Griechische Hochzeit - Margaret Mayo - E-Book

Griechische Hochzeit E-Book

Margaret Mayo

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Beschreibung

Fassungslos hört Dione, was Theo Tsardikos von ihr verlangt: Nur wenn sie ihn heiratet, ist der griechische Millionär bereit, das Unternehmen ihres Vaters zu retten! Eine Ehe ohne Liebe scheint sie an Theos Seite zu erwarten! Doch da täuscht sich die gekaufte Braut gründlich …

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Griechische Hochzeit erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2006 by Margaret Mayo Originaltitel: „Bought for Marriage“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA EXTRA, Band 289 Übersetzung: Iris Pompesius

Umschlagsmotive: GettyImages / Anfisa Borodich

Veröffentlicht im ePub Format in 8/2021

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751508018

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

„Du erwartest, dass ich zu Theo Tsardikos gehe und ihn um Geld für dich bitte?“ Dione sah ihren Vater fassungslos an.

Yannis Keristari bezeichnete Theodossus Tsardikos doch seit Jahren als seinen Erzfeind. Außerdem war Tsardikos nicht irgendjemand, sondern ein in ganz Griechenland und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter und angesehener Geschäftsmann. Ihm gehörte eine internationale Kette Luxushotels.

Vor Jahren hatte ihr Vater einmal versucht, mit ihm ins Geschäft zu kommen und in dessen Hotels die Restaurants zu betreiben. Doch sein Vorschlag war ziemlich grob abgelehnt worden. Theo Tsardikos machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Yannis Keristari, und Dione konnte ihm das nicht einmal übel nehmen.

„Vater, das kann ich nicht.“

Yannis sank zurück in die Kissen. „Dann ist es aus mit mir.“

„Dein Vater meint, dass du noch einmal darüber nachdenken solltest“, erklärte Phrosini und sah ihre Stieftochter flehend an. „Lass uns jetzt nach Hause fahren und später darüber sprechen.“

Als sie das Krankenzimmer verließen, warf Dione noch einmal einen Blick zurück. Verlangte ihr Vater ernsthaft, dass sie um Geld für ihn bettelte? Scheute er sich nicht, sie derart zu demütigen? Solange sie denken konnte, versuchte er, ihr seinen Willen aufzuzwingen. Sie hatte diese Kämpfe gründlich satt. Und trotzdem bemühte sie sich weiterhin, ihm eine gute Tochter zu sein.

So war es auch vor vierundzwanzig Stunden gewesen, als sie noch ihre Mutter in England besuchte. Dort erreichte Dione der Anruf ihrer Stiefmutter. Ihrem Vater ginge es schlecht, er verlange nach ihr.

„Ich muss zurück nach Griechenland, Mom. Vater hatte einen Herzinfarkt und liegt im Krankenhaus.“

Vor Schreck legte Jeannie die Hand vor den Mund. „Wie furchtbar! Natürlich musst du fliegen, Dione. Ich werde Chris benachrichtigen. Hoffentlich geht es Yannis bald wieder besser.“

Das war typisch für ihre selbstlose Mutter. Dione fand es sonderbar, dass Jeannie sich sogar ihrem Exmann gegenüber als großmütig erwies. Schließlich hatte er sie schlecht behandelt. Überhaupt ließ sich ihre Mutter von anderen Menschen viel zu viel gefallen. Das sprach Dione jedoch aus Liebe und Zartgefühl nie aus.

Da sie erst für den nächsten Tag einen Flug bekam, konnte sie sich wenigstens persönlich von Chris verabschieden.

„Ich komme mit“, sagte er spontan. „Ich will meine Verlobte in so einer schwierigen Situation nicht allein lassen.“

Eigentlich hatte Dione ohnehin vorgehabt, Chris mit nach Griechenland zu nehmen, damit er ihren Vater kennenlernen und um ihre Hand anhalten konnte. Doch unter den neuen Umständen erschien ihr das nicht ratsam. Den Schock, dass seine Tochter beabsichtigte, einen Engländer zu heiraten, würde ihr kranker Vater jetzt nicht verkraften.

Yannis war durch und durch Grieche. Sehr stolz, sehr traditionsbewusst. Ein nichtgriechischer Schwiegersohn kam für ihn nicht infrage. Dione hatte allerdings andere Zukunftspläne. Sie wollte dem Einfluss ihres Vaters entkommen und sah ihre einzige Chance darin, sich in England niederzulassen.

