Grappa und die Nackenbeißer - Gabriella Wollenhaupt - E-Book

Grappa und die Nackenbeißer E-Book

Gabriella Wollenhaupt

4,3

  • Herausgeber: GRAFIT
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2013
Beschreibung

"Heute Abend möchte ich eine Erfolgsmeldung, Grappa." "Vielleicht ist die Frau ja auf Lesereise", gab ich zu bedenken. "Oder sie lässt sich im schottischen Hochmoor von einer männlichen Muse küssen." "Klar. Sie könnte auch von Außerirdischen entführt oder von Mädchenhändlern verschleppt worden sein." Jansen klang genervt. "Aus dem Alter ist sie wohl raus", entgegnete ich. "Vielleicht hat sie mich auch vor dem Haus gesehen und findet mich nicht sympathisch." "Nicht doch, Grappa: Dich zu sehen und richtig gern zu haben, hängt irgendwie zusammen." Lilo von Berghofen, die Königin der Kitschromane, liegt tot in ihrem Haus. Für die Polizei deuten die Zeichen auf Selbstmord, immerhin gibt es einen Abschiedsbrief. Die rothaarige Reporterin Maria Grappa dagegen tippt auf Mord. Hat ein Sprachästhet zugeschlagen, oder hängt die Tat mit Lilo von Berghofens Aktivitäten in der Magierszene zusammen? Maria Grappa in der Welt der Kitschromane - da bleibt kein Auge trocken!

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Seitenzahl: 283

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»Heute Abend möchte ich eine Erfolgsmeldung, Grappa.«

»Vielleicht ist die Frau ja auf Lesereise«, gab ich zu bedenken. »Oder sie lässt sich im schottischen Hochmoor von einer männlichen Muse küssen.«

»Klar. Sie könnte auch von Außerirdischen entführt oder von Mädchenhändlern verschleppt worden sein.« Jansen klang genervt.

»Aus dem Alter ist sie wohl raus«, entgegnete ich. »Vielleicht hat sie mich auch vor dem Haus gesehen und findet mich nicht sympathisch.«

»Nicht doch, Grappa: Dich zu sehen und richtig gern zu haben, hängt irgendwie zusammen.«

*

Lilo von Berghofen, die Königin der Kitschromane, liegt tot in ihrem Haus. Für die Polizei deuten die Zeichen auf Selbstmord, immerhin gibt es einen Abschiedsbrief. Die rothaarige Reporterin Maria Grappa dagegen tippt auf Mord. Hat ein Sprachästhet zugeschlagen, oder hängt die Tat mit Lilo von Berghofens Aktivitäten in der Magierszene zusammen?

*

E-Book © 2013 by GRAFIT Verlag GmbH

Originalausgabe © 2007 by GRAFIT Verlag GmbH

Chemnitzer Str. 31, D-44139 Dortmund

Internet: http://www.grafit.de/

E-Mail: [email protected]

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlagfoto: G. Grams

eISBN 978-3-89425-996-9

Gabriella Wollenhaupt

Die Autorin

Gabriella Wollenhaupt, Jahrgang 1952, arbeitet als Fernsehredakteurin in Dortmund. Sie mag zauberhafte Situationen, unerhörte Begebenheiten und gefährliche Liebschaften.

Als Kriminalschriftstellerin debütierte sie im Frühjahr 1993 mit Grappas Versuchung.

Die Personen

Lilo von Berghofen zaubert und zaudert

Emma Born behält Bodenhaftung

Anton Brinkhoff legt jeden Sumpf trocken

Maria Grappa sieht weiße Mäuse

Simon Harras bleibt gelassen

Herr Hasewinkel sichert andere ab

Peter Jansen muss sein Leben ändern

Wayne Pöppelbaum hat die Haare schön

Anneliese Schmitz lässt sich überraschen

Mike Schott hebt ab

Salomon Wachlin überschätzt das Spiel

Arno Wunsch unterschätzt die Lage

Sabine Wunsch

Die Raben

Über den schwarzen Winkel hasten

Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.

Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei

Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.

O wie sie die braune Stille stören,

In der ein Acker sich verzückt,

Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,

Und manchmal kann man sie keifen hören

Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,

Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug

Und schwinden wie ein Leichenzug

In Lüften, die von Wollust zittern.

