Verlag: Poppy J. Anderson Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2016

Gleich und gleich küsst sich gern E-Book

Poppy J. Anderson  

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E-Book-Beschreibung Gleich und gleich küsst sich gern - Poppy J. Anderson

Willow Fielding hat ein Problem: Sie ist New Yorkerin und lässt sich daher weder von gegen Schaufenster urinierenden Obdachlosen abschrecken noch lässt sie sich gerne herumkommandieren – auch nicht von triebgesteuerten Chefs, die ihr an die Wäsche gehen und nach einem grandiosen Wochenende die Kündigung ins Postfach legen wollen! Sowieso hält sie die Männerwelt für ziemlich eigenartig, schließlich scheint es so, als begnügten sich selbst intelligente Männer nur noch mit Frauen, die den IQ eines aufgetauten Toastbrots besitzen und den eigenen Namen nur mit einem Rechtschreibprogramm schreiben können. Matt Willis, den Willow durch ihren zukünftigen Footballschwager Eddie kennenlernt, gehört eindeutig zu dieser Sorte Mann. Schließlich führt er bei jeder Gelegenheit ein anderes Dummchen am Arm spazieren, das an seinen Lippen hängt. Frustriert beschließt Willow, genau dieses Thema in ihrer nächsten Kolumne zu verarbeiten. Dass sie damit in ein Wespennest sticht und sich ausgerechnet Matts Aufmerksamkeit sichert, führt zu einigen interessanten Begebenheiten.

Meinungen über das E-Book Gleich und gleich küsst sich gern - Poppy J. Anderson

E-Book-Leseprobe Gleich und gleich küsst sich gern - Poppy J. Anderson

Table of Contents

Title Page

Vorwort

Impressum

Newsletter

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

Kurzgeschichte: „Küsse bei Sonnenuntergang“

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

Leseprobe „Nur ein Kuss“

Die New York Titans-Reihe

Die Ashcroft-Saga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebesroman

 

 

 

Gleich und gleich

küsst sich

gern

 

 

 

 

 

 

Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

 

Band 13

 

 

 

 

 

1. Auflage April 2016

 

 

Copyright © 2016 by Poppy J. Anderson

Covergestaltung: Catrin Sommer rausch-gold.com

Unter Verwendung von © EkaterinaZemskova - shutterstock.com

© Eric Milos - shutterstock.com

© Ann Haritonenko - shutterstock.com

 

 

Korrektorat: SW Korrekturen e.U

 

www.poppyjanderson.de

poppyj.anderson@googlemail.com

 

 

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Markennamen sowie Warenzeichen, die in diesem Buch verwendet werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Alex, Mel und David – drei der besten Kollegen, die man sich nur wünschen kann!

Mit niemandem sonst möchte ich Tag für Tag Witze über rote Pullover, Online-Dating und Daves Vorliebe für Lederwesten reißen und mir dabei fast in die Hose machen.

Schön, dass es euch gibt!

 

 

 

 

 

Vorwort

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

ich freue mich, Ihnen mit „Gleich und gleich küsst sich gern“ den nächsten Band der Geschichten um die New York Titans zu präsentieren. Und ich hoffe, dass Sie viel Spaß mit Willow, die Sie bereits aus „Spiel ins Herz“ kennen, und mit Matt haben werden, der ebenfalls in „Spiel ins Herz“ eingeführt wurde.

Im Anschluss an den Roman haben Sie die Möglichkeit, den Kurzroman „Küsse bei Sonnenuntergang“ zu lesen, der im Zuge der „Aktion Herzgeschichten“ im letzten Winter veröffentlicht wurde. Hier treffen Sie auf bereits liebgewonnene Charaktere der vorherigen Bände.

Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

Ihre Poppy J. Anderson

 

 

 

 

 

Impressum

 

Poppy J. Anderson

c/o copywrite Literaturagentur

Georg Simader

Woogstr. 43

60431 Frankfurt

 

 

 

 

 

 

Newsletter

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

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Eure Poppy

 

 

P.S. Verpasst am Ende des Buches nicht die Leseprobe zu „Nur ein Kuss“!

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Kapitel

 

 

Willow Fielding hatte mit allem gerechnet, als sie das Büro ihres Vorgesetzten betrat, aber sicher nicht mit der distanzierten Miene, die Craig an den Tag legte, als er mit dem Schwermut eines Weltuntergangssektenanführers seufzte: „Ich finde, du solltest dir einen neuen Job suchen, Willow.“

Obwohl Willow in New York lebte, hier aufgewachsen war, erst letzte Woche einen Dieb direkt neben der St. Patrick’s Cathedral mit ihrer Handtasche verprügelt hatte und mehrmals in der Woche Zeuge wurde, wie sich ein Exhibitionist in der U-Bahn entblößte, war sie für einen kurzen Moment sprachlos.

Und das passierte ihr ziemlich selten.

Genau genommen passierte es nie, denn Willow war für eines bekannt: ihre große Klappe.

Leider ließ ihr offenkundiges Mundwerk sie gerade jetzt im Stich, als sie den blondhaarigen Craig anblinzelte und dabei dachte, dass ausgerechnet ein Mann, der bei einer angesagten Zeitschrift wie Close up arbeitete, keinen Anzug tragen sollte, dessen Farbe sie an Babydurchfall erinnerte.

Himmel!

Die Mitarbeiter dieser Zeitschrift berichteten wöchentlich über angesagte Partys, interviewten die Promis dieser Stadt und stellten aktuelle Trends vor – außerdem gab es einen nicht unerheblichen Teil innerhalb jeder Ausgabe, der sich lediglich um Mode drehte. Bei Modenschauen saß die Chefredakteurin stets in der ersten Reihe und war mit allen Designern, die etwas auf sich hielten, so vertraut, dass sie im Sommer an jedem Wochenende in eine andere Villa in den Hamptons eingeladen war. Aber der Leiter des Bereichs Celebrities trug einen durchfallgrünen Anzug, der sicherlich nicht nur bei Willow für latente Übelkeit sorgte.

Noch sehr viel mehr Übelkeit bereitete ihr jedoch der Gedanke, dass sie mit dem Mann im durchfallgrünen Anzug geschlafen hatte, als sie beide vor einigen Wochen zusammen nach Martha’s Vineyard gefahren waren, um über die Hochzeit des momentan angesagtesten Musikproduzenten Levitt Houston und der frischgebackenen Oscarpreisträgerin Chloe Stevens zu berichten. Es war nicht nur eine Sensation gewesen, dass das Paar Close up erlaubt hatte, exklusiv über ihre Traumhochzeit zu berichten, sondern es war Willows persönliche Sternstunde gewesen, dass ausgerechnet sie dazu auserkoren worden war, Craig dorthin zu begleiten.

Als mehrfache Studienabbrecherin mit zahlreichen Praktika und abgebrochenen Ausbildungen war sie nicht wirklich die herausragendeste Kandidatin gewesen, um den bekannten und allseits beliebten Journalisten Craig Gibson zu begleiten, der in jedem Club New Yorks augenblicklich einen Tisch bekam, wenn er dort auftauchte. Doch Willow hatte die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, ihre besten Kleider eingepackt und zusammen mit Craig und einem Kamerateam an der Hochzeit teilgenommen, über die landesweit berichtet wurde. Während der drei Tage vor Ort hatte sie den pedantischen Craig sogar so sympathisch gefunden, dass sie auf die dumme Idee gekommen war, mit ihm ins Bett zu gehen, als er am letzten Abend vor ihrer Hotelzimmertür stand und zwei Gläser Champagner in den Händen hielt, um den großartigen Bericht zu feiern.

Willow war weder von gestern noch war sie naiv und wusste daher, dass es vermutlich Craigs Masche war, beeindruckte Mitarbeiterinnen nach einem Außentermin in lauschigen Hotels mit Champagner zu bezirzen und dann ins Bett zu bekommen. Ihr war es einerlei gewesen, denn Craig war trotz seines Zwangs, sich alle fünf Minuten die Hände zu waschen, und trotz seines fragwürdigen Modegeschmacks sehr nett anzusehen, während Willow seit fast einem Jahr kein annehmbares Date mehr gehabt hatte und viel zu viel Zeit mit ihrem schwulen besten Freund verbrachte, sodass sie ohne viel Federlesen eine großartige Nacht mit Craig verbracht hatte.

