Grabesruh - Jim Butcher - E-Book
Beschreibung

Wo die Polizei nicht weiterweiß, kommt er ins Spiel: Harry Dresden, der Privatdetektiv mit den besonderen Fähigkeiten. Er musste es schon mit einer ganzen Reihe unheimlicher Gegner aufnehmen - von skrupellosen Vampiren und düsteren Dämonen bis zu gigantischen Skorpionen. Doch nichts von alldem hat ihn auf die Gefahr vorbereitet, der er sich nun stellen muss: Überall in Chicago werden Menschen von Geistern attackiert, die nur ein Ziel kennen - Rache an allen Lebenden. Kann Harry sie aufhalten?

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Seitenzahl:580

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Autor: Jim Butcher

Deutsch von: Jürgen Langowski

Lektorat: Angela Troni

Art Director: Oliver Graute

Umschlagillustration: Chris McGrath

© Jim Butcher 2001

© 2007 der deutschsprachigen Übersetzung bei Droemersche

Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

© 2011 der vorliegenden Ausgabe Feder&Schwert GmbH

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-123-6

Originaltitel: Grave Peril

Grabesruh ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Jim Butcher 2011. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Jim Butcher.

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

1. Kapitel

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass ich nicht gern schnell fahre. Zum einen beginnt der blaue Käfer, mein in Wirklichkeit kunterbunter Volkswagen, gefährlich zu klappern und zu stöhnen, sobald ich auf mehr als neunzig Stundenkilometer beschleunige. Zweitens habe ich gewisse Schwierigkeiten mit der Technik. Alles, was nach dem Zweiten Weltkrieg hergestellt wurde, gibt unvermittelt den Geist auf, sobald ich in der Nähe bin. Daher fahre ich stets äußerst vorsichtig und aufmerksam.

Dieser Abend war allerdings eine jener Ausnahmen, die die Regel bestätigten.

Mit quietschenden Reifen lenkte ich den Käfer um eine Ecke, obwohl ein Schild das Linksabbiegen verbot. Das alte Auto heulte wild auf, als wüsste es, was auf dem Spiel stand, und ratterte, knirschte und klapperte tapfer weiter, während wir die Straße hinunterrasten.

„Können wir nicht schneller fahren?“, brummte Michael. Er wollte sich nicht beklagen, es war nur eine sachliche Frage.

„Leider nur bergab oder mit Rückenwind“, sagte ich. „Wie weit ist es noch bis zum Krankenhaus?“

Der große Mann zuckte mit den Achseln und schüttelte den Kopf. Er wirkte äußerst vertrauenerweckend mit seinem graumelierten Haar und dem dunkelbraunen, fast schwarzen Bart. Das wettergegerbte Gesicht war von Sorgen- und Lachfalten gleichermaßen gezeichnet. Er hatte die kräftigen Arbeiterhände auf die Knie gelegt, die er im engen Käfer etwas anziehen musste. „Ich bin nicht sicher“, antwortete er. „Drei Kilometer vielleicht?“

Ich spähte durchs Fenster in die Dämmerung hinaus. „Die Sonne ist schon fast untergegangen. Hoffentlich kommen wir nicht zu spät.“

„Wir tun, was wir können“, beruhigte Michael mich.

„Wenn Gott will, werden wir rechtzeitig dort sein. Bist du sicher, was deine ...“ Er schnitt eine missmutige Grimasse. „Was deine ,Quelle‘ angeht?“

„Bob ist zwar eine Nervensäge, irrt sich aber nur selten“, antwortete ich, während ich in die Eisen stieg und einem Müllwagen auswich. „Wenn er sagt, der Geist sei dort, dann ist er auch dort.“

„Herr, steh uns bei.“ Michael bekreuzigte sich. Irgendetwas regte sich, eine mächtige und unerschütterliche Energie strahlte von ihm aus – die Kraft des Glaubens. „Harry, es gibt da noch etwas, das ich mit dir besprechen wollte.“

„Bitte mich jetzt bloß nicht, wieder zur Messe zu gehen“, wehrte ich ab. „Du weißt genau, dass ich das ablehnen muss.“ Ein roter Taurus schnitt uns, ich musste abrupt auf die Abbiegespur ausweichen und setzte mich wieder vor ihn. Dabei hoben sich zwei Räder des Käfers vom Boden ab. „Idiot!“, brüllte ich zu ihm hinüber.

„Das schließt nicht aus, dass ich dich darum bitte“, sagte Michael. „Aber das war es nicht. Vielmehr wollte ich mich erkundigen, wann du Miss Rodriguez heiratest.“

„Bei den Toren der Hölle“, schimpfte ich. „Wir hetzen seit zwei Wochen kreuz und quer durch die Stadt, wir nehmen es mit allen möglichen Geistern und Gespenstern auf, die plötzlich aus ihren Löchern gekrochen kommen, und haben bisher noch keinen blassen Schimmer, was die Geisterwelt veranlasst hat, derart durchzudrehen.“

„Das weiß ich doch, aber ...“

„Im Augenblick“, unterbrach ich ihn, „sind wir hinter einer hässlichen alten Hexe im Cook County her, die uns jederzeit umbringen könnte, wenn wir nicht aufpassen. Und du fragst mich nach meinem Liebesleben!“

Michael musterte mich finster. „Aber du schläfst mit ihr, oder nicht?“

„Nicht oft genug“, knurrte ich und wechselte die Spur, um einen Bus zu überholen.

Der Ritter seufzte. „Liebst du sie?“, fragte er.

„Michael“, antwortete ich. „Lass mich jetzt bitte damit in Ruhe. Wie kommst du darauf, mir solche Fragen zu stellen?“

„Liebst du sie?“, bohrte er.

„Ich versuche gerade, Auto zu fahren.“

„Harry“, sagte er lächelnd, „liebst du das Mädchen oder nicht? So schwierig ist das doch nicht zu beantworten.“

„Da spricht der Fachmann“, grollte ich. Dreißig Stundenkilometer schneller als erlaubt überholte ich einen blauweißen Wagen und bekam gerade noch mit, wie der Polizist hinterm Lenkrad verdutzt blinzelte und seinen Kaffee verschüttete, als er mich vorbeirasen sah. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte mir, dass er das Blaulicht eingeschaltet hatte. „Verdammt, jetzt reicht es aber. Die Cops sind hinter uns her.“

„Mach dir ihretwegen keine Sorgen“, beruhigte Michael mich. „Beantworte nur meine Frage.“

Ich warf Michael einen raschen Blick zu. Er betrachtete mich mit seinem breiten, ehrlichen Gesicht, dem markanten Kinn und den strahlenden grauen Augen. Sein Haar war militärisch kurz geschnitten, und den Bart hatte er kurz getrimmt wie ein Krieger der Antike.

„Ich denke schon“, sagte ich nach einem Moment. „Ja.“

„Dann macht es dir doch auch nichts aus, es auszusprechen, oder?“

„Was soll ich aussprechen?“, sträubte ich mich.

