Geister der Nacht - Andrew McGilmore - E-Book

Geister der Nacht E-Book

Andrew McGilmore

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Beschreibung

Jolyns Geburtstag soll ein echtes Abenteuer werden: Ihre Freunde überraschen sie mit einer Nachtführung durch eine Villa, in der es spuken soll. Nur eine gute Show? Als die ersten Teilnehmer verschwinden, kommen Jolyn Zweifel. Und dann holt sie eine Vergangenheit ein, die sie so gern vergessen hätte. Das Sterben beginnt.

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Seitenzahl: 231

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Kurzbeschreibung:

Jolyns Geburtstag soll ein echtes Abenteuer werden: Ihre Freunde überraschen sie mit einer Nachtführung durch eine Villa, in der es spuken soll. Nur eine gute Show? Als die ersten Teilnehmer verschwinden, kommen Jolyn Zweifel. Und dann holt sie eine Vergangenheit ein, die sie so gern vergessen hätte. Das Sterben beginnt.

Andrew McGilmore

Geister der Nacht

Thriller

Edel Elements

Edel Elements

Ein Verlag der Edel Germany GmbH

© 2017 Edel Germany GmbHNeumühlen 17, 22763 Hamburg

www.edel.com

Copyright © 2017 by Andrew McGilmore

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Verlagsagentur Lianne Kolf'

Lektorat: Philipp Bobrowski

Korrektorat: Tatjana Weichel

Covergestaltung: Anke Koopmann, Designomicon

Konvertierung: Datagrafix

Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des jeweiligen Rechteinhabers wiedergegeben werden.

ISBN: 978-3-96215-045-7

www.facebook.com/EdelElements/

www.edelelements.de/

Prolog

Andrew saß an der Bar und nippte an seinem Bier. Der Holzhocker wurde ihm langsam zu unbequem, und er fischte in seiner Hosentasche nach ein paar Dollar. Gerade, als er das Geld auf die Theke legen wollte, spürte er eine Hand auf seiner Schulter.

„Lass stecken, ich geb dir noch ein Bier aus.“

Ehe Andrew etwas erwidern konnte, hatte der Barkeeper sich schon mit einem Nicken abgewandt. Andrew drehte sich halb zu dem Sprecher um und erkannte einen der Teilnehmer der gestrigen Spuknacht.

Sein Gegenüber strahlte über das ganze Gesicht und streckte ihm die Hand entgegen. „Hey, ich bin Thomas.“

Andrew zeigte keine Regung.

Thomas setzte sich auf den Hocker neben ihm und quatschte fröhlich drauflos. „Coole Show gestern.“

Andrew zog eine Augenbraue hoch und drehte sich nun doch ganz zu Thomas. Sein Auftreten machte Andrew neugierig. „Fandest du?“

„Ja, ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Klar, dass das alles nicht echt war, aber es war wenigstens gut gemacht.“

Andrew nahm seine Flasche in die Hand und trank einen großen Schluck. Wollte Thomas ihn bloßstellen?

„Das mit den Magneten hatte ich erwartet, aber bei der Lichtleiste hatte ich an einen Schalter gedacht. Die fernzusteuern, ist eine ziemlich gute Idee.“

Jetzt lächelte auch Andrew das erste Mal. „Ach das, ich habe noch viel mehr drauf.“

„Das habe ich gehofft. Dann erzähl mal.“

Thomas bestellte ihm noch ein Bier, und Andrew kam langsam aus sich raus: „Ich könnte in einer der großen Firmen arbeiten, wo sie innovative Techniken entwickeln.“

„Und warum tust du es nicht?“

„Das habe ich schon.“

„Bist wohl rausgeflogen, was?“ Thomas grinste ihn an.

„Ist halt nicht so mein Ding, mich anderen unterzuordnen. Und was machst du?“

„Ach, ich bin wie du. Ich bin lieber mein eigener Chef, daher bin ich selbstständig.“

„Und in welchem Bereich?“

„Wie gesagt, wir sind uns sehr ähnlich. Ich versuche auch, etwas zu entwickeln.“

„Scheint ziemlich gut zu laufen bei dir. Ich dagegen halte mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.“

„Du brauchst also Geld.“

Andrew atmete hörbar aus. „Immer.“

„Du kannst mir einen Gefallen tun. Ich bin auch bereit, dafür zu zahlen.“

Andrew sprang sofort darauf an. „Was soll ich machen?“

Thomas legte eine kurze Pause ein. „Ach, an sich nicht sehr viel mehr, als du sowieso schon tust.“

1

Jolyn stand gähnend vor ihrem geöffneten Kleiderschrank. Luke hatte ihr zwar aufgetragen, warme Kleidung einzupacken, aber was sie anziehen sollte, hatte er ihr natürlich nicht gesagt. Mit einem Scheppern fiel die Schranktür zu, als wollte sie ihr sagen, dass sie lange genug davorgestanden hatte. Sie fluchte und nahm sich dann eine Jeans und eine Bluse heraus.

