Grauen in der Parkallee - Bärbel Junker - E-Book

Grauen in der Parkallee E-Book

Bärbel Junker

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Beschreibung

Fünf unheimliche Todesfälle und das in nur drei Monaten! Was ist los in der Parkallee? Und Wer oder Was ist Laszlo Morcock? Der Teufel? Das personifizierte Böse?, fragen sich Chefinspektor Tom Harrisson und sein Freund und Kollege Piet Kerrington. "Wie gelange ich an das Wissen, welches Laszlo Morcock so sehr fürchtet, obwohl es noch tief verborgen in mir ruht? Und wieso spricht meine verstorbene Frau Rebecca zu mir?", fragt Harrisson den Parapsychologen, Professor Paul Hammerbrink. Und dieser lässt ihn an seinen Kenntnissen und Erfahrungen teilhaben und verschafft ihm so die Möglichkeit, gegen eine Wesenheit wie Laszlo Morcock kämpfen und bestehen zu können. Und der Professor warnt ihn vor den Gefahren des absolut Bösen. "Allein Ihre Aufrichtigkeit und die Liebe zu ihrer Frau Rebecca schützt Sie, denn dem hat Laszlo Morcock nichts entgegenzusetzen. Verlieren Sie niemals den Glauben daran", warnt ihn der alte Mann. Doch das Morden in der Parkallee geht weiter! Grässliche Wesen aus grauer Vorzeit, Handlanger der "Großen Alten", versuchen Tom Harrisson aufzuhalten. Da wird die zwölfjährige Biggy Winkelmann entführt! Wird Tom Harrisson das junge Mädchen retten und "Die Großen Alten" am Betreten unserer Welt hindern können? In einem spektakulären Finale trifft Tom Harrisson auf den "wahren" Feind. Und Professor Hammerbrink erkennt entsetzt, wie sehr er sich geirrt hat!

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Seitenzahl: 160

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Bärbel Junker

Grauen in der Parkallee

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

ZUM BUCH

DIE SCHWARZE WITWE

MYSTERIÖSE TODESFÄLLE

UNHEIMLICHER VERMIETER!

TÖDLICHE SKULPTUREN

TOD IN DER MÜHLE!

LASZLO MORCOCK

WIDERSTAND!

REBECCAS LIEBE

HÖLLENTORE!

TÖDLICHE PRALINEN!

WER IST LASZLO MORCOCK?

BÖSE VORAHNUNGEN!

BEGEHRTE SEELEN!

RETTUNG IN LETZTER SEKUNDE!

SCHOCKIERENDE ERKENNTNIS

DAS SCHEITERN DES BÖSEN!

TRAURIGE NACHRICHT

ANGRIFF DER HORNISSEN!

SENDBOTEN DES TEUFELS!

BIGGYS ÄNGSTE

AURA DES BÖSEN

VERDIENTE STRAFE!

REBECCAS KREUZ

DIE MACHT DES GUTEN

BÖSER PLAN!

VERHÄNGNISVOLLE TAT!

PLÖTZLICHE ERKENNTNIS!

DER TAG DER ENTSCHEIDUNG!

DAS OPFER!

DIE GROSSEN ALTEN!

ABSCHIED!

EPILOG

Leseprobe

Impressum neobooks

ZUM BUCH

Fünf unheimliche Todesfälle und das in nur drei Monaten! Was ist los in der Parkallee? Und WER oder WAS ist Laszlo Morcock? Der Teufel? Das personifizierte Böse? fragen sich Chefinspektor Tom Harrisson und sein Freund und Kollege Sergeant Piet Kerrington.

„Wie gelange ich an das Wissen, welches Laszlo Morcock so sehr fürchtet, obwohl es noch tief verborgen in mir ruht? Und wieso spricht meine verstorbene Frau Rebecca zu mir?“, fragt Harrisson den Parapsychologen, Professor Paul Hammerbrink.

