Gesetzloser per Katalog - Cynthia Woolf - E-Book
Beschreibung

Ed Talbot ist nicht gerade ein Traummann. Er ist ein Gesetzloser, wurde mit 14 Jahren in die Gang seines Vaters gezwungen und wird in mehr als einem Gebiet gesucht – tot oder lebendig. Aber jetzt ist sein Vater tot, er hasst das Leben, das Blut und die elende Wut seines Bruders. Als ein Postkutschenüberfall schiefläuft, bleibt Ed mit einer Tasche voll mit charmanten Briefen einer verführerischen jungen Dame zurück. Zum Pech für Miss Lizzie Cobb ist ihr Verlobter nun tot, aber Ed sieht einen Ausweg. Einen schicken, anständigen jungen Mann zu verkörpern sollte nicht zu schwer sein. Trotz des Risikos stellt sich heraus, dass es fast schon zu einfach ist, sie herumzukriegen. Ganz abgelegen auf der Ranch ihrer Mutter außerhalb von Tombstone hat Miss Lizzie Cobb weder die Zeit, noch die nötigen Mittel einen beachtlichen Ehemann zu finden. Als eine Halb-Apachin im Gebiet Arizonas scheint es ihr die einzige Lösung für ihr Problem zu sein, eine Katalogbraut zu werden – bis sie realisiert, dass San Francisco zu weit weg ist und sie ihre bedürftige Mutter mit ihrem kleinen Bruder alleine lassen müsste. Ihre Lösung? Die Hochzeit absagen. Als ihr Bräutigam dann letztendlich doch auf der Türschwelle steht, ist sie überwältigt. Er ist hübsch, stark und ist hunderte Meilen gereist, um sie zu seinem zu machen. Seine Küsse entfachen ein Feuer in ihrem Körper und seine Anwesenheit beruhigt ihre Seele. Dass sie sich in den schroffen Mann verliebt liegt außerhalb ihrer Macht. Aber die Vergangenheit hat ihre Wege die Gesetzlosen einzuholen und der Wahrheit ins Auge zu blicken wird schwer… für sie beide.

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Seitenzahl:236

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Gesetzloser per Katalog

Die Bräute von Tombstone

Buch 1

Cynthia Woolf

GESETZLOSER PER KATALOG

Copyright deutsche Übersetzung © 2018 Cynthia Woolf

Durch Firehouse Publishing veröffentlicht

ISBN: 978-1-947075-75-7

English Edition Copyright © 2015 Cynthia Woolf

ISBN- 978-1-938887-61-1 English Edition

Bildquellen – Jenifoto, Scott Prokop Photography and Period Images

INHALTSVERZEICHNIS

GESETZLOSER PER KATALOG

Copyright

Widmung

Danksagungen

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Epilog

Über Die Autorin

Weitere Verfügbare Titel

WIDMUNG

Für Jim. Danke, dass du mich all die Nächte ins Bett gebracht hast, in denen ich an meinem Schreibtisch eingeschlafen bin.

Danke, dass du mein größter Cheerleader bist.

DANKSAGUNGEN

An meine Just Write-Partner Michelle Callahan, Karen Docter und Cate Rowan.

An meinen tollen Buchcoverdesigner Romcon Custom Covers.

An meine fantastische Lektorin, Linda Carroll-Bradd, dank dir funktioniere ich und du machst meine Geschichten so viel besser als sie es am Anfang sind.

KAPITEL 1

Tombstone, Arizona-Territorium,

5. März 1882

Lizzie schrieb ihren Brief an Maggie Black, die Inhaberin von Matchmaker & Co. in Golden, Colorado, zu Ende.

Sehr geehrte Mrs. Black,

ich habe meine Meinung geändert und möchte nicht die Katalogbrautvon Mr. Malcom Brandon werden. Ich kann meine Ranch nicht verlassen. Sie ist meine große Liebe und wenn ich eine unverheiratete Frau bleiben muss um sie zu behalten, dann soll es so sein.

Bitte leiten Sie meine aufrichtige Entschuldigung an Mr. Brandon weiter. Ich werde für alle Kosten, die mit dieser Unannehmlichkeit verbunden sind, aufkommen.

Mit freundlichen Grüßen,

Elizabeth Cobb

Sie las es sich noch einmal durch. Zufrieden mit dem Schriftstück, bereitete sie es dafür vor, mit der nächsten Post verschickt zu werden.