Nachdem sie sich angezogen hatte, betrachtete sie sich im Spiegel. Sie trug noch ein wenig Make-up auf und bürstete sich die Haare. Gerade, als sie ihr Schönheitsprogramm beendet hatte, klingelte es an der Tür. Sie schreckte auf. Der schrille Ton nahm ihr immer kurzzeitig den Atem.

Jolyn betätigte den Türöffner, und kurze Zeit später stand ein über beide Wangen strahlender Luke vor ihr. Er drückte sie fest an sich und wisperte ihr ins Ohr: „Alles Gute zum Geburtstag.“

So viel Nähe konnte sie am frühen Morgen noch nicht ertragen, und sie machte sich von ihm los.

„Du siehst gut aus, aber hatte ich nicht etwas von warmer Kleidung gesagt?“

„In der Tasche“, presste sie hervor. „Können wir dann los?“

„Ich warte nur auf dich.“

Jolyn schnappte sich ihre Tasche und schloss die Tür hinter sich, nachdem Luke auf den Flur getreten war. Sie folgte ihm die Treppenstufen hinunter.

„Wir müssen uns sowieso ein wenig beeilen. Die anderen warten bestimmt schon am Bahnhof auf uns.“

„Welche anderen denn?“

Luke blieb auf der Treppe stehen, sodass Jolyn beinahe in ihn hineingelaufen wäre.

„Oh, hattest du gedacht, dass wir einen Ausflug zu zweit machen?“ Er blickte zu Boden. „Ich fürchte, es werden uns noch ein paar Leute begleiten. Wenn ich gewusst hätte …“

„Nein, nein, alles gut“, schob Jolyn schnell dazwischen. „Ich dachte nur, weil du mich abgeholt hast.“ Sie atmete einmal tief durch. „Ich weiß auch nicht, was ich gedacht habe. Es ist jedenfalls gut, so, wie es ist.“

Luke wirkte ein wenig niederschlagen, als er sagte: „Ändern kann ich es jetzt auch nicht mehr … Ähm, soll ich vielleicht deine Tasche tragen?“

„Das schaffe ich gerade noch selbst.“ Demonstrativ schulterte sie ihre Reisetasche.

Auf dem Weg zum Bahnhof sprachen sie die ersten Meter kein Wort, ehe Jolyn fragte: „Willst du mir nicht endlich erzählen, wohin es geht?“

„Dann wäre es ja keine Überraschung mehr.“ Luke hatte sein Lächeln wiedergewonnen.

„Bitte, kannst du nicht wenigstens eine kleine Andeutung machen?“

„Nur so viel, wir haben noch eine längere Reise vor uns.“

Jolyn ließ die Schultern hängen, die Aussicht auf eine endlose Bahnfahrt verbesserte nicht gerade ihre Stimmung.

„Aber ich verspreche dir, dass wir heute noch ankommen.“

„Wenn das keine positive Nachricht ist. Wie spät ist es noch mal? Sieben Uhr morgens?“

Den Rest des Weges legten sie schweigend zurück. Als sie die Treppen zur Metro hinuntergestiegen waren, sah Jolyn eine Frau, die aussah wie ihre Freundin Summer. Dass es tatsächlich Summer war, wurde ihr erst klar, als sie auch deren Freund Marten sah. Der war mit seinen langen Haaren und dem wuscheligen Bart unverkennbar. Ein wenig im Hintergrund hielt sich Kathryn auf.

Jolyn lächelte und beeilte sich, zu ihren Freunden zu gehen. Kaum war sie dort, wurde sie von Summer überschwänglich umarmt.

„Na, du Morgenmuffel. Ich wünsche dir alles Liebe zum Geburtstag. Seid ihr auch endlich da? Wir haben schon mal ein Gruppenticket besorgt, unglaublich, wie viel die heutzutage dafür verlangen. Aber bevor du in deinem Portemonnaie kramst, an deinem Geburtstag bist du natürlich eingeladen. Jetzt hast du die Dreißig auch endlich erreicht und zu diesem Ehrentag hat Luke was Besonderes geplant. Das wird bestimmt aufregend …“

Luke warf ihr einen warnenden Blick zu.