„Harry“, schalt mich Michael. Er musste sich festhalten, als wir durch ein Schlagloch holperten. „Sei nicht so kindisch. Wenn du die Frau liebst, dann musst du es ihr sagen.“

„Warum denn?“

„Also hast du es ihr nicht gesagt. Du hast es ihr nie gesagt.“

Ich sah ihn böse an. „Und wenn schon. Sie weiß es doch.

Was soll das Theater?“

„Harry Dresden“, sagte er. „Gerade du solltest doch wissen, wie wichtig Worte sind.“

„Hör mal, sie weiß es.“ Ich tippte kurz auf die Bremse und gab sofort wieder Gas. „Ich habe ihr eine Karte geschickt.“

„Eine Karte?“, fragte Michael.

„Von Hallmark.“

Er seufzte. „Ich will hören, wie du es sagst.“

„Was denn?“

„Sprich die Worte aus“, verlangte er. „Wenn du die Frau liebst, dann kannst du es ihr auch sagen.“

„Ich laufe nicht in der Weltgeschichte herum und sage so was zu allen möglichen Leuten. Das ... ich kann so was einfach nicht, verstehst du?“

„Du liebst sie nicht“, sagte Michael. „Ich verstehe.“

„Du weißt genau, dass es nicht...“

„Sag es.“

„Wenn du mich dann in Ruhe lässt.“ Ich trat das Gaspedal des Käfers bis zum Anschlag durch. Der Streifenwagen war zum Glück ein ganzes Stück hinter uns. „Also gut.“

Ich warf Michael noch einen unwirschen Magierblick zu und knurrte: „Ich liebe sie. Ist jetzt endlich Ruhe?“

Michael strahlte. „Siehst du? Das ist das Einzige, was zwischen euch beiden steht. Es liegt dir nicht, anderen mitzuteilen, was du empfindest, und du blickst auch nicht gern in dein Inneres. Manchmal musst du nur in den Spiegel sehen, um zu erkennen, was in dir ist.“

„Ich mag keine Spiegel“, knurrte ich.

„Egal. Du musstest dir jedenfalls darüber klar werden, dass du die Frau wirklich liebst. Ich dachte schon, du könntest dich nach Elaine zu sehr zurückziehen und nie wieder ...“

Ich platzte beinahe vor Wut. „Über Elaine will ich nicht reden. Niemals. Wenn dir das nicht passt, dann scher dich zum Teufel und lass mich alleine arbeiten.“

Michael starrte mich entrüstet an, was aber vermutlich eher an meiner Wortwahl als an irgendetwas anderem lag.

„Ich rede über Susan. Wenn du sie liebst, dann solltest du sie heiraten.“

„Ich bin ein Magier. Ich habe keine Zeit für ein Eheleben.“

„Ich bin ein Ritter“, erwiderte Michael. „Und ich habe die Zeit dazu. Es ist der Mühe wert. Du bist zu viel allein, und das färbt ab.“

Wieder funkelte ich ihn an. „Was meinst du damit?“

„Du stehst unter Druck, du bist griesgrämig. Du isolierst dich immer stärker. Du brauchst Kontakte zu anderen Menschen. Du stehst kurz davor, einen dunklen Weg einzuschlagen.“

„Michael“, fauchte ich. „Ich kann jetzt keinen Vortrag gebrauchen, und erst recht keine Predigten, die mich bekehren sollen. Ich brauche keine Vorhaltungen, dass ich den dunklen Mächten abschwören soll, ehe sie mich verschlingen. Nicht schon wieder. Gib mir lieber Rückendeckung, während ich mich um dieses Durcheinander kümmere“

Das Cook County Hospital kam in Sicht, und ich wendete vorschriftswidrig, um den blauen Käfer in die Einfahrt der Notaufnahme zu lenken.

Michael löste seinen Sicherheitsgurt, bevor das Auto stand, und holte sein riesiges Schwert vom Rücksitz. Es war anderthalb Meter lang und steckte in einer schwarzen Scheide. Er stieg aus und gürtete die Waffe. Dann holte er einen weißen Kittel mit einem roten Kreuz auf der linken Brust heraus und warf ihn sich mit geübten Bewegungen über die Schultern. Mit einem silbernen Kreuz verschloss er die Uniform vor der Brust. Der Kittel passte nicht recht zu seinem Flanellhemd, den Jeans und den Arbeitsstiefeln mit den Stahlkappen.

„Kannst du nicht wenigstens den Kittel weglassen?“, klagte ich. Ich öffnete die Fahrertür und entfaltete mich, nachdem ich auf dem Fahrersitz eingeklemmt gewesen war, streckte die langen Beine und holte auch meine Ausrüstung vom Rücksitz – meinen neuen Magierstab und den Sprengstock, beide frisch geschnitzt und an den Enden noch leicht grün.

Michael sah mich verletzt an. „Der Kittel ist ebenso ein Symbol für meine Arbeit wie das Schwert. Außerdem ist er lange nicht so lächerlich wie dein Mantel.“

Ich betrachtete den schwarzen Ledermantel mit den großen Aufschlägen, der auf meinen Schultern lag und angenehm schwer um meine Beine wallte. Meine schwarzen Jeans und das dunkle Westernhemd waren um ein paar Jahrtausende modischer als Michaels Aufzug. „Was stimmt damit nicht?“

„So was gehört in Filme wie Eldorado“, sagte Michael.

„Bist du bereit?“

Seine Frage beantwortete ich mit einem vernichtenden Blick, worauf er milde lächelte. Nebeneinander gingen wir zur Tür. Hinter uns näherten sich die Polizeisirenen, sie waren höchstens noch einen Block entfernt. „Das wird knapp.“

„Dann sollten wir uns beeilen.“ Er zog den rechten Ärmel des Kittels hoch, legte die Hand auf das Heft des mächtigen Breitschwerts, neigte den Kopf und bekreuzigte sich. „Allmächtiger Vater“, murmelte er, „führe uns und beschütze uns im Kampf gegen die Finsternis.“ Wieder strahlte eine starke Energie von ihm aus, ähnlich den Schallschwingungen von lauter Musik, die sich durch dicke Mauern fortsetzen.

Kopfschüttelnd zog ich einen Lederbeutel, der so groß war wie meine Hand, aus der Manteltasche. Einen Moment musste ich mit Stab, Sprengstock und Beutel jonglieren, bis ich den Stab in der linken Hand hielt, wie es sich gehörte, während ich den Sprengstock in die rechte nahm und der Beutel an der Schnur zwischen meinen Zähnen baumelte. „Die Sonne ist untergegangen“, nuschelte ich. „Lass uns anfangen.“

Damit rannten wir los, der Ritter und der Magier, und stürzten durch die Notaufnahme ins Cook County Hospital. Natürlich erregten wir großes Aufsehen, als wir eintraten – ich mit dem Mantel, der wie eine schwarze Wolke hinter mir wallte, Michael mit dem weißen Kittel, der flatterte wie die Flügel des Racheengels, dessen Namensvetter er war. Wir platzten hinein und blieben an der ersten Kreuzung der kühlen, sterilen, belebten Gänge stehen.

