Geistergeschichten - Jim Butcher - E-Book
Beschreibung

Harry Dresden war schon vieles: Chicagos einziger Berufsmagier, Hüter des Weißen Rates, Gefäß der Seele eines gefallenen Engels, Bewahrer der Schwerter des Kreuzes und Verderben aller, die Unschuldigen schaden und die Welt versklaven wollen. Aber tot war er bislang noch nie ... Zu Lebzeiten hat man auf Harry geschossen und eingestochen, ihn verprügelt, geschnitten, verbrannt, gequetscht und gefoltert. Als ihm aber jemand eine Kugel in die Brust jagt und ihn im Lake Michigan zum Sterben zurücklässt, sieht es wirklich schlecht für ihn aus. Doch selbst gefangen in der Grauzone zwischen Leben und Tod findet Harry keine Ruhe. Er erfährt, dass drei seiner Freunde unvorstellbare Qualen erleiden müssen, wenn es ihm nicht gelingt, seinen Mörder vorher zur Rechenschaft zu ziehen. Das wäre natürlich viel leichter, wenn er einen Körper und Zugang zu seinen Kräften hätte. Doch so muss Harry als Geist zurechtkommen, ohne mit der stofflichen Welt interagieren zu können, unsichtbar und unhörbar für die meisten Menschen.

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Seitenzahl:842

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Sammlungen



Autor: Jim Butcher

Deutsch von: Dorothee Danzmann

Lektorat: Eva Westphal

Korrektorat: Oliver Hoffmann

Art Director: Oliver Graute

Umschlagillustration: Chris McGrath

© Jim Butcher 2011

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2013

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-187-8

Originaltitel: Ghost Stories

ISBN der Printausgabe: 978-3-86762-186-1

Geistergeschichten ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Jim Butcher 2012. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Jim Butcher.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Für Air,

die mich im zwiebelfarbenen Licht

Mab vorstellte.

Danksagung

Wie immer gibt es viel zu viele Leute, bei denen ich mich bedanken möchte, und viel zu wenig Platz dafür. Besonderer Dank gilt diesmal meiner Lektorin Anne, die sich mit meinen ständigen Verzögerungen beim Schreiben herumschlagen musste. Ich habe ihr und anderen Planern bei Penguin bestimmt jede Menge Kopfschmerzen beschert. Ohne meine Agentin Jenny wäre alles noch schlimmer gekommen, sie hat mir zudem noch bei den holprigen Stellen geholfen, und auch dafür schulde ich ihr Dank. Ich würde mich zu gern ausführlichst bei euch allen entschuldigen, nur käme mir das unaufrichtig vor, weil ich nicht versprechen kann, dass Ähnliches nie wieder vorkommt. So bleibt mir nur ein herzliches Dankeschön für all eure Geduld und euer Verständnis.

Bei den Bewohnern von Beta Asyl ist ebenfalls ein riesengroßes Dankeschön fällig, besonders bei denen, die mir in den letzten Wochen vor dem geänderten Abgabetermin so viel Zeit und Konzentration geopfert haben. Eure Rückmeldungen, eure Unterstützung und euer Rat waren von unschätzbarem Wert.

Dank auch an meine lieben Kunden, die Leser: Erst lasse ich den letzten Roman so enden, wie er nun mal endet, und dann müsst ihr alle über die üblichen Verspätungen hinaus noch volle drei Monate auf die Fortsetzung der Geschichte warten – vielen Dank für eure Geduld. Viel Spaß mit dem Buch! (Noch eins, Leute: Das Ende von „Wandel“ist, rein formal betrachtet, kein Cliffhanger. Wirklich nicht.)

Shannon musste wieder einmal eine Zeit des absoluten Wahnsinns mit mir durchleben, nur ging es diesmal noch hektischer zu als sonst. Liebe Shannon: Ich bin mir fast sicher, dass ich in absehbarer Zukunft wieder halbwegs normal sein werde. Ich werde versuchen, alles wieder gutzumachen.

1. Kapitel

Leben ist schwer.

Sterben ist leicht.

So viele Dinge müssen stimmen, wenn Leben entstehen soll. Man braucht eine Umgebung, in der Leben möglich ist – im Gesamtuniversum so selten wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Eltern müssen zusammenfinden, in welcher Form auch immer. Unzählige Widrigkeiten können dem möglichen Leben zwischen Empfängnis und Geburt ein Ende bereiten. Wenn das neue Wesen da ist, muss man sich darum kümmern, bis es sich allein versorgen kann, was viel Zuwendung und Energie kostet.

Das Leben selbst ist dann voller Opfer, Qualen und Schmerz. Sobald wir aufhören zu wachsen, fangen wir auch schon an zu sterben, und das wissen wir natürlich. Wir müssen hilflos mit ansehen, wie unsere Körper von Jahr zu Jahr älter und schwächer werden, während unser Überlebensinstinkt uns zum Weitermachen treibt. Unter dem Strich leben wir so ständig mit der erschreckenden Erkenntnis, dass der Tod letztlich unvermeidlich ist. Ein Leben zu erschaffen und zu erhalten bedeutet enorme Anstrengung, wobei der gesamte Vorgang voller Fallstricke und unerwarteter Komplikationen ist.

Ein Leben zu beenden ist dagegen recht unkompliziert, man könnte sogar sagen: einfach. Viel Aufwand bedarf es da nicht: eine einzelne Mikrobe, eine scharfe Klinge, ein schweres Gewicht – oder ein paar Gramm Blei.

So schwer zu erschaffen, so leicht zu beenden.

Vielleicht sollten wir dem Leben an sich größeren Wert beimessen.

Ich starb im Wasser.

Ob ich letztlich verblutete oder ob ich ertrank, kann ich nicht sagen.

Sobald alles vorbei ist, sobald man tot ist, sind die Details des Sterbens unwichtig. Eigentlich seltsam, wo doch der Tod letztlich der größte Schrecken ist, den die menschliche Existenz beinhaltet. Aber wenn alles vorbei ist, schreckt einen das Sterben so gar nicht mehr. Sie kennen die Geschichten über den Tunnel mit dem Licht am anderen Ende, von dem Leute nach einer Nahtoderfahrung berichten? Alles alte Kamellen für mich.

Aber dass jemand auf dem Weg ins Licht die Sirene eines Schnellzugs zu hören bekommt? Ich muss zugeben, das war mir neu.

Offenbar stand ich auf Schienen, denn unter meinen Füßen spürte ich das Vibrieren des herannahenden Zuges. Es war so heftig, dass meine Füße zitterten und es in meinen Fußsohlen summte. Auch mein Herz raste.

Habe ich nicht gerade erzählt, dass einen der Tod nicht mehr schreckt, hat man ihn erst einmal hinter sich? Vielleicht hätte das mal jemand meinen Drüsen erklären sollen.

Voller Widerwillen, beide Hände in die Hüften gestemmt, starrte ich dem herannahenden Zug entgegen. Hinter mir lag ein langer, harter Tag. Ich hatte gegen die Mächte des Bösen gekämpft, den Roten Hof vernichtet, meine Tochter gerettet, ihre Mutter ermordet und war ganz nebenbei auch noch erschossen worden. Jetzt reichte es mir langsam.

Wo war der tiefe Frieden, der mir zustand? Warum verschmolz ich nicht mit dem heiligen Licht oder stand für meine nächste Tour auf der Achterbahn an? Oder schmorte in einem Ofen, von einer Stereoanlage bis in alle Ewigkeit mit Barry Manilow beschallt? Denn das passierte doch, wenn man starb, oder? Man bekam, was man verdiente. Man fand Antworten auf die großen Fragen des Lebens.

„Auf jeden Fall wird man nicht von einem Zug überfahren!“ Ungehalten verschränkte ich die Arme vor der Brust, stemmte die Beine fest auf den Boden und reckte dem herandonnernden Schienengefährt herausfordernd das Kinn entgegen.

„Was ist denn in dichgefahren?“, herrschte mich eine Männerstimme an, ehe sich eine schwere Hand um meinen rechten Bizeps legte und mich mit roher Gewalt von den Schienen riss. „Hast du den verdammten Zug nicht gesehen?“

Besagter Zug röhrte wie ein lebendes Wesen an uns vorbei, ein enttäuscht heulendes, jammerndes Biest, dem es gar nicht recht schien, mich nicht erwischt zu haben. Mit heißen, spitzen Fingern zerrte der Fahrtwind an mir, zog meinen Körper ein paar Zentimeter näher an die Bahnsteigkante heran.

Nach einer gefühlten Ewigkeit war der Zug schließlich vorbeigefahren, während ich keuchend bäuchlings auf dem Boden lag. Mein Herz hämmerte wie eine Dampframme. Erst als es endlich etwas langsamer schlug, konnte ich mir meine Umgebung näher ansehen.

Ich lag auf dem sauberen, abgetretenen Beton eines Bahnsteigs, den urplötzlich helle Neonröhren beleuchteten und der auf den ersten Blick genau so aussah, wie in der Gegend von Chicago unzählige Bahnsteige aussehen. Er kam mir irgendwie vertraut vor, ohne dass ich jedoch genau hätte sagen können, wo ich mich befand. Außer mir hielt sich nicht ein Fahrgast auf dem Bahnsteig auf. Ich entdeckte weder Reklamezettel noch Anschlagtafeln. Alles leer, alles sauber, alles ohne besondere Merkmale.