„Bevor ich mich noch verplappere, gebe ich den anderen lieber auch noch die Chance, dir zu gratulieren.“

Wesentlich verhaltener fielen Martens Glückwünsche aus. Er umarmte sie kurz und murmelte ein „Alles Gute“ in seinen Bart, obwohl er bei anderen Leuten sehr viel gesprächiger war. Normalerweise quatschte er jeden an, der gerade in der Nähe war, ob Mann oder Frau, da machte er keinen Unterschied. Und auch nicht, ob Summer dabei war oder nicht.

Es war kein großes Geheimnis, dass Jolyn sich noch nie besonders für den Heavy-Metal-Fan hatte erwärmen können. Daher war sie froh, dass er ihr nun aus den Augen trat und hinter dem Ein-Meter-neunzig-Mann ihre beste Freundin Kathryn zum Vorschein kam.

„Alles Gute, ich hoffe, dass im neuen Lebensjahr alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.“ Sie legte eine kurze Pause ein, senkte die Stimme und fügte hinzu: „Vor allem, dass du endlich zu deinem Traummann findest.“ Bei dem letzten Wort schaute Kathryn kurz zu Luke.

„Danke dir.“

Als die Gratulationen abgehandelt waren, sahen sie in der Ferne auch schon die Metro.

Nachdem sie Platz genommen hatten, fragte Kathryn: „Bis zu welcher Station müssen wir jetzt eigentlich fahren?“

„Airport“, erwiderte Luke.

Jolyn blickte ihn fragend an.

„Ist euch auch so heiß?“, stieß Summer auf einmal hervor. Entweder wollte sie nur ablenken oder sie nutzte mal wieder eine Gelegenheit, sich zu entblößen. Sie zog ihre Winterjacke und ihre Strickjacke aus, sodass sie nur noch in hautengen Jeans und einem schwarzen Top dasaß. Man konnte nun gut ihr Schlangentattoo erkennen, das quer von ihrer Schulter über ihre Brust lief. Nur die Zunge, die aus dem Schlangenmaul kam, war noch verdeckt. Jolyn wusste aber, dass die Spitze an Summers Brustwarze endete. Bei dem Gedanken daran fröstelte ihr, und sie zog sich den Reißverschluss ihrer Jacke bis ganz nach oben. Kathryn warf ihr von der Seite einen Blick zu und lächelte wissend.

2

Nach etwa einer halben Stunde Fahrzeit erreichten sie den Airport.

Jolyn fragte: „Und was haben wir nun vor?“

Marten legte einen Finger auf sein Kinn und machte eine nachdenkliche Miene. „Wir sind am Flughafen. Daher werden wir uns wohl entweder auf der Dachterrasse die Flugzeuge anschauen oder irgendwohin fliegen.“

Jolyn verzog das Gesicht. Es war zu kalt draußen, um längere Zeit an einer Stelle zu sitzen. Zudem hätte Luke wissen müssen, dass sie sich nicht für Flugzeuge interessierte. Das würde der langweiligste Geburtstag werden, den sie jemals hatte.

„Die Begeisterung, mit uns wegzufliegen, hält sich bei dir ja ziemlich in Grenzen. Wir hätten doch einfach frühstücken gehen sollen“, kommentierte Kathryn Jolyns Reaktion.

Jolyn wollte schon erwidern, dass genau das das Richtige gewesen wäre, da erschienen die Worte ihrer Freundin noch einmal vor ihrem geistigen Auge. „Wir fliegen tatsächlich?“

Luke meinte: „Hast du wirklich geglaubt, ich würde dich so schlecht kennen, dass wir Flugzeuge beim Starten und Landen betrachten?“ Als Jolyn nichts sagte, fügte er hinzu: „Ich hatte gehofft, du denkst anders von mir.“

„Wir sind hier am Flughafen, woher soll ich wissen, was du vorhast, wenn du die ganze Zeit so geheimnisvoll tust.“

„Noch sind wir an der Metrostation. Daher sollten wir uns jetzt auch beeilen, nicht dass das Flugzeug ohne uns abfliegt. Sonst müssen wir doch noch beim Starten zuschauen.“ Luke drehte sich um und ging.

Jolyn merkte, dass er gekränkt war, und nahm sich vor, es so schnell wie möglich wiedergutzumachen.

Im Flughafengebäude angekommen, holte Luke erst einmal die Bordkarten. Wortlos drückte er sie Jolyn und den anderen in die Hand. Sie schaute auf das Flugziel und sah, dass es nach Los Angeles gehen sollte. „Das ist cool.“

Luke sagte immer noch kein Wort.