Am nächsten Tag war sie wieder die engagierte Nachwuchsjournalistin gewesen, deren Texte bei den Redaktionssitzungen überraschend gut ankamen, und Craig war wieder der Ressortleiter gewesen, der einen grauenvollen Modegeschmack besaß. Beide hatten ihrer gemeinsamen Nacht keine Bedeutung beigemessen, weiterhin völlig normal miteinander gearbeitet und keinen Ton mehr über das verloren, was in ihrem Hotelzimmer vor fast zwei Monaten passiert war.

Mit gutem Gewissen konnte Willow von sich sagen, dass sie sich nicht hatte hochschlafen wollen, sondern dass Craig lediglich Mittel zum Zweck gewesen war, sich einen sehr befriedigenden Orgasmus zu beschaffen. Mehr war nicht dahinter gewesen.

Sie war eigentlich davon ausgegangen, dass auch Craig ganz ähnliche Überlegungen gehegt hatte, doch angesichts seiner Büßermiene, mit der er nun vor ihr an seinem grauenvollen Glasschreibtisch saß, sagte ihr intuitiv, dass Craig merkwürdigerweise auf jene Nacht zu sprechen kommen würde.

Noch bevor sie diesen Gedanken zu Ende gesponnen hatte, seufzte er tatsächlich schwermütig. „Ich wäre dir dankbar, wenn du Gloria einen Kündigungsgrund liefern könntest, der etwas mit deinem Privatleben zu tun hat.“

Ihre Sprachlosigkeit hielt weitere Sekunden an, bevor sie sich abrupt schüttelte, den durchfallgrünen Anzug vergaß und mit einem Anflug von beißender Ironie wissen wollte: „Habe ich irgendetwas verpasst? Wieso zum Teufel glaubst du, dass ich hier kündigen werde?“

Als wäre es das Normalste auf der Welt verkündete Craig, dieses selbstgerechte Arschloch: „Ich bin nun mit Tiffy zusammen und habe ihr erzählt, dass wir beide an jenem Wochenende auf Martha’s Vineyard miteinander geschlafen haben. Das hat ihr gar nicht gefallen.“

Verwirrt zwinkerte Willow und hatte keine Ahnung, was zum Teufel Craig ihr eigentlich sagen wollte. Gleichzeitig fragte sie verständnislos: „Tiffy? Welche Tiffy?“

Craig zog wie ein beleidigtes Kindergartenkind eine Schnute, weil es sein Mittagsschläfchen halten sollte, bevor er hoheitsvoll schniefte: „Welche Tiffy soll ich schon meinen, Willow? Ich meine natürlich unsere Tiffy!“

„Tiffy? Die Tiffy Talks Trends-Tiffy?!“

Willow konnte gar nicht anders, als sich mit offenem Mund abrupt zur Seite zu drehen und durch die Glaswand, die Craigs Eckbüro von der restlichen Redaktion trennte, zu schauen und Tiffy zu entdecken.

Tiffy, die eigentlich Tiffany hieß, stand gerade am Kopierer und starrte diesen an, als handele es sich um eine aus dem Kalten Krieg stammende Sojus-Kapsel mit nicht zu entziffernden kyrillischen Hieroglyphen, für deren Übersetzung man einen Wissenschaftler brauchte. Die Tatsache, dass Tiffy weder den Kopierer bedienen konnte, noch in der Lage war, sich zu merken, wer in den vergangenen fünf Minuten angerufen hatte, sprach eigentlich für sich. Leider war die Blondine, die sich an ihrem ersten Tag als Praktikantin bei Close up während der Mittagspause selbst als attraktiv und fotogen beschrieben hatte und die zur allgemeinen Belustigung einen YouTube-Kanal betrieb, strunzendoof.

Tiffy, die sich eine Beauty-Bloggerin nannte, obwohl ihr Kanal lediglich aus mit ihrem Handy selbstgedrehten Videos bestand, in denen sie sich schminkte, ihre Nägel lackierte oder ihre Zähne bleichte, war seit Kurzem bei Close up Praktikantin und schien keine Ahnung zu haben, dass sich die gesamte Belegschaft ihre Videos ansah und dabei Popcorn futterte. In der Redaktion waren ihre Videos bereits Kult – im negativen Sinne. Erst am letzten Wochenende hatte Tiffy ein paar neue Videos hochgeladen, in denen sie ihren Followern, von denen es gerade einmal ein Dutzend gab, gezeigt hatte, wie ihre abendliche Abschminkroutine aussah, welche Zahnseide sie benutzte und in welchen Farben sie ihr Badezimmer dekoriert hatte.

Der Anblick ihrer Toilette, die sie mit diversen Hello Kitty-Aufklebern verschönert hatte, war für Willow das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Seither hatte sie Tiffys Videos nicht mehr angeklickt, denn irgendwann war der Punkt überschritten, an dem sogar Trash nicht mehr zu entschuldigen war.

Allein die Tatsache, dass sich eine erwachsene Frau Tiffy nennen ließ, war ebenso erschreckend wie ihre ständigen Nachfragen, die allen Mitarbeiterin peinlich waren – bis auf Tiffy, die nicht zu verstehen schien, was der Begriff Fremdschämen bedeutete.

Erst gestern hatte sie der Chefredakteurin den gut gemeinten Rat gegeben, weniger Salz zu essen, da Frauen, die kurz vor der Menopause stünden, zu Wassereinlagerungen neigten und dann fett aussehen würden, obwohl sie es gar nicht wären. Willow wusste noch immer nicht, wer schockierter gewesen war: die Chefredakteurin Gloria, die tagtäglich zwei Stunden auf ihrem Stepper verbrachte und sich ausschließlich von Bio-Gemüse ernährte, oder die komplette Redaktion, die Tiffys Ratschlag mitbekommen hatte. Tiffy selbst hatte nichts Schlimmes an ihrem Kommentar gefunden, während Gloria allem Anschein nach zwischen einer Heulattacke und einem Wutanfall geschwankt hatte. Glücklicherweise hatte ein Anruf des Herausgebers sie davon abgehalten, Tiffy während der Redaktionssitzung zu kreuzigen.

Da Willow zwei Semester Kunstgeschichte studiert hatte, war sie nicht umhingekommen, sich das Gemälde von da Vinci vorzustellen, das das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern zeigte. Es hätte nämlich genauso gut die gestrige Redaktionssitzung zeigen können, wenn die porträtierten Figuren besser angezogen gewesen wären und im Hintergrund eine blutüberströmte Tiffy am Kreuz gehangen hätte. Nachdem sie nämlich Gloria gegen sich aufgebracht und alle Anwesenden in Schockstarre versetzt hatte, war ihr dann auch noch ein rassistischer Kommentar herausgerutscht, der sich gegen Karen aus der Buchhaltung gerichtet hatte.

Willow hatte mit offenem Mund dagesessen und zugehört, wie Tiffy die winzige Buchhalterin Karen wegen deren asiatischer Herkunft gefragt hatte, ob sie nebenbei Pediküre und Maniküre machen würde, weil ihr Lieblingsnagelstudio geschlossen habe und Tiffy nun auf der verzweifelten Suche nach jemandem war, der ihre Nägel machen konnte. Selbst der gutmütige Rudolfo, künstlerischer Leiter des Modeteils, den nicht einmal halb verhungerte Models auf Abführmittelentzug aus der Ruhe bringen konnten, war mit einem empörten Schnauben verschwunden, während Tiffy ahnungslos in die Runde gefragt hatte, wohin der dickliche kleine Kerl mit der runden Hornbrille bloß verschwunden sei.

Das Schlimme an der ganzen Sache war, dass Tiffy es nicht einmal böse meinte, sondern dass sie schlichtweg dumm war. Doch das machte leider nichts besser.

