Gebet und Mantra - Sri Aurobindo - E-Book

Gebet und Mantra E-Book

Sri Aurobindo

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Beschreibung

"Fürwahr, lebst du auch nur für einen Augenblick, einen ganz kurzen Augenblick in dieser völlig aufrichtigen Aspiration, oder diesem hinreichend intensiven Gebet, so erfährst du mehr, als wenn du stundenlang meditierst." (Die Mutter) –– Gebet: Es gibt eine allgemeine Tendenz unter bestimmten Intellektuellen, das Gebet als etwas Religiöses und Minderwertiges abzutun. Ein Blick auf die spirituelle Geschichte der Menschheit zeigt jedoch, dass das Gebet schon immer ein integraler Bestandteil des spirituellen Lebens war. Es gibt einen Grundgedanken und einen Vorgang hinter den Gebeten, eine mystische Wahrheit mit tiefgreifenden Auswirkungen, die der Verstand nicht immer erkennt, aber das Herz leicht entdeckt. In diesem Buch werden die verschiedenen Aspekte des Gebets als Teil unserer spirituellen Entwicklung und unseres Wachstums im Lichte des Integralen Yoga aufgezeigt. –– Mantra: Sri Aurobindo enthüllt, dass „das Mantra, poetischer Ausdruck der tiefsten spirituellen Realität, nur möglich ist, wenn sich drei höchste Intensitäten poetischer Sprache treffen und unlösbar eins werden, eine höchste Intensität rhythmischer Bewegung, eine höchste Intensität verwobener verbaler Form und Denkweise, Stil und eine höchste Intensität der Seele Wahrheits-Schau“. Es ist ein Ruf der Seele, der in Ekstase und Anbetung über die Vision der Wahrheit hervorspringt. Das höhere Firmament ist der geheime Geburtsort des Mantra, von dem die Seele zum Zeugen wird, während sie aus dem begrenzten Bereich des sterblichen Verstandes in das grenzenlose Sehen des Unendlichen aufsteigt. Das Mantra ist daher viel mehr als nur einige Sanskrit-Wörter, die mit tiefer Bedeutung erfüllt sind. Das Mantra kann in jeder Sprache sein, denn es entsteht aus der Stille, die die Sterne miteinander verbindet. Seine Tiefe geht über die bloße Bedeutung oder die Idee hinaus zu den Klang-Schwingungen, die auf Flügeln der Sehnsucht und Liebe klettern und den Hörer zum Heim der Wahrheit tragen oder ihm etwas von der Herrlichkeit offenbaren, das sich hinter den vielen Masken der Schöpfung verbirgt. In diesem Buch wird versucht, die Wahrheiten über das Mantra hervorzuheben, die uns durch die mantrischen Worte und Schriften der Mutter und Sri Aurobindos offenbart wurden.

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Omsriaurobindomira

Alles

Leben

ist

Yoga

“All life is Yoga.” – Sri Aurobindo

Gebet und Mantra

Sri Aurobindo | Die Mutter

SRI AUROBINDODIGITAL EDITION

Copyright 2019

AURO MEDIAVerlag und FachbuchhandelWilfried Schuh

eBook Design

SRI AUROBINDO DIGITAL EDITIONDeutschland, Berchtesgaden

ALLES LEBEN IST YOGAGebet und MantraAuszüge aus den Werken von Sri Aurobindo und der Mutter1. Ausgabe 2019ISBN 978-3-96387-034-7

© Fotos und Textauszüge Sri Aurobindos und der Mutter:Sri Aurobindo Ashram TrustPuducherry, Indien

Blume auf dem Cover:Zephyranthes. Weiß.Die von der Mutter gegebene spirituelle Bedeutung:Integrales GebetDas ganze Wesen ist in einem einzigen Gebet auf das Göttliche konzentriert.

Anmerkung des Herausgebers

Einfache Auszüge aus den Werken Sri Aurobindos und der Mutter sollen für die Sadhana eine praktische Orientierung zu bestimmten Themen geben. Die Themen behandeln das gesamte Feld menschlicher Aktivitäten, denn wahre Spiritualität ist nicht eine Abkehr vom Leben, sondern die Kunst, das Leben zu vervollkommnen.