Da sie beide gerade etwas abseits standen, nutzte Jolyn die Gelegenheit, ihm ins Ohr zu flüstern. „Ich habe das vorhin nicht so gemeint.“

„Schon gut.“

„Nein, ist es nicht. Ich …“

„Schon gut, wirklich. Ich kann nicht garantieren, dass es dir gefallen wird. Aber ich habe gedacht, dass du an deinem Geburtstag etwas Besonderes verdient hast.“

Jetzt hatte Jolyn ein noch schlechteres Gewissen. Ihr hätte klar sein müssen, dass Luke sich mehr ausgedacht hatte, als Flugzeuge anzuschauen. Aber ihre Reaktion konnte sie nicht mehr ändern.

Luke hatte sich inzwischen wieder zum Rest der Gruppe gesellt, und so tat sie es ihm gleich. „Wir haben noch etwas Zeit, hat jemand Vorschläge, was wir noch machen wollen?“

Marten kommentierte sarkastisch: „Wir können ja auf die Dachterrasse gehen und die Flugzeuge betrachten.“

„Man kann es auch übertreiben“, sagte Kathryn.

„Genau, Jolyn hat ja nicht einmal was gesagt“, stimmte Luke ihr zu und beendete damit das Thema.

„Lasst uns doch gucken, ob schon eines der Restaurants offen hat und wir was frühstücken können. Oder wir holen uns etwas zu essen und setzen uns irgendwo gemütlich hin“, schlug Summer vor.

„Endlich hat mal jemand eine gute Idee“, meinte Luke. Damit war es beschlossene Sache.

Nachdem sie etwas gegessen hatten, gingen sie zum Sicherheitscheck. Luke und Summer konnten den Scanner passieren, ohne aufgehalten zu werden, und nahmen ihr Gepäck wieder in Empfang. Bei Marten hingegen löste das Gerät aus.

„Liegt wahrscheinlich an seinem bescheuerten Nasenring“, sagte Kathryn zu Jolyn.

Als Marten von der Kontrolle kam, zeigte er auf den Ring in seiner Nase und kommentierte: „Es geht doch nichts über eine schöne Leibesvisitation wegen ein bisschen Schmuck.“

In der Wartehalle ging ihnen der Gesprächsstoff aus. Jolyn meinte zu Luke: „Hoffentlich sind wir bald in Los Angeles, vielleicht ist dann die Stimmung besser.“

Luke nickte nur, und irgendwie bekam sie das Gefühl, dass das noch nicht ihr Endziel sein würde. Sie wollte an ihrem Geburtstag nicht durch ganz Amerika reisen, daher sank nun auch ihre Stimmung.

Kathryn blickte die anderen an und kommentierte dann: „Wir sind echt tolle Freunde. Es ist Jolyns Geburtstag, und wir sitzen hier rum, als wären wir auf einer Beerdigung.“

„Wie wär’s, wenn du für Stimmung sorgst?“, schlug Marten vor. „Ich bin gespannt, wie du das anstellst.“

„Wir sind alle ihre Freunde, na ja, du vielleicht nicht. Schließlich bist du nur hier, weil du mit Summer zusammen bist. Ich dagegen kenne Jolyn schon seit 15 Jahren.“

Summer wollte etwas entgegnen, da mischte sich Luke ein: „Nun reicht es aber mit gegenseitigen Anfeindungen. Wir wollten Jolyn zu ihrem Geburtstag ein schönes Wochenende bereiten. Wer hier wen wie lange kennt, ist dabei doch völlig uninteressant.“

Jolyn versank in ihrem Stuhl. Dies war sicher nicht ihr langweiligster Geburtstag, aber der mit dem höchsten Streitpotenzial.

In diesem Moment kam die Ansage, dass das Boarding begann. Sie standen fast gleichzeitig von ihren Sitzen auf. Das zauberte wieder ein Lächeln auf ihre Gesichter. Die Stimmung war gerade noch gerettet.

Sie freute sich einfach auf einen schönen Aufenthalt in Los Angeles. In der Stadt gab es sicherlich viel zu sehen und eine Menge zu erleben. Genau das, was sie nach diesem Morgen gebrauchen konnte.

3

„Und jetzt?“, wollte Jolyn wissen, als sie das Flughafengebäude verlassen hatten.

„Brauchen wir ein Taxi“, erklärte Luke knapp.

Er deutete nach links, wo ein Großraumtaxi bereitstand.