Sie brauchte immer noch einen Ehemann, aber eine Halb-Apachin zu sein machte es nicht gerade einfach, einen zu finden. Trotzdem konnte Lizzie die Ranch aber nicht verlassen, nicht mal für einen Ehemann. Für die Rancharbeiten könnte sie mit Hilfs- und Vorarbeitern auskommen. Das hieß, sie würde keine Kinder haben, nie, aber das war eben eine Entscheidung, die sie treffen musste. Für Jamie war es wichtiger, die Ranch zu behalten, als ihre eigenen Träume zu verfolgen.

*****

Außerhalb Tucsons, Arizona-Territorium,

12. Mai 1882

Ed Talbot richtete sein Bandana zurecht und bedeckte die untere Hälfte seines Gesichts. Die Postkutsche, die sich sein Vater für den nächsten Überfall herausgesucht hatte, wollte gerade den Hügel hinauffahren. Wenn es soweit wäre, würden Ed und sein Halbbruder Harvey bereits warten. Sein Vater, Josiah Talbot, würde von hinten über das Gefährt herfallen, bis es zum Stillstand käme.

Josiah ritt mit Harry und Joe und holte von hinten auf.

Ed und sein Bruder warteten und die Kutsche wurde wie erwartet langsamer. Plötzlich begann der Mitreisendem seine Waffe auf die von hinten kommenden Männer zu schießen.

Ed und Harvey ritten auf die Kutsche zu. Harvey schoss mit seiner Pistole und tötete den Beifahrer, aber da fiel Josiah schon zu Boden. Die Kutsche kam zum Halten und Ed hielt seine Waffe auf den Kutschenführer gerichtet, während Harvey vorbeiritt zu der Stelle, an der sein Vater auf dem Boden lag.

„Neeeein.“ Ein Heulen, wie Ed es nie zuvor aus Harvey Mund kommen hören hatte. Ed wusste bereits, dass ihr Vater tot war, aber er trauerte nicht. Der Mann, den Ed für die meiste Zeit seines Lebens gehasst hatte, war tot. Er freute sich.

Harvey kam auf ihn zu und lud seine Waffe nach. Sobald er einen Zylinder voll hatte, zielte er auf den Kutschführer und erschoss ihn.

Ed sah, was passieren würde, sprang von seinem Pferd und rannte auf seinen Bruder zu. Er griff nach seinem Arm. „Harvey, was zur Hölle machst du da?“

„Er hat Pa getötet. Er hat es verdient, zu sterben. Der Führer und dieser Mann sind Zeugen, sie müssen sterben…“ Harvey verzog die Augenbrauen und kniff seine Augen zusammen. „Oder du machst es, er stirbt sowieso. Hast du ein Problem damit?“

Ed hatte keine Wahl und wollte gerade nein sagen, als Harvey seine Pistole hob und abdrückte. Der Mann, der nichts getan hatte, außer ein Mitreisender auf der falschen Kutsche zu sein, war tot.

„Ich hätte dich nichts sagen lassen können, das du vielleicht bereust, kleiner Bruder.“ Harvey steckte seine Waffe weg. „Räumt das ganze Zeug und die Ladung zusammen, dann durchsucht alle drei Männer.“, wies er Harry und Joe an.

Ed bemerkte einen kleinen Handkoffer in der Kutsche, der wahrscheinlich dem Mann gehörte. Er nahm ihn und band ihn an seine Satteltaschen.

„Los geht’s“, sagte Harvey, „nehmt die Kutschenpferde, wir werden sie in der Stadt verkaufen und die Kutsche in Brand setzten.“

Joe sammelte etwas Wüstensalbei, der in diesem Gebiet der Wüste nahe Tucson wuchs, und warf einen Haufen in die Kutsche. Dann nahm er ein Streichholz aus seiner Tasche, strich es an einem Stein an und setzte die trockenen Sträucher in Brand. Innerhalb von Minuten brannte die ganze Kutsche und schwarze Rauchwolken machten sich am Himmel breit. Wenn sie hier noch länger blieben, würden sie von der Sheriffspatrouille gefunden werden.

„Na los, lasst uns abhauen.“ Harvey drehte sich um und ritt mit seinem Pferd in die Richtung, aus der sie gekommen waren, zurück in ihr Versteck in den Mule Mountains.

Ohne jegliche Wahl folgte Ed seinem Bruder. Harvey würde ihn lieber ohne zu zögern umbringen, anstatt ihn gehenzulassen. Ihr Vater war genauso gewesen. Vor fünfzehn Jahren, als Eds Mutter gestorben war, brachte Josiah ihn in die Gang. Ed war dreizehn. Er lernte, wie man Kutschen, Züge und Bänke ausraubte. Er lernte, wie man Menschen umbrachte, aber hatte niemals jemanden tatsächlich getötet. Ed hatte es geschafft, dieser Pflicht aus dem Weg zu gehen. Sein Vater und Bruder beschimpften ihn als Weichei, aber Ed interessierte sich nicht dafür, Lebewesen zu töten – oder überhaupt fürs Gesetzlosen-Leben.