Christopher Donovan hatte sie bei einem ihrer häufigen Besuche in London getroffen. Über seinen Heiratsantrag dachte sie lange und gründlich nach, bevor sie ihn schließlich annahm. Nicht, weil sie an ihrer Liebe zu Chris zweifelte. Nein, sie zweifelte an seiner Liebe zu ihr. Jedenfalls in letzter Zeit.

Er hatte ihr immer wieder versichert, seine letzte Beziehung wäre beendet. Aber eine Bekannte erzählte ihr, dass er sich weiterhin mit seiner früheren Freundin traf. Von Dione zur Rede gestellt, stritt er jedoch alles ab.

„Es ist besser, wenn ich alleine fahre“, sagte sie. „Mein Vater ist zu krank, um sich auf einen Fremden einzustellen.“

„Wahrscheinlich hast du recht“, gab Chris nach. „Aber du rufst mich doch an?“

„Natürlich.“

Nach der Landung in Athen eilte Dione durch die Ankunftshalle. Ihre Stiefmutter wartete am Taxistand auf sie. Dione mochte Phrosini sehr. Diese kleine mollige Frau mit dem bezaubernd schönen Gesicht war die ideale Lebensgefährtin für ihren Vater. Sie setzte sich so klug gegen ihn durch, dass er es nicht einmal merkte. Jeannie war zu schwach gewesen, um sich gegen seine herrische Art zu wehren.

„Phrosini, wie schön, dass du gekommen bist. Aber wieso bist du nicht bei Vater? Geht es ihm wieder gut?“

„Leider nicht“, sagte Phrosini. „Ich mache mir große Sorgen. Yannis ist sehr krank. Gut, dass du da bist, Dione.“

„Warum hast du mich nicht eher benachrichtigt?“

„Ich wollte dir nicht die Ferien verderben. Du bist doch so gern bei deiner Mutter in England. Außerdem hoffte ich, dass sein Zustand sich bessert.“

Auf direktem Weg fuhren sie zum Krankenhaus. Als Dione das Zimmer ihres Vaters betrat, erschrak sie. Er war an Maschinen angeschlossen, sah besorgniserregend hager aus, und seine Haut wirkte grau und faltig.

„Dione, endlich“, krächzte er.

Sie stürzte an sein Bett und umarmte ihn. „Vater, was machst du für Sachen? Warum hast du mich nicht früher gerufen?“

Er streichelte ihre Hand. „Ich wollte dich nicht beunruhigen, Kind.“

„Was hat dich denn umgeworfen?“, wollte Dione wissen. „Du warst doch immer so gesund und stark wie ein Stier.“

„Ach, Kind.“ Yannis blickte Hilfe suchend zu seiner Frau. „Phrosini, sag du es ihr“, flüsterte er heiser.

Diones Stiefmutter schloss die Augen und seufzte. „Mit den Geschäften deines Vaters geht es bergab. Es sieht schlecht aus. Sehr schlecht.“

Yannis hatte von seinem Vater ein Restaurant geerbt und danach eine ganze Reihe erfolgreicher Restaurants eröffnet. Von Schwierigkeiten war niemals die Rede gewesen.

„Es gab enorme Umsatzeinbrüche“, erklärte Phrosini. „Jetzt helfen nur noch radikale Umstrukturierungen. Aber dafür braucht dein Vater eine Menge Geld, das er nicht hat. Seine Restaurants machen Verluste.“

Für sie als Tochter war das ein Schlag. Aber für sie als Innenarchitektin kam diese Nachricht nicht ganz überraschend. Nach Diones Ausbildung in England hatte Yannis darauf bestanden, dass sie zurückkehrte, um für ihn zu arbeiten. Seitdem kümmerte sie sich um die nötigen Renovierungen seiner Restaurants. Aber sie durfte ihre zeitgemäßen und guten Ideen nicht verwirklichen. Mit Argusaugen überwachte ihr Vater alles, was sie tat, und bestand auf seinen Vorstellungen. Er nannte sie traditionsbewusst, aber in Wirklichkeit waren sie hoffnungslos veraltet. Kein Wunder, dass die Gäste sich nicht wohlfühlten und ausblieben.

„Das ist ja schrecklich“, sagte Dione.