Sonnenlicht und Sommermorgen

Seit er die schöne Fremde im Park des benachbarten Schlosses gesehen hatte, war Gero Graf Greiffenclau wie verzaubert. Jeden Morgen ritt er durch den Wald zu dem Hügel, von dem aus er den Park überblicken konnte, um mit klopfendem Herzen auf das Erscheinen der Schönen zu warten.

Graf Gero band sein Pferd fest und verbarg sich hinter einem dicken Baumstamm. Im selben Augenblick trat eine zierliche Gestalt durch die Terrassentür des Schlosses. Das Sonnenlicht ließ das blonde Haar wie gesponnene Seide schimmern. Das schlichte weiße Kleid betonte die Schönheit, das Mädchen sah aus wie eine Prinzessin. Graf Gero hob sein Fernglas an die Augen. Sein Herz pochte in einem unregelmäßigen Rhythmus. Die junge Frau lief die Treppe hinunter zum Park. Ihr Gang war leicht und sie schien zu schweben.

Graf Gero atmete tief durch und in seinem Herzen tanzte die Freude.

»Mir wird übel«, sagte ich und ließ das Buch sinken. »In seinem Herzen tanzte die Freude ... Ich lach mich schlapp. Wer zum Teufel liest denn so einen Mist?«

»Die Frau hat Millionenauflagen«, meinte Peter Jansen. »Sie verdient eine Menge Geld mit dem Mist und sie hat sich vor ein paar Monaten am Rand von Bierstadt ein Haus gekauft.«

»Was kann ich dafür?«, maulte ich.

»Grappa«, sagte mein Chef, »auch wenn es dir nicht passt: Ich habe für die Wochenendausgabe einen Bericht eingeplant. Von dir. Über Lilo von Berghofen, die Königin des Groschenromans. Ganz nah dran und ganz warm geschrieben. Sozusagen von Frau zu Frau.«

»Schick die Kultur-Tussi hin«, schlug ich vor. »Die glaubt noch an Märchenprinzen auf dem Schimmel.«

»Du etwa nicht?« Peter Jansen griff sich das Buch, das aufgeschlagen auf meinem Schreibtisch lag. »Ich weiß gar nicht, was du hast«, grinste er. »Ist doch wunderbar geschrieben. Hör mal zu: Rosalind trug ein verspieltes Sommerkleid aus weißer Seide mit großen blassblauen Blumen. Ihre Füße steckten in zierlichen weißen Schuhen. Ihr langes Haar war am Hinterkopf mit einem kornblumenblauen Samtband zusammengefasst und fiel in weichen Locken auf ihre Schultern. Sie war so reizend anzusehen, dass Graf Gero regungslos dasaß und den Blick nicht von ihr wenden konnte. Das ist doch großes Kino!«

»Die Kerle fallen auch immer auf den gleichen Typ rein«, stellte ich fest. »Blond, blauäugig und elfenhaft.«

»Wieso? Ist doch schön. Warum trägst du im Sommer nicht mal so ein schönes Kleid, Grappa? Mit blassblauen Blumen drauf. Würde dir bestimmt prima stehen – genauso wie die Schleife im Haar.«

»Mach ich gern«, entgegnete ich. »Aber erst, wenn du als Gero mit einem Gaul um die Ecke biegst.«

War ich wirklich schon so tief gesunken, Artikel für die bunten Seiten des Bierstädter Tageblattes produzieren zu müssen? Mit einer warm formulierten Homestory über eine Frau, die Bücher schrieb, von denen ich mich stets ferngehalten hatte: Groschenromanen. Die meisten glaubten ja, dass Groschenromane so hießen, weil sie – billig zusammengeheftet – nur ein paar Groschen kosteten. Doch die Erklärung war eine andere: Sie waren für die geschrieben, bei denen die Groschen normalerweise langsamer fielen.

Er sah die Tränen, die wie weiße Perlen über ihr Gesicht liefen und im Mieder versickerten. Graf Gero zog mit dem Finger die Spur der Tränen nach. »Nicht weinen«, sagte er, »bitte nicht weinen.«

»Also?«, hakte mein Chef nach.