Den ersten Pfleger, der mir über den Weg lief, hielt ich am Arm fest. Er blinzelte, dann musterte er mich von den Spitzen meiner Cowboystiefel bis zum dunklen Haar auf meinem Kopf. Nervös beäugte er meinen Stab, den Stock und den silbernen Drudenfuß, der vor meiner Brust baumelte. Er schluckte schwer. Schließlich starrte er den großen, breitschultrigen Michael an, dessen gelassene Miene überhaupt nicht zu dem weißen Kittel und dem Breitschwert an der Hüfte passte.

Verunsichert wich er einen Schritt zurück. „K-kann ich Ihnen irgendwie helfen?“

Ich setzte mein finsterstes, wildestes Lächeln auf und sagte mit zusammengebissenen Zähnen, ohne den Lederbeutel loszulassen: „Hi. Könnten Sie uns bitte sagen, wo die Entbindungsstation ist?“

2. Kapitel

Wir benutzten die Feuertreppe. Michael weiß, wie technische Geräte auf mich reagieren, und wir wollten auf keinen Fall in einem kaputten Aufzug stecken bleiben, während Unschuldige umgebracht wurden. Michael übernahm die Führung, eine Hand auf dem Geländer, die andere am Heft seines Schwerts. Unermüdlich stieg er die Stufen hinauf.

Schnaufend und keuchend folgte ich ihm. Vor der Tür der Station blieb er stehen und drehte sich zu mir um, der weiße Kittel flatterte ihm um die Beine. Ich brauchte einige Sekunden, bis ich ihn eingeholt hatte.

„Bereit?“, fragte er.

„Hrrrmmpf“, machte ich und nickte. Der Lederbeutel baumelte zwischen meinen Zähnen, während ich eine weiße Kerze und eine Schachtel Streichhölzer aus der Manteltasche zog. Ich musste den Stab und den Stock ablegen, um die Kerze anzuzünden.

Michael rümpfte die Nase, als er den Rauch roch, und stieß die Tür auf.

Die Kerze in der einen, den Stock und den Stab in der anderen Hand, folgte ich ihm, blickte mich um und kontrollierte immer wieder die Kerzenflamme.

Auch hier sah es überall nach einem Krankenhaus aus gekachelte Wände und Böden, Neonlampen. Die langen Röhren flackerten träge, als hätten sie einen Schwächeanfall, und der Flur war nur trübe beleuchtet. Ein Rollstuhl, der neben einer Tür abgestellt war, warf einen langen Schatten. An einer Gangkreuzung standen mehrere unbequeme Plastikstühle.

Der vierte Stock war ein einziger Friedhof, es herrschte Grabesstille. Kein flackerndes Fernsehgerät, kein plärrendes Radio. Keine krächzenden Sprechanlagen, keine surrende Klimaanlage. Nichts.

Wir liefen den langen Flur hinunter, unsere Schritte hallten laut, obwohl wir uns bemühten, leise zu sein. Ein Schild an der Wand, das mit einem bunten Plastikclown verziert war, wies uns in einen abzweigenden Flur: ENTBINDUNGSSTATION UND GEBURTSHILFE.

Ich holte Michael ein und spähte an ihm vorbei. Der Gang endete vor einer Schwingtür. Auch dieser Flur war völlig still. Das Stationszimmer war leer.

Hier flackerten die Lampen nicht einmal mehr, sie waren ganz und gar erloschen, und es war stockfinster. Überall lauerten Schatten und gespenstische Umrisse. Als ich einen weiteren Schritt an Michael vorbei machte, schrumpfte meine Kerzenflamme zu einem kalten blauen Lichtpunkt. Ich spie den Beutel aus und stopfte ihn wieder in die Tasche. „Michael“, sagte ich drängend und mit belegter Stimme. „Hier ist es.“ Ich drehte mich um, damit er die Flamme sehen konnte.

Er blickte kurz zur Kerze, schaute auf und starrte in die Finsternis. „Bleibe fest im Glauben.“ Mit seiner großen rechten Hand packte er das Heft und zog langsam und lautlos Amoracchiusaus der Scheide, was ich eine Spur ermutigender fand als seine Worte. Flammen züngelten über die große Klinge aus poliertem Stahl, als Michael vortrat und sich neben mir aufbaute. Die Luft surrte förmlich vor Kraft – es war Michaels Glaube, tausendfach verstärkt.

„Wo sind die Schwestern?“, flüsterte er heiser.

„Vielleicht verscheucht“, antwortete ich ebenso leise.

„Oder eine Art Zauber. Jedenfalls kommen sie uns nicht in die Quere.“

Ich betrachtete das Schwert, die lange, schlanke Klinge mit dem Handschutz. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, aber ich glaubte, rote Flecken darauf zu erkennen. Sicher nur Rost, dachte ich. Klar, es musste Rost sein.

Ich stellte die Kerze auf den Boden. Die stecknadelkopfgroße Flamme verriet, dass ein spirituelles Wesen in der Nähe war. Ein mächtiges sogar. Bob hatte nicht gelogen, als er mir erzählt hatte, Agatha Hagglethorns Geist sei mehr als ein Kinderschreck.

„Halte dich bitte zurück“, sagte ich zu Michael. „Gib mir einen Augenblick Zeit.“

„Wenn dein Geist dir die Wahrheit gesagt hat, dann ist dieses Wesen gefährlich“, erwiderte Michael. „Lass mich vorausgehen, das ist sicherer.“

Ich warf einen Blick zum Schwert. „Glaube mir, ein Gespenst kann dein Schwert spüren, ehe du überhaupt die Tür erreichst. Lass mich zuerst sehen, was ich ausrichten kann. Wenn es mir gelingt, die Erscheinung auszuräuchern, dann ist der Spuk vorbei, ehe er richtig begonnen hat.“

Ohne Michaels Antwort abzuwarten, nahm ich den Sprengstock und den Magierstab in die linke Hand und zückte mit der rechten den Beutel. Der einfache Knoten, der den Beutel verschloss, war schnell gelöst, und dann schlich ich tiefer in die Finsternis hinein.

Vorsichtig schob ich einen Flügel der Schwingtür auf, hielt eine Weile inne und lauschte.

Irgendwo sang jemand. Eine Frauenstimme, sanft und lieblich.

„Schlaf, Kindchen, schlaf! Dein Vater hüt’ die Schaf!“

Ein letzter Blick über die Schulter zu Michael, dann huschte ich durch die Tür. Sehen konnte ich nichts mehr, aber ich bin nicht umsonst ein Magier. Ich dachte an den Drudenfuß auf meiner Brust, das silberne Amulett, das meine Mutter mir vermacht hatte. Das Schmuckstück war arg mitgenommen, zerkratzt und verbogen, nachdem ich es mehr als einmal für Zwecke eingesetzt hatte, für die es nicht gemacht war, aber ich wollte es nicht ablegen. Der fünfzackige Stern im Kreis war das Symbol meiner Magie und für alles, woran ich glaubte. Er verkörperte die harmonische Verbindung der fünf Kräfte im Universum, die der menschlichen Kontrolle unterliegen.