Als sie am Lager ankamen, nahm Ed den kleinen Koffer mit zu seinem Schlafsack. Er öffnete das Gepäckstück. Auf seiner Suche nach Wertgegenständen schob er ein paar Anzüge, Krawatten, Hemden und Unterhosen zur Seite. Ganz unten fand er ein Bündel Briefe, zusammengeschnürt mit einem dünnen Lederfaden. Sie waren an Malcom Brandon aus San Francisco adressiert. Das muss der Name des Mannes gewesen sein.

Von Neugier getrieben, öffnete Ed das Bündel und damit den ersten Brief. Er war von einer Frau namens Elizabeth Cobb in Tombstone.

Tombstone, Arizona-Territorium, 8. März 1881

Sehr geehrter Mr. Brandon:

Mein Name ist Elizabeth Cobb, aber man nennt mich Lizzie. Vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen Brief und den damit verbundenen Wunsch, eine Katalogbrautfür den richtigen Mann zu werden. Meine einzige Voraussetzung ist, dass der Mann über 1,80 m groß sein sollte, da ich selbst fast 1,80 m groß bin. Mrs. Black hat mir weitergegeben, dass sie diesem Anspruch gerecht werden, da sie selbst größer als 1,80 m sind.

Ich leite eine Rinderfarm außerhalb von Tombstone im Arizona-Territorium. Bis vor zwei Jahren habe ich die Ranch mit meinem Vater geleitet. Jetzt sind es nur noch Mama, Jamie und ich. Jamie ist der eigentliche Besitzer der Ranch, aber er ist erst zehn Jahre alt und ich muss mich darum kümmern, bis er alt genug ist, sie zu übernehmen, wenn er möchte. Er ist ein sehr lernbegieriger Junge und wird sich vielleicht dazu entscheiden, lieber aufs College zu gehen und etwas zu studieren, als eine Ranch zu leiten. Er liebt es nicht so, wie ich es liebe.

Mrs. Black hat mich informiert, dass Sie ein florierendes Trockenwarenunternehmen in San Francisco besitzen. Wieso sind Sie auf der Suche nach einer Katalogbraut? Gibt es dort keine Frauen, die Sie heiraten könnten?

Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen soll. Bitte schreiben Sie mir zurück, falls Sie ebenfalls Fragen haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Lizzie Cobb

Ed machte sich über Lizzie Cobb Gedanken. Warum wollte sie eine Katalogbraut werden? War sie hässlich? Sie war sehr groß für eine Frau, vielleicht war das der Grund. Was würde sie mit der Ranch machen, wenn sie heiraten würde – sie von ihrer Mutter und dem kleinen Bruder leiten lassen? Dachte sie daran, die alte Dame mit sich zu nehmen und die Ranch zu verkaufen?

Viele Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. Tombstone lag circa siebzig Meilen südlich, zwei harte Ritttage durch die Wüste. Reiten war keine gute Idee. Er würde damit vielleicht sein Pferd umbringen und dann wäre er selbst tot. Da gab es nichts als Salbeikraut und Kakteen soweit das Auge reichte. Kein Wasser. Die Strecke war nicht gerade einfach. Es gab eine kleine Zwischenstation, an der die Pferde der Kutscher ausgewechselt werden konnten und Mitreisende kurz Pause machen und etwas Essen konnten. Manchmal blieb die Kutsche auch über Nacht, je nachdem zu welcher Tageszeit sie ankamen. Apachen zogen durch die Wüste und Kutschen, Stationen und Niederlassungen wurden oft angegriffen. Banditen aus Mexiko waren dafür bekannt, Kutschen auszurauben, genauso wie Gangs wie die von Josiah. Jetzt war es aber Harveys Gang, da Josiah tot war.

Die Kutschenführer und die, die hinten mitfuhren, wollten sich nicht draußen erwischen lassen, nachdem es dunkel wurde. Ed verstand das nur zu gut. Er war den Apachen bereits selbst begegnet, als er in der Wüste lebte.

Er las weiter in den Briefen, acht waren es insgesamt. Mit jedem Brief fand er mehr Interesse an Lizzie Cobb. Sie klang nach einer gewaltigen Frau. Leitete eine Rinderfarm, nachdem ihr Vater gestorben war. Kümmerte sich um ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder.