Die Übersetzung der Textstellen von Sri Aurobindo erfolgte aus dem ursprünglichen Englisch, während die meisten Passagen der Mutter bereits Übersetzungen aus dem Französischen waren. Fast alle Texte der Mutter wurden ihren Gesprächen, die sie mit Kindern und Erwachsenen führte, entnommen, einige ihren Schriften. Wir müssen außerdem berücksichtigen, dass die Auszüge ihrem ursprünglichen Zusammenhang entnommen wurden und dass jede Zusammenstellung ihrer Natur nach möglicherweise einen persönlichen und subjektiven Charakter hat. Es wurde jedoch der aufrichtige Versuch unternommen, der Vision Sri Aurobindos und der Mutter treu zu bleiben.

Die Textauszüge sind vom Verlag zum Teil mit Kapiteln und Überschriften versehen worden, um ihre Themen hervorzuheben. Sofern es möglich war, wurden sie in Anlehnung eines Satzes aus dem Text selbst gewählt.

Sri Aurobindo und die Mutter machen von der in der englischen Sprache gegebenen Möglichkeit, Wörter groß zu schreiben, um ihre Bedeutung hervorzuheben, häufig Gebrauch. Mit dieser Großschreibung bezeichnen sie meist Begriffe aus übergeordneten Daseinsbereichen, doch auch allgemeine wie Licht, Friede, Kraft usw., wenn sie ihnen einen vom üblichen Gebrauch abweichenden Sinn zuordnen. Diese Begriffe wurden in diesem Buch kursiv hervorgehoben, um dem Leser zu einer leichteren Einfühlung in diese subtilen Unterscheidungen zu verhelfen.

Eckige Klammern bezeichnen Einfügungen des Übersetzers, die um des besseren Verständnisses willen angebracht erschienen. Einige wenige Sanskritwörter wie Sadhana, Sadhaka, Yoga usw. wurden eingedeutscht, da sie durch ihren häufigen Gebrauch bereits als Bestandteil der deutschen Sprache angesehen werden können. Alle anderen Sanskritwörter sind kursiv hervorgehoben, wobei auf diakritische Transkriptionszeichen verzichtet wurde.

Die kursiv geschriebenen Textpassagen vor den Worten Sri Aurobindos und der Mutter sind Fragen bzw. Antworten von Schülern oder sonstige erläuternde Texte.

„Wahre Spiritualität bedeutet nicht, dem Leben zu entsagen, sondern das Leben mit einer Göttlichen Vollkommenheit zu vervollkommnen.“ – Die Mutter

* * *

Inhaltsverzeichnis

TitelseiteCopyrightAnmerkung des HerausgebersZitate von Sri Aurobindo und der MutterI. GEBET1. Die Bedeutung des Gebets2. Die Macht des Gebets3. Wie man betet4. Das Göttliche um etwas bitten5. Gebet und Aspiration6. Das wahre Gebet7. Kollektives Gebet8. Ich bin bei dirII. MANTRA1. Die Theorie des Mantras2. Die Praxis des Mantras3. Japa4. Die Macht des göttlichen Namens5. Das Mantra und der Integrale YogaIII. GEBETE UND MANTRAS1. Die eine wesentliche Sache2. Die Macht des Mantras3. In der Nacht wie am Tag4. Lass mich Dir gehören5. Auf das ich Dich nie vergessen mag6. Der Schutz des Höchsten7. Nimm unsere Darbringung anANHANGQuellenangaben

Guide

CoverTable of ContentsStart Reading

Die Mutter – Sri Aurobindo

Gebete sollten voller Vertrauen sein, ohne Sorge oder Wehklagen. – Sri Aurobindo

Fürwahr, lebst du auch nur für einen Augenblick, einen ganz kurzen Augenblick in dieser völlig aufrichtigen Aspiration, oder diesem hinreichend intensiven Gebet, so erfährst du mehr, als wenn du stundenlang meditierst. – Die Mutter

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Teil 1

GEBET

Unser ganzes Leben sollte ein dem Göttlichen dargebrachtes Gebet sein. – Die Mutter