Ich konzentrierte mich darauf und lenkte ein wenig Willenskraft hinein. Sofort warf das Amulett einen silbrigblauen, sanften Lichtschein, der sich schwankend vor mir ausbreitete. Er zeigte mir die Umrisse eines umgestürzten Stuhls und zwei Schwestern, die hinter einer Theke auf dem Tisch zusammengesunken waren und gleichmäßig atmeten.

Die Frau sang unablässig das sanfte, leise Kinderlied, während ich die Schwestern betrachtete. Sie waren durch Magie in Schlaf versetzt worden, das war nichts Neues.

Sie waren bewusstlos und würden sich vorläufig nicht rühren. Es wäre sinnlos gewesen, meine Energie auf die Auflösung des Zauberbanns zu verschwenden. Der sanfte Gesang dauerte an, und ich ertappte mich dabei, dass ich nach dem umgestürzten Stuhl greifen wollte, um ihn aufzustellen, damit ich mich setzen und eine Weile ausruhen konnte.

Erschrocken hielt ich inne. Es wäre idiotisch, mich unter dem Einfluss des unirdischen Liedes auch nur für einen Moment hinzusetzen. Die Magie war sehr subtil und stark. Obwohl ich wusste, was mich erwartete, wäre ich beinahe ihrem Sog verfallen.

So wich ich dem Stuhl aus und ging weiter durch einen Raum voller Kleiderhaken, an denen kleine pastellfarbene Krankenhauskittel ordentlich aufgereiht hingen. Hier war der Gesang lauter, wehte aber immer noch gespenstisch umher und schien keinen Ursprung zu haben. Eine Wand bestand nur aus dünnem Plexiglas, dahinter befand sich ein Krankenzimmer, das es schaffte, zugleich steril und warm zu wirken.

Mehrere Reihen fahrbarer, mit Glas verkleideter Kinderbetten standen im Raum. Die kleinen Patienten hatten winzige Krankenhaushandschuhe an den Händen und kleine Krankenhausmützen auf den kahlen Köpfen. Sie schliefen und träumten Kinderträume.

Zwischen ihnen, im Schein meines Magierlichts gut zu erkennen, wanderte die Quelle des Gesangs umher.

Agatha Hagglethorn war jung gestorben. Sie trug eine saubere, hochgeschlossene Bluse, wie es im Chicago des neunzehnten Jahrhunderts für eine Dame ihres Standes angemessen gewesen war, und einen langen, schlichten Rock. Ich konnte durch sie hindurchsehen und das Bettchen hinter ihr erkennen, aber davon abgesehen wirkte sie völlig menschlich und real. Sie hatte ein hübsches, wenngleich etwas kantiges und angespanntes Gesicht. Die rechte Hand hatte sie auf den linken Unterarm gelegt, der in einem Stumpf endete.

„Die Mutter schüttelt’s Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein ...“

Sie hatte eine hinreißende Singstimme. Wirklich – sie trällerte das Lied vor sich hin und setzte dabei eine Energie frei, die jeden Zuhörer in seligen Tiefschlaf versetzen konnte. Wenn sie damit fortfuhr, würden Kinder und Schwestern irgendwann in eine tiefe Ohnmacht fallen, aus der sie nie wieder erwachen würden, und die Behörden würden es auf eine Kohlenmonoxidvergiftung oder irgendetwas anderes schieben, das ein wenig alltäglicher war als ein feindseliger Geist.

Ich schlich näher. Zum Glück hatte ich genügend Geisterstaub dabei, um Agatha und ein Dutzend weiterer Gespenster festzunageln. Danach konnte Michael sie rasch und ohne großes Aufhebens beseitigen – immer vorausgesetzt, ich verfehlte sie nicht.

Den kleinen Beutel locker in der rechten Hand, schlich ich in der Hocke zur Tür, die in den Raum mit den schlafenden Säuglingen führte. Das Gespenst hatte mich noch nicht bemerkt. Sie sind gewöhnlich nicht sehr aufmerksam. Wahrscheinlich hat es nachhaltige Auswirkungen auf die Persönlichkeit, wenn man tot ist.

Sobald ich drinnen war, ergriff Agatha Hagglethorns Stimme von mir Besitz wie eine Droge. Ich blinzelte, schauderte und hatte alle Mühe, mich zu konzentrieren und an die kühle Kraft der Magie zu denken, die durch meinen Drudenfuß strömte und als Spektrallicht wieder austrat.

„Am Himmel ziehn die Schaf ...“

Ich leckte mir nervös über die Lippen und beobachtete die Erscheinung, als sie sich über eines der Kinderbetten beugte. Sie lächelte mit liebevollen Augen und hauchte ihr Lied über das Kind.

Der Säugling atmete noch einmal schaudernd aus, ohne die Augen zu öffnen, und atmete nicht wieder ein.

„Schlaf, Kindchen, schlaf ...“

Mir blieb keine Zeit mehr. In einer perfekten Welt hätte ich einfach den Staub über das Gespenst gekippt. Aber dies ist eine unvollkommene Welt, und die Geister müssen sich nicht an die Regeln der Realität halten. Solange sie nicht zur Kenntnis nehmen, dass man da ist, ist es schwer, sehr schwer, überhaupt irgendeinen Einfluss auf sie auszuüben. Konfrontation ist der einzige Weg. Sie drehen sich außerdem nur zu einem um, wenn man die Identität des Gespensts kennt und seinen Namen laut ausspricht. Noch schlimmer, die meisten Gespenster können viele Stimmen überhaupt nicht hören. Man braucht Magie, um im Jenseits anzurufen.

Ich richtete mich wieder ganz auf, hielt den Beutel fest und rief, während ich etwas Willenskraft in meine Stimme strömen ließ: „Agatha Hagglethorn!“

Das Gespenst erschrak, als es unversehens meine Stimme hörte, und drehte sich zu mir um. Die Frau riss die Augen auf, das Lied brach mitten im Wort ab.

„Wer sind Sie?“, fragte sie. „Was tun Sie in meiner Kinderkrippe?“

Bob hatte mir einige Einzelheiten über dieses Gespenst verraten. „Es ist nicht Ihre Kinderkrippe, Agatha Hagglethorn. Sie sind vor mehr als hundert Jahren gestorben. Sie sind nicht real, Sie sind ein Geist, und Sie sind tot.“

Das Gespenst richtete sich auf und antwortete kühl und standesgemäß mit äußerster Herablassung. „Das dachte ich mir. Benson hat Sie geschickt, nicht wahr? Benson tut ständig grausame und alberne Dinge, und hinterher schimpft er mich eine Verrückte. Eine Verrückte! Er will mir mein Kind wegnehmen.“

„Auch Benson Hagglethorn ist schon lange tot“, antwortete ich, während ich die rechte Hand hob. „Genau wie Ihr Kind und Sie selbst. Diese Säuglinge hier sind nicht die Ihren, und Sie dürfen ihnen nichts vorsingen oder sie mitnehmen.“ Darauf wollte ich den Staub werfen und holte aus.