Und dieser lässt ihn an seinen Kenntnissen und Erfahrungen teilhaben und verschafft ihm so die Möglichkeit, gegen eine Wesenheit wie Laszlo Morcock kämpfen und bestehen zu können. Und der Professor warnt ihn vor den Gefahren des absolut Bösen. „Allein Ihre Aufrichtigkeit und die Liebe zu ihrer Frau Rebecca schützen Sie, denn dem hat Laszlo Morcock nichts entgegenzusetzen. Verlieren Sie niemals den Glauben daran“, warnt ihn der alte Mann.

Doch das Morden in der Parkallee geht weiter!

Grässliche Wesen aus grauer Vorzeit, Handlanger derGroßen Alten, versuchen Tom Harrisson aufzuhalten.

Da wird die zwölfjährige Biggy Winkelmann entführt!

Wird Tom Harrisson das junge Mädchen retten und dieGroßenAltenam Betreten unserer Welt hindern können?

In einem spektakulären Finale trifft Harrisson auf denwahren

DIE SCHWARZE WITWE

DieSchwarze Witwelauerte über der Eingangstür, als Mrs. Brown ihre Wohnung betrat. Regungslos beobachtete die Spinne die Frau unter sich.

Mrs. Brown zog ihren leichten Wollmantel aus und hängte ihn sorgfältig an die Garderobe. „Eine Tasse Tee wäre jetzt gerade richtig, meine liebe Clara“, begann sie ein Zwiegespräch wie es alleinstehende Menschen oft zu tun pflegen.

Leise vor sich hinsummend stellte sie den Teekessel auf die Herdplatte und schüttete eine Portion Darjeeling in das Teesieb.

„Nach dem anstrengenden Einkaufsbummel mit Alice werde ich es mir jetzt so richtig gemütlich machen“, murmelte sie, während sie den kleinen Tisch neben ihrem Ruhesessel deckte.

Als sie alles beisammen hatte und ihr das angenehme Tee Aroma in die Nase stieg, lehnte sie sich zufrieden in ihrem Sessel zurück. „Ah“, stöhnte sie voller Wohlbehagen, „das ist aber weitaus angenehmer, als diese endlose Herumlauferei.“

DieSchwarze Witwekrabbelte mit bemerkenswerter Geschwindigkeit die Wand hinunter und schlüpfte unbemerkt ins Wohnzimmer, während Mrs. Brown behaglich ihren Tee schlürfte, ohne zu ahnen, dass es ihr letzter sein würde.

Die Spinne erklomm hurtig die Rückenlehne des Sessels und machte sich zum Angriff bereit.

„Was für ein schöner Tag“, murmelte Mrs. Brown.

Da biss dieSchwarze Witwezu!

„Was war denn das?“, murmelte die alte Dame. Sie lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen, um sie niemals wieder zu öffnen. Die tödliche Spinne aber verließ unbemerkt die Wohnung und eilte zu einem kleinen Tragekorb, in dem sie verschwand.

MYSTERIÖSE TODESFÄLLE

Chefinspektor Tom Harrisson richtete den Blick seiner gletscherblauen Augen auf seinen Freund und Kollegen Inspektor Piet Kerrington.

„Weißt du Piet“, sagte er nachdenklich, „auf diesem Haus in der Parkallee muss ein Fluch liegen. Das ist nun bereits der fünfte Todesfall innerhalb von drei Monaten und alle fünf Opfer starben entweder durch einen Unfall oder aufgrund ihres Alters. Nach Aussage Remingtons gibt es jedoch keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden oder gar Mord. Zwar habe ich bisher seinen Bericht nur überflogen, aber irgendetwas an diesen Todesfällen stimmt meiner Meinung nach nicht.“

„Dann sollten wir die Akten noch nicht schließen, sondern alles noch mal genauestens überprüfen.“

„Ja, das denke ich auch. Wie sollten die Bewohner nochmal unter die Lupe nehmen. Ich möchte Inspektor Remington nicht zu nahe treten, aber vielleicht hat er ja doch irgendetwas übersehen. Schließlich sind wir alle nur Menschen und nicht unfehlbar.“

„Der hat es gut“, meinte Piet Kerrington neidisch. „Liegt in der Sonne und lässt sich von hübschen Balinesinnen eisgekühlte Drinks servieren, während wir das Londoner Nieselwetter genießen dürfen.“

„Tja, Piet, so eine Erbschaft ist eben nicht das Schlechteste. Wir haben halt nicht die richtige Verwandtschaft“, grinste Harrisson. „Aber Scherz beiseite. Reich mir doch bitte mal den Obduktionsbericht von dieser Mrs. Brown rüber“, bat er. „Hast du ihn schon gelesen?“

Der Inspektor schüttelte den Kopf und gab ihm den schmalen Schnellhefter. Dann nahm er seufzend eine Akte von einem ansehnlichen Stapel und begann diese durchzuarbeiten.