Kapitel I

Die Bedeutung des Gebets

Worte Sri Aurobindos

Das Leben des Menschen ist ein Dasein voller Wünsche und Bedürfnisse und somit von Begierden, nicht nur in seinem physischen und vitalen, sondern auch in seinem mentalen und spirituellen Wesen. Wenn er sich einer höheren Macht bewusst wird, die die Welt regiert, naht er sich dieser durch sein Gebet für die Erfüllung seiner Bedürfnisse, für Hilfe auf seinem rauhen Lebensweg, für Schutz und Beistand in seinem Kampf. Welche Rohheiten es bei der gewöhnlichen religiösen Annäherung an Gott durch das Gebet auch geben mag – und deren gibt es viele, besonders diese Haltung, die glaubt, das Göttliche könne man günstig stimmen, bestechen und ihm schmeicheln, so dass es sich durch Lobpreisung, Flehen und Geschenke zufrieden und nachsichtig stimmen lasse und wenig darauf achtet, in welchem Geist man sich ihm naht –, so entspricht dennoch diese Art, sich an das Göttliche zu wenden, einer wesentlichen Regung unseres religiösen Wesens und beruht auf einer universalen Wahrheit.

Man zweifelt oft an der Wirksamkeit des Gebetes und vermutet, das Beten selbst sei etwas Irrationales und darum notwendigerweise etwas Überflüssiges und Unwirksames. Es ist wahr, dass der universale Wille immer seine Absichten ausführt und davon nicht durch egoistisches Drängen oder Flehen abgelenkt werden kann. Es ist wahr, dass das Transzendente, welches sich in der universalen Ordnung zum Ausdruck bringt, allwissend ist und darum in seinem umfassenderen Wissen voraussehen muss, was zu geschehen hat und dazu keine Weisungen oder Anregungen durch menschliches Denken braucht. Es ist wahr, dass die Begehrlichkeiten des Individuums in keiner Welt-Ordnung ein wirklich bestimmender Faktor sind oder sein können. Aber weder diese Ordnung noch die Ausführung des universalen Willens werden durch ein mechanisches Gesetz bewirkt, vielmehr durch Mächte und Kräfte, von welchen, zumindest für das menschliche Leben, der Wille, die Aspiration und der Glaube nicht zu den unwichtigsten gehören. Das Gebet ist nur eine besondere Form, in der sich dieser Wille, diese Aspiration und dieser Glaube zum Ausdruck bringen. Oft sind seine Formen noch sehr primitiv und nicht nur kindlich, was kein Fehler wäre, sondern kindisch, aber dennoch hat es eine wirkliche Macht und Bedeutung. Seine Macht und sein Sinn ist, den Willen, die Aspiration und den Glauben des Menschen mit dem göttlichen Willen als dem eines bewussten Wesens in Berührung zu bringen, zu dem wir in bewusste und lebendige Beziehung treten können. Denn entweder können unser Wille und unsere Aspiration durch unsere eigene Kraft und Anstrengung wirken, was zweifellos zu etwas Großem und Wirksamen, ob für niedere oder höhere Zwecke, führen kann – und es gibt viele Disziplinen, die diese Kraft als die einzig zu gebrauchende herausstellen –, oder er kann unabhängig davon und dem göttlichen oder universalen Willen untergeordnet handeln. Diese letztere Methode wiederum mag entweder diesen Willen als aufgeschlossen für unsere Aspiration ansehen, dies aber beinahe mechanisch, nach einer Art Energiegesetz, gewiss aber völlig apersonal, oder sie mag ihn so verstehen, dass er bewusst auf unsere auf Gott gerichtete Aspiration und auf den Glauben der menschlichen Seele antwortet und ihr Hilfe, Führung, Schutz und den erbetenen Erfolg bringt, yogaksemam vahamyaham.

