15,99 €
Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Geschichte - Sonstiges, Note: 1,0, Ludwig-Maximilians-Universität München, Veranstaltung: Hauptseminar, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Radiokarbonmethode wurde ab 1949 als eine Methode zur Bestimmung des absoluten Sterbezeitpunktes von organischen Überresten entwickelt. Sie basiert auf dem Stopp des Kohlenstoffaustausches des toten Lebewesens mit der Atmosphäre, was zu einer messbaren Verschiebung des Isotopenverhältnisses des Kohlenstoffs innerhalb der Überreste des toten Lebewesens führt. Die Datierbarkeitsspanne liegt zwischen 0 und maximal 100.000 Jahren. Eichkurven, die durch die Dendrochronologie und mittels Uranseriendatierung erstellt wurden, ermöglichten es eine nicht konstante 14C-Konzentration in der Atmosphäre nachzuweisen, was die Genauigkeit der Radiokohlenstoffdatierung für manche Zeitabschnitte einschränkt. Die Radiokarbondatierung ist für absolutchronologische Aussagen speziell in der vorgeschichtlichen Archäologie von großer Bedeutung. Bis heute ist jedoch fundamentale Kritik an dieser Methode nicht verstummt.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2009
Page 1
LMU Historisches Seminar
Geschichte der Naturwissenschaft und der Technik Wintersemester 2007/08
Die Geschichte der Radiokarbondatierung
Holzner, Robert
Studiengang: Vor- und Frühgeschichte; Provinzialrömische Archäologie; Geschichte der Naturwissenschaft und Technik (Abschluss Magister)
Abgabedatum: 25.4.2008
Page 3
Etwa seit Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trennte man in der Vorgeschichtsforschung systematisch klar die „relativen Chronologie“ von der „absoluten Chronologie“. Davor wurde zwischen der Frage „Wie alt ist etwas?“ und der Frage „Ist das eine Objekt älter als das andere?“ nicht ausreichend unterschieden.1Man kann also davon ausgehen, dass es im heutigen Sinne Methoden zur Gewinnung absolutchronologischer Daten erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gibt, da davor die nötigen grundsätzlichen Fragen nicht formuliert waren und somit deren Beantwortung im heutigen Sinne unmöglich war. Die sicherlich älteste Methode absolutchronologische Daten zu gewinnen ist die „Archäologisch-historische Methode“. Oskar Montelius, ein Vorgeschichtsforscher, der bis heute als Wegbereiter der „typologischen Methode“, einer mittlerweile teilweise stark umstrittenen2Methode zur Gewinnung relativchronologischer Daten, immer noch sehr bekannt ist, kann auch als Erfinder der „Archäologisch-historischen Methode“ gelten. Das Prinzip der „Archäologisch-historischen Methode“ beruht folgendermaßen auf dem Prinzip des geschlossenen Fundes: Innerhalb eines geschlossenen Fundes, der sowohl zu datierendes Material, als auch Material, das aus einer anderen, bereits „historischen“ Region stammt und somit absolut datiert werden kann, enthält, kann das zu datierende Material als gleichzeitig zu dem datierten Material gelten. Somit kann über Importbeziehungen eine Kultur, über die man sonst keine absolutchronologischen Aussagen treffen kann, zeitlich eingeordnet werden. Besitzt man für das Fundspektrum der zu datierenden Kultur bereits ein relatives Chronologiesystem, so kann man mit einigen absolutchronologischen Anhaltspunkten das gesamte Fundspektrum der zu datierenden Kultur absolutchronologisch einordnen. Auf den ersten Blick werden bei dieser Datierungsmethode jedoch mehrere Probleme ersichtlich.
Als erstes muss definiert werden, was ein „geschlossener Fund“ überhaupt ist. Von Oskar Montelius wird der „Fund“, gemeint ist der „geschlossene Fund“ im heutigen Sinne folgendermaßen definiert: „Ein Fund in dieser Meinung kann als die Summe von Gegenständen angesehen werden, welche unter solchen Verhältnissen gefunden worden sind, daß sie als ganz gleichzeitig niedergelegt betrachtet werden müssen.“3Das Prinzip der gleichzeitigen Deponierung hat bis heute Gültigkeit. Solchermaßen definierte geschlossene Funde sind zumeist Gräber, wenn man davon ausgeht, dass alle Grabbeigaben mehr oder minder gleichzeitig dem Toten mitgegeben wurden, was allerdings nicht zwangsläufig der Fall ist. Auch eine Schicht innerhalb einer Siedlung oder ein Hortfund kann mit Einschränkungen als geschlossener Fund gelten. Wichtig ist hierbei, dass Einzelfunde und Funde, bei denen die Fundumstände unklar sind und nur unzureichende oder gar keine stratigraphischen Beobachtungen bei der
1Eggers 1959, 53.
2Eggert 2005, 190.
3Montelius 1903, 3.
Page 4
Bergung gemacht wurden, in jedem Fall herausfallen. Es ist also klar zu erkennen, dass die Anzahl der Funde, bei denen absolutchronologische Daten mit Hilfe der archäologisch-historischen Methode gewonnen werden können, erheblich eingeschränkt werden muss.
Das zweite Problem bei der archäologisch-historischen Methode ist die Tatsache, dass man eine vorgeschichtliche Periode in einer bestimmten Region nur dann damit absolutchronologisch einordnen kann, wenn sie mit einer gleichzeitigen historisch bekannten Kultur zumindest indirekt im Kontakt stand. Dieses Problem war auch schon Oskar Montelius bekannt.4Die am weitesten zurückreichende historische Zeitrechnung gibt es bekanntermaßen in Ägypten. Mit einem, besonders für die Frühzeit des Alten Reiches erheblichen Unsicherheitsfaktor kann man Kulturen, die zumindest indirekten Kontakt zum Reich der Pharaonen hatten ab 3000 v. Chr. absolutchronologisch einordnen. Ältere archäologische Phänomene können auch heutzutage mit Hilfe der archäologisch-historischen Methode nicht datiert werden5.
