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Der Student Martin gerät in die Fänge einer geheimnisvollen Sekte, die antike Gottheiten verehrt. Oliver Behrendt übernimmt nach dem unerwarteten Tod seines Vaters den elterlichen Verlag in Berlin. Schon bald zeigt sich, dass sich sein Vater mit der Berliner Unterwelt angelegt hat. Olivers Schulfreund Christian ist Profi-Fotograf und lebt in der Schweiz. Er lernt die Hobby-Archäologin Anja aus München kennen. Sie verbringen einige Tage miteinander, danach verschwindet sie spurlos. Er selbst erhält Todesdrohungen...
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
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Epilog
Impressum
Wilfried Lux
Gefährliche Weitwinkel
Das Buch
Der Student Martin gerät in die Fänge einer geheimnisvollen Sekte, die antike Gottheiten verehrt. Nachdem er sich anfangs wehrt, wird er zum treuen Mitglied. Oliver Behrendt übernimmt nach dem unerwarteten Tod seines Vaters den elterlichen Verlag in Berlin. Schon bald zeigt, sich, dass sich sein Vater mit der Berliner Unterwelt angelegt hat, die nun auch ihn bedroht und unter Druck setzt. Olivers Schulfreund Christian ist Profi-Fotograf und lebt in der Schweiz. Er lernt die Hobby-Ägyptologin Anja aus München kennen. Sie verbringen einige Tage miteinander, danach verschwindet sie spurlos. Er selbst erhält Todesdrohungen. Seine Nachforschungen führen ihn ins – moderne und antike – Ägypten…
Der Autor
Wilfried Lux, geb. 1966 in Mülheim an der Ruhr, ist Professor für Wirtschaftswissenschaften, Schriftsteller und Hobbyfotograf. Seine Leidenschaft gilt der antiken Geschichte und vor allem dem Alten Ägypten. Er lebt und arbeitet in St. Gallen.
Wilfried Lux
Gefährliche Weitwinkel
Mystery-Thriller
Impressum
Texte: © 2021 Copyright by Wilfried Lux
Umschlag: © 2021 Copyright by Wilfried Lux
Verantwortlich
für den Inhalt: Wilfried Lux
Rosenbüchelstrasse 1
CH-9014 St. Gallen
Schweiz
E-Book-Erstellung: tolino media GmbH & Co. KG (www.tolino-media.de)
ISBN 978-3-7546-2620-7
Martin rückte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Erst einen Tag vorher war er angekommen, hatte am Abend noch eine Schale Reis mit etwas Gemüse zu essen bekommen. Dann zeigte man ihm sein Zimmer. Es war sehr klein, und ausser einem einfachen Bett, einem kleinen Tisch und Stuhl sowie einem Schrank für seine Kleidung war nichts vorhanden.
"Dusche und Toilette musst du dir mit den anderen Schülern teilen. Um fünf Uhr wirst du geweckt für die Morgenmeditation."
Zwei Stunden hatte diese gedauert. Zum Frühstück gab es grünen Tee und einige Früchte.
"Das reinigt den Körper und macht ihn aufnahmefähig", antwortete man ihm auf die Frage nach Brot, Wurst und Käse.
"Nach dem Frühstück beginnt deine erste Lektion."
Man führte ihn durch dunkle Korridore und einige grosse Säle. Überall sah er Skulpturen von Menschen oder menschenähnlichen Gestalten und unverständliche Schriftzeichen. In einem kleinen Raum bedeutete man ihm, sich zu setzen und auf den Meister zu warten. Das war nun schon eine halbe Stunde her.
Dann hörte er Schritte, die Tür wurde geöffnet, und sein neuer Lehrer trat ein. Er war eine imposante Gestalt, fast zwei Meter gross mit breiten Schultern. Er hatte graue Haare und einen ebenso grauen Vollbart, machte aber trotzdem einen sportlichen und agilen Eindruck. Sein schwarzes Gewand war mit zahlreichen goldenen Ornamenten verziert, die Martin nichts sagten.
"Ich bin Meister Eugenius, von jetzt an dein Lehrmeister."
"Guten Morgen, Meister Eugenius. Ich freue mich, Euer Schüler zu sein."
"Wie du ja schon mitbekommen hast, meditieren wir hier alle gemeinsam. Aber die Ausbildung erfolgt einzeln. So können wir jeden Schüler besser betreuen und fördern. Auf diese Weise werdet ihr alle euren Weg schneller machen."
"Warum habt ihr mich ausgewählt?"
Martin war einige Wochen zuvor an der Universität von einem attraktiven Mädchen angesprochen worden. Sie stellte sich als Rigani vor.
‚Das ist der Name einer keltischen Göttin‘, hatte sie ihm erklärt. Ob er sich für die grundlegenden Fragen der Menschheit interessiere? Ob er Antworten suche? Und ob er die Welt besser machen möchte? Ja, natürlich wollte er das. Er war schon immer eine Art Suchender gewesen, einer der stets alles hinterfragte und den Dingen auf den Grund gehen wollte. Er hatte sich noch einige Male mit dem Mädchen getroffen; schliesslich war er überzeugt, dass dieser Orden das Richtige für ihn war.
"Wir haben dich ausgewählt, weil du ein Suchender bist und ein Sehender werden kannst. Einer, der mit offenen Augen durch das Universum läuft und Dinge sieht, die andere nicht sehen. Wir erkennen so etwas. Glaub mir."
"Machen wir es uns bequem, und beginnen wir mit der ersten Lektion. Der Orden der kosmischen Weisheit vereinigt das gesamte Wissen der Menschheit. Wenn du dir die verschiedenen Religionen anschaust, stellst du fest, dass sie immer eine bestimmte Sichtweise einnehmen und alles andere leugnen. Wir dagegen haben aus jeder Epoche und Kultur das Wahre genommen und das Unwahre abgelehnt. So ist es uns gelungen, universelle Weisheit zu erlangen und Antworten auf alle wichtigen Fragen des Lebens zu finden."
"Wie lange dauert es, bis ich diese Antworten finde?"
"Es ist ein langer Weg, und du stehst ganz am Anfang. Aber glaube mir, es lohnt sich, ihn zu gehen. Unser Wissen geht zurück bis zu den ersten intelligenten Menschen, die auf der Erde gelebt haben. Man nennt sie Cro-Magnon-Menschen, weil die ersten Überreste in der gleichnamigen französischen Höhle gefunden wurden. Von ihnen stammen beispielsweise die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux in der Nähe von Bordeaux. Sie sind eine Kombination aus Gravuren und Malereien, die sowohl Tiere als auch abstrakte Formen darstellen. Die Wissenschaftler fragen sich heute, welche Bedeutung diese prähistorischen Kunstwerke hatten. Aber sie haben keine Antworten."
"Und Ihr habt die Antworten, Meister Eugenius?"
"Ja, sicher, mein Junge."
Jetzt lächelte der Meister zum ersten Mal ein wenig.
"Ich sagte dir ja, wir haben alle Antworten. Einige meinen, die Höhlenmalerei sei eine Art Kino gewesen, dazu gemacht, die Menschen der damaligen Zeit zu unterhalten. Andere meinen, es seien rituelle Orte gewesen, um sich beispielsweise für die Jagd vorzubereiten. Aber das ist alles Unsinn."
"Ja, und was ist nun ihre wirkliche Bedeutung, Meister Eugenius?"
"Sie sind das Abbild des Universums. Die Tiere und Formen sind derart angeordnet, dass sie den Sternenhimmel symbolisieren. Die Augen der Tiere sind die Sterne und Planeten. Deshalb haben sie auch eine ganz bestimmte Anordnung. Die Höhle erhielt für die Menschen somit eine mystische Bedeutung. Sie kamen hierher, um sich die Kraft zu holen, die sie für ihren täglichen Überlebenskampf brauchten."
"Und woher wisst Ihr das so genau, Meister Eugenius?"
"Es wurde überliefert. Ausserdem steht es ja auch in den Höhlen geschrieben. Neben den Tieren erkennen wir auch zahlreiche geometrische Formen. Das sind Schriftzeichen, eine Kombination aus Symbolen und abstrakten Zeichen, ähnlich der alt-ägyptischen Hieroglyphen. Eine Kornähre beispielsweise steht für Nahrung, ein Bogen für Jagd. Auch Zahlen kannten sie bereits. Ein Quadrat steht für eins, ein Quadrat mit einem Strich in der Mitte für zwei und so weiter. Wenn man es einmal weiss, ist alles plötzlich ganz einfach."
"Kannten diese Menschen denn auch schon Götter?"
"Das ist eine gute Frage, mein Junge. Und die Antwort ist ja. Alle Tiere auf den Bildern sind sehr natürlich dargestellt, mit einer Ausnahme. Diese Ausnahme ist das Einhorn. Es ist das einzige Tier, das so nicht existiert hat und stellt ihre Gottheit dar, sozusagen den Ur-Gott oder besser gesagt die Ur-Göttin."
"Wie hiess denn diese Göttin, und woher wisst Ihr, dass es eine Göttin und kein Gott war?"
Martins Augen waren gross und seine Wangen vor Aufregung ein wenig gerötet.
"Das Einhorn wurde häufig mit dickem Bauch in schwangerem Zustand dargestellt. Daher wissen wir, dass es eine Göttin war. Einen Namen hatte sie anfangs nicht, die Menschen sprachen stets respektvoll von ‚ihr‘ bzw. ‚die, die da oben wohnt‘".
