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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Pädagogik - Wissenschaftstheorie, Anthropologie, Note: 2,0, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Veranstaltung: Anthropologie und Ethik, Sprache: Deutsch, Abstract: „Männer sind anders – Frauen auch“, „warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ – diese und viele andere Titel aus dem populär-wissenschaftlichen Spektrum beschäftigen sich mit dem Symptom, dass es scheinbar zweierlei Geschlechter gibt auf dieser Welt. Dabei steht weniger die Analyse im Vordergrund, welchen Vorteil dies mit sich bringt oder wie die Differenzierung näher definiert werden kann, als vielmehr handlungspraktisch, wie zwischen den Geschlechtern eine Kommunikation stattfinden kann. Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich dabei recht schnell die Frage, inwieweit denn die Grundannahmen, die hierbei meist implizit getroffen worden sind, denn wirklich gelten? Daran soll auch das erste Kapitel im Folgenden anknüpfen; der Frage wieweit denn die klassischen Geschlechterspezifizierungen überhaupt tragbar sind. Nach dieser Erörterung soll anhand von Zahlen und in zwei Beispielen auf die konkreten Unterschiede eingeganden werden. Weiter soll durch die Darstellung von sexueller Aggression gezeigt werden, wie stark die erfassten Unterschiede von der Art der Fragestellung und den Ausgangsthesen abhängt. Bei der näheren Betrachtung von Gewalt in Partnerschaften ist es v.a. interessant zu sehen, wie damit in der Öffentlichkeit umgegangen wird. Somit schließt sich auch wieder der Rahmen der durch das Thema: Geschlecht – Gewalt – Diskurs vorgegeben ist. Im letzten Kapitel werden die Erkenntnisse zusammengetragen und miteinander verglichen.
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Veröffentlichungsjahr: 2007
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1 Einleitung
2 Was ist Geschlecht?
2.1 Biologische Merkmale von Geschlecht
2.1.1 Das chromosomale oder genetische Geschlecht
2.1.2 Das somatische und morphologische Geschlecht
2.2 Drei Ebenen von Geschlecht
2.2.1 Geschlecht als biologisches Merkmal
2.2.2 Geschlecht als psychologisches Merkmal (Selbstkonzept)
2.2.3 Geschlecht als soziale Kategorie (Außenperspektive)
2.2.4 Gleichheit und Unterschied
2.3 Androgynie
2.4 Zusammenfassung
3 Bestimmung von Gewalt
4 Sexuelle Aggression
4.1 Definitionen sexueller Aggression
4.1.1 Juristische Definition
4.1.2 Forschungsdefinitionen
4.1.3 Alltagsdefinitionen
4.2 Offizielle Daten
4.3 Anmerkungen zur Forschung im Bereich sexueller Aggression
4.4 Zusammenfassung
5 Gewalt in Partnerschaften
5.1 Problematik der Präventionsmaßnahmen
6 Zusammenfassung
7 Literaturverzeichnis
„Männer sind anders – Frauen auch“, „warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ – diese und viele andere Titel aus dem populär-wissenschaftlichen Spektrum beschäftigen sich mit dem Symptom, dass es scheinbar zweierlei Geschlechter gibt auf dieser Welt.
Dabei steht weniger die Analyse im Vordergrund, welchen Vorteil dies mit sich bringt oder wie die Differenzierung näher definiert werden kann, als vielmehr handlungspraktisch, wie zwischen den Geschlechtern eine Kommunikation stattfinden kann.
Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich dabei recht schnell die Frage, inwieweit denn die Grundannahmen, die hierbei meist implizit getroffen worden sind, denn wirklich gelten?
Daran soll auch das erste Kapitel im Folgenden anknüpfen; der Frage wieweit denn die klassischen Geschlechterspezifizierungen überhaupt tragbar sind. Nach dieser Erörterung soll anhand von Zahlen und in zwei Beispielen auf die konkreten Unterschiede eingeganden werden. Weiter soll durch die Darstellung von sexueller Aggression gezeigt werden, wie stark die erfassten Unterschiede von der Art der Fragestellung und den Ausgangsthesen abhängt. Bei der näheren Betrachtung von Gewalt in Partnerschaften ist es v.a. interessant zu sehen, wie damit in der Öffentlichkeit umgegangen wird.