Vor mir standen zwei blankpolierte Halbschuhe.

Ich hob den Kopf. Über den Halbschuhen eine billige Hose in nicht ganz passender Länge, eine Anzugjacke von der Stange. Vor mir stand ein Mann von vielleicht dreißig Jahren und starrte auf mich herunter. Er war gebaut wie ein Feuerhydrant: Man hatte das Gefühl, wenn man ihn versehentlich mit dem Auto anfahren würde, würde er einem den Kotflügel verbeulen. Seine dunklen Augen glänzten lebhaft und ließen auf wache Intelligenz schließen, sein Haar hatte sich schon vor einiger Zeit deutlich vom ursprünglichen Ansatz zurückgezogen. Obwohl er nicht wirklich gut aussah, hatte er ein Gesicht, dem man vertrauen konnte.

„Die Züge nach Süden rasen hier in letzter Zeit nur so durch“, bemerkte er. „Ich dachte, den wolltest du bestimmt nicht nehmen, Großer.“

Hilflos starrte ich ihn an, addierte im Kopf zwanzig Jahre und vierzig Pfund, strich noch ein paar Haare weg und gelangte schließlich zu dem Ergebnis, dass der Mann kein Unbekannter war.

„Ca...“ stotterte ich. „Ca... Ca... Ca...”

„Ich helfe dir!“, sagte er munter. „Los, zusammen: Carmichael.“

„Aber du bist doch … du bist doch tot!“

Er prustete. „Bravo, Kumpel, das nenne ich einen waschechten Detektiv mit einer nahezu zauberhaften Intelligenz!“ Grinsend streckte er mir die Hand hin. „Du musst mir grade was vom Tod erzählen, Dresden.“

Völlig verdattert ergriff ich die Hand Sergeant Ron Carmichaels, vormals Beamter bei der Sondereinheit Übernatürliches bei der Polizei von Chicago. Carmichael war Murphys Partner gewesen. Er hatte sein Leben gegeben, um sie vor einem durchgedrehten Loup-Garou zu retten. Das war jetzt – herrjemine! Das war jetzt mehr als zehn Jahre her. Damals hatte ich ihn sterben sehen.

Endlich stand ich wieder. Ich war um einiges größer als mein Retter. Kopfschüttelnd sah ich ihn mir genauer an. „Du siehst klasse aus.“

„Erstaunlich, wie der Tod einen verändert, was?“ Carmichael riss dramatisch die Augen auf. „Tausendmal besser als die Weight Watchers oder die anderen Sachen, die ich ausprobiert habe.“ Er warf einen raschen Blick auf die Uhr. „Ich würde gern noch ein Weilchen mit dir hier rumstehen, aber eigentlich müssten wir langsam mal los.“

„Mhm.“ Ich nickte vorsichtig. „Wo müssen wir denn hin?“

Carmichael steckte sich einen Zahnstocher in den Mund. „Ins Büro“, knurrte er. „Komm schon.“

Vor dem Bahnhof wartete ein alter, golden lackierter Mustang auf uns. Carmichael stieg auf der Fahrerseite ein. Es war dunkel, und es regnete. Die Straßenlaternen brannten, aber trotzdem sah alles ganz verlassen aus, wir schienen als Einzige unterwegs zu sein. Noch immer hätte ich nicht genau sagen können, wo wir waren, was mehr als seltsam war. Ich kannte Chicago wie meine Westentasche. Zögernd sah ich mich um, hielt Ausschau nach einem bekannten Gebäude, an dem ich mich orientieren könnte.

Carmichael öffnete mir die Beifahrertür. „Lass es, Junge, spar dir die Mühe! Da draußen stehen die Gebäude, die es wirklich gibt, neben denen, die hätten sein können. Du kriegst nur Kopfschmerzen, wenn du darüber nachdenkst.“

Ich schaute mich noch einmal um, stieg dann in den Mustang und schlug die Tür hinter mir zu. Carmichael lenkte den Wagen auf die leere Straße.

„Chicago ist das nicht“, sagte ich.

„Unser Genie!“, lobte er.

„Aber … wo sind wir denn dann?“

„Dazwischen.“

„Zwischen was?“

„Zwischen was?“, fragte er zurück. „Zwischen wem, zwischen wo, zwischen wann?“

„‚Warum‘ hast du ausgelassen.“

Carmichael schüttelte grinsend den Kopf. „Nein, Junge. ‚Warum‘ haben wir hier alle sehr gern. Wir sind die totalen Warum-Fans.“

Darüber musste ich erst einmal kurz nachdenken. „Warum bin ich hier?“, fragte ich dann.

„Noch nie was von Vorspiel gehört?“ Carmichael runzelte missbilligend die Stirn. „Du kommst wohl immer gleich zur Sache?“

„Warum bin ich hier und nicht – du weißt schon. Wo ich eigentlich sein sollte?“

„Vielleicht durchlebst du gerade eine Nahtoderfahrung? Vielleicht ertrinkst du gerade, und dein Hirn spielt dir was vor, um dich vor der Wahrheit des Todes zu schützen?“

„Wieso sollte es mich hierher schicken, zu dir? Ich kenne mein Unterbewusstsein, so krank ist es nicht.“

Carmichaels Lachen klang warm und echt. „Aber das alles könntedoch gerade passieren, oder? Genau darum geht es.“

Ich schüttelte den Kopf. „Aber ich verstehe dich nicht. Ich verstehe überhaupt nichts!“

„Auch darum geht es.“

Ich fixierte ihn mit finsterem Blick.

Davon zeigte er sich unbeeindruckt, er grinste einfach weiter. „Junge, du kriegst so viel zu sehen, wie du verdauen kannst. Momentan sind wir in einer Stadt, die Chicago ähnlich sieht, und fahren in einem alten Mustang im Regen rum, weil das deine Grenzen sind. Alles Weitere …“ Er legte eine Pause ein, schien sich die nächsten Worte genau zurechtzulegen. „Alles Weitere würde bestimmte Optionen eliminieren, und damit haben wir es hier nicht so.“

Darüber musste ich nun wiederum kurz nachdenken. „,Optionen‘ und ‚eliminieren‘? Seit wann wirfst du mit Fremdwörtern um dich?“

„Ich hab mir einen von diesen Abreißkalendern angeschafft: jeden Tag ein neues Wort. Sei nicht so aufmüpfig!“

„Soll das ein Witz sein?“ Ich machte es mir auf dem Beifahrersitz bequem. „Aufmüpfigkeit ist mein ganzes Leben.“

Carmichael schnaubte. „Was du nicht sagst. Wir werden ja sehen.“

2. Kapitel

Carmichael hielt vor einem Haus, das mich an die alte Krimiserie Polizeibericht erinnerte. Wir parkten auf der vollkommen leeren Straße und liefen zum Hauseingang.

„Wo wollen wir hin?“, fragte ich.

„Hab ich doch schon gesagt. Ins Büro.“

Ich runzelte die Stirn. „Ginge es ein bisschen genauer?“

Carmichael sah sich nervös um. „Nicht jetzt, hier draußen ist es nicht sicher. Überall Ohren.“

Ich blieb auf dem leeren Bürgersteig stehen und sah mich um: Die Straße war verlassen. Rings um mich nur einsame Straßenlaternen, Ampeln, die ohne Publikum ihren Dienst versahen, und gardinenlose Fenster, hinter denen kein Licht brannte, sodass sie leerer wirkten als die Augen einer Leiche.

„Sicher“, sagte ich. „Eine wahre Brutstätte der Intrigen.“

Carmichael, der an der Tür stehen geblieben war, warf einen vorsichtigen Blick über seine Schulter. „Da draußen sind Dinge, Dresden“, sagte er nach ein paar Sekunden leise, ohne eine Spur von Humor, ohne gekünsteltes Gehabe. „Manche davon sind schlimmer als der Tod. Am besten gehst du nach drinnen.“

Ich verdrehte die Augen. Trotzdem …

Irgendetwas an der totalen Leere um mich herum nagte plötzlich heftig an meinen Nerven.

Mit beiden Händen tief in den Hosentaschen versuchte ich, möglichst gelassen ins Haus zu schlendern. Gut möglich, dass meine Gelassenheit gespielt wirkte. Ich hatte das plötzliche, dringende Bedürfnis nach etwas festem Beton zwischen mir und dieser Leere. Carmichael zückte einen Schlüssel, ließ mich ein und folgte, den Blick wachsam über die Schulter gerichtet. Erst als er die Tür hinter sich geschlossen und wieder verriegelt hatte, schien er sich etwas zu entspannen.