Das Gespenst starrte mich mit einem Ausdruck von verwirrter, tiefer Einsamkeit an. Dies war immer das Schwierigste, wenn ich es mit starken, gefährlichen Gespenstern zu tun hatte. Sie wirkten beinahe menschlich, als hätten sie Empfindungen und wären sich in gewissem Maße sogar ihrer eigenen Existenz bewusst. Dabei haben Gespenster kein Bewusstsein. Sie sind wie ein Fußabdruck im Lehm oder ein versteinertes Skelett. Äußerlich mögen sie ihren Ebenbildern gleichen, aber sie sind keine Menschen.

Allerdings sind Damen in Nöten mein wunder Punkt.

Das war schon immer so. Es ist eine Charakterschwäche oder eine fatale Neigung zur Ritterlichkeit. Als ich Agathas einsames, verletztes Gesicht sah, erwachte sofort mein Mitgefühl für das Gespenst. Ich hielt mitten im Wurf inne. Vielleicht hatte ich Glück und konnte sie auch mit guten Worten vertreiben. Gespenster sind so. Man muss sie nur mit der Realität ihrer Situation konfrontieren, dann lösen sie sich auf.

„Es tut mir leid“, sagte ich. „Aber Sie sind nicht das, was Sie selbst glauben. Sie sind ein Geist oder eine Reflexion.

Die echte Agatha Hagglethorn ist vor mehr als einem Jahrhundert gestorben.“

„Nein, nein“, sagte sie mit bebender Stimme. „Das ist nicht wahr.“

„Doch, es ist wahr“, beharrte ich. „Sie ist in derselben Nacht gestorben wie ihr Mann und ihr Kind.“

„Nein“, stöhnte der Geist und schloss die Augen. „Ich will nichts davon hören.“

Leise und verzweifelt begann sie wieder zu singen – dieses Mal lag kein Zauber darin, es war kein unbewusster Akt der Zerstörung. Doch das kleine Mädchen hatte immer noch nicht eingeatmet, und seine Lippen färbten sich blau.

„Hören Sie zu“, sagte ich. Dabei legte ich noch etwas mehr Willenskraft in meine Stimme und verstärkte sie mit Magie, damit das Gespenst mich gut hören konnte. „Ich weiß, wer Sie sind. Sie sind gestorben. Sie werden sich erinnern – Ihr Mann hat Sie geschlagen. Sie hatten Angst, er könnte auch Ihre Tochter schlagen. Als sie zu weinen begann, haben Sie den Mund der Kleinen mit der Hand bedeckt.“ Ich kam mir gemein vor, als ich so kalt über die Vergangenheit der Frau berichtete. Gespenst oder nicht, der schmerzliche Gesichtsausdruck war echt.

„Das habe ich nicht getan“, klagte Agatha. „Ich habe ihr nichts getan.“

Bob hatte mir alle nötigen Informationen gegeben. „Sie wollten ihr nichts tun“, wandte ich ein. „Doch er war betrunken, und Sie hatten Angst, und als Sie Ihre Tochter wieder angeschaut haben, war sie tot. Stimmt das nicht?“

Ich leckte mir über die Lippen und blickte wieder zu dem kleinen Mädchen hinüber. Wenn ich mich nicht beeilte, würde sie sterben. Es war gespenstisch, wie still sie dalag.

Wie eine kleine Puppe.

Irgendwo flackerte ein Funke der Erinnerung in Agathas Augen. „Ich weiß“, zischte sie. „Das Beil. Das Beil, das Beil, das Beil.“ Das Gespenst verzog das Gesicht, das sich dehnte und knochiger und schmaler wurde. „Ich habe mein Beil genommen, mein Beil, mein Beil, und habe meinen Benson zwanzigmal damit gehauen.“ Der Geist wuchs und dehnte sich aus, ein gespenstischer Wind ging von ihm aus und wehte durch den Raum. Es roch nach Eisen und Blut.

„Verdammter Mist“, murmelte ich und machte Anstalten, zu dem Mädchen hinüberzurennen.

„Mein Engel ist tot“, kreischte der Geist. „Benson ist tot. Und dann die Hand, die Hand, die sie beide getötet hat.“

Sie hob den Armstumpf hoch. „Verloren, verloren, verloren!“ Darauf warf sie den Kopf zurück und kreischte. Es war ein ohrenbetäubendes, unmenschliches Brüllen, das die ganze Kinderklinik erschütterte.

Ich stürzte los zu dem Säugling, der nicht mehr atmete, und in diesem Moment begannen alle Kinder ängstlich zu schreien. Sobald ich der Kleinen einen Klaps auf den Babypo versetzt hatte, schlug sie erschrocken die Augen auf und stimmte in das Gebrüll der anderen ein.

„Nein!“, kreischte Agatha. „Nein, nein, nein! Er kann dich hören, er wird es hören!“ Blitzschnell stieß sie mit dem Armstumpf nach mir, und ich spürte den Hieb körperlich und in der Seele, als hätte sie mir einen Eisdorn in die Brust getrieben. Die Kraft des Schlages warf mich wie ein Spielzeug gegen die Wand. Mein Stab und der Stock fielen klappernd zu Boden, aber wie durch ein Wunder hatte ich den Beutel mit Geisterstaub festgehalten. Allerdings vibrierte mein Kopf wie eine Glocke nach dem Schlag des Klöppels, während mir kalte Schauer in rascher Folge durch den Körper liefen.

„Michael“, rief ich so laut ich konnte.

Im gleichen Moment wurde die Tür aufgerissen, und schwere Arbeitsstiefel stampften in meine Richtung. Ich rappelte mich auf und schüttelte den Kopf, um wieder zu mir zu kommen. Der Wind frischte unterdessen zu Sturmstärke auf, die Kinderbetten rollten auf ihren kleinen Rädern im Raum herum, und mir tränten die Augen, so dass ich sie mit einer Hand schützen musste. Verdammt. Bei so einem Sturm wäre der Staub nutzlos.

„Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein.“ Agathas Geist beugte sich wieder über das Bett des kleinen Mädchens und stieß ihm den Armstumpf in den Mund. Der transparente Arm glitt einfach durch die Haut hindurch. Das Kind zuckte zusammen und hörte zu atmen auf, versuchte aber immer noch zu schreien.

Ich rief eine wortlose Herausforderung und griff den Geist an. Wenn ich schon nicht quer durchs Zimmer den Staub nach ihr werfen konnte, dann konnte ich ihr wenigstens den Lederbeutel ins Geisterfleisch stopfen und sie von innen heraus festhalten. Quälend, aber sicherlich wirkungsvoll.

Agatha schlug nach mir, als ich mich näherte, und zog knurrend die Hand vom Kind zurück. Im Sturm hatte sich ihr Haar gelöst, das nun als wilde Mähne vor ihrem Gesicht flatterte. Es passte gut zu der bösen Fratze, die den sanften Gesichtsausdruck verdrängt hatte. Sie hob die linke Hand, und auf einmal schwebte knapp über dem Stumpf ein kurzes Gespensterbeil mit schwerem Kopf in der Luft. Kreischend schlug sie damit nach mir.