Somit schließt sich auch wieder der Rahmen der durch das Thema: Geschlecht – Gewalt – Diskurs vorgegeben ist. Im letzten Kapitel werden die Erkenntnisse zusammengetragen und miteinander verglichen.
Fragt man jemanden nach seinem Geschlecht, so kriegt man i.d.R. eine sehr klare Aussage „ich bin ein Mann“ oder „ich bin eine Frau“. Beim Nachhaken, woran das denn festgemacht wird, wird überwiegend auf körperliche Eigenschaften und vor allem auf die Geschlechtsorgane verwiesen.
Diese einfache Unterscheidung wird spätestens dann schwierig, wenn man nicht mehr von der Mitte sondern von den Rändern versucht, sich diesem Thema zu nähern. Welches Geschlecht haben Menschen mit nicht eindeutigen Geschlechtsorganen oder wieso gibt es Individuen, die von sich behaupten, im falschen Körper zu stecken - also das falsche Geschlecht zu haben.
Es zeigt sich, dass sich die Frage nach dem Geschlecht nicht alleine auf die biologischen Merkmale reduzieren lässt.
Im Folgenden werden verschiedene Differenzierungen aufgezeigt. Degenhardt analysiert Geschlecht über biologische und physiologische Differenzierung. Abele macht drei Ebenen von Geschlecht aus: Neben dem biologischen und dem psychologischen Merkmalen, ergänzt sie die Betrachtung um die der Außenperspektive, also Geschlecht als soziale Komponente. Als dritte Annährung wird das Androgynie-Konzept vorgestellt, das Männlichkeit und Weiblichkeit orthogonal zueinander setzt und so neue Dimensionen eröffnet
Das Geschlecht wird genetisch bestimmt durch das Sperma des Vaters. Ein weiblicher Embryo ist durch die Geschlechtschromosomenkombination XX bestimmt und ein männlicher durch XY. Aus einer zunächst geschlechtsneutralen Keimdrüse bildet sich aus dem Mark die Hoden bzw. aus der Rinde der Eierstock bei weiblichen Föten. (vgl. Rauh, 1995 S. 175 f)
Durch die Ausschüttung von Hormonen sowohl durch die Mutter als auch durch den Fötus werden die spezifischen genitalen Geschlechtsmerkmale gebildet. Dies geschieht zwischen dem 3. – 6. Monat. Während die chromosonale Bestimmung des Geschlechtes eindeutig ist, gibt es bei der Ausprägung der organischen und neuronalen Ausbildung zwischen den beiden Geschlechtern Differenzierungsmöglichkeiten.
Durch die hormonelle Steuerung werden bestimmte somatische Ausformungen vorgenommen. Dadurch entstehen neben den spezifischen Geschlechtsorganen auch der Hypothalamus. Auch dieser arbeitet insofern geschlechtsspezifisch, da dieser festlegt, ob die Hormone zyklisch bei Frauen oder azyklisch für das männliche Geschlecht ausgeschüttet werden.
Neben der Entwicklung der Fortpflanzungsorganen, der sekundären Geschlechtsmerkmale und der höheren Nervenzentren bewirken die Sexualhormone auch bestimmte morphologische Differenzierungen. So wird das Becken bei der Frau etwas breiter ausgebildet und das Skelett eher rumpfbetont, während beim Mann ein höherer Muskelanteil gebildet wird. (vgl. Degenhard 1981 S. 6ff)
Auch für Degenhard ist klar, dass sich keine eindeutig zuordenbare Aussagen aus dem biologischen Geschlecht ziehen lassen, vielmehr komplexe Wechselwirkungen zwischen der persönlichen Sicht und gesellschaftlichen Rollen vorliegen.
Abele orientiert sich bei der Analyse von Geschlecht nicht allein an der biologischen Dimension. Vielmehr setzt sie dieser zwei weitere gegenüber: die Außenperspektive, mit der jeman wahrgenommen wird und die Innenwahrnehmung.