Einen kurzen Moment lang beobachtete Willow mit anhaltender Fassungslosigkeit, wie Tiffy darum bemüht war, den Kopierer zu bedienen, jedoch nicht einmal im Ansatz ahnte, wie man den Deckel hochklappen konnte. Tatsächlich bereitete Willow allein das Zusehen beinahe körperliche Schmerzen. Tiffy schien seit dem Kindergarten lediglich darin unterrichtet worden zu sein, wie man einen Lidstrich zog oder sich die Nase puderte. Für alles andere schien keine Zeit mehr gewesen zu sein.

Willows Fassungslosigkeit hielt noch immer an, als sie sich wieder zu dem Mann umdrehte, der auf der Hochzeit des Hollywood-Traumpaares spontan ein Liebesgedicht von Lord Byron zum Besten gegeben hatte, vier Sprachen beherrschte und momentan Chinesisch lernte, wie er ständig heraushängen ließ – der Snob.

Einen winzigen Moment erinnerte sie sich daran, wie Craig erst vor wenigen Tagen mit einem hochintelligenten Nobelpreisträger über die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels debattiert hatte, und kam zu dem Schluss, dass er sie auf den Arm genommen hatte. Warum auch immer.

Sie konnte nicht anders, als kurz aufzulachen. „Aber sicher! Du bist mit Tiffy zusammen, der YouTuberin, die ihren Followern zeigt, wie sie Zahnseide benutzt – guter Scherz, Craig!“

Er wirkte beleidigt. „Was soll daran komisch sein?“

Obwohl seine Entrüstung allzu deutlich war, konnte Willow noch immer nicht glauben, dass ausgerechnet Craig mit jemandem wie Tiffy zusammen war. „Bei aller Liebe, Craig, aber ich glaube dir nicht, dass du mit jemandem eine Beziehung führst, der vor zwei Tagen gefragt hat, ob Europa ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten sei.“

Als sich seine Miene verfinsterte und er die Lippen aufeinanderpresste, konnte sie nur knapp ein entsetztes Röcheln unterdrücken.

Da Willow dafür bekannt war, ohne große Zurückhaltung zu handeln, polterte sie auch jetzt hervor: „Du bist mit Tiffy zusammen? Du?!“

„Ja, wir sind sehr verliebt“, gab er voller Ernst zurück. „Aber das ist auch gar nicht das Thema!“

Sie starrte ihn schweigend an und überlegte, welche Reaktion nun von ihr erwartet wurde. Sie selbst schwankte zwischen einem Lachen, bei dem sie sich in ihre unverschämt kurzen Leder-Hotpants pinkeln würde, und einer fassungslosen Schockstarre.

Stattdessen räusperte sie sich und nickte ernst. „Stimmt, das Thema sollte doch eher das sein, worüber ihr euch unterhaltet. Ihr unterhaltet euch doch, oder?“

Augenblicklich runzelte er die Stirn. „Was ist das denn für eine Frage? Natürlich unterhalten wir uns!“

„Bist du sicher?“, hakte Willow argwöhnisch nach und deutete mit dem Daumen über ihre eigene Schulter, wo sie noch immer Tiffy vermutete, die das Mysterium Kopiergerät ergründen wollte.

„Natürlich!“

„Und worüber? Du siehst nicht wie jemand aus, der stundenlang über die Vorteile von Gelnägeln oder den Schminkstil von Kim Kardashian diskutieren will“, hielt sie ihm sarkastisch vor.

Sicherlich hätten andere Angestellte niemals eine so dicke Lippe riskiert, aber Willow war der Meinung, dass sie mit dem Mann, der sie nicht nur nackt gesehen hatte, sondern der ihr beim Sex gestanden hatte, dass er darauf abfuhr, Frauen beim Pinkeln zuzuschauen oder selbst angepinkelt zu werden, ruhig Tacheles sprechen durfte. Außerdem hatte sie noch nie mit ihrer Meinung hinter dem Berg gehalten, weshalb sie auch aus ihrem Wirtschaftskurs an der Uni geflogen war, als sie den Dozenten einen sexistischen Sadisten genannt hatte, der sich daran aufgeilte, seine Studentinnen zum Heulen zu bringen. Im Nachhinein betrachtet war es nicht die klügste Entscheidung gewesen, ihren Dozenten so sehr zu verärgern, dass dieser nicht nur zum Dekan gelaufen war, sondern zusätzlich Willows Dad in die ganze Sache mit hineingezogen hatte, der immerhin an der gleichen Universität Mathematikprofessor war ...

„Ich weiß nicht, ob mir gefällt, was du mir sagen willst“, brummte Craig finster und riss sie aus ihren Gedanken. „Findest du, dass du so mit mir reden solltest?“

Willow verdrehte die Augen. „Craig, komm mal runter. Vor ein paar Wochen wolltest du noch, dass ich beim Sex abartige Sachen sage, und jetzt stört es dich, wenn ich über Gelnägel oder Kim Kardashians Schminkstil rede? Finde selbst den Fehler.“

„Du wolltest über Tiffy herziehen.“

Allein dieser alberne Name schaffte es, dass sich ihre Zehennägel aufrollten.

Sehr lässig verschränkte sie die Arme vor der Brust und erklärte mit liebenswerter Schlichtheit: „Da musst du etwas missverstanden habe. Ich hatte lediglich den Eindruck, dass ihr nicht besonders gut zueinanderpasst. Du stehst auf Shakespeare und sie steht auf Kayne West.“

Craig verdrehte die Augen, während er sich in seinen protzigen Ledersessel zurücksinken ließ und seine Hände in einer theatralischen Geste aneinanderpresste. Sein Tonfall nahm einen widerlich gönnerhaften Klang an. „Natürlich verstehe ich, dass du enttäuscht bist, dass aus uns beiden nichts wurde, aber du musst doch einsehen, dass wir nur einen One-Night-Stand hatten.“

Beinahe hätte sie sich an ihrer eigenen Atemluft verschluckt. So ruhig wie möglich entgegnete sie: „Moment einmal, Craig. Dein Liebesleben interessiert mich nicht im Geringsten, und uns beiden war doch von Anfang an klar, dass es an jenem Abend nur um Sex ging – auch wenn ich im Vorfeld nicht wusste, dass du im Bett gerne mit Tiernamen bedacht wirst und ein besonderes Interesse an weiblichen Toilettengewohnheiten besitzt.“

Herrje, den letzten Satz hatte sie sich einfach nicht verkneifen können!

Selbstverständlich lief sein Gesicht knallrot an, was wiederum eine merkwürdige Kombination zu seinem durchfallgrünen Anzug darstellte. Fasziniert von seinem mühsam beherrschten Wutanfall fragte sich Willow gedankenverloren, dass die entscheidende Frage nicht lautete, wer auf die Idee kam, so einen Anzug anzuziehen, sondern wer zum Teufel auf die Idee kam, so einen Anzug herzustellen?

„Verdammt, Willow! Musst du ... du ... meine ... meine ... Vorliebe hier breittreten?“

„Breittreten?“ Frustriert stieß sie den Atem aus. „Ich trete gar nichts breit, mein Lieber. Von mir hat niemand erfahren, dass du und ich in der Kiste gelandet sind ...“ Und angesichts der Tatsache, dass sie trotz eines sehr befriedigenden Orgasmus schockiert gewesen war, als der hier anwesende Craig ihr beim Sex zuerst ins Ohr gemurmelt hatte, dass sie ihn einen geilen Stier und einen wilden Rammler nennen sollte, bevor er sie gefragt hatte, ob sie sich vorstellen könnte, mit ihm unter die Dusche zu steigen und ihn anzupinkeln, war sie sogar froh, niemandem von dem Intermezzo mit ihm berichtet zu haben.

Nun gut, ihr bester Freund und ihre beste Freundin wussten natürlich Bescheid, aber selbst denen hatte sie lediglich unter Alkoholeinfluss von den skurrilen Vorlieben ihres Vorgesetzten erzählt. Aber das musste Craig nicht wissen.

