Geschichte des Geldes - Alan Pauls - E-Book

Geschichte des Geldes E-Book

Alan Pauls

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Beschreibung

Ein Stahlunternehmer stirbt bei einem Helikopterabsturz, sein randvoll mit Geld gefüllter Aktenkoffer verschwindet ohne jede Spur. Unfall oder Überfall? Im letzten Teil von Alan Pauls Argentinien-Trilogie bedingt Geld alles: Großzügigkeit und Gewalt, Kapitalflucht und Strafe, Traum und Korruption. Nicht nur in der Öffentlichkeit, in der die wildesten Hypothesen über den Absturz kursieren, auch im Leben des Erzählers dreht sich alles um das liebe Geld. Sein Vater verdient ein Vermögen beim Pokern und ist im Labyrinth der Finanzspekulationen zu Hause wie ein Fisch im Wasser. Seine Mutter hingegen heiratet wieder und verprasst ihr kleines Erbe für einen aufwendigen Lebensstil und ein Sommerhaus, das den letzten Cent verschlingt. Und der Erzähler muss am Ende immer dafür bezahlen – in jeglicher Hinsicht. Schulden, für die niemand einsteht, undokumentierte Darlehen, absurde Investitionen und geheime Geschäfte. »Geschichte des Geldes« ist eine intensive und dringliche Betrachtung von menschlichem Verlust und verborgenen Ökonomien.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 321




Alan Pauls

Geschichte des Geldes

Roman

Aus dem Spanischen von

Christian Hansen

Klett-Cotta

Impressum

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der Übersetzer dankt dem Deutschen Übersetzerfonds

für die finanzielle Unterstützung seiner Arbeit.

Klett-Cotta

www.klett-cotta.de

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel »Historia del dinero« im Verlag Editorial Anagrama S.A., Barcelona

© 2013 by Alan Pauls

Für die deutsche Ausgabe

© 2016 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung

Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Quelle Motto auf S. 5: Der Geldkomplex. Roman meinen Gläubigern zugeeignet, Berlin 2002: edition ebersbach, S. 35.

Umschlag: ANZINGER | WÜSCHNER | RASP, München

Unter Verwendung eines Fotos von © plainpicture/Lohfink

Datenkonvertierung: r&p digitale medien, Echterdingen

Printausgabe: ISBN 978-3-608-98005-9

E-Book: ISBN 978-3-608-10040-2

Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe.

Wenn das Geld nur erst da ist,

werde ich sicher wieder normal.

FRANZISKA GRÄFIN ZU REVENTLOW

ER ist noch keine fünfzehn, als er seinen ersten leibhaftigen Toten sieht. Er wundert sich ein wenig, dass ihm der Mann, ein enger Freund der Familie des Ehemanns seiner Mutter, noch jetzt, wo er zwischen den zu engen Wänden seines Sarges klemmt, genauso zuwider ist wie zu Lebzeiten. Er sieht ihn im Anzug, sieht das totenhygienisch verjüngte, geschminkte Gesicht, die ein wenig gelbliche, wächsern glänzende, aber makellose Haut und spürt dieselbe heftige Abneigung, die ihn jedes Mal überkommt, wenn er ihm über den Weg läuft. Das war übrigens schon immer so, seit dem Tag, an dem er ihn kennenlernt, in einem Sommer vor acht Jahren in Mar del Plata, kurz vor dem Mittagessen.

Es geht kein Lüftchen, die Zikaden starten eine weitere ohrenbetäubende Offensive. Auf der Flucht vor der Hitze, der Hitze und der Langeweile, stromert er durch das Herrenhaus aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert, in dem er seinen Platz einfach nicht finden kann, woran weder die lächelnden Mienen etwas ändern können, mit denen die Gastgeber ihn bei seinem ersten Besuch empfangen, noch das ihm, ihm allein, zugewiesene Zimmer im ersten Stock, oder dass seine Mutter ihm einschärft, er habe, obwohl gerade erst angekommen, die gleichen Rechte im Haus und auf sämtliche darin befindlichen Dinge – einschließlich der Garage mit den Fahrrädern, den Surf- und Styroporschwimmbrettern sowie des Gartens mit den Linden, dem Pavillon, den Hollywoodschaukeln und Hortensiensträuchern, deren von der Sonne versengte und entfärbte Blütenblätter an Papier erinnern – wie alle anderen, worunter die noch diffuse, aber auf unerklärliche Weise sich mehrende Meute zu verstehen ist, die er mit einer Verwirrung, die auch die Jahre, seit ihm der Ausdruck zum ersten Mal unterkommt, nicht zerstreuen konnten, seine angeheiratete Familie hat nennen hören, jene Horden von Stiefvettern und Stiefkusinen, Stieftanten und Stiefomas, die ihm über Nacht zugewachsen sind wie Warzen an den Fingern, oft ohne ihm für das Nächstliegende Zeit zu lassen, zum Beispiel sich ihre Namen zu merken und diese mit den entsprechenden Gesichtern verbinden zu können. Die Crux desjenigen, der sich bewegen muss, weil er fehl am Platz ist: Jeder Schritt, den er tut, ein Fehltritt, jede Entscheidung ein Irrtum. Leben heißt bereuen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!