Gespensterstahl klirrte auf echtem Eisen, und Amoracchius glühte strahlend weiß. Michael stellte sich auf, knirschte vor Anstrengung mit den Zähnen und hinderte die Geisterwaffe daran, mich zu berühren.

„Dresden“, rief er. „Der Staub!“

Ich kämpfte mich durch den Wind weiter, stieß Agatha die Faust in den Arm, der das Beil führte, und schüttelte etwas Geisterstaub aus dem Lederbeutel.

Beim Kontakt mit ihrem immateriellen Körper flammten die Staubkörnchen hellrot auf. Agatha zuckte kreischend zurück, doch ihr Arm blieb, wo er war, als wäre er in Beton gegossen.

„Benson!“, schrie Agatha. „Benson! Schlafe, mein Kindchen!“ Dann riss sie sich den Arm an der Schulter ab, ließ einen Teil ihres Geisterkörpers zurück und verschwand.

Arm und Beil platschten als durchsichtige, halb flüssige Gallerte auf den Boden – die Überreste eines Geisterkörpers, nachdem der Geist verschwunden war. Ektoplasma, das rasch verdunsten würde.

Der Sturm flaute ab, aber die Lichter flackerten noch.

Mein blauweißes Magierlicht und Michaels züngelndes Schwert waren die einzigen zuverlässigen Lichtquellen im Raum. Nachdem die gespenstischen Geräusche abrupt verstummt waren, taten mir in der plötzlichen Stille die Ohren weh, obwohl etwa ein Dutzend Babys in ihren Kinderbetten vor Angst schrien.

„Sind die Säuglinge unverletzt?“, fragte Michael. „Wohin ist der Geist verschwunden?“

„Ich glaube, ihnen ist nichts passiert. Die Erscheinung ist hinübergewechselt“, mutmaßte ich. „Sie hatte wohl genug.“

Michael drehte sich mit erhobenem Schwert einmal um die eigene Achse. „Dann ist sie also weg?“

Kopfschüttelnd sah ich mich um. „Nicht endgültig.“ Ich beugte mich über das Bett des Mädchens, das beinahe erstickt wäre. Der Name auf ihrem Armband lautete Alison Ann Summers. Ich streichelte ihre kleine Wange, und sie drehte sich zu meinem Finger, umschloss ihn mit ihren Babylippen und hörte zu weinen auf.

„Nimm den Finger aus ihrem Mund“, schalt Michael mich. „Er ist dreckig. Was jetzt?“

„Ich sichere den Raum ab, und dann müssen wir hier verschwinden, bevor die Polizei auftaucht und uns verhaf...“

Alison Ann zuckte zusammen und hörte zu atmen auf.

Die winzigen Arme und Beine wurden steif, als etwas Kaltes über sie hinwegglitt. Gleichzeitig hörte ich wieder das Kinderlied der verrückten Frau.

„Schlafe, mein Kindchen ...“

„Michael“, rief ich. „Sie ist noch da. Der Geist greift aus dem Niemalsland herüber.“

„Gott behüte“, fluchte Michael. „Wir müssen da hin.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich nur daran dachte. „Nein“, widersprach ich. „Auf keinen Fall. Das ist ein mächtiger Spuk, Michael. Ich gehe nicht nackt in ihr Reich und lasse mich in Stücke reißen.“

„Uns bleibt nichts anderes übrig“, fauchte Michael. „Sieh doch nur.“

Ich blickte mich um. Die Kinder verstummten nacheinander, ihre dünnen Stimmchen brachen eines nach dem anderen mitten im Atemzug ab.

„Schlafe, mein Kindchen ...“

„Sie wird uns zerfetzen. Und wenn sie es nicht tut, dann tut es meine Patentante.“

Er schüttelte mit finsterer Miene den Kopf. „Bei Gott, nein. Das werde ich nicht zulassen.“ Sein Blick ging mir durch Mark und Bein. „Auch du wirst es nicht zulassen.

In deinem Herzen ist zu viel Gutes, um diese Kinder sterben zu lassen.“

Unsicher erwiderte ich seinen Blick. Michael hatte bei unserer ersten Begegnung darauf bestanden, dass ich ihm in die Augen sah. Wenn Ihnen ein Magier in die Augen schaut, wird es ernst. Er kann in Sie hineinblicken und erkennt all die dunklen Geheimnisse und verborgenen Ängste Ihrer Seele – und umgekehrt sehen Sie auch sein Innerstes. Nach dem Blick in Michaels Augen hatte ich geweint und mir gewünscht, meine Seele erschiene ihm ebenso rein wie mir die seine. Allerdings war ich mehr als sicher, dass es nicht der Fall war.

Es wurde still, alle Babys waren verstummt.

Ich verschloss den Beutel mit dem Geisterstaub und steckte ihn in die Manteltasche. Im Niemalsland würde er mir sowieso nichts nützen.

Dann drehte ich mich zu meinem Stab und dem Stock um, die noch immer auf dem Boden lagen, streckte die Hand aus und stieß die Worte „Veritas servitas“ hervor.

Die Luft regte sich und schleuderte Stab und Stock in meine offenen Hände, ehe sie sich wieder beruhigte. „Na gut“, sagte ich. „Ich werde uns ein Zeitfenster von fünf Minuten öffnen. Das ist hoffentlich kurz genug, damit meine Patentante mich nicht entdeckt. Wenn wir länger bleiben, sind wir tot, entweder drüben oder hier.“

„Du hast ein gutes Herz.“ Michael grinste breit und beugte sich vertraulich zu mir. „Gott wird deine Entscheidung lächelnd gutheißen.“

„Ja. Bitte ihn doch, in meiner Wohnung möge nie wieder Sodom und Gomorrha Einzug halten, dann sind wir quitt.“

Michael wirkte enttäuscht, worauf ich ihn gereizt anstarrte. Er legte mir eine Hand auf die Schulter und hielt sich fest.

Dann griff ich zu, packte die Realität mit den Fingerspitzen und einer Willensanstrengung und flüsterte „Aparturum“, um einen schmalen Spalt zwischen dieser und der nächsten Welt zu öffnen.

3. Kapitel

Auch Tage, die in einer gewaltigen Schlacht gegen ein durchgedrehtes Gespenst und einer Reise über die Grenze zwischen unserer Welt und dem Geisterreich gipfeln, beginnen gewöhnlich recht normal. Dieser Tag beispielsweise hatte mit Frühstück und Büroarbeit seinen Anfang genommen.

Mein Büro befindet sich im Zentrum von Chicago in einem älteren Gebäude, das nicht mehr im allerbesten Zustand ist, zumal es im letzten Jahr gewisse Probleme mit dem Aufzug gegeben hat. Es ist mir egal, was die anderen sagen, es war nicht meine Schuld. Wenn sich ein Riesenskorpion in der Größe eines irischen Wolfshundes durchs Dach der Aufzugkabine frisst, greift man eben zu den äußersten Mitteln.