Ich sagte nichts und schmollte.

Jansens Wunsch war klar und ich hatte keine andere Geschichte in Arbeit. Also ran, dachte ich, kein Job ist zu schmutzig und du kriegst schließlich Geld dafür. Reiße ich Lilo von Berghofen die hässliche Maske der Profitgier vom Gesicht und öffne den Leserinnen unserer Zeitung die Augen für die Wirklichkeiten dieser Welt, in der Graf Gero genauso wenig herumgaloppiert wie Rosalind schmachtet. Zeige ich der Menschheit, dass Bierstadt keine Ähnlichkeit mit benebelten Hügeln im schottischen Hochmoor hat.

Grimmig gab ich den Namen der Autorin in die Suchmaschine ein und erntete etwa hunderttausend Verweise auf Dokumente. Erschrocken klickte ich zurück auf die Homepage unserer Zeitung und ging in die Redaktionsküche, um mir erst mal einen Kaffee zu holen.

Dort brannte gerade ein Kaffeerest an der Glaskanne fest. Ich entschloss mich, das Verlagshaus vor einem verheerenden Großbrand zu retten, und schuf mit einem Lappen Ordnung.

»Grappa, du bist ja eine richtige Super-Hausfrau!«

Simon Harras, der Kollege vom Sport, litt ebenfalls unter Kaffeesucht. Er hatte mich wohl schon eine ganze Weile beobachtet.

»Verrat bloß keinem, dass ich so gut putzen kann.«

»Ist doch die wahre Bestimmung der Frau: hegen und pflegen.«

Ich lächelte. »Genau, Süßer. Möchtest du auch eine Tasse Kaffee?«

»Gerne.« Harras war sichtlich überrascht, weil ich seinen Machosatz ungestraft ließ. Ich startete die Kaffeemaschine.

»Ist das alles manchmal nicht ein bisschen öde für dich?«, fragte ich.

»Was?«

»Na ja, immer nur über Sport zu schreiben.«

Die Maschine gab gurgelnde Geräusche von sich.

»Ich weiß doch, dass du viele Interessen hast«, fuhr ich fort. »Du liest den politischen Teil unserer Zeitung, gehst ab und zu ins Kino und mit einem Buch habe ich dich auch schon gesehen.«

»Was willst du von mir?«

»Nichts«, log ich. »Aber ich mach mir halt ab und zu Gedanken über meine Mitmenschen.«

»Tatsächlich?« Harras wirkte misstrauisch. »Aber du hast ja irgendwie recht, Grappa. Immer nur Sport – mein ganzes Leben will ich das nicht machen.«

Der Kaffee war durchgelaufen.

»Ich finde, dass es nie zu spät ist, die Kurve zu kriegen. Und ich könnte dir helfen.«

Der Kaffee floss über die Milch.

»Aha. Was soll ich für dich tun?«

Ich reichte Harras den Becher.

»Für mich gar nichts. Für unsere Leser. Schreib ein Porträt über Lilo von Berghofen, die Bestsellerautorin.«

»Kochbücher oder Liebesromane?«

»Liebesromane. Schöne Menschen, spannende Landschaften und große Gefühle.«

»Nee, danke«, gab mir der Kollege eine Abfuhr.

»Die Schriftstellerin steht auf hübsche Männer«, behauptete ich. »Du findest bestimmt schnell Kontakt zu ihr. Das kann eine Freundschaft fürs Leben werden.«

»Und wenn sie mir die Kleider vom Leib reißt?«

»Aufregende Vorstellung. Ohne deine Knallkopfpullis siehst du bestimmt ganz lecker aus.«

»Du will nur deine Arbeit auf mich abwälzen! Deshalb das Gesülze.«

»Ich komme mit Frauen nun mal nicht so gut klar«, erinnerte ich ihn.

»Das geht dir mit Männern auch so«, stellte Harras fest. »Und ich habe keine Lust, mich von einer alten Schachtel vernaschen zu lassen.«

»Die ist nur fünf Jahre älter als ich«, sagte ich empört.

»Du hast den Zucker vergessen«, jammerte er und hielt mir anklagend seinen Kaffeebecher hin.