"Wie lange hat diese Ur-Göttin existiert?"
"Sie existiert heute noch. Sie wird, wie wir wissen, immer wieder geboren und nimmt in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Formen und Namen an. Später sind in anderen Kulturen dann zahlreiche weitere Gottheiten hinzugekommen. Aber darüber sprechen wir in späteren Lektionen."
"Können wir nicht jetzt gleich weitermachen. Das ist alles so spannend, Meister Eugenius."
"Nein, für heute ist es genug. Du musst nun mit den anderen Schülern wieder meditieren gehen. Wir machen morgen mit der nächsten Lektion weiter."
Für den Nachmittag war Selbststudium vorgesehen. Die Schüler versammelten sich in der Bibliothek. Dort war eine Ecke für sie reserviert, wo jeder von ihnen einen Schreibtisch und einen Stuhl hatte. Je nach Ausbildungsgrad hatte jeder eine Liste von Büchern bekommen, die er durchzuarbeiten hatte.
Alle Schüler waren Jungen. Die einzige Ausnahme war Rigani. Das Mädchen, das Martin an der Universität angesprochen hatte, war schon längere Zeit beim Orden und hatte bereits einen hohen Ausbildungsgrad, so sagte man ihm. Deshalb wurde sie auch gelegentlich geschickt, um neue Anwärter zu suchen, so wie sie auch Martin angeworben hatte. Ihren ursprünglichen Namen hatte sie abgelegt, der Orden hatte ihr den Namen dieser keltischen Göttin gegeben.
Martin nahm sich ein Buch über das mystische Leben der Cro-Magnon-Menschen vor. Das Gespräch mit Meister Eugenius hatte ihn sehr fasziniert. Er wollte noch mehr darüber erfahren.
Plötzlich vernahm er seltsame Klänge. Er horchte auf. Neugierig geworden stand er auf und folgte den Lauten. Er ging durch eine lange dunkle Halle, die Klänge wurden lauter, und Martin erkannte eine seltsame und fremdartige Musik, die ihn faszinierte. Sie schien aus einem Raum hinter einer schweren Holztür zu kommen.
Langsam und mit leisen Schritten näherte er sich der Tür. Er bückte sich gerade ein wenig, um einen Blick durchs Schlüsselloch zu werfen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte.
"Nein, das darfst du nicht!"
Rigani war ihm gefolgt und blickte ihn streng an.
"Das ist für Novizen verboten. Es ist nur für bereits Erleuchtete."
"Ich wollte doch nur mal kurz einen Blick durchs Schlüsselloch werfen."
"Nein, selbst das ist streng verboten. Komm bitte wieder zurück in die Bibliothek."
Resigniert gab Martin nach und folgte Rigani.
Das Abendessen war ähnlich karg wie am Vorabend. Dieses Mal gab es allerdings noch etwas Tofu und Sojasauce zum Gemüse und Reis. Wahrscheinlich würde er hier im Orden abnehmen, dachte Martin.
"Kann ich noch eine Portion haben?"
"Psst!"
Rigani hielt ihren Zeigefinger vor ihren Mund als Zeichen, dass Martin schweigen solle.
"Wenn du zu viel isst, wird das hier nicht gerne gesehen. Es gilt als Zeichen der leiblichen Schwäche, die wir hier überwinden wollen. Geh jetzt besser schlafen. Morgen um fünf beginnt wieder die Meditation."
"Weisst du denn, wie sich die Menschheit nach den Höhlenbewohnern weiterentwickelt hat?"
"Ich habe gelernt, dass danach die frühen Hochkulturen kamen, also Ägypten, Indien, China und Mesopotamien."
Martin war stolz, eine Antwort für Meister Eugenius parat zu haben.
"Nein, die kamen alle erst viel später. Dazwischen liegen noch fast zehntausend Jahre. Der Ursprung unserer Kultur liegt im sagenumwobenen Atlantis."
"Aber das ist doch nur eine Legende. Das hat es doch nie wirklich gegeben!"
"Die Nicht-Sehenden glauben, dass es eine Legende sei. Aber wir wissen, dass es Atlantis gegeben hat und Ursprung aller heutigen Kulturen ist."
"Und wo lag diese Insel?"
Martin stockte fast der Atem. Er hatte immer gedacht, Atlantis sei nur eine Geschichte, die Platon erfunden hatte, um seine Zeitgenossen zu unterhalten.
"Das Zentrum dieser Kultur lag westlich der Säulen des Herakles, also im Atlantik, auf einer Insel in der Nähe des heutigen Floridas."
Meister Eugenius fuhr fort mit seiner Lektion.
"Dort lebten die Abkömmlinge des Meeresgottes Poseidon. Der Inselkontinent war nach seinem Sohn, dem Riesen Atlas, benannt. Das mächtige Reich dehnte sich mehr und mehr aus, bis Nordafrika und Südeuropa von den Atlantern besiedelt war."
"Wie lebten die Atlanter, und welche Götter beteten sie an?"
Jetzt war Martin überzeugt, dass es Atlantis gegeben hatte und wollte mehr wissen. Meister Eugenius behauptete ja, alle Antworten zu haben. Jetzt wollte er das testen.
"Über viele Generationen hinweg lebten die Atlanter friedlich und verabscheuten alles ausser der Tugend. Das Reich wurde von zehn weisen Königen regiert, die sich einmal im Jahr trafen, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Das Ritual wollte es, dass sie zunächst unbewaffnet Stieren gegenübertraten und einen davon fangen und töten mussten. Das Blut wurde über einer Steintafel vergossen – als Opfer für den Meeresgott. Erst danach gingen sie daran, die Staatsgeschäfte zu besprechen. Atlantis galt lange Zeit als idealer Staat, in dem die Menschen glücklich lebten und alles hatten, was sie sich wünschten. Auch technisch waren sie weit fortgeschritten, konnten Metall bearbeiten und hatte sogar Kenntnisse der Atomphysik. Mit blosser Willenskraft konnten sie Flugobjekte steuern. Aber nach und nach liess der göttliche Teil ihrer Abstammung nach, und Machtstreben und sündhafter Ehrgeiz ergriff Besitz von ihnen. Sie begannen einen Krieg mit ihren Nachbarn in Europa und Asien und wurden besiegt. Etwa zur gleichen Zeit ereignete sich dann auch die grosse Katastrophe."
"Welche Katastrophe?"
"Im Jahre 8498 vor Christus, am 5. Juni gegen Abend, als Sonne, Mond und Venus in einer Reihe standen, befand sich ein gigantischer Asteroid in der Nähe der Erde. Die Schwerkraft von Mond und Venus holten ihn aus seinem Kreislauf heraus, so dass er in der Nähe von Atlantis ins Meer stürzte und eine Katastrophe ungeahnten Ausmasses auslöste. Der Aufprall löste Erdbeben und Überschwemmungen aus, die einen Teil Zentralamerikas versenkten. Sogar der Nordpol wurde verschoben, so dass die Erde fast aus ihrer Bahn geworfen wurde. Auch Atlantis fiel dieser riesigen Katastrophe zum Opfer. Aber ihre Kultur lebte weiter."
"Wie denn das, Meister Eugenius?"
"Die Atlanter hatten sich bereits weit ausgedehnt und Siedlungen in Nordafrika, Spanien und Frankreich errichtet. Das erklärt zum Beispiel auch, warum wir Pyramiden mit sehr ähnlichen Konstruktionen und Bauweisen sowohl in Mittelamerika als auch in Ägypten finden. Die Technik stammt aus Atlantis und wurde von den Siedlern mitgebracht."
"Das ist wirklich krass", rutschte es Martin heraus.
Meister Eugenius musterte ihn mit einem strengen Blick.
"Viel später gründeten die Atlanter in der Nähe des heutigen Cadiz die Stadt Tharsis, das bedeutet ‚Stadt des Thars‘. Und Thar war kein anderer als der Meeresgott, den bereits die Ur-Atlanter verehrten und den die Griechen später Poseidon nannten."
"Wann geschah das, Meister Eugenius?"
"Das war etwa 2'200 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Tharsis war das zweite Atlantis und wurde zum Zentrum der damaligen Kultur. Von dort aus breiteten sie sich in Europa weiter aus und siedelten sich in England, Deutschland und dem Baltikum an. Auch Kreta, Zypern und das sagenumwobene Troja sind Erben von Atlantis."
"Das heisst, unsere ganze Geschichte geht auf Atlantis zurück?"
Martin war wiederum ganz ergriffen von dem, was er hörte.
"Das kann man so sagen. Und nicht nur unsere Geschichte, sondern auch unsere Religion. In Atlantis wurde nämlich nicht nur der Meeresgott und sein Sohn verehrt, sondern auch die Göttin Ashtar-tara. Sie wurde als Mondgöttin verehrt und galt als Quell allen Lebens."
"Ist sie denn dieselbe Göttin, die die Höhlenmenschen verehrten und auf ihren Malereien verewigten?"
"Ja, ein und dieselbe. Ashtar-tara ist die Grosse Göttin und war Herrin von Atlantis. Sie ist von ausserirdischer Abstammung und hat auf der Erde die Funktion des Transmitters der Macht. Man nannte sie auch weisse Lilie oder Mondgöttin. Sie ist heute noch sehr lebendig. Irgendwo tief unter Felsen in einem versiegelten Raum ist sie in einem Tiefschlaf. Aber die Zeit wird kommen, wenn sie zurückkehrt."
