Verlag: Emons Verlag Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Gestern Nacht im Taxi - Sascha Bors

Die Köchin muss zur Frühschicht, der Kellner heim. Die Touristen wollen zum Club, der Kiffer zum Dealer. Sie sucht Streit, er sucht eine Prostituierte. Der Australier will zum Hotel, der Däne kotzt gleich vor Ort. Und sie alle sitzen im Taxi. In lakonischem Plauderton erzählt Sascha Bors von seinen Begegnungen mit gestrandeten Gestalten, schrägen Vögeln und auch immer wieder mit normalen Menschen.

Meinungen über das E-Book Gestern Nacht im Taxi - Sascha Bors

E-Book-Leseprobe Gestern Nacht im Taxi - Sascha Bors

Mit Dank an Christian und Andreas für die Zeitungsanzeige.

Umschlaggestaltung: init, Büro für Gestaltung, Bad Oeyenhausen ©2015 Emons Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten Lektorat: Marit Borcherding, München eBook-Erstellung: CPI books GmbH, LeckISBN 978-3-86358-832-8

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Taxifahren ist total einfach

Taxifahren ist wirklich total einfach: Man wartet, ein Fahrgast steigt ein, er sagt, wo es hingehen soll, und dann fährt man als Fahrer dorthin. Vielleicht nach einem Blick auf eine Karte, vielleicht, nachdem man das Navi programmiert hat. Man kann nicht alles wissen. Aber ansonsten: total einfach.

Das hört man nicht oft von Taxifahrern und das liegt unter anderem daran, dass es australische Touristen in himmelblauen T-Shirts gibt.

Als ich wie so oft an meiner liebsten Taxihalte am Berliner Ostbahnhof stand und ihn auf mich zukommen sah, stellte ich schon von Weitem fest, dass nicht nur das T-Shirt blau war. Der jugendlich aussehende Kerl mit kurz geschorenen Haaren hatte erstens gut einen im Tee, zweitens wurde auch seine Haut langsam blau. Wenig verwunderlich, wenn man im tiefsten Januar in einem kurzärmligen Hemd herumrennt. Er tippelte ein wenig um mein Taxi herum, dann stieg er mit Schwung ein, wirklich jämmerlich frierend, und stammelte:

»Hey man, can you bring me to my hostel?«

»Of course.«

Der Kunde sagt, wo er hin will, und ich fahre hin. Ganz einfach.

»Where is your hostel, what’s its name?«

»I don’t know the name. It started with a C. But the name of the place is Platz.«

Grandios! Man sagt Berlin nicht ohne Grund nach, wegen der Größe der Stadt für Taxifahrer ein besonders hartes Pflaster zu sein. Deswegen müssen wir für die sogenannte Ortskundeprüfung auch ziemlich viel lernen. Hunderttausende von Strecken, wenn man ganz sicher bestehen will. Aber nicht einmal bei dieser hochnotpeinlichen Befragung würde jemand auf die Idee kommen, uns von einem Hostel nur den Anfangsbuchstaben zu nennen. Und selbst Plätze hat Berlin mehr als die meisten mittelgroßen Städte in Deutschland Häuser haben.

Aber nun stand ich da. Mit einem Australier im Gepäck, der laut eigenem Bekunden ein bisschen mit den Jahreszeiten durcheinandergekommen war und kurz davor stand, zu erfrieren.

Wir fingen an, alle möglichen Hotels und Hostels durchzugehen. Vergeblich. Dasselbe bei den Plätzen. Er sollte an einer Bahnlinie liegen, unweit eines anderen Platzes. Da mein gestrandeter Australier aber nicht zwischen Fernzügen, Straßen-, U- und S-Bahnen unterschied, war das nur bedingt hilfreich.

Taxifahren ist total einfach. Wenn der Kunde weiß, wo er hin will.

Ich warf mit Hostel- und Platznamen um mich, fast so wild wie damals, als ich noch für die Prüfung lernte. Nur viel planloser und willkürlicher. Mein Fahrgast erkannte die schwierige Lage und schlug vor, zum Potsdamer Platz zu fahren. Das kam ihm irgendwie bekannt vor.