Abbildung 1: Grafik nach Abele 2001 S. 10
Es gibt biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen. (hormonelle Struktur, Körperbau). Dies wurde im vorhergehenden Kapitel bereits näher dargelegt. Daneben kann Geschlecht auch noch aus zwei weiteren Perspektiven betrachtet werden: wie nimmt man sich selbst wahr und wie wird von außen wahrgenommen
Jede Person hat Anteile in ihrem Selbstkonzept, die sich darauf beziehen, wie man sich selbst als Mann oder Frau sieht. (vgl. Abele 2001 S 10)
Wenn man eine Person sieht, kann man sie relativ leicht einem Geschlecht zuordnen. Darüber hinaus werden durch diese Zuordnung bestimmte Erwartungen generiert und Eigenschaften erwartet was wiederum zu selektiver Aufmerksamkeit für „typisch männlich/weibliches“ führen kann. (vgl. Abele 2001 S 10)
Diese drei Ebenen interagieren miteinander. Aufgrund der biologischen Ausprägung von Geschlecht wird die Außenperspektive bestimmt. Die Innenperspektive wiederum ist durch die Außenperspektive beeinflusst und zu einem gewissen Grade geschieht auch eine Veränderung der sozialen Kategorien durch verändertet Selbstkonzepte bei Männern und Frauen. (vgl. Abele 2001 S 10)
Es ist festzustellen, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in vielen Bereichen in neueren Untersuchungen abnehmen, sei es bei mathematischen Fähigkeiten aber auch sexuellen Einstellungen. Auch die Partnerwahlpräferenzen sind zwar tendenziell noch vorhanden, nehmen aber deutlich ab. Hier nehmen die Unterschiede mit steigendem Bildungsniveau ab.
Konstant sind die Unterschiede im Bereich der psychischen Störungen geblieben. So neigen Frauen dazu, „internalisierende“ Problemstellungen zu haben wie Depression o.ä.. Männer sind bei „externalisierenden Problemen überrepräsentiert. Dazu gehört Aggression und Autoraggression oder Drogenmissbrauch.
Sich verändernde Unterschiede deuten auf eine Kulturbedingtheit der Differenzen hin, während bei konstanten Unterschieden wie bestimmte psychische Störungen biologische Aspekte verstärkt betrachtet werden müssen
(vgl. Abele 2001 S 11f)
Das Androgyniekonzept hat sich in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt als eine Reaktion zum einen gegen einen Biologismus in der Geschlechterfrage und zum anderen aus dem Bestreben für Gleichberechtigung unter den Geschlechtern.
Der allgemeine Konsens sowohl in der Wissenschaft wie auch im Alltag besagte, dass das biologische Geschlecht hoch mit dem psychologischen korreliert. Die gesellschaftliche Rollenverteilung sowohl im Sinne von Arbeitsteilung wie auch von psychologischen Eigenschaften galt als Idealentwicklung für Mann und Frau. Eine gelungene Persönlichkeitsentwicklung galt eine an diesen Werten orientierte geschlechtstypische Entwicklung. (Alfermann 1992 S 284 f)
Das Androgynie-Konzept hat sich zum Ziel gesetzt, diese Polarisierung in männlich/weiblich aufzulösen. Es sollen nicht nur die Grenzen erweitert werden sondern die Persönlichkeitsentwicklung komplett von der Geschlechterfrage losgelöst werden. Somit sieht sich dieses Modell als ein Zwischenschritt bei dieser Entwicklung, da es noch mit den gängigen Begriffen arbeitet.
Es werden die Dimensionen Maskulinität und Feminität nicht als Pole einer Geraden mehr betrachtet sondern auf zwei orthogonal zueinander stehenden Dimensionen aufgetragen:
Abbildung 2: die zweidimensionalität von Maskulinität und Feminität
Als Pole der jeweiligen Achsen werden postiven und negativen Eigenschaften angesetzt. Es lassen sich aus dem Modell vier Typen unterscheiden:
Maskuline
Feminine
Androgyne
Undifferenzierte bzw. Unbestimmte
Von der theoretischen Ausgangssituation wird der Zusammenhang von Maskulinität und dem biologischen Geschlecht bzw Femininität mit dem weiblichen ignoriert. Es zeigt sich jedoch, dass dies sehr stark korreliert, es also eine relativ große Anzahl an maskulinen Männern und femininen Frauen gibt.