"Ich habe noch nie von ihr gehört. Warum ist ihr Name dann nicht bekannter?"
"Sie hat viele Namen. Spätere Völker gaben ihr andere Namen, je nachdem, wie es in ihrer jeweiligen Sprache passte. Von späteren Generationen wurde sie dann zum Beispiel Tanit genannt. Sie wurde von allen Atlantern verehrt. Selbst die Karthager viel später huldigten ihr noch."
"Und wie ging es dann mit Atlantis und Ashtar-tara weiter, Meister Eugenius?"
"Tharsis oder besser gesagt Atlantis 2 existierte etwa tausend Jahre lang. Ungefähr um 1650 vor unserer Zeitrechnung gab es einen grossen Vulkanausbruch auf der Insel Thera, der Atlantis schwer zusetzte. Gegen 1250 vor unserer Zeitrechnung war es dann auch mit Atlantis 2 zu Ende. Aber die Menschen von Atlantis hatten sich bereits so stark ausgebreitet, dass überall in Europa ihre Siedlungen zu finden waren."
"Also hat sich die Kultur der Atlanter über ihre Siedlungen in Europa bis zu uns heute erhalten?"
"Das hat sicher einen Einfluss, aber trotz allem würden wir ihren Einfluss heute nicht so stark spüren, wenn sie nicht auch die frühen Hochkulturen direkt beeinflusst hätten."
"Wie denn das, Meister Eugenius?"
"Nach dem Fall von Tharsis begann eine Völkerwanderung in Richtung Ägypten. In der Schlacht von Djahi im Jahre 1180 v. Chr. konnte Pharao Ramses III. zwar die sog. Seevölker noch besiegen, aber er war klug genug und erkannte, dass er sie auf Dauer nicht abwehren konnte. So schlug er eine Politik der gezielten Integration ein. Auf diese Weise wurden viele Elemente der atlantischen Kultur in Ägypten übernommen. Altägyptische Flüchtlingspolitik sozusagen."
"Das alte Ägypten hat mich schon immer fasziniert. Sprechen wir auch darüber?"
"Ja, aber nicht heute. Geh am Nachmittag nach der Meditation in die Bibliothek und lese weiter über Atlantis."
Dieses Mal erwiderte Martin nichts, sondern nickte nur schweigend.
"Im alten Ägypten wurde die Göttin Ashtar-tara unter dem Namen Isis verehrt. Sie war gleichzeitig Schwester und Ehefrau von Osiris, dem Gott der Unterwelt und der Wiedergeburt. Nachdem dessen Bruder Seth ihn tötete, gelang es ihr mit Hilfe von Thot, dem Gott des Mondes und der Weisheit, Osiris wieder zum Leben zu erwecken und einen Sohn mit ihm zu zeugen, den sie Horus nannten. Dieser rächte später seinen Vater und tötete den Onkel. Allerdings verletzte dieser ihn am Auge. Wir kennen heute noch das Horus-Auge, das magische Fähigkeiten besitzt. Allerdings wäre der Glaube an Isis, Osiris und Horus fast verloren gegangen."
"Warum das, Meister Eugenius?"
"Pharao Echnaton, der Ägypten im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung regierte, hatte eine Vision, die er dann radikal umsetzte. Er hatte die Eingebung, dass es nur noch einen Gott gebe, den Sonnengott Aton. Er und seine Frau Nofretete schafften alle anderen Götter ab und liessen deren Abbilder – Bilder, Reliefs, Schriften – vernichten. Im Prinzip hatten sie sogar Recht. Es gibt ja wirklich nur einen Gott oder besser gesagt eine Göttin. Sie waren in dieser Beziehung ihrer Zeit voraus. Aber die Ägypter und vor allem die mächtigen Priester waren entschieden gegen diese neue Religion. Hätte sich Echnatons Vision durchgesetzt, würde er wahrscheinlich heute als der biblische Urvater dastehen. Aber die Geschichte und die Götter wollten es anders. Er wurde nur 35 Jahre alt, und nach seiner 17-jährigen Regentschaft übernahmen wieder die alten Kräfte die Macht. Sein Nachfolger Tut-ench-amun war zu schwach, um sich gegen die mächtigen Priester durchzusetzen. So wurden bald wieder die alten Götter eingesetzt. Ein Glück für die Menschheit, denn Götter lassen es sich gefallen, dass sie bei verschiedenen Völkern unterschiedliche Namen haben, aber sie verzeihen es nicht, wenn die Menschen sie ganz ignorieren. Das ägyptische Reich wurde später von den Römern unterworfen. Auch die Götter wechselten."
"Meister Eugenius, Ihr sagtet, dass Ashtar-tara noch heute existiert. Wie oder unter welchem Namen wurde sie später verehrt?"
"Die Griechen nannten sie Aphrodite, die Römer Venus. Und im Christentum ist sie keine andere als Maria Magdalena."
"Die Begleiterin von Jesus?"
"Sie war mehr als das. Sie war auch seine Geliebte. Und somit fügt sich das Bild auch wieder zusammen. Isis und Osiris – Maria Magdalena und Jesus. Die Namen ändern sich, die Gottheiten bleiben."
"Meister Eugenius, sagt mir noch eines. Unter welchem Namen kennen wir sie heute?"
"Das ist eben das Problem, mein Junge. Das Wissen droht verloren zu gehen. Jeder denkt heute, dass man glauben kann, was man will. Oder noch schlimmer – an gar nichts mehr glauben. Und deshalb gibt es ja uns, den Orden der kosmischen Weisheit, Bewahrer des Glaubens an die Göttin Ashtar-tara."
"Aber Meister Eugenius, was bringt es, wenn Ihr den Glauben an sie bewahrt, aber ausserhalb des Ordens sie keiner kennt?"
"Das wird sich in naher Zukunft ändern."
"Wie denn?"
"Sie wird zurückkehren. Ihr Gefolge, die elf Schwestern, sind ja bereits unter uns."
"Die elf Schwestern? Wer sind die denn?"
"Das ist Wissen, das du erst bekommen kannst, wenn du kein Novize mehr sondern bereits Suchender bist."
"Ihr meint, wenn ich das Aufnahmezeremoniell erfolgreich bestanden habe?"
"Genau, mein Junge. Aber da mache ich mir gar keine Sorgen. Du bist intelligent und mit einem wachen Verstand ausgestattet. Du stellst die richtigen Fragen und verstehst die Zusammenhänge schneller als viele andere. Ende der Woche ist das nächste Zeremoniell. Wenn du willst, vollziehen wir den Schritt. Aber denke daran: Danach gibt es kein Zurück mehr. Dann bist du einer von uns und durch den heiligen Schwur dein Leben lang an den Orden und Ashtar-tara gebunden."
Martin musste nicht lange überlegen. Schon lange hatte er sich Gedanken über den Sinn des Lebens gemacht und wie er seines gestalten sollte und wollte. Das war auch einer der Gründe gewesen, warum er begonnen hatte, Philosophie zu studieren. Aber auch dort hatte er die Antworten nicht gefunden.
Erst hier im Orden der kosmischen Weisheit schien es ihm, als hätte man alle Antworten des Lebens. Und hier akzeptierte man ihn. Natürlich war er noch Novize, musste noch viel lernen, aber der Weg war klar vorgegeben. Es gibt keinen Weg zurück, hatte Meister Eugenius gesagt. Kontakt zu Freunden und Familie war nicht mehr möglich. Aber was bedeutete das schon für Martin?
Seine Eltern waren bereits vor Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sonst hatte er kaum Verwandte. Eine Tante, die im Ausland wohnte, hatte die Hinterlassenschaft seiner Eltern verwaltet, solange er noch nicht volljährig war. Jeden Monat hatte sie einen Betrag auf sein Konto überwiesen und auch die Rechnungen des Internats bezahlt. Als er volljährig war und sein Abitur gemacht hatte, überwies ihm die Tante die restliche Hinterlassenschaft seiner Eltern – nicht sehr viel, aber es war immerhin ein finanzielles Polster. So ausgestattet begann Martin sein Philosophiestudium.
Rigani war ihm zunächst gar nicht sehr aufgefallen. In seinem Semester studierten viele Mädchen, Philosophie war eben ein typisches weibliches Studium. Er war eher die Ausnahme. Aber seine Studienkolleginnen interessierten ihn nur mässig. Er redete ab und zu mit der einen oder anderen, meist über den Stoff der Vorlesungen, die ihn sehr interessierten. Aber mehr wollte er nicht.
Nicht nochmal so verletzt werden. So wie im Internat. Er glaubte, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Lange Zeit war er allein gewesen, aber dann war sie da. Er fühlte sich wie im siebten Himmel, seine Gedanken kreisten nur um sie, seine Schulnoten waren schlechter geworden, weil er sich nicht mehr auf die Schule konzentrieren konnte und wollte.
Aber dann kam die Oberstufe, und die Klassen wurden neu aufgeteilt, je nach fachlichem Schwerpunkt. Und sie lernte den Neuen kennen. Er war erst vor kurzem in die Stadt gezogen, sah gut aus und war Amateurboxer. Schnell war Martin zur Nebensache geworden, und seine grosse Flamme wendete sich dem Neuen zu.
"Mit uns wäre es doch sowieso nichts geworden", hatte sie noch zu ihm gesagt. Martin aber hatte sich immer öfter in sein Zimmer eingeschlossen und wollte mit keinem mehr reden. Nie wieder wollte er so verletzt werden, nie wieder würde er eine Frau so nah an sich heranlassen.