»Entschuldige.« Ich nahm die Tasse und schaufelte drei Löffel weißes Pulver hinein. »Ich rühre sogar für dich um«, sagte ich, tat es und hielt ihm den Becher wieder hin.

»Du bist nicht sauer auf mich?«, fragte er.

»Aber woher?«, antwortete ich und ging zur Tür. »Schönen Tag noch, Süßer.«

Als ich auf dem Flur stand, hörte ich ihn laut fluchen, dann noch lauter husten. »Du verdammtes Miststück! Das war kein Zucker, sondern Salz!«

Um den Auftrag kam ich wohl nicht herum. In meinem Zimmer schaute ich erneut in die Informationen über die Autorin.

Von Berghofens Romane waren in viele Sprachen übersetzt worden. Der Plot war immer gleich: Junge Frau sucht und findet die große Liebe. Und die Autorin schien Rosen zu mögen, ihre Heldinnen hießen Rosalind, Rosabell, Annerose oder Rosanne.

Die Mädels sahen aus, wie ich nie ausgesehen hatte: zart, filigran, blond, waren von »überirdischer Schönheit« und sie hatten Charaktereigenschaften, die mir ziemlich fremd waren: schüchtern, devot, nahe am Wasser gebaut und völlig humorfrei.

Im Netz gab es zu jedem der fünfzig Bücher Leseproben und mich beschlich der leise Verdacht, dass Lilo von Berghofen lediglich Orte, Tageszeiten und Namen änderte, bevor sie einen neuen Titel auf den Markt brachte. Aus Graf Gero wurde der junge, dynamische Chefarzt Dr. Frederic Hansen und Rosalind aus dem Schloss erlebte im nächsten Schmöker als vom Schicksal gebeutelte Lernschwester Rosemary ihre Wiedergeburt.

Ich beschloss, mich dem Werk der Autorin nicht weiter zu widmen, immerhin hatte Jansen ja eine Homestory verlangt und niemand konnte mich zwingen, mir die Lektüre anzutun.

Über das Leben der Schriftstellerin fand ich nur karge Informationen. Zwei für eine Homestory wichtige Punkte erfuhr ich jedoch: Lilo von Berghofen hieß in Wirklichkeit Gerlinde Bomballa und hatte in Bierstadt auf dem Gymnasium Abitur gemacht. Ehemänner, Kinder und anderes bürgerliches Beiwerk suchte ich vergebens.

Ich googelte weiter und stieß auf ein paar Fotos der Autorin. Für eine Endfünfzigerin hatte sie sich gut gehalten. Sie hatte dickes, rotbraunes Haar und blassblaue Augen, die überhaupt nicht romantisch wirkten. Die Frau erschien mir sympathischer, als ihre Produkte erwarten ließen.

Lilo von Berghofens beziehungsweise Gerlinde Bomballas Nummer war nicht im Telefonbuch verzeichnet und auch die Auskunft konnte nicht helfen.

Ich fragte beim Verlag nach, der die Groschenromane herausgab. Doch Telefonnummern von Autoren wurden grundsätzlich nicht herausgegeben.

»Sie müssen das verstehen«, sagte die Telefonistin. »Sonst kann Frau von Berghofen sich vor ihren Fans nicht retten. Aber ich verbinde Sie mal mit der zuständigen Lektorin, Frau Born.«

Kurz darauf versprach diese: »Ich werde Ihr Anliegen weiterleiten.«

»Wäre es nicht einfacher, mir Frau von Berghofens Telefonnummer zu geben?«, versuchte ich, die Sache abzukürzen. »Ich bin schließlich kein aufdringlicher Fan.«

»Einfacher schon«, räumte Frau Born ein. »Doch ich habe meine Vorschriften. Sie müssen sich also gedulden.«

Auch gut, dachte ich, dann kann Jansen die Homestory fürs kommende Wochenende vergessen.

Ich ging in Jansens Zimmer und berichtete ihm von meinem Misserfolg. Er schaute mich schräg an.