Kathryn machte die Beifahrertür auf und fragte: „Sind Sie frei?“ Sie rümpfte die Nase.

Der Fahrer kaute schnell zu Ende und würgte dann die letzten Brocken hinunter. Er knüllte die McDonald’s-Tüte zusammen und schmiss sie auf das Armaturenbrett. „Natürlich, steigen Sie ein. Entschuldigen Sie bitte, ich hatte leider keine Mittagspause.“

Kathryn schaute die anderen ein wenig unsicher an.

„Na kommt, hüpft rein. Ist ja nicht so, als hätten wir noch nie Fast Food gegessen“, forderte Marten sie auf.

Der Taxifahrer stieg nun aus und half ihnen dabei, ihre Taschen in den Kofferraum zu laden. Marten nahm auf dem Beifahrersitz Platz, um alles im Griff zu haben, wie er meinte. In der Reihe dahinter machten es sich Luke und Jolyn bequem. Ganz hinten saßen Kathryn und Summer.

„Also, wo soll es hingehen?“

„Zum Easylife Villa Hotel.“

„Sie wollen wohl auch zu dieser …“

„Nicht weiterreden“, unterbrach Luke den Fahrer. „Es soll eine Überraschung für unsere Freundin werden. Sie hat heute Geburtstag.“

„Oh, dann herzlichen Glückwunsch. Und Sie glauben wirklich, dass es welche gibt?“

„Dass es was gibt?“, wollte Jolyn wissen.

„Na, Geister.“

Luke verdrehte die Augen. „Vielen Dank.“

Jetzt wurde sich der Fahrer seines Missgeschicks bewusst. „Es tut mir leid, ich quatsche einfach zu viel.“

„Warum genau reden wir jetzt über Geister?“, erkundigte sich Jolyn.

„Darum geht es da doch. Obwohl ich ja der Meinung bin, dass es auch ein wenig eine Geldmaschine ist. Sie kommen nicht von hier, oder? Na ja, ist wahrscheinlich eine Glaubensfrage.“

Marten warf ein: „Sie quatschen wirklich zu viel.“

„Im Prinzip habe ich ja nichts gesagt, oder?“

„Bevor Sie noch mehr nichts sagen, können Sie sich vielleicht lieber auf die Straße konzentrieren. Ich glaube, wir hätten nach rechts gemusst.“

„Tatsächlich? Das kann eigentlich nicht sein. Ich bin zwar nicht so oft in der Gegend. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dies der richtige Weg ist.“

„Wenn Sie meinen. Wir kommen schließlich nicht von hier.“

Der Taxifahrer fuhr unbeirrt die Straße weiter.

Nach einer Weile wurde auch Luke misstrauisch. „Sind Sie sicher, dass wir hier richtig sind?“

Der Fahrer fuhr noch ein Stück, ohne etwas zu sagen, und wendete den Wagen dann bei der nächsten Gelegenheit. „Nein, ich hätte dort abbiegen müssen. Aber keine Angst, Sie haben noch Zeit.“

Jolyn machte dieses Mal gar nicht den Versuch, zu fragen, wofür sie noch Zeit hatten. Stattdessen konzentrierte sie sich auf die Straßenschilder, um nötigenfalls einzugreifen. Der Fahrer machte auf sie einen zu redseligen Eindruck. Vielleicht hätte er lieber Friseur werden sollen. Wenn Sie allerdings daran dachte, dass er beim Haareschneiden genauso unachtsam war wie beim Beachten der Straßenschilder, war das wohl keine gute Idee.

In diesem Moment bog er in die Straße ein, die zu ihrem Hotel führte.

Als er sein Geld erhalten hatte, meinte der Fahrer: „Na, dann wünsche ich Ihnen viel Spaß. Oder Erfolg, was sagt man da?“

Jolyn zuckte mit den Schultern. „Ich habe sowieso keine Ahnung.“

„Ich habe mal gehört, dass man sie zu sehen bekommt, wenn man fest daran glaubt.“

Mit einem traurigen Blick meinte sie: „Ich hoffe, ich bekomme heute überhaupt noch irgendetwas zu sehen.“

Luke hatte ihre Worte gehört und erklärte: „Das wirst du, versprochen. Und nun lass uns gehen.“

Die Zimmer waren nach der Schlüsselausgabe schnell aufgeteilt. Summer und Marten belegten eines, Jolyn hatte eines mit Kathryn, und Luke schlief in einem Einzelzimmer.