Eher zufällig traf er in der Mensa auf Rigani. Die Warteschlange war an diesem Tag besonders lang gewesen, und sie waren ins Gespräch gekommen.
"Ich finde es toll, dass es noch Männer gibt, die sich für die wesentlichen Dinge im Leben interessieren."
"Wie meinst du das?"
Martin war erstaunt.
"Philosophie, Religion, eben der Sinn des Lebens."
Sie hatten dann zusammen gegessen und noch lange beisammen gesessen.
"Das müssen wir mal wiederholen, Martin."
"Was denn?"
"Na, zusammen essen. Du bist echt cool."
Von da an trafen sie sich regelmässig, und irgendwann begann Rigani auch, ihm von dem Orden der kosmischen Weisheit zu erzählen.
"Ich denke, der wäre genau das Richtige für dich. Wir widmen uns den wirklich wichtigen Dingen auf dieser Welt. Kannst es dir ja mal überlegen. Wir haben auch so etwas wie eine Probezeit. Da bekommst du eine Ausbildung und siehst, ob es was für dich ist. Nach einiger Zeit musst du dich dann aber entscheiden, ob du bei uns eintrittst oder nicht."
Martins Neugierde war geweckt, und wenn Rigani auch im Orden war, konnte es ja keine schlechte Sache sein.
Am nächsten Tag sollte die grosse Zeremonie stattfinden. Nun wurde Martin doch ein wenig nervös. Immerhin war es eine wichtige Entscheidung, ein Entschluss für sein ganzes zukünftiges Leben.
Während er so nachdachte, klopfte es leise an seine Tür. Rigani hatte einen seidenen schwarzen Bademantel an. Sie trat sofort in Martins Zimmer ein, als er die Tür öffnete.
"Morgen ist dein grosser Tag. Ist alles ok?"
"Ein bisschen nervös bin ich schon. Es ist eine grundsätzliche Entscheidung. Und Meister Eugenius hat ja gesagt, ein Zurück gibt es dann nicht mehr."
"Mach dir keine Sorgen, Martin. Alles wird gut. Wenn du erst einmal ein Sehender bist, wird dir dein bisheriges Leben sinnlos und nutzlos vorkommen. Dir werden so viele Dinge klar, über die du dir vorher Fragen gestellt hast. Und der Orden kümmert sich um alles."
"Ich weiss."
"Zieh dich aus."
"Wie bitte?"
"Du hast richtig gehört. Zieh dich aus."
"Aber..."
Rigani öffnete das Band um ihren Bademantel und streifte ihn ab. Martin öffnete den Mund, brachte aber kein Wort hervor. Riganis nackter Körper verschlug ihm die Sprache. Sie trat auf ihn zu, ihre Hände glitten unter sein T-Shirt und streichelten seine Brust und seinen Bauch.
Wie hypnotisiert zog Martin sein T-Shirt über den Kopf und warf es auf den Boden. Riganis Hände glitten nach unten und öffneten Martins Gürtel und die Knöpfe seiner Jeans.
"Na los, lass mich nicht alles machen. Zieh dich aus. Ich will mit dir schlafen."
Martin zog nun Hose und Unterhose aus, so dass er nun auch nackt vor ihr stand. Sie lächelte zufrieden.
"Gut so."
Ihre Hände berührten wieder seine Brust. Mit blitzschneller Bewegung stiess sie Martin von sich. Mit einer solchen Kraft hatte er nicht gerechnet. Ehe er sich versah, lag er mit dem Rücken auf seinem Bett. Rigani war ihm sofort gefolgt und hatte sich auf ihn gehockt. Mit ihren Händen fixierte sie seine Handgelenke, indem sie sich mit dem Gewicht ihres Oberkörpers darauf stützte.
"Jetzt gehörst du mir."
Martin versuchte noch einmal, seine Hände zu bewegen und aus Riganis Umklammerung zu befreien, doch vergeblich. Sie schien über unglaubliche Kräfte zu verfügen, wie er es von der jungen Frau nicht erwartet hätte.
"Mir. Nur mir."
Sie wiederholte diese Worte, während sich ihr Mund dem seinen näherte. Als sich ihre Lippen berührten, gab Martin seinen Widerstand auf.
"Hast du immer noch Zweifel, Martin?"
Rigani strich mit ihren Fingerspitzen über Martins Körper. Sie lagen entspannt nebeneinander. Ein wohliges Gefühl überkam ihn.
"Nein, ich weiss jetzt, dass ich zum Orden der kosmischen Weisheit gehöre. Ich werde morgen an der Zeremonie teilnehmen und dann einer von euch sein."
"Das ist gut so. Du wirst es nicht bereuen."
Die Zeremonie verlief eher schlicht. Ausser Martin waren noch zwei andere Novizen dabei, die sich entschlossen hatten, dem Orden für immer beizutreten. Meister Eugenius war ausnahmsweise ganz in weiss gekleidet und leitete die Zeremonie. Rigani verfolgte das Ganze von einem Stuhl aus etwas abseits. Ihr Blick drückte Genugtuung aus.
"Nun bekommst du noch das Zeichen unseres Ordens, die weisse Lilie."
Mit einer Handbewegung winkte Meister Eugenius einen jungen Mann heran. Dieser kam sofort, strich mit geschickten Händen Martins Haare nach oben und begann mit der Tätowierung. Martin biss die Zähne zusammen, denn die Prozedur schmerzte sehr. Aber er hatte sich entschieden. Er wollte Teil des Ordens sein, und wenn das Zeichen der weissen Lilie dazu gehörte, dann sollte es so sein. Immer wieder blickte er zu Rigani, die ihm aufmunternd zulächelte. Als das Werk vollbracht war, legte Meister Eugenius die Hand auf Martins Schulter.
"Nun ist es vollbracht. Du bist einer von uns. Von nun an sollst du Maurus heissen. Maurus heisst der Sehende, denn von jetzt an wirst du die Welt mit anderen Augen sehen. Schon heute werde ich dir eine weitere Lektion geben. Komm in einer Stunde zum Unterricht."
Martin blickte etwas verwirrt drein, als er den Saal verliess.
"Maurus ist ein schöner Name."
Rigani war auf ihn zugekommen.
"Aber das bin doch nicht mehr ich."
"Du bist ja auch jetzt ein anderer Mensch. Du bist jetzt ein Sehender."
Pünktlich nach einer Stunde sass Martin in dem Raum, wo Meister Eugenius ihn immer unterrichtete. Er musste nicht lange warten.
"Willkommen, Maurus."
Mit diesen Worten legte er die Hand auf seine Schulter.
"Heute will ich dich unterweisen in unserem Glauben. Erinnerst du dich, als ich dir sagte, dass die Göttin Ashtar-tara die Urgöttin ist und von den Menschen mit unterschiedlichen Namen bezeichnet und verehrt wird?"
"Ja, Meister Eugenius."
"Sie wird wiederkommen, wenn die Zeit dafür reif ist. Dafür müssen wir uns vorbereiten. Aber sie wird nicht allein kommen, sondern mit ihrem Gefolge."
"Was ist das für ein Gefolge? Hat sie Jünger?"
"Die Schwestern der ewigen Feuer sind ihr Gefolge. Vor ungefähr 40'000 Jahren leisteten elf Seelen in jugendlichen Frauenkörpern aus der persönlichen Linie der Herrin von Atlantis den ewig geltenden Schwur der Jungfräulichkeit. Dies bedeutete zwar nicht, dass ihnen der sexuelle Kontakt mit einem Mann verboten war, ganz im Gegenteil. Allerdings durften sie niemals schwanger werden. Durch die Jahrtausende tauchten diese hoch gestellten Seelen immer wieder in unterschiedlichen Frauen-Reinkarnationen auf und sind Hüterinnen des geheimen Wissens. Das ewige Gelübde leisteten die Schwestern damals am sog. Domizil der Geheimnisse, das auch als Tempel der Liebe bekannt wurde. Mit ihrem Schwur wurde ihnen auch göttliche Energie verliehen, so dass sie ihren Auftrag auf der Erde als Bewahrerinnen der femininen Weisheit erfüllen konnten."
"Wo befinden sich diese elf Schwestern? Wie kann man sie finden?"
"Gewöhnliche Menschen können sie nicht finden oder entdecken. Dieses Wissen offenbart sich nur den Sehenden. Sobald eine Inkarnation dieser Schwestern gestorben ist, machen wir uns vom Orden der kosmischen Weisheit auf die Suche nach ihrer Wiedergeburt. So stellen wir sicher, dass die elf Schwestern der ewigen Feuer stets unter uns sind. Für uns sind sie die Verbindung zur Göttin selbst."
"Werde ich sie kennenlernen?"
"Maurus, du hast eine von ihnen bereits kennengelernt."
Meister Eugenius blickte ihn durchdringend an.
"Du hast sie sogar schon sehr gut kennengelernt."
Meister Eugenius lächelte.
"Geh nun auf dein Zimmer und ruh dich ein wenig aus. Heute war ein wichtiger Tag für dich, vielleicht der wichtigste in deinem Leben. Lass ihn vor deinem geistigen Auge noch einmal an dir vorbeiziehen. Und werde dir bewusst, du bist nun ein Sehender, du bist nun einer von uns."