Wahrscheinlich aus einem Stadtführer, denn er versicherte mir, dass da, wo sein Hostel war, keine Hochhäuser stehen würden. Was bedeutete, es könnte sich überall befinden– außer am Potsdamer Platz. Denn dort sind die Hochhäuser nicht zu übersehen, sonst hat Berlin eher wenig hohe Gebäude aufzuweisen und ist im Laufe seiner Geschichte mehr in die Breite gewachsen.

Aber er überzeugte mich, doch erst einmal loszufahren. Ich startete das bislang ausgeschaltete Taxameter und folgte recht skeptisch gestimmt seiner bescheidenen Anweisung. Im schlimmsten Fall würde es halt eine teure Fahrt im Kreis werden, mit Gelegenheit für meinen himmelblauen Australier, sich etwas aufzuwärmen.

Aber hieß seine Unterkunft nun Central Hostel oder Cesar’s? Beide Namen sagten mir nichts, aber ich hätte sie nachschlagen können. Condor oder Como? Castle oder Cyber? Mir war unbegreiflich, wie sich jemand nur einen einzelnen Buchstaben merken konnte.

Glücklicherweise fluchte er ein wenig vor sich hin, während er weiterhin überlegte, ob er mir sein Ziel besser beschreiben könnte, denn dabei fielen irgendwann – unter vielen anderen– folgende Worte:

»Where’s that fucking Christ Hostel?«

Christ? Das hatten wir noch nicht. Könnte es vielleicht ein Christoph…

»Ey! Do you mean the St.Christopher’s Hostel?«

»Hell yeah!«

Ich sah mich kurz um, und als ich keine Streifenwagen in der näheren Umgebung ausmachen konnte, riss ich das Steuer theatralisch herum und wendete illegal mitten auf der Leipziger Straße, um endlich das Ziel anzusteuern. Das St.Christopher’s Hostel! Natürlich!

Mein durchgängig blauer Fahrgast hatte mit all seinen Umschreibungen Recht: Das Hostel liegt am Rosa-Luxemburg-Platz, nur eine U-Bahn-Station vom Alexanderplatz entfernt. Weshalb sich der Held von Down Under ausgerechnet »Platz« gemerkt hat, wollte mir nicht in den Kopf gehen. Hätte er nur Rosa oder Luxemburg im Gedächtnis behalten, oder dass der Platz nach einer Person benannt ist oder vielleicht, auch wenn das falsch gewesen wäre, nach einem Land! Meinetwegen auch, dass es ein Doppelname war oder dass ein X darin vorkam. Er hätte nach einem Laos-Ratzenberg-Platz fragen können, ich wäre umgehend darauf gekommen. Stattdessen: Platz. Meine Fassungslosigkeit als hauptberuflicher Auskenner war wirklich grenzenlos.

Doch statt meinem Fahrgast das alles an den Kopf zu werfen, machte ich gute Miene zum bösen Spiel und setzte einen enorm glücklichen – und inzwischen aufgeheizten– Menschen vor seinem Hostel ab. Endgültig verflog mein Ärger, als er sein Portemonnaie auspackte. Es war glücklicherweise nicht himmelblau, dafür aber gut gefüllt. Er leerte das Kleingeldfach einfach komplett in meine Hand, nachdem er mit einem Zehner bereits den Großteil des aufgelaufenen Taxameterpreises beglichen hatte. So ist das mit dem Taxifahren auch manchmal: Um sieben Euro Trinkgeld zu bekommen, genügt es, fünf Minuten die Klappe zu halten. Ansonsten ist es – wie schon erwähnt– wirklich total einfach.

Als Schwabe in Berlin

Vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Sascha, 1981 in Stuttgart geboren und schon ein paar Jahre als Taxifahrer in Berlin unterwegs. Im Gegensatz zu den meisten meiner schwäbischen Landsleute treibe ich nicht in Prenzlauer Berg die Mieten in die Höhe, sondern freue mich seit 2007 darüber, dass es in Marzahn noch Wohnungen gibt, die man sich auch als Niedriglohnjobber leisten kann.