Von dem was sie schrieb, wusste er, dass Lizzie 24 Jahre alt war, 1,80 m groß, dunkelbraune Haare hatte und braune Augen. Sie klang nicht nach einer Frau, die unbemerkt verschwinden oder mit jemandem verwechselt werden könnte.

Als er las, kam ihn ein Plan. Seine einzige Sorge war, wie viel Lizzie von Malcom Brandon wusste. Der tote Mann unterzeichnete seine Briefe mit „Mal“, also würde Ed sich so nennen. Er war nur ein klein wenig größer als der Mann, deshalb würde ihm seine Kleidung bestimmt passen, vielleicht wäre sie ein wenig zu klein.

Könnte er das machen? Könnte er Mal Brandon werden?

Je mehr Ed darüber nachdachte, desto mehr gefiel ihm die Idee. Er müsste sich mitten in der Nacht davonschleichen. Wenn sein Bruder von seinem Plan, die Gang zu verlassen, wüsste, würde Harvey ihn aufhalten – vielleicht sogar umbringen, wenn er müsste. Besonders wenn er von dem Geld wüsste, das Ed in der Naht des Handkoffers gefunden hatte, sehr viel Geld. Genug für einen Neuanfang.

Ed wollte kein Teil der Gang mehr sein. Er wollte von Anfang an nie zu ihr gehören. Seine Mutter hatte gewollt, dass er zur Schule ging und ein Lehrer werden würde. Das hatte Ed auch gewollt, oder zumindest wollte er etwas… legales machen.

Als Kind kannte er Josiah nie wirklich. Er war nur der Mann, der alle paar Monate mal über Nacht blieb, als Ed aufwuchs. Als dann seine Mutter starb, war Ed alleine gewesen, bevor Josiah aufgetaucht ist. Ein paar herrliche Wochen, in denen er in Frieden um seine Mutter, Becky Brody, trauern konnte. Als Josiah herausfand, dass Eds Mutter gestorben war, nahm er ihn mit. Seitdem war Ed in Josiahs Gang gewesen. Das einzige, was ihm von seiner Mutter noch übriggeblieben war, waren seine grünen Augen.

Es gab aber auch ein paar Dinge, für die er seinem Vater dankbar war. Josiah hatte ihm beigebracht, wie man eine Waffe benutzt und wie man schneller als der Wind reitet. Er konnte genau wie jeder andere Spanisch sprechen, weil Josiahs Mutter Mexikanerin war und er ging sicher, dass beide seiner Söhne ebenfalls Spanisch sprechen konnten. Er war groß – über 1,90 m und muskulös.

Nur Harvey war größer als er.

Harvey war auch gemeiner. Er hatte kein Problem damit, Leute umzubringen.

Ed war der Meinung, er mochte es sogar.

Noch dazu benutzte und missbrauchte Harvey Frauen. Das gefiel ihm ebenfalls.

Ed hasste es, die Misshandlungen zu sehen und zu hören, während es nichts gab, was er dagegen hätte tun können. Einmal hatte er versucht Harvey aufzuhalten und wäre dabei fast draufgegangen. Jetzt blieb er einfach fern vom Lager wann immer Harvey auch eine Frau dorthin brachte, was zum Glück nicht allzu oft passierte.

Abgesehen von Belle. Aus irgendeinem Grund konnte Belle James genauso viel geben wie sie nahm und sie gefiel Harvey am besten. Vielleicht liebte er sie, falls er so eine Emotion überhaupt empfinden konnte.

Ed hatte nur selten eine Frau. Einmal hatte er sich verliebt.

Als Harvey das herausfand, hatte er sie sich geschnappt, sie vergewaltigt und halbtot liegenlassen. Es gab keine Chance, dass er oder Josiah, egal wer, ihn einfach so aus der Gang gehen lassen würden.

Ed wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass so etwas noch einer anderen Frau passierte, also hielt er sich von ihnen fern. Gelegentlich stattete er dem Bordell einen Besuch ab. Er war ein achtundzwanzigjähriger Mann und letztendlich hatte er auch nur Bedürfnisse wie jeder andere Mann.

Ed beobachtete Joe dabei, wie er ein Feuer schürte und Holz hineinlegte. In den Bergen und nachts in der Wüste war es kalt. Eigentlich sollte das nicht der Fall sein, wenn man bedachte wie wahnsinnig heiß es dort tagsüber wurde, aber nachts sanken die Temperaturen auf eine unangenehme Kälte ab.

