schaut auf den kleinen Haufen Hühnerknochen, der in dem roten Plastikkörbchen vor ihm liegt. »Das ist toll, Mac. Echt … toll.« Er schüttelt sich leicht und hebt dann den Kopf. Sein breites Lächeln wirkt unbekümmert. Vielleicht ist es ein gezwungenes, ich weiß es nicht. Ich fühle nur diese merkwürdige Mischung aus Verlust und Schuld. Aber Gray lässt mich nicht darin baden. »Also haben wir ein paar schöne Monate, bevor du die Backwelt im Sturm eroberst. Was wirst du in der Zeit hier machen?«

Ich lasse mich in den Sitz sinken. »Ich werde mit Fiona rumhängen. Sie geht hier aufs College, deswegen lebt Dad vorübergehend auch in der Stadt. Er hat eine Wohnung in New York und ein Haus in L. A., aber bei Fi war er schon immer überfürsorglich. Er traut ihr nicht zu, allein klarzukommen.«

Gray runzelt die Stirn und isst noch ein Stück Hühnchen. »Und um dich macht er sich keine Sorgen?«

»Nein, ich bin zäh wie Gummi, ich lande immer wieder auf den Füßen. Fi ist die Labile von uns beiden.« Ich zucke mit den Schultern. »So war das schon immer. ›Mach dir keine Sorgen um Ivy, sie ist gefestigt.‹ ›Fis Gefühle dürfen auf keinen Fall verletzt werden, sonst bricht sie zusammen.‹ Ehrlich gesagt ist das Schwachsinn. Meine Schwester und ich haben mehr gemeinsam als uns trennt. Aber Mom und Dad sind da anderer Ansicht.«