Gone - Rhiana Corbin - E-Book

Gone E-Book

Rhiana Corbin

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Beschreibung

Tori Ingram betreibt in Santa Monica das Fight Line, ein Kampfsport Studio. Als Schläger auftauchen und den Laden zerlegen wollen, werden sie von einem Kämpfer in die Flucht geschlagen. Sander Montoya, der vor Jahren den Weltmeistertitel im Mixed Martial Arts gewann und danach spurlos verschwand, ist zurück. Doch Tori hat mit Sander noch eine Rechnung offen, denn nach einem Kampf verstarb ihr geliebter Bruder Sam, der ihr nichts als das marode Studio hinterließ. Plötzlich fällt es Tori allerdings schwer, ihren lang gehegten Hass auf Sander aufrechtzuerhalten, denn er übt eine nie vergessene Anziehung auf sie aus ... denn schließlich waren sie mal verlobt ...

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Seitenzahl: 137

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Rhiana Corbin

Gone

Last Chance for Love

Gone

Last Chance for Love

Rhiana Corbin

Inhalt

Playlist

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Danksagung

Bücher von Rhiana Corbin

Leseprobe

Copyright © 2019, Rhiana Corbin

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung

Covergestaltung: unter Verwendung folgendes Foto:

© photosvit - Bigstock.com

Rhiana Corbin c/o Andrea Wölk

Lutherstr. 16, 46414 Rhede

www.mybooklove.de

Erstellt mit Vellum

Playlist

Playlist

Gone – Tommy Reeve

Talk to me – Stevie Nicks

A Song for You – Whitney Houston

Indestructible – Welshly Arms

Judgement Day – Stealth

Low – Lenny Kravitz

In the Air tonight – Joseph W. Morgan

Stand by me – Geeno Smith

Void – Fritz Kalkbrenner

Creep – Radiohead

Anywhere – Rita Ora

Way down we Go – Kaleo

Warm – SG Lewis

Lost on you – LP

Locked – Welshly Arms

Summer Son – Texas

Nothing without you – Mando Diao

Don’t be a fool -Shawn Mendes

Not a damn Thing changed – Lukas Graham

Woman of the world – Amy Macdonald

Amen (Pre Fight Prayer) – Mike Will Made-It

Soul Survivor – Rita Ora

Everlasting Love – U2

Kapitel 1

Sander

Die Bude ist ziemlich runtergekommen, ganz anders als ich sie in Erinnerung habe. Die Leuchtreklame mit dem Namen Fight Line ist auf der rechten Seite kaputt. Sie hängt schief, das Glas ist gesplittert und die Leuchtstoffröhre blinkt nur noch unkontrolliert. Sieben Jahre sind eine lange Zeit und ich hatte keine genaue Vorstellung von dem, was ich erwartet habe, doch so eine Bruchbude auf keinen Fall. Das niedrige Gebäude, das einmal weiß war, schimmert nun gräulich, die Farbe blättert von den Außenwänden. Plakate von längst vergangenen Veranstaltungen flattern halb abgerissen und verblichen im Wind. Verdammt, was auch immer hier passiert ist, Sam wird mir Rede und Antwort stehen müssen.

Es ist schon spät, aber der Laden muss doch geöffnet sein, denn es brennt noch Licht, das kann ich von außen sehen, jedoch ist die Tür abgeschlossen. Die Fenster sind entweder dreckig oder mit Brettern zugenagelt, sodass ich nicht richtig ins Innere schauen kann, aber durch ein kaputtes, dessen Glas an einer Ecke fehlt, höre ich Stimmen. Also ist doch jemand da. Ohne lange nachzudenken, klopfe ich gegen die schwere Eisentür.

Geduld ist nicht gerade meine Stärke, also hämmere ich erneut, diesmal mit der Faust.

»Verdammt, was willst du? Der Laden hat geschlossen! Es ist niemand da.« Die Tür wird einen Spaltbreit geöffnet und ein schmieriger Typ mit einer Motorradkutte steckt den Kopf zur Tür heraus.

»Du bist doch da, also ist nicht geschlossen«, bemerke ich trocken.