Kurze Zeit später versammelten sie sich alle bei ihm. Summer schaute sich in dem Raum um und kommentierte: „Warum hast du so ein großes Zimmer für dich allein?“

„Ganz einfach, weil ich die Reise organisiert habe. Da wäre es ja unlogisch, wenn ich mir ein schlechteres Zimmer buchen würde als euch.“

Jolyn rutschte auf dem Bett hin und her. Jetzt, da die Verkündung anstand, was ihre Geburtstagsüberraschung war, wurde sie nervös.

Luke spannte sie nicht weiter auf die Folter. „Nachdem wir nun eine längere Reise hinter uns haben, wird es Zeit, Jolyn auch in unsere Aktivität mit einzuschließen und sie nicht nur mitzuschleppen. Nun hoffe ich, dass wir alle viel Spaß bei der Spuknacht haben werden.“

Alle außer Jolyn lächelten. Sie hob eine Augenbraue und zuckte leicht mit den Schultern. „Was soll das denn sein?“

„Stimmt, ich hätte die Erklärung gleich mitliefern sollen. In Los Feliz gibt es eine alte Villa, die nicht weit von hier liegt. Wir müssen also nicht noch weiterfahren, sondern können zu Fuß hingehen. Dort erwartet uns ein Drei-Gänge-Menü, und dann werden wir auf Geisterjagd gehen.“

Für eine Zeit lang war es fast völlig still im Zimmer, nur der Kühlschrank brummte. Alle blickten zu Jolyn und warteten auf ihre Reaktion.

Nach etwa einer Minute fragte sie: „So wie bei den Ghostbusters?“

Luke musste grinsen. „So ähnlich. Wir werden Messungen durchführen, Geräusche aufzeichnen und am Ouija-Brett Kontakt mit Geistern aufnehmen.“

„Cool. Das wollte ich schon immer mal machen.“

Luke atmete hörbar auf.

„Wann geht es los?“

„Wir müssen uns in circa einer Stunde auf den Weg machen. Ich schlage vor, dass wir uns jetzt umziehen und uns dann treffen. Nachts kann es in der Villa ziemlich kalt sein, da sie nicht beheizt wird und es in den meisten Räumen keine Elektrizität gibt. Vergesst also eure Taschenlampen nicht.“

4

Als Kathryn und Jolyn wieder auf ihrem Zimmer waren, fragte Kathryn: „Und du freust dich wirklich über das Geschenk?“

Jolyn hielt inne, in ihrer Tasche zu kramen, und drehte sich zu Kathryn um. „Ich habe doch gesagt, dass ich das immer schon einmal machen wollte.“

„Ich hatte befürchtet, dass du es ironisch meinen könntest.“ Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Was suchst du eigentlich?“

„Meine Strumpfhose. Ich bin mir sicher, dass ich sie eingepackt habe, aber jetzt kann ich sie nirgendwo finden.“ Kurze Zeit später hielt sie das Kleidungsstück triumphierend in der Hand. „Ah, da ist sie ja. Und ich habe es wirklich so gemeint, wie ich es gesagt habe. Dieses Ouija-Brett hat mich schon immer fasziniert, auch wenn ich nicht an Geister glaube. Aber wer weiß, vielleicht spricht ja heute Abend einer zu uns.“ Jolyn lachte.

Kathryn dagegen presste ihre Lippen zusammen.

„Das ist doch alles nur Show.“

Kathryn zwang ihre Mundwinkel zu einem Lächeln. „Wahrscheinlich hast du recht. Ich bin froh, dass du dich freust. Luke hat sich sehr große Mühe gegeben, weißt du? Er hat das alles allein organisiert.“

„Ich weiß“, sagte Jolyn, während sie sich die Strumpfhose anzog.

„Er hat das alles für dich getan.“

„Ist ja auch mein Geburtstag.“

Kathryn zog die Augenbrauen hoch.

„Stehst du auf ihn oder was sollen die vielen Worte?“, fragte Jolyn skeptisch.

„Nein“, erklärte Kathryn schnell, wurde aber dennoch rot. „Ich habe nur gedacht, dass ihr … ach, ich weiß auch nicht.“

„Dann solltest du dich jetzt lieber umziehen. Wir wollen Luke schließlich nicht enttäuschen.“

Ohne weitere Worte zog sich nun auch Kathryn um.

Kurze Zeit später standen sie vor Lukes Tür. Sie klopften, und er kam heraus. Wenig später gesellten sich auch Marten und Summer zu ihnen.

Luke schaute auf die Uhr. „Perfekt. Habt ihr alles? Taschenlampen?“

Alle kramten ihre Leuchten aus der Tasche und zeigten sie wie Schulkinder vor.