Abgesehen von dem Handkoffer, den Ed hatte, gab es nur eine kleine Sicherheitskassette in der Kutsche. Die Kassette war verschlossen und Harvey ließ die Jungs daran Schießen üben, bis sie den Safe aufgeknackt hatten. Darin befand sich ein kleines Geldbündel. Nur eintausend Dollar, aber das war genug, um die Männer für die nächsten Wochen mit Alkohol und Frauen zu versorgen – dann würden sie den nächsten Überfall einer Kutsche, eines Zuges oder einer Bank planen. Wahrscheinlich eine Kutsche, die waren am einfachsten und Harvey war immer für einfach.

Ed hatte seine Pläne geschmiedet und wartete zwei Wochen, im Wissen, dass die Männer nach Tucson gehen würden, um Dampf abzulassen. Sie hielten nie länger als ein paar Wochen nach einem erfolgreichen Überfall durch. Bis dahin war der Alkohol ausgegangen, genau wie die Munition, die sie für Schießübungen verwendeten und das Geld war ausgegeben.

Dieses Mal würde er abhauen. Er hatte das Wissen und das Können, um das Leben eines anderen Mannes zu übernehmen. Sein Bruder würde nicht wissen, wohin er gegangen war und keiner in der Gang konnte auch nur ansatzweise Spuren oder Fährten lesen.

Endlich konnte Ed ein neues Leben anfangen. Ein gutes Leben als guter Mann, die Gang verlassen und all diese Erinnerungen hinter sich lassen.

Er war bereit.

Harvey kam wie immer zu ihm herüber. Ed spielte Solitär auf einer der Decken. „Na los, kleiner Bruder. Komm mit uns in die Stadt. Wir trinken ein paar Gläser und krallen uns ein paar Frauen.“

„Ihr könnt gehen, ich bleibe im Lager.“

„Du musst ein wenig Dampf ablassen, genau wie der Rest von uns.“ Harvey legte seine Hand auf Eds Schulter und drückte zu. „Komm schon, auf geht’s.“

Ed schüttelte seine Hand von der Schulter. „Ich will nicht, lass mich in Ruhe.“

Harvey sah ihn an und kniff seine Augen zusammen.

Schweiß bildete sich unter seinem Kragen. Ed fragte sich, ob er ihn wohl zwingen würde mitzukommen, aber letztendlich zuckte Harvey mit den Schultern. „Wenn das das ist, was du willst, dann bitte. Kommt, Jungs. Wir haben ein paar Flaschen zu trinken und Frauen zu ficken.“

Ed wartete zwei Stunden nachdem sein Bruder und die anderen Männer weggeritten waren, bevor er den Handkoffer nahm und er sich in die entgegengesetzte Richtung von Tucson aufmachte. Siebzig Meilen nach Süden Richtung Tombstone. In ein neues Leben. Er konnte es kaum erwarten.

Die Reise dauerte drei Tage. Er stellte sicher, dass er sein Pferd über die Berge und in der Wüste nicht überstrapazierte und um die Zwischenstationen machte er einen großen Bogen, er wollte nicht gesehen werden. Ed machte Halt an mehreren kleinen Wasserstellen, die abseits des plattgetrampelten Weges lagen. Als er in der Nähe von Tombstone ankam, machte er Halt, zog sich die Klamotten aus dem Koffer an und rasierte seinen Bart. Die Kleidung war eng und ein bisschen kurz, aber nicht zu sehr um aufzufallen… hoffte er. Er gab sein Bestes, Ed Talbot in einem anderen Leben hinter sich zu lassen und von vorne anzufangen.

*****

Lizzie fuhr in einer Pferdekutsche in die Stadt. Immer samstags ging sie alles Nötige für die kommende Woche einkaufen. Ihr Heim war nur zwei Meilen von Tombstone entfernt, aber sie schien es nie öfter als einmal die Woche dort hin zu schaffen. Als sie mit Mal schrieb, kam sie manchmal mitten in der Woche in die Stadt um einen Brief abzuschicken, aber das kam nicht sehr oft vor.

Als erstes machte sie am Futterlager halt. Die fünfhundert Pfund Getreide mussten ganz unten auf den Wagen und die Lebensmittel obendrauf.

Ihre Mutter wollte Backzutaten haben, also brachte sie ihr diesmal Obstkonserven – je nachdem was gerade erhältlich war – sowie Mehl, Zucker, Melasse und Zimt mit. Die Gewürze würden die teuersten der Zutaten werden. Sie waren fast ausverkauft, aber ihre Mutter wollte unbedingt Kuchen aus den Äpfeln von ihrem Baum im Garten machen.

Sie sah dabei zu, wie der letzte Sack Getreide auf ihren Wagen geladen wurde, als ein großer, sehr großer, dunkelhaariger Mann auf sie zukam.