Martin konnte erst nicht einschlafen. Er war viel zu aufgeregt nach den Ereignissen des Tages. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Eigentlich wollte er ja auch nicht zurück, denn er hatte einen neuen Sinn gefunden, einen neuen Glauben, der ihn erfüllte. Und er hatte eine Frau mit göttlicher Energie kennengelernt und mit ihr geschlafen. Würde sie heute Nacht auch wieder zu ihm ins Zimmer kommen? Insgeheim hoffte er das. Mit diesen Gedanken schlief er dann doch endlich ein.
In seinem Traum sah er die weisse Lilie, die vor ihm auf dem Boden lag. Er wollte sie aufheben, doch in dem Moment, als er sie berührte, verschwand sie. Als er aufblickte, sah er etwas weiter am Boden wieder eine Lilie. Er kniete sich auf den Boden, um sie zu berühren, aber auch diese verschwand sofort.
"Die Lilie ist nur ein Symbol. Ich bin echt."
Martin blickte nach oben. Rigani stand vor ihm. So hatte er sie noch nicht gesehen. Sie trug ein schwarzes, bauchfreies T-Shirt und eine eng anliegende, ebenfalls schwarze lange Lederhose. Ihre Füsse steckten in hohen High Heels.
"Steh auf."
Sie streckte ihm ihre Hand hin. Martin erhob sich und näherte sich Rigani.
"Na komm, nicht so schüchtern", ermunterte sie ihn und lächelte.
Martin berührte ihre Brüste und liess dann seine Hände an ihrem Körper hinuntergleiten. Dabei zog er sie an sich heran und küsste sie – erst etwas schüchtern und zärtlich, dann immer heftiger. Sie umarmten sich und liessen sich auf den Boden fallen, wo eine unsichtbare, weiche Decke sie umhüllte. Es fühlte sich sehr angenehm an. Martin wurde es immer wohliger. Durch Riganis Nähe und Berührungen wurde sein ganzer Körper immer mehr erregt. Er konnte nicht mehr klar denken, sah nur noch die schöne junge Frau, mit der er eng umschlungen auf dem Boden lag und die nun sein werden würde. Noch nie hatte er sich so wohl gefühlt. Seine Erregung wurde immer heftiger und heftiger.
Mit einem Schlag öffnete Martin die Augen, aber er konnte nichts sehen. In seinem Zimmer war es noch stockdunkel. Seine Hose fühlte sich feucht an. Er blickte sich um, es war still.
Vielleicht würde Rigani ja in der nächsten Nacht wirklich zu ihm kommen. Mit diesen Gedanken drehte er sich um und schlief wieder ein. Erst das Klopfen an seiner Tür weckte ihn. Es war wieder Zeit für die Morgenmeditation. Mittlerweile hatte sich Martin bereits daran gewöhnt, jeden Morgen um fünf Uhr aufzustehen.
"Kann ich mit dir reden?"
Nach dem Frühstück hatte Martin Rigani angesprochen, als er sie auf dem Korridor sah.
"Warum? Was gibt’s?"
"Meister Eugenius hat mir gesagt, dass du eine der elf Schwestern bist, die zum Gefolge der Göttin Ashtar-tara gehören. Stimmt das?"
"Das ist richtig. Hier in diesem Orden bin ich das Medium, das die Verbindung zur Göttin herstellt. Meine zehn Schwestern sind auf der ganzen Welt verstreut und werden auch von jeweils einem Orden der kosmischen Weisheit betreut."
"Und du verfügst über göttliche Kräfte?"
Rigani blickte ihn an und lächelte.
"Was heisst das für uns?"
"Wie meinst du das? Was meinst du mit ‚uns‘?"
"Am Abend vor der Zeremonie haben wir miteinander geschlafen. Ich dachte, wir sind so etwas wie ein Paar. Wir gehören zusammen."
Rigani schüttelte mit dem Kopf.
"Das bedeutet nichts. Ich erkannte, dass du nervös und unsicher warst, deshalb wollte ich dich etwas ablenken. Meister Eugenius hat dir sicher gesagt, dass wir ein Gelübde abgelegt haben. Sex allerdings dürfen wir haben."
"Ich dachte, das mit uns ist was ganz Besonderes."
"Nein, wir alle hier dienen einer ganz besonderen Sache. Das musst du wissen. Vergiss das nie."
"Werden wir wieder Sex miteinander haben?"
"Vielleicht… wenn ich Lust habe."
Martin war traurig und niedergeschlagen. Wenn er ehrlich war, musste er sich eingestehen, dass er hauptsächlich wegen Rigani zum Orden gekommen und auch geblieben war. Zum ersten Mal, seit er durch das grosse Eingangstor getreten war, hatte er Zweifel. Die Lehre, in der ihn Meister Eugenius unterrichtet hatte, war interessant und öffnete neue Horizonte. Aber stimmte das denn auch alles?
Für den ganzen heutigen Tag war Meditation vorgesehen. Martin setzte sich in den Lotussitz und versuchte, seine Gedanken zu verdrängen und sich auf die weisse Lilie, die vorne im Raum stand, zu konzentrieren. Aber immer wieder kam das Bild von Rigani, dann wieder Zweifel, ob das alles hier der richtige Weg für ihn war. Bis zur Zeremonie war Martin entschlossen, den Weg der kosmischen Weisheit zu gehen. Alles klang so logisch und richtig.
Nach einer Stunde stand Martin auf und ging in den Garten der Stille. Der war dazu angelegt, vor oder nach der Meditation noch in Ruhe seinen Gedanken nachzugehen. Sprechen war verboten. Martin wanderte langsam die Gartenwege entlang, die von kleinen Hecken begrenzt waren. Am Ende des Gartens sah er die hohe Mauer, die um das ganze Anwesen herum verlief.
"Die ist zum Schutz unseres Ordens da", hatte man ihm erklärt.
"Wir wollen hier keine Obdachlosen oder gar Einbrecher. Wir wollen unter uns sein und Musse für unseren Glauben haben."
Das hatte für ihn Sinn gemacht. Aber sie hinderte Mitglieder des Ordens auch daran, einfach hinaus zu spazieren.
"Ich muss heute Nachmittag mal raus."
Der diensthabende Bruder am Eingang schüttelte mit dem Kopf.
"Das geht nicht so einfach. Du brauchst dazu die Erlaubnis von Meister Eugenius. Und so kurz nach der Zeremonie wird er dir die sicher nicht geben."
"Warum brauche ich dazu seine Erlaubnis? Ich bin ein freier Mensch, freiwillig hergekommen und kann auch freiwillig wieder gehen!"
"Nein, Bruder Maurus. Das kannst du nicht. Als du zu uns kamst und sich die Eingangspforten hinter dir geschlossen haben, hast du diese Freiheit verloren. Und gestern bist du auch formal ein Sehender geworden und hast dich auf den Weg der kosmischen Weisheit gemacht. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Geh jetzt am besten wieder meditieren. Das wird dich beruhigen."
"Nein, ich will hier raus!"
Martin sah den Knopf auf dem Pult des Bruders. Der bemerkte seinen Blick.
"Denk nicht einmal daran. Wenn ein Unbefugter den Eingang öffnet und nicht gleichzeitig hier unter dem Pult eine Zahlenkombination eingibt, löst das einen Alarm aus. Vergiss es und geh jetzt meditieren, Bruder."
"Nein, lass mich raus, bitte. Ich brauche frische Luft. Ich komme ja wieder, aber ich muss ein paar Stunden raus."
"Bruder Maurus, beruhige dich. Es geht nicht. Ausserdem, wenn ich dich hinausliesse, würde ich sehr viel Ärger bekommen. Und das willst du doch wohl nicht, oder?"
Nun sah auch Martin ein, dass er nicht weiterkam und ging wieder zurück in den Garten der Stille. Als er an der Mauer angekommen war, betrachtete er sie eingehend. Massive Natursteine waren hier aufgeschichtet und mit Mörtel verbunden. Auf der Mauer waren Glasscherben in den Beton gesetzt, damit sich jeder, der es schaffen sollte, an der Mauer hochzuklettern, an dem Glas verletzen würde. Unmöglich, über diese Mauer zu kommen.
Martin ging weiter entlang der Mauer. Am äussersten Ende des Gartens war eine kleine Hütte aus Holz. Die Tür war nur mit einem Holzriegel verschlossen. Martin konnte diesen aber ohne Mühe aufschieben. Mit einem Knarren ging die Tür auf. Die Hütte war etwa so gross wie ein Zimmer und halb vollgestellt mit Gartengeräten – Schubkarre, Sense, Rechen, sogar ein kleiner Traktor zum Rasenmähen.
Martins Augen hatten sich schnell an die Dunkelheit gewöhnt. Er sah sich um und entdeckte eine Stelle am Boden mit loser Erde. Er grub ein wenig mit der Hand, die Erde gab nach, und er konnte sie mühelos beiseiteschieben. Darunter kam ein Holzbrett zum Vorschein. Martin fegte mehr Erde zur Seite. Das Brett wurde mehr und mehr sichtbar. Martin erkannte eine quadratische Falltür. Eine Lederschlaufe auf der einen Seite war wohl zum Öffnen gedacht. Martin zog daran, erst vorsichtig, dann etwas kräftiger. Sie knarrte, die restliche trockene Erde rutschte staubend zur Seite, dann war die Falltür auf.