Als Idealbild wird in dieser Theorie der androgyne Mensch gesehen, der die positiven Eigenschaften sowohl von maskuliner wie von femininer Seit beinhaltet. Zwei Erklärungsansätze sollen hier kurz genannt werden: Nach dem additiven Modell bedeutet dies, das es auf die Summe der (positiven) Eigenschaften ankommt, um ein möglichst breites Handlungsspektrum zu besitzen. Das Kombinationsmodell postuliert, dass sich aus der Kombination beider ein neuartige Verhaltensmuster entwickeln und sich somit ein dritte Dimension entwickelt. Ersteres hat sich empirisch am besten bewährt, während letzteres selten anzufinden ist. (vgl. Alfermann 1992 S 286 ff)
Es wurden drei Ansätze aufgezeigt, sich der Bestimmung von Geschlecht zu nähern. Zum einen die rein biologische Sichtweise, eine Aufteilung in drei Ebenen von Geschlecht bis hin zu der Zweidimensionalität des Androgynie-Konzeptes.
Was einen zum jeweiligen Geschlecht gehörig macht, lässt sich nicht eindeutig sagen; vielmehr zeigt sich, dass ein Großteil der als typisch Mann/Frau betrachteten Eigenschaften innerhalb der des jeweiligen Geschlechts größeren Schwankungen unterliegt als zwischen den Geschlechtern (vgl. Bange, Enders 1997 S. 26). Am deutlichsten nimmt diese Erkenntnis der Androgynie-Ansatz auf, der sich auch klar als Zwischenstufe zur Auflösung der Stereotypen sieht und der Begrifflichkeiten männlich/weiblich im Sinne bestimmter zuordenbarer Eigenschaften.
Welchen Nutzen hat die Diskussion über die Geschlechtstypischen Eigenschaften? Handelt es sich dabei „nur“ um das Auflösen alltäglicher Stereotypen?
Als kleiner Ausblick soll hier die Diskussion um psychische Gesundheit genannt sein bei der nach der Abhängigkeit von maskulinen und femininen Eigenschaften gefragt wird. Es hat sich hierbei gezeigt, dass Menschen mit männlichen Eigenschaften oder mit androgynen gesünder sind als weibliche oder unbestimmte. An dieser Stelle setzt zugleich auch die Kritik am Androgynie-Konzept an, da hier eine Überlegenheit von Maskulinität sich aufzuzeigen scheint anstatt des androgynen. (vgl. Sieverding 1999; S. 49ff; Alfermann 1992 S. 289f)
Bischof-Köhler kommt aus biologischer Sicht zu einem anderen Ergebnis. Sie argumentiert bewusst gegen die Gleichheitshypothese von Mann und Frau und für einen klaren biologischen Unterschied. Wie ihrem Schlusssatz zu entnehmen mit dem gleichen Ziel, dass auch z.B. die Androgynie-Theorie verfolgt.
Zuerst wollen wir den Begriff Gewalt etwas näher definieren. Gewalt ist ein schwer zu fassender Begriff. Das liegt unter anderem auch darin, dass er umgangs-, bildungs- als auch wissenschaftssprachlich außerordentlich kontrovers verwendet wird.
Im sozialwissenschaftlichen Bereich wird er überwiegend dazu verwandt, die „empirischen Bedingungen der Entstehung, Verstärkung, der Abnahme und des Ausbleibens von Gewalttätigkeiten in Abhängigkeit zu weiteren Bedingungsbereichen unter Menschen zu erforschen.“ Im Gegensatz zu Aggression öffnet er den Horizont weg von einer rein individualisierten Sichtweise hin zu einem weiter gefassten Blickwinkel, der die gesellschaftlichen wie auch historische Dimensionen mit einbezieht.