„Elizabeth Cobb?“

Seine tiefe baritone Stimme gefiel ihr und sie drehte ihren Kopf zur Seite, sodass sie ihn sehen konnte. „Wer möchte das wissen?“, rief sie durch den Lärm, der von der Musik aus den Saloons und den Wägen, die von und zu den Minen gefahren wurden, kam.

„Ich bin Malcom Brandon. Wir haben seit Juni letzten Jahres miteinander kommuniziert. Eigentlich sollten wir verheiratet sein.“

Lizzie richtete sich auf und schob ihren Hut rückwärts von ihrem Kopf herunter, sodass er am Lederriemen über dem langen Zopf auf ihrem Rücken hing. „Malcom?“

„Ja.“, antwortete er.

„Was machst du denn hier?“ Ihr Körper versteifte sich und sie sah sich um. „Ich habe unsere Vereinbarung widerrufen. Hat Mrs. Black dir nicht Bescheid gegeben?“

„Hat sie, aber ich bin hierhergekommen, um zu versuchen, deine Meinung zu ändern.“

Dieser Mann war definitiv ein feiner Stadtmensch, was man anhand seiner Kleidung erkennen konnte. Er trug einen schwarzen Anzug mit einem weißen, oder hauptsächlich weißen, Hemd, einer schwarzen Krawatte, einer schwarzen Melone und einem Gehstock, der sein Outfit komplettierte. Er war etwas staubig, aber das war nichts ungewöhnliches für jemanden in Tombstone, aufgrund des Windes der Wüste.

„Was ist mit deinem Trockenwarenunternehmen in San Francisco?“

„Das… äh… habe ich verkauft.“

Er nahm seinen Hut ab und klopfte sich damit auf den Oberschenkel. Staub kam aus seiner Hose. „Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Staub gesehen. Und was ist dieses Hämmern? Das höre ich, seitdem ich in der Stadt bin.“

„An den Staub gewöhnst du dich und das Hämmern kommt von den Pochwerken den Minen. Die laufen den ganzen Tag und die ganze Nacht. Daran gewöhnst du dich auch, wenn du oft in die Stadt kommst.“

„Schätze ich mal. Oder hoffe ich zumindest.“

„Malcom… Mal… Ich werde die Ranch nicht verlassen um zu heiraten. Ich dachte ich würde das schaffen, aber ich kann nicht.“ Sie schüttelte ihren Kopf und stemmte die Hände in die Hüften. „Ich liebe die Ranch, ich liebe mein Leben und ich werde das nicht aufgeben. Deshalb habe ich unseren Vertrag beendet.“

„Das verlange ich doch auch gar nicht. Ich bin zu dir gekommen. Ich möchte dich immer noch heiraten, Lizzie. Ich möchte ein neues Leben anfangen und ich denke, dass ich das mit dir haben kann.“

Sie kniff die Augen zusammen. „Wieso solltest du das tun? Du kennst mich überhaupt nicht.“

„Ich kenne dich sehr gut. Ich habe alle deine Briefe wieder und wieder gelesen. Ich kann sie fast auswendig. Ich habe dich anhand deiner Beschreibung erkannt, die du mir gegeben hast. 1,80 m groß mit dunklen Haaren und braunen Augen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Sobald ich dich aus dem Futterlager kommen sehen hab, wusste ich, dass du es bist.“

Ihr wurde klar, dass alles, was er sagte, Sinn machte. Lizzie musterte ihn von oben bis unten. „Was ist mit deinen Klamotten passiert?“

Er sah an sich hinunter. „Wieso? Passt irgendwas nicht?“

„Deine Sachen sehen ein wenig eng aus. Bist du irgendwo in einen Bach gefallen?“

„Was?“ Er riss die Augenbrauen hoch und sein Mund stand für eine Sekunde offen. „Oh, nein. Ich… äh… habe versucht meinen Anzug zu waschen. Er war so schmutzig von der Reise hierher und ich wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Vielleicht ist er ein wenig eingelaufen.“

Das sollte genügen. Sie könnte ihm nichts unterstellen, wenn er nur einen guten Eindruck machen wollte.