Um nicht länger darüber nachzudenken, dass Willow seit jener Nacht, in der sie sich geweigert hatte, auch nur in Craigs Nähe ans Urinieren zu denken, ständig überlegte, welcher Mann ihres Bekanntenkreises ebenfalls darauf stand, angepinkelt zu werden, hob sie das Kinn und nickte ihm zu. „Wieso hast du Tiffy überhaupt erzählt, dass wir Sex hatten? Ich wüsste nicht, was sie das anginge. Ihr seid wie lange zusammen? Drei Tage?“

Anscheinend bemerkte Craig nicht einmal, wie lächerlich er sich selbst machte, als er geradezu prahlerisch erwiderte: „Es sind bereits acht Tage – und ich habe es ihr deshalb erzählt, weil wir eine ehrliche Beziehung führen möchten.“

Da war es wieder – das Gefühl, gerade einen Schlaganfall erlitten zu haben. „Acht Tage ... aha.“

„Könntest du aufhören, meine Beziehung zu Tiffy ins Lächerliche zu ziehen?“, erwiderte er nachdrücklich. „Ich verstehe nicht, warum du dich überhaupt in meine Beziehung mit Tiffy einmischst! Das geht dich nämlich rein gar nichts an.“

Sie hörte wohl nicht recht!

„Hallo?!“, spottete Willow ungläubig. „Hast du oder hast du nicht gesagt, dass ich kündigen soll, weil du dem Hohlkopf erzählt hast, dass wir miteinander geschlafen haben? Ich glaube schon, dass es mich etwas angeht!“

„Tiffy ist kein Hohlkopf.“

Als Antwort hob Willow beide Hände. „Von mir aus! Dann vertraue ich mal auf deine Menschenkenntnis, aber ich gebe zu bedenken, dass sie heute Morgen einen Techniker anrufen wollte, weil sie fürchtete, das Internet gelöscht zu haben.“

Stur schob er das Kinn nach vorne. „Sie muss sich erst noch einarbeiten.“

Willow schnaubte wie ein an Asthma erkrankter Büffel. „Wenn du das sagst.“

„Willow, nur weil du und ich...“

Sie unterbrach ihn geradezu harsch. „Craig, darf ich dich daran erinnern, dass du vor meiner Tür standst? Ich hätte auch darauf verzichten können, dass du mir von deinen Pinkelvorlieben erzählst und ein wilder Rammler genannt werden wolltest. Sei’s drum! Wenn du mit Tiffy zusammen sein willst, dann tu das, aber komm nicht an und schreib mir vor, dass ich kündigen soll!“

„Aber Tiffy befürchtet, dass unsere Beziehung unter diesem One-Night-Stand leiden könnte. Deshalb wirst du kündigen müssen.“

Für einen kurzen Moment hatte Willow das Gefühl, gerade Opfer eines erneuten Schlaganfalls geworden zu sein.

Hatte der Mann in dem durchfallgrünen Anzug, der in einem Eckbüro mit Blick auf die Radio City Music Hall saß und sie gerade zu sich zitiert hatte, wirklich gesagt, dass sie kündigen musste, weil seine neue Freundin, mit der er seit acht Tagen zusammen war, Probleme mit einem bedeutungslosen One-Night-Stand hatte, der zu allem Überfluss von ihm ausgegangen war?

Tief atmete sie ein und befürchtete, dass ihr Gesicht vor Wut gerade knallrot anlief und somit die gleiche Farbe wie ihr Haar besaß.

„Ich schätze, dass Tiffy lernen muss, damit klarzukommen. Ebenso wie sie lernen muss, dass man das Internet nicht löschen kann.“ Aufgebracht stemmte sie die Hände in die Hüften, fuhr sich über die Lippen und schnarrte mit felsenfester Überzeugung: „Ich werde nicht kündigen, Craig, und wenn du dich auf den Kopf stellst. Falls du mich entschuldigst, aber ich muss noch einen Bericht über das Singleleben New Yorks schreiben!“

Nur mit großer Mühe schaffte sie es, die verdammte Glastür hinter sich nicht zuzuwerfen und Tiffy einen bösen Blick zu schenken, als diese verzweifelt in die Runde jammerte, dass das Tippen am Computer schlecht für ihre Gelnägel sei.

 

 

 

 

2. Kapitel

 

 

„Hast du ihm gesagt, wohin er sich seine Kündigung stecken kann?“

„Natürlich habe ich das, Dave! Außerdem war es keine wirkliche Kündigung – er wollte, dass ich kündige.“ Nur in Unterwäsche bekleidet lief Willow durch ihr Schlafzimmer, hielt sich den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt und telefonierte mit ihrem besten Freund, während sie sich für die Party ihres Schwagers fertig machte.

Wenn sie ganz genau sein wollte, war der gigantische Footballspieler Eddie Goldberg zwar noch nicht ihr Schwager, doch sie war sich ziemlich sicher, dass der Mann, der ihre ältere Schwester Ava auf Händen trug, seit sie vor ein paar Monaten zusammengekommen waren, nicht allzu lange brauchen würde, um ihr einen Antrag zu machen. Die beiden waren verrückt nacheinander – im wahrsten Sinne des Wortes. Allein die heutige Party zeigte, dass Eddie und Ava ohneeinander nicht mehr auszuhalten waren, schließlich hatte Eddie die Party auf die Schnelle organisiert, um die Rückkehr seiner Allerliebsten zu feiern, die gerade einmal drei Wochen in London geweilt hatte, um dort eine Platte mit dem Londoner Orchester aufzunehmen und zwei Klavierkonzerte zu geben. In der Zeit war zwar auch Eddie in London gewesen und hatte bei beiden Konzerten in der ersten Reihe gesessen, um Ava zu lauschen, wie diese erst vorgestern ganz verklärt berichtet hatte, nichtsdestotrotz war der bis über beide Ohren verliebte Footballspieler der New York Titans überglücklich, seine Angebetete wieder hier zu haben.

„Wenn du Craig nicht gesagt hättest, was er mit seinem Vorschlag tun kann, dann würde ich das allzu gerne übernehmen“, echauffierte sich ihr bester Freund. „Dieses Arschloch! Was glaubt er eigentlich, wer er ist? Anna Wintour?“

„Anna Wintour würde keinen durchfallgrünen Anzug tragen“, hielt sie ihm entgegen und öffnete ihren Kleiderschrank, in dem solch eine katastrophale Ordnung herrschte, dass ihre Mom vermutlich einen nervösen Anfall bekommen hätte, wenn sie nur einen kurzen Blick hineinwerfen würde. Anders als ihre ordnungsfanatische Mom, die ihre Passion in Form eines Jobs als Steuerberaterin frönte, anders als ihr ebenfalls pedantischer Dad, der als Mathematikprofessor lediglich in Gleichungen dachte, und anders als ihre talentierte Schwester Ava, an deren Kleidung niemals auch nur die winzigste Falte zu entdecken war, hielt Willow nicht viel von aufgeräumten Kleiderschränken, faltenfreien Blusen und zurückhaltender Meinungsmache.

Sie stopfte ihre Sachen lieber in die Schränke, trug auch ungebügelte Klamotten und polterte laut hervor, wie sie zu diesem oder jenem stand. Zwar fragte sich jeder, der sie kannte, ob sie bei der Geburt nicht vertauscht worden war, aber zu ihr hätte es einfach nicht gepasst, ein zurückhaltendes Mäuschen ohne eigene Persönlichkeit zu sein. Vielleicht lag es auch an den roten Haaren. Ihre Schwester schwor schon seit Jahren Stein und Bein, dass sie im Mittelalter der Hexenverfolgung zum Opfer gefallen wäre, und wenn Willow ehrlich war, dann war diese Idee gar nicht so abwegig.

„Vermutlich hätte es Craig gerne, wie Anna Wintour zu sein, aber dafür müsste er einiges an Stil dazulernen! Was für ein selbstgerechter Arsch! Du solltest ihn verprügeln lassen, schließlich sitzt du jetzt an der Quelle. Hetz ihm ein paar Footballspieler an den Hals, die ihn so richtig durch die Mangel drehen. Eine gebrochene Nase und ein paar angeknackste Rippen würden ihm gut stehen.“

Über Daves Blutrünstigkeit musste Willow laut lachen, während sie einen winzigen Jumpsuit mit unerhört kurzem Bein aus dem Schrank riss.