Das Gebet trägt dazu bei, diese Beziehung zunächst auf der niederen Ebene für uns vorzubereiten, wenn es auch dort mit vielem behaftet ist, was aus reinem Egoismus und bloßer Selbsttäuschung herrührt. Danach können wir uns aber höher hinauf jener spirituellen Wahrheit zuwenden, die dahinter steht. Dann kommt es nicht mehr so sehr auf Gewährung der erbetenen Sache an, sondern auf die Beziehung selbst, auf den Kontakt des menschlichen Lebens mit Gott, auf den bewussten Austausch mit ihm. In spirituellen Dingen und beim Suchen nach spirituellen Errungenschaften ist diese bewusste Verbindung eine große Macht. Sie ist eine viel stärkere Macht als unser völlig auf uns selbst gestütztes Kämpfen und Mühen und bringt ein größeres spirituelles Wachsen mit sich und eine größere spirituelle Erfahrung. Notwendigerweise endet das Gebet schließlich in der größeren Sache, auf die es uns vorbereitet hat – tatsächlich ist die Ausdrucksform, die wir Gebet nennen, an sich nicht wesentlich, solange der Glaube, der Wille und die Aspiration vorhanden sind –, oder aber es bleibt nur um der Freude an der Beziehung willen. Auch werden seine Ziele, artha, das Interesse, welches es zu verwirklichen sucht, immer höher und höher, bis wir schließlich die höchste, von keinen Motiven mehr bestimmte Verehrung erreichen, welche die der göttlichen Liebe ist, rein und einfach, ohne jegliche Forderung oder irgendein Verlangen.

*

Worte Sri Aurobindos

Die menschliche Seele kommt zum Göttlichen um der Hilfe, dem Schutz, der Führung und Erfüllung willen – oder, wenn Wissen das Ziel ist, naht sie sich dem Führer, Lehrer und Geber des Lichtes, denn das Göttliche ist die Sonne des Wissens –, oder sie kommt in Schmerz und Leiden, um Linderung, Trost und Erlösung zu finden, Erlösung entweder vom Leiden selbst oder von der Welt-Existenz, die die Heimstätte des Leidens ist oder dessen innere und wahre Ursache1... Die Seele geht zur Mutter-Seele mit all ihren Wünschen und Nöten, und die Göttliche Mutter will es so, damit sie ihr Herz der Liebe ausströmen lassen kann. Die menschliche Seele wendet sich ihr auch aufgrund des selbstexistenten Charakters dieser Liebe zu und weil sie uns den Weg zu unserer Heimat weist, in die wir von unseren Wanderungen in der Welt zurückkehren, hin zur Brust, an der wir unsere Ruhe finden.

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Worte Sri Aurobindos

Nun zu den Gebeten: Die Tatsache des Betens als solche und die innere Haltung, die es mit sich bringt, besonders das selbstlose Gebet für andere, öffnet dich gegenüber der höheren Macht, selbst wenn in der Person, für die du betest, kein entsprechendes Ergebnis erzielt wird. Über Letzteres kann nichts mit Bestimmtheit ausgesagt werden, denn das Ergebnis hängt notwendigerweise von der Person ab, das heißt, ob sie offen oder empfänglich oder etwas in ihr fähig ist, auf irgendeine Kraft zu reagieren, die das Gebet herabbringt.

*

Worte der Mutter

Menschen mit einer strengen Logik werden dir allerdings sagen: „Wozu beten? Wozu streben? Wozu bitten? Der Herr tut, was Er will, und Er wird tun, was Er will.“ Das versteht sich von selbst, man braucht es gar nicht zu sagen, doch dieser Impuls: „O Herr, offenbare dich!“, gibt Seiner Offenbarung eine intensivere Schwingung.

Sonst hätte Er die Welt niemals so gemacht, wie sie ist. Es gibt da eine besondere Macht, eine besondere Freude, eine besondere Schwingung in dieser eindringlichen Aspiration der Welt, wieder das zu werden, was sie ist.

Das ist der Grund, warum es – teilweise, fragmentarisch – eine Entwicklung gibt.

Einem ewig vollkommenem Universum, das in alle Ewigkeit die ewige Vollkommenheit offenbart, würde die Freude des Fortschritts fehlen.

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Worte Sri Aurobindos

Niemand wird in diesem Yoga in irgendeiner formalen Weise initiiert. Diejenigen werden von der Mutter angenommen, die für diesen Weg oder für Sri Aurobindos Werk berufen oder von innen heraus auserwählt wurden. Diese Annahme ist ausreichend. Diejenigen gelten als berufen oder auserwählt, die sich öffnen und empfänglich für die Kraft sein können, die von der Mutter hier ausgeht, und die das Wirken der Kraft spüren können. Wer durch das, was er jetzt tut, sich mit der Zeit für die Kraft