In der Eingangshalle nickte er einem Polizisten zu, der neben dem Fahrstuhl Wache schob. Der junge Mann hatte die Hände hinter dem Rücken zusammengelegt und die klassische Habachtstellung eingenommen. Sein Rücken war kerzengerade, die ganze Haltung wachsam und angespannt. Seine Uniform saß perfekt. Sie war makellos sauber, die Bügelfalten akkurat und scharf, die Handschuhe fast unnatürlich weiß. Im glänzend schwarzen Holster steckte ein Dienstrevolver mit silberbeschlagenem, verziertem Knauf. Über der Uniform das passende Gesicht: stark, ruhig, mit vollkommen symmetrischen Zügen.

Ich blieb kurz stehen. Stirnrunzelnd musterte ich den Mann und nutzte dann meine Sicht.

Als professioneller Magier hat man Zugang zu jeder Menge außergewöhnlicher Dinge. Die Sicht gehört wohl zu den außergewöhnlichsten. Ich sage Sicht zu diesem Phänomen, andere Zeiten und andere Kulturen kennen das zweite Gesicht, das dritte Auge, den bösen Blick und noch unzählige andere Bezeichnungen. Gemeint ist immer dasselbe. Mit seiner Sicht erkennt ein Magier die wahre Natur der Dinge um sich herum und sieht die sonst unsichtbaren Ströme aus Kraft und Energie, die ihn umgeben. Das ist gefährlich, denn was man so gesehen hat, vergisst man nie. Die Erinnerung wird im Laufe der Zeit auch nicht blasser. Ein Blick auf etwas Falsches genügt, und man kann sich von seinem Verstand verabschieden.

Aber in diesem Fall musste ich einfach herausfinden, was gespielt wurde. Die ganze Sache erinnerte mich zu sehr an eine Serie von Rod Serling. Ich musste mir Klarheit verschaffen, ich brauchte einen festen Anhaltspunkt, etwas Vertrautes. Etwas, das mir nicht von einer jüngeren, dünneren Carmichael-Version häppchenweise beigebracht wurde. Ich wollte das finden, was mir am ehesten etwas über die Identität der Leute um mich herum verraten würde: die Kraftquelle.

Ich konzentrierte mich auf die Pistole des Wachpostens.

Eine Sekunde lang passierte gar nichts, dann veränderte sich der Glanz der Waffe. Das Holster wurde länger, bis es fast so lang war wie das Bein des jungen Polizisten. Auch der Revolver mit seinem versilberten Perlmuttgriff änderte sich: Der Griff wurde gerade, der silbern glänzende Lauf, und die Kammer wurden zum Heft eines kreuzförmigen Schwertes. Das Schwert leuchtete hell. Das war nicht die reflektierte Beleuchtung der Eingangshalle, sondern die Waffe strahlte in ihrem eigenen Licht.

Der Wachmann sah mich mit seinen blauen Augen an und hob abwehrend die Hand. „Nein!“, befahl er mit sanfter Stimme.

Meine Sicht verschwand, als hätte man mir eine Tür vor der Nase zugeschlagen, und die Pistole wurde wieder zur Pistole.

Der junge Beamte nickte mir zu. „Entschuldige meine Grobheit, aber es ging nicht anders. Du hättest dich verletzen können.“

Erst jetzt entdeckte ich sein Namensschild. „Amitiel“stand darauf.

Ich hob beschwichtigend die Hände. „Kein Problem, Mann! Völlig in Ordnung. Ich hab kein Problem mit dir.“

Carmichael nickte dem Wächter respektvoll zu und presste den Daumen auf den Knopf, der den Fahrstuhl herbeirief. Sofort öffneten sich die Türen. „Auf geht’s, Großer. Die Zeit läuft uns noch davon.“

Der Spruch schien Officer Amitiel zu gefallen. Grinsend legte er zwei Finger an die Mütze und erwiderte Carmichaels Gruß. Dann verschränkte er erneut die Hände auf dem Rücken, reckte das Kinn und richtete den Blick auf die Tür, hinter der die Leere lauerte, die mich so nervös gemacht hatte.

Die Fahrstuhltüren schlossen sich, und der Fahrstuhl kam ruckelnd in die Gänge. „Okay!“, sagte ich zu Carmichael. „Zwischen dir und allem, was dich draußen so nervös gemacht hat, steht mindestens ein Schutzengel. Verrätst du mir jetzt, wo wir hinwollen?“

Carmichael kniff die Augen zusammen. „Ich bin momentan bloß so etwas wie ein Fremdenführer, Dresden. Du musst mit dem Captain reden.“

Carmichael führte mich durch das Großraumbüro einer Polizeiwache, in dem die Schreibtische alle offen beisammen standen und nicht hinter halbhohen Wänden. Im Großen und Ganzen sah es hier aus wie bei der Sonderermittlungseinheit von Chicago, der mein Begleiter einmal angehört hatte. Die Schreibtische waren besetzt. Männer und Frauen lasen Berichte, telefonierten und sahen generell so aus, wie man sich Polizisten bei der Arbeit vorstellte. Alle schienen in Carmichaels Alter zu sein, an diesem wunderbaren Punkt im Leben, wo jugendliche Energie und weise Lebenserfahrung genau ins Gleichgewicht finden. Ich erkannte keinen von ihnen, obwohl etliche Carmichael zunickten und er die Grüße erwiderte. Ohne sich an einem der Schreibtische aufzuhalten, lenkte er mich zu einer Tür am hinteren Ende des Raums und klopfte.

„Herein!“, sagte eine klare, ruhige Baritonstimme.

Carmichael öffnete die Tür und führte mich in ein kleines, vielgenutztes Büro mit einem altmodischen Schreibtisch, alten Aktenregalen und ein paar recht mitgenommen wirkenden Holzstühlen. Der Schreibtisch verfügte über zwei Ablagekörbe für ein- und ausgehende Papiere, einen Holzständer mit langem Nagel darauf zum Aufspießen von Nachrichten und ein Telefon mit Drehwahlscheibe. Es gab keinen Computer, dafür befand sich auf einem kleineren Tisch neben dem Schreibtisch eine alte elektrische Schreibmaschine.

Der Mann hinter dem Schreibtisch schien ebenfalls mehr oder weniger in Carmichaels Alter zu sein. Mit seiner mehrfach gebrochenen Nase und den alten Narben um die Augen herum wirkte er wie ein Profiboxer. Er hatte seine Anzugjacke ausgezogen und hinten über den Stuhl gehängt, sodass ich seinen Bizeps bewundern durfte, über den sich der Stoff seiner weißen Hemdsärmel spannte. Er hatte sie bis zu den Ellbogen hochgekrempelt und zeigte seine Unterarme. Sie waren so dick wie Telegrafenmasten und vermutlich genau so stabil. Er hatte blondes Haar, blaue Augen und ein beeindruckendes Kinn, das an eine Bulldogge erinnerte. Der Mann kam mir irgendwie bekannt vor.

„Jack, das hier ist Dresden”, sagte Carmichael.

Jack musterte mich von oben bis unten, ohne dabei aufzustehen oder etwas zu sagen.

„Nimm das nicht persönlich“, sagte Carmichael. „Vor der ersten Tasse Kaffee ist er immer so.“

„Kaffee!“ Ich horchte auf. „Das hört sich gut an.“

Jack musterte mich noch ein paar Sekunden lang. Dann sagte er mit seiner wohltönenden Stimme: „Haben Sie Hunger, Dresden?“

„Nein.“

„Durst?“

Ich dachte nach. „Auch nicht.“

„Das liegt daran, dass Sie tot sind.“ Jack ließ ein kurzes, nicht gerade beruhigendes Lächeln aufblitzen. „Sie brauchen nichts zu trinken. Sie müssen auch nichts essen. Es gibt keinen Kaffee.“

Ich warf Carmichael einen finsteren Blick zu.

„Ich bleibe bei meiner Aussage.“ Carmichael deutete mit dem Daumen auf die Tür in unserem Rücken. „Ich kümmere mich dann mal wieder um diese Rakshasa-Sache.“

„Geh schon“, sagte Jack.

„Viel Glück, Junge!“ Carmichael gab mir einen Klaps auf den Arm. „Viel Spaß!“ Er eilte aus dem Raum, ganz der Mann, auf den wichtige Aufgaben warteten. Jack und ich schwiegen einander einige unangenehme Sekunden lang an.

„Ich hatte mir das Leben nach dem Tod anders vorgestellt“, verkündete ich in die Stille hinein.

„Das hier ist auch nicht das Leben nach dem Tod“, antwortete Jack.