Obwohl niemand auch nur geahnt hätte, dass der über eins achtzig große Dave, der für sein Leben gern auf den Superbowl wettete, ein Faible für Autos hatte und einmal wegen einer Schlägerei in einer Sportsbar verhaftet worden war, auf Kerle stand, hatte er sich bislang nie dermaßen blutrünstig gezeigt. Irgendwie gefiel es ihr, Dave derart wütend zu erleben, und Willow fragte sich seufzend, warum die guten Kerle immer schwul sein mussten, während sie in den türkisfarbenen Jumpsuit schlüpfte.

Die Männer, die Verständnis für den weiblichen Schuhtick hatten, kochen konnten und einfühlsam waren, standen meistens auf das eigene Geschlecht – für Frauen blieben nur die Kerle übrig, die grauenvolle Anzüge trugen und ein zu großes Interesse an weiblichen Toilettengewohnheiten zeigten.

Es war eine Schande!

Willow rümpfte die Nase. „Eine gebrochene Nase klingt nicht schlecht, zumal Craig den hässlichen Anzug wegwerfen müsste, wenn Blut auf den durchfallgrünen Stoff tropft.“

„Wenn du noch einmal das Wort durchfallgrün benutzt, bekomme ich Herpes, Will!“

„Du bist so eine Mimose!“ Mit einem Augenverdrehen knöpfte sie das winzige Kleidungsstück zu und befürchtete, bald einen schiefen Nacken zu haben, wenn sie weiterhin den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter presste.

„Und du hättest mit diesem Idioten nicht schlafen sollen.“

„Jawohl, Mama“, säuselte sie sarkastisch. „Es war ein Fehler und wird nie wieder vorkommen. Versprochen.“

Ihr bester Freund ließ ein abfälliges Brummen hören. „Ich kenne ja einige Perverslinge, aber wer ist denn so gestört, seine Mitarbeiterin im Bett zu fragen, ob sie ihn anpinkeln würde? Und dass er wollte, dass du ihn einen Stier und einen Hengst nennst, sagt mir, dass der Typ irgendein Kindheitstrauma nicht verwunden hat.“

Willow legte den Kopf in den Nacken und kniff die Augen zusammen, denn es war Daves liebstes Hobby, den Hobbypsychologen zu spielen. „Aus welcher Talkshow hast du denn diese Diagnose?“

„Dass mit dem Typen etwas nicht stimmt, sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock.“ Dave schnalzte mit der Zunge. „Du hättest nicht mit ihm schlafen sollen, Willow. Der ganze Ärger jetzt ...“

„Vergiss nicht, dass ich kein Wort gesagt habe, als du eine Affäre mit diesem Wirtschaftsprüfer hattest, der anschließend euer Büro dichtmachen wollte“, hielt sie ihm vorwurfsvoll entgegen. „Das war auch keine Glanzleistung deinerseits.“

Ganz die Diva, die tief in Dave schlummerte, gab dieser hoheitsvoll zurück: „Erstens konnte er das Büro nicht dichtmachen, weil es keine Beweise gegen uns gab, und zweitens hatte er die wahnsinnigsten Bauchmuskeln, die ich jemals gesehen hatte. Kannst du das auch von Craig behaupten?“

Darauf wollte sie gar nicht eingehen und bückte sich, um an ihre Overknee-Stiefel heranzukommen, die sie in die hinterste Ecke ihres Schranks geworfen hatte. „Mich kann Craig jedenfalls nicht feuern, so viel steht fest.“

„Das wäre ja noch schöner! Sollte er dich noch ein weiteres Mal darauf ansprechen, dass du kündigen sollst, dann gebe ich dir die Nummer eines Freundes, der auf Arbeitsrecht spezialisiert ist und den ganzen Konzern verklagt, der hinter Close up steht!“

„Du bist so süß“, schniefte sie gerührt, während sie auf dem Boden ihres Schlafzimmers herumkrabbelte, um die Stiefel aus den Dutzenden Schuhen zu befreien, die sie arglos in den Schrank geworfen hatte.

„Reiß ihm den Arsch auf, Baby, und such dir dann einen vernünftigen Kerl, der nicht nur deinen phänomenalen Hintern zu würdigen weiß, sondern auch Wert darauf legt, dass du ein helles Köpfchen bist.“

„Hach, Dave“, murmelte sie amüsiert und zog ihre Wildlederstiefel unter Mühen aus dem Schrank. „Als Schwuler sollte dir mein phänomenaler Hintern gar nicht aufgefallen sein!“

„Ist er“, behauptete ihr bester Freund, den sie in der ersten Woche ihres Wirtschaftsstudiums kennen und lieben gelernt hatte – rein platonisch, denn sie hatte sofort gewusst, dass er für ein anderes Team spielte. „Außerdem ist mir auch aufgefallen, dass deine Möpse phänomenal aussehen. Von deinem Gesicht ganz zu schweigen. Craig muss ein blinder Vollidiot sein.“

Die Empörung ihres besten Freundes tat ihr verdammt gut, schließlich hatte sie nach ihrem Gespräch mit Craig endlose Stunden an ihrem Schreibtisch verbracht, während sie vor Wut geschäumt und sich die eine oder andere Racheaktion erdacht hatte, die alle damit endeten, dass Craig kastriert wurde. Dass sie während ihrer Arbeitszeit ständig von Tiffy beobachtet worden war, die es geschafft hatte, Kaffee über das Layout der nächsten Ausgabe zu verschütten, und darüber in Tränen ausgebrochen war, hatte Willow derart unter Strom gesetzt, dass sie unbedingt mit jemandem über diesen katastrophalen Tag hatte reden müssen.

Mit beiden Stiefeln unterm Arm erhob sie sich und ließ sich auf ihr ungemachtes Bett fallen. „Verdammter Mist, mir ist es völlig egal, mit wem Craig schläft oder mit wem er eine Beziehung führt, Dave. Wir beide hatten ein Mal Sex und das war’s. Mich regt nur auf, dass er mich in diese merkwürdige Liaison mit unserer Praktikantin hineinzieht.“

Noch immer konnte sie nicht fassen, was dieser Idiot von ihr verlangt hatte! Allein die Tatsache, dass Männer über solch ein widerwärtig aufgeplustertes Ego verfügen konnten wie Craig, ließ sie darüber nachdenken, ob sie nicht lesbisch werden sollte.

Als Lesbe müsste sie sich weder darüber aufregen, dass der Klodeckel im Badezimmer nicht hinuntergeklappt wurde, noch müsste sie mit eingeschnappten Exfreunden klarkommen, die selbst zwei Jahre nach der Trennung ständig anriefen und ins Telefon säuselten, dass sie mit ihrer neuen Freundin Schluss gemacht hätten, um ihrer Liebe eine zweite Chance zu geben, und als Lesbe müsste sie sich auch nicht mit einem Vorgesetzten auseinandersetzen, der den letzten Schuss nicht gehört hatte.

„Wie heißt die Praktikantin noch einmal?“

Willow stellte die Lautsprecherfunktion des Telefons an und warf den Hörer anschließend aufs Bett, bevor sie sich daranmachte, in ihre Stiefel zu schlüpfen. „Tiffy“, schnaubte sie abfällig und schnitt gleichzeitig eine Grimasse. „Welche erwachsene Frau heißt bitte Tiffy? Ich würde nicht einmal eine dieser erbärmlich zitternden Teppichratten Tiffy nennen! Tiffy!“ Völlig in Rage höhnte sie: „Nicht einmal Dragqueens würden sich freiwillig Tiffy nennen und die tragen Namen wie Miss Chichi oder Lady Coco!“

Daves volltönendes Lachen rang ihr nicht einmal ein Zucken ihrer Mundwinkel ab. „Ich meine es ernst, Dave! Könntest du jemanden ernst nehmen, der Tiffy heißt?“

Anstatt auf ihre Frage zu antworten, hakte ihr bester Freund kichernd nach: „Gehe ich recht in der Annahme, dass ihr richtiger Name Tiffany lautet?“

Da ihr Karma nach dem heutigen Tag bereits im Arsch war, wollte sie vor Dave nicht auch noch zugeben, dass sie den Namen Tiffany nur im Zusammenhang mit exotischen Tänzerinnen sah, die sich meistens ohne Bekleidung an Stangen rekelten.