»Hä?« Der Typ mit den blonden kurzen Haaren schaut mich nur unverständlich an. Was gibt es denn an diesem Satz nicht zu verstehen? Er scheint wohl nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein.

Laute Geräusche dringen nach draußen, als würde man innen alles abreißen. Als ein schriller Schrei den Krach übertönt, werde ich neugierig. »Was geht da drinnen vor?«, will ich wissen.

»Das geht dich nichts an.« Der Typ streckt seine Hand aus, um mir einen Stoß zu versetzen, doch ich bin schneller. Ich drehe ihm mit einer geschickten Bewegung den Arm auf den Rücken, und betrete zusammen mit ihm die Sporthalle.

»Lass mich verdammt nochmal los!«, ruft er aufgebracht, doch ich störe mich nicht daran.

Innen sieht alles so aus wie früher, nur dass drei weitere Typen mit Lederjacken und Baseballschlägern vor dem Büro stehen und dabei sind, es zu Kleinholz zu verarbeiten.

»Was hat das zu bedeuten?«, frage ich den Kerl, den ich gut im Griff habe.

»Die Schlampe zahlt ihre Schulden nicht, also machen wir ihr ein wenig Dampf unter dem Hintern«, erklärt er mit schmerzverzerrtem Gesicht. »Verdammt, lass mich los. Wir sind zu viert. Hast du keine Augen im Kopf?«, mault er mich an.

Ich gebe ihm einen Schubs, dass er in den Raum hineinfliegt und über den Boden rutscht. Der Typ ist fast zwei Köpfe kleiner als ich, was für ein Zwerg.

Erneut erklingt ein schriller Schrei, der meine Aufmerksamkeit auf das Büro lenkt. Mit drei großen Schritten komme ich dort an und lasse meinen Seesack zu Boden fallen, denn ich geschultert trage.

»Darf ich erfahren, was hier los ist?«, frage ich laut, um mir Gehör zu verschaffen.

»Ha, was willst du denn? Wer hat dich hier reingelassen?«, fragt ein bulliger Kerl, der kaum größer ist als sein Freund, der immer noch auf dem Boden liegt und sich den Arm hält. »Hey, Pete, was machst du da unten?«

»Passt bloß auf, der Kerl ist verdammt stark!«, jammert Pete.

»Und warum hast du ihn überhaupt hier hereingelassen, du Flasche?«, fragt ein anderer, der einen Schläger in der Hand hält, mit dem er den Holzschreibtisch zerlegt hat.

»Na, du hast ja tolle Kumpels«, meine ich an Pete gewandt, der langsam wieder auf die Beine kommt.

In diesem Augenblick entdecke ich sie. Einer der Kerle hält eine Frau an ihren langen roten Haaren in gebückter Haltung fest. Sie gibt keinen Mucks von sich, doch es ist ihr anzusehen, dass sie nicht aus freien Stücken diese Haltung eingenommen hat.

»Lass die Frau los«, fordere ich und sondiere die Umgebung. Zwei der Schläger stehen direkt vor mir, der Dritte hält die Frau fest und Pete kniet rechts neben mir. Ein Kinderspiel.

»Wer sagt das?«, will der Typ mit dem Baseballschläger wissen.

»Ich sage das«, ist meine Antwort und ziehe meine grüne Armeejacke aus.

Darunter trage ich nur ein Achselhemd, das meine Oberarme gut zur Geltung bringt. Ebenso auch die Tattoos, die ich trage.

Das Großmaul gibt dem anderen durch Blicke zu verstehen, die Frau loszulassen, die sich keuchend aufrichtet.

»So, wenn du hier schon ‘ne große Lippe riskierst, dann will ich auch deinen Namen wissen, damit wir ihn auf deinen Grabstein schreiben können.«

Ich lache leise auf. Was für ein Spruch. »Könnt ihr denn schreiben?«, frage ich lächelnd, ohne die Frau aus den Augen zu lassen.

Sie.

Tori.

Mit einer fahrigen Bewegung streicht sie ihr Haar aus den Augen und blickt mich an, als wäre ich eine Erscheinung. Ihr Mund steht einen kurzen Augenblick offen, dann schließt sie ihn und schaut zu Boden.