„Also, was erwartest du von mir, Mal? Unser Vertrag wurde aufgehoben.“ Sie dachte kurz nach. „Ich brauche aber trotzdem einen Ehemann. Deshalb wollte ich Katalogbraut werden. Ich hatte nie vor, die Ranch zu verlassen. Ich brauche jemanden, der mir hilft, sie zu leiten, bis mein kleiner Bruder erwachsen ist und sie selbst übernehmen kann. Ich hatte gehofft, wen auch immer ich geheiratet hätte, ihn da hineinreden zu können. Aber sieht so aus, als ob das auch das ist, was du vorhattest.“

„Genau.“ Er fuhr sich durch seine Haare. „Ich, ähm, dachte, ich komme hierher um dich zu heiraten, anstatt die Aufhebung des Vertrags zu akzeptieren. Hat dich, ähm… Mrs. Black nicht mit meinen Absichten kontaktiert?“

Lizzie schüttelte den Kopf. „Nein, hat sie nicht.“ Sie atmete tief ein und beäugte Mal. Er war auf jeden Fall attraktiv. Sie erinnerte sich nicht daran, dass er auf seinem Foto so schön gewesen war, aber es war auch kein gutes Foto gewesen. Angeblich hatte er sich bewegt, denn das Foto war verschwommen.

„Ich würde gerne mehr über die Ranch erfahren, wie sie läuft und wie man die Arbeit erledigt. Ich beabsichtige, dir den Hof zu machen, Lizzie Cobb, und um das zu tun, muss ich mehr über dich wissen.“

Lizzie hob eine Augenbraue und atmete tief ein. Sie brauchte einen Ehemann. „Dann kommst du wohl besser mit mir nach Hause. Du kannst mit den anderen Männern in der Hütte schlafen. Ich möchte dich besser kennenlernen und wenn wir unser Verhältnis aufrechterhalten wollen, gibt es nichts besseres, als mit mir zusammenzuarbeiten. Abgesehen davon, dass du meine Mutter kennenlernen musst. Sie wird ja oder nein zu unserer Heirat sagen, also stellst du dich besser gut mit ihr.“ Zumindest würde er denken, dass Mama das letzte Wort hat. Das würde ihr eine gute Ausrede bieten, falls sie es sich doch noch anders überlegen sollte.

Lizzie ging um den Wagen herum und Mal folgte ihr.

„Du bist eine schöne Frau, Lizzie. Warum wolltest du eine Katalogbraut werden? Das hast du nie in deinen Briefen erwähnt, nur, dass du es wolltest und dann wieder nicht.“

„Ich bin zum Teil Indianerin. Kein Mann in dieser Gegend würde eine gemischte Ehefrau wollen.“

„Das ist mir egal.“

„Genau das mag ich an dir, Mal. Auch in deinen Briefen kamst du so rüber, als wärst du sehr offen und tolerant… für einen Stadtkerl. Hol dein Pferd und bind es hier an.“ Sie zeigte auf einen Metallring an der Hinterseite des Wagens.

Mal tat was sie sagte. Sie mochte es, ihn zu beobachten. Alle seine Muskeln arbeiteten, wenn er sich bewegte und da seine Klamotten ein klein wenig zu eng waren, zeichnete sich jede Bewegung ab.

„Du brauchst ein paar Arbeitsklamotten.“

„Ich habe meine alte Arbeitskleidung für harte Arbeit von zu Hause mitgenommen, aber ich wollte dich so nicht treffen.“ Er grinste. „Versuchen, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Hat es geklappt?“

„Naja, ich nehm‘ dich mit zu mir nach Hause, oder nicht?“

Er grinste weiter und fluchte, als sie zurücklächelte.

KAPITEL 2

Naja, das hat doch gut geklappt. Ed band sein Pferd an das hintere Ende der Pferdekutsche und kletterte dann hoch auf den Sitz neben Lizzie.

„Hü!“ Sie schlug die Zügel auf die Hintern der Pferde um sie anzutreiben. Sie ritten in Stille, bis sie außerhalb der Stadt waren.

„Normalerweise gabele ich keine Fremden in der Stadt auf und nehme sie mit nach Hause, aber du wirkst nicht wie ein Fremder.“

„Bin ich auch nicht.“ Aus irgendeinem Grund roch die Luft heute süßer. Er grinste sie an. „Ich bin der Mann den du heiratest Lizzie, ob du’s glaubst oder nicht.“

„Werd‘ mal nicht zu voreilig, Mal. Wir haben immer noch jede Menge Sachen zu klären.“

„Wir“, er gestikulierte zwischen ihnen hin und her, „hätten eigentlich geheiratet, obwohl wir viel weniger voneinander gewusst hätten, als wir es jetzt tun. Warum hast du auf einmal was dagegen?“

„Weil ich mich an die Vorstellung gewöhnt habe, doch nicht zu heiraten. Jemals. Ich dachte, ich würde die Ranch selbst leiten und alles für Jamie vorbereiten.“