„Aber Sie haben gesagt, ich wäre tot.“ Ich runzelte die Stirn. „Ergo: das Leben nach dem Tod.“

„Tot sind Sie schon. Das hier ist … dazwischen.“

„Wie soll ich das verstehen? Wie das Fegefeuer?“

Jack zuckte die Achseln. „Nennen Sie es ruhig so, wenn Ihnen danach ist. Aber Sie sind nicht hier, weil Sie sich läutern müssten. Sie sind hier, weil es bei Ihrem Ableben zu Unregelmäßigkeiten kam.“

„Man hat mich erschossen. Oder ich bin ertrunken. Kommt doch relativ häufig vor.“

Jacks große quadratische Rechte vollführte eine wegwerfende Handbewegung. „Es geht hier nicht um das Körperliche, sondern um das Spirituelle.“

Schon wieder verstand ich nur Bahnhof. „Ums Spirituelle?“

„Die Gegenseite“, sagte Jack. „Sie sind hier, weil die geschummelt haben.“

„Moment. Welche Gegenseite?“

„Sie haben doch den Engel gesehen, der am Fahrstuhl Wache schiebt. So etwas bezeichnen wir Polizisten als einen Hinweis. Muss ich konkreter werden? Soll ich es Ihnen aufmalen?“

„Hm. Meinen Sie die Hölle? Gefallene Engel und all sowas, wirklich?“

„Nein, nicht ganz. Aber wenn Ihnen die Vorstellung weiterhilft, warum nicht. Das geht auch. Solange Ihnen klar ist, dass das die Bösen sind.“

„Dann bin ich hier, weil die … Bösen irgendeine kosmische Regel gebrochen haben?

„Sie waren denen im Weg. Die wollten Sie verschwinden lassen. Um das durchzusetzen, haben sie das Gesetz gebrochen. Deswegen muss ich mich jetzt mit Ihnen befassen.“

Ich holte tief Luft. Zufällig sah ich an mir hinunter. Ich trug Jeans, ein einfaches schwarzes T-Shirt und meinen schwarzen Ledermantel – den ich ein bis drei Stunden vor meinem Ableben in den Lake Michigan geworfen hatte, weil er nur noch aus Fetzen bestanden hatte. Er war regelrecht gestorben.

Trotzdem hatte ich ihn an. Heil, unversehrt und so gut wie neu.

Da endlich traf mich die Erkenntnis.

Ich war tot.

Tot.

Chicago, der Weiße Rat, meine Feinde, meine Freunde, meine Tochter … nichts spielte mehr eine Rolle. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wie es jetzt mit mir weitergehen würde. Das Zimmer fing an, sich zu drehen, und mir wurden die Knie weich. Ich sank auf einen der Stühle vor Jacks Schreibtisch.

Einen Moment lang herrschte wieder Schweigen. Ich spürte Jacks Blick auf mir ruhen, gleichmäßig und ruhig. „So ist es uns allen ergangen, Junge“, sagte er nach einer Weile. „Damit klarzukommen ist schwierig. Aber Sie müssen sich entspannen und sich auf das Wesentliche konzentrieren, sonst kann ich nichts für Sie tun.“

Als ich gehorsam die Augen schloss und tief Luft holte, um mich zu entspannen, wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie wunderbar ich mich fühlte. Rein körperlich gesehen. Es ging mir unglaublich gut, so hatte ich mich zuletzt als Junge gefühlt. Voller Tatendrang und Energie, mit solcher Lust darauf, etwas Schönes zu tun, meine Kräfte sinnvoll einzusetzen. Alle meine Glieder fühlten sich an, als wären sie stärker, schneller, leichter geworden.

Ich warf einen Blick auf meine linke Hand. Das Narbengewebe und die runzlige Haut, die nach schweren Verbrennungen vor ein paar Jahren geblieben waren, waren verschwunden. Die Hand war wie neu, als wäre ihr nie etwas zugestoßen.

Dahinter steckte eine gewisse Logik. Ich fühlte mich nicht wie neugeboren, sondern mir fehlte einfach nur ein ganzer Katalog an Verletzungen und Narben. Auch die uralte, verblasste Narbe auf meinem rechten Unterarm fehlte, wo ich als Junge auf einer Angeltour mit meinem Großvater beim Säubern der Fische mit dem scharfen Messer abgeglitten war.

All die Zipperlein und Schmerzen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten, spürte ich nicht mehr. Es war nur logisch, dass die Schmerzen zusammen mit meinem Körper verschwunden waren.

„Tut mir leid.“ Ich wischte mir mit der Hand über das Gesicht. „Ist einfach gerade ein bisschen viel zu verdauen.“

Wieder blitzte bei Jack das kurze Lächeln auf. „Warten Sie nur ab!“

Sein Tonfall gefiel mir ganz und gar nicht. Das war immerhin etwas, woran ich mich festhalten konnte. Ich konzentrierte mich auf den Ärger und schaffte es irgendwie, das sich drehende Zimmer anzuhalten.

„Also, wer sind Sie?“, fragte ich. „Wie können Sie mir helfen?“

„Nennen Sie mich Captain, wenn Sie eine Anrede brauchen. Oder Jack.“

„Oder Sparrow?“

Jack betrachtete mich mit der typischen Miene eines Polizisten, der schon alles gesehen hatte und sich nie mehr anmerken ließ als höchstens einen Hauch Missbilligung. Er streckte die Hand nach einer Aktenmappe aus, die im Eingangsordner gelegen hatte, klappte den Ordner auf und überflog seinen Inhalt. „Eins müssen Sie wissen, Junge: Sie hängen hier fest. Bis wir diese Unregelmäßigkeit geklärt haben, gehen Sie nirgendwo hin.“

„Warum nicht?“

„Das, was danach kommt, ist nichts für Leute, die ständig zurückschauen und ihr ungerechtes Schicksal bejammern. Wir regeln die Sache mit denen, die Sie hereingelegt haben, und dann gehen Sie weiter zu dem, was als Nächstes kommt.“

Ich dachte an die leere Hülle meiner Stadt, die ich draußen zu sehen bekommen hatte. Hier festsitzen? Mir wurde ganz anders. „Okay. Wie wollen wir die Sache denn regeln?“

„Sie gehen zurück und schnappen den Schweinehund, der Ihnen das angetan hat.“

„Zurück?“, fragte ich. „Zurück zur …“

„Erde, jawohl.“ Jack nickte. „Nach Chicago.“ Er klappte die Aktenmappe zu und legte sie in den Ausgangskorb. „Sie müssen herausfinden, wer Sie umgebracht hat.“

Ich hob eine Augenbraue. „Das ist doch nicht Ihr Ernst.“

Das reglose Gesicht des Captains wirkte in etwa so freundlich wie eine Felswand.

Genervt verdrehte ich die Augen. „Ich soll meinen eigenen Mord aufklären?“

Jack zuckte die Achseln. „Wenn Ihnen ein Job hier lieber wäre, kann ich das arrangieren.“

„Uh.“ Schon wieder wurde mir ganz anders. „Lieber nicht.“

„Okay, das wäre also geklärt. Noch Fragen?“

„Ähm. Wenn Sie sagen, Sie schicken mich zurück – was heißt das genau? Zurück in meinen Körper?“

„Nein. So funktioniert das nicht, der steht nicht zur Verfügung. Sie gehen so, wie Sie jetzt sind.“

Ich starrte erst auf ihn, dann auf meine Füße. „Als Geist also.“

Er spreizte die Hände und sah mich an, als hätte ich gerade eine weltbewegende Erkenntnis gehabt. „Richtig. Bei Sonnenaufgang runter von der Straße. Nehmen Sie sich bei Türschwellen in Acht. Sie kennen sich ja aus.“

„Ja, schon.“ Inzwischen war ich reichlich verwirrt. „Aber ohne meinen Körper …“

„Sie werden nicht viel zaubern können. Die meisten Leute werden Sie weder sehen noch hören können. Sie können nichts anfassen.“

„Wie soll ich denn so ermitteln?“

Er hob abwehrend die Hände. „Ich habe die Regeln nicht erfunden, Junge. Ich sorge nur für ihre Einhaltung.“ Er musterte mich mit zusammengekniffenen Augen. „Außerdem sind Sie doch Detektiv, oder?“

Ich starrte ihn mit zusammengebissenen Zähnen an. Den Captain schien das nicht die Bohne zu beeindrucken, obwohl mein Starren nicht von schlechten Eltern war. Ich atmete tief durch. „Ich soll meinen eigenen Mord aufklären.“

Jack nickte gelassen.

Der Ärger aus meiner Brust breitete sich bis in meine Stimme aus. „Seit ich erwachsen bin, tue ich praktisch nichts anderes, als Leuten zu helfen und sie zu beschützen. War das etwa nicht genug? Ehe ich rüber zu Petrus darf, muss ich noch mal ran?“

Jack zuckte die Achseln. „Petrus? Da wäre ich mir nicht so sicher. Bei Ihrer Vorgeschichte findet man sich leicht mal im Zug nach Süden wieder.“

„In der Hölle? Wissen Sie, was die Hölle ist, Captain Sparrow?“ Inzwischen spuckte ich vor Wut. „Hölle ist, die eigene Tochter ansehen zu müssen und genau zu wissen, dass man sie nie wieder berühren wird. Dass man nie mehr mit ihr reden wird. Ihr nie helfen, sie nie beschützen kann. Drohen Sie mir ruhig mit dem Fegefeuer! Das kann nicht halb so schlimm sein!“

„Wenn Sie so fragen …“ Jack blieb nach wie vor ruhig. „Ja, ich weiß, was die Hölle ist. Sie sind nicht der einzige Tote mit einer Tochter, Dresden.“

Ich sackte in meinem Stuhl zusammen und wandte den Kopf zur Seite. Dort hing ein Landschaftsgemälde an der Wand, das ich eine Weile betrachtete.