Wenig später ließ ihn ein harter Schlag auf die Schreibtischplatte so erschrocken zusammenzucken, dass er den Bleistiftbehälter vom Tisch fegte.

„Na, das ist vielleicht ein Ding!“, rief Harrisson. „Hier steht, dass die alte Dame am Gift der SchwarzenWitwe starb. Wie findest du das?“

„An was?“, nuschelte Piet unter seinem Schreibtisch hervor.

„Sie starb am Gift der Schwarzen Witwe!“

„Ja, und?“

„Na, du bist gut. Immerhin wurde die arme Frau von einer Spinne gebissen, die es hierzulande eigentlich gar nicht gibt.“

„Vielleicht ist die Spinne aus einer Zoohandlung entwischt“, meinte Piet, der endlich seine Schreibstifte aufgesammelt hatte.

„Aha! Aus einer Zoohandlung entwischt! Und ganz zufällig kommt sie dann ausgerechnet in das Haus in der Parkallee?“, fragte Harrisson ironisch.

„Na ja, ich dachte ja nur.“

„Ein Zufall, ja? Und das ausgerechnet in einem Haus, in dem sich bereits schon vorher vier, ich betone vier, Todesfälle ereigneten? Findest du nicht auch, dass das zu viele Zufälle sind? Ich glaube eher, dass da jemand nachgeholfen hat.“

„Aber wer soll ein Interesse daran haben, diese Leute umzubringen, noch dazu in einem so kurzen Zeitraum? Da muss die Polizei doch misstrauisch werden. Wäre das nicht sehr unvorsichtig?“, meinte Kerrington skeptisch.

„Misstrauisch? Wieso denn, Piet? Immerhin hatte Remington die Akte Parkallee Nr. 14 doch bereits geschlossen. Wäre diese Mrs. Brown nicht gestorben während Remington im Urlaub ist, wäre die Akte doch überhaupt nicht auf unserem Schreibtisch gelandet. Ohne diesen Zufall, hätten wir weder etwas von den Todesfällen in der Parkallee gewusst, noch uns damit beschäftigt. Es wäre interessant zu wissen, für wen der Tod dieser Menschen von Nutzen ist“, überlegte Harrisson laut.

„Wenn du meinst, Tom. Dann überprüfe ich am besten zuerst einmal die Eigentumsverhältnisse“, sagte Kerrington und griff zum Telefon.

„Tu das. Und ich nehme mir die Obduktionsberichte der anderen vier Toten vor“, sagte der Chefinspektor unternehmungslustig wie ein Spuren witternder Fährtenhund. Der dunkelblonde, fast zwei Meter große, schlanke Tom Harrisson verabscheute und bekämpfte Verbrechen, wo immer er darauf traf.

Das hatte er von jeher getan. Doch seitdem seine innig geliebte Frau Rebecca vor einem Jahr bei einem Überfall auf ein Juweliergeschäft, in dem sie ein Geburtstagsgeschenk kaufen wollte, getötet worden war, lebte er nur noch für seinen Beruf. Hatte er einen Verdacht und eine Spur aufgenommen, konnten ihn nichts und niemand wieder davon abbringen. Bisher hatte sich Tom Harrissons Verdacht noch immer bestätigt und kein Täter war ihm bislang entkommen.

Für den dunkelhaarigen, fast einen halben Kopf kleineren, untersetzten, neunundzwanzigjährigen Piet Kerrington war er nicht nur ein leuchtendes Vorbild, sondern trotz der zwölf Jahre Altersunterschied auch noch sein engster Freund.