„Und was willst du dann machen?“ Er saß mühelos auf der Wagenbank, hielt sich an der Seite fest. „Du kannst doch nicht in einer niedrigeren Position arbeiten wollen, während dein Bruder alles übernimmt. Ich habe genug Geld durch den Verkauf des Ladens, dass du dir deine eigene Ranch kaufen könntest. Oder kauf einfach diese von deinem Bruder und schick ihn stattdessen aufs College.“

Sie drehte sich um und sah ihn an. „Wieviel Geld hast du?“

„Fünfunddreißigtausend Dollar.“ Er streckte sein Kinn vor. Er hatte das Geld eingenäht im Innenfutter des Handkoffers gefunden. Wenn Ed Harvey und den anderen etwas von dem Geld verraten hätte und er dann damit verschwunden wäre, wäre Ed nicht mehr lange in dieser Welt.

„Ach du meine Güte!“ Lizzie hielt sich am Sitz fest und wackelte an den Zügeln, sodass die Pferde anfingen zu springen und die ganze Kutsche einen Moment lang ruckelte. „Warum bist du hierhergekommen? Du könntest tun was immer du auch willst. Heiraten wen immer du auch willst mit diesem Geld.“

„Ich wollte lernen, eine Ranch zu leiten und ich wollte bei dir sein. Deine Briefe haben viel in meinem Leben verändert.“ Er drehte seinen Körper, sodass er sie im Profil betrachten konnte und sagte dann leise: „Du bist mir wichtig, Lizzie.“

Ed log nicht. Lizzies Briefe an Malcom waren es, die ihn davon überzeugt hatten, die Gang zu verlassen und hierherzukommen. Ein anderer, besserer Mann zu werden. Er wollte alles von ihr lernen, was er nur lernen konnte. Und vielleicht gab es ein paar Dinge, die er auch ihr beibringen konnte.

„Naja“, sagte sie nach kurzer Stille. „Ich habe nichts dagegen, dir alles beizubringen.“

„Ähm, Lizzie?“ Sein Magen drehte sich um.

„Ja?“

„Wie soll ich dir den Hof machen? Wird der Rest deiner Männer nicht eifersüchtig auf mich sein?“

„Ich werde ihnen sagen, dass du mein Verlobter bist und dass sie dir helfen sollen, wo sie nur können. So kannst du von ihnen lernen und dann werden sie sich nichts denken, wenn du mich auf einen Ausflug mitnimmst oder manchmal zum Abendessen rüberkommst. Meistens essen wir alle zusammen, aber an besonderen Anlässen, zum Beispiel, wenn Daddy für ein paar Wochen zuhause war, hatten wir spezielle Abendessen nur für die Familie.“

Sie schlug die Pferde nochmals mit den Zügeln.

„Dein Vater war viel unterwegs. Wieso eigentlich, wenn er so eine große Ranch hatte?“

„Genau das ist es. Sie ist so groß, dass er gereist ist um Verträge abzuschließen, Vorrat zu kaufen und Verkäufe zu arrangieren. Es kam mir immer so vor, als sei er mehr gereist, als er überhaupt zu Hause war.“

„Müssen du und ich genau so viel reisen?“

„Nein. Ich schließe die meisten unserer Verträge per Post ab, außer es ändert sich etwas. Wir haben seit ein paar Jahren dieselben Käufer. Hauptsächlich die Streitkräfte. Ich kann nicht so reisen wie es Daddy gemacht hat. Das will ich nicht. Ich kann nicht so lange von meiner Familie fernbleiben. Ich werde nicht so lange von ihnen fernbleiben.“

„Das wird für mich eine Umstellung sein, eine Familie zu haben.“

„Stimmt, ich habe vergessen, dass du gerade letztes Jahr deine Mutter verloren hast. Tut mir leid…“

Er zuckte zusammen. Ich muss mir diese Briefe nochmal ansehen. Ich erinnere mich nicht daran, dass sie mir Beileid für meine Mutter, Mals Mutter, ausgesprochen hat. „Mach dir keine Gedanken darüber. Sie ist von uns gegangen und ich habe mich an die Tatsache gewöhnt. Ich werde aber nie aufhören, sie zu vermissen.“

„So geht es mir mit Daddy. So sehr ich mich an seine lange Abwesenheit gewöhnt hatte, wusste ich doch immer, dass er wieder zurückkommt. Jetzt tut er das nicht mehr und das tut weh.“

Sie drehte ihren Kopf zur Seite.

Ed sah noch, wie eine Träne ihre Wange herunterlief. Sie saßen nah genug beieinander, dass er seinen Arm um sie legen konnte. Also tat er das und versuchte, sie zu trösten.

Lizzie drehte sich zu ihm, ihre braunen Augen waren mit Schmerz erfüllt.