„Ich sage Ihnen noch etwas, vielleicht ändert das ja Ihre Einstellung“, sagte Jack. „Wenn Sie Ihren Mörder nicht finden, wird drei Menschen Schlimmes widerfahren. Menschen, die Sie sehr lieben.“

„Was habe ich unter ‚schlimm‘ zu verstehen?“

„Verstümmelt. Gebrochen. Völlig verändert.“

„Welche drei Menschen?“

Jack schüttelte den Kopf. „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Natürlich nicht“, murmelte ich finster. „War ja klar.“ Ich dachte nach. Ich war vielleicht tot, aber ich war verdammt noch mal noch nicht bereit zu gehen. Erst musste ich wissen, ob die Freunde in Sicherheit waren, die mit mir gegen den Roten Hof gezogen waren, die mir geholfen hatten, es mit den Monstern aufzunehmen. Molly Carpenter, mein Lehrling, war in der Schlacht schwer verletzt worden, aber das war noch lange nicht ihr größtes Problem. Ich hatte für sie gebürgt. Jetzt, wo ich tot war, hinderte den Weißen Rat der Magier nichts mehr daran, ihr den Kopf abzuschlagen.

Auch meine Tochter weilte noch dort, wo ich jetzt nicht mehr sein durfte. Die kleine Maggie. Ich hatte ihr die Mutter genommen – genau, wie ihr jetzt jemand den Vater geraubt hatte. Ich musste sicherstellen, dass gut für sie gesorgt war. Ich musste mich von meinem Großvater verabschieden, und von Karrin …

Himmel! Was hatte Karrin vorgefunden, als sie zum Boot gekommen war, um mich abzuholen? Eine riesige Blutlache? Meine Leiche? Sie war ein solcher Dickschädel, bestimmt gab sie sich die Schuld an dem, was passiert war. Solche starken Schuldgefühle würden sie zerreißen. Ich musste unbedingt irgendwie Kontakt zu ihr aufnehmen, aber ich war hier so isoliert wie in einem verdammten spirituellen Sibirien.

Molly, Maggie, Karrin – ob das die drei waren, von denen der Captain gesprochen hatte? Oder waren es andere?

Verdammt.

Mein Körper mochte ja voller Leben und Energie stecken, aber mein Verstand war fast unerträglich müde. Hatte ich nicht genug geleistet? Hatte ich nicht genügend Menschen geholfen, genügend Gefangene befreit, genügend Monster vernichtet? Ich hatte mir ein paar der gefährlichsten und tödlichsten Wesen auf diesem Planeten zum Feind gemacht und war immer wieder gegen sie angetreten. Jetzt hatte mich eins von ihnen deswegen umgebracht.

Was stand auf so vielen Grabsteinen? Ruhe in Frieden!Ich hatte gegen die aufsteigende Flut des Bösen gekämpft, bis sie mich buchstäblich überrollt hatte. Wo zur Hölle blieb meine Ruhe? Mein Frieden?

„Drei Menschen, die Sie lieben, wird Schlimmes widerfahren, wenn Sie Ihren Mörder nicht finden.“

Mein Kopf lieferte mir grässliche Szenen, in denen die Menschen, an denen mir am meisten lag, grässlich litten. Letztlich gaben diese Bilder den Ausschlag. Ich durfte es einfach nicht zulassen.

Da war noch eine weitere Sache, die mir die Entscheidung erleichterte. Irgendwer hatte mich umgebracht. Irgend so ein verdammter Hurensohn war dahergekommen und hatte mich einfach umgebracht.

So etwas ließ man nicht einfach auf sich sitzen.

Natürlich musste ich herausfinden, wer dieser Schweinehund war. Wenn ich dazu noch der Leere hier entkam und weiterziehen durfte, wohin es mir bestimmt war, dann war das ein netter kleiner Bonus.

„Okay“, sagte ich leise. „Wie funktioniert das Ganze?“

Jack schob mir ein Blatt Papier auf einer Schreibunterlage zu und reichte mir einen Bleistift. „Sie werden von hier aus zu einer Adresse in Chicago gebracht. Schreiben Sie sie hier auf diesen Zettel. Ein Fahrer wird Sie hinbringen.“

Etwas verloren musterte ich das Blatt Papier. Wo sollte ich mich absetzen lassen? Ich konnte nicht einfach irgendwo auftauchen. Da ich als reiner Geist unterwegs war, nützten mir auch all meine normalen Verbündeten nichts. Man braucht großes Talent, um einen Geist zu sehen, der sich nicht für irdische Augen manifestiert hat. Meine Freunde würden mich nicht einmal bemerken.

„Nur so aus Neugierde: Was passiert eigentlich, wenn ich den Mörder nicht erwische?“, erkundigte ich mich.

Jack war ernst geworden, seine Stimme leiser. „Dann sitzen Sie dort fest. Möglicherweise für immer. Können nichts und niemanden anfassen, können mit niemandem sprechen. Müssen alles mit ansehen, was in Ihrer Welt passiert, unfähig, einzugreifen.“

„Die Hölle“, sagte ich leise.

„Die Hölle.“

„Das sind ja heitere Aussichten.“

„Sie sind tot, Junge.“ Jack zuckte die Achseln. „Heiterkeit steht nicht auf dem Programm.“

Ich nickte.

Das war im wahrsten Sinne des Wortes ein höllisches Risiko. Hier in diesem Geister-Chicago einen Platz zu finden war bestimmt auch nicht gerade witzig, aber wenigstens nicht die reine Folter. Jack und Carmichael schienen mit ihrer Tätigkeit zumindest irgendetwas bewirken zu können, vielleicht sogar etwas Gutes. Keiner der beiden wirkte besonders begeistert von seinem Job, aber es umgab sie ein gewisses Flair professioneller Zielstrebigkeit.

Als Geist in der Welt der Menschen gefangen zu sein wäre viel, viel schlimmer. Immer dabei sein zu müssen, aber immer nur als Zuschauer, völlig machtlos, was auch geschah.

Ich war noch nie gut darin gewesen, mich herauszuhalten, das war ein Talent, das mir gänzlich abging. Ein Jahr als tatenloser Zuschauer, und ich wäre am Ende und würde durchdrehen. Ich wäre nur ein weiterer jämmerlicher, durchgeknallter, gefangener Geist und würde die Stadt heimsuchen, die ich mein Leben lang beschützt hatte.

„Scheiß drauf!“ Hastig kritzelte ich etwas auf das Blatt Papier. „Wenn meine Freunde mich brauchen, muss ich es versuchen.“

Jack nahm das Papier mit einem Nicken entgegen, das Zustimmung bedeuten mochte. Dann stand er auf und zog sich das Jackett über. Plötzlich klapperten Autoschlüssel in seiner Hand. Der Captain war nur mittelgroß, bewegte sich aber mit einem Selbstvertrauen und einer kaum gezügelten Energie, die ihn mir wieder seltsam vertraut erscheinen ließ. Warum nur hatte ich das Gefühl, den Mann eigentlich kennen zu müssen? „Dann wollen wir mal“, sagte er.

Draußen in der Revierwache nickten einige der Beamten Jack zu, als wir an ihnen vorbeikamen. Ich war sicher, dass es sich hier um Polizeibeamte handelte oder dass sie zumindest etwas taten, das der Arbeit eines Polizeibeamten ziemlich nahe kam.

„Hey!“, rief plötzlich jemand hinter uns. „Murphy?“

Jack blieb stehen und drehte sich um.

Ein Typ, der seinem alten Anzug nach gut in die historische Pinkerton-Detektei gepasst hätte, kam hinter uns her geeilt, ein Klemmbrett in der Hand. Er hielt es Jack hin und reichte dem Captain einen Kugelschreiber. Jack überflog das Schriftstück, unterschrieb und reichte das Ganze zurück.

Dann ging er weiter. Ich schob die Hände in die Manteltaschen und musste mich anstrengen, mit ihm Schritt zu halten.

„Captain Collin J. Murphy?“, fragte ich leise.

Er grunzte.

„Sie sind Karrins Dad. Sie haben die Black-Cat-Ermittlungen geleitet.“

Er antwortete nicht. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten, gingen am Engel in der Eingangshalle vorbei und hinaus auf die Straße. Dort wartete ein klassischer, blauer Buick Skylark mit den markanten Heckflossen auf uns. Ein Cabrio. Jack ging hinüber zur Fahrertür, schloss auf, und wir beide stiegen ein. Eintönig trommelte der Regen auf das Autodach.

Der Captain blieb einen Moment lang hinter dem Steuer sitzen, den Blick in die Ferne gerichtet. „Ja“, sagte er nach einer ganzen Weile.

„Sie hat oft von Ihnen gesprochen.“

Er nickte. „Wie ich höre, haben Sie auf meine Karrie aufgepasst.“

Karrie? Welcher Mann durfte es wagen, Murphy so anzusprechen? Meines Wissens hatte Rawlins es einmal versucht, aber auch nur dieses eine Mal. Dabei war Rawlins Murphys Partner gewesen, hatte schon mit ihrem Vater gearbeitet und kannte sie praktisch von Kindesbeinen an. Rawlins gehörte praktisch zur Familie.