„Hast du etwas erreicht?“, fragte der Chefinspektor wenig später.

„Kein Mordmotiv zu erkennen, meine ich.“

„Na, dann leg mal los.“

Piet räusperte sich. „Also, der Eigentümer der Immobilie Parkallee Nr. 14 erlag vor knapp einem halben Jahr einem Herzinfarkt“, begann er. „Sein komfortables Mietshaus erbte ein Mann namens Laszlo Morcock, der anscheinend ein unbescholtener Bürger ist. Er zahlt ordnungsgemäß seine Steuern und beabsichtigt weder das Haus zu verkaufen, noch in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Weshalb also sollte er seine Mieter loswerden wollen, noch dazu durch Mord?“

„Aber es ist doch seltsam, dass so viele Mieter aus ein und demselben Haus in dem Moment starben, als dieser Morcock sein Erbe antrat, oder meinst du nicht?“

„Hmm. Tja, merkwürdig ist das schon“, nickte Piet und griff nach dem Obduktionsbericht. Er las ihn durch und stutzte. „Das ist aber seltsam, Tom.“

„Wieso? Was meinst du?“, fragte Harrisson.

„Ich frage mich, wieso ein fähiger Kriminalist wie Remington nach diesen Obduktionsbefunden, die absolut nicht eindeutig auf Tod durch Unfall schließen lassen, von deren Harmlosigkeit so überzeugt sein konnte. Wieso wollte er diese Fälle einfach zu den Akten legen? Das passt doch überhaupt nicht zu ihm.“

„Genau das wundert mich auch“, stimmte ihm Harrisson zu. „Dieses Vorgehen passt so gar nicht zu Remingtons sonstiger Arbeitsweise.“

„Vielleicht Bestechung?“

„Nein, Piet. Das hat Remington nicht nötig. Außerdem, wer sollte ihn denn bestechen? Der Eigentümer hat anscheinend keinen Grund und einen anderen Verdächtigen sehe ich bislang nicht. Und doch ist irgendetwas faul an diesen so genannten Unglücksfällen, das spüre ich in sämtlichen Knochen.“

„Dann sollten wir uns noch mal das Haus ansehen und mit den Mietern sprechen“, schlug Piet vor.

„Gute Idee“, sagte sein Freund und griff nach den Autoschlüsseln.

UNHEIMLICHER VERMIETER!

Als die beiden Beamten in der Parkallee eintrafen, stießen sie im Flur des Unglückshauses auf die erregt miteinander diskutierenden Bewohner.

„Ich verstehe das nicht. Mrs. Brown war doch kerngesund. Woran soll sie denn so plötzlich gestorben sein?“, fragte aufgeregt ein älterer Herr mit Glatze.

„Ein Herzschlag. Sie ist an einem Herzschlag gestorben, Mr. Thomsen“, sagte der Bildhauer Ken Malkowitsch, dessen Wohnatelier das gesamte Dachgeschoss einnahm.

„Pah! Herzschlag! Wer es glaubt, wird selig. Ihr Herz war vollkommen gesund. Sie erzählte es mir vor einer Woche, als sie gerade von ihrer halbjährlichen Routineuntersuchung kam“, warf Miss Langford, eine altjüngferliche Studienrätin, ein. „Hat sie es Ihnen nicht auch erzählt, Mr. Kessler?“, fragte sie den Mann eines etwas abseits stehenden Paares.

„Ja, das ist richtig“, erwiderte der Mann zurückhaltend.

„Na, sehen Sie“, sagte die Studienrätin so triumphierend, als hätte sie gerade Mrs. Browns plötzliches Ableben aufgeklärt.

„Aber wenn die alte Dame nicht durch ein Herzversagen von uns gegangen ist, wodurch dann?“, wollte Mrs. Thea Heckert wissen, eine ehemalige Opernsängerin, die sich gerne etwas hochtrabend auszudrücken pflegte.

„Vielleicht ist sie ja an Altersschwäche gestorben“, krähte Biggy Winkelmann, ein zwölfjähriger Teenager, aufgeregt.