Einer der Typen macht einen Schritt auf mich zu, doch der Anführer hält ihn mit einer Handbewegung auf.

»Warte. Ich will erst wissen, wer er ist.«

»Sagt nicht, dass ihr ihn nicht erkennt. Das ist Sander Montoya, oder auch Shade, wie seine Fans ihn genannt haben. Er war Weltmeister in Mixed Martial Arts«, erklärt sie verächtlich und sieht mich abschätzend an. »Ich an eurer Stelle würde schleunigst die Fliege machen, wenn ihr heil hier rauskommen wollt«, fügt sie hinzu.

»Halt die Klappe, Bitch. Ohne unsere Kohle gehen wir nirgendwohin.«

»Ich habe euer Geld nicht, das könnt ihr eurem Boss sagen. Es war abgemacht, dass ich die Summe am nächsten Ersten zahle, das ist in zehn Tagen. Also macht, dass ihr wegkommt.«

»Vielleicht sollten wir in zehn Tagen wiederkommen, Berry«, bemerkt Pete und reibt sich immer noch seinen Arm.

»Nichts da. Der Boss hat gesagt, wir sollen ihr auf den Zahn fühlen.« Berry. Aha so heißt also der Anführer.

Der Boss – das konnte in dieser Gegend nur einer sein. Romero Pachero. Der war schon ein Gangster und Kredithai, als er noch zur Schule ging.

»Arbeitet ihr für Romero?«, frage ich gelassen.

Die Typen sehen mich nur grinsend an.

»Okay, dann bestellt ihm schöne Grüße von Shade. Ihr bekommt euer Geld am Ersten. Wenn ich euch nur einen Tag früher hier erwische, wird das nicht so glimpflich ablaufen. Und jetzt packt euren Freund ein und seht zu, dass ihr verschwindet.« Ich helfe Pete auf die Beine, ziehe etwas unsanft an seinem Arm, sodass er laut aufbrüllt.

»Hey, was soll das?« Berry, der Anführer, kommt mit dem Holzschläger auf mich zu und holt aus.

Bevor er überhaupt reagieren kann, setze ich zu einem Schlag an und treffe seine Leber. Ich lege kaum Kraft hinein, trotzdem entweicht alle Luft aus seinen Lungen und er krümmt sich zusammen, verliert dabei den Schläger. Schnell greife ich danach, versetze ihm einen Hieb gegen die Kniekehlen, sodass er zu Boden geht. Dann zeige ich auf die beiden anderen Typen. »Schleppt ihn hier raus, bevor ich mich vergesse. Und denkt dran, Romero schöne Grüße von mir zu bestellen.«

Angstvoll schieben die beiden anderen sich an mir vorbei und helfen Berry und Pete, damit sie aus der Halle kommen. Ich begleite sie zur Tür und verschließe sie sorgfältig, als die Schläger die Halle verlassen haben.

Zurück im Büro bleibe ich an der Tür stehen. »Hallo Tori. Kannst du mir mal erklären, was hier passiert ist? Und wo zum Teufel ist Sam?«

Kapitel 2

Tori

Ich blicke auf den Berg von Mann und kann es nicht glauben, dass er noch lebt. Obwohl, dass er noch am Leben ist, daran hätte ich nie gezweifelt, eher, dass er jemals wieder zurückkehrt, nachdem er gegangen ist.

»Du bist also wieder zurück?«

»Sieht so aus«, knurrt Sander.

»Es kommt mir so vor, als hättest du gestern erst gesagt, ich bin mal eben Zigaretten holen, oder so was in der der Art.«

»Ich rauche nicht«, erklärt er.

Weiß ich, hat er nie. »Als wenn ich das nicht wüsste. Es war mehr als Metapher gedacht, falls dir das etwas sagt«, meine ich schnippisch.

Ich bin mächtig angepisst, dass er einfach hier so auftaucht, als wäre nichts gewesen, dabei hat er gerade meinen Arsch gerettet, wie ich zugeben muss. »Beantworte meine Frage: Was ist hier los? Und wo ist Sam?« Sein Ton ist auch nicht gerade besonders nett.

