Gleich wichtig - Irena Burk - E-Book

Gleich wichtig E-Book

Irena Burk

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Beschreibung

Nach einer erfolgreichen Ernährungsumstellung das Gewicht dauerhaft zu halten. Das war das Ziel der Autorin nachdem sie 30 kg abgenommen hatte. Gewicht zu halten, in jeder Lage und Situation und ständig darauf zu achten im gleichen Gewicht zu bleiben. Einfacher gesagt als getan, denn die alltäglichen Herausforderungen bedeuten mehr als nur ernährungstechnisch im Gleichgewichtig zu bleiben. Die mentalen und seelischen Aspekte haben einen großen Anteil, erfolgreich gegen die Verführungen anzukämpfen. Irena Burk erzählt in ihren Kurzgeschichten, wie sie ihre eigene Philosophie zum Thema entwickelt hat. Mit Selbstironie, Humor, aber auch Ernsthaftigkeit schildert sie ihre eigenen Erlebnisse und den Beginn der Corona Krise. Sie kommt zu der Erkenntnis, das alles gleich wichtig ist.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Irena Burk

Gleich wichtig

© 2020 Irena Burk

Verlag und Druck:tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-13205-4

Hardcover:

978-3-347-13206-1

e-Book:

978-3-347-13207-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Seit fast zwei Jahren versuche ich, mein Gewicht zu halten, mit einer konstanten Schwankung von ein bis zwei Kilogramm. Insgesamt habe ich 40 Kilogramm verloren und befinde mich in der Erhaltungsphase. Einmal im Monat gehe ich freiwillig zur Gewichtskontrolle, weil ich Angst habe, wieder zuzunehmen – berechtigterweise.

Das Ziel ist nach wie vor, langfristig gesund zu bleiben, denn das war ich vorher definitiv nicht mehr. Allerdings bedeutet das ein hohes Maß an Selbstdisziplin, sowohl im Alltag, aber speziell an den Wochenenden. Einladungen, Feste etc. – alles wird zur Herausforderung. Dazu noch die Corona Krise und alles bekommt eine andere Bedeutung. Ich versuche, stark zu bleiben, mir meine Schwächen von der Seele zu schreiben und alles gleich wichtig zu nehmen, um letztendlich im gleichen Gewicht zu bleiben.

In Erinnerung an Mama

„Essen und Trinken schmeckt“

Mentale Genusssucht

Ein sonniger und heißer Sonntag im August. Ich sitze wieder mal im Garten, unter dem Sonnenschirm, schwitze und schreibe. Das hilft mir enorm, mich mit meiner aktuellen Lebenskrise auseinanderzusetzen.

An das Witwendasein habe ich mich mittlerweile gewöhnt, an das Erschlanktsein allerdings nicht. In meiner eigenen Wahrnehmung empfinde ich mich immer noch als fett und das macht mich auf allen Ebenen unzufrieden. Genau wie die Cola Light, die ich gerade trinke.

Mein Leben hat sich geändert und hat einen neuen Rhythmus, aber die falsche Melodie. Sie klingt wie das Lied: „Was wollen wir trinken? Sieben Tage lang …“ von Hermann van Veen und Schwups, habe ich einen Ohrwurm.

Mentale Genusssucht nenne ich diesen Zustand und die bestimmt meinen Alltag. Mit dem Tod meines Mannes hat sich leider auch die Sinnlichkeit aus meinem Leben verabschiedet, obwohl ich versuche, durch Essen und Trinken eine mentale Befriedigung zu erlangen. Das hört sich sexistisch an oder wie eine SM-Nummer zwischen Körper und Geist.

Tatsächlich sind es sehr komplexe frühkindliche Mechanismen, die diese Sucht auslösen und mit der Muttermilch beginnen, hat mir meine Psychotherapeutin erklärt.

Zum Glück sind meine Blutwerte okay und ich gehe dreiwöchentlich ins Krafttraining. Von einer Frau Schwarzenegger weit entfernt, genauso wie von den erhofften Engelsflügel. Leider immer noch Winkeärmchen, denen ich gerne „Hasta la vista, baby“ sagen würde. Zumindest besitze ich jetzt eine geschmeidige Beweglichkeit, um dem inneren Schweinehund auszuweichen.