„Halt den Mund, Biggy“, berief sie Bernd Winkelmann, ihr Vater, den das vorlaute Mundwerk seiner naseweisen Tochter ständig in Schwierigkeiten brachte.

Biggy warf ihrem Vater einen beleidigten Blick zu und stolzierte mit hocherhobenem Kopf und lustig wippendem, blonden Pferdeschwanz auf ihren langen Beinen davon.

Keiner der Anwesenden, außer der Opernsängerin, die junge Mädchen und Frauen ihrer Jugend wegen hasste, nahmen Biggys etwas theatralischen Abgang zur Kenntnis. Mrs. Browns plötzliches Ableben und das der anderen vier Mitbewohner spukte in ihren Köpfen herum, verunsicherte sie und führte ihnen gnadenlos ihre eigene Sterblichkeit vor Augen. Wen kümmerten da die frechen Äußerungen einer Halbwüchsigen.

Mrs. Holt, eine zickige und ständig frustrierte Pensionärin fasste ihrer aller Angst mit wenigen Worten zusammen: „Warum, zum Teufel noch mal, sind sie dann überhaupt gestorben, wenn sie nicht krank waren?“, keifte sie mit ihrer unangenehm schrillen Stimme.

„Mrs. und Mr. Troller verunglückten doch, wenn ich richtig informiert bin“, warf Mrs. Kessler schüchtern ein.

„Verunglückten?! Aber wieso? Ich habe in meinem ganzen Leben keine vorsichtigeren Menschen kennengelernt, als diese beiden. Die überlegten doch fünfmal, bevor sie einen einzigen Schritt machten“, höhnte Mrs. Holt. „Vielleicht hat da ja irgendjemand nachgeholfen.“

„Aber wer sollte so etwas Schreckliches tun?“, flüsterte Miss Langford entsetzt. Für einen Moment schwiegen alle schockiert.

Chefinspektor Harrisson nutzte die Gelegenheit und bat den Bildhauer um eine kurze Unterredung.

„Da muss ich mich wohl der Staatsgewalt beugen“, meinte dieser ironisch und stieg vor ihnen die Treppe hinauf.

„Wohin führt diese Tür?“, fragte Chefinspektor Harrisson auf eine schmale, dem Atelier gegenüberliegende Tür deutend.

„Ins Nachbarhaus“, antwortete Ken Malkowitsch. „Aber sie ist verschlossen und außerdem auch noch von der anderen Seite zugemauert“, fügte er hinzu und öffnete die Tür zu seinem Atelier.

Es war nicht aufgeräumt. Überall lag Material herum. In jeder freien Ecke, auf Kisten und Tischen, Stühlen und Kartons standen und lagen unheimliche, teils bizarr anmutende Skulpturen, die Werke des Künstlers. Malkowitsch räumte ein paar Stühle frei, damit sie sich setzen konnten.

„Na, wie finden Sie meine Arbeiten?“, fragte er.

„Nun ja. Ich weiß nicht. Auf jeden Fall sind sie ziemlich ungewöhnlich“, erwiderte der Chefinspektor ein wenig verlegen.

„Ich finde sie irgendwie unheimlich“, meinte Kerrington.

„Das ist wahr. Mich erschrecken sie auch manchmal, besonders dann, wenn ich einen gehoben habe“, stimmte ihm der Künstler lachend zu. Und wieder ernst werdend: „Weshalb wollten Sie mich eigentlich sprechen? Meiner Skulpturen wegen doch wohl nicht.“

„Es geht um die fünf Todesfälle“, erklärte Harrisson. „Können Sie uns etwas dazu sagen?“

„Nein, Sir, eigentlich nicht. Ich wundere mich nur darüber, dass bisher noch keine der leer stehenden Wohnungen wieder vermietet wurde.“

„Kannten Sie die verstorbenen Mieter näher?“

„Na ja, wie man sich eben so kennt. Man trifft sich im Treppenhaus, grüßt, spricht vom Wetter oder dass schon wieder alles teurer geworden ist und das war´s dann. Wenn ich es mir so recht überlege ... Nein, eigentlich habe ich die Leute nicht näher gekannt.“

„Wirklich niemanden?“

„Tja, außer Mrs. Brown vielleicht. Obwohl ich über die nette alte Dame auch nicht viel weiß. Sie hatte den Ersatzschlüssel für meine Wohnung.“

„Und wozu hatte sie den?“

„Sie nahm Materiallieferungen für mich entgegen und ließ sie gleich in mein Atelier hinaufbringen. Außerdem verlege ich leicht meine Schlüssel, und der Schlüsseldienst war mir auf die Dauer zu kostspielig“, grinste Malkowitsch. „Schade um die nette alte Lady“, murmelte er.