Dass ich, statt ganz im Geiste der Kehrwoche den Gehweg vor dem Haus selbst zu reinigen, auf die Berliner Stadtreinigung schimpfe, weil die das nicht tut, macht aus mir schon fast einen vorbildlichen Einheimischen. Ich mag Berlin, wie es ist. Trotz aller Überheblichkeiten hin und wieder noch anarchisch, dreckig und ein bisschen unberechenbar. Ich bezweifle, dass mir meine Arbeit in Stuttgart so viel Spaß machen würde. Die Städte könnten unterschiedlicher nicht sein: In Berlin fallen vom pompösen neuen Hauptbahnhof Stahlträger zu Boden, wenn es windet– in Stuttgart vergräbt man den Bahnhof lieber gleich mitsamt dem Geld, das er kostet. Nein, ich mache den Job hier nicht, um die Promis von der Berlinale zu fahren, ich hoffe nicht auf ein Treffen mit Regierungsvertretern. Viel lieber freue ich mich seit Jahren in der Nachtschicht auf Menschen, die es nur hier gibt oder die nur hier so sind, wie sie sind. Dazu zählen auch Touristen, die es sich in Berlin mal gut gehen lassen.

»Kenndsch ons zom Relaxa-Hodell fahra?«

»Das Relaxa? Stuttgarter Hof?«

»Woher woiß der jetzt, dass mir aus Stuergard senn?«

Gute Frage, liebe Freunde der Nacht! Da kamen sie zu sechst angetorkelt und machten der Eigenwerbung ihres Bundeslandes alle Ehre, indem sie vollständig auf Hochdeutsch verzichteten. Angetrunken und in einer größeren Gruppe erlauben es sich sogar Schwaben mal, im Feindesland Dialekt zu sprechen.

Kunden aus meiner alten Heimat hatte ich hier schon von Anfang an. Gleich in meiner ersten Woche als Taxler ist bei mir eine dauergewellte Frau Mitte Fünfzig eingestiegen, begeistert, euphorisch, erleichtert. Und sie sagte:

»Ha! Endlich amoal a echder Berliner Daxifahrer! Sie kennet mir sicher a baar G’schichde aus ihreme Lääba erzähla!«

Das Missverständnis hielt freilich nur kurz. Für Smalltalk bin ich mit ausreichenden Hochdeutschkenntnissen ausgestattet, aber just die Nachbarn von früher bemerken schnell den einen oder anderen vertrauten Zungenschlag.

Bei den Partygängern, die zum Relaxa-Hotel wollten (das tatsächlich den Beinamen »Stuttgarter Hof« trägt), war das nicht so. Sie hielten sich erst seit zwei Tagen in Berlin auf und zeigten sich während unserer Fahrt durch Kreuzberg immer noch ziemlich erschlagen davon, wie viel mehr Großstadt über Stuttgart hinaus möglich ist. Der Alkohol war bei ihnen reichlich geflossen, und sie verbreiteten die absurdeste Unwahrheit über Berlin, die man nur von sich geben kann: dass hier alles gleich aussehen würde. Eine Aussage, die nur bedeuten konnte, dass sie die kurze Strecke vom Schlesischen Tor bis zum Moritzplatz bereits für eine Stadtdurchquerung hielten.

Berlin hat 96Ortsteile und wir bewegten uns bislang innerhalb eines einzigen. Davon aufs gesamte Stadtgebiet zu schließen, war selbst für meine Landsleute ein wenig peinlich. Und arm an Peinlichkeiten erscheinen wir ja schon des Dialekts wegen nicht.

Darüber hinaus war es im Auto insgesamt ziemlich laut, bei so einer großen Gruppe auch kein Wunder. Ich hab für die Tour sogar die Zusatzsitze ausklappen müssen. Darüber beschweren wollte ich mich nicht, immerhin bedeuteten die fünfte und sechste Person je 1,50Euro Zuschlag. So ist das mit den Großraumtaxen in Berlin geregelt: Wir sind immer zum Normalpreis unterwegs, nur die wirklich großen Gruppen zahlen einen Aufpreis. Eigentlich toll für die Kundschaft, wenn sie’s denn glauben würde. Die Versuche von Einzelpersonen, mich zu überreden, ihnen einen inexistenten Großraumtarif zu erlassen, sind unzählig.