Ansonsten müsste man schon ein Terminator sein, um Murphy mit Kosenamen zu belegen. Ein Terminator vom Krypton.

„Manchmal, ja“, sagte ich. „Besonders viel Schutz braucht sie ja nicht.“

„Irgendwen brauchen wir alle.“ Jack ließ den Motor an, der mit einem runden, kehligen Schnurren zum Leben erwachte. „Noch können Sie zurück, Junge.“ Der Captain strich nachdenklich mit der Hand über das Lenkrad und sah hinaus in den Regen. „Solange Sie in diesem Wagen sitzen, können Sie es sich noch anders überlegen. Sobald Sie ausgestiegen sind, haben Sie Ihren Weg gewählt. Was immer er Ihnen bringen mag.“

„Je eher ich anfange, desto schneller habe ich es hinter mir.“

Jacks Mundwinkel zuckten ein bisschen. Mit einem zustimmenden Grunzen kniff er die Augen zusammen und studierte die Adresse, die ich aufgeschrieben hatte. „Warum ausgerechnet dorthin?“

„Dort wohnt der einzige Mensch in Chicago, der mir ganz sicher helfen kann.“

Captain Murphy nickte. „Okay. Dann wollen wir mal.“

3. Kapitel

Captain Murphys alter Skylark hielt in einer Wohngegend oben in Harwood Heights an. Auch hier wirkten die Straßen so leer und seltsam hohl wie in der restlichen Stadt. Wir hielten vor einem für Chicago sehr untypischen Haus, weiß verputzt mit rotem Ziegeldach, das aussah wie frisch aus Südkalifornien importiert. Kalt, einsam und ohne erkennbaren Sinn und Zweck stand es vom traurigen grauen Licht der Straßenlaternen beleuchtet im stetig fallenden Regen. Inmitten der eher traditionellen Behausungen entlang der Straße wirkte es ein wenig fehl am Platz.

Die Scheibenwischer des Buicks quietschen rhythmisch hin und her.

„Sobald Sie ausgestiegen sind, können Sie nicht mehr zurück“, erklärte Captain Murphy. „Sie sind dann auf sich allein gestellt.“

„Daran habe ich mich vor langer Zeit schon gewöhnt.“ Ich streckte ihm die Hand hin. „Herzlichen Dank, Captain.“

Er packte meine Hand. Ich versuchte nicht, stärker zuzudrücken als er, er versuchte nicht, stärker zuzudrücken als ich. Männer, die sich im Griff haben, brauchen so was nicht.

Ich wünschte, ich hätte Captain Murphy schon zu seinen Lebzeiten kennen lernen dürfen. Ihn auf meiner Seite zu wissen hätte bestimmt verdammt gut getan.

„Möglicherweise setze ich mich mit Karrin in Verbindung“, sagte ich.

„Keine Nachrichten, ich habe schon genug Schaden angerichtet“, meinte er, kaum hatte ich den Satz halb ausgesprochen. Er klang fest und entschieden, für Nachfragen blieb da kein Raum. „Aber dem Großen da drüben können Sie ausrichten, dass ich Sie geschickt habe.“ Er deutete mit dem Kinn auf das kleine weiße Haus. „Mag sein, dass es hilft.“

Ich nickte, holte tief Luft, öffnete die Wagentür und trat hinaus in …

Nun, ich war eher davon beeindruckt, was ich nicht betreten hatte. Denn als meine Füße den Boden berührten und die Wagentür hinter mir zugeklappt war, war von Chicagos verregneter, menschenleerer Leiche nichts mehr zu sehen. Ich befand mich in einer ganz normalen Straße, an einem kalten, klaren Abend. Kein Regen. Über mir schimmerten Mond und Sterne und sorgten gemeinsam mit reichlich frisch gefallenem Schnee und den Lichtern der Stadt für eine Helligkeit, die fast schon an Tageslicht heranreichte.

Von überall her drangen jetzt Geräusche an meine Ohren. Autoverkehr, irgendwo in der Ferne wütendes Hupen, eine voll aufgedrehte Stereoanlage beschallte mit dröhnenden Bässen die Nachbarschaft. Ein Düsenflugzeug passierte lautstark den Himmel, wir waren nicht weit von O’Hare entfernt.

Als ich mich umdrehte, war Captain Murphys Buick bereits verschwunden. Zurück ins Zwischen-Chicago, wie ich annehmen musste.

Ich stand alleine da.

Seufzend wandte ich mich wieder dem Haus zu, richtete mich auf und betrat das Grundstück Mortimer Lindquists, seines Zeichens Ektomant.

***

Damals, als wir uns kennenlernten, hatte Morty mit seinem Garten Eindruck schinden wollen. Alle Dekorationen sollten einschüchtern und geheimnisvoll, ja unheimlich wirken. Ich erinnerte mich noch an jede Menge Grabsteine und einen schmiedeeisernen Zaun mit schwer verziertem Eingangstor. Dazu eine unheimliche, trübe Beleuchtung. Wer auf so etwas hereinfiel, dem konnten hier schon die Knie schlottern, aber eigentlich hatte das Ganze immer eher wie die billige Halloweendeko vor einem Crackhaus gewirkt.

Mit diesen Gruselzeiten schien es vorbei zu sein.

Morty hatte das ganze billige Zeug abgeschafft, nur den Zaun stehen gelassen und seinen Vorgarten in einen japanischen Garten verwandelt. Ich sah Hecken und einen Teich mit Koifischen, über den sogar eine zierliche hölzerne Brücke führte. In hohen Pflanzbottichen wuchsen Bonsaibäumchen, allesamt in Nordamerika einheimische Arten. Der Anblick einer gerade mal vierzig Zentimeter hohen ausgewachsenen Eiche mit Miniaturblättern an den Zweigen beunruhigte mich ein wenig.

In Chicago fand man kaum einen auf Bonsai spezialisierten Gärtner, also hatte Morty diese kleinen Kunstwerke wohl selbst erschaffen. Wenn das der Fall war, dann hatte er eine Menge Geduld und Arbeit in das Projekt investiert.

Ich streckte die Hand nach dem Gartentor aus.

Sie glitt mühelos durch die Eisenstreben.

Klar war mir bewusst, dass ich ein Geist war. Aber ich persönlich hatte noch nicht viele Erfahrungen mit der Körperlosigkeit sammeln können. Ich war es einfach gewöhnt, Dinge anfassen und greifen zu können. Jetzt kribbelte es einfach nur in meiner Hand, als hätte ich sie beim Mittagsschläfchen als Kopfkissen missbraucht. Versuchsweise schob ich den Arm noch ein Stück weiter vor, lehnte mich ein bisschen zur Seite und konnte sehen, wie meine Fingerspitzen auf der anderen Seite wieder aus dem Metall auftauchten. Ich wackelte ein bisschen mit den Fingern, nur um sicherzugehen.

„Okay!“ Ich holte tief Luft. „Da lässt sich dann wohl nichts machen.“ Ich hielt die Luft an wie bei einem Sprung ins eiskalte Wasser, zog die Schultern hoch und stürmte vor.

Große Ernüchterung. Ich spürte ein Kribbeln am ganzen Körper, das aber schnell wieder verging, und im Handumdrehen stand ich auf der anderen Seite.

Ich folgte dem gepflasterten Gartenpfad, der zu Mortys Haustür führte. Den Mann, der im Schatten des Hauses auf der vorderen Veranda stand, bemerkte ich erst, als ich die Holzbrücke über den Teich schon passiert hatte.

Er war riesig. Nicht wie ein Gewichtheber gebaut, sondern einfach ein bulliger Mann, den die Natur mit breiten Knochen ausgestattet hatte. Er war fast so groß wie ich. Das lange, dunkle Haar hatte er sich mit einer Schleife im Nacken zusammengebunden, und er trug einen wadenlangen, dunkelblauen Mantel, der an den Ärmeln mit Goldfaden bestickt war. Darunter war eine Uniform zu erkennen: eine eng sitzende blaue Jacke, ein weißes Hemd, eine weiße Hose und hohe schwarze Stiefel. Auf seiner einen Schulter ruhte eine langstielige Axt, und als ich stehen blieb, zog er mit der freien Hand eine Pistole mit Feuersteinschloss aus dem Gürtel. „Halt! Sag deinen Namen, Schurke, oder verschwinde!“

„Schurke?“ Peinlich berührt legte ich mir die Hand auf die Brust. „Das ist ein bisschen vorschnell geurteilt.“

„Du siehst aus wie ein Schurke“, dröhnte der Riese. „Auch wie ein warmer Bruder und wie ein Gassenjunge. Wenn ich es recht bedenke, könntest du mit deinem Aussehen auch Kongressabgeordneter sein.“ Im Dunkeln blitzten seine weißen Zähne auf. „Nenn mir einen Namen, Mann.“

„Harry Dresden“, verkündete ich mit klarer Stimme.

Der Pistolenlauf rutschte ein klein wenig zur Seite, zeigte nicht mehr unmittelbar auf mich. „Der Magier?“

„Der verstorbeneMagier.“ Ich deutete mit der Hand auf meine Gesamterscheinung. „Das hätte ich eigentlich sagen müssen: der verstorbene Harry Dresden.“

„Sapperlot!“ Der Mann runzelte nachdenklich die Stirn.