Wie auch immer, mein Büro ist klein – nur ein einziger Raum, aber wenigstens ein Eckzimmer mit zwei Fenstern.

Auf dem Schild an der Tür steht lediglich: Harry Dresden, Magier. Drinnen liegen gleich neben dem Eingang auf einem Tisch verschiedene Broschüren bereit: „Magie und Sie“, „Warum Hexen nicht schneller untergehen als alle anderen – Eindrücke eines Magiers“. Die meisten habe ich selbst geschrieben. Ich halte es für wichtig, dass wir Jünger der Kunst für ein gutes öffentliches Image sorgen. Unter anderem, damit es nicht zu weiteren Inquisitionen kommt.

Hinter dem Tisch befinden sich eine Spüle und eine Anrichte mit einer alten Kaffeemaschine. Mein Schreibtisch steht der Tür gegenüber, davor warten zwei bequeme Stühle auf Besucher. Die Klimaanlage klappert, der Deckenventilator quietscht bei jeder Umdrehung, und der Kaffeegeruch hat den Teppich und die Wände imprägniert.

Ich schlenderte also wie jeden Morgen ins Büro, setzte Kaffee auf und bearbeitete die Post, während er durchlief.

Ein Dankesbrief von den Campbells, aus deren Haus ich ein Gespenst vertrieben hatte. Reklame. Gott sei Dank auch ein Scheck von der Stadt für meine letzten Aufträge von der Polizei. Es war ein ziemlich hässlicher Fall gewesen. Dämonenbeschwörungen, Menschenopfer, schwarze Magie – alles, was dazugehört.

Ich holte mir einen Kaffee und beschloss, Michael anzurufen und ihm anzubieten, mein Honorar mit ihm zu teilen. Den größten Teil der Arbeit hatte ich zwar allein erledigt, aber beim Finale waren er und Amoracchius zur Stelle gewesen. Ich hatte mich um den Zauberer gekümmert, er um den Dämon, und die guten Jungs hatten die Schlacht gewonnen. Meine Abrechnung zu fünfzig Dollar die Stunde hatte mir ansehnliche zweitausend Dollar eingebracht. Michael würde sich natürlich wie immer weigern, das Geld anzunehmen, aber ich fand es höflich, es ihm wenigstens anzubieten, zumal wir in der letzten Zeit häufig zusammen unterwegs waren, um die Ursache für all die Geistererscheinungen in der Stadt zu ergründen.

Bevor ich abheben und Michael anrufen konnte, schellte das Telefon. „Harry Dresden“, meldete ich mich.

„Hallo, Mister Dresden“, sagte eine warme Frauenstimme.

„Hätten Sie vielleicht einen Augenblick Zeit für mich?“

Ich lehnte mich bequem zurück und lächelte. „Ach, Sie sind es, Miss Rodriguez? Sind Sie nicht diese neugierige Reporterin vom Arcane? Dieses überflüssige Käseblatt, das Geschichten über Hexen, Geister und Bigfoot veröffentlicht?“

„Und über Elvis“, bestätigte sie. „Vergessen Sie ja nicht den King. Übrigens werden meine Beiträge jetzt weltweit von anderen Publikationen mit ähnlich zweifelhaftem Ruf verbreitet.“

Ich musste lachen. „Wie geht’s dir denn?“

Susans Antwort klang ausgesprochen ironisch. „Tja, mein Freund hat mich gestern Abend versetzt, aber davon mal abgesehen ...“

Ich zuckte zusammen. „Ja, ich weiß. Bitte verzeih mir.

Hör mal, Bob hat mir einen Hinweis gegeben, auf den ich sofort reagieren musste.“

„Ähem“, machte sie auf ihre höfliche, professionelle Art.

„Ich rufe Sie nicht an, um mit Ihnen über mein Privatleben zu plaudern, Mister Dresden. Dies ist ein rein berufliche Telefonat.“

Jetzt lächelte ich wieder. Susan war einfach unbezahlbar, und sie konnte es tatsächlich mit mir aufnehmen. „Ich ersuche Sie noch einmal höflichst um Verzeihung, Miss Rodriguez. Bitte fahren Sie doch fort.“

„Nun, ich dachte an die Gerüchte, es habe gestern Abend schon wieder Aktivitäten von Geistern in der Stadt gegeben. Vielleicht möchten Sie dem Arcane einige Einzelheiten dazu mitteilen?“

„Hm, das wäre aber nicht sehr professionell. Meine geschäftlichen Aktivitäten sind vertraulicher Natur.“

„Mister Dresden“, antwortete sie. „Ich möchte nur ungern eine Verzweiflungstat begehen.“

„Aber, aber“, gab ich grinsend zurück. „Sind Sie etwa eine verzweifelte Frau?“

Ich konnte sie beinahe vor mir sehen, wie sie eine Augenbraue hochzog. „Ich will Ihnen nicht drohen, aber Sie müssen verstehen, dass ich eine gewisse junge Dame, mit der Sie befreundet sind, recht gut kenne. Ich könnte ohne weiteres dafür sorgen, dass es zwischen ihnen zu unerfreulichen Differenzen kommt.“

„Verstehe. Aber wenn ich Ihnen nun eine Story verschaffe ...“

„Wenn Sie mir eine Exklusivgeschichte verschaffen, Mister Dresden.“

„Eine Exklusivgeschichte“, lenkte ich ein, „dann könnten Sie eventuelle Schwierigkeiten von mir abwenden?“

„Ich würde sogar ein gutes Wort für Sie bei ihr einlegen“, sagte Susan fröhlich. Mit tiefer, heiserer Stimme fügte sie hinzu: „Wer weiß, vielleicht haben Sie Glück.“

Das brachte mich zum Nachdenken. Das Gespenst, das Michael und ich am Vorabend erledigt hatten, war ein großes und gemeines Biest gewesen, das sich im Keller der University of Chicago herumgetrieben hatte. Ich musste ja keine Namen preisgeben. Den Universitätsoberen würde es zwar nicht gefallen, in einer Zeitschrift erwähnt zu werden, die an der Supermarktkasse neben ähnlichen Gazetten zu erwerben war, aber andererseits konnte das auch keinen großen Schaden anrichten. Außerdem dachte ich an Susans karamellfarbene Haut und an ihr dunkles, weiches Haar unter meinen Händen ... hm. „Das ist ein Angebot, dem ich kaum widerstehen kann“, erwiderte ich.

„Haben Sie etwas zu schreiben?“

Sie hatte, und so berichtete ich ihr in den nächsten zehn Minuten alle Einzelheiten. Sie schrieb mit, stellte einige präzise, knappe Fragen und hatte mir in kürzerer Zeit, als ich es für möglich gehalten hätte, die ganze Geschichte entlockt. „Sie ist wirklich eine gute Reporterin“, dachte ich.

Fast bedauerte ich, dass sie sich auf das Übernatürliche verlegt hatte, an das die Leute schon seit Jahrhunderten nicht mehr glauben wollten.