Nach Galtung lässt sich Gewalt in unten dargestellten Facetten darstellen:
Abbildung 3
Aus: Kleber 2001 Kap. 2 S. 13)
Ist Gewalt von seiner semantischen Entwicklung her noch nicht eindeutig festgelegt, so wird der Begriff im heutigen Sprachgebrauch doch überwiegend betrachtet als „die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Menschen“. (Theunert 1996 in: Kleber 2001 2. Kap. S. 15)
Abbildung 4
Zusammenfassend lässt sich demnach feststellen, dass mit dem Begriff „Gewalt“ in seinem semantischen Bedeutungsgehalt Folgendes gemeint ist (vgl. Brockhaus 1997; Pfeifer 1989; Krey et al. 1986; Lukesch 1996):
Gewalt im Sinne eines auf einem Recht beruhenden „Macht- oder „Herrschaftsverhältnisses“;
Gewalt als Energie, Kraft, Stärke;
Gewalt als unrechtmäßiges und gewalttätiges Vorgehen gegenüber Personen oder Sachen.
Recht schnell kommt man von der Diskussion über Gewalt zwischen Geschlechtern zur sexuellen Aggression. Diesen Schritt wollen wir in diesem Kapitel tun um erst im nächsten auf allgemeine Gewalt einzugehen. Nach Hörmann gilt es, die Begriffe Gewalt und Aggression zu unterscheiden. Im Folgenden wird Krahé und Scheingerger-Olwig folgend, von sexueller Aggression gesprochen. Dies orientiert sich nach Kleber 2003 an einem engeren Aggressionsbegriff, der darunter „schädigendes, gewalttätiges Angriffsverhalten“ versteht. (vgl. Hörmann 2002 S. 4)
Den Diskussionsstand zusammenfassend macht Schubarth (1999, 32) darauf aufmerksam, dass die Begriffe „Gewalt“ und „Aggression“ zunehmend synonym verwendet werden (vgl. auch Lukesch 1996, 68). Der Gewaltbegriff ist dabei im Bereich der wissenschaftlichen Terminologie, vor allem in der Aggressionspsychologie, in Bezug auf besonders schwere Aggressionen als Teilmenge dem Aggressionsbegriff untergeordnet.
(Kleber 2001 2. Kap. S. 21)
Beispielhaft soll daran die Gewaltsituation zwischen Männern und Frauen aufgezeigt, die Erhebungsproblematika erläutert und auch auf die Dilemma der Forschungssituation hingewiesen werden.
Anhand dieses Kapitels sollen verschieden Problematiken aufgezeigt werden, welchen Schwierigkeiten die Bestimmung von Gewalt – in diesem Fall von sexueller Gewalt – unterliegen.
Drei Definitionsansätze beschreiben Krahé und Scheinberger-Olwig: Juristisch, auf Forschungssicht und in Alltagsperspektive
Erst im Jahre 1997 wurde das Gesetz dahingehend verändert, dass es auch sexuellen Missbrauch unabhängig des Geschlechtes erfasst. Bis dahin war durch die klare Bestimmung der Frau als Opfer zugleich implizit der Mann als Täter und die hetero-geschlechtliche Beziehung beschrieben.
Eine Vergewaltigung oder Nötigung begeht nach § 177 StGB, wer eine andere Person mit Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzen einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist, nötigt, sexuelle Handlungen
1. des Täters oder
2. einer dritten Person an sich zu dulden oder an
3. dem Täter oder
4. einer dritten Person vorzunehmen.
Je nach Härte steigert sich das Mindest-Strafmaß von einem bis zu 10 Jahren.
§ 179 regelt den Missbrauch widerstandsunfähiger Personen. Hier tritt ein Tatbestand ein, wenn der Täter eine andere Person, „die zum Widerstand aus seelischen, geistiger oder körperlichen Gründen unfähig ist, ‚dadurch missbraucht, dass er unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt’“. Aktiver Widerstand ist keine Vorraussetzung für die Strafbarkeit der Handlung. Mit der Überarbeitung 1997 wurde ebenfalls die Beschränkung auf außereheliche Sexualkontakte aufgehoben. vgl. Krahé, Scheinberger-Olwig 2002, S. 8f
Hier zeigt sich eine große Heterogenität der Ansätze. In einer vergleichenden Studie von Muehlenhard, Powch, Phelps und Giusti (1992) wurden vier verschiedene Dimensionen in denen sich die operationalisierten Definitionen unterscheiden:
