Grave Mercy - Die Novizin des Todes - Robin L. LaFevers - E-Book
oder
Beschreibung

Auftragsmörderin mit HerzDie 17-jährige Ismae flüchtet vor einer Zwangsheirat und findet Zuflucht im Kloster von St. Mortain, wo die Schwestern noch den alten Gottheiten dienen. Doch um selbst ein neues Leben beginnen zu können, muss sie das Leben anderer zerstören: Der Gott des Todes hat ein Schicksal als Auftragsmörderin für sie vorgesehen … Ismaes erster Auftrag führt sie an den Hof der bretonischen Herzogin, wo sie mit einem unlösbaren Gewissenskonflikt konfrontiert wird: Wie kann sie den Auftrag des Todes ausführen, wenn das Opfer ihr Herz gestohlen hat?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl:647


ROBIN LAFEVERS

GRAVEMERCY

Die Novizin des Todes

Aus dem Englischen von Michaela Link

© Rick Carter

DIE AUTORIN

Robin LaFevers wuchs auf mit Märchen, Bulfinchs Mythologie und der Dichtung des 19. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass aus ihr eine hoffnungslose Romantikerin wurde. Sie hatte das Glück, ihre große Liebe zu finden, und lebt heute mit ihrem Mann in Südkalifornien.

cbjist der Kinder- und Jugendbuchverlagin der Verlagsgruppe Random House

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Oktober 2012

Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform

Deutschsprachige Ausgabe © 2012 cbj Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

© 2012 by Robin LaFevers

Erstmals erschienen 2012 unter dem Titel »His Fair Assassin. Grave Mercy« bei Houghton Mifflin, einem Imprint der Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company, New York.

Aus dem Englischen von Michaela Link

Umschlagfoto: Richard Jenkins

Landkarte: Cara Llwellyn

Umschlaggestaltung: init.büro für gestaltung, Bielefeld, unter Verwendung des Originalumschlags

MI · Herstellung: CZ

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN: 978-3-641-09496-6

www.cbj-verlag.de

Für Mark, der mir erstmals zeigte,wie wahre Liebe aussieht.

DIE FIGUREN IM ÜBERBLICK

Ismae Rienne

Ismaes Vater

Guillo, der Schweinebauer

Kräuterhexe

IM KONVENT

Äbtissin

Schwester Thomine, Meisterin der Kampfkünste

Annith, Novizin

Schwester Serafina, Meisterin der Gifte und Heilerin

Sybella, Novizin

Schwester Widona, Stallmeisterin

Schwester Beatriz, Lehrerin für Benimm, Tanz und weibliche Künste

Schwester Eonette, Historikerin und Archivarin des Konvents

Schwester Arnette, Waffenmeisterin

Schwester Claude, verantwortlich für die Vogelzucht

Schwester Vereda, die betagte Hellseherin

Runnion, Verräter an der Bretagne und Ismaes erstes Opfer

Martel, französischer Spion und Ismaes zweites Opfer

DER KRONRAT

GrafMaurice Crunard, Kanzler der Bretagne

Gräfin Françoise Dinan, Gouvernante der Herzogin

GrafJean Rieux, Marschall der Bretagne und Lehrer der Herzogin

GrafDunois, Hauptmann des bretonischen Heeres

DER BRETONISCHE HOF UND ADEL

Anne, Herzogin der Bretagne, Gräfin von Nantes, Montfort und Richmont

Isabeau, Annes Schwester

Herzog François II. (verstorben)

Baron Lombart, bretonischer Edelmann

Gavriel Duval, bretonischer Edelmann

Benabic de Waroch, genannt die Bestie, Ritter

Raoul de Lornay, Ritter

Baron Geffoy, bretonischer Edelmann

Baronin Katerine Geffoy, seine Gemahlin

Madame Antoinette Hivern, Mätresse von François II.

François Avaugour, Ritter

Graf Alain d’Albret, bretonischer Edelmann mit großen Ländereien in Frankreich und einer der Bewerber um die Hand der Herzogin

Charles VIII., König von Frankreich

Anne de Beaujeu, Regentin Frankreichs

Norbert Gisors, Botschafter der Regentin Frankreichs

Frédéric, Herzog von Nemours, einer der Bewerber um die Hand der Herzogin

Maximilian von Österreich, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und einer der Bewerber um die Hand der Herzogin

Eins

BRETAGNE 1485

ICH HABE EINE DUNKELROTENarbe, die sich von meiner linken Schulter zu meiner rechten Hüfte zieht. Es ist die Spur, die das Gift der Kräuterhexe hinterlassen hat, mit dessen Hilfe meine Mutter versucht hat, mich aus ihrem Schoß zu vertreiben. Dass ich überlebte, ist nach Meinung der Kräuterhexe kein Wunder, sondern ein Zeichen dafür, dass ich vom Gott des Todes selbst gezeugt wurde.

Man hat mir erzählt, mein Vater habe einen Wutanfall bekommen und die Hand gegen meine Mutter erhoben, noch während sie schwach und blutend in den Nachwehen lag. Bis die Kräuterhexe ihn darauf hinwies, dass der Gott des Todes, wenn meine Mutter tatsächlich sein Lager geteilt habe, gewiss nicht untätig zusehen würde, wie mein Vater sie schlüge. Ich werfe einen Seitenblick auf Guillo, meinen zukünftigen Ehemann, und frage mich, ob mein Vater ihm von meiner Abstammung erzählt hat. Ich schätze, er hat es nicht getan, denn wer würde drei Silbermünzen für das bezahlen, was ich bin? Außerdem wirkt Guillo viel zu selbstzufrieden, als dass er von meinem wahren Wesen hätte Kenntnis haben können. Wenn mein Vater ihn überlistet hat, wird das nichts Gutes für unsere Verbindung bedeuten. Dass wir in Guillos Hütte vermählt werden statt in einer Kirche, verstärkt mein Unbehagen noch.

Ich spüre den bohrenden Blick meines Vaters auf mir ruhen und schaue auf. Der Triumph in seinen Augen macht mir Angst, denn wenn er triumphiert, dann habe ich gewiss auf irgendeine Weise verloren, die ich noch nicht verstehe. Trotzdem lächele ich, weil ich ihn davon überzeugen will, dass ich glücklich bin – denn nichts widerstrebt ihm mehr als mein Glück.

Aber während ich meinen Vater mühelos belügen kann, ist es schwerer, mir selbst etwas vorzumachen. Ich habe Angst, große Angst vor diesem Mann, dem ich jetzt gehören werde. Ich betrachte seine massigen, breiten Hände. Genau wie mein Vater hat er Dreckkrusten unter den Fingernägeln und Schmutz in den Falten seiner Haut. Wird die Ähnlichkeit da enden? Oder wird auch er diese Hände schwingen wie Knüppel?

Es ist ein neuer Anfang, versuche ich mir zu sagen, und trotz all meiner Befürchtungen kann ich einen winzigen Funken der Hoffnung nicht ersticken. Guillo will mich genug, um drei Silbermünzen zu zahlen. Wo Begehren ist, ist doch bestimmt auch Platz für Freundlichkeit? Das ist das eine, was meine Knie daran hindert gegeneinanderzuschlagen und meine Hände zu zittern. Das andere ist der Priester, der gekommen ist, um die Messe zu lesen. Denn obwohl er nicht mehr ist als ein Dorfpfaffe, lässt mich der verstohlene Blick, den er mir über sein Gebetsbuch hinweg zuwirft, glauben, dass er weiß, wer und was ich bin.

Während er die letzten Worte der Zeremonie murmelt, starre ich auf die Gebetsschnur aus grobem Hanf mit den neun Holzperlen, die ihn als einen Anhänger der alten Sitten ausweist. Selbst als er die Schnur um unsere Hände schlingt und unsere Vereinigung mit dem Segen Gottes und der neun alten Heiligen besiegelt, halte ich den Blick gesenkt, voller Angst, die Selbstgefälligkeit in den Augen meines Vaters zu sehen oder das, was das Gesicht meines Ehemannes vielleicht zeigt.

Als der Priester fertig ist, tappt er auf schmutzigen Füßen davon, und seine groben Ledersandalen klatschen laut auf dem Boden. Er nimmt sich nicht einmal die Zeit, um einen Humpen auf unsere Vereinigung zu trinken. Ebenso wenig tut es mein Vater. Bevor sich der Staub hinter seinem abfahrenden Karren gelegt hat, gibt mir mein neuer Ehemann einen Klaps auf den Hintern und zeigt grunzend Richtung Dachboden.

Ich balle die Fäuste, um das Zittern meiner Hände zu verbergen, und gehe durch den Raum zu der wackeligen Treppe hinüber. Während Guillo sich mit einem letzten Humpen Bier stärkt, steige ich zum Dachboden hinauf und zu dem Bett, das ich jetzt mit ihm teilen werde. Ich vermisse meine Mutter schmerzlich, denn obwohl sie Angst vor mir hatte, hätte sie mir doch für meine Hochzeitsnacht gewiss einen weiblichen Rat gegeben. Aber sowohl sie als auch meine Schwester waren vor langer Zeit geflohen – eine zurück in die Arme des Todes und die andere in die Arme eines wandernden Kesselflickers.

Ich weiß natürlich, was zwischen einem Mann und einer Frau geschieht. Unsere Hütte ist klein und mein Vater laut. Es gab so manche Nacht, in der rhythmische Bewegungen, begleitet von Stöhnen, unsere dunkle Hütte erfüllten. Am nächsten Tag wirkte mein Vater immer eine Spur weniger übellaunig, meine Mutter dafür umso mehr. Ich versuche mir einzureden, dass das Ehebett, wie abscheulich es auch sein mag, gewiss nicht schlimmer sein kann als das grobe Temperament und die harten Fäuste meines Vaters.

Der Dachboden ist ein enger, muffiger Raum, der so riecht, als würden die rauen Fensterläden an der Stirnseite nie geöffnet. Ein Bettgestell aus Holz und Seil trägt eine Matratze aus Stroh. Davon abgesehen gibt es nur einige Haken, um Kleider aufzuhängen, und eine schlichte Truhe am Fußende des Bettes.

Ich setze mich auf die Kante der Truhe und warte. Es dauert nicht lange. Ein schweres Knarren der Treppe warnt mich, dass Guillo auf dem Weg ist. Mein Mund wird trocken und Übelkeit steigt in mir auf. Da ich ihm nicht den Vorteil der überlegenen Größe geben will, stehe ich auf.

Als er den Raum erreicht, zwinge ich mich, ihm ins Gesicht zu sehen. Seine Schweinsaugen weiden sich an meinem Körper und wandern von meiner Stirn hinunter zu meinen Knöcheln und dann zurück zu meinen Brüsten. Die beharrliche Forderung meines Vaters, mein Gewand ganz eng zu schnüren, erfüllt ihren Zweck, da Guillo kaum etwas anderes ansehen kann. Er deutet mit seinem Humpen auf mein Mieder, und Bier schwappt über den Rand und tropft auf den Boden. »Zieh es aus.« Seine Stimme ist belegt von Begehren.

Ich starre auf die Wand hinter ihm, und meine Finger zittern, als ich die Bänder zu lösen versuche. Aber ich bin nicht schnell genug. Unmöglich, schnell genug zu sein. Er macht drei riesige Schritte in meine Richtung und schlägt mich heftig auf die Wange. »Sofort!«, brüllt er, als mein Kopf zurückzuckt.

Galle steigt mir in die Kehle, und ich fürchte, dass ich mich übergeben werde. So wird es also zwischen uns sein. Das war der Grund, warum er bereit war, drei Silbermünzen zu zahlen.

Meine Bänder sind endlich offen, und ich lege mein Mieder ab, sodass ich in Rock und Leibchen vor ihm stehe. Die abgestandene Luft, die noch Sekunden zuvor zu warm war, streift jetzt kalt meine Haut.

»Dein Rock«, blafft er schwer atmend.

Ich löse die Bänder und trete aus meinem Rock. Als ich mich umdrehe, um ihn auf die nahe Truhe zu legen, greift Guillo nach mir. Er ist überraschend schnell für einen so massigen und dummen Menschen, aber ich bin schneller. Ich habe jahrelange Übung darin, den Wutanfällen meines Vaters zu entfliehen.

Ich zucke zurück, wirbele aus seiner Reichweite und erzürne ihn damit. Dabei denke ich gar nicht darüber nach, wohin ich laufen könnte, sondern wünsche mir nur, das Unausweichliche noch ein Weilchen länger hinauszuschieben.

Ein lautes Krachen ertönt, als Guillos halbleerer Humpen die Wand hinter mir trifft, und Bier spritzt durch den Raum. Guillo knurrt und macht einen Satz, aber irgendetwas in mir will – kann – es ihm nicht so leicht machen. Ich hechte aus seiner Reichweite.

Aber nicht weit genug. Ich spüre ein Ziehen, dann höre ich ein Reißen von Stoff, als er mein dünnes, abgetragenes Leibchen zerfetzt.

Stille erfüllt den Dachboden – lähmende Schockstille, selbst Guillos erregtes Atmen setzt aus. Ich spüre, wie sein Blick meinen Rücken hinunterwandert und er die roten Schwielen und Narben sieht, die das Gift hinterlassen hat. Ich schaue über die Schulter und sehe, dass sein Gesicht kreidebleich geworden ist und seine Augen sich geweitet haben. Als unsere Blicke sich treffen, weiß er, dass er übertölpelt wurde. Dann brüllt er, ein langer, tiefer Laut des Zorns, in dem sich zu gleichen Teilen Wut und Furcht mischen.

Einen Augenblick später kracht seine grobe Hand gegen meinen Schädel, und ich falle auf die Knie. Der Schmerz sterbender Hoffnung ist schlimmer als Guillos Fäuste und Stiefel.

Als sein Zorn verraucht ist, bückt er sich und packt mich am Haar. »Jetzt werde ich einen richtigen Priester holen. Er wird dich verbrennen oder dich ertränken. Vielleicht beides.« Er schleift mich die Treppe hinunter, und meine Knie schlagen schmerzhaft gegeneinander. Er zerrt mich weiter durch die Küche, dann stößt er mich hinunter auf die gestampfte Erde des kleinen Kellers, schlägt die Tür zu und verschließt sie.

Mit blauen Flecken und möglicherweise gebrochenen Knochen liege ich auf dem Boden, meine zerschundene Wange in den kühlen Dreck gepresst. Außerstande, mich daran zu hindern, lächele ich.

Ich bin dem Schicksal entgangen, dass mein Vater für mich geplant hatte. Am Ende bin ich diejenige, die gewonnen hat, nicht er.

Das Quietschen des Riegels, der angehoben wird, reißt mich aus dem Schlaf. Ich setze mich auf und presse mir die zerfetzten Überreste meines Leibchens an die Brust. Als die Tür sich öffnet, sehe ich zu meiner Überraschung den Dorfpfaffen, diesen Hasenfuß, der nur Stunden zuvor unsere Ehe gesegnet hat. Guillo ist nicht bei ihm, und meiner Meinung nach ist jeder Augenblick ohne meinen Vater oder Guillo ein glücklicher.

Der Priester wirft einen Blick hinter sich, dann bedeutet er mir, ihm zu folgen.

Ich stehe auf, und das Kellerloch dreht sich schwindelerregend. Ich lege eine Hand an die Wand und warte darauf, dass das Gefühl abebbt. Der Priester gestikuliert abermals, drängender. »Wir haben nicht viel Zeit, bis er zurückkommt.«

Seine Worte machen mir den Kopf klar, wie nichts anderes es kann. Wenn er ohne Guillos Wissen handelt, dann hilft er mir bestimmt. »Ich komme.« Ich stoße mich von der Wand ab, trete vorsichtig über einen Sack Zwiebeln und folge dem Geistlichen in die Küche. Es ist dunkel; das einzige Licht kommt von den glimmenden Kohlen im Herd. Ich sollte mich fragen, wie der Priester mich gefunden hat, warum er mir hilft, aber es ist mir gleich. Ich kann an nichts anderes denken als daran, dass er nicht Guillo und nicht mein Vater ist. Der Rest spielt keine Rolle.

Er führt mich zur Hintertür, und an einem Tag voller Überraschungen entdecke ich eine weitere, als ich die alte Kräuterhexe aus unserem Dorf in der Nähe stehen sehe. Wenn ich mich nicht so sehr darauf konzentrieren müsste, einen Fuß vor den anderen zu setzen, würde ich sie fragen, was sie hier tut, aber ich habe schon Mühe, mich aufrecht zu halten und nicht der Länge nach in den Schmutz zu fallen.

Als ich in die Nacht hinaustrete, entfährt mir ein Seufzer der Erleichterung. Es ist dunkel draußen, und die Dunkelheit war immer meine Freundin. In der Nähe wartet ein Karren. Der Priester hilft mir auf die Ladefläche und berührt mich dabei so wenig wie möglich, bevor er zum Kutschbock eilt und sich hinaufschwingt. Er schaut mich über seine Schulter hinweg an, dann wendet er den Blick ab, als habe er sich verbrannt. »Da hinten ist eine Decke«, murmelt er, während er den Klepper auf den gepflasterten Weg lenkt. »Krieche darunter.«

Meine geschundenen Knochen scheuern schmerzhaft auf dem harten Holz des holprigen Karrens, und die fadenscheinige Decke kratzt und riecht nach Esel. Trotzdem wünschte ich, sie hätten eine zweite als Polster dazugelegt. »Wohin bringt Ihr mich?«

»Zum Boot.«

Ein Boot bedeutet Wasser, und die Überquerung von Wasser bedeutet, dass ich weit fort sein werde von meinem Vater und Guillo und der Kirche. »Und wohin bringt mich das Boot?«, frage ich, aber der Priester antwortet nicht. Erschöpfung überwältigt mich. Ich habe keine Kraft mehr, ihm weiter zuzusetzen; der Versuch, Antworten aus ihm herauszuholen, ist wie der Versuch, einem dornigen Busch saftige Beeren abzuringen. Ich strecke mich aus und überlasse mich dem Schaukeln des Karrens.

Und so beginnt meine Reise quer durch die Bretagne. Ich werde wie eine verbotene Fracht geschmuggelt, versteckt zwischen Rüben oder im Heu auf der Ladefläche von Wagen, geweckt von verstohlenen Stimmen und tastenden Händen, während ich von Priestern zu Kräuterfrauen weitergereicht werde, eine verborgene Kette jener, die in Übereinstimmung mit den alten Heiligen leben und entschlossen sind, mich nicht der Kirche zu überlassen. Die Priester mit ihren unbeholfenen Bewegungen und ihren modrigen, abgetragenen Roben sind durchaus freundlich, aber, was meinen geschundenen Körper anbetrifft, ungeübt in Sanftheit oder Mitgefühl. Die Kräuterhexen mag ich lieber; ihre rissigen, abgearbeiteten Hände sind weich wie Lammwolle, und der scharfe, würzige Duft von hundert verschiedenen Kräutern haftet ihnen an wie ein wohlriechendes Parfum. Die meisten verabreichen mir eine Mohntinktur gegen meine Verletzungen, während die Priester mir lediglich ihr Mitleid aussprechen, und einige tun auch dies nur widerstrebend.

Als ich aufwache – ich schätze, es ist die fünfte Nacht meiner Reise –, rieche ich den salzigen Geruch des Meeres und erinnere mich an das Versprechen, auf ein Boot gebracht zu werden. Ich mühe mich in eine aufrechte Position und stelle erfreut fest, dass meine Prellungen schon viel weniger schmerzen und meine Wunden nicht mehr brennen. Wir passieren ein kleines Fischerdorf. Gegen die Kälte ziehe ich die Decke dicht um mich und bin gespannt darauf, was als Nächstes geschehen wird.

Ganz am Rand des Dorfes steht eine steinerne Kirche. Dorthin lenkt der letzte Priester unseren Karren, und ich bin erleichtert, am Tor der Kirche den Anker des heiligen Mer zu sehen, eines der alten Heiligen. Der Priester zügelt sein Pferd. »Steig aus.«

Ich kann nicht sagen, ob es Müdigkeit oder Geringschätzung ist, was ich in seiner Stimme höre, aber so oder so, meine Reise mit ihm ist fast zu Ende, also ignoriere ich es und steige aus dem Karren, wobei ich die Decke fest um mich geschlungen halte, damit ich sein Gefühl für Schicklichkeit nicht verletze.

Sobald er das Pferd angebunden hat, führt er mich zum Strand, wo ein einsames Boot wartet. Der tintenschwarze Ozean breitet sich aus, so weit das Auge reicht, und lässt das Boot sehr klein erscheinen.

Ein alter Seemann sitzt vornübergebeugt im Bug. An einer Schnur um seinen Hals hängt eine knochenweiß gebleichte Muschel, was ihn als einen Anhänger des heiligen Mer ausweist. Ich frage mich, was er davon hält, mitten in der Nacht geweckt zu werden und Fremde auf das dunkle Meer hinausrudern zu müssen.

Die blassblauen Augen des Seemanns wandern über mich hinweg. Er nickt. »Steigt ein. Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit.« Er schiebt mir ein Ruder hinüber, und ich ergreife es, um mich daran festzuhalten, während ich in das Boot steige.

Das kleine Boot schwankt und schaukelt, und für einen Moment fürchte ich, dass es mich in das eisige Wasser werfen wird. Aber es richtet sich wieder auf, und dann steigt der Priester ein, sodass der Rumpf noch tiefer ins Wasser sinkt.

Der alte Seemann brummt etwas Unverständliches, dann steckt er den Riemen zurück in die Dolle und beginnt zu rudern.

Wir erreichen die kleine Insel, gerade als die Morgendämmerung den Horizont im Osten rosig färbt. Die Insel sieht in dem frühen, spärlichen Licht karg aus. Als wir näher kommen, sehe ich eine Steinstele neben einer Kirche und begreife, dass wir zu einer der alten Gebetsstätten fahren.

Kies knirscht unter dem Rumpf des Bootes, als der alte Seemann es direkt auf den Strand rudert. Er macht eine ruckartige Kopfbewegung in Richtung des steinernen Bollwerks. »Nun steigt aus. Die Äbtissin von St. Mortain erwartet Euch.«

Der heilige Mortain? Der Schutzpatron des Todes. Ein Beben des Unbehagens überkommt mich. Ich betrachte den Priester, der den Blick abwendet, als sei es eine zu große fleischliche Versuchung, mich anzusehen.

Ich ziehe die Decke noch fester um mich, klettere unbeholfen aus dem Boot und trete in das flache Wasser. Hin und her gerissen zwischen Dankbarkeit und Ärger mache ich einen kleinen Knicks und lasse dabei die Decke für den Bruchteil einer Sekunde vorsätzlich von meiner Schulter gleiten.

Das hat gereicht. Befriedigt über das Aufkeuchen des Priesters und das Zungenschnalzen des alten Seemanns drehe ich mich um und wate durch das kalte Wasser zum Strand. Ich habe bisher nicht einmal einen Knöchel sehen lassen, wirklich nicht, aber es verärgert mich zutiefst, in meinem zerschundenen Zustand wie eine böse Versuchung behandelt zu werden.

Als ich das Gras erreiche, das spärlich zwischen den Steinen wächst, schaue ich zu dem Boot zurück, aber es fährt bereits wieder aufs Meer hinaus. Ich drehe mich um und gehe auf das Kloster zu, gespannt darauf zu sehen, was jene, die dem Tod huldigen, von mir wollen.

Zwei

ZWEI URALTE STEINSTELEN MARKIEREN den Eingang zum Kloster. Die Hühner im Innenhof beginnen gerade erst, sich zu regen, und scharren in der staubigen Erde nach ihrem Frühstück. Als ich näher komme, gackern sie und flattern davon.

Ich bleibe am Tor stehen und wünsche mir, ich könnte ein Eckchen finden und schlafen, bis mein Kopf wieder klar ist, aber der Seemann hatte gesagt, die Äbtissin erwarte mich, und obwohl ich nicht viel über Äbtissinnen weiß, vermute ich, dass sie nicht gern warten.

Mein Herz hämmert wild, als ich die Hand hebe und anklopfe. Die schwere Tür wird sofort geöffnet und gibt den Blick auf eine kleine, reizlose Frau frei, die von Kopfbis Fuß in Schwarz gehüllt ist. Ohne ein Wort zu sagen, bedeutet sie mir einzutreten.

Ich folge ihr durch einen spärlich möblierten Raum und dann einen gleichermaßen spartanischen Flur entlang, der ins Herz des Klosters führt. Die Ordensschwester klopft an eine geschlossene Tür.

»Herein«, befiehlt eine Stimme.

Meine Begleiterin öffnet die Tür und gebietet mir einzutreten. Die Möbel sind schlicht, aber stabil, und frühmorgendliches Licht fällt durch das nach Osten gehende Fenster. Mein Blick wird sofort von der Frau angezogen, die an dem großen Schreibtisch in der Mitte des Raumes sitzt. Sie trägt ein schwarzes Gewand und einen Nonnenschleier, und ihr blasses Gesicht ist atemberaubend schön.

Ohne aufzuschauen, bedeutet sie mir, auf einem der Stühle Platz zu nehmen. Meine Schritte hallen leise in diesem großen Raum, als ich mich ihrem Schreibtisch nähere. Ich ziehe die Decke zurecht, dann setze ich mich.

Die Äbtissin hebt den Blick von ihrer Arbeit, und ich starre in ein Paar Augen, die so kühl und so blau sind wie das Meer. »Ismae Rienne.«

Ich zucke zusammen, erschrocken darüber, dass sie meinen Namen kennt.

»Weißt du, warum du hier bist, Kind?«

Ich weiß nicht, welche Antwort sie hören will, ich weiß nur, dass mich der plötzliche Drang überkommt, mir ihre Anerkennung zu verdienen. »Weil ich das Missfallen meines frisch angetrauten Ehemannes erregt habe?«

»Sein Missfallen erregt?« Die Äbtissin stößt ein leises Schnauben aus, und sie wird mir immer sympathischer. »Nach dem, was ich gehört habe, hat er sich praktisch aus Angst vor dir in die Hosen gemacht.«

Ich spüre die vertraute Scham, die in meine Wangen steigt, und senke den Blick auf den Schoß.

»Die Schuld liegt nicht bei dir, Tochter.« Sie sagt das so sanft, dass ich am liebsten losheulen würde. Ich habe noch nie eine Träne vergossen, nicht während all der Prügel meines Vaters oder Guillos Misshandlung, doch ein paar freundliche Worte von dieser Frau genügen, und ich kann nur mit Mühe verhindern, dass ich weine wie ein Baby.

»Also, erzähl einmal«, sagt sie und zieht Schreibfeder und Tintenfass heran. »Kennst du die Umstände deiner Geburt?«

Ich wage einen Blick auf ihr Gesicht, aber sie konzentriert sich auf das, was sie auf das Pergament schreibt. »Nur dass meine Mutter mich nicht gebären wollte. Sie ist zu einer Kräuterhexe gegangen, um Gift zu bekommen, und sie hat gehofft, mich aus ihrem Schoß vertreiben zu können.«

»Und doch hast du überlebt.« Sie schaut auf. Die Worte sind leise, bergen jedoch in der Stille dieses Raumes die Macht einer Verkündigung.

Ich halte dem ruhigen Blick der Äbtissin stand. »Und doch habe ich überlebt.«

»Hast du irgendeine Ahnung, was das bedeutet?«

»Ihr meint, davon abgesehen, dass ich mein Leben in Zurückgezogenheit verbringen musste, Schlägen ausweichen und unscheinbar bleiben, um anderen keine ungebührliche Angst einzujagen?«

»Ja, abgesehen davon.« Ihre Stimme ist trocken. Sie beugt sich vor, und ihre Augen leuchten entschlossen. »Haben sie nicht behauptet, Ismae, dass du vom Tod selbst gezeugt wurdest?«

Ich nicke vorsichtig.

»Nun, so ist es. Nach vielen Prüfungen bist du jetzt hier.«

»Prüfungen?«, frage ich. »Ist es das, was mein Leben gewesen ist? Eine Abfolge von Prüfungen, die ich bestehen musste?«

»Du kommst heißblütig zu uns, mein Kind, und es liegt mir fern, das zu bedauern. Es ist die heiß geschmiedete Klinge, die am stärksten ist.«

»Und wer genau ist uns?« Mein ganzer Körper wird reglos, als ich auf ihre Antwort warte.

»Du hast Zuflucht im Kloster St. Mortain gefunden. Und wahrlich, Mortain ist älter als jeder andere Heilige, selbst älter als Christus.«

»Einer der alten Götter, die wir jetzt Heilige nennen«, murmele ich.

»Ja, einer der alten Götter. Einer, den die Kirche nicht so leicht beiseiteschieben kann. Und so nennen wirIhn heilig, aber solange wir Ihm dienen, schert es Ihn nicht, wie Er genannt wird.«

»Wie dient man dem Tod?« Sollte ich mein Leben damit verbringen, Tote in Leichenkarren einzusammeln?

Der Blick der ehrwürdigen Mutter ist geradeheraus. »Wir führen Mortains Willen aus, wenn Er wünscht, dass Gewebe des Lebens zu verändern, aus Gründen, die nur Ihm bekannt sind.«

Ich sehe sie hilflos an und verstehe nicht, was weben mit Mortain zu tun hat. Sie seufzt und erhebt sich von ihrem Stuhl. »Vielleicht wäre eine Erfrischung angebracht.«

Ich will sie anflehen, mir mehr darüber zu erzählen, was es bedeuten könnte, die Tochter des Todes zu sein, aber ich habe den Verdacht, dass diese Frau keine Geduld mit Narren hat, daher halte ich den Mund.

Sie nimmt eine Flasche Wein und zwei Kristallkelche aus dem Schrank hinter ihrem Schreibtisch. Dann schenkt sie ein und hält mir einen Kelch hin. Das geschliffene Kristall ist feiner als alles, was ich je gesehen habe, und ich halte den Kelch zaghaft zwischen den Fingern, voller Angst, dass er zersplittern könnte.

»Hier im Kloster ist es unsere Aufgabe, jene auszubilden, die der Gott des Todes gezeugt hat. Wir lehren sie, ihre Pflichten schnell und wirkungsvoll zu erfüllen. Im Allgemeinen stellen wir fest, dass Er Seinen Töchtern irgendeine besondere Fähigkeit oder Kunst geschenkt hat. Fähigkeiten, die dir helfen werden, Seine Werke zu tun.«

Seine Werke. Die Worte stecken voller Möglichkeiten. Ich nippe an dem Wein, um mich zu fassen. Der Wein schmeckt süß und frisch.

»Darf ich wohl ein wenig raten, was dich betrifft?«, fragt die ehrwürdige Mutter. Ich nicke, und sie fährt fort. »Du erkrankst niemals an Fieber oder Schüttelfrost oder Durchfall. Selbst die Pest lässt dich unberührt, ist das richtig?«

Angesichts ihres unheimlichen Wissens weiten sich meine Augen. »Woher wisst Ihr solche Dinge?«

Sie lächelt. »Und ich weiß, dass du grausame Prügel überleben und binnen Tagen genesen kannst. Hast du auch Träume, die den Tod voraussagen?«

»Nein.« Ich schüttele den Kopf, und es tut mir leid, dass ich sie enttäusche. »Aber manchmal kann ich erkennen, wann Menschen sterben werden.«

Sie legt den Kopf schräg. »Sprich weiter.«

Ich senke den Blick und betrachte den Wein im Kelch. »Manchmal kann ich sehen, wie sie verblassen. Es ist so, als beobachte man eine Flamme, die in einer Laterne langsam erlischt. Und einmal habe ich ein Mal gesehen. Bei dem Schmied. Er bekam einen schwachen schwarzen Fleck auf der Stirn, und dieser Fleck hatte die Form eines Pferdehufs. Drei Tage später war er tot.«

Sie beugt sich auf ihrem Stuhl nach vorn, voller Eifer jetzt. »Wie ist er gestorben?«

»Eins der Pferde hat ihm bei der Arbeit vor den Kopf getreten.«

»Ah.« Ein erfreutes Lächeln umspielt ihre Mundwinkel. »Mortain hat dir mächtige Gaben geschenkt.« Sie greift nach der Schreibfeder und macht sich eine Notiz auf einem Pergament vor ihr. Kleine Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn, und ich nehme noch einen Schluck von dem Wein, um mich zu beruhigen. Es ist schwer, alte Geheimnisse zu lüften.

»Also«, sagt sie und schaut wieder zu mir herüber. »Du bist gut ausgerüstet für unseren Dienst.«

»Und der wäre?«

»Wir töten Menschen.« Die Worte der ehrwürdigen Mutter fallen wie Steine in die Stille des Raumes, so schockierend, dass mein Körper taub wird. Ich höre das Splittern von Kristall, als mein Kelch auf dem Boden aufschlägt.

Die Äbtissin ignoriert den zerbrochenen Kelch. »Natürlich sterben viele ohne unsere Hilfe. Es gibt jedoch jene, die zu sterben verdienen, aber noch nicht auf das richtige Mittel dafür gestoßen sind. Auf Mortains Geheiß helfen wir ihnen auf ihrem Weg.«

»Er braucht doch aber nicht unsere Hilfe?«

Ärger lodert in der Äbtissin auf, und zum ersten Mal spüre ich den eisernen Willen, von dem ich zuvor nur eine vage Ahnung hatte. »Wer bist du zu sagen, was der Gott des Todes braucht und was Er nicht braucht? Mortain ist ein alter Gott und verspürt nicht den Wunsch, vergessen zu werden und aus dieser Welt zu verschwinden, was der Grund ist, warum Er sich dafür entscheidet, sich mit den Angelegenheiten der Menschen zu beschäftigen.« Sie sieht mich noch einen Moment lang streng an, dann fällt die Anspannung von ihr ab wie eine Welle, die aufs Meer hinausgeht. »Was weißt du über die alten Götter?«, fragt sie nun.

»Nur dass sie einst die neun alten Götter der Bretagne waren, aber jetzt nennen wir sie Heilige. Und wir müssen ihnen gelegentlich eine Opfergabe oder ein Gebet darbringen, wenn wir sie nicht beleidigen oder ihren Zorn erregen wollen.«

»Du bist nah dran«, erwidert die Äbtissin und lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück, »aber das ist nicht alles. Die alten Götter sind weder Mensch noch Gott, sondern etwas dazwischen. Sie waren die ersten Bewohner unseres Landes, ausgesandt, Gottes Willen in dieser neuen Welt, die Er geschaffen hatte, auszuführen.

Zuerst war die Beziehung zwischen Göttern und Menschen schwierig; die Götter haben uns behandelt, wie wir Rinder oder Schafe behandeln. Aber schon bald lernten wir, sie mit Gebeten und Opfergaben zu ehren, was zu Harmonie zwischen uns führte. Selbst die Kirche gab sich anfangs damit zufrieden, uns die alten Götter ehren zu lassen, obwohl wir damals lernten, sie Heilige zu nennen. Aber in letzter Zeit hat sich das geändert. Geradeso wie Frankreich die meisten der kleineren Königreiche und Herzogtümer verschlungen hat, damit es all ihre Macht für sich beanspruchen konnte, arbeitet auch dieser neue Papst darauf hin, jede Spur der alten Sitten auszulöschen, weil er alle Gebete und Opfergaben für seine eigene Kirche will.

Daher schieben mehr und mehr Menschen die alten Sitten und Traditionen beiseite, die die Götter der Bretagne ehren. Aber nicht alle. Einige erheben noch immer die Stimme zum Gebet und bringen ihre Opfer dar. Ohne diese Huldigungen und Gebete würden die alten Götter sich von dieser Welt abkehren. Gewiss kannst du verstehen, warum Mortain dies nicht wünschen würde. Er nährt sich von unserem Glauben und unserer Huldigung, gerade so wie wir uns von Brot und Met nähren, um nicht zu verhungern.

Also ist es unsere Aufgabe, zu glauben und zu dienen. Wenn du dich dafür entscheidest, hierzubleiben und die Gelübde abzulegen, wirst du darauf eingeschworen werden, Mortain auf jede Weise zu dienen, wie Er es von dir verlangt. In allen Dingen. In allen Belangen. Wir führen Seinen Willen aus. Verstehst du das?«

»Ist das nicht Mord?«

»Nein. Du würdest von einer Königin nicht erwarten, dass sie ihre eigenen Kleider wäscht oder ihr eigenes Gewand schnürt; dafür hat sie ihre Mägde. Und so ist es auch bei uns; wir dienen dem Gott des Todes als Mägde. Wenn wir von Seinem Willen geleitet werden, ist das Töten ein Sakrament.«

Sie beugt sich vor, als brenne sie darauf, mich mit dem, was Mortain zu bieten hat, in Versuchung zu führen. »Wenn du dich dafür entscheidest zu bleiben, wirst du in Seinen Künsten ausgebildet werden. Du wirst mehr Methoden lernen, um einen Mann zu töten, als du es für möglich gehalten hättest. Wir werden dich lehren zu täuschen und blitzschnell zu reagieren. Fähigkeiten, die sicherstellen werden, dass kein Mann jemals wieder eine Bedrohung für dich sein kann.«

Ich denke an meinen Vater und an Guillo. Ich denke an all jene im Dorf, die sich solche Mühe gegeben haben, mir das Leben zur Qual zu machen. Die kleinen Jungen, die Steine nach mir geworfen haben, die alten Männer, die ausgespuckt und mich mit Entsetzen in den Augen angesehen haben, als hätten sie erwartet, dass ich die Seelen aus ihren alten, verrunzelten Körpern stehle. Die jungen Männer, die in dunklen Ecken unbeholfen nach meinen Röcken gegrapscht haben, weil sie zu Recht vermuteten, dass mein Vater sich nicht um meine Sicherheit oder meinen Ruf scherte. Es würde mir nicht im mindesten schwerfallen, solche wie sie zu töten. Wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich wie eine Katze, die aus großer Höhe fallen gelassen wurde, nur um auf den Füßen zu landen.

Als pflücke sie meine Gedanken aus meinem Kopf, spricht die Äbtissin weiter. »Sie werden nicht alle so sein wie sie, weißt du.«

Ich schaue überrascht auf, und sie fährt fort. »Jene, die Mortain dir zum Töten schickt. Sie werden nicht alle wie der Schweinebauer sein.«

Meine Ohren sind taub gegen ihre Warnung. Ich bin mir sicher, dass alle Männer so sind, und ich würde sie alle mit Freuden töten.

Aber sie bedrängt mich weiter, um sicherzustellen, dass ich sie vollkommen richtig verstehe. »Er wird dir Opfer abverlangen, aber es ist nicht deine Aufgabe, Fragen zu stellen. Du hast ausschließlich mit Liebe und Gehorsam zu dienen.« Eine Welle von Gefühlen gleitet kaum merklich über ihre Züge, eine Erinnerung an einen Schmerz, den ich nur erraten kann. »Das ist die Natur unseres Dienstes«, sagt sie. »Bedingungsloser Glaube. Bist du dazu fähig?«

»Was ist, wenn ich Nein sage?«

»Dann wird man dich weit fort von hier bringen und dich einem freundlichen, sanften Mann geben, der eine Ehefrau braucht.«

Ich wäge die Entscheidung ab, die überhaupt keine Entscheidung ist. Aus der Welt der Männer herausgeholt und darin ausgebildet zu werden, sie zu töten – oder wie ein Schaf einem Mann übergeben zu werden. »Wenn Ihr denkt, dass ich für den Dienst tauge, ehrwürdige Mutter, werde ich ihn mit Freuden tun.«

Sie lächelt und lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück. »Oh, du taugst für den Dienst. Du hast bereits die erste Prüfung bestanden.«

Etwas an ihrem Lächeln verursacht mir Unbehagen. »Ach ja?«

Die Äbtissin deutet mit dem Kopf auf den zersplitterten Kelch auf dem Boden. »Dein Wein war vergiftet. Genug, dass ein Schluck einen Mann töten würde, der doppelt so schwer ist wie du. Du hast ein geringes Unbehagen verspürt, mehr nicht.«

Ich bin so schockiert darüber, wie leichthin sie gesteht, mich vergiftet zu haben, dass ich nur schweigen kann. Und ich erinnere mich an das warme Schwindelgefühl, dass ich gerade gespürt hatte.

»Jetzt komm.« Die Äbtissin steht auf, geht zur Tür und öffnet sie. »Annith wird sich um dich kümmern. Willkommen im Kloster.«

Drei

ALS ICH AUS DEM Büro der ehrwürdigen Mutter trete, erwartet mich ein Mädchen, das nur geringfügig jünger ist als ich. Genau wie die Äbtissin ist Annith auffallend schön, mit Augen von der Farbe des sich stets wandelnden Meeres und feinem hellem Haar, das unter ihrem Schleier hervorlugt. Neben ihr fühle ich mich schäbig und zerlumpt, als sei meine bloße Anwesenheit ein Sakrileg in einem Kloster voller Schönheit. Aber sie lächelt mich an und hakt mich unter, als seien wir von Geburt an Freundinnen gewesen. »Ich bin Annith«, sagt sie. »Bringen wir dich in die Krankenstube.«

So gern ich sie begleiten möchte, so gern ich dieses neue Leben, dass mir angeboten wird, willkommen heißen möchte, zögere ich doch. Zuerst muss ich etwas verstehen. »Warte.«

Annith legt den Kopf schräg. »Was?«

»Wenn ich die erste Prüfung nicht bestanden hätte, hätte sie mich an dem Gift sterben lassen?« Ein Frösteln überläuft meine Schultern bei dem Gedanken, wie nahe ich daran gewesen war, dem Tod ins Auge zu sehen.

In Annith’ Zügen breitet sich Begreifen aus. »Aber nein! Die Äbtissin hätte einen Bezoarstein geholt, um das Gift zu neutralisieren, oder sich eine Tinktur aus Amaranth bringen lassen, um dich wiederzubeleben. Jetzt komm.« Sie zieht sanft an meinem Arm, und sie wirkt so sicher und beruhigend, dass es meine letzten Zweifel verscheucht.

Unsere Schritte hallen leicht in dem steinernen Flur wider, den Annith mich entlangführt. Türen säumen die Wände links und rechts von uns, und ich frage mich, welche Geheimnisse diese Räume bergen und wie bald es mir gestattet sein wird, mehr darüber zu erfahren.

Annith bleibt stehen, als wir einen lang gestreckten Raum mit sauberen weißen Wänden und einer Reihe Betten erreichen. Frische Luft strömt durchs Fenster, und ich höre das Geräusch der Wellen, die sich auf dem felsigen Ufer jenseits der Klostermauern brechen. Eine Nonne in einem mitternachtsblauen Habit hantiert an einem Tisch mit Mörser und Stößel. Bei unserem Erscheinen legt sie ihr Werkzeug bedächtig beiseite, bevor sie sich umdreht, um uns zu begrüßen.

Sie ist in mittleren Jahren, und ihr schwarzer Schleier schmeichelt ihrer olivenfarbenen Haut ganz und gar nicht. Er passt jedoch zu dem zarten Schnurrbart auf ihrer Oberlippe. Ich bin sehr erleichtert, dass sie nicht so schön ist wie die anderen. Zumindest werde ich hier nicht die Hässlichste sein.

»Die ehrwürdige Mutter schickt eine neue Patientin?« Ihr eifriger Tonfall erscheint mir unschicklich.

»Ja, Schwester Serafina«, antwortet Annith. »Sie ist übel verprügelt worden und hat viele blaue Flecken, möglicherweise gebrochene Rippen und Verletzungen der inneren Organe.«

Ich sehe Annith mit neuem Respekt an. Woher weiß sie das? Hat sie an der Tür gelauscht? Als ich ihr frisches, zartes Gesicht betrachte, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass sie etwas so Schändliches tun würde.

Die Nonne wischt sich die Hände an einem Leintuch ab und geht zu einem schlichten hölzernen Schrank, um eine Glasflasche herauszuholen. Die Flasche ist nicht so formschön oder kunstvoll wie der Kristallkelch, aber sie sieht genauso zerbrechlich aus. Trotzdem drückt die Nonne sie mir in die Hände und deutet auf einen hölzernen Wandschirm in der Ecke des Raums. »Zieh dich dorthin zurück, wenn du so freundlich sein willst.«

Ich starre die Flasche verständnislos an. Die Nonne sieht zu Annith hinüber. »Denkst du, ihr Gehör wurde ebenfalls beschädigt?«

»Nein, Schwester.« Annith’ Gesicht ist ernst, der Inbegriff pflichtschuldigen Respekts, und doch bin ich mir sicher, dass ich einen Anflug von Erheiterung spüren kann, die sie zu unterdrücken versucht.

Schwester Serafina dreht sich wieder zu mir um. »Pissen«, sagt sie, ein wenig lauter als notwendig, für den Fall, dass Annith sich in Bezug auf mein Gehör irrt. »Du musst in die Flasche pissen, damit ich erkennen kann, ob du irgendwelche inneren Verletzungen hast.«

Ich fühle mich zutiefst gedemütigt angesichts dieser Forderung, aber Annith versetzt mir einen ermutigenden Stoß. Schließlich eile ich zu dem ungestörten Plätzchen hinter dem Wandschirm und finde einen Nachttopf vor. Ich hebe meine Röcke, bringe mich in die richtige Position und bete, dass ich die Flasche treffen werde.

Die Nonne wendet sich wieder Annith zu. Ihre Stimme ist leise, aber mein Gehör ist scharf von so vielen Jahren, die ich damit verbracht habe, auf die Launen meines Vater zu lauschen.

»Hat die ehrwürdige Mutter sie geprüft?«

»Ja«, erwidert Annith. »Mit dem Wein.«

»Gelobt sei Mortain!« Sie klingt wirklich und wahrhaftig dankbar, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum. Als ich hinter dem Wandschirm hervorkomme, steht ein Ausdruck des Jubels auf ihrem reizlosen Gesicht. Sie nimmt mir die Flasche ab, und Bewunderung leuchtet in ihren Augen, als habe sie gerade entdeckt, dass ich nicht einfach ein Schaf bin, sondern ein preisgekröntes Schaf. »Annith wird dir eins der Betten geben, während ich einen Trank mische, um deine Genesung zu beschleunigen.« Sie lächelt noch immer, als sie sich wieder ihrem Arbeitstisch zuwendet.

»Hier drüben.« Annith’ Hand berührt sanft meinen Ellbogen, während sie mich zu einem der Betten führt. Es ist bezogen mit sauberer weißer Wäsche, und ich habe Angst, sie schmutzig zu machen. »Zieh deine Kleider aus«, befiehlt Annith. »Ich werde dir ein sauberes Hemd holen.«

Ich erinnere mich an den Befehl der ehrwürdigen Mutter, was Gehorsam betrifft, aber ich stelle fest, dass ich mich nicht dazu überwinden kann zu tun, was sie von mir verlangt. Genauso wie der Staub von meinem Gewand die saubere Wäsche verschandeln wird, bin ich mir sicher, dass der Anblick meiner grässlichen Narbe Annith’ Meinung von mir verderben wird. Ich kenne sie erst seit wenigen Minuten, aber ich habe bereits Angst, ihre Zuneigung zu verlieren.

Sie kehrt zu mir zurück, in den Händen ein Hemd, dem der saubere, frische Geruch von Lavendel anhaftet. Als sie sieht, dass ich immer noch angezogen bin, werden ihre Züge weicher. »Brauchst du Hilfe?«

»Nein.« Ich schlinge die Arme um meinen Körper. »Es ist nur so … ich … mein Fleisch ist narbig und hässlich, und ich möchte nicht, dass du mich abstoßend findest.«

»Unsinn«, sagt sie und tätschelt meinen Arm. »Hier im Kloster von St. Mortain haben wir alle Narben.« Als sie sich abwendet, um mir einen Moment der Ungestörtheit zu schenken, kann ich nicht umhin, mich zu fragen, was ihre Narben sein mögen.

Ich schlüpfe aus meinem alten, zerrissenen Leibchen, davon überzeugt, dass ich noch immer den Gestank von Schweinen riechen kann, wo Guillo es berührt hat.

»Matronas Fluch, nicht wahr?«

Beim Klang von Schwester Serafinas Stimme zucke ich zusammen. Verzweifelt darauf bedacht, mich zu bedecken, zerre ich das neue Hemd so schnell über meinen Kopf, dass mir schwindelig wird. Ich warte, bis das Gefühl vergeht, bevor ich mich zu der Nonne umdrehe. »Wie bitte?«

Sie deutet auf meinen Rücken. »Was deine Mutter benutzt hat, Kind. Als du in ihrem Schoß warst.«

»Ich kenne den Namen des Giftes der Kräuterhexe nicht.«

»Aber ich.« Ihre Augen sind voller Mitgefühl. »Nur Matronas Fluch kann eine solche Narbe hinterlassen. Und nun ab ins Bett mit dir.«

Annith steht abwartend daneben, während ich ins Bett steige, dann beugt sie sich vor und zieht die Decken um mich herum fest. Als sie fertig ist, reicht Schwester Serafina mir eine kleine Tasse mit einer abscheulichen Flüssigkeit, von der sie schwört, dass sie mir helfen wird. Ich trinke das Gebräu – das nach verfaulten Beeren und altem Heu schmeckt –, dann gebe ich ihr die Tasse zurück. Das Gefühl, dass man wegen mir so einen Wirbel veranstaltet, ist neu, und ich kann nicht sagen, ob es mir gefällt oder nicht.

Annith setzt sich auf einen Hocker an meinem Bett, dann schaut sie über die Schulter, um sich davon zu überzeugen, dass die Nonne an ihren Arbeitstisch zurückgekehrt ist. »Du kannst es vielleicht nicht nachempfinden«, sagt sie mit leiser Stimme, »aber Schwester Serafina ist hocherfreut über deine Ankunft. Abgesehen von ihr selbst ist niemand sonst hier immun gegen die Wirkungen von Gift, und sie hat so viel damit zu tun, das Kloster mit Vorräten zu versorgen, dass sie kaum noch nachkommt. Es wird wahrscheinlich eine deiner wesentlichen Pflichten sein, wenn du kuriert bist, ihr im Labor zu helfen.«

»Bei Giften?«, frage ich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie richtig verstehe.

Annith nickt, und ich schaue zu der Nonne hinüber, die sich wieder am Arbeitstisch zu schaffen macht. Mir schwirrt der Kopf vor weiteren Fragen, aber als ich mich wieder umdrehe, um eine davon zu stellen, sehe ich, dass in dem Bett am Fenster auf der anderen Seite des Raums jemand liegt.

Zuerst bin ich froh, froh darüber, nicht die Einzige zu sein, um die sie sich kümmern müssen. Und dann sehe ich, dass das andere Mädchen mit den Handgelenken ans Bett gefesselt ist.

Panik steigt in mir auf, scharf und heiß. Es muss mir anzusehen sein, denn Annith dreht sich um und folgt meinem Blick. »Das ist nur, damit sie sich nicht selbst verletzt«, beeilt sie sich zu erklären. »Sie wurde vor drei Nächten hierhergebracht, und sie hat um sich geschlagen und geschrien. Es waren vier Nonnen nötig, um sie festzuhalten.«

Mein Blick wandert zu dem Mädchen zurück. »Ist sie wahnsinnig?«

»Vielleicht. Mit Sicherheit haben die Leute das gedacht, die sie hergebracht haben.«

»Hat man sie der gleichen Prüfung unterzogen wie mich?«

»Es geht ihr noch nicht gut genug, um geprüft zu werden, aber es wird geschehen, sobald es ihr besser geht.«

Als ich wieder zu dem Mädchen hinüberschaue, sehe ich, dass ihre Augen offen sind und sie uns anstarrt. Langsam breitet sich ein Lächeln aufihrem Gesicht aus. Das ist noch beunruhigender als die Fesseln an ihren Handgelenken.

Vier

EINIGE ZEIT SPÄTER ERWACHE ich davon, dass mir jemand übers Haar streicht. Die Berührung ist sanft und tröstlich, und ich staune über das Gefühl, das eine Berührung weckt, die nicht wehtut. Offensichtlich hat der Heiltrank geholfen.

»Armes Püppchen«, gurrt eine leise, kehlige Stimme. Da ich noch immer halb schlafe, brauche ich einen Moment, um zu begreifen, dass die Stimme weder Annith noch Schwester Serafina gehört. Sofort bin ich hellwach. Das Bett gegenüber ist leer, die Handgelenkfesseln baumeln lose daran herunter.

»Armes Püppchen«, murmelt abermals das Mädchen, das an meinem Bett kniet, und Furcht regt sich in meiner Brust.

»Wer bist du?«, flüstere ich.

Sie beugt sich näher zu mir. »Deine Schwester«, flüstert sie zurück. Ihre Worte vertreiben die letzten Reste des Schlafs. Ihr Haar ist ein wilder mitternachtsschwarzer Schopf und fällt ihr über Schultern und Rücken. Das schwache Mondlicht offenbart eine Prellung aufihrem Wangenknochen und eine Schnittwunde an der Lippe. Ich frage mich, ob sie die Verletzungen von den Nonnen hat oder ob sie sie bereits bei ihrer Ankunft hatte. »Meinst du, du wurdest ebenfalls vom heiligen Mortain gezeugt?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!