„Nicht einmal mich hat er in seine Nöte eingeweiht. Dein Vater hat all seine Sorgen für sich behalten. Bis sein Herz nicht mehr mitmachte.“ Phrosini drückte die Hand ihres Mannes. „Du bist ein scheußlicher Dickkopf, Yannis.“

Sein Versuch zu lächeln misslang. „Und nun setze ich meine letzte Hoffnung auf dich, Tochter. Jetzt hängt alles von dir ab.“

„Von mir?“ Dione schüttelte den Kopf. „Aber wie soll ich dir denn helfen? So viel Geld, wie du brauchst, habe ich nicht.“ Das bescheidene Gehalt, das ihr Vater zahlte, reichte gerade zum Leben und für die regelmäßigen Flüge zu ihrer Mutter nach England. Ersparnisse hatte sie kaum.

„Ich möchte, dass du zu Theo Tsardikos gehst und ihn um ein Darlehen bittest“, erklärte Yannis mit gepresster Stimme. „Der Mann ist knallhart, das weiß ich. Aber wenn irgendjemand mit ihm verhandeln kann, dann bist du es.“

„Ich weiß, dass es eine Zumutung für dich ist“, sagte Phrosini, als sie etwas später zu Hause bei einem Kaffee zusammensaßen. „Aber von dir hängt jetzt wirklich alles ab. Wenn dein Vater dieses Geld nicht bekommt, ist er ruiniert. Und er hat nicht mehr die Kraft, von vorn anzufangen. Ich fürchte, er wird sterben, wenn er keinen neuen Lebensmut fasst. Die Ärzte tun alles, was sie können, aber …“ Sie brach ab. Ihr Gesicht sah blass aus und von Kummer gezeichnet.

„Es muss doch noch eine andere Lösung geben“, überlegte Dione. „Warum nimmt er keinen Kredit auf?“

„Die Banken geben ihm nichts mehr.“

Und Freunde, die er um Hilfe bitten konnte, besaß ihr Vater nicht. Es gab nur wenige Menschen, die ihn mochten. Er war ein unverbesserlicher Tyrann. Sogar sie selbst hätte allen Grund gehabt, ihn zu hassen, weil er nicht gerade anständig mit ihrer Mutter umgegangen war. Doch Dione liebte ihren Vater und versuchte – so weit das möglich war – Frieden mit ihm zu halten. Das tat sie auch, weil sie ihn fürchtete.

Die Ehe ihrer Eltern war vor sechzehn Jahren geschieden worden. Danach hatte ihr Vater sie mit nach Griechenland genommen. Nur widerwillig und nur, wenn sie brav gewesen war, erlaubte er ihr, in den Schulferien ihre Mutter zu besuchen. Jetzt als Erwachsene verbrachte Dione so viel Zeit wie möglich in England. Ohne den Notruf wäre sie noch gute zwei Wochen dort geblieben.

„Es ist wirklich eine Zumutung“, sagte sie.

„Ich weiß.“

Phrosini hatte keine eigenen Kinder und hing an Dione wie an einer leiblichen Tochter. Auch Dione mochte ihre Stiefmutter von Herzen gern. Doch in diesem Moment wünschte sie, sie stünden einander weniger nah. Dann wäre ihr eine Ablehnung leichtergefallen.

Unglücklich sah sie die kleine Frau an. „Sieht aus, als hätte ich keine Wahl.“

Später, im Krankenhaus, war Dione froh, zugesagt zu haben. Ihr Vater sah noch elender aus als vor wenigen Stunden, und er atmete schwer. Aber als er die Neuigkeit erfuhr, lächelte er und seine Augen leuchteten auf.

„Danke, Dione. Ich danke dir aus tiefster Seele.“ Er drückte ihre Hand.

Nach einem tiefen Atemzug öffnete Dione die Tür, um dem legendären Theo Tsardikos entgegenzutreten. Sie wusste, dass die Verhandlung mit diesem Mann über das Leben ihres Vaters entschied.

Aber wie sollte sie erfolgreich verlaufen? Ihr Vater und dieser Mann waren schließlich erbitterte Feinde.

2. KAPITEL

Bislang kannte Theo die Tochter von Yannis Keristari noch nicht. Nun fühlte er sich angenehm überrascht und sah sie interessiert an.

Die junge Frau war groß, schlank und ausgesprochen hübsch. Er schätzte sie auf Mitte zwanzig. Sie trug hochhackige Schuhe, einen figurbetonten grauen Rock und eine dazu passende, hochgeschlossene Jacke. Seltsam, dass sie sich an einem so warmen Tag derart zugeknöpft gab. Geschah das aus Sittsamkeit oder weil sie unter dem Sommerkostüm nichts anhatte?