Der nachdenkliche Ausdruck passte eindeutig nicht zu seinem Gesicht.

„Wenn Ihr lügt, wofür ich allerdings keinen einleuchtenden Grund erkennen kann, bin ich geneigt, Euch zu erschießen“, sagte er nach einer Weile. „Aber wenn Ihr die Wahrheit sagt, bedeutet das Gefahr für das Heim meines Freundes, und ich bin erst recht geneigt, Euch zu erschießen.“ Er nickte fest entschlossen und richtete erneut die Pistole auf mich. „So oder so …“

Er würde auf mich schießen. Ob ich danach endgültig tot sein würde oder nicht, wusste ich zwar nicht, aber wie ich das Universum so kannte, wäre das gar nicht so unwahrscheinlich. Auf jeden Fall würde es höllisch wehtun. Ich musste diesen Affen also dringend davon abhalten abzudrücken. Wenn sein Outfit echt und er ein braves Kind seiner Zeit war, dürfte das wahrscheinlich noch nicht einmal allzu schwer werden.

„Wäre das nicht ein bisschen unhöflich, gleich auf mich zu schießen?“, erkundigte ich mich bescheiden. „Ich bin unbewaffnet und habe dich weder bedroht noch beleidigt. Ich habe mich dir sogar vorgestellt, dabei hast du mir bis jetzt noch nicht deinen Namen genannt.“

Erneut sank der Pistolenlauf ein Stück. Der große Mann wirkte betreten. „Natürlich. Bitte um Verzeihung. In meiner wilden Jugend wollte sich der gesellschaftliche Anstand nicht wirklich bei mir festsetzen, was sich nun leider in meinem eher gemäßigten Leben nach dem Tode rächt.“ Er richtete sich kerzengerade auf, knallte tatsächlich die Hacken zusammen und verbeugte sich. Leider, ohne die Pistole allzu weit von mir zu entfernen. „Der verstorbene Captain Sir Stuart Winchester von den Colonial Marines.“

Ich zog die Brauen hoch. „SirStuart von den ColonialMarines?“

„Eine lange und komplizierte Geschichte.“

„Na dann, Stu! Bei allem Respekt: Ich habe nichts mit dir zu besprechen, sondern mit Mr. Lindquist.“

„Das bezweifle ich!“ Stu rümpfte die Nase. „Seid Ihr im Besitz einer Einladung?“

Ich warf ihm einen verständnislosen Blick zu. „Ich habe noch nicht so viel Erfahrung mit dieser ganzen Geistersache. Aber ich bezweifle, dass ein kopfloser Reiter quer durch die USA galoppiert und Einladungen und Postkarten verteilt.“

„Unterschätzt die Post nicht. Ihr würdet Euch wundern, wie viele Briefträger einen Schatten hinterlassen“, konterte Stu vergnügt. „Ich persönlich glaube ja, das liegt an der Routine. Die Armen können gar nicht anders, sie drehen weiter ihre Runden und kriegen nicht mal mit, dass sich was geändert hat.“

„Interessant, aber ich würde nur ungern das Thema wechseln. Ich muss mit Morty reden.“

„Bedaure, Sir. Der Befehl für den Umgang mit Geistern ohne Einladung ist unmissverständlich: Kein Zutritt.“

„Du musst Mortys Befehle befolgen?“

„Ohne Einladung kommt Ihr doch sowieso nicht über die Schwelle, Mann.“

„Richtig.“ Ich nickte. „Du musst also seine Befehle befolgen.“

„Wir sind nicht dazu verpflichtet!“, entgegnete Stu umgehend mit ernster Miene. „Wir helfen ihm, weil wir ihn respektieren und weil er unser Freund ist.“ Er seufzte. „Auch aus Langeweile. Ihr Götter, diese Stadt verblasst mit der Zeit mächtig. Nach einem halben Jahrhundert hat man sie satt, und ich bin nun schon viermal so lange hier.“

„Wenn das so ist …“ Ich grinste ihn an. „Darf ich dir etwas versprechen, Stu? Vielleicht sogar schwören? Ich bin gekommen, um Morty um Hilfe zu bitten, ich will ihm gewiss nicht schaden. Außerdem bin ich mir relativ sicher, dass meine Anwesenheit nicht zu deinem Überdruss beitragen wird, eher im Gegenteil.“

Stu lachte laut und herzlich, tief aus dem Bauch heraus. Er wollte auch etwas sagen, unterbrach sich aber gleich und starrte mich stattdessen nachdenklich an. Seine Fingerspitzen trommelten auf dem Pistolenlauf.

„Falls das weiterhilft: Jack Murphy hat mich hier abgesetzt“, fuhr ich fort. „Hat gesagt, ich sollte das erwähnen.“

Stus Brauen schossen in die Höhe, und ich konnte förmlich sehen, wie sich seine Gedanken in Gang setzten. Einen Fünfzig-Meter-Sprint würden sie nie in Rekordzeit hinlegen, aber für den Langstreckenlauf reichte es allemal. „Murphy, ja?“ Er schürzte die Lippen. „Ein guter Mann. Obwohl er Ire ist.“

„Das sagst du lieber nicht laut, wenn er dabei ist. Oder grins dabei wenigstens …“

Eine Kältewelle drückte gegen meinen Rücken. Eiseskälte, als hätte jemand hinter mir die Tür eines Gefrierschranks geöffnet.

Ich drehte mich um. Keine fünf Meter von mir entfernt schwebte eine graue, menschenähnliche Gestalt über dem Boden und kam immer näher. Details waren nicht zu erkennen, auch die Proportionen stimmten nicht ganz. Es war, als hätte ich eine schlampig modellierte Puppe ohne klar erkennbare Gesichtszüge vor Augen. Leere Augenhöhlen klafften in einem Gesicht, das mehr oder weniger einem Schädel glich, und ein breiter Mund stand halb offen, als würden Ober- und Unterkiefer nur von einem ausgeleierten Gummiband zusammengehalten.

Das Wesen bewegte sich schlurfend und dennoch anmutig. Fast schien es gewichtslos, als müsste es den Boden nur berühren, um sich mit den Zehen daran abzustoßen. Die ganze Zeit über gab es ein seltsames Geräusch von sich, ein hohles, rasselndes, atemloses Keuchen. Das war ein jahrhundertealter Schmerzensschrei, für den das Wesen keine Kraft und keinen Atem mehr hatte. Trotzdem konnte es nicht aufhören, das leise Geräusch von sich zu geben.

Je näher das Wesen kam, desto kälter wurde mir.

„Zurück!“, befahl ich keuchend. „Ich meine es ernst!“

Wieder berührten die Zehen den Boden, wieder schwebte das Wesen ein Stück näher, so hirnlos und anmutig wie eine hungrige Qualle. Nur verdammt viel unheimlicher.

Rasch wich ich ein paar Schritte zurück. „Okay, wenn du es so haben willst!“ Ich hob die rechte Hand, bündelte meinen Willen und zischte: „Fuego!“

Absolut gar nichtsgeschah.

Keine Kraft regte sich in mir. Durch meine Gedanken schossen keine Ströme aus schwindelerregender Anspannung und reiner Energie, kein Blitz flammte auf, um die näherrückende Erscheinung mit grellweißer Flamme zu vernichten.

Es gab keine Magie.

Es gab keine Magie!

„Oh, Scheiße!“ Ich zog mich hastig noch weiter zurück, als die Finger des Wesens mit tödlicher Anmut nach mir griffen, die halberstickten Schreie höher und höher wurden. Die Finger endeten nicht in Nägeln, sie verloren sich einfach in Eiseskälte ausstrahlenden, wehenden Fetzen.

Hinter mir hörte ich das mechanische Klicken eines großen Abzugshahns. So klickte es, wenn man eine altmodische Schwarzpulverpistole zum Abschuss machte.

Mein Kopf fuhr herum. Hinter mir zielte Stus riesige, alte Pistole direkt auf meine Nasenspitze. Natürlich war der Lauf nicht so groß wie ein Tunnel, aber er sah verdammt danach aus.

Es wurde noch kälter, und als Stu „Runter!“ schrie, war ich schon halb auf dem Boden.

Der Aufprall war hart und schmerzte. Nicht aus fester Materie zu bestehen entband anscheinend nicht vom Einfluss der Schwerkraft mit all ihren Nebenwirkungen. Sobald ich gelandet war, ging Stus Schuss los.

Danach geschah alles in Traumzeit. So langsam, dass ich sämtliche Details wahrnehmen konnte, aber auch so schnell, dass ich nie das Gefühl hatte, auch nur annähernd mit den Ereignissen Schritt halten zu können, egal wie rasch ich mich bewegte. Ich hatte einen Knall erwartet, oder auch den hohlen Schlag, mit dem in einer Pistole mit großem Kolben das Schwarzpulver explodierte. Stattdessen bekam ich ein gewaltiges Röhren zu hören, das klang, als wäre es von einem halben Dutzend DJs und einer halben Meile Tunnelgewölbe verzerrt worden. Aus dem Lauf der Pistole trat auch kein Pulverdampf aus, dafür konnte ich immer größer werdende konzentrische Kreise aus pastellfarbenem Nebel mit einem Wirbel in der Mitte beobachten. Die Kreise folgten der Kugel wie ein Kondensstreifen dem Flugzeug.

