Verlag: edition oberkassel Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

... gnadenlose Weihnachtszeit E-Book

Jurgen Ehlers  

4.91666666666667 (12)

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E-Book-Beschreibung ... gnadenlose Weihnachtszeit - Jürgen Ehlers

Dies ist der zweite Sammelband der Kriminalinski-Reihe mit Kurzkrimis im E-Book-Format. Unter federführender Herausgeberschaft von Wolfgang Kemmer ist es eine Weihnachts-Edition. Als Autoren für diese E-Book-Reihe wurden neben Wolfgang Kemmer folgende namhaften und spannenden Autorinnen und Autoren gewonnen: Sabina Naber, Jürgen Ehlers, Herbert Knorr, Thomas Kastura und Bernhard Jaumann. Vier Geschichten diese Krimispezialisten gibt es im Einzelpack, alle sechs Geschichten gibt es dann nur in diesem Sammelband. Inhalt des Sammelbandes... gnadenlose Weihnachtszeit" Oh, du skrupellose … Jürgen Ehlers: Die Sache mit den Rolltreppenstehern Oh, du tödliche … Wolfgang Kemmer: Fest der Versöhnung Oh, du mörderische … Herbert Knorr: Ohne Senf geht gar nix Oh, du grausame … Thomas Kastura: Winterlicht exlusiv im Sammelband: Bernhard Jaumann: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt Sabina Naber: Gretes Sieg

Meinungen über das E-Book ... gnadenlose Weihnachtszeit - Jürgen Ehlers

E-Book-Leseprobe ... gnadenlose Weihnachtszeit - Jürgen Ehlers

... gnadenlose Weihnachtszeit

Wolfgang Kemmer (Hg.)Andreas Kaminski (Hg.)

edition oberkassel2013

Inhalt

Die Sache mit den Rolltreppenstehern

Jürgen Ehlers

Das Fest der Versöhnung

Wolfgang Kemmer

Ohne Senf geht gar nix

Herbert Knorr

Winterlicht

Thomas Kastura

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Bernhard Jaumann

Gretes Sieg

Sabina Naber

Dank an die Leser

Impressum

Die Sache mit den Rolltreppenstehern

Jürgen Ehlers

Sie hätten mich nie gekriegt damals, wenn nicht diese Burschen im Weg gestanden hätten.

Auf der Rolltreppe. »Könnte ich bitte mal durch?«, habe ich gefragt. Richtig höflich, obwohl ich natürlich ziemlich in Eile war. Keine Reaktion. Nichts. »Entschuldigung, aber ich muss hier mal durch!« Sie haben sich nicht gerührt. »Rechts stehen, links gehen!« – das sollten sie wirklich dran schreiben an jede Rolltreppe, damit das auch der letzte Idiot kapiert. Das hätte vielleicht geholfen damals. Aber so – so haben sie mich natürlich gehabt, die Bullen. Vor fünf Jahren ist das gewesen. Jetzt bin ich endlich wieder draußen.

Ja, natürlich bin ich froh, wieder draußen zu sein.

»Gefällt dir was nicht?«, fragt Monika. Zum Glück hat sie noch immer unsere alte Wohnung. Sonst hätte ich ja gar nicht gewusst, wo ich sie suchen soll.

»Nein, alles in Ordnung«, sage ich. Komisch, dass sie auch fünf Jahre älter geworden ist inzwischen, damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Wir hatten uns selten gesehen in letzter Zeit.

»Komm schon, irgendetwas stimmt nicht.«

Ja, denke ich, irgendetwas stimmt nicht. Aber was? »Im Knast war mehr Ordnung«, sage ich schließlich.

»Kannst ja mal was aufräumen«, meint Monika.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass sie das machen sollte. Aber sie hat schon Recht, im Augenblick hätte ich ja mehr Zeit als sie mit ihrer halben Stelle und mit den Kindern. Die Kinder spielen im Wohnzimmer. Es sind mehr als beim letzten Mal.

»Der Blonde war aber sonst noch nicht da«, sage ich.

Monika zuckt mit den Schultern »Du warst ja auch nicht da.«

Das stimmt natürlich, aber mir gefällt das trotzdem nicht. Monika merkt natürlich gleich, dass mir das nicht passt.

»Wir können ihn ja in die Babyklappe geben«, schlägt sie vor.

»Ach nee, lass man«, sage ich. Ich glaube, das ist keine gute Idee. »Wahrscheinlich nehmen die ihn gar nicht mehr…«

»Warum nicht? Der ist doch erst drei.«

Später merke ich, dass das ein Scherz gewesen sein soll. Monika gibt mir einen Kuss. »Sieh mal zu, dass du Arbeit kriegst«, sagt sie. »Dann sehen wir weiter.«

Das gute alte Arbeitsamt heißt jetzt »Agentur für Arbeit«. Schöner Name. Neues Mobiliar haben sie auch gekriegt, seit ich das letzte Mal da war. Aber Arbeit haben sie keine. Die Beraterin scheint genervt, dass ich mit so einem Anliegen komme. Sie nimmt mein Bewerberprofil auf. Was ich denn zuletzt gemacht habe, will sie wissen.