„Dass ihr warm angezogen seid, kann ich sehen. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.“

Marten meinte: „Ich hätte Lust auf ein Lagerfeuer.“

„Ich glaube nicht, dass sie uns das im Hotel gestatten.“

„Können wir das nicht in der Villa machen? Das wäre doch total abgefahren.“

Schnell warf Kathryn ein: „Auf gar keinen Fall.“

„Hat da etwa jemand Angst vor Geistern?“

„Nein, Quatsch.“

Marten beließ es dabei, aber er schaute sie eine Zeit lang von der Seite an. Es war klar, dass er sie den ganzen Abend damit aufziehen würde.

Irgendwann schien Kathryn davon genervt, von ihm angestarrt zu werden. „Ist was? Habe ich einen Pickel auf der Nase?“

Marten schaute sie näher an und erklärte: „Nein, nichts zu sehen.“

„Wie wäre es dann, wenn du lieber deine Freundin anstarrst?“

„Natürlich, ich tue ja quasi nichts anderes.“

Sie verließen das Hotel und wurden vom trüben Wetter empfangen. Am Himmel hatten sich graue Wolken gebildet, und es nieselte leicht.

Jolyn zog ihren Kragen hoch und wandte sich an Luke: „Hast du das Wetter auch organisiert?“

„Nein, obwohl es passend ist. Kommt, es soll nicht sehr weit sein.“

Sie gingen ein ganzes Stück einen Berg hoch, bis sie an eine Abzweigung kamen.

„Rechts oder links?“, erkundigte sich Summer.

„Rechts.“

„Bist du sicher?“, fragte Kathryn.

„Ja.“

Plötzlich packte Marten Kathryn von hinten. „Wuuuh, die Geister kommen!“

Summer knuffte ihn in die Seite. „Lass den Quatsch.“

Luke unterstützte sie: „Genau, lass sie in Ruhe.“

„Aber ich habe doch nur …“

Sie schauten ihn böse an.

Er hob entschuldigend die Hände. „Schon gut. Nicht das Kriegsbeil ausgraben.“

Nach dem kleinen Intermezzo setzten sie ihren Weg fort. Er schien noch endlos geradeaus zu gehen. Nach etwa einem halben Kilometer stieg der Weg steil an. Eine ganze Zeit ertrugen sie es schweigend, aber irgendwann hakte Marten nach: „Es soll nicht weit sein?“

Luke antwortete: „Die vom Hotel sagten, dass es von dort nur eine Viertelstunde wäre.“

„Ja, mit dem Auto vielleicht. Du bist ja ein toller Organisator.“

Luke öffnete den Mund, aber Summer mischte sich vorher ein. „Bis hierher hat doch alles wunderbar funktioniert. Außerdem haben wir noch Zeit. Mal ein bisschen zu Fuß gehen wird dich schon nicht umbringen.“

Marten schwieg und ließ sich ein Stück zurückfallen. Jolyn schaute erst zu ihm und daraufhin zu Summer. Sie befürchtete, dass es bei den beiden bald knallen würde. Dann hätten sie ihre eigene Gruselgeschichte.

Summer zuckte nur mit den Schultern und erklärte: „Der kriegt sich schon wieder ein. Ich finde es nur nicht gut, wie er Luke behandelt.“

Luke reagierte nicht, aber Jolyn konnte ihm ansehen, wie es in ihm arbeitete.

Sie setzte sich mit ihm an die Spitze. „Wenn wir alle fünf Minuten stehen bleiben, ist es kein Wunder, dass es länger dauert.“

Kurze Zeit später sah Jolyn einen Wegweiser zur Villa und machte Luke darauf aufmerksam.

Dieser erklärte: „Na, wer sagt’s denn? Nach links und dann noch ein Stück geradeaus. Genauso haben sie es mir vom Hotel gesagt. Und ja, möglicherweise dauert es noch mal eine Viertelstunde. Wir müssen ja auch nicht wie die Gänschen gehen.“

Es dauerte tatsächlich noch eine Viertelstunde, bis sie da waren. Draußen standen schon einige Leute, wahrscheinlich andere Teilnehmer der Spuknacht. Einige waren etwa in ihrem Alter, andere aber, dem Aussehen nach zu urteilen, erst Anfang bis Mitte zwanzig.

„Seht ihr, wir sind noch pünktlich“, sagte Luke, nicht ohne einen Seitenblick auf Marten zu werfen.

Der stand bei Summer, die aber nicht groß auf ihn achtete.