Das Geschoss selbst war kein Bleiklumpen, sondern eine Kugel aus buntem Licht, in etwa so groß wie ein Golfball. Sie schoss knapp einen halben Meter über meinen Kopf hinweg und ich hätte schwören können, dass ich allein durch diese Nähe einen leichten Sonnenbrand bekommen hatte. Die Kugel wurde von einem tiefen, langanhaltenden Ton begleitet, der mich an einen E-Bass erinnerte und meinen Körper bis ins Mark zum Schwingen brachte.

Ich hob, gerade noch rechtzeitig, den Kopf, um sehen zu können, wie Stus Schuss traf und die Lichtkugel ein etwa faustgroßes Loch in die Brust des unheimlichen Wesens riss. Qualm drang aus der Wunde, mit winzigen Lichtflecken durchsetzt, was an die Staubflocken im Lichtkegel eines alten Filmprojektors erinnerte. Schattenhafte Bilder flammten auf, verzerrt, verzogen und kaum richtig erkennbar, als hätte man aus willkürlich vom Boden eines Schneideraums aufgesammelten Filmfetzen einen neuen Streifen zusammengeklebt.

Diese Bilder wurden langsam immer blasser, bis nur noch eine Nebelwolke blieb, die auch zusehends dünner wurde. Erst jetzt erkannte ich hinter dem Nebel die graue Gestalt, die mehr und mehr in sich zusammensackte wie ein löchriger Ballon.

Als der Nebel verschwunden war, blieb von dem heulenden Wesen nichts weiter als ein hässlicher, farbloser Klumpen.

Von der Veranda her kamen feste Schritte über den Weg gestapft. Stu baute sich zwischen mir und den grässlichen Überresten auf, um mit Pulverhorn und kurzem Ladestock seine Pistole nachzuladen, wobei er die Straße draußen vorm Gartentor keine Sekunde lang aus den Augen ließ.

„Was zur Hölle war das?“, erkundigte ich mich.

„Ein Gespenst.“ In Stus Ton schwang eine gewisse professionelle Abgeklärtheit mit. „Ein Geist wie Ihr und ich, nur hat dieser hier sich der Verzweiflung hingegeben und konnte nicht mehr eigenständig denken.“

„Gefährlich?“

„Sehr sogar.“ Stu wandte sich um und sah auf mich hinunter. „Besonders für Leute wie Euch.“

„Wie mich?“

„Neue Schatten. Ihr habt noch keine Erfahrung, Ihr habt noch nicht gelernt, wie man sich hier verteidigt. Ein frischer Schatten kann sich so gut wie nicht verstecken, weil an den Neuen immer noch eine Spur von Leben klebt.“ Er zog die Brauen zusammen. „An Euch ganz besonders.“

„Das mag daran liegen, dass ich Magier bin.“

„Wahrscheinlich.“ Stu nickte. „Sehr wahrscheinlich.“

„Was wäre passiert, wenn …“ Ich deutete ich auf die Überreste des Gespensts.

„Es hätte Eure Erinnerungen verschlungen.“

Ich stellte mir das kurz vor, woraufhin ich das klägliche Häuflein fast schon mit Wehmut betrachtete. „Auf ein paar von denen könnte ich dankbar verzichten.“

Stu stopfte sich die frisch geladene Pistole in den Gürtel. „Für einen Schatten sind Erinnerungen Leben, Nahrung und Macht. Wir sindnichts als Erinnerung, Magier.“

„Diese Bilder in dem Nebel, als es … als es starb, waren das seine Erinnerungen?“

„Ja. Was davon noch übrig war.“ Stu hockte sich neben die Überreste. Er hielt die ausgestreckte Hand mit der Handfläche nach unten über den farblosen Klumpen und holte tief Luft. Ein paar Herzschläge später stieg leuchtender Nebel auf und schlängelte sich in Stus Brust, als flösse Wasser in einen Teich. Als kein Nebel mehr zu erkennen war, stand Stu mit einem vernehmlichen Seufzer wieder auf.

Dann war das, was das Gespenst niedergestreckt hatte, also aus derselben Substanz wie Sir Stuart. Wenn Geister aus Erinnerungen bestanden … „Hast du die Kugel aus deinen Erinnerungen gemacht?“

„Natürlich.“ Stu wirkte traurig, sein Blick schien in weite Ferne gerichtet. „Aus einer sehr starken Erinnerung. Irgendwann mache ich daraus nochmal eine Kugel.“

„Danke“, sagte ich. „Danke, dass du mir geholfen hast.“

„Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich die arme Bestie nicht nur Euretwegen niedergemacht, Magier. Für ein Gespenst stellt Ihr ein Festmahl dar. Frisch aus der Welt der Sterblichen, immer noch mit einem Hauch Lebendigkeit, und bis zum Platzen gefüllt mit frischen, unverblassten Erinnerungen. Das Gespenst, das Euch verspeist, erlangt eine Menge Macht. Es würde zu einem zerstörerisch tödlichen, grässlichen Wesen, das für die Welt der Lebenden ebenso leicht bedrohlich werden könnte wie für die Welt der Geister. Das werde ich nicht zulassen.“

„Verstehe. Trotzdem vielen Dank.“

Stu streckte mir die Hand hin und half mir beim Aufstehen. „Ich muss mit Mort reden“, sagte ich.

Vor mir sah ich aus der Dunkelheit zwei weitere Gespenster auftauchen. Als ich mich umdrehte, kamen von hinten noch mehr. Alle schwebten mit mühelosen Bewegungen trügerisch schnell auf mich zu.

„Vor denen wäre ich sicher, wenn du mich über Morts Schwelle lässt.“ Ich deutete mit dem Kinn auf die unheimlichen Gestalten. „Da ich nicht weiß, wie ich mich gegen sie verteidigen soll, werden sie mich umbringen, und dann hast du dein Monstergespenst.“

„Nicht, wenn ich Euch zuerst umbringe.“ Stu klopfte seelenruhig auf den Griff seiner Pistole.

Ich musterte ihn mit schräggelegtem Kopf. „Nein, das tust du nicht.“

„Woher wollt Ihr das wissen?“ Seiner Stimme war nichts anzuhören, aber das Lächeln in seinen Augen hatte er nicht unterdrücken können.

„Ich bin Magier“, sagte ich und verlieh meiner Stimme einen unheilvollen Unterton. „Wir Magier haben so unsere Mittel und Wege.“

Stu schwieg, das Gesicht weiterhin reglos und streng. Aber in seinen Augen tanzten helle Fünkchen.

Mir war der Sinn nach Scherzen vergangen. „Diese Gespenster rücken näher, Mann!“

Stu schnaubte. „Gespenster rücken immer näher.“ Er zückte die Pistole und richtete sie auf meine Brust. „Ich nehme Euch hiermit gefangen, toter Magier. Haltet Eure Hände so, dass ich sie sehen kann, tut, was ich Euch sage, und wir werden keine Probleme haben.“

Ich hob die Hände. „Wenn du meinst.“

Stu nickte. „Dann kehrt marsch! Wir gehen rein und unterhalten uns mit dem kleinen Glatzkopf.“

4. Kapitel

Mühelos tauchte ich hinter Stu durch die Haustür (verdammt, kribbelte das!) und blieb auf der anderen Seite kurz stehen, um nachzudenken. Wieso hatte Stu mich so problemlos mitnehmen können? Die Einladung zum Überschreiten der Schwelle eines Hauses musste von Mitgliedern des betreffenden Haushalts stammen.

Dann gehörte Stu bei Mort wohl zur erweiterten Familie, wenn er nicht tatsächlich ein Verwandter war. Geisterscheinungen blieben ja oft bei einem bestimmten Zweig ihrer Sippschaft. Konnte es sein, dass es sich bei Stu um einen von Morts Vorfahren handelte? Einer, der geblieben war, um über das Wohlergehen der Familie zu wachen? Oder hatte der kleine Ektomant immer schon inmitten einer seltsamen Gemeinschaft gehaust, und ich hatte bloß nichts davon gewusst?

Sehr interessant. Ich sollte wohl besser die Augen offen halten.

Das Haus hatte sich ebenfalls verändert. Aus dem ehemals kitschigen Séancezimmer gleich hinter der Haustür war ein gemütlicher Wohnraum mit geräumigem Sofa, Sesseln und bequemen Stühlen geworden. Zwar hatte ich bei früheren Besuchen nur einen Teil des Hauses zu sehen bekommen, aber ich konnte erkennen, dass Mort seine gesamte düstere, kleine Behausung renoviert, neu eingerichtet und generell verschönert hatte. Stu führte mich in einen Raum, der teils als Bibliothek, teils als Büro diente, und in dessen offenem Kamin ein fröhliches Feuer knisterte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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