»Das sind schon zwei Fragen, wenn du zählen kannst.« Ich kann nicht anders, als meine Wut, auf ihn loszulassen. Er trägt die Schuld an zu vielen Schmerzen, zu vielen hoffnungslosen Gedanken, zu vielen leeren Nächten und viel zu vielen Tränen.

»Ich wäre schon froh, wenn du eine davon beantworten würdest.« Sander ist ruhig, äußerlich. Wie es in ihm aussieht, weiß ich nicht.

»Ich denke, das geht dich alles nichts mehr an. Du hast dein Recht auf Antworten verwirkt, als du vor sieben Jahren ohne ein Wort verschwunden bist.«

»Und ich denke, da mir die Hälfte dieses Ladens hier gehört, geht mich das sehr wohl etwas an.« Er verschränkt die Arme vor der Brust, lehnt sich mit dem Rücken an die Wand. Seine eindrucksvollen Muskeln der Oberarme treten deutlich hervor. Er wusste schon immer, wie er mich beeindrucken kann, nur, dass ich diesmal nicht beeindruckt bin, eher noch ein wenig sprachlos, dass er hier vor mir steht. Leibhaftig.

Wortlos beginne ich den Schaden zu begutachten, den die Schläger hinterlassen haben. »Der Schreibtisch ist hin, allerdings war er eh seit geraumer Zeit nicht mehr zu gebrauchen. Die haben mir einen Gefallen getan, jetzt kann ich mir einen neuen kaufen.« Ich hebe die Blätter auf, die überall verstreut liegen. Kleine Werbeprospekte und Mitgliedsanträge. Sie sind schon ganz vergilbt, weil es seit Langem keine neuen Mitglieder mehr gibt.

»Tori, wo ist Sam? Warum hilft er dir nicht?«, fragt Sander, und sein ruhiger Ton hat etwas Bedrohliches.

Ich halte in der Bewegung inne und blicke ihn direkt an. »Weil Sam tot ist.« Die Worte kommen mir nur schwer über die Lippen, selbst nach all den Jahren. Ich sehe, wie Sanders Gesicht alle Farbe verliert. Das gibt mir ein wenig Genugtuung. Er ist geschockt und ich komme mir wie eine Hexe vor, weil ich es genieße. Verdammt! So bin ich nicht, so will ich nicht fühlen, doch ich kann nicht anders. Der Schmerz von sieben Jahren bricht sich seine Bahn und endlich kann ich einen Teil dieses Schmerzes auf ihn abwälzen.

»Tot?« Sanders Lider flackern leicht, als er mich ansieht. »Wann ist das passiert? Was ist passiert?«

»An dem Abend, als du verschwunden bist. Du bist nicht zum Kampf erschienen, also ist Sam für dich eingesprungen … und hat es nicht überlebt.« Meine Stimme hat kaum Kraft, ich schaffe es nicht, seinem Blick standzuhalten. Die Worte, die mir scheinbar so arglos über die Lippen kommen, reißen Wunden in mein Herz. Die alten, kaum verheilten Schnitte brechen wieder auf. Ich wünsche, er könnte spüren, wie ich mich fühle.

»Das … ich wusste das nicht«, mehr bringt er nicht über die Lippen.

»Das denke ich mir. Wir haben ihn vier Tage später beerdigt. Wo verdammt nochmal bist du gewesen?«, frage ich zornig und werfe die Blätter in den Papierkorb, der das Massaker überlebt hat. Das alte schrottige Ding lebt immer noch.

»Afghanistan und Irak«, sagt er leise.

»Du bist zur Armee gegangen?«, frage ich überrascht. Ich bin verwundert. Sander ist kein Mann, der gerne Befehle entgegennimmt.

Er nickt, führt es aber nicht weiter aus und ich frage auch nicht.

»Was ist hier passiert?« Er sieht sich fragend um, stößt sich von der Wand ab und stemmt die Hände in die Hüften.