Die üblichen körperlichen Schmerzen kommen und gehen. Altersgerechte Zipperlein gesellen sich neuerdings dazu und das Bewusstsein, auf die 60 zuzugehen. Klingt nach Wechseljahren. Midlife-Crisis gefällt mir besser in diesem Zusammenhang, klingt dramatischer. Körper, Geist und Seele – das alte Dreigestirn – in Rebellion und ich in alter Kampfbereitschaft.

Zumindest bin ich wie immer stets bemüht, aber hadere schon ein wenig mit meinen schwachen Momenten. Gerade jetzt, die Gedanken an das leckere Essen im Kühlschrank, das von der gestrigen Grillparty übriggeblieben ist. Hunger habe ich eigentlich keinen, aber diese Dinge sind wie eine Schadsoftware in meinem Gehirn. Kampfmodus eingeschaltet! Mache mir halt eine Latte mit fettarmer, laktosefreier Milch.

Update

Eine der neuesten Fragen an mich – natürlich nach angemessener Trauerzeit – ist, ob ich eigentlich schon mal gedatet hätte? Zuerst habe ich es gar nicht verstanden, weil es sich anhört wie ein Update für meinen PC. Meine altmodische Antwort, nachdem ich es dann verstanden habe: „Nein, ich war bisher noch nicht verabredet, falls Männer gemeint sind.“ Jedenfalls höre ich dann Argumente wie: „Wäre doch schön, wenn da jemand ist, du bist doch noch so jung“, danke, „du willst doch bestimmt nicht alleine bleiben für Sex, Essen gehen, Reisen – in dieser Reihenfolge.“ Meine Argumente: „Ich bin 58! Manchmal ist es gar nicht so übel alleine zu sein. Ok, wäre nicht schlecht mit jemanden zu reden und sich auszutauschen, der einen versteht oder es zumindest versucht. Für Essen gehen, Reisen, Sex – meine Reihenfolge.“ Die Welt da draußen denkt tatsächlich, dass ich bereit sein könnte für einen neuen Partner.

Natürlich finde ich Männer gut und flirte sehr gerne mit ihnen, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Es tut mir gut und streichelt mein Ego als Frau. Ich hatte sogar schon einen sehr heißen Flirt mit einem kleinen Italiener. Das habe ich extrem genossen, aber er ist eben ein großer Casanova und das brauche ich dann doch nicht.

Bisher gab es in meinem neuen Leben noch nicht den richtigen Zeitpunkt, mir über einen eventuellen Partner, Gedanken zu machen. So was muss von alleine passieren und ehrlich gesagt hätte ich auch Angst vor diesem Schritt, über das Flirten hinauszugehen. Trotzdem ein interessanter Gedanke, ob es für mich tatsächlich noch möglich wäre, wieder mit einem Mann glücklich zu werden. Doch welcher Mann, möchte so eine temperamentvolle, selbstständige Witwe, die ein bisschen schnarcht, mit anstrengender Multikulti-Familie und Kater. Hört sich an wie eine Anzeige in einer Partnerbörse für Senioren.

Mal sehen, was das Schicksal noch mit mir vorhat. Zumindest möchte ich gesund bleiben, um ein eventuelles Update genießen zu können. Außerdem motiviert es mich aktuell, mein Gewicht zu halten und auf mich zu achten. Ein bisschen neugierig bin ich schon und vielleicht wäre ein Update diesbezüglich schon notwendig, um mitreden zu können. Meistens geht man ja Essen zum ersten Date und vielleicht würde ich dann nicht nur immer an Essen denken. Das wäre eigentlich eine Win-Win-Situation.

Stadtfest

Gestern Abend war ich seit Jahren das erste Mal wieder auf unserem Stadtfest. Erst hatte ich mir überlegt, ob ich überhaupt hingehen soll. Die vielen Menschen, das Gedränge an den Ständen und beim Laufen, die laute Musik und die teuren Getränkepreise, waren meine Gedanken. Der Hauptgrund war natürlich der: das erste Mal ohne Waldemar. Nein, nicht wieder in Trauer verfallen, dachte ich mir dann und sagte zu mir selbst: „Du musst raus, raus ins Leben“ oder besser gesagt aufs Stadtfest.