Lange, dichte schwarze Wimpern umrahmten ihre dunklen runden Augen. Ihre Nase war gerade und klein. Und der Mund – einfach hinreißend. Theo gelang es nur schwer, den Blick von seinem Gast zu lösen. Nichts an ihr erinnerte an ihren Vater. Und überhaupt sah sie anders aus als alle anderen griechischen Frauen. Das faszinierte ihn und machte ihn neugierig. Weshalb war sie zu ihm gekommen?

Wahrscheinlich hatte ihr Vater sie geschickt. Es kursierten Gerüchte, dass seine Geschäfte schlecht gingen. Wollte Keristari ihm über die Tochter seine Restaurants zum Kauf anbieten?

Theo bat seine Besucherin, Platz zu nehmen. Als sie sich mit anmutigen Bewegungen setzte, nahm er ihren köstlichen Duft wahr.

„Mr. Tsardikos.“

„Bitte nennen Sie mich Theo“, unterbrach er sie.

„Dies ist kein Privatbesuch“, wehrte sie ab und schüttelte den Kopf. Dabei flog ihr schulterlanges schwarzes Haar zur Seite, und Theo erhaschte einen Blick auf ihren schlanken Hals. Weil er das Bedürfnis verspürte, sie genau dorthin zu küssen, setzte er sich sicherheitshalber hinter den Schreibtisch.

„Wahrscheinlich“, knurrte er. „Aber wozu dieser formelle Umgangston? Schließlich sind Sie die Tochter eines alten … Bekannten von mir.“ Feind wäre der richtigere Ausdruck gewesen, aber der hätte sie wütend gemacht, bevor er den Grund ihres Besuchs erfuhr. „Möchten Sie Kaffee? Ich könnte …“

„Nein, danke.“

Offenbar hatte sie einen Auftrag zu erfüllen und wollte ihn schnell hinter sich bringen.

„Womit kann ich Ihnen sonst dienen?“ Er kreuzte die Arme vor der Brust. Warum ließ diese Frau ihn nicht kalt? Schließlich war sie doch die Tochter eines Mannes, für den er nicht die geringste Sympathie hegte. Was hatte sie nur an sich, auf das er als Mann reagierte? Unauffällig musterte er sie.

„Mein Vater braucht Geld.“

Wahrscheinlich hatte sie damit nicht gleich herausplatzen wollen, denn auf ihr beherrschtes Gesicht legte sich eine verräterische Röte. Das erleichterte Theo. Nun wusste er, woran er war. Keristari dachte nicht daran, ihm das Vorkaufsrecht zu überlassen. Er wollte Geld. Der Mann besaß wirklich Nerven!

„Ach ja?“

Dione nickte. „Mein Vater glaubt, Sie könnten ihm vielleicht helfen.“

Am liebsten hätte Theo sofort und ohne Umschweife abgelehnt. Er konnte Keristari nicht ausstehen und machte mit ihm keine Geschäfte. Aber Dione wollte er nicht so schnell gehen lassen. Seit Langem war er keiner derartig aufregenden Frau mehr begegnet. Und ihm gefiel, dass sie offenbar überhaupt nicht bemerkte, wie sie auf Männer wirkte. Es reizte ihn, diese Frau aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

„Warum wendet er sich ausgerechnet an mich?“ Theo lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Warum geht er nicht zu einer Bank?“

„Ich fürchte, dafür ist es zu spät“, gab Dione zu. „Mein Vater bezeichnet Sie als seine einzige Hoffnung, und er verlässt sich darauf.“

Zuerst sah Tsardikos verblüfft aus, dann flammte Ärger in seinen samtbraunen Augen auf. Schließlich fasste er sich wieder, doch Dione wusste, dass ihre Mission zum Scheitern verurteilt war. Aber sie durfte nicht so schnell aufgeben. Das Bild ihres kranken Vaters stand ihr vor Augen. Auch wenn sie ihn fürchtete und manchmal sogar verabscheute, ertrug sie es nicht, ihn leiden zu sehen.

„Er verlässt sich darauf?“, wiederholte Theo und zog die dunklen Brauen zusammen. „Warum erhofft er sich Hilfe von einem Mann, den er wahrscheinlich mehr hasst als irgendjemanden sonst auf der Welt? Das will mir nicht in den Kopf. Es sei denn, er hat keine Alternative.“

„Das weiß ich nicht.“ Dione hielt tapfer seinem bohrenden Blick stand. „Ich bin erst seit gestern wieder zu Hause. Ich habe meine Mutter in England besucht.“

„Dann ist Phrosini nicht Ihre leibliche Mutter?“, fragte er, auf einmal sehr wach und interessiert.