»Was glaubst du, wie gut ein Studio läuft, wenn die beiden besten Kämpfer von einem auf den anderen Tag verschwinden? Denkst du wirklich, das zieht noch die Massen an? Es gibt nur noch eine Handvoll Mitglieder, die mir treu geblieben sind.«

»Schmeißt du den Laden ganz allein?« Er stellt einen Stuhl wieder auf, der umgerissen wurde und setzt sich darauf, stützt die Ellenbogen auf den Knien ab.

»Ja, nur Rocco ist mir geblieben. Er ist mein einziger Halt.«

»Rocco? Wie alt ist er mittlerweile? Sechzig?« Er schnauft und ein kleines Lächeln der Erinnerung bildet sich auf seinen Lippen.

»Sechsundsechzig und er würde dich immer noch unangespitzt in den Boden rammen«, behaupte ich trotzig und weiß selbst, dass es nicht stimmt, nur soll Sander nicht glauben, dass er immer noch der Größte ist. Das ist längst vorbei.

»Wo ist Rocco jetzt?«

»Er hat schon Feierabend gemacht. Heute war nicht viel los.« Ich blicke auf meine Uhr. »Oh verdammt! Ich muss los.«

»Wohin?« Sander macht einen Schritt auf mich zu, als wolle er mich aufhalten.

»Ich muss zur Arbeit. Meiner zweiten, ich arbeite in einer Bar«, erkläre ich, sehe seinen fragenden Blick.

»Dann komm, ich fahre dich. Aufräumen können wir morgen.«

Ich schnappe meine Tasche und den Schlüssel vom Boden und wir verlassen gemeinsam das Gebäude.

»Welche Bar?«, fragt Sander, und steuert auf einen alten Dodge Charger zu. Der Lack war wohl mal dunkelrot, ist jedoch kaum noch zu erkennen.

»Das Amethyst, Ocean Avenue. Der fährt noch?«, frage ich misstrauisch auf den Wagen deutend.

»Das ist ein super Auto, er tarnt sich nur gut.« Sander grinst und in seinem rechten Mundwinkel zeigt sich ein Grübchen. Es erinnert mich an eine andere Zeit. Damals, als noch alles in Ordnung war. Als Sam noch am Leben war. Mein großer Bruder, der mich vor allem beschützt und umsorgt hat. Damals, als ich gerade achtzehn und mit Sander Montoya verlobt war.

Kapitel 3

Sander

Das Amethyst ist eine der typischen Bars in Santa Monica. Wie der Name vermuten lässt, ist die Innenausstattung ganz in Violett gehalten. Es gibt einige Tische und eine lange Bar, an der Tori bedient. Ich lasse mich am Ende der Bar auf einen Hocker nieder und nippe an einem Corona, das sie vor mich hingestellt hat, ohne zu fragen. Sie weiß immer noch, was ich gerne trinke.

Tori Ingram hat sich in den letzten sieben Jahren verändert. Das Mädchen ist zur Frau geworden. So viel ist klar. Sie ist immer noch schlank, aber an den richtigen Stellen zeichnen sich Rundungen ab, die vorher noch nicht da gewesen sind. Sie hat sich im Hinterzimmer umgezogen, trägt jetzt einen kurzen Lederminirock und ein violettes Tanktop mit dem Aufdruck des Barnamen. Ihr dunkelrotes Haar hat sie zu einem hohen Zopf zusammengebunden und hochgesteckt. Ich habe ihre roten Locken immer geliebt. Sie sieht so wild und unberechenbar damit aus, weil sie ihre grünen Augen hervorheben. Als ich Tori zum ersten Mal sah, war sie neun Jahre alt und ich glaube, ich habe mich damals mit dreizehn schon in sie verliebt. Als ich neunzehn war, schlief ich zum ersten Mal mit ihr und Sam, mein bester Freund und ihr älterer Bruder, hätte mich fast zu Tode geprügelt, weil Tori erst fünfzehn war. Doch ihr Körper war schon damals der einer jungen Frau. An dem Tag, als sie achtzehn wurde, habe ich um ihre Hand angehalten und wir haben uns verlobt, nur um mich zwei Jahre später spurlos aus dem Staub zu machen, und Tori und mein gesamtes Leben hinter mir zu lassen.