„Wissen Sie, ob Mrs. Brown Angehörige hatte?“, fragte Harrisson.

„Ich glaube nicht. Außer ihrem verstorbenen Mann hatte sie wohl niemanden.“

„Hatte sie Feinde? Wurde sie bedroht? Fürchtete sie sich vielleicht vor irgendjemanden?“, wollte der Inspektor wissen.

„Nein, Sir, mir ist nichts von alledem bekannt. Aber wie ich schon sagte, sehr gut kannte ich die alte Dame leider nicht. Obwohl sie meine Wohnungsschlüssel hatte sah ich sie nur, wenn ich ihr als kleines Dankeschön einen Blumenstrauß oder eine Flasche Portwein brachte, allerdings ...“, er verstummte und sah nachdenklich auf seine kräftigen Hände.

„Ist Ihnen doch noch etwas eingefallen?“, hakte der Chefinspektor nach.

„Vielleicht, sicher bin ich mir allerdings nicht.“

„Das macht nichts, Mr. Malkowitsch. Erzählen Sie es uns trotzdem.“

„Also gut, wenn Sie darauf bestehen“, seufzte der Bildhauer: „Vor etwa zwei Wochen, ich hatte wieder einmal meinen Schlüssel verlegt, klingelte ich bei Mrs. Brown, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde und ein hoch gewachsener, ganz in schwarz gekleideter Mann an mir vorbei stürmte. Hinter ihm erschien die sonst so gelassene Mrs. Brown mit hochrotem Gesicht im Eingang, packte mich am Arm und zerrte mich regelrecht in ihre Wohnung hinein.

Sie drückte mich in einen Sessel, holte entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten eine Flasche Brandy und zwei Gläser aus dem Schrank und schenkte ein. Sie nahm einen herzhaften Schluck aus ihrem Glas und setzte sich zu mir. „Ist etwas passiert?“, fragte ich sie.

„Und ob“, erwiderte die alte Dame zitternd. „Sie haben doch den schwarz gekleideten Mann gesehen?“ Und als ich nickte: „Das war Mr. Morcock, unser neuer Vermieter. Er will, dass ich umgehend aus dieser Wohnung ausziehe, in der ich seit Jahrzehnten lebe und in der mein armer Mann gestorben ist. Und als ich ablehnte, geschah etwas so Unheimliches, dass es mir jetzt noch kalt den Rücken runter läuft. Mr. Morcock fing meinen Blick ein und hielt ihn fest. Ich vermochte mich nicht dagegen zu wehren, und die panische Angst in seinen schlammfarbenen, an Morastlöcher erinnernden Augen zu versinken, raubte mir fast die Sinne.

Zum Glück klingelten Sie und das brachte mich zurück in die Wirklichkeit. Ich starrte auf den Stift in meiner Hand und stellte zu meinem Entsetzen fest, dass ich fast die Kündigung meiner Wohnung unterzeichnet hätte, wenn Sie nicht gekommen wären. Aber wie hatte mich der Mann dazu gebracht? Ich zerriss das Schreiben empört. Und Mr. Morcock verließ fluchtartig die Wohnung. Den Rest kennen Sie.“

„Wollen Sie etwa damit sagen, der Mann habe Sie hypnotisiert?“, fragte ich ungläubig.