„Vielen Dank“, sagte sie, nachdem sie mich gründlich ausgequetscht hatte. „Ich hoffe, heute Abend wird zwischen Ihnen und der jungen Dame alles zu Ihrer vollen Zufriedenheit verlaufen. Bei Ihnen, um neun.“

„Vielleicht möchte die junge Dame vorher mit mir die diversen Möglichkeiten der Abendunterhaltung besprechen.“

Sie lachte kehlig. „Vielleicht würde sie das gerne tun“, stimmte Susan zu. „Allerdings ist dies ein rein geschäftlicher Anruf.“

Auch ich musste lachen. „Du bist unmöglich. Du gibst einfach nie auf, was?“

„Niemals“, bekräftigte sie.

„Wärst du wirklich wütend auf mich gewesen, wenn ich dir nichts verraten hätte?“

„Harry“, sagte sie, „du hast mich gestern Abend versetzt, ohne ein Wort zu sagen. So etwas lasse ich mir von keinem Mann gefallen. Wenn du keine gute Geschichte für mich gehabt hättest, dann hätte ich annehmen müssen, dass du dich lieber mit deinen Freunden herumtreiben wolltest, als mich zu sehen.“

„Ja, dieser Michael“, kicherte ich. „Ein richtiger Partylöwe.“

„Irgendwann musst du mir von ihm erzählen. Hast du inzwischen noch etwas über die Geister herausgefunden? Hat es mit der Jahreszeit zu tun?“

Seufzend schloss ich die Augen. „Ja und nein. Ich habe nach wie vor keine Ahnung, warum die Gespenster auf einmal ausflippen, und bis jetzt konnten wir keines von ihnen lange genug festhalten, um es gründlich zu inspizieren. Heute Abend will ich etwas Neues ausprobieren, vielleicht kommen wir damit weiter. Bob ist jedenfalls sicher, dass es mehr als ein Halloweenschreck ist. Ich meine, im letzten Jahr hatten wir schließlich überhaupt keine Geister.“

„Nein, da hatten wir Werwölfe.“

„Das war eine völlig andere Situation“, sagte ich. „Ich habe Bob Überstunden machen lassen, damit er die Geisterwelt überwacht, ob es dort verstärkte Aktivitäten gibt.

Falls sich dort etwas tut, werden wir es erfahren.“

„Na gut“, sagte sie. Nach kurzem Zögern fuhr sie fort: „Ich ...“

Ich wartete, doch sie schwieg. „Was denn?“

„Ich, äh ... ich wollte mich einfach nur vergewissern, dass es dir gut geht.“

Es lag auf der Hand, dass sie noch etwas anderes hatte sagen wollen, aber ich drängte sie nicht. „Müde bin ich“, antwortete ich. „Ich habe ein paar Kratzer abbekommen, als ich auf Ektoplasma ausgerutscht und gegen einen Aktenschrank geprallt bin. Sonst geht es mir gut.“

Sie lachte. „Ich versuche es mir gerade vorzustellen. Also bis heute Abend?“

„Ich freue mich drauf.“

Zum Abschied gab sie einen entzückten kleinen Laut von sich, der einen äußerst sinnlichen Unterton hatte.

Der Tag verging mit mehr oder weniger alltäglichen Dingen wie im Fluge. Ich setzte einen Spruch ein, um einen verlorenen Ehering wiederzufinden, und lehnte einen Klienten ab, der einen Liebestrank für seine Freundin haben wollte. In meiner Anzeige in den Gelben Seiten steht ausdrücklich „Keine Liebestränke“, aber aus irgendeinem Grund glauben alle Leute, ihr Fall sei eine Ausnahme.

Dann ging ich zur Bank, verwies einen Anrufer an einen mir bekannten Privatdetektiv und traf mich mit einem jugendlichen Pyromanen, um ihm nach Möglichkeit beizubringen, wie er es vermeiden konnte, versehentlich seine Katze anzuzünden.

Als ich Feierabend machen und gerade das Büro abschließen wollte, hörte ich jemanden den Aufzug verlassen und über den Flur in meine Richtung kommen. Es waren schwere Schritte wie von Stiefeln, und es klang eilig.

„Mister Dresden?“, fragte eine junge Frau. „Sind Sie Harry Dresden?“

„Ja“, sagte ich, während ich abschloss. „Aber ich will gerade gehen. Vielleicht können wir für morgen einen Termin vereinbaren.“

Sie blieb ein paar Meter vor mir stehen. „Bitte, ich muss mit Ihnen reden. Nur Sie können mir helfen.“

Ich seufzte, ohne sie anzusehen. Sie hatte genau die Worte gesagt, die nötig waren, um meinen Beschützerinstinkt zu wecken. Andererseits konnte ich immer noch weggehen.

Viele Leute glauben, die Magie könnte sie aus allem herausreißen, wenn sie in einer ausweglosen Situation sind.

„Das werde ich gern tun, Madam. Gleich morgen früh.“

Ich drehte den Schlüssel herum und wandte mich ab.

„Warten Sie.“ Sie trat näher und fasste meine Hand.

Ein Kribbeln und Prickeln schoss durch mein Handgelenk bis in den Ellenbogen hinauf. Augenblicklich und instinktiv reagierte ich und errichtete einen geistigen Schild gegen die Empfindung, riss meine Hand weg und wich mehrere Schritte vor der jungen Frau zurück.

Meine Haut kribbelte noch eine ganze Weile, nachdem ich die Energie ihrer Aura gespürt hatte. Sie war eine zierliche junge Frau in einem schwarzen Strickkleid und Springerstiefeln. Ihre Haare waren schwarz gefärbt und lagen flach und glänzend auf dem Kopf an, sie hatte kreidebleiche Haut und tief eingesunkene, gehetzte Augen, die mit der Wachsamkeit einer Straßenkatze funkelten.

Ich massierte mir die Finger und wich dem Blick des Mädchens vorerst aus. „Sie üben die Kunst aus“, sagte ich leise.

Sie biss sich auf die Unterlippe und wandte sich nickend ab. „Ich brauche Ihre Unterstützung. Man sagte mir, Sie könnten mir helfen.“

„Ich unterrichte Leute, die lernen wollen, sich durch ihre Gabe nicht versehentlich selbst zu verletzen“, sagte ich.

„Sind Sie deshalb hier?“

„Nein“, sagte das Mädchen. „Eigentlich nicht.“

„Warum kommen Sie dann zu mir? Was wollen Sie?“

„Ich brauche Ihren Schutz.“ Sie hob eine zitternde Hand und nestelte an ihren dunklen Haaren herum. „Wenn ich den nicht bekomme ... weiß ich nicht, ob ich die Nacht überleben werde.“

4. Kapitel

Ich sperrte die Bürotür wieder auf und schaltete das Licht ein. Die Glühbirne ging kaputt. Das passiert öfter. Seufzend schloss ich hinter uns die Tür. Goldenes Herbstlicht strömte durch die Fensterläden herein und griff nach den Schatten auf dem Boden und an den Wänden.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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