„Nun entschuldige dich endlich bei ihm“, wandte sich Kathryn an Marten.

„Ich habe doch gar nichts gemacht.“

„Lass gut sein, Kathy“, bat Luke.

„Nein, ich lass es jetzt mal nicht gut sein. Dieses Mal ist er zu weit gegangen.“

„Wir werden heute Abend in zwei Gruppen eingeteilt. Wir können ja darum bitten, dass er in die andere kommt.“

Das war Marten dann wohl doch nicht ganz geheuer. Er schaute einmal in die Runde und erklärte: „Das war doch nur ein Scherz, ihr habt das völlig missverstanden.“ Er nahm Summer in den Arm, die sich dies ohne Regung gefallen ließ. „Süße, ach komm. Ihr wisst doch, wie ich bin.“

„Das heißt nicht, dass uns das gefällt“, kommentierte Jolyn.

Marten ging auf Luke zu. „Okay, es tut mir leid. Es war echt nicht so gemeint. Das war eine tolle Reise bis hierhin, und du hattest immer alles unter Kontrolle.“

Luke ergriff seine Hand. „Ich weiß.“

Beide klopften sich auf die Schultern, und damit war auch dieser Streit ausgestanden.

5

Die Teilnehmer lungerten draußen herum und wussten nicht genau, wo sie hinsollten. Eine der Türen stand zwar offen, aber es wagte wohl keiner so recht, reinzugehen. Schließlich traute sich doch ein stark gepiercter und tätowierter junger Mann.

Er ging geradewegs auf die Tür zu, wurde aber von einem ihm entgegenkommenden Mann aufgehalten.

Der Mann, der aus der Villa kam, begrüßte sie mit den Worten: „Wie ich sehe, werdet ihr langsam ungeduldig. Es tut mir leid, dass wir uns ein wenig verspätet haben. Das Catering benötigte noch unsere Aufmerksamkeit. Aber nun kann es losgehen. Mein Name ist Frank und ich bin heute einer eurer Gastgeber. Alyson lernt ihr gleich noch kennen. So, kommt rein, das Wetter ist ja doch ein wenig ungemütlich. Die Gruppenaufteilung machen wir drinnen.“

Frank war ein breitschultriger Mann mit kurzen braunen Haaren und Jolyn schätzte ihn auf Mitte vierzig. Er machte auf sie sofort einen sympathischen Eindruck, und sie hoffte, dass sie in seine Gruppe kommen würden.

Einige hatten ihre Taschenlampen herausgeholt, aber Frank erklärte: „Die braucht ihr noch nicht. Unser Speiseraum ist einer der wenigen Räume mit Elektrizität. Aber es ist gut, dass ihr alle eine dabeihabt, denn nachher werdet ihr sie auf alle Fälle noch brauchen.“

Er führte sie eine Treppe hinauf und deutete auf eine Tür auf der linken Seite. „Hier ist die Toilette. Es gibt nur eine, also seht zu, dass ihr nicht alle auf einmal geht.“

Jolyn fühlte sich wie in der Schule, hoffentlich mussten sie sich später nicht noch an die Hände nehmen. Vorerst durften sie in den anderen Raum wechseln. Dort standen schon ein paar Schnittchen bereit. Jolyns Magen knurrte, und ihr wurde erst jetzt bewusst, wie wenig sie den Tag über gegessen hatte. Sie hoffte, dass sie gleich zum Essen übergehen konnte und nicht einer der Organisatoren noch eine lange Rede halten würde. Aber hatte Luke nicht etwas von einem Drei-Gänge-Menü gesagt? Dann konnte sie hoffen, dass das hier nur die Vorspeise war. Ihr Magen kommentierte das mit einem zufriedenen Gebrumme.

Sie blickte sich in dem Raum um. Jolyn warf einen sehnsüchtigen Blick auf die linke Seite des Raumes, wo das Buffet aufgebaut war. In der Mitte und nahe der Wand stand jeweils ein großer Tisch mit Stühlen drum herum. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich ein kleiner Tisch, von dem nun eine Frau auf sie zukam. Sie war ganz in schwarz gekleidet, und auch ihre Haare waren schwarz gefärbt. Ihr ganzer Style war Gothic, und Jolyn war sich sicher, dass das Alyson sein musste. Ihr Alter war aufgrund der vielen Schminke schwer zu schätzen, wenn Jolyn hätte raten müssen, hätte sie Ende dreißig gesagt.

Alyson setzte zu einer Rede an, und Jolyn hakte ein baldiges Essen wieder ab.