„Vielleicht“, erwiderte sie. „Aber da war noch etwas anderes. Etwas unsagbar Böses und Verdorbenes streckte seine gottlosen, schleimigen Tentakel nach mir aus, versuchte in mich einzudringen, mich zu umgarnen, in seine Verderbnis, seinen Morast hinunterzuziehen und auf ewig zu verschlingen.“

Es war richtig unheimlich. Ich hatte die alte Dame noch nie so seltsam reden hören“, erinnerte sich der Künstler. „Aber natürlich glaubte ich ihr diesen überspannten Unsinn keine Sekunde lang.“

„Das könnte glatt von Stephen King sein“, grinste Kerrington, der ein Fan des Schriftstellers war.

„Aber genau so hat sie es mir erzählt“, sagte der Bildhauer pikiert.

„Können Sie den Mann beschreiben?“, fragte Harrisson.

„Natürlich, kann ich das. Aber da gibt es nicht viel zu beschreiben. Groß und schlank, schwarze Kleidung, auffallend bleiches Gesicht, und das war es auch schon.“

„Sind Sie diesem Mr. Morcock zuvor schon einmal begegnet?“

„Nein, niemals. Der neue Eigentümer hat sich mir nur brieflich vorgestellt.“

Die beiden Kriminalbeamten bedankten sich für sein Entgegenkommen und gingen. Als sie an der schmalen Tür vorbei kamen, blieb Harrisson stehen. Er rüttelte an dem Türknauf. Doch die Tür war verschlossen.

Als sie zu ihrem am Straßenrand parkenden Wagen gingen, überfiel den Chefinspektor ein solcher Kälteschauer, dass sich seine Nackenhaare sträubten. Plötzlich fühlte er sich beobachtet! Da war jemand! Er wusste es! Fühlte es! Er hob den Kopf und musterte die Fenster. Für einen Moment glaubte er hoch oben hinter einem der Fenster ein bleiches Gesicht gesehen zu haben. Doch er war sich nicht sicher und behielt diese Vermutung lieber für sich.

TÖDLICHE SKULPTUREN

Nachdem die beiden Kriminalbeamten gegangen waren, hatte Ken Malkowitsch mit dem Trinken angefangen. Er war Alkoholiker, hatte diese Tatsache bisher jedoch vor der Öffentlichkeit verheimlichen können.

Als die Dunkelheit hereinbrach, begann er seine Skulpturen doppelt zu sehen; und später, gegen zweiundzwanzig Uhr, bemerkte er entsetzt, dass eine seiner eisernen Monsterkreaturen zum Leben erwachte.

Der gut armlange Riesenskorpion sprang von seinem Tisch herunter auf den Boden und kroch langsam auf seinen Erschaffer zu, der ihm aus hervorquellenden Augen anstarrte.

„Aber du...du bi...bist doch nur eine Skulptur“, stotterte der Künstler und wich zitternd Schritt für Schritt zurück.

Zischend und fauchend, den Stachel bewehrten Schwanz angriffslustig hoch aufgerichtet, kroch der Skorpion weiter auf ihn zu. Eiserne Klauen schrammten über den glatten Atelierboden, mordlustig funkelnde Augen starrten das Opfer höhnisch an.

Ken Malkowitsch erwachte aus seiner Erstarrung. Nur raus hier, dachte er von Grauen erfüllt und sprang von seinem Stuhl auf.

Doch leider hatte er seinen Alkoholkonsum vergessen!

Er strauchelte, fiel, und schlug sich den Kopf am Eisenkörper des Monsterskorpions auf. Dieser ging unverzüglich zum Angriff über. Bösartig grell blitzte sein Stachel auf, senkte sich und ... stieß zu!

Von der Skulptur löste sich ein nur etwa handtellergroßer Skorpion, lief zu einem Loch in der Wand, zwängte sich hindurch und eilte zu der schmalen Tür zum Nachbarhaus, die sich im selben Moment öffnete.

„Komm her zu mir“, befahl der ganz in schwarz gekleidete Mann. Er bückte sich, nahm den Skorpion in seine Hand, setzte ihn sanft auf den roten Samt in einem schwarzen Onyx-Kasten und ging zu Ken Malkowitschs Wohnungstür.

Mit seinen fahlen, überlangen Fingern strich er über die geschlossene Tür. Sie öffnete sich wie von Geisterhand bewegt. Der Schwarzgekleidete trat ein.