So zog ich dann mit meinen Freundinnen los und wir hatten einen tollen und fröhlichen Abend. Ich habe so viele alte Bekannte getroffen, die sich total gefreut haben, mich zu sehen und so habe ich den Abend dann doch noch genossen. Vor allem, die Gespräche, das Lachen, die Freude am Leben, die laute, aber tolle Musik und das Festbier. Die Kalorienbombe schlechthin. Es wurden allerdings mehrere Bömbchen.

Tagsüber hatte ich mich ernährungstechnisch schon reguliert, aber trotzdem blieb die Angst, bei jeder Sünde wieder zu zunehmen. Zugegebenermaßen war es eine große Sünde. Zu mitternächtlichen Stunde sind wir die 2,5 Kilometer zu mir nach Hause gelaufen. Ein bisschen Bewegung schadet ja nicht, auch wenn unsere Füße irgendwie rund waren.

Die nächtliche Einkehr bei mir Zuhause bescherte meinen Gästen einen kleinen Mitternachtsimbiss. Lauter böse Sachen, die ich immer auf Vorrat habe. Käse, Schinken, Salami, Pastete und – ganz böse – Weizenbrötchen. Da ich nicht unhöflich sein wollte, habe ich natürlich mitgesnackt. Hört sich kalorienärmer an als mitgegessen. Um halb drei Uhr morgens bin ich dann satt, zufrieden und mit meinem verwunderten Kater Pauli ins Bett.

Ab heute will ich versuchen, gelassener mit meinem neuen Leben umzugehen. Dazu gehört es eben, die Wochenenden zu genießen und ich habe damit angefangen, indem ich das erste Mal seit Waldemars Tod ausgeschlafen habe.

Unter der Woche wird wieder gekämpft. Aber zunächst gibt es heute Abend in unserem Stammlokal ein „Schnitzelchen“, natürlich ohne die üblichen Sättigungsbeilagen.

Träume

Ich hatte einen Albtraum, in dem ich plötzlich einen Penis hatte. Lauthals habe ich dagegen protestiert und wollte sofort mein eigenes Geschlechtsteil wieder zurückhaben. Jedenfalls konnte ich mich am Morgen noch genau an diesen schrecklichen Traum erinnern und musste mich erstmal vergewissern, ob alles noch beim Alten ist. Zum Glück alles wie gehabt, denn ich bin nämlich sehr gerne eine Frau. Warum träumt man so einen Unsinn?

Da gibt es doch auch die schönen Träume, die alten gemeinsamen Träume und die Tagträume. Einer dieser Tagträume wäre der Wunsch, in eine französische Bäckerei eingeschlossen zu werden. Früh morgens, wenn aus der Backstube dieser herrliche Duft nach frischem Baguette und butterigen Croissants kommt. Natürlich würde ich auch zuschlagen, aber das bleibt eine Fantasie. Französische Boulangerien haben es mir schon als kleines Mädchen angetan, wenn wir tagelang mit dem Auto quer durch Frankreich auf dem Weg nach Spanien unterwegs waren. Alleine die Sprache der Verkäuferinnen, wenn sie nur „Bonjour Madame“ sagten, klang wie ein Singsang, um dann die Leckereien wie kleine Präsente zu verpacken. Danach folgte wieder melodisch ein „Merci“ und ein „Au revoir“. Nostalgische Erinnerungen an eine andere Zeit in meinem Leben.

Waldemar und ich hatten den Traum, wenn er in Rente ist durch Frankreich – entlang der Atlantikküste bis runter nach Spanien und Portugal – zu reisen. Überall wollten wir Halt machen, wo es uns gefällt, um Märkte, Weingüter und Restaurants zu besuchen. Regionale, kulinarische Köstlichkeiten entdecken und probieren, so wie wir es immer gemacht haben, wenn wir mit dem Auto unterwegs waren. Zum Beispiel Kurztrips ins Elsass zum Einkaufen oder mal schnell mit dem Motorrad nach Luxemburg zum Eis essen. Unsere Reisen haben mich kulinarisch inspiriert und ich habe für Gäste, Feste und bei den Events, die ich ausgerichtet habe, alle Eindrücke unserer Reisen kreativ einfließen lassen. Heute alles längst vergangene und gelebte Träume, aber immer noch mit den Düften in der Nase und dem Geschmack auf der Zunge.