„Natürlich heißt sie eigentlich Tiffany.“ Frustriert ließ sie von ihrem Stiefel ab und schaute auf das Telefon neben sich. „Du bist doch ein Mann, Dave.“

„Na ja, ich war es noch, als ich beim letzten Mal genau hingesehen habe“, scherzte ihr bester Freund und klang im Gegensatz zu ihr ziemlich vergnügt.

„Sehr komisch“, murrte Willow zur Antwort und ließ sich rückwärts auf ihr Bett fallen. „Obwohl du nicht wirklich mitreden kannst, was heterosexuelle Beziehungen betrifft, musst du mir erklären, was Männer mit dummen Frauen wollen.“ Unsicher nagte sie auf ihrer Unterlippe herum und hoffte darauf, dass wenigstens Dave eine Erklärung dafür hatte, was so viele Männer von Frauen wollten, mit denen sie nicht einmal ein halbwegs vernünftiges Gespräch führen konnten. Craig war das beste Beispiel dafür. Der Mann war hochintelligent und sprach nun davon, eine Beziehung mit einer Frau zu führen, die offen zugab, keine Bücher zu lesen, damit sie sich keine Macken in ihren Nagellack machte. Irgendetwas konnte mit den Männern von heute nicht stimmen.

„Auch wenn ich, wie du schon richtig angemerkt hast, keine besonders große Erfahrung mit heterosexuellen Beziehungen habe, würde ich vermuten, dass Sex hinter deiner Frage steckt.“

Willow streckte beide Arme von sich. „Ich rede nicht von Sex, sondern von einer Beziehung, Dave. Warum suchen sich Männer wie Craig, die clever, gut aussehend und erfolgreich sind, Frauen aus, die nicht einmal wissen, wie unser Präsident heißt?“

Leider wusste ihr bester Freund sofort, wo der Schuh sie drückte, da er mit einfühlsamer Stimme wissen wollte: „Meinst du Männer wie Craig oder Männer wie Lewis?“

Naserümpfend erwiderte sie spitz: „Was Lewis macht und nicht macht, geht mich seit über einem Jahr nichts mehr an und interessiert mich auch nicht.“

„Ach, komm schon, Will“, schmeichelte Dave am anderen Ende der Leitung. „Sei nicht bockig. Das passt nicht zu dir. Und dass Lewis mit dieser Dumpfbacke Josy zusammen ist, die dir nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann, sollte dir wirklich piepegal sein.“

Vielleicht sollte es ihr wirklich egal sein, dass ihr Ex mit ihr Schluss gemacht hatte und mit einer Frau zusammengekommen war, die an seinen Lippen hing und selbst nichts zu sagen hatte, aber dass Lewis mit seiner neuen Freundin bereits zusammengezogen war und sich nun auch noch mit ihr verlobt hatte, nahm sie mehr mit, als es sollte.

Warum sie sich solche Gedanken darüber machte, dass Lewis und Craig mit Frauen eine Beziehung führen wollten, die intellektuell überhaupt nicht zu ihnen passten, wusste Willow selbst nicht.

Endlich hatte sie das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, nachdem sie seit ihrem Highschoolabschluss von einem Studium zum nächsten getingelt war, jeden Job nach wenigen Wochen geschmissen hatte und sich bewusst gewesen war, ihre Eltern bei jedem neuen Job, den sie aufgegeben hatte, ein bisschen mehr zu enttäuschen. Zwar hatte es niemand in ihrer Familie gesagt, aber Willow wusste, dass es ihren Eltern ein Rätsel war, weshalb sie das Potenzial, das sie besaß, nicht ausschöpfte. Den Collegeeignungstest hatte sie mit der Höchstpunktzahl abgeschlossen und war ein regelrechtes Mathematikgenie, dennoch hatte sie eine akademische Karriere in den Wind geschossen und stattdessen bei GAP, bei einer Anwaltskanzlei am Empfang, in einem Callcenter und sogar im Apple Store gearbeitet, bevor sie vor einem halben Jahr bei Close up gelandet war. Zum ersten Mal seit ihrem Highschoolabschluss, der immerhin schon fast zehn Jahre hinter ihr lag, hatte Willow das Gefühl, etwas zu tun, das ihr Spaß machte und bei dem sie sich wohlfühlte.

Und so blöd es auch klang, aber zum allerersten Mal in ihrem Leben hatte sie das Gefühl, mit ihrer älteren Schwester, die sie von ganzem Herzen liebte und bewunderte, gleich zu sein. Als jüngere Schwester eines musikalischen Wunderkindes, das Ava nun einmal gewesen war, hatte Willow immer das Gefühl gehabt, der eher zurückgebliebene Sprössling der Familie zu sein.

„Nicht alle Männer wollen eine Dumpfbacke haben, Will. Manche möchten sich mit ihrer Freundin auch unterhalten können.“

Willow massierte sich das Nasenbein. „Nichts für ungut, Dave, aber was Männer an ihrer Freundin schätzen und was nicht, scheint nicht zu deinem Metier zu gehören.“

„O Gott, wenn du in dieser Stimmung bist, solltest du lieber nicht zur Party deiner Schwester gehen, bevor du noch ihren Freund vergraulst, der ziemlich heiß ist, wenn ich das mal sagen darf.“

„Ich werde Ava ausrichten, dass du auf Eddie stehst – das wird sie sicherlich freuen.“

„Petze!“ Ihr bester Freund lachte uneingeschränkt amüsiert. „Und jetzt erzähl mir lieber, was du heute Abend trägst, um all die heißen Footballspieler zu beeindrucken.“

Mit dem Gefühl, plötzlich keine Lust mehr auf den kommenden Abend zu haben, erklärte sie: „Erstens will ich niemanden beeindrucken, zweitens sind es Footballspieler, die sowieso nur mit Models ausgehen ...“

„Entschuldige, aber du bist schon das eine und andere Mal von Modelscouts angesprochen worden, Baby. Einmal war ich sogar dabei.“

Sie ignorierte ihn einfach und sprach weiter. „... und drittens trage ich den türkisfarbenen Jumpsuit, den du damals bei Lord & Taylor für mich ausgesucht hast.“

Nun schimmerte doch durch, dass Dave eher auf seine eigenen Geschlechtsgenossen stand, als er schwärmerisch seufzte: „Das Teil ist verdammt heiß, Will! Damit wirst du sicherlich einen der Footballspieler aufreißen.“

Die Grimasse, die sie nun schnitt, würde sicherlich einmal in die Annalen aller Grimassen eingehen, sagte sich Willow, als sie mit unumstößlicher Härte von sich gab: „Nichts für ungut, Dave, aber ich bleibe lieber solo. Das scheint besser zu sein.“

 

 

 

 

***

 

 

 

 

Sicherlich hätte es den einen oder anderen verunsichern können, von unzähligen Männern, deren Staturen der eines Kühlschranks ähnelten, umgeben zu sein, doch Willow kannte erstens Eddie, der zwar rein äußerlich ein kampferprobter Riese war und innerlich einem liebesbedürftigen Hundewelpen glich, und zweitens war sie ein wenig zu angetrunken, um sich von all den Footballspielern ins Bockshorn jagen zu lassen, die die neue Wohnung ihrer Schwester und deren Freundes bevölkerten.

Der erhöhte Weinkonsum würde morgen sicherlich zur Folge haben, dass sie mit einem furchtbaren Kater aufwachte, doch das war ihr egal, da sie ein verdammt interessantes Gespräch mit einigen der Footballspieler führte, die um sie herumstanden.