Nun aber transportierte ich sechs junge Männer, allesamt vielleicht gerade mal volljährig. Wie fast zu erwarten, musste ich Rede und Antwort stehen übers Rotlichtgewerbe in Berlin. Als ob ich bloß meines Berufs wegen irgendetwas Grundsätzliches über eine Szene sagen könnte, die mit Tausenden Menschen in Hunderten Etablissements auf 900Quadratkilometern verteilt ist. Klar konnte ich ihnen erzählen, dass wir hier nicht den einen Strich haben. So manchen Preis hatte ich auch im Kopf, aber bei der Frage, ob »die Mädels au scharf« wären, musste ich passen.

Daran gewöhnt man sich als Taxifahrer einer Millionen-Metropole: Man wird viel gefragt, aber wissen kann man das längst nicht alles. Ich wurde schon nach den hygienischen Zuständen bestimmter Bordelle ausgequetscht, ebenso nach »einem günstigen Hotel, das mich auch jetzt um 5Uhr noch reinlässt, damit ich noch drei Stunden pennen kann«. Man bat mich zu bewerten, ob dieser oder jener Imbissstand gut wäre oder ob das Essen im Adlon genießbar sei. Die Bettenqualität des Park Inn wollte ein Geschäftsmann dereinst von mir in Erfahrung bringen, einem jungen Touristen ging es stattdessen um die nächste Bezugsquelle von Koks– aber bitte möglichst wenig gestreckt. Meine Kunden würde es auch erfreuen, wenn ich den Altersdurchschnitt der Besucher in bestimmten Clubs kennen würde, oder die Getränkepreise in allen Bars und grundsätzlich jeden Platz, wo genau das gespielt wird, was mir die Fahrgäste äußerst präzise als »gute Musik« beschreiben.

Der Sechsertruppe musste ich nun eine Absage erteilen, was sie nicht davon abhielt, mich gleich wieder herauszufordern: »Ond wo gibt’s jetz’ glei no den Billig-Döner für fuffzigCent?«

Ja, gute Frage! Im Grunde überall und nirgends. Wenn einem Döner derart nachgeschmissen werden, dann selbst in Berlin nur im Rahmen irgendwelcher Sonder- und Neueröffnungsangebote. Also teilte ich dem bunten Haufen im Fond mit, dass sie besser mal mit 2,00 bis 2,50Euro rechnen sollten.

»Boah, zwei Euro!? In Stuttgart zahlt man mindestens dreifuffzich!«

»Vierfuffzich! Ützel-Brützel kostet sogar vierfuffzich!«

Damit haben sie mich nicht wirklich geschockt. Ich kannte Stuttgart ja. Und zwar deutlich besser, als die Jungs ahnen konnten. Aber es hat mich gereizt, zu testen, wie sehr sie bei der Sache waren. Also hab ich sie gefragt, ob es denn den Pinar am Rotebühlplatz noch gäbe. Das war in Stuttgart zu meiner Zeit einer der bekanntesten und angeblich besten Dönerläden, und es hätte den sechs Stoffeln eigentlich auffallen müssen, dass hier etwas nicht stimmte: Ein Berliner Taxifahrer kennt einen Stuttgarter Imbiss inklusive Adresse. Ist ihnen aber nicht aufgefallen. Nur einer fragte nach einer Weile angestrengten Diskutierens, ob ich denn schon einmal dort gewesen wäre.

