0,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 0,99 €
Im eisigen Winter 1919 steht eine kleine Bahnstation in der Ukraine im Zentrum eines dramatischen Konflikts. Der rote Panzerzug Nr. 75 ist blockiert, die Rotarmisten sind erschöpft und von Feinden umzingelt. In dieser spannungsgeladenen Nacht tritt Gascha, eine mutige Frau mit einer geheimnisvollen Vergangenheit, in das Leben der Soldaten. Ihre Geschichte, geprägt von Leid, Widerstand und unerschütterlichem Mut, enthüllt sich inmitten des Bürgerkriegs. Entdecken Sie ein packendes E-Book, das von Tapferkeit und Kampfgeist erzählt und dabei tief in die Geschichte und das Schicksal einer außergewöhnlichen Frau eintaucht. Lassen Sie sich von Friedrich Wolfs meisterhafter Erzählkunst in eine vergangene Epoche entführen, die noch heute nachhallt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Gascha
Eine Geschichte aus der Ukraine 1918–1919
ISBN 978-3-68912-112-9 (E–Book)
Die Erzählung wurde 1936 verfasst.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
© 2024 EDITION digital®
Pekrul & Sohn GbR
Godern
Alte Dorfstraße 2 b
19065 Pinnow
Tel.: 03860 505788
E–Mail: verlag@edition–digital.de
Internet: http://www.edition-digital.de
Eine Geschichte aus der Ukraine 1918–1919
Winternacht auf einer kleinen ukrainischen Bahnstation. Der hohe Neuschnee blockiert den roten Panzerzug Nr. 75. Alarmbereitschaft. Die Wache erwartet einen Angriff der Weißen, jede Stunde. Undurchdringliche Nacht. Krachender Frost.
Seit sechzig Stunden sind die Rotarmisten ohne Schlaf. Sie können kaum mehr die Augen aufhalten, wagen sich nicht zu setzen, gehen wie im Traum umher, draußen auf den Schienen die Posten, drinnen im Zimmer der Station der Telefonist, der Abteilungsführer, die erste Ablösung. Durch das aufgehauchte Guckloch des Fensters sieht man den Schatten der Lokomotive des verschneiten Panzerzuges. Von weit her kleckert ein Schuss.
Wüsste man, wo die Weißen stehn, wie stark sie sind, was sie planen: Ob die Station zu halten ist? Der Kommandeur, ein junger Metallarbeiter, tritt hinaus auf den Perron. Er prallt zurück. In dem schmalen Lichtschein erkennt er eine Frau. „Wer bist du? Woher? Was stehst du hier?“ Die Frau klirrt mit einer Milchkanne, die sie hastig auf den Boden stellt. Sie zieht ein Dokument hervor, ihren Passierschein, er stimmt. Der Kommandeur betrachtet immer wieder die Dokumente: Weshalb schleicht sie in dieser eisigen Nacht durch die Sperrketten? Die Frau fühlt, die Verhaftung ist unvermeidlich; sie bittet, dem Kommissar der Abteilung vorgeführt zu werden, den Mitgliedern der Partei; dort wird sie alles berichten.
Als die Frau ihre Erzählung beendet hat, ist es schon Tag; man weiß, es ist Gascha.
Dies aber ist ihre Geschichte.
Vor achtzehn Jahren, in ihrer frühen Jugend, lebte sie auf der Farm des reichen Gutsherrn Suchomlinow, eines Bruders des bekannten zaristischen Ministers. Suchomlinow hatte im Odessaer Bezirk riesige Schafherden, bis zu zwanzigtausend Stück. Mikola, Gaschas Vater, war ein Schafhirt des Gutsherrn; auch der Vater und Großvater von Mikola waren dort Hirten. Die Mutter starb, als Gascha erst sieben Jahre alt war. Sie musste jetzt alle anderen Geschwister pflegen, die ganze Wirtschaft versehen. Der Vater schlug das Kind oft mit der Lederpeitsche. Ihr schlanker Körper war mager vom Hunger und blutig von den Hieben. Damals weinte sie viel.