Entschlossen trank Willow ihr Glas mit einem Zug leer und sah einen nach dem anderen ernst an, bevor sie mit schwerer Zunge hervortrompetete: „Hand aufs Herz, Jungs. Wer von euch hat sich schon einmal anpinkeln lassen?“

Das anfängliche Schweigen, das auf ihre Frage folgte, wurde von dem schwarzhaarigen Quarterback der Titans unterbrochen, der lässig mit seiner Bierflasche auf einen anderen schwarzhaarigen Footballspieler deutete, der insbesondere durch seinen Stiernacken und sein T-Shirt auffiel, mit dem er sich selbst als Butt Inspector zu erkennen gab.

„O’Neill hat sich schon einmal anpinkeln lassen – erst vorletzte Woche, um genau zu sein.“

„Wuhuu! Seit wann stehst du denn auf Golden Shower, Blake? Dass du pervers bist, wussten wir ja alle, aber dass du darauf stehst, angepinkelt zu werden ...“ Ein blondhaariger Footballspieler, der ein ausgewachsenes Veilchen zur Schau trug und gerade noch herzhaft in ein Sandwich gebissen hatte, lachte mit vollem Mund.

Wenn Willow nicht bereits angesäuselt gewesen wäre, hätte sie die Tatsache, dass der Mann, der ihr schräg gegenüberstand, beim Lachen kleine Sandwichbrocken verlor, eventuell abgeschreckt, aber jetzt war sie viel zu interessiert an dem lustigen Zusammenspiel der gigantischen Männer, die um sie herumstanden und sich gegenseitig neckten.

Fasziniert beobachtete sie, wie der angesprochene Footballspieler knallrot wurde und geradezu fahrig in der Luft herumfuchtelte, während er hektisch erwiderte: „Könntest du deine Klappe halten? Ich will nicht angepinkelt werden, verdammt noch mal!“

Sie kniff die Augen zusammen. „Bist du sicher? Falls es dir peinlich ist, lass dir gesagt sein, dass alles, was wir hier bereden, unter uns bleibt.“ Willow machte eine lässige Geste mit der Hand und schnalzte dabei mit der Zunge.

Der Freund ihrer Schwester, der wie ihr persönlicher Leibwächter neben ihr stand, ließ ein Brummen hören. „Ich glaube, ich besorge dir ein Wasser, Willow ...“

„Jetzt sei kein Spielverderber, Eddie“, befahl sie ihm lauthals und stieß ihn in die Seite. „Ich hatte einen grauenvollen Tag und will jetzt hören, warum sich dein Kumpel gerne anpinkeln lässt.“

Besagter Kumpel schüttelte beinahe panisch den Kopf. „Ich will mich nicht anpinkeln lassen!“

Willow maß ihn kritisch. „Für meinen Geschmack wehrst du dich ein bisschen zu viel.“

Empört protestierte der rot angelaufene Footballspieler: „Hey! Ich will wirklich nicht angepinkelt werden!“

„Das kann ich bestätigen. Er wurde auch nicht freiwillig angepinkelt, um ehrlich zu sein“, erklärte der Quarterback namens Brian belustigt, der – wie Willow zu ihrem Verdruss bereits festgestellt hatte – in festen Händen und zudem mit der coolsten Frau des Planeten verheiratet war.

Da sie Teddy MacLachlan-Palmer vor wenigen Monaten interviewt hatte und seither völlig begeistert von der Besitzerin der Footballmannschaft war, nahm sie es ihr nicht übel, dass sie die New Yorker Frauenwelt um den fabelhaft aussehenden Kapitän der Titans beraubt hatte, obwohl dieser wirklich verdammt heiß war.

Jedoch war es etwas tröstlich, dass sich Brian Palmer eine Frau geangelt hatte, die erschreckend klug, wahnsinnig erfolgreich und erfrischend unprätentiös war. Eigentlich hätte man vermuten sollen, dass ein millionenschwerer Quarterback wie Brian Palmer mit einem Unterwäschemodel verheiratet sein müsste, das ihm an den Lippen hing und ihn anhimmelte, doch da Willow noch vor wenigen Minuten Zeuge geworden war, wie Teddy MacLachlan-Palmer ihrem Mann eine liebevolle Kopfnuss gegeben und ihm befohlen hatte, nicht so viel zu trinken, damit er morgen mit seinen Söhnen in den Park gehen konnte, schien dies hier nicht der Fall zu sein.

Gut zu wissen, dass nicht alle New Yorker Männer auf Beauty-Bloggerinnen namens Tiffy standen.

Nachdenklich legte sie den Kopf zur Seite. „Was soll das heißen, dass er nicht freiwillig angepinkelt wurde?“

„Ja“, schmatzte sein Teamkamerad. „Was soll das heißen?“

Der düster dreinblickende Blake murrte: „Ich war bei Tom und Erin zu Besuch und musste dem Baby die Windeln wechseln ...“

„Es war ein Bild für die Götter“, unterbrach ihn sein Kapitän mit einem vergnügten Prusten. „Er hatte die Windeln nicht richtig befestigt, nahm das Baby hoch und zack ... sein heiß geliebtes T-Shirt war voller Baby-Pipi. Tom und ich hätten uns beinahe selbst in die Hosen gemacht.“

„Das ist überhaupt nicht komisch, Rabbit“, beschwerte sich der Unglücksrabe verdrossen. „Es war mein Lieblingsshirt, das ich nur unter Todesgefahr aus Madisons Klauen retten konnte! Und jetzt hat es ein Baby vollgepinkelt!“

„Dann wasch es einfach“, riet ihm Eddie, der neben Willow stand und mit Argusaugen ihr Weinglas beobachtete, wie sie von der Seite sehen konnte. „Und mach kein Drama draus.“

„Mich würde eher interessieren, warum ausgerechnet du dem Baby die Windel wechseln musstest“, schmatzte der Footballspieler namens Ian. „Außerdem wundert es mich, dass dich Erin so nah an das Baby herangelassen hat.“

„Er hatte eine Wette verloren und musste dem Baby daher die Windeln wechseln.“ Der Quarterback zwinkerte vergnügt. „Außerdem war Erin nicht da, also hatten wir freie Bahn.“

Eddie, der sich aus der Schadenfreude seiner Kumpels heraushielt, gab besorgt zu bedenken: „Wenn Erin davon erfährt, macht sie euch einen Kopf kürzer.“

„Hey! Ich hätte den Zwerg schon nicht fallen gelassen“, beschwerte sich Blake und machte eine beleidigte Miene. „Selbst als es zu pinkeln anfing, habe ich es nicht losgelassen!“

„Sehr tapfer, Mann“, schmatzte sein Teamkollege, der sich noch immer an seinem Sandwich gütlich tat. „Erin wird bestimmt begeistert sein, dass ihr Baby, das für eure Wette herhalten musste, nicht zu Boden fiel, als du Angst um dein Shirt hattest.“

Als sich die Diskussion wieder um das pinkelnde Baby zu drehen begann, räusperte sich Willow und sah die vier Männer bedeutungsvoll an. „Mal abgesehen von Baby-Pipi – hat einer von euch schon einmal beim Sex die Frau gebeten, euch anzupinkeln?“

Komischerweise reagierten die anwesenden Männer ziemlich gleich, da sie alle einen Hustenanfall nur schwer unterdrücken konnten.

Eddie stöhnte geradezu verzweifelt ihren Namen, bevor er jammerte: „Könnten wir bitte das Thema wechseln?“

Ian dagegen fragte fröhlich: „Warum so interessiert an unserem Sexleben?“

Willow rümpfte die Nase und hielt Eddie ihr leeres Weinglas hin, das er widerwillig nachschenkte.

Mit todernster Miene gab sie zu, während sie mit Argusaugen verfolgte, wie der Freund ihrer Schwester einen großen Schluck Rotwein in ihr Glas goss: „Recherche.“

„Wofür recherchierst du denn?“, wollte auch Brian Palmer wissen und zog seine Augenbrauen bedeutungsvoll in die Höhe.