»Im Knast?«, frage ich.

»Nein, vorher.«

»Geldtransporter fahren.«

Die Frau guckt mich an. »Ich glaube nicht, dass wir da im Augenblick etwas frei haben«, sagt sie sichtlich reserviert. Dazu braucht sie gar nicht erst ihren Computer zu befragen. Ich schlage vor, dass ich zur Not auch was anderes machen könnte.

Was ich denn gelernt habe, will sie wissen. Im Knast? Eine ganze Menge! Aber das erzähle ich ihr lieber nicht. An sonstigen Qualifikationen kann ich nur meinen Hauptschulabschluss vorweisen. Und den Führerschein natürlich.

Sie sagt, dass bei den Geldtransportern die Konjunktur leider im Augenblick in einer Krise steckt, und dass sie mir da im Moment wenig Hoffnung machen kann. Aber ich könne mich natürlich an den »Internen Service – Pädagogik« wenden. Umschulung meint sie damit.

»War wohl nichts?«, fragt Monika, als ich wieder zurück bin.

»Einen Weihnachtsmann haben wir alle gekriegt …«

»Hättest du nicht drei nehmen können? Für die Kinder.«

»Nee, hat jeder nur einen gekriegt. Kannst du haben; ich mag keine Schokolade. Aber mit Arbeit war nichts. Wir werden wohl erst einmal von unseren Vorräten leben müssen.«

Monika betrachtet den Weihnachtsmann. »Frag doch noch mal nach beim nächsten Mal. Bestimmt bleiben am Ende welche über.« Sie wiegt ihn in der Hand.

»Er ist hohl«, sage ich.

»Ja klar, was hast du denn gedacht? Beim Arbeitsamt?«

»Schade, dass es nicht geklappt hat. Ein bisschen mehr Geld wäre nicht schlecht.«

Obwohl wir ja noch unsere Reserven haben. Die Sachen von dem Einbruch in das Juweliergeschäft. Gut versteckt. Hat nie jemand gefunden. Selbst Monika weiß nicht, wo ich die Beute damals gelassen habe.

Monika streichelt mich. Sie will irgendetwas, denke ich. Schließlich kommt sie damit heraus: »Ach ja, das hab ich dir ja noch gar nicht erzählt. Wegen Weihnachten. Die Kinder brauchen neue Tiere.«

»Ja«, sage ich. »Sicher wird sich im Tierheim irgendein gebrauchter Hamster auftreiben lassen. Oder zur Not auch eine Katze.«

»Nein, Plüschtiere.«

»Noch mehr?«, frage ich. »Die ganzen Betten sind doch schon voll davon. – Jedenfalls war das so, als ich das letzte Mal hier gewesen bin.«

Monika schüttelt den Kopf. »Alles vorbei. Die Pamela hat doch diese Läuse mit aus der Grundschule gebracht. Kopfäuse.«

»Das macht doch nichts«, sage ich.

»Nein, eigentlich nicht. Aber da muss man auch die Spielsachen in so eine Quarantäne tun …«

»Wo rein?«

»Quarantäne. So heißt das. Ist aber einfach nur ein Müllsack. Für ein paar Wochen müssen die da rein, die Kuscheltiere. Und wenn da dann noch Läuse dran sind, dann sterben die. Weil sie keinen Kopf mehr haben, auf dem sie grasen können. Ich hab die Tiere also in so einen Müllsack getan, zugebunden – und fertig.«

Ich weiß nicht, wo Monika drauf hinaus will.

»Ja, und dann, als alles vorbei war, da haben wir ganz feierlich den Müllsack wieder aufgemacht.«

»Fein.«

»Nein, eben nicht! – In dem Sack, da war bloß noch Müll drin.«

»Müll?«

»Ja, da muss ich wohl am Dienstag den falschen Sack rausgestellt haben.«

»Ach«, sage ich. »Das ist aber unangenehm.«

»Ja, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie die Kinder geheult haben.«

»Ja, ja.« Mir ist auch zum Heulen. »Ist der Panther noch da?«, frage ich.

Natürlich nicht. Monika schüttelt stumm den Kopf. In den Panther hatte ich doch die Beute eingenäht. Nun sind wir wirklich arm dran.

Es ist nicht die letzte unangenehme Überraschung dieses Abends.

»Es macht dir doch nichts aus, dass der Gerd hier übernachtet?«, fragt Monika. »Irgendwo muss er ja schlafen.«

»Ist schon in Ordnung«, sage ich. Der Gerd ist der Papa von dem kleinen Frithjof, so viel hab ich schon mitgekriegt.