Martin tastete sich vorsichtig mit dem Fuss vor in das dunkle Loch. Eine Treppe schien hinein zu führen. Er stützte sich mit den Händen am Boden ab und kletterte die Stufen hinab. Nach etwa einem Meter waren die Stufen zu Ende. Ein geheimer Gang schien hier zu beginnen. Aber es war stockdunkel, Martin konnte nicht einmal die Hand vor Augen sehen. Er kletterte die Treppe wieder hoch, schloss die Falltür, deckte sie mit etwas Erde zu und ging aus der Hütte hinaus.
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging er auf sein Zimmer, um sich ein wenig auszuruhen. Auf dem Weg dorthin sah er Rigani. Sie sass immer noch im Speisesaal zusammen mit einem Novizen. Martin kannte ihn vom Sehen her. Er war auch Student an der Universität. Die Mädchen umschwärmten ihn, denn er sah sehr gut aus. Rigani sass ihm gegenüber und hielt seine Hand. Sie unterhielten sich angeregt. Als sie Martin sah, lächelte sie kurz und wendete sich dann wieder dem Neuen zu.
Als die Dämmerung einsetzte, nahm Martin zwei Kerzen, die es für die Beleuchtung in der Nacht in jedem Zimmer gab, und eine Schachtel Streichhölzer, steckte sie in die Tasche und ging hinaus in den Garten der Stille. Er schlenderte die Wege entlang, bis es ganz dunkel geworden war. Dann ging er zur Hütte, öffnete die Falltür, zündete eine der Kerzen an und stieg die Stufen hinab.
Er hatte Recht gehabt. Jetzt erkannte er tatsächlich einen unterirdischen Gang. Er musste herausfinden, wohin dieser führte. Er zog die Falltür von unten zu und ging vorsichtig den Gang entlang. Martin musste sich bücken, der Gang war vielleicht einen guten Meter hoch, aber ein Erwachsener konnte hier entlang laufen, wenn er sich etwas bückte. Der Gang führte erst leicht nach links, dann nach rechts, die grobe Richtung aber ging ziemlich geradeaus.
Nach gefühlten fünfzig Metern war der Gang zu Ende. Eine Holzleiter war der einzige Weg weiter. Martin hielt sich mit der einen Hand an der Leiter fest, die andere hielt immer noch die Kerze. Vorsichtig stieg er die Stufen hoch. Am Ende der Leiter war wieder eine Falltür, die sich aber mühelos hochschieben liess. Martin stieg die letzten Stufen hoch und machte vorsichtig ein paar Schritte. Der Holzboden knarrte ein wenig.
Im Kerzenlicht erkannte Martin, dass er sich wiederum in einer Holzhütte befand. In der Tür, die offensichtlich nach aussen führte, steckte ein Schlüssel. Er drehte ihn vorsichtig um, drückte die Klinke nach unten und öffnete die Tür. Er trat aus der Hütte hinaus, und frische Luft wehte ihm entgegen.
Im gleichen Moment griff etwas nach seinen Armen und hielt sie fest. Er versuchte, sich zu befreien, aber zwecklos, so sehr er versuchte, sich zu lösen, seine Arme wurden wie von Stahlklammern festgehalten.
"Ich habe dir doch heute gesagt, dass du nicht weglaufen sollst."
Der Bruder, der am Nachmittag den Eingang bewacht hatte, hielt seinen rechten Arm fest, während ein anderer Bruder den linken Arm fixierte.
"Ich will weg, lasst mich los."
Er versuchte sich loszureissen, aber gegen die beiden kräftigen Ordensbrüder hatte er keine Chance. Er spürte noch, dass ein feuchtes Tuch auf seinen Mund und seine Nase gepresst wurde. Das letzte, an das er sich noch erinnerte, war, dass er versuchte, nach Luft zu ringen und dabei einen ekelhaften Geruch spürte. Dann wurde es dunkel.
Oliver Behrendt hatte sich immer den einfachen Weg ausgesucht. In der Schule hatte er wenig gelernt und sich darauf verlassen, abschreiben zu können. Das hatte meistens auch ganz gut funktioniert. Gelegentlich wurde er erwischt und bekam eine schlechte Note, aber oft kam er damit durch. Am Ende hatte er immer ein ganz passables Zeugnis gehabt.
Im Studium ging es so weiter. Seine Eltern waren wohlhabend und finanzierten ihm seine Mietwohnung und seinen Lebensunterhalt.
"Du sollst es ja mal besser haben als wir", hatten sie gesagt.
Nebenbei arbeiten, so wie es die meisten seiner Kommilitonen machen mussten, war ihm fremd. Zwei Praktika waren vom Curriculum vorgeschrieben. Dank der Beziehungen seines Vaters bekam er auch relativ schnell entsprechende Stellen.
Nach dem Studium arbeitete er in einem grossen Unternehmen. Er durchlief ein Traineeprogramm, um die unterschiedlichen Divisionen und Bereiche kennenzulernen. Am Ende fanden alle, dass der Bereich Unternehmensentwicklung am geeignetsten für ihn sei.
Die Arbeit hatte ihn in eine andere Stadt gebracht, gelegentlich besuchte er seine Eltern. Früher oder später kam dann wieder das übliche Thema.
"Oliver, überleg‘s dir doch mal. Du kannst bei mir einsteigen und in ein paar Jahren dann den Verlag übernehmen, wenn ich in Rente gehe."
"Ich habe doch einen guten Job. Das Unternehmen bezahlt meine Weiterbildungen, ich habe meinen geregelten Urlaub. Was will ich denn mehr? Bei dir heisst es immer nur arbeiten, arbeiten und nochmal arbeiten."
"Ich habe den Verlag doch für dich aufgebaut."
"Nein, du hast es in erster Linie für dich getan. Lass mich in Ruhe damit." Damit war das Thema dann meist zunächst einmal wieder beendet.
Oliver mochte seinen Job. Aber noch viel mehr mochte er den damit verbundenen Lebensstil. Als Leiter der Unternehmensentwicklung war er in ständigem Kontakt mit den Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt. Dazu gehörten natürlich auch immer wieder Besuche vor Ort. Die Landesgesellschaften wiederum waren an einer guten Beziehung zur Zentrale interessiert und gaben sich jedes Mal grosse Mühe, dass Oliver während seines Aufenthaltes nicht nur arbeiten musste, sondern auch die angenehmen Seiten der Stadt und des Landes kennenlernen konnte – gutes Essen und Trinken, touristische Ausflüge, Nachtclubs.
Als Oliver wieder einmal in Osteuropa geschäftlich unterwegs war, meinten es die Gastgeber besonders gut. Es wurde schon langsam wieder hell, als er sein Hotelzimmer erreichte und todmüde ins Bett fiel. Glücklicherweise hatte er am nächsten Tag keine fixen Termine.
Das Handy riss ihn aus dem Tiefschlaf. Er drehte sich um. 11 Uhr morgens. Auf dem Display sah er, dass seine Mutter versuchte, ihn anzurufen. Verschlafen nahm er das Gespräch an.
"Mama, du rufst mich doch fast nie auf dem Handy an. Was ist los?" Ihre Stimme war sehr aufgeregt und wurde immer wieder durch Schluchzen unterbrochen.
"Dein Vater hat einen schweren Herzinfarkt erlitten. Die Ärzte wissen noch nicht, ob er überleben wird. Komm bitte sofort nach Hause." Oliver sagte die restlichen Termine ab und nahm den nächstmöglichen Flug nach Berlin. Er traf seine Mutter gleich in der Charité.
"Kann ich ihn sehen?", war seine erste Frage, nachdem er seine Mutter begrüsst und umarmt hatte.
"Er liegt auf der Intensivstation. Wir müssen die Ärzte fragen."
"Ja, aber nur kurz", sagte der leitende Arzt. "Er braucht jetzt vor allem Ruhe."
Oliver drückte leise die Klinke hinunter und öffnete die Tür zum Krankenzimmer. Er sah seinen Vater, der friedlich schlief – angeschlossen an zahlreiche Schläuche und Apparate. Ein gleichmässiges Atmen war zu hören, und die Herzfrequenz wurde durch ein akustisches "Piep, piep" und eine Amplitude am Messgerät angezeigt. Sein Vater, der starke Charakter, der gute Geschäftsmann, lag nun auf diesem Bett, so hilflos, so schwach. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er Mitleid mit ihm. Oliver wurde klar, dass er mehr für ihn empfand, als ihm bis zu diesem Zeitpunkt bewusst gewesen war. Leise ging er wieder aus dem Zimmer hinaus und umarmte seine Mutter, die im Korridor gewartet hatte.
"Gehen Sie ruhig nach Hause. Sie können im Moment hier nichts tun. Wir rufen Sie sofort an, wenn sich etwas ändert." Der Arzt zeigte ein aufmunterndes, aber verbindliches Lächeln.
"Bitte machen Sie das. Ich hoffe, dass es meinem Vater bald wieder besser geht."
Oliver und seine Mutter verliessen das Krankenhaus und fuhren mit dem Taxi in das Haus der Eltern im Stadtteil Zehlendorf.
"Ich hoffe nur, dass er nicht stirbt", hatte seine Mutter während der Fahrt immer wieder gesagt. "Wir wollten doch noch so viel zusammen unternehmen. Und was würde dann aus dem Verlag?"
"Mama, jetzt beruhige dich doch. Es wird schon wieder werden. Er ist doch in der Charité in den besten Händen." Sie stiegen aus dem Taxi und gingen ins Haus.
"Ich bin todmüde, Oliver. Ich gehe sofort schlafen."
"Ist gut, Mama. Ich kann jetzt noch nicht schlafen. Ich gehe noch eine Runde spazieren."