Sie nahm einen großen Schluck und erklärte: „Über das Singleleben in New York. Ich schreibe für die Close up.“

„Und warum beinhaltet das Fragen, ob Männer angepinkelt werden wollen?“

Willow maß den noch immer schmatzenden Ian mit einem langen Blick, bevor sie ohne zu zögern von sich gab: „Weil ich Sex mit einem Mann hatte, der mich bat, ihn anzupinkeln, und ich jetzt wissen will, ob es noch mehr Freaks wie ihn gibt.“

Kaum hatte sie den Satz beendet, verschluckte sich der noch immer rot angelaufene Blake an seinem Bier und konnte nur knapp einem Erstickungstod entgehen.

Sein Kapitän dagegen prustete vergnügt. „Und hast du?“

Fragend schwang sie den Kopf zu Brian Palmer herum, dem seine unverhohlene Belustigung ins Gesicht geschrieben war. „Habe ich was?“

Neugierig nickte er ihr zu. „Hast du ihn angepinkelt?“

„Gott, nein!“ Allein die Vorstellung war so absurd, dass sie sich schüttelte. Beinahe wäre der exzellente Rotwein übergeschwappt. „Ich bin doch kein Freak!“

„Natürlich bist du ein Freak.“ Plötzlich erklang Avas Stimme dicht hinter ihr. „Das weiß ich schon, seit du in den Kindergarten gekommen bist und gleich am ersten Tag für Randale sorgtest.“

Willow beobachtete, wie ihre Schwester sich wie selbstverständlich an ihren riesigen Freund schmiegte und ihm einen verliebten Blick schenkte, den dieser erwiderte, bevor er Ava auf die Stirn küsste und gleich darauf petzte: „Deine Schwester betrinkt sich und erzählt zotige Geschichten.“

„Und warum sollte das mein Problem sein?“

„Ich bin niemandes Problem“, protestierte Willow und prostete ihrer Schwester zu, die im Gegensatz zu ihr ein elegantes Kleid mit zierlichen Schuhen trug und ihr Haar zu einem eleganten Knoten frisiert hatte.

Ava war von den beiden Schwestern schon immer die zurückhaltendere, die elegantere und die konventionellere gewesen, auf die ihre Eltern unsagbar stolz gewesen waren. Glücklicherweise liebte Willow Ava über alle Maßen und war glücklich, wenn sie glücklich war, denn es war tatsächlich nicht sehr einfach, im Schatten ihrer erfolgreichen Schwester zu stehen, die die Messlatte unwahrscheinlich hoch angesetzt hatte.

„Nur dass du es weißt, aber ich recherchiere unter Eddies Teamkollegen über ihre favorisierten Sexpraktiken.“

„Du tust was?“

Erklärend hob Willow eine Hand, nippte an ihrem Wein und stellte anschließend fest: „Ich brauche Material für meinen nächsten Artikel.“

Unbehaglich räusperte sich Brian Palmer. „Mein Sexleben lieferte schon viel zu oft Material für diverse Artikel. Teddy würde mich außerdem einen Kopf kürzer machen, deshalb solltest du dich lieber an Blake halten – dessen Sexleben ist eh viel interessanter.“

„Worauf du einen lassen kannst“, erwiderte dieser mit Inbrunst und nickte Willow großspurig zu. „Wenn dir auf der Party ein rattenscharfes Weib mit langen braunen Haaren und einem Nasenpiercing über den Weg läuft, kannst du sie gerne fragen, wie gut ich im Bett bin. Sie wird es dir bestätigen.“

Willow verdrehte die Augen und zeigte ihm einen Vogel. „Ich bin doch nicht bescheuert und renne durch die Gegend, um Frauen zu fragen, ob du gut im Bett bist!“

„Hey! Sie ist meine Freundin ...“

Beinahe wäre ihr die Kinnlade hinuntergefallen. „Du hast eine Freundin?!“

Eddie schnaufte. „Deine Schwester hat ihm die gleiche Frage gestellt, als sie ihn kennengelernt hat.“

Blake O’Neill runzelte beleidigt die Stirn. „Brauchst du nun Material für deinen Artikel oder nicht?“

Bevor sie ihm antworten konnte, mischte sich der blondhaarige Ian ein, der arglos erwähnte: „Also wenn du auf der Suche nach Material für einen Artikel über das New Yorker Sexleben bist, solltest du dich bei sexandthebigapple.com anmelden. Dort treiben sich nur Verrückte und Freaks rum ...“

„Und woher weißt du das?“, wollte Ava neugierig wissen.

Reuelos grinste der Mann mit dem Veilchen und zuckte mit der Schulter. „Die ganze Stadt redet über diese Seite. Erst heute Morgen habe ich schon wieder im Radio gehört, dass sich achtzig Prozent der ledigen New Yorker dort registriert haben sollen.“

„Und sicherlich der eine oder andere Kerl, der in einer Beziehung steckt und Lust auf ein Abenteuer hat.“ Geradezu verständnislos schüttelte Eddie den Kopf.

Schockiert holte Blake Luft und fixierte seinen Teamkollegen besorgt. „Hast du dich etwa deshalb dort angemeldet, Carlisle?“

Dieser verlor jeglichen Anflug von Humor. „Spinnst du? Ich habe mich dort nicht angemeldet!“

„Madison wird dich töten, wenn du ihre Cousine betrügst“, raunte der schwarzhaarige Footballspieler mit dem Stiernacken.

„Ich betrüge Taylor nicht“, empörte sich sein blondhaariger Mitspieler aufgeregt. „Und ganz sicher habe ich mich dort nicht angemeldet!“

Willow, die mittlerweile zwischen dem riesigen Ian Carlisle und dem bulligen Blake O’Neill stand, nippte an ihrem Glas und verfolgte eher belustigt, wie sich beide aufgebracht ein Wortgefecht lieferten und dabei immer wieder in Richtung Flur starrten, wo sie allem Anschein nach ihre Freundinnen vermuteten. Dass die beiden mit zwei Cousinen zusammen waren und ganz sicher unter dem Pantoffel dieser Frauen standen, erheiterte Willow, die gerade einen großen Schluck Rotwein nahm und plötzlich von Ian angerempelt wurde, als dieser eine fahrige Geste machte.

Das Ergebnis war, dass ein nicht unerheblicher Teil des Inhalts ihres Rotweinglases auf ihren wunderschönen türkisfarbenen Jumpsuit schwappte und ihr Outfit ruinierte.

„Na, wunderbar“, seufzte sie und besah sich den Schaden mit einem resignierten Seufzer. Anscheinend war es dem vollmundigen Rotwein zu verdanken, dass sie angesichts des ruinierten Kleidungsstücks nicht die Fassung verlor.

Die Entschuldigungsfloskeln des Footballspielers ignorierte sie und trank den restlichen Wein hastig aus, bevor sie Ava das Glas übergab und den tadelnden Blick ihrer Schwester großzügig übersah.

„Ich leihe mir etwas von dir“, informierte Willow sie und torkelte anschließend nicht mehr ganz nüchtern in Richtung Schlafzimmer, während Ava ihr stöhnend hinterherrief: „Tu dir keinen Zwang an!“

Willow ließ die Partygäste hinter sich und rieb sich über die Stirn, als sie das dämmrig beleuchtete Schlafzimmer des Paares betrat und die Tür hinter sich schloss. Anscheinend hatte sie tatsächlich mehr getrunken, als sie gedacht hatte, da sie leicht schwankte, sobald sie das Badezimmer anpeilte, und schon leicht benommen war.

Aus diesem Grund drang die Erkenntnis, dass das Bad bereits besetzt war, erst zu ihr, als sie den Mann bemerkte, der mit dem Rücken zu ihr stand und seelenruhig in die Toilette pinkelte.

Anstatt klammheimlich zu verschwinden, bevor er ihre Anwesenheit bemerkte, ließ sie ein Stöhnen hören.

„Ich schätze, dass Sie darauf stehen, beim Pinkeln beobachtet zu werden, oder? Sonst hätten Sie sicherlich abgeschlossen.“

Anscheinend hatte sie den dunkelhaarigen Mann überrascht, da dieser merklich zusammenzuckte und seinen Kopf zurückriss, um sie fassungslos anzuschauen.