Was folgte, war ein eher rituelles Rumgegacker, wie toll das doch wäre, dass wir alle aus einer Stadt kämen, et cetera bla Keks. Zögerlich meldete sich einer aus der letzten Reihe, ein schmächtiger Junge mit gerade mal frisch sprießendem Flaum auf der Oberlippe, und wollte nochmals etwas zum Thema Prostituierte wissen. Ich drehte mich mit gespielt ernstem Gesichtsausdruck um und sagte: »Nein, ich hab auch keine Ahnung, wo es in Stuttgart scharfe Mädels gibt!«

Waren die Stuttgarter allesamt furchtlos unterwegs, so merke ich doch immer wieder bei mitfahrenden Touristen, dass ich inzwischen ein anderes Bild von Berlin habe als viele von ihnen. Eines, das trotz Nachtschicht und potenziell gefährlichem Beruf nicht auf Ängsten fußt. Ständig werde ich gefragt, ob ich mich nicht fürchten würde und ob man diesen oder jenen Stadtteil eigentlich nach 20Uhr überhaupt noch betreten könne. Und bei allen Böses verkündenden Zeitungsmeldungen kann ich als Zugewanderter inzwischen nur sagen: Eigentlich ist das alles wesentlich weniger schlimm als erwartet. Natürlich gibt es in einer Millionenstadt Konflikte, Kriminalität und Gewalt. Da reichen mir meine bescheidenen Mathematik- und meine etwas besser fundierten Menschenkenntnisse aus, um mir das auszumalen. Tatsächlich aber kommen auch hier in der Hauptstadt nach Einbruch der Dunkelheit nicht ausschließlich Psychopathen aus ihren Löchern gekrabbelt, sondern es sind überwiegend nette Leute unterwegs.

Noch einen Schritt der Erkenntnis weiter sind natürlich die Ureinwohner. Während der Biermeile – einem Fest, das nicht einmal mit seinem Namen verheimlicht, dass es dort nur ums Saufen geht– landeten mir Fahrgäste im Taxi, die sich mit ihrer ganz eigenen Realität längst versöhnt hatten. Eine Gruppe aus teilweise sicher bereits verrenteten Männern und Frauen, die Haarfarbe grau überwog, die sich, sobald sie den Mund aufmachten, als waschechte Berliner erwiesen:

»Bringense uns ma’ in die Emser Straße nach Neukölln. Da, wo imma die Schießereien sind.«

»Schießereien?«, wurde besorgt von einem mitreisenden älteren Herrn gefragt. »Na logo!«, erwiderte eine Frau mit Dauerwelle und geblümtem Kostüm: »Derletzt ers’ wieda. Der Klaus kann dir de Einschusslöcher am Laden gejenüber zeijen!«

Ich lauschte schon da mehr als gespannt, dann kam die ziemlich ängstliche Nachfrage, ob das denn nicht doch ein wenig hart wäre und man nicht Angst haben müsse, wenn man dort wohnt. Wir passierten gerade das Kottbusser Tor, auch nicht gerade ein Symbol für den friedlichen Teil Berlins, da kam ohne Umschweife folgende Antwort:

»I wo! Dit sin’ ja nur die Gangs. Dit is’ nu ja nur so untaananda. An uns Zivis trauen die sich nüscht, wa Klaus?«

»Nee, dit is’, dit wär nur schwierig, wenn wa hier ins Drogenjeschäft einsteijen wollten, dann wär dit schwierig.«

Ein Schrööm auf der Durchreise

Die romantische Vorstellung vom Taxifahren lässt ein Phänomen immer aus: das teilweise stundenlange Warten auf Fahrgäste. Und so angenehm man sich die Zeit inzwischen machen kann, romantisch ist daran nicht viel. Man sitzt im Auto, sieht fern, klickt sich durchs Internet, liest oder hört Radio. Mit viel Glück kennt man einen Kollegen am Stand, der einem entweder vorjammert, wie schlecht, oder noch schlimmer: wie gut das Geschäft gerade läuft. Ich nenne manche von ihnen schon die Millionärs-Kollegen, da sie jeden Tag immer mindestens einen Zehner Umsatz mehr als alle machen, mit denen sie sprechen. Den Verdienst betreffende Angeberei ist auch unter Taxifahrern nicht ganz unbekannt. Aber trotz dieser teils unfreiwillig amüsanten Gespräche ist Warten immer wieder aufs Neue langweilig und frustrierend. An diesem Tag sollte ich ohne dieses öde Ritual auskommen.

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