Sie schüttelte den Kopf und wünschte, Tsardikos wäre ein kleiner hässlicher Mann und würde sie nicht so abschätzend und herausfordernd begutachten.

„Das erklärt, warum Sie weder Phrosini noch Yannis ähnlich sehen.“

„Wem ich ähnlich sehe oder nicht, tut hier nichts zur Sache“, erklärte sie hitzig.

Er lächelte und zeigte weiße regelmäßige Zähne. In diesem Moment wirkte er siegesgewiss wie ein Raubtier, das mit seiner Beute spielte, bevor es Ernst machte.

„Ihr Vater benutzt Sie. Ist Ihnen das klar?“

Sie antwortete nicht auf diesen ersten Schlag.

„Er benutzt Sie wie alle anderen Menschen.“

Auch diesen zweiten Schlag nahm sie hin, ohne zu reagieren.

„Dione – ich darf Sie doch so nennen –, am besten Sie gehen sofort zu ihm und übermitteln ihm meine Antwort. Sie lautet: Nein.“

Erst dieser Schlag raubte ihr den Atem. Doch vor einem so herzlosen Menschen wollte sie nicht einknicken. „Sie haben nicht einmal gefragt, um wie viel Geld mein Vater bittet“, sagte sie herausfordernd.

„Meine Entscheidung hängt nicht von der Summe ab“, antwortete Theo. „Keinen Cent würde ich ihm geben. Aber ich nehme an, Keristari braucht Euros. Und zwar mehrere Tausend. Was ist passiert?“

„Ich weiß nur, dass er so gut wie bankrott ist.“

„Misswirtschaft. Also seine eigene Schuld“, knurrte Theo.

„Ist das Ihr letztes Wort?“, fragte sie, und ihr Herz sank.

Wieder lehnte sich Theo Tsardikos zurück. Um seinen Mund spielte nun ein Lächeln, und seine Augen glänzten unergründlich. „Es gäbe eine andere Lösung.“

Dione schöpfte Hoffnung.

„Ich könnte das Geschäft Ihres Vaters retten. Unter einer Bedingung.“

„Und die wäre?“, fragte sie gespannt.

Er schwieg und taxierte unverschämt offen ihren Körper, bis sie unter seinem Blick vor Ärger und Empörung innerlich zitterte. Nach außen blieb sie jedoch ruhig, saß mit im Schoß gefalteten Händen da und wartete ab.

„Dass Sie meine Frau werden.“

Dione zuckte zusammen. War der Mann verrückt geworden? Er kannte sie ebenso wenig wie sie ihn. Und dieser Fremde redete von Heirat? Um sie zu bekommen, wollte er ihrem Vater Geld geben? Das war monströs.

Voller Wut sprang sie auf. „Das ist die schlimmste Geschmacklosigkeit, die ich je gehört habe“, rief sie. „Was bilden Sie sich eigentlich ein? Dass ich einen Fremden heirate?“

Und wieder lächelte er, was Dione als weitere Beleidigung empfand.

„Ich hatte den Eindruck, dass Ihnen das Glück Ihres Vaters am Herzen liegt. Sonst wären Sie doch gar nicht hier“, sagte er sanft.

„Das stimmt“, gab sie zu. „Aber ich lasse mich nicht kaufen.“ Der Mann wusste offenbar nicht, was er ihr da vorschlug. Wahrscheinlich hielt er sich für unwiderstehlich. Bei ihr wirkte seine Taktik allerdings nicht, mochte er ein noch so erfahrener und versierter Schürzenjäger sein.

„Sie haben die Wahl.“ Das klang völlig unbeteiligt. „Wenn Sie ablehnen, brauchen wir nicht weiter zu verhandeln.“

„Natürlich lehne ich ab. Für was halten Sie mich?“ Damit drehte Dione sich auf dem Absatz um und stürmte davon.

„Ich bleibe bei meinem Angebot. Falls Sie es sich anders überlegen, dürfen Sie gern darauf zurückkommen“, rief er ihr nach.

„Da können Sie lange warten“, schnaubte sie, bevor sie die Tür hinter sich zuschlug.

Wie mitgenommen und tief verletzt sie war, merkte Dione erst, als sie wieder auf der Straße stand. So konnte sie unmöglich ihrem Vater gegenübertreten. Deshalb nahm sie kein Taxi, sondern ging zu Fuß und machte einen langen Umweg, bis sie sich beruhigt hatte. Als sie schließlich vor Yannis’ Krankenbett stand, war sie sogar in der Lage, über Theo Tsardikos’ Angebot zu scherzen.