»Du kannst ja erst mal die Couch nehmen.«

Ich sage, dass ja eigentlich auch der Gerd auf der Couch schlafen könnte.

»Nee, lass man«, sagt Monika. »Ist schon besser, wenn wir das so lassen, wie es jetzt ist. Der Gerd ist immer so leicht beleidigt, wenn irgendwas nicht so läuft, wie er das gewohnt ist, und dann kann er echt fies werden ...«

Gerd arbeitet auf St. Pauli. »Die Einzelheiten willst du sicher nicht wissen«, sagt Monika.

»Wieso?«, frage ich.

»Die Einzelheiten willst du nicht wissen«, beharrt sie. »Glaub mir, das ist besser so!«

Muss also was ziemlich Schlimmes sein.

Der Gerd kommt erst spät in der Nacht nach Hause. »Schmeiß den Kerl raus«, sagt er zu Monika, als er mich sieht.

Aber davon will Monika nichts wissen. Sehr anständig von ihr. Und mutig außerdem.

Was der Gerd dann in der Nacht in unserem Schlafzimmer mit ihr gemacht hat, weiß ich natürlich nicht, aber Zoff hat es gegeben, und am nächsten Morgen hat Monika ein blaues Auge und sieht auch sonst etwas ramponiert aus.

»Alles nur wegen mir?«, frage ich.

Monika nickt. »Vielleicht solltest du dir doch vorübergehend eine andere Bleibe suchen«, schlägt sie vor.

»Oder du«, gebe ich zurück.

»Nicht so einfach«, sagt sie. Ganz gleich wo sie hinzieht - sie hat Angst, dass der Gerd sie da findet.

Ich gehe ins Schlafzimmer. Gerd pennt noch.

»Sei vorsichtig!«, haucht Monika.

Ja, ich bin vorsichtig. Aber vor schlafenden Männern habe ich keine Angst. Ich durchsuche seine Sachen. Gerd Kubitzki, heißt er. Steht jedenfalls in seinem Ausweis. Und er hat eine Pistole; das hatte ich mir schon gedacht.

»Die leih ich mir mal aus«, sage ich.

»Das geht nicht«, sagt Monika.

Doch, das geht. »Da ist noch eine Rechnung offen«, sage ich. »Oder zwei. Und die werden jetzt beglichen.«

Monika lacht. Das traut sie mir nicht zu, dass ich irgendwelche Rechnungen begleiche. Jedenfalls nicht mit der Pistole.

»Das ist ’ne Glock«, sage ich. »Passt irgendwie zu Weihnachten. Süßer die …«

In dem Augenblick hustet Gerd. Er hat einen ekligen Raucherhusten. Wir machen, dass wir aus dem Zimmer kommen.

Ja, ich habe wirklich noch eine Rechnung zu begleichen. Da ist nämlich noch diese Sache mit den Rolltreppenstehern. Denen werde ich es jetzt heimzahlen. Ich mache mich auf den Weg. Es ist kalt, und es schneit ein wenig. Mich friert. Gut, dass ich wenigstens die Handschuhe anhabe. Einen Moment lang überlege ich mir, ob ich nicht doch einfach aus unserer Wohnung ausziehen soll. Abhauen und völlig neu anfangen. Aber wo soll ich hin? Keine Arbeit, kein Geld, keine Wohnung. Das geht nicht. Also mache ich mich ans Werk.

In der Innenstadt herrscht Weihnachtstrubel. Erst mal zu Karstadt, denke ich. Da klappt es dann auch sofort. Ein dicker Kerl drängt sich knapp vor mir auf die Rolltreppe.

»Entschuldigen Sie«, sage ich. Keine Reaktion. »Darf ich bitte mal durch?« Er reagiert nicht. Da gebe ich den Warnschuss ab. Und sofort bricht Chaos aus. Frauen kreischen, Männer rennen davon; einer springt sogar über das Geländer. Der Dicke vor mir hat seine Einkaufstüten fallen lassen und starrt mich entgeistert an. Er hebt die Hände hoch. Ich nehme die Tüten, dränge mich an ihm vorbei, und schon bin ich draußen.

Ich weiß nicht, ob jemand versucht, mir zu folgen, aber auf der Mönckebergstraße herrscht ein solches Gedränge, da hat sowieso keiner eine Chance.

Beim Kaufhof klappt es nicht ganz so gut wie bei Karstadt. Ich muss wohl zehnmal sämtliche Rolltreppen rauf und runter fahren, bis ich einen Rolltreppensteher erwische. Eine ganze Gruppe, genauer genommen. Jugendliche, sicher die ganzen Tüten voller CDs mit Popmusik. Genau das Richtige für unsere Kleinen.

»Kann ich bitte mal durch?«