»Seit wann wartest du denn, bis dich jemand zurückruft?«, grinste er. »Bis vor Kurzem bist du den Leuten noch direkt auf die Bude gerückt – und zwar ungebeten.«

»Ich habe meine Sitten eben verfeinert«, erklärte ich. »Die wird mich hochkant rausschmeißen, wenn ich plötzlich vor der Tür stehe. Sie scheint ein bisschen komisch zu sein. Vielleicht ist sie auch krank oder mittendrin in einer klimakterischen Depression.«

»Dann hättet ihr ja sofort ein Gesprächsthema«, erwiderte mein Chef. »Nichts verbindet die Menschen mehr als gemeinsame Leiden.«

»Was hast du nur gegen mich?«, rief ich klagend aus. »Ich habe schon genug gelitten, indem ich diesen Schund gelesen habe. Ich werde die Geschichte ja irgendwann schreiben, nur nicht für diese Wochenendausgabe.«

»Du fährst heute Nachmittag zu Lilo von Berghofen, und damit basta.«

»Jetzt kehrst du auch noch den Chef raus«, beschwerte ich mich. »Ist das die Sache wert?«

»Ich kehre den Chef nicht raus«, antwortete Jansen. »Ich bin der Chef.« Er nahm einen Zettel zur Hand, beschrieb ihn mit einer sechsstelligen Zahl und einem Straßennamen.

»Das ist ihre Telefonnummer«, erläuterte er, mir das Papier reichend. »Aber sie geht nicht dran. Du musst also hinfahren. Die Adresse steht da. Kann ich dir sonst noch helfen?«

»Woher hast du denn die Nummer?« Ich war erstaunt.

»So was nennt man Recherche«, erklärte Jansen. »Eine durchaus übliche journalistische Technik. Du solltest dich bei Gelegenheit mal näher damit befassen, Grappa!«

Jansen hatte mir den Kopf gewaschen und recht damit gehabt. Früher war mein Jagdinstinkt besser ausgeprägt gewesen. Wie ein geprügelter Hund verzog ich mich zurück in mein Zimmer. Ich setzte mich in den Bürostuhl, haderte noch eine Weile mit mir und der bösen Welt und zückte dann Jansens Zettel. Er hatte die Telefonnummer einfach so daraufgekritzelt, ohne irgendwo nachsehen zu müssen. Er schien sie auswendig zu kennen.

Merkwürdig, dachte ich. Dass mein Chef über ein besonders gutes Zahlengedächtnis verfügte, war mir in den Jahren unserer Zusammenarbeit nie aufgefallen. Ganz im Gegenteil! Jansen vergaß oft die eigene Handynummer und musste erst in sein Notizbuch sehen. Wenn das jemand mitbekam, redete er sich gewöhnlich mit dem Satz »Ich ruf mich ja selbst nie an« heraus.

Ich las die sechs Zahlen. Na ja, sie waren wirklich einfach zu behalten: 41 51 41. Das hätte sogar ich geschafft.

Ich tippte die Ziffernfolge in den Apparat und wartete. Niemand hob ab. Warum sollte sich dieser Tag auch einfach gestalten?, dachte ich und seufzte.

Der Rabe im Wind

Lilo von Berghofen hatte sich an der Grenze der Stadt niedergelassen, dort, wo es ein bisschen hügelig und fast noch dörflich war. Ich hatte auf dem Stadtplan nachgesehen und festgestellt, dass ihr Haus am äußersten Ende der Bebauung errichtet worden war, angrenzend an landwirtschaftliche Nutzflächen und einen aufgegebenen Steinbruch, der wegen seiner Vogel- und Amphibienwelt unter Naturschutz stand. In der Nähe musste sich auch eine Burgruine befinden zumindest entdeckte ich im Stadtplan das Symbol dafür: ein Türmchen mit Fahne dran.

Burgruine! Das passte zu einer Frau, die sich literarisch gern im Hochadel tummelte. In unserer Gegend waren Burgen eine Rarität. Die meisten ›Burgen‹, die es in Bierstadt gab, gehörten Versicherungskonzernen, Energieriesen und Banken.

Zum Glück war das Wetter frühlingshaft warm, sogar die Linden blühten schon. Sie säumten die Ausfallstraße nach Berghofen und ihr Geruch wehte mir in die Nase. Plötzlich überkam mich ein wunderliches Gefühl von Freiheit und ich hätte immer weiterfahren mögen in den Süden der Wärme, dem Licht und dem Mittelmeer entgegen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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