Er lief die Strasse hinunter bis zur Potsdamer Strasse und dann rechts weiter. Diese Gegend von Berlin war zu dieser späten Stunde schon recht ruhig, fast zu ruhig für Oliver in diesem Moment. Er sah, dass in der Shamrock Bar noch Licht war und auch einige Gäste etwas tranken. Nach etwas zu trinken war es Oliver auch. Er trat ein, blickte sich kurz um und setzte sich an einen Tisch.
"Was darf‘s sein?"
"Ein Bier, ach nein, heute brauche ich etwas Stärkeres. Geben Sie mir bitte einen Wodka."
"Welchen möchten Sie?"
"Haben Sie Imperial Gold?"
"Ja, sicher. Ich bringe ihn gleich."
"Eine gute Wahl", sagte eine weibliche Stimme vom Tisch nebenan. Oliver hatte bis dahin gar nicht bemerkt, dass jemand in der Nähe sass. Das Licht war heruntergedreht, so dass die Gäste im Halbdunkel waren.
"Zarskaja Solotaja, wie er bei uns heisst, ist der beste Wodka. Er wurde zu Ehren von Peter dem Grossen entwickelt."
Die Stimme mit einem leicht östlichen Akzent bekam nun auch ein Gesicht. Im Halbdunkel zeigte sich eine Frau mit schulterlangen, dunklen Haaren und braunen Augen. Sie war elegant gekleidet und beugte sich nun etwas vor.
"Danke. Sie scheinen viel über Wodka zu wissen."
"Ich komme aus Russland. Da kennt man sich aus mit Wodka. Ich trinke zwar selber keinen, die jüngere Generation trinkt lieber Wein und Bier, aber noch immer ist Wodka unser Nationalgetränk."
"Sie sprechen sehr gut deutsch. Was machen Sie hier?"
"Ich arbeite als freie Journalistin in Berlin. Politik, Gesellschaft, Kultur. Alles was interessant ist."
"Das ist spannend." Oliver blickte sie an. Diese Frau sah nicht nur gut aus, sie schien auch eine interessante Gesprächspartnerin zu sein. Er war fasziniert.
"Was machen Sie beruflich?"
"Ich arbeite in der Industrie und bin ziemlich viel in der Welt unterwegs, übrigens auch in Osteuropa und Russland. Ich komme gerade von dort."
"Das hört sich auch gut an. Stossen wir darauf an. Ihr Wodka ist gerade gekommen."
"Mein Vater arbeitet auch in diesem Geschäft. Er hat einen Verlag und gibt eine Zeitung heraus. Aber es geht ihm im Moment nicht gut. Er liegt in der Charité."
"Das tut mir leid." Ihre Stimme klang mitfühlend.
"Er wird vielleicht sterben, und sein grösster Wunsch war es immer, dass ich den Verlag übernehme. Ich hatte aber keine Lust."
"Indem man Bücher oder Zeitungsartikel schreibt, kann man anderen Menschen Dinge mitteilen, und mit der Zeit kann man auch Dinge anstossen und verändern. Das fasziniert mich so an meinem Beruf."
"So habe ich das noch nie gesehen..." Die beiden unterhielten sich weiter, bis Oliver sein Glas ausgetrunken hatte.
"Entschuldigen Sie bitte, die Ereignisse des Tages machen sich bei mir bemerkbar. Ich muss zurück und ein paar Stunden schlafen. Sehen wir uns wieder?"
"Wenn Sie das möchten, gerne. Ich heisse Natalia." Sie tauschten ihre Nummern aus, und Oliver verliess die Bar.
Im Haus seiner Eltern fiel er todmüde ins Bett und schlief sofort ein. Im Traum sah er seinen Vater im Krankenhausbett liegen. Oliver stand neben ihm und hielt seine Hand. Der Vater hob seinen Kopf etwas und begann zu sprechen.
"Oliver, du bist mein einziger Sohn. Bitte versprich mir, dass du dich um deine Mutter und um den Verlag kümmerst."
"Aber Vater, du wirst doch bald wieder gesund sein."
"Nein, Oliver, ich fühle den Tod kommen. Bitte versprich es mir."
Oliver drückte die Hand des Vaters, nickte und sagte: "Ja, ist gut, Papa."
Am nächsten Morgen sassen Oliver und seine Mutter beim Frühstück, als das Telefon klingelte.
"Bitte kommen Sie sofort ins Krankenhaus. Ihrem Vater geht es schlechter."
Eine halbe Stunde später standen sie beide vor dem Krankenzimmer. Der Arzt vom Vortag war wieder da.
"Er hat einen zweiten, sehr viel schwereren Infarkt bekommen. Es sieht jetzt sehr ernst aus. Sie können kurz zu ihm gehen."
Sie gingen hinein. Das Atmen des Vaters vom Vortag war zu einem Röcheln verkommen. Man sah unschwer, dass es ihm grosse Mühe machte. Oliver fühlte, wie sich sein Magen zu einem grossen Klumpen zusammenzog. Er war sich nicht sicher, ob es Entsetzen, Trauer oder das Gefühl der völligen Hilflosigkeit war. Er hatte das Gefühl, dass er sich nicht mehr direkt von seinem Vater verabschieden konnte. So nahm er nur dessen Hand, drückte sie und sagte leise:
"Ja, ist gut, Papa. Ich mach's."
Zur Beerdigung kamen zahlreiche Gäste. "Halb Berlin ist dabei, um sich von deinem Vater zu verabschieden", sagte die Mutter immer wieder. Der Pfarrer hatte eine ergreifende Predigt gehalten, hatte den Vater und sein Leben noch einmal sehr bildhaft geschildert.
"Ich wusste gar nicht, dass Vater neben dem Verlag noch so viele Ehrenämter hatte - Kiwanis Club, Vorsitzender eines Kulturvereins, Mitglied bei pro Senectute, Vorsitzender des Vereins Kunstfreunde Berlin und so weiter. Oliver hatte in seinem Vater immer nur den hart arbeitenden Verleger gesehen. Aber dass er sich auch noch bei zahlreichen anderen Dingen engagierte, davon wusste er nichts.
Die Trauergäste kondolierten. Dann kam die grosse Leere. Auf ein Traueressen hatten sie auf Wunsch des Vaters verzichtet.
"Ich mache lieber eine grosse Spende für die Caritas, da ist das Geld besser angelegt", hatte er schon vor längerer Zeit gesagt. Oliver und seine Mutter fuhren mit dem Taxi nach Hause. Die Mutter hatte etwas Baldrian genommen und legte sich hin. Oliver überlegte, ob er sich auch ausruhen sollte, als sein Handy klingelte.
"Hallo Oliver, wie geht es Ihnen?" Er erkannte sofort die Stimme von Natalia.
"Ich komme gerade von der Beerdigung meines Vaters."
"Oh, das ist schrecklich. Tut mir sehr leid. Wenn Sie ein bisschen Ablenkung brauchen, können wir uns gerne wieder treffen."
"Ja, gerne. Das ist besser als im Stillen grübeln."
Sie trafen sich dieses Mal im Zentrum. Die Hackeschen Märkte hatten sich zu einem gastronomischen Zentrum entwickelt. Zahlreiche Bars, Cafés und Restaurants hatten sich auf dem Gelände der ehemaligen Festung angesiedelt. Sie trafen sich in der Restauration 1840. Oliver hatte dieses Restaurant vorgeschlagen. Es hatte die Atmosphäre eines Brauhauses und bot entsprechende Küche an. Aber auch Weinliebhaber kamen hier auf ihre Kosten.
Oliver hatte gerade Platz genommen und sich ein frisch gezapftes Bier bestellt, als Natalia hereinkam. Er winkte, sie sah ihn, lächelte und kam auf ihn zu. Sie hatte ihre Haare heute hinten zusammengesteckt, so dass ihr Gesicht besonders gut zur Geltung kam. Die Haut war leicht sonnengebräunt und sehr gepflegt. Die hohe Stirn verriet eine überdurchschnittliche Intelligenz. Ihre dunkelbraunen Augen blickten ihn an und strahlten gleichzeitig Entschlossenheit und Optimismus aus. Eine schlanke Nase zierte die Mitte ihres Gesichtes, der darunter liegende Schmollmund mit breiten Lippen lächelte ihn nun an. Oliver stand auf, um sie zu begrüssen. Sie wirkte etwa gleich gross wie er, allerdings steckten ihre gepflegten Füsse in schwarzen High Heels, die sie um mindestens zehn Zentimeter grösser machten. Sie war schlank und trug eine rote Bluse. Ihre langen Beine steckten in blauen Marken-Jeans. Alles in allem machte sie heute einen sportlich-eleganten Eindruck.
"Privet, Oliver."
"Privet. Schön, dass wir uns wiedersehen. Sie sehen hinreissend aus."
"Danke, ich ziehe mich gern sexy an. Dann fühle ich mich wirklich wie eine Frau."
"Was möchten Sie trinken?" fragte Oliver, nachdem sie sich gesetzt hatten.
"Gerne einen Rotwein. Cabernet oder Merlot."
"Darf ich Du zu Ihnen sagen?", fragte Oliver, nachdem der Kellner den Wein gebracht hatte.
"Ja, sicher". Wieder zierte ein Lächeln das schöne Gesicht von Natalia.
"Zum Wohl, Oliver."
"Sa sdarovie."
"Sprichst du russisch?"
"Leider nur ein paar Worte. Die Sprache ist schwierig. Und ich habe mir bis jetzt nicht die Zeit genommen, sie zu lernen. Aber jedes Mal, wenn ich geschäftlich in Russland war, habe ich mir gewünscht, sie zu sprechen. Man fühlt sich so verloren, wenn man die Landessprache nicht spricht. Aber jetzt habe ich erst einmal andere Probleme."
"Erzähl! Wirst du den Verlag deines Vaters übernehmen?"
"Ich muss fast. Ich habe es ihm kurz vor seinem Tod versprochen. Aber ich fühle mich nicht wirklich darauf vorbereitet."
"Ich kann dir ja helfen. Immerhin bin ich Journalistin."
"Das würdest du machen?"
"Ja, sicher, warum denn nicht? Wir wären ein gutes Team. Ich recherchiere und liefere die Stories. Und du druckst sie."
"Das klingt fast zu einfach."
"Versuchen wir es doch. Was kann denn schon passieren?"
"Gut, warum eigentlich nicht? Schon morgen übernehme ich die Leitung des Verlages. Ich verschaffe mir erst einmal einen Überblick. Warum kommst du nicht Anfang nächster Woche mal bei mir im Büro vorbei?"
"Das mache ich sehr gerne."
Nach dem Essen gingen sie hinaus und schlenderten die Oranienburger Strasse entlang, bogen dann links in den Monbijoupark ein und näherten sich der Spree. Die Sonne war mittlerweile untergegangen.
"Fotografen nennen das jetzt die blaue Stunde."
"Bist du Fotograf?"
"Nein, aber mein bester Schulfreund ist Profi-Fotograf. Er hat mir davon erzählt."
"Ich mag die Abenddämmerung. Sie ist so romantisch."
Natalia hängte sich bei Oliver sanft, aber bestimmt ein. Ein wohliges Gefühl durchzuckte Oliver, und er liess es geschehen. Am Spreeufer blieben sie stehen und betrachteten den Fluss.
"Wenn ich den Fluss betrachte, erinnere ich mich immer an meine Heimat."
"Wo ist denn das? Moskau?"
"Nein, Rostov am Don. In Südrussland. Dort habe ich oft auch stundenlang am Ufer gestanden und den Wellen zugeschaut. Ich bin jetzt schon lange nicht mehr dort gewesen." Sie drehte sich zu ihm und sah in seine Augen. Oliver näherte seinen Kopf dem ihren, zögerte dann aber kurz. Natalia näherte sich und drückte Oliver einen kurzen, zärtlichen Kuss auf den Mund und lächelte.
"Habe ich dich jetzt überrascht?"
"Äh, ja, ein bisschen. Normalerweise bin ich immer derjenige, der die Initiative ergreift. Das war jetzt ein bisschen ungewohnt." Oliver nahm Natalia in den Arm und küsste sie lang und innig.
Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander.
"Nehmen wir ein Taxi? Es ist schon spät."
"Nein, Oliver. Bitte begleite mich noch bis zur nächsten Strassenbahnhaltestelle. Ich wohne im Zentrum und hab’s nicht weit."
Sie gingen zur Haltestelle Oranienburger Strasse, küssten sich noch einmal, dann ging Oliver zum nächsten Taxistand und fuhr nach Hause. Er schaute noch kurz nach seiner Mutter. Die aber schlief friedlich in ihrem Bett. Oliver ging auch zu Bett und schlief sofort ein.
Er war immer wieder aufgewacht – Bilder von seinem Vater tauchten vor seinen Augen auf. Er hatte offenbar eine engere Beziehung zu ihm gehabt, als ihm bewusst gewesen war. Sein Tod bewegte ihn jetzt sehr. Er hatte in ihm immer einen Spiesser gesehen, der nichts als seine Arbeit kannte. Er, Oliver, dagegen wusste doch, wie es im Leben läuft. Das Leben geniessen hatte immer an erster Stelle gestanden. Zum ersten Mal kamen ihm jetzt jedoch Zweifel.
Er schaute auf den Wecker. 7 Uhr. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, heute auszuschlafen, bevor er dann das erste Mal in den Verlag ging, als neuer Chef. Aber er konnte nicht mehr schlafen, atmete ein paarmal tief durch, reckte und streckte sich, setzte sich auf die Bettkante und stand langsam auf.
Das frische Wasser der Dusche fühlte sich gut an. Nachdem er sich abgetrocknet, rasiert, geföhnt und angezogen hatte, ging er langsam ins Esszimmer. Dort sass auch schon seine Mutter beim Frühstück.
"Oh, du bist auch schon wach? Guten Morgen, Mama."
"Guten Morgen, Oliver. Ich habe tief und fest geschlafen, dank Schlafmittel. Aber ich bin früh wach geworden und konnte nicht mehr einschlafen."
"Ja, das verstehe ich. Warum sind drei Gedecke auf dem Tisch? Kommt noch jemand?"
"Nein, nein. Wir sind allein. Aber dort sass immer dein Vater. Ich fühle mich einfach besser, wenn auch sein Gedeck auf dem Tisch steht."
Tränen liefen ihr über das Gesicht, während sie das sagte. Oliver streichelte ihr schweigend über die Schultern und den Rücken. Sonst wusste er fast immer, was er sagen oder tun sollte. Jetzt fehlten selbst ihm die richtigen Worte. So schwieg er und setzte sich an den Tisch.
Sie frühstückten, tranken Kaffee und Orangensaft und kauten routinemässig auf einer Scheibe Brot. Keiner von beiden hatte wirklich Hunger. Die Mutter klammerte sich an den üblichen Tagesablauf. Oliver wäre am liebsten sofort aus dem Haus gegangen, normalerweise nahm er nur einen Kaffee und einen Saft, ohne irgendetwas zu essen. Aber heute wollte er seine Mutter nicht alleine frühstücken lassen.
"So, ich muss jetzt los", sagte er nach einer halben Stunde. "Der Verlag wartet."
"Viel Erfolg, Oliver. Ich bin so froh, dass du es machst. Ich hoffe, du findest dich schnell rein."
"Ich werde mir Mühe geben."
Oliver fuhr mit der S-Bahn ins Zentrum, wo sich der Verlag befand. Vor dem Eingang zögerte er einen Moment, atmete noch einmal tief durch, öffnete die Tür und trat ein.
"Oh, guten Morgen, Herr Behrendt. Ich habe Sie so früh noch gar nicht erwartet. Mein aufrichtiges Beileid wegen Ihres Vaters. Wir alle hier haben ihn sehr gemocht."
"Guten Morgen, Frau Kilic. Vielen Dank."
Leyla Kilic war seit einigen Jahren die Sekretärin seines Vaters gewesen. Oliver hatte sie zweimal flüchtig getroffen, einmal als der Verlag einen Empfang gegeben hatte und einmal, als er seinen Vater im Büro aufsuchte. Ihre Eltern waren Türken, die in der Nachkriegszeit nach Deutschland gekommen waren. Sie selbst war in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie war ungefähr dreissig Jahre alt und auffallend hübsch.
‚Mein Vater hat einen guten Geschmack‘, hatte Oliver damals schon gedacht. ‚Zumindest was das Äussere angeht.‘ Ansonsten kannte er sie nicht.
"Kommen Sie bitte. Ich zeige Ihnen Ihr Büro und den Verlag."
Das Büro war aufgeräumt. Ein mächtiger Eichenschreibtisch stand in der Mitte, dahinter ein grosser Ledersessel. Dahinter zierte ein grosser antiker Schrank die Wand. Links vom Schreibtisch war ein Fenster, das viel Licht in den Raum liess. Rechts vom Schreibtisch war ein kleiner runder Tisch mit vier Stühlen für geschäftliche Besprechungen. Sein Vater hatte schon immer das Altehrwürdige gemocht. Leyla führte ihn durch die einzelnen Abteilungen und Bereiche. Eine halbe Stunde später war er wieder in seinem Büro. Ja, ab heute würde es sein Büro sein.
"Vielen Dank, Frau Kilic. Aber bitte nennen Sie mich doch Oliver. Ich bin das ‚Arbeits-Du‘ von anderen Firmen gewohnt. Es macht vieles einfacher."
"Sehr gerne, Oliver. Ich bin Leyla."
"Bitte organisiere für heute Nachmittag um 15 Uhr eine Betriebsversammlung. Ich möchte ein paar Worte zu den Mitarbeitenden sagen."
"Mach ich doch gerne, Oliver."
Bis zum Mittag sah sich Oliver die Geschäftsberichte der letzten Jahre an. Nach der Jahrtausendwende hatte es einen Gewinneinbruch gegeben. Er wusste, dass alle Verlage zu dieser Zeit kämpfen mussten. Die neuen Medien hatten an Bedeutung gewonnen, immer mehr Menschen lasen die Zeitung online. E-Books eroberten den Markt und verdrängten die traditionellen Papierbücher. Sein Vater hatte mit Oliver auch ab und zu darüber gesprochen und sein Leid geklagt.
In den letzten Jahren war es mit dem Verlag aber wieder steil bergauf gegangen. Er war nicht nur aus den roten Zahlen gekommen, sondern schrieb wieder gute Gewinne. Die Mitarbeiterzahl konnte auf 60 gesteigert werden. Man war, zwar zögerlich, aber dennoch ins digitale Zeitalter eingestiegen. Die ersten E-Books waren schon recht erfolgreich, und auch vom Berliner Abendspiegel, der Tageszeitung des Verlages, gab es